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Praxisbericht Ergotherapie aus dem Fachbereich Neurologie

Projektarbeit 2017 31 Seiten

Physiotherapie, Ergotherapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Beschreibung des Krankheitsbildes
1.1 Krankheitsbild
1.2 Definition
1.3 Ursachen
1.4 Risikofaktoren
1.5 Epidemiolgie
1.6 Mogliche Symptome auf Ebene der Korperfunktionen (ICF)
1.7 Zu erwartende Auswirkungen der Erkrankung auf Ebene von Aktivitaten
1.8 Medizinische Diagnostik
1.9 Medizinische Ma&nahmen

2. Daten des Klienten

3. Ergotherapeutischer Befund
3.1 Ersteindruck
3.2 Au&eres Erscheinungsbild
3.3 Personenbezogene Faktoren
3.4 Aktivitaten und Teilhabe
3.4.1 Lernen und Wissensanwendung
3.4.2 Allgemeine Aufgaben und Anforderungen
3.4.3 Kommunikation
3.4.4 Mobilitat
3.4.5 Selbstversorgung
3.4.6 Hausliches Leben
3.4.7 Bedeutende Lebensbereiche
3.4.8 Gemeinschaftliches, soziales und staatsburgerliches Leben
3.5 Korperfunktionen
3.5.1 Mentale Funktionen
3.5.2 Sinnesfunktion und Schmerz
3.5.3 Neuromuskuloskeletale und bewegungsbezogene Funktionen
3.5.4 Andere Funktionen
3.6 Umweltfaktoren
3.6.1 Produkte und Technologien
3.6.2 Unterstutzung und Beziehung
3.7 Evaluation des bisherigen Behandlungsverlaufes

4. Ergotherapeutische Problemstellung

5. Ergotherapeutische Zielsetzung

6. Planung der Sichtstunde
6.1 Zielsetzung fur die Sichtstunde
6.2 Auswahl Aktivitat / Betatigung und Art der ET-Intervention
6.3 Zeitliche / Inhaltliche Planung / Therapeutisches Verhalten
6.4 Sozialform / Methode / Medium
6.5 Material / Werkzeug / Hilfsmittel
6.6 Arbeitsplatzgestaltung

7. Vorschlage fur weiteres ergotherapeutisches Vorgehen

Anhang I (Tabelle: Ergotherapeutische Zielsetzung)

Anhang III (Literaturverzeichnis)

1. Beschreibung des Krankheitsbildes

1.1 Krankheitsbild

Herr M. erlitt eine rechtsfrontale intrazerebrale Blutung (ICB) mit Ventrikeleinbruch bei hypertensiver Entgleisung.

1.2 Definition

Unter einer ICB versteht man eine venose oder arterielle Blutung im inneren des Hirnschadels und im Bereich des Gehirngewebes. Durch die Blutung wird das Hirngewebe komprimiert bzw. geschadigt. Durch die Schadigung kommt es zu Funktionsstorungen des betroffenen Gebietes und schlieBlich zum Absterben des Gewebes selbst.[1] Speziell auf meinen Klienten bezogen handelt es sich um eine Parenchymblutung. Eine Parenchymblutung entsteht dann wenn, es innerhalb der Pia mater zum Platzen eines Gefäßes kommt.[2] Bei Ventrikeln handelt es sich um spezielle Hohlraume im Gehirn, in dem sich der Liquor befindet. Wenn es durch eine Blutung zu Veranderungen der Ventrikel kommt, kann es zu einem Ventrikelein­bruch kommen.[3] Eine hypertensive Entgleisung ist ein abnormer Anstieg des systolischen Blutdrucks. Eine hypertensive Entgleisung kann sich innerhalb von wenigen Stunden entwickeln. In der Regel treten Symptome wie starke Kopfschmerzen, Schwindel und Ubelkeit auf.[4]

