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Der Kulturimperialismus und die Biennale in Dakkar. Zwischen Dominanz und Veränderung

Hausarbeit 2015 11 Seiten

Kunst - Außereuropäische Kunst

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
a. Der Kulturimperialismus
b. Die Dak´Art Biennale

3. Fazit

4. Literatur

1. Einleitung

Im ersten Teil dieser Ausarbeitung wird die Theorie des kulturellen Imperialismus von Ulf Wuggenig erläutert und kurz dargestellt. Es wird gezeigt, welche Dominanz der kulturelle Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung auf das internationale zeitgenössische Kunst- feld hat. Da dieser Ansatz die Makroperspektive einnimmt, soll dem gegenüber zur Erweite- rung auch die Mikroperspektive aufgezeigt werden, indem die Biennale von Dakkar genauer betrachtet wird. Die Biennale in Dakkar fand vom 9. Mai bis zum 8. Juni 2014 statt und nann- te sich selbst Dak´Art. Aus den Ergebnissen der Forschungsarbeit von Eva Prevedel sollen, trotz der scheinbaren Dominanz des Kulturimperialismus, die möglichen Veränderungen im lokalen wie teilweise auch internationalen Kunstfeld aufgezeigt werden.

2. Hauptteil

a. Der Kulturimperialismus

Kultureller Imperialismus wird als ein Mittel für die Universalisierung und die Globalisierung der kapitalistischen Moderne gesehen und wird mit einer Massen-Verwestlichung der Welt gleichgesetzt, „demnach deutet der Begriff des kulturellen Imperialismus auf eine Kolonialisierung mit anderen Mitteln in einer formal postkolonialen Welt hin.“1

Wuggenigs Fragestellung beschäftigt sich mit den Einflüssen der Globalisierung auf das internationale zeitgenössische Kunstfeld. Mehrere Stimmen haben sich im Kunstfeld sehr positiv der Globalisierung gegenüber geäußert und postulieren eine Öffnung des Kunstfeldes, sowie eine Steigung der Partizipation von Künstlern aus aller Welt.2

Das Kunstfeld soll sich geöffnet haben. Indikatoren sind dafür laut Marc Scheps die erhöhte Mobilität von Künstler/innen, an Ausstellungen von nicht-westlicher Kunst im Westen, die Verbreitung von Kunstbiennalen und Kunstinstitution in nicht-westlichen Ländern und vor allem die Netzwerkverbindungen, die über regionale Grenzen hinausgehen.3Viele Kritiker und Kuratoren heben die „räumliche Ausdehnung der sozialen Beziehungen der Kunstfeldak- teure“4hervor. Diese sprechen von beidseitigem Austausch, Inklusion und Mobilität. Trotz dieser vielen positiven Argumente, gibt es prägnante Gegenpositionen. Martha Rosler stellt fest, dass Multikulturalismus in der Kunstwelt nur eine modische Einbindung darstellt und diese unbedeutenden Veränderungen die westliche Machtstruktur nicht verändern.5Araeen konstatiert zudem, dass die Einbeziehung postkolonialer KünstlerInnen mit Stigmatisierungen verbunden ist, da ihre künstlerischen Arbeiten das Thema von Postkolonialismus miteinbeziehen müssen, um Aufmerksamkeit zu erlangen.6

Um ein Verhältnis zu verdeutlichen, wird im Folgenden ein Idealbild der Globalisierung vor- gestellt. „Territoriale Grenzen und räumliche Fixierungen sollten in einer globalisierten Welt, die letztlich auf die Schaffung einer „Weltbevölkerung“ hinausläuft, von geringer Bedeutung sein, keine der Populationen der größeren Weltregionen sollte in dieser Hinsicht gegenüber den anderen deutlich dominieren.“7Auf das Kunstfeld bezogen bedeutet dies, die Irrelevanz der Herkunftsländer und somit eine Gleichmäßigkeit von erfolgreichen KünstlerInnen aus allen Teilen der Welt.8Akteure im Kunstfeld behaupten, dass sich der Globalisierungspro- zess, hinsichtlich der eben genannten Aspekte, im internationalen Kunstfeld niederschlägt.9

In einer weiteren Arbeit von Ulf Wuggenig und Lara Buchholz wird hervorgehoben, dass in den letzten 20 Jahren von einer steigenden kulturellen Interpenetration gesprochen wird und dass sich dadurch die Perspektive des Westens auf zeitgenössische Kunst veränderte. Die Biennale in Dakkar, sowie andere Biennalen, die nicht im Westen organisiert wurden, werden in manchen Diskussionen, als „Peripherie Biennalen“ bezeichnet. „This type of exhibition, endowed with a transnational circuitry, assumed the unique position of both reflecting global- ism-since these shows happen in locations throughout the world, however remote-and taking up globalism itself as an idea.”10Wuggenig und Buchholz machen deutlich, dass 1980 von 6 Biennalen in der Welt, 3 im Nordwesten stattfanden. 2005 ist einer Steigerung von 6 zu 49 Biennalen weltweit festzustellen. Nur 19 wurden im Nordwesten, jedoch 10 im Nordosten, 9 im Südosten und 11 im Südwesten ausgetragen. Dies verdeutlicht die Auswirkungen der Globalisierung im Kunstfeld. Diese Ergebnisse korrespondieren mit der These, dass sich das Kunstfeld international geöffnet hat. Wuggenig und Buchholz stellen diese Tendenzen infrage und zeigen, dass durch die Globalisierung alte Machtstrukturen, speziell das ZenterPeripherie-Modell, immer noch im großen Ausmaß existieren.11

