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Forschungskontroversen über den Ausbruch des Ersten Punischen Krieges im Hinblick auf die Rolle von Hieron II. und Syrakus

Hausarbeit 2017 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Die Ausgangslage vor Beginn des Ersten Punischen Krieges

3.Der Ausbruch des Ersten Punischen Krieges - Verbreitete Annahmen

4.Forschungskontroversen und alternative Annahmen über den Ausbruch und den weiteren Verlauf des Krieges
4.1 Feldzüge Hierons II. gegen Messana
4.2 Das umstrittene „doppelte Hilfegesuch“ der Mamertiner
4.3 Der Eingriff Roms und Karthagos
4.4 Die ersten Kriegsjahre bis zum römisch-syrakusanischen Bündnis
4.5 Der weitere Kriegsverlauf

5.Resümee

6.Literaturverzeichnis
6.1 Quellen/ Übersetzungen
6.2 Forschungsliteratur

1. Einleitung

Karthago und Rom - zwei antike Großmächte, deren Interessensphären vor 264 v. Chr. ziemlich unterschiedlich waren, sodass es normal zu keinen Konflikten hätte kommen müssen. Der Handelsmacht Karthago war es wichtig, den alleinigen Handel im westli- chen Mittelmeer zu halten, während Rom sich auf seine politische Herrschaft über Itali- en konzentrierte. An der Straße von Messana gerieten nun aber 264 v. Chr. die römische Politik und der karthagische Handel aneinander und es kam zu einem Krieg gewaltigen Ausmaßes, der 241 v. Chr. damit endete, dass Sizilien unter römischer Herrschaft stand.

In dieser Arbeit soll es vor allem um Forschungskontroversen über den Ausbruch dieses Ersten Punischen Krieges gehen. Was bewegte Rom dazu, in einen Weltkrieg einzutre- ten, obwohl es ihm eher daran hätte liegen müssen, die soeben erst gewonnene Herr- schaft über ganz Italien zu sichern? Oder traten die Römer gerade deshalb in diesen Krieg ein? Besonders betrachtet werden soll die Rolle von Hieron II. von Syrakus, in- dem aufgezeigt werden soll, dass er alles andere als eine neutrale Person war1 und eine wichtige Rolle beim Ausbruch des Krieges spielte. Wollten die Römer vielleicht nur in einen Krieg gegen ihn ziehen und erkannten sie den Krieg gegen die Punier dann erst später in seiner ganzen Tragweite?

Um diesen Fragen nachzugehen, wird zuerst die Ausgangslage vor Beginn des Ersten Punischen Krieges geschildert und anschließend die verbreiteten Annahmen über den Ausbruch des Krieges. Daraufhin werden die Forschungskontroversen in verschiedenen Unterpunkten ausgeführt, um anschließend ein Fazit zu ziehen.

In der Forschung herrschen rege Diskussionen, da man die vorliegenden Quellen alter- nativ deuten kann. Seitens der Karthager wurden leider fast alle Quellen bei der Zerstö- rung Karthagos 146 v. Chr. vernichtet, sodass fast nur griechische und lateinische Quel- len erhalten sind.2 Die einzige antike Primärquelle aus der Zeit des Punischen Krieges von Philinos von Akragas ist nicht mehr erhalten3, jedoch hat Polybios ihn als Quelle verwendet4 und auch Diodor nutzte ihn als Vorlage. Beide haben die Schilderungen des pro-karthagischen Philinos wohl als glaubwürdig eingestuft. Das gut erhaltene Werk von Polybios übergeht leider wichtige Details und legt geringen Wert auf Chronologie, da Polybios, wie er selbst erwähnt5, nur das Wesentliche zusammenfassen möchte.6 Di- odor liefert uns wichtige Erkenntnisse, jedoch ist nicht alles von ihm überliefert. Er- gänzt wird die Quellenlage durch das Werk von Zonaras. Zur Forschungslage lässt sich sagen, dass die meisten Abfassungen über dieses Thema in den 60/ 70er Jahren erschie- nen sind. Wichtig ist vor allem das Werk von MOLTHAGEN, das andere Literatur zu diesem Thema zusammenfasst und bewertet, aber auch die Literatur von HOFFMANN und BERVE.