1.3 Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen die eine ICB auslosen können. Zum einen kann ein Trauma, d.h. eine Gewalteinwirkung von auBen das Gehirn und die umliegenden Strukturen so schadigen, dass es zu einer Blutung in das Gehirn kommt. Gerade wenn der betroffene Mensch Gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, stellt dies eine groBe Gefahr einer Blutung bei einem traumatischen Ereignis da. Bei meinem Klienten, der im Verlauf des Berichtes noch naher beschrieben wird besteht der Verdacht, dass eine Hypertonie (Bluthochdruck) die Gefäße so geschadigt hat, dass eine Arteriosklerose entstanden ist. Dadurch sind die Arterien so poros geworden, dass sie gerissen sind und somit die gefahrliche Blutung ent­standen ist. Ein Aneurysma kann ebenfalls die Ursache fur eine ICB sein. Aneurysma sind Aussackungen in den Arterien die platzen können. Seltener sind entzundliche Prozesse wie z.B. ein Gehirntumor die Ursache fur eine ICB.[5]

1.4 Risikofaktoren

Der wohl relevanteste Risikofaktor fur eine ICB Blutung ist die arterielle Hypertonie. Bei einer arteriellen Hypertonie ist der Blutdruck des arteriellen Gefäßsystems chronisch erhoht, wodurch einer Arteriosklerose, also eine Gefäßwandverhartung begunstigt wird. Durch die Gefäßwandverhartung kommt es zu einer Ablagerung von Blutfetten und zur Bildung von Thromben. Der Einsatz von Gerinnungshemmenden Medikamenten zur Behandlung von z.B. ischamischen Schlaganfallen oder zur Vorbeugung von tiefer Beinvenenthrombosen oder auch Lungenembolie erhoht das Risiko einer ICB Blutung. Eine ungesunde Lebensfuhrung kann das Risiko einer ICB erhohen. Menschen die Rauchen oder einen erhohten Alkoholkonsum haben, gehoren zu den Risikogruppen. Ebenfalls erhoht der Konsum von Drogen das Risiko deutlich.[6]

1.5 Epidemiologie

Etwa 15 Prozent der Schlaganfalle entstehen aufgrund einer Hirnblutung wie der ICB. Ein Unterschied zwischen Mannern und Frauen ist nicht auszumachen. Allerdings nimmt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit unter einer ICB zu leiden deutlich zu. Uber die Halfte der ICB sind Massenblutungen, meist aufgrund einer lang bestehenden Hypertonie.[7]

1.6 Mogliche Symptome auf Ebene der Korperfunktionen (ICF)

Symptome einer ICB kommen einem Schlaganfall gleich. Zunachst unmittelbar wahrend der Entstehung der Erkrankung d.h. wahrend der Einblutung treten starke Kopfschmerzen und Ubelkeit meist verbunden mit Erbrechen auf. Zum anderen treten plotzlich neurologische Ausfalle wie z.B. eine Hemiparese (plotzlich auftretende, auf eine Korperseite beschrankte Schwache) oder auch eine Hemiplegie auf (auf eine Korperseite beschrankte Lahmung) die meist Arm, Bein und Gesichtsbetont sind. Zudem können Bewusstseinseintrubungen auftreten, so dass der betroffene Mensch nur noch bedingt ansprechbar ist. Zu den Hemiparesen oder Hemiplegien können Hypasthesien auftreten. Hypasthesien sind Missempfindungen wie z.B. brennende Schmerzen auf der Haut.[8] Ebenfalls können Aphasien auftreten. Darunter werden Sprachstorungen verstanden sich z.B. im fehlenden Sprachantrieb oder Inhaltsarme Sprache verdeutlichen können. Menschen mit einer ICB leiden haufig unter akuten Sehstorungen. Haufig sehen die betroffenen Menschen Doppelbilder. Ein weiteres Symptom können Dysphagien sein. Dysphagien sind Schluckstorungen die die selbstandige Nahrungsaufnahme beeintrachtigen.

