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Das Vereinsleben in den Niederlanden

Hausarbeit 2000 15 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Geschichtlicher Überblick
2.1 Das 19. Jahrhundert
2.2 Das 20. Jahrhundert

3. Die Leistung der Vereine für die Gesellschaft

4. Aktuelle Fakten des niederländischen Vereinslebens
4.1 Beispiel: Studiepunten

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenangaben

1. Vorwort

Das Vereinsleben in den Niederlanden soll in dieser Arbeit dargestellt werden. Zunächst ist eine Definition von Vrijwilligerswerk, also dem niederländischen Ausdruck für Vereinswesen, vonnöten. Diese ehrenamtliche Arbeit in Vereinen und Organisationen läßt viele Definitionen zu bzw. ist mit einer Definition allein nicht zu umschreiben. Die Gründe hierfür sind historische und kulturelle Variationen und Hintergründe. Hinzu kommen außerdem verschiedene Ansichten einzelner Instanzen, bei denen man ebenfalls den historischen Kontext in Betracht ziehen muß. Daraus folgt, daß keine eindeutige Beschreibung ehrenamtlicher Mitarbeit in Vereinen möglich ist. Es gibt zu viele verschiedene Gruppen und Zielsetzungen.[1] Eine Definition soll als Beispiel genannt werden: “De historische en culturele gevarieerdheid van het verschijnsel vrijwilligheid maakt vele definities mogelijk of maakt ze allemaal onmogelijk. Wel is een omschrijving mogelijk, die aangeeft waar men het over heeft, maar waarin onherroepelijk bepaalde historische exponenten van het verschijnsel of bepaalde gezichtshoeken aanwezig blijken te zijn.“[2]

Um das Thema „Vereinsleben in den Niederlanden“ einzuschränken, soll in Kapitel zwei ein geschichtlicher Überblick über die Entwicklung der Vereinskultur gegeben werden. Dieser Überblick wird sich auf das Vereinsleben beschränken, welches sich in organisierter Form entwickelt hat: also auch geschichtliche Hintergründe, die eine Typologie organisierten Vereinslebens zuläßt.

Kapitel drei beschreibt die Leistung der Vereine für die Gesellschaft. Hier wird auf die Aspekte Ehrenamt, Professionalisierung und den Freizeitaspekt genauer eingegangen. Anschließend werden in Kapitel vier einige aktuelle Fakten des niederländischen Vereinslebens genannt. Anhand eines Beispiels sollen abschließend die aktuellen Probleme in der Mitarbeit in Vereinen verdeutlicht werden.

2. Geschichtlicher Überblick

2.1 Das 19. Jahrhundert

Hier soll auf gesellschaftliche Gruppierungen eingegangen werden, die man als „Träger“ der Vereinskultur und -initiativen bezeichnen kann, ebenso auf entsprechende soziale Hintergründe, auf denen diese Initiativen gründen.[3] Im 19. Jahrhundert wurde die Vereinskultur mit Mildtätigkeit (liefdadigheid) in Verbindung gebracht. In dieser Zeit entstanden auch die ersten zielgerichteten Vereine. Ein Grund für das Bedürfnis, sich in Interessengruppen zusammenzuschließen, hing nicht wenig mit der Industrialisierung und den damit entstandenen Problemen zusammen.[4] Zu nennen sind besonders die Verarmung der Arbeiterklasse und die damit verbundene Gefahr sozialer Unruhe. Man kann diese Probleme als Triebfeder für die Gründung einzelner Vereine und Initiativen der Bourgeoisie betrachten. Das Prinzip der „liefdadigheid“ war es, die Sorgen und Nöte der Menschen zu erkennen zu lindern und sie schließlich zu verhindern wissen. Dieser Grundgedanke blieb bis heute in seinem Wesen derselbe.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es so zur Entstehung der ersten organisierten Vereine und Interessengruppen. Auch Beusekom erwähnt den Faktor der Mildtätigkeit als wichtigsten Beweggrund, dem „niedrigen Volk“, der Arbeiterklasse, zu helfen.[5] Dies war dementsprechend auch im Interesse des gesamten Bürgertums: Aufstände unzufriedener Arbeiter sollten so erst gar nicht aufkommen können.