Wuggenig, der sich auf Theorien von Pierre Bourdieu bezieht, steht der Globalisierung kri- tisch gegenüber und sieht diese als eine beschleunigte Verbreitung westlicher und US- amerikanischer Werte.12Ulf Wuggenig stellt sich gegen die Aussage, dass die Globalisierung zu einer Deterritorialisierung, sowie Dezentrierung im internationalen Kunstfeld geführt hat.

Bezugnehmend auf den Künstler Rasheed Aareen, greift Wuggenig die Theorie des kulturel- len Imperialismus auf. Diese besagt in Kürze, dass die „globale Kultur in Wirklichkeit eine partikulare Kultur sei, nämlich eine westliche, kapitalistische oder US-amerikanische.“13 Die- se Theorie wird dann in Verbindung mit der Centrum-Peripherie Theorie von Johan Galtung untermauert. Kultureller Imperialismus wird als „hochdifferenzierter Typ von Herrschaftsver- hältnissen“ definiert.14

In Bezug auf das Kunstfeld ist der Aspekt wichtig, dass sich in der Peripherie Eliten heraus- bilden, die wiederum eng mit den Eliten des Zentrums verbunden sind. Die lokalen bzw. re- gionalen Eliten übernehmen Kultur, Lebensstile, sowie auch Ideologien des Zentrums. Das passiert, indem Universitäten in der EU oder US-Amerika von nicht-westlichen Kulturschaf- fenden besucht werden und als Konsequenz, Wissen und Theorie in das Zentrum der Periphe- rie importiert werden.15Es wird auf der anderen Seite argumentiert, dass im Zuge der Global- sierung die Eliten der Peripherien (Auch Brückenköpfe genannt) weniger abhängig von Zentrum sind. Dies negiert Wuggenig, indem er die Auswirkungen des kulturellen Imperialismus mit empirischen Daten stützt.

[...]


1Vgl: Ien Ang (2002). Globalisierung der Medien, kultureller Imperialismus und der Aufstieg Asiens. In: Andreas Hepp/Martin Löffelholz (Hg.). Grundlagentexte zur transkulturellen Kommunikation, S. 564.

2Vgl. Wuggenig; Ulf (2002): Das Empire, der Nordwesten und der Rest der Welt. Die "internationale zeitgenössische Kunst" im Zeitalter der Globalisierung.

3Vgl. Scheps, Marc(1999): Kunstwelten im Dialog. In: Marc Scheps, Yilmaz Dziewor, Barbara Thiemann (Hg.), Kunstwelten im Dialog - von Gauguin zur globalen Gegenwart, Köln, S. 16ff.

4Wuggenig; Ulf (2002): Das Empire, der Nordwesten und der Rest der Welt. Die "internationale zeitgenössische Kunst" im Zeitalter der Globalisierung.

5Vgl. Rosler, Martha (1997): Ort, Identität, Macht, Politik. Springer.S.37.

6Vgl. Araeen, Rasheed (2001): Art & Post-colonial Society. In: Henrik Plenge Jakobsen, Lars Bang Larsen, Superflex (Hg.), Remarks on Interventive Tendencies. Meetings between different economies in contemporary art. Kopenhagen, S. 23.

7 Vgl. Wuggenig; Ulf (2002): Das Empire, der Nordwesten und der Rest der Welt. Die "internationale zeitgenössische Kunst" im Zeitalter der Globalisierung.

8Vgl., ebd.

9Vgl., ebd.

10Griffin, Tim (2003): Global Tendencies. Globalism and the Large-Scale Exhibition, S. 153

11Vgl. Wuggenig, Ulf; Buchholz; Lara (2003): Cultural Globalization between Myth and Reality: The Case of the Contemporary Visual Arts

12Vgl. Bourdieu, Pierre, Die Durchsetzung des amerikanischen Modells und ihre Folgen. In: Ders., Gegenfeuer 2. Konstanz 2001, S. 27-33.

13Mackay, Hugh, The globalization of culture? In: David Held (Hg.), A globalizing world? Culture, economics, politics. London-New York 2000, S.47-84.

14Vgl. Wuggenig; Ulf (2002): Das Empire, der Nordwesten und der Rest der Welt. Die "internationale zeitgenössische Kunst" im Zeitalter der Globalisierung.

15 Vgl. Galtung, Johan (1980): The True Worlds. A Transnational Perspective. New York, S.98. 5

Details

Seiten
11
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668424623
ISBN (Buch)
9783668424630
Dateigröße
733 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356568
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Schlagworte
Kultureller Imperialismus

Autor

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