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Exzerptsammlung zum Thema „Kampf um Images. Gestaltung in gesellschaftlichen Konfliktlagen“

Exzerpt 2013 14 Seiten

Soziologie - Konsum und Werbung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gegenmacht mit Bildern: Zur Ikonographie sozialer und politischer Bewegungen

3. Gewalt in Bildern, Gewalt durch Bilder

4. Künstliche Paradiese. Über Schönheit und Werbung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die tägliche Auseinandersetzung mit den Medien, bedeutet zugleich auch eine Auseinandersetzung mit dem damit verbundenen allgegenwertigen Kampf um Images. Dieser Kampf um Images kann aus verschiedenen Gründen erfolgen und daher auch die unterschiedlichsten Formen annehmen. Die folgende Sammlung stellt verschiedene Texte vor, welche sich mit eben diesem Kampf um Images befassen.

Eigentlich sollte man annehmen, dass Bilder in den Massenmedien, wie zum Beispiel im Falle des Fernsehers als Medium, die Realität abbilden. Das heißt, dass in den Nachrichten reale Geschehnisse übermittelt werden. Jedoch geht es oftmals viel eher um Fragen wie: „Wer hat die spektakulärsten Bilder? Wer hat die dramatischste Geschichte hinter den Bildern?“ Natürlich bleibt es hier nicht immer bei der Wahrheit und somit beginnt der Kampf um Images. Diese Image-Kämpfe müssen jedoch nicht immer zwangsläufig gegeneinander ausgerichtet sein, also von einem Image-Kämpfer gegen den nächsten, sondern können schlichtweg für ein bestimmtes Ziel kämpfen. Das beste Beispiel ist hier die Werbung. Im Rahmen von Werbemaßnahmen kann für die verschiedensten Dinge geworben werden. Produkte, welche gekauft werden sollen, Politiker, die für Stimmen werben, sowie Organisationen um Mitglieder. (Vgl. ZtG – Blog 2012) Sie alle führen jeweils einen bestimmten Kampf und versuchen diesen mittels Images für sich zu gewinnen. Sich dabei an Bildern zu bedienen, scheint naheliegend zu sein. Denn wer kennt sie nicht: Bestimmte Symbole die für etwas Spezielles stehen? Oder Bilder und Szenen die eine bestimmte Stimmung und besondere Emotionen hervorrufen? Eben solche Bilder, Symbole und Szenen werden bei Kämpfen um Images benutzt. Oft wird dabei auf bestimmte Stereotypen und Klischees zurückgegriffen. Die drei unterschiedlichen Texte, auf die in den folgenden Kapiteln eingegangen wird, beschäftigen sich eben mit solchen Kämpfen um Images. Jeder Text stellt einen solcher Kämpfe vor und zeigt, auf welche Art und Weise Images uns Menschen beeinflussen. Alle drei Texte beziehen sich zum Teil auf Medien und deren Verhältnis zu Imagekämpfen. Zum einen wird hier die Frage gestellt, inwieweit die gezeigten Bilder auf uns einwirken und möglicherweise sogar Aggressivität zur Folge haben und zum anderen geht es darum, wie auch wir eigentlichen Mediennutzer selbst Nutzen aus den Medien ziehen können. Deutlich wird, dass den Medien eine enorme Macht zukommt. Inwieweit diese Macht sich auf unsere Persönlichkeit auswirkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ganz genauso, wie es auch von Mensch zu Mensch verschieden ist, ob er sich den Medien einfach aussetzt, oder ob er sie für eigene Zwecke nutzt und sie selbst mittels Images zum Erreichen seiner Ziele verwendet.

2. Gegenmacht mit Bildern: Zur Ikonographie sozialer und politischer Bewegungen

Hieber, Lutz 2008: Neue Soziale Bewegungen und Medienmacht. In: Jäckel, Michael/ Mai, Manfred (Hrsg.): Medienmacht und Gesellschaft. Zum Wandel öffentlicher Kommunikation. S.99 – 122, Frankfurt/Main, Campus Verlag

Lutz Hieber setzt sich im vorliegenden Text mit der Macht der Medien auseinander, mit denen wir uns täglich und allgegenwertig umgeben. Auf den ersten Blick scheinen die Rollen ganz klar zwischen den Medien und den Mediennutzern verteilt zu sein. Die Medien besitzen die Medienmacht und stellen somit die Täter dar. Die Mediennutzer sind der Medienmacht scheinbar schutzlos ausgeliefert und finden sich in der Rolle der Opfer wieder. Dies ist jedoch eine vollkommen falsche Vorstellung. Hieber zieht zunächst den Aspekt unterschiedlicher Kulturen heran, da die Kultur für ihn einen Kampf um Bedeutung darstellt. Bereits Adorno, Horkheimer und andere bekannte Soziologen beschäftigten sich mit dieser Thematik. Sie teilten die Machtpositionen jedoch den Medien zu, was wie bereits beschrieben, auf den ersten Blick als sinnig erscheint, in der Wirklichkeit jedoch anders aussieht. Cultural Studies stützen ihre Thesen auf den eben genannten Einbezug von Kulturen. Diese Cultural Studies gehen außerdem davon aus, dass der Mediennutzer die Medien keinesfalls passiv konsumiert, sondern eigeninitiativ handelt und sich selbst mit einbringt. Der Mediennutzer hat somit Einfluss auf das (mediale) Geschehen und die einst so klare Rollenverteilung zwischen Medien und deren Nutzern wird umgeworfen.