1.7 Zu erwartende Auswirkungen der Erkrankung auf Ebene von Aktivitaten

Die Teilhabe am taglichen Leben und die damit verbundenen Aktivitaten hangen immer stark von dem Ausmäß der ICB ab. Meist ist allerdings die Teilhabe bei einer solchen Erkrankung erheblich eingeschrankt. Durch die zahlreichen korperlichen Symptome die die ICB mit sich bringt, sind viele Alltagsaktivitaten beeinflusst. Durch die Hemiparese ist auf einer Korperseite die Motorik mäßgeblich beeinflusst. Das bedeutet, dass selbstverstandliche Handlungen wie z.B. das anziehen von Socken oder Hosen zu einer Herausforderung wird. Zu den Kor­perlichen Symptomen kommen naturlich die kognitiven Defizite die Auswirkungen auf die Aktivitat und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eines Menschen nehmen. Die Sprache kann beeinflusst sein, so dass die Kommunikation mit anderen Menschen erschwert oder im schlimmsten Fall uberhaupt nicht mehr moglich ist.

1.8 Medizinische Diagnostik

Als erstes ist fest zu halten, dass bei einer ICB eine schnelle Untersuchung und eine moglichst schnelle Diagnose von groBer Bedeutung ist. Grundsatzlich wird bei jedem Patienten zunachst die Bewusstseinslage und die Funktion verschiedener Nerven uberpruft. Durch eine Computertomographie (CT) lasst sich eine Blutung im Gehirn schnell erkennen und das Ausmäß der Blutung sowie dessen genaue Position bestimmt werden. Eine Alternative zum CT ist die Kernspintomografie, die ebenfalls genaue Aufschlusse uber das Krankheitsgeschehen gibt. Durch Blutuntersuchungen können Mediziner herausfinden inwieweit eine Gerinnungsstorung die Ursache fur die Blutung im Gehirn ist.[9]

1.9 Medizinische Erstmäßnahmen

Als Erstmäßnahme wird die schnelle Senkung des Blutdrucks vorgenommen. Dies dient als Vorbeugung einer Nachblutung und erneuten Blutungen. Bei einer Blutung im Gehirn erhoht sich meist auch die Korpertemperatur. Das bedeutet, dass die Regulierung der Korpertemperatur als Erstmäßnahme von groBer Bedeutung ist. Durch die Senkung der Korpertemperatur wird das Kreislaufsystem entlastet und reguliert. Des Weiteren mussen Patienten mit einer ICB immer in der Klinik behandelt werden. Es besteht die Gefahr, dass der Hirndruck durch die Blutung ansteigt und somit das Gehirn weitere Schaden nimmt. Wenn der Hirndruck zu stark ansteigt ist ein operativer Eingriff notwendig um den Hirndruck zu senken und damit das Leben des Patienten zu retten.[10]

2. Daten des Klienten

Name: Herr M.

Alter: 48 Jahre

Familienstand: Herr M. ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Er lebt mit seiner Lebensgefahrtin zusammen.

- Diagnose:

Z.n. rechtsfrontaler ICB mit Ventrikeleinbruch bei hypertensiver Entgleisung.

- Hauptbehinderunassyndrom:

Herr M. leidet unter einer stark ausgepragten spastischen linksbetonten Hemiparese die ihm eine selbstbestimmte Lebensfuhrung erschwert. Zu den korperlichen Symptomen kommt eine Einschrankung der kognitiven Flexibilitat welche sein Handeln beeinflusst.

- Ergotherapie seit, Frequenz, Dauer der Behandlung

Herr M. erhalt seit seiner Erkrankung am 15.09.2009 und der stationaren Aufnahme in dem neurologischen Rehabilitationszentrum der Godeshohe regelma&ig Ergotherapie. Aktuell besucht er regelma&ig dreimal die Woche die therapeutische Ambulanz der Godeshohe und erhalt Ergotherapie. Eine motorisch funktionelle Therapieeinheit in der therapeutischen Ambulanz dauert 45 Minuten. Zusatzlich erhalt Herr M. in der Ergothera­pie neurophysiologisch orientierte Behandlungseinheiten die 30 Minuten dauern.