2.2 Das 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich selbständige Organisationen. Sie waren nicht mehr nur darauf bedacht, der armen Bevölkerung zu helfen: der kulturelle Aspekt spielte nun außerdem eine große Rolle. In bezug auf die Freizeitgestaltung, Interessenvertretungen in Firmen und auf Sport-, Theater- und Musikvereine wurde das Vereinswesen auf alle Bevölkerungsschichten zugeschnitten: “Ondanks het voortbestaan van schrijnende sociale tegenstellingen treedt in het laatste kwart van de 19e eeuw verbetering op in de levensstandaard. Dit leidt ertoe dat in het begin van de 20e eeuw een bredere kring uit de bevolking zich vrij kan maken voor vormen van ontplooiing...“[6] Erwähnenswert ist zudem die ehrenamtliche Arbeit in kirchlichen Organisationen und in der Politik. Auch im Vereinswesen ist die niederländische Struktur der Versäulung zu Beginn des 20. Jahrhunderts gut zu erkennen. In den versäulten Organisationen war mehr und mehr der Gedanke der privaten Initiativen zu finden. Auch hier wollte man in seiner eigenen Gesellschaftsstruktur seine eigenen Interessen vertreten können sowie sich von den anderen Strukturen klar abgrenzen. Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg konnte man eine deutliche Professionalisierung im Rahmen der versäulten Vereine ausmachen. Besonders der Staat nahm in dieser Periode eine wichtige Position ein.[7] Viele Initiativen fanden innerhalb der Particulier Initiatief (P.I.) statt, hier vollzogen sich im Laufe der Jahre viele Veränderungen als Folge von Professionalisierung und Institutionalisierung. Um die Jahrhundertwende entstand ebenso die erste Berufsausbildung auf dem Gebiet der Vereinskultur, basierend auf dem bereits genannten Prinzip der liefdadigheid. Daraus resultierten u. a. Berufe in der Altenpflege etc. Diese Berufsausbildungen waren die Konsequenz der Tatsache, daß es häufig nicht genug gründlich ausgebildete Menschen in den Pflegeberufen gab. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg fand eine durchgehende Professionalisierung statt. Dies galt auch im Rahmen des Sozialstaates. Nachdem die Regierung sich dazu bereit erklärte, Mitverantwortung zu übernehmen, waren die Instanzen und Vereine verpflichtet, für kontinuierliche Qualität und Anspruch zu sorgen. So entwickelten sich laufend mehr Berufe in diesen Sektoren, während die Anzahl ehrenamtlicher Dienste zurückging. Trotzdem blieb dem Vereinswesen der Gedanke, anderen zu helfen, nicht fremd. Nach 1945 entstanden u. a. drei Initiativen in den Niederlanden: die Unie van Vrouwelijke Vrijwilligers, De Zonnebloem und die Verenging Humanitas. Diese betrachteten das Unterstützen hilfebedürftiger Menschen für notwendig. Dies gilt besonders für die beiden erstgenannten Initiativen.[8]

[...]


[1] Beusekom, J. van; Verbruggen, F.; Reubsaet, T.: Vrijwilligerswerk: idealen of ambitie, Nijmegen 1991, S.1

[2] Hofstede, M.: Vrijwilligerswerk- een problematische oplossing?, Utrecht 1983, S.9

[3] Vgl. hierzu: Elzinga, A.; De Reus, A.; Aldershoff, D.: Vrijwillig maar niet vrijblijvend: Een onderzoek naar de aard en omvang van het vrijwilligerswerk en het vrijwilligersbeleid in Amsterdamse

instellingen, Leiden 1988, S. 17

[4] Vgl. Hofstede 1983, S. 10

[5] Vgl. Beusekom, Verbruggen, Reubsaet 1991, S. 7

[6] Vgl. Hofstede 1983, S. 11

[7] Vgl. Beusekom, Verbruggen, Reubsaet 1991, S. 7

[8] Vgl. Marck, E. van der: Vrijwilligerswerk: initiatief van burgers, Deventer 1983, S. 42

Details

Seiten
15
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638122047
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3566
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – ZfNL
Note
gut
Schlagworte
Vereinsleben Niederlanden
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