Lutz Hieber unterscheidet zunächst zwischen zwei Grundhaltungen gegenüber den Medien. Diese sind länderspezifisch, weshalb sich der Großteil seines Textes als Ländervergleich bezeichnen lässt. (Vgl. 101) Die erste Grundhaltung, oder der erste Typus wird anhand der bundesrepublikanischen Bevölkerung und ihrer typischen Mentalitätsprägung beschrieben. Um diesen ersten Typus zu erläutern, bezieht Hieber die deutsche Grundhaltung auf eine Plakatwerbung der Marke Benetton. In Deutschland stammen die Denkweisen, sowie die Verhaltensweisen aus früheren absolutistischen Herrschaftszeiten. Das deutsche Volk hat sich im Laufe des deutschen Kaiserreiches und zu Zeiten des Nationalsozialismus an eine Führung von außerhalb gewöhnt und wurde durch eben solche absolutistischen Traditionen geprägt. (Vgl. 102) Die Menschen waren darauf abgestimmt, dass die Regelung von öffentlichen Angelegenheiten nicht ihre Sache ist, sondern von Anderen übernommen wird. In Demokratien hingegen ist es vonnöten, dass aggressives und abwertendes Verhalten unterdrückt werden, beispielsweise gegenüber politisch anders ausgerichteten Personen. Hier ist es wichtig, dass auch Meinungen von politischen Gegnern ausgesprochen werden dürfen und nicht „bekämpft“ werden. (Vgl. 102) Noch heute herrschen laut Hieber der deutsche Idealismus und die Bildungsaristokratie in Deutschland vor, welche die Bildung zum Selbstzweck darstellt. Abschließend stellt er fest, dass es in Deutschland auch zu Gefühlen wie Aggression und Wut gegenüber den Machtgebern kommt, diese Gefühle jedoch unterdrückt werden, anstatt etwas zu tun.

Der zweite Typus den Lutz Hieber heranzieht, ist die US-amerikanische Demokratie und die damit verbundenen Civil-Rights. (Vgl. 103) Auffällig ist hier die allgegenwärtige Nutzung der bürgerlichen Grundrechte. Es wird als selbstverständlich angesehen sich für seine Rechte und ebenso die Rechte der anderen Bürger einzusetzen und wenn nötig darum zu kämpfen. Dieses ausgeprägte Bürgerrechtsbewusstsein und der stetige Aktivismus belegt Hieber am Beispiel der politisch sehr erfolgreichen Bewegung im Zuge der AIDS-Krise. Zudem zeichnet sich ab, dass Bürgerrechtsbewegungen in den USA schon immer dazugehörten. So gab es beispielsweise vor Jahren schwarze Bürgerrechtsbewegungen, die allen voran von Rosa Parks angeführt wurden. Diese Bewegung setzte sich für die Rechte und die Gleichbehandlung Afro-amerikanischer Menschen ein. Es kam dabei zu Protesten, sowie Blockaden, welche unter Körpereinsatz durchgeführt wurden. Ein weiteres Beispiel ist die Hippie-Bewegung, welche in den USA ihren Ursprung hat. Nun zum Beispiel der AIDS-Krise. Das frühere und veraltete Weltbild, nach welchem Sexualität und das Ausleben eben dieser als böse und unmoralisch galten, wurden wieder hervorgeholt und mit dem HI-Virus und AIDS in Verbindung gebracht. Konservative und kirchliche US-Amerikaner versuchten Sexualität wieder etwas Böses anzuheften und somit HIV-Infizierte und AIDS-Erkrankte zu verurteilen. Im Zuge dieses Vorhabens entstand eine Gruppe, die sich gegen diesen Plan stellte. An dieser Stelle kommen nun die Medien ins Spiel. Die Gruppe macht sich das Verhältnis zwischen Medien und Macht zunutze. Sie wollten so viel Medienpräsenz wie möglich erreichen, um ihre gegeneilige Meinung kundzugeben. Da kein Geld für Werbung ausgegeben werden durfte, wurde eine extra Gruppe gebildet, welche sich auf Demonstrationen, Kundgebungen etc. mit Plakaten postierte und diese, sofern es Kameras gab, vor die Linse hielten. Hier lässt sich deutlich erkennen, dass die Medien durchschaut wurden und die Gruppe, welche gegen die Verurteilung von HIV- du AIDS-Erkrankten kämpfte, durch die Medien sprechen konnten. Sie haben ihre Ziele mithilfe der Macht der Medien erreichen können, nämlich gehört zu werden. Zusätzlich griff eine Werbung von Benetton ähnliches auf. Ein Plakat zeigte unterschiedliche Paare, die sich küssten. Dabei waren Paare unterschiedlicher Hautfarbe, sowie gleichgeschlechtliche Paare. (Vgl. 110)