2. Die Ausgangslage vor Beginn des Ersten Punischen Krieges

Zu Beginn des Ersten Punischen Krieges, also vor dem Jahre 264 v. Chr., herrschte auf Sizilien seit etwa 300 Jahren ein relativ stabiles Gleichgewicht zwischen Griechen und Karthagern.7 Es kam zwar öfter zu Auseinandersetzungen zwischen den Karthagern und dem griechischen Syrakus und seinen poleis, jedoch gelang es keiner der beiden Mäch- te, die andere von der Insel zu vertreiben. Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. beanspruchten die Karthager das westliche Drittel der Insel, während Syrakus die Ostküste bis fast hin- auf zur Meerenge von Messana besetzte.8 Weiterhin wurden von den Karthagern Malta, die Balearen, Sardinien, Korsika und die Pityusen militärisch besetzt. All diese Inseln waren für die Handelsmacht wichtig, um ihren Handelsweg zwischen dem Osten und dem Westen im Mittelmeer zu sichern.9

Die Römer hingegen hatten sich soeben erst im Pyrrhoskrieg (280-275 v. Chr.) die Herr- schaft über ganz Italien und somit die Vormacht im westlichen Mittelmeer erkämpft.10 In eben diesem Krieg hatten sich Karthago und Rom gegen die Griechen verbündet und sogar von einem römisch-karthagischen Friedensvertrag ist die Rede.11 Außerdem waren die Römer keine Seefahrer, sodass sich die Karthager vor den Römern nicht fürchteten.12

In Messana, an der östlichen Spitze Siziliens, bestand seit 289 v. Chr. ein „Räuberstaat“, begründet durch ehemalige kampanische Söldner des Agathokles von Syrakus, die das östliche Sizilien mit Raubzügen heimsuchten. Die Kampaner, die sich selbst „Mamertiner“ nannten, saßen außerdem auf der anderen Seite der Meerenge in Rhegion, also auf römischen Gebiet.13 270 v. Chr. vertrieben die Römer deshalb die dort ansässigen Kampaner und so rückten die Römer weiter an Sizilien heran.14

In Syrakus tat sich in der 270er Jahren ein neuer Herrscher auf, der schon im siziliani- schen Feldzug unter Pyrrhos von sich reden gemacht hatte und sogar von diesem ausge- zeichnet worden war, nämlich Hieron II.15 Als Pyrrhos im Jahr 275 v. Chr. Sizilien ver- ließ, ließ sich eben dieser Hieron von den Syrakusanern zum bevollmächtigten Strate- gen (strategos autokrator) wählen.16 Kurz darauf konnte er Syrakus einnehmen, was sehr wahrscheinlich gewaltsam geschah, denn das Amt des strategos autokrator wurde ihm vorerst nur von den Truppen, die fast ausschließlich aus Söldnern bestanden, verlie- hen. Erst nachdem er in die Stadt eingedrungen war, ließ er sich auch von der Volksver- sammlung zum Strategen wählen.17 Auch Polybios erwähnt, dass die Syrakusaner mit Hierons Wahl nicht einverstanden waren.18 Hieron II. sollte im Verlauf - und besonders beim Ausbruch - des Ersten Punischen Krieges noch eine wichtige Rolle spielen.

3. Der Ausbruch des Ersten Punischen Krieges - Verbreitete Annahmen

Die gängige Geschichte über den Ausbruch des Krieges nimmt zur Annahme, dass die Mamertiner den Nordosten Siziliens behaupten wollten und so in kriegerische Ausein- andersetzungen mit Hieron II. gerieten.19 Nachdem sie an der Schlacht am Longanos eine schwere Niederlage durch Hieron erfahren mussten, hätten sie sich an Rom gerich- tet und wegen dessen verzögerter Antwort etwas später auch an Karthago.20 Karthago eignete sich, weil es sich als griechischer Gegenspieler auf Sizilien anbot und Rom, weil es die neue italische Vormacht und ursprüngliche Heimat der kampanischen Söldner war. Die Stimmung in Rom zu dem Hilfegesuch sei geteilt gewesen, da Rom ja noch kurz vorher gegen die Kampaner in Rhegion eingeschritten war, aber auf der anderen Seite ein leichter Triumph lockte.21 Zunächst seien viele Senatoren abgeneigt gewesen, aber ein Volksentscheid hätte dann für die Entsendung von römischen Truppen und ein Bündnis mit den Mamertinern gestimmt.22 Die Karthager sandten eine Besatzung unter dem Admiral Hannibal nach Messana, doch als die Römer unter dem Consul Appius Claudius erschienen, wurden sie von dort wieder verdrängt. So kam es 264 v. Chr. zu ei- nem Konflikt zwischen den Römern und den Karthagern, der bis 241 v. Chr. anhalten sollte und später als der Erste Punische Krieg bekannt wurde.23

4. Forschungskontroversen und alternative Annahmen über den Ausbruch und den weiteren Verlauf des Krieges

4.1 Feldzüge Hierons II. gegen Messana

Die Probleme der Mamertiner begannen, als Hieron 271/70 v. Chr. zu seinem ersten Feldzug gegen die ihm lästigen Kampaner aufbrach. Diese erste Schlacht blieb aber ohne Erfolg und ließ die Mamertiner nur noch übermütiger werden.24 Wegen des Kampfes gegen die allseits unbeliebten Söldner aus Messana hat Hieron wahrscheinlich schnell an Sympathie in Syrakus gewonnen.25

Etwa zur gleichen Zeit gingen die Römer in Rhegion gegen die dort ansässigen Kampa- ner vor.26 Dabei hätten sie sogar Unterstützung durch Hieron in Form von Nahrungsmit- teln und einer Truppe erhalten.27 Diese Unterstützung ist laut MOLTHAGEN28 und BERVE29 wahrscheinlich nur eine Erfindung der späteren Überlieferung, hatte Hieron doch zu diesem Zeitpunkt seine Truppen selbst nötig. Glaubt man jedoch Polybios' Schilderung, dass Hieron die alten Söldner des Pyrrhos loswerden wollte und den ersten Feldzug ge- gen die Mamertiner absichtlich verloren hat, so ist die Schilderung von Zonaras über Hierons Hilfe doch glaubwürdig. Auch wenn er ihnen keine Truppen zur Verfügung ge- stellt hat, die Hilfe durch Nahrungsmittel ist vorstellbar und nicht unrealistisch.

Wegen der Besitzeinnahme benachbarter Gebiete der karthagisch besetzten Städte wurden die Mamertiner auch den Karthagern lästig30, aber die Feindschaft zwischen den Sikelioten und den Karthagern war zu tief, als dass es zu einem Bündnis hätte kommen können. Das dachte man zumindest noch zu diesem Zeitpunkt.31

[...]


1 Als eine neutrale Person in diesem Krieg nennt ihn HEUSS 1976, S. 70.

2 Vgl.: CHRIST 1980, S. 63.

3 Vgl.: BRINGMANN, Netzressource DNP, Zugriff am 19.12.2016.

4 Vgl.: Pol. 1, 14, 1 ff.

5 Vgl.: Pol. 1, 13, 6-7.

6 Vgl.: HOFFMANN 1969, S. 179.

7 Vgl.: HEUSS 1976, S. 69

8 Vgl.: HEFTNER 1997, S. 106.

9 Vgl.: HEUSS 1976, S. 67-68.

10 Vgl.: ebd.

11 Die Echtheit dieses sogenannten „Philinos-Vertrages“ ist aber umstritten. In diesem Vertrag sei (nach Philinos von Akragas) geregelt worden, dass sich die Karthager von Italien und die Römer von Syrakus fernzuhalten hätten. Die überwiegende Forschungsmeinung lautet, dass es diesen Vertrag nicht gegeben hat (Vgl.: HEUSS 1976, S. 69). Deshalb wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit der Vertrag außen vor gelassen.

12 Vgl.: HEUSS 1976, S. 69.

13 Vgl.: HEFTNER 1997, S. 111.

14 Vgl.: Pol. 1, 7, 8 und Zon. 8, 6, 14.

15 Vgl.: MEIER-WELCKER 1979, S. 25.

16 Vgl.: HEFTNER 1997, S. 112.

17 Vgl.: LEHMLER 2005, S. 51.

18 Vgl.: Pol. 1, 8, 4.

19 Vgl.: VOGT 1973, S. 144.

20 Vgl.: BRINGMANN, Netzressource DNP, Zugriff am 19.12.2016.

21 Vgl.: HEUSS 1976, S. 70.

22 Vgl.: VOGT 1973, S. 144.

23 Vgl.: BRINGMANN, Netzressource DNP, Zugriff am 19.12.2016.

24 Vgl.: Pol. 1, 9, 1-7. Polybios berichtet hier auch, dass Hieron die Schlacht absichtlich verloren hätte, da er die alten Söldner aus den eigenen Reihen loswerden wollte, um sich ein neues eigenes Heer aufzubauen. Hieron selbst sei zurück in Syrakus geblieben.

25 Vgl.: BERVE 1959, S. 12.

26 Vgl.: Pol. 1, 7, 8 und Zon. 8, 6, 14.

27 Vgl.: Zon. 8, 6, 14.

28 Vgl.: MOLTHAGEN 1975, S. 93.

29 Vgl.: BERVE 1959, S. 14.

30 Vgl.: Pol. 1, 8, 1.

31 Vgl.: BERVE 1959, S. 13.

Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668424746
ISBN (Buch)
9783668424753
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356629
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
forschungskontroversen ausbruch ersten punischen krieges hinblick rolle hieron syrakus

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