Als nächstes stellt Hieber fest, dass eine Demokratie aktive Bürger benötigt. An dieser Stelle werden erneut die Medien mit eingebracht. Eben solche aktiven Bürger, wie sie in einer Demokratie benötigt werden, können sich die Massenmedien zunutze machen. Als Beispiel bringt Hieber hierfür erneut die USA ein. Deren Bürger schalten die Medien aktiv ein und ziehen ihren Nutzen daraus, anstatt sie als bösen Gegner zu sehen und sich selbst als hilfloses Opfer, was sich auch im vorangegangenen Abschnitt am Beispiel der AIDS-Krise erkennen lässt. Möchte man sich die Medien so zunutze machen und sie für die eigenen Ziele einspannen, ist es wichtig nicht zu versuchen gegen die Medien zu kämpfen. Vielmehr sollte man mit ihnen arbeiten, also ihre Prozesse so durchschauen, dass die eigenen Ziele darin Platz finden. (Vgl. 111) Dieses Durchschauen und Nutzen der Medien ist laut Hieber jedoch länderspezifisch. So ist es in den USA möglich sich bei den Medien zu bedienen, in Deutschland jedoch nicht. Dafür gibt es zwei Gründe: Der erste Grund bezieht sich auf den moralischen Diskurs. Hier nutzt Hieber erneut das Beispiel der Benetton-Plakatwerbung. In Deutschland war eben diese Werbung, wie bereits genannt sehr umstritten. Die eigentliche Absicht dieser Werbung war es zur Diskussion unter den Mediennutzern anzuregen, nicht unbedingt zum Kauf zu animieren. Der Deutsche Werberat bemängelte jedoch mehrere unzulässige Motive. Zum Beispiel wurde die Werbung als sittenwidrig angesehen, wodurch es zu einem Verbot vom Bundesgerichtshof kam. Jahre später wurde dieses Urteil aufgehoben, da durch das ausgesprochene Verbot die Kommunikationsgrundrechte missachtet wurden. Daraufhin wurde die Werbung diskutiert und von den unterschiedlichsten Seiten moralisch betrachtet. (Vgl. 114-115)

Der zweite Grund bezieht sich auf die Geringschätzung des Plakates. In Deutschland werden Plakate größtenteils ökonomisch angesiedelt, also dass sie zum Kauf anreizen sollen. Die Benetton-Werbung wurde demnach als Drängen nach Aufmerksamkeit gesehen, Die künstlerische Ästhetik und das was hinter einem solchen Plakat steckt, wird in Deutschland eher vernachlässigt. Insbesondere Plakate gelten unter deutschen Künstlern und Kunstkennern als geringschätzig und finden wenig Ansehen. Werbung wird hierzulande also eher materiell angesehen, als ideell. (Vgl. 115) Voraussetzungen um die Medien (in diesem Beispiel die Plakatwerbung) für die eigenen Ziele zu nutzen, stellen als wichtigste Aspekte die Wertschätzung des Plakates und die Kommunikationsfreiheit dar. Da in den USA die Civil-Rights von großer Bedeutung sind und situationsbedingt auch um sie gekämpft wird, standen hier bei der besagten Benetton-Werbung nicht die ökonomischen Absichten im Vordergrund, sondern das Motiv der Gleichbehandlung aller Menschen.

Als Fazit kommt Hieber zu dem Schluss, das sin Deutschland geltende Werte und der mediale Umgang auf die Nazi-Diktatur zurückzuführen sind, weshalb im Fall der Plakatwerbung auch zwischen hoher und niederer Kunst unterschieden wird. Die USA hingegen haben erkannt, dass die Medien ein wirksames Instrument darstellen, um in das politische Geschehen einzugreifen und aktiv beteiligt sein zu können. Nur so sind politische Eingriffe möglich. Ein wichtiges Augenmerk legt Hieber auf die Medienaufsicht und Medienpolitik. Diese können bevormundend auftreten, weshalb Hieber sie eher nicht einsetzen würde. Die Bürger können sich eben durch eine Bevormundung nicht so aktiv einbringen und damit die Demokratie stärken, wie es in den USA der Fall war/ ist. (Vgl. 119)

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Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668422476
ISBN (Buch)
9783668422483
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356562
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,2
Schlagworte
exzerptsammlung thema kampf images gestaltung konfliktlagen

Autor

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Titel: Exzerptsammlung zum Thema „Kampf um Images. Gestaltung in gesellschaftlichen Konfliktlagen“