- Aktuelle Lebenssituation

Herr M. wohnt mit seiner Lebensgefahrtin in einer Mietwohnung in der Umgebung von Bonn. Herr M. ist Beamter bei der Berufsgenossenschaft in Bonn und geht dort taglich seiner Arbeit nach.

- Soziale Anamnese

Laut eigener Aussage ist Herr M. in Bonn geboren. Er besitzt die deutsche Staatsangehorigkeit und spricht die deutsche Sprache. Das Paar hat keine Kinder. Seine Partnerin unterstutzt Herrn M. in jeglichen Lebenssituationen, so dass er nicht auf Pflegepersonal angewiesen ist. Die Eltern von Herrn M. sind bereits verstorben. Er gehort der evangelischen Konfession an. Er hat eine jungere Schwester die ebenfalls in Bonn lebt. Er pflegt den Kontakt zu seiner Schwester und legt Wert auf diesen. Freunde von Herrn M. leben ebenfalls in der naheren Umgebung. Im Allgemeinen fuhrt Herr M. mit seiner Partnerin ein sehr geselliges Leben. Am Wochenende unternehmen sie gemeinsam viel und erhalten Besuch von Freunden.

- Medizinische Anamnese

Laut Akte wurde Herr M. am 15.09.2009 bewusstlos zu Hause aufgefunden. Im CCT wurde eine rechtshemispharische Parenchymblutung mit deutlicher Mittellinienverlagerung und hydrocephalem Aufstau festgestellt. Zur Behandlung wurde eine Stahlnadel rechts frontal angebracht. Wegen einer beginnenden Anisokorie (Unterschied in den Pupillenweiten der Augen) rechts und links erfolgte eine mikrochirurgische Blutungsentfernung uber eine rechts frontolaterale Kraniotomie. Herr M. litt an einer Dyspahgie (Schluckstorung) und einen Pupillenisokor, welche sich mit der Zeit zuruck gebildet haben. Des Weiteren litt Herr M. unter Orientierungsstorungen. Aufgrund seiner Harninkontinenz musste Herr M. mit einem Dauerkatheter versorgt werden. Zum aktuellen Zeitpunkt leidet Herr M. an einer spastisch linksbetonten Hemiparese, Antriebsminderung, Dysarthrophonie und unter geringer Kognitiver Flexibilitat. Vor der ICB litt Herr M. an der arteriellen Hypertonie und ei­ner Nosokomialen Pneumonie (Lungenentzundung). Seit seiner stationaren Aufnahme in der neurologischen Rehabilitationsklinik Godeshohe erhalt Herr M. zusatzlich zur Ergotherapie sowohl Physiotherapie als auch Logopadie.

- Schulische / Bernfliche Anamnese

Herr M. erwarb sein Abitur und machte danach eine Ausbildung bei der Berufsgenossenschaft. Seit 1991 arbeitet Herr M. als Beamter taglich von 9:00 bis 14:00 Uhr.

3. Ergotherapeutischer Befund

3.1 Ersteindruck

Die erste Kontaktaufnahme mit Herr M. war wahrend der Therapie bei meiner Anleiterin Frau T. Wir begruBten Herr M. im Wartebereich der Therapeutischen Ambulanz. Ich begruBte Herr M. und reichte ihm meine Hand. Auch er begruBte mich sehr freundlich und zugewandt. Ich stellte mich kurz mit Nachnamen vor und erklarte ihm, dass ich Praktikantin sei und bei der Therapie gerne zuschauen wurde. Er machte einen sehr offenen Eindruck und willigte direkt ein, dass ich ihn begleiten durfte. Zunachst hatte ich Schwierigkeiten Herr M. zu verstehen wenn er mit mir sprach und mich etwas fragte, da seine Sprache durch die Erkrankung etwas verwaschen ist. Zudem spricht er einen leichten rheinischen Dialekt. Im Verlauf der Therapie konnte ich mich jedoch sehr gut in seine Sprache hinein horen und ihn besser verstehen. Vom ersten Moment an wirkte Herr M. auf mich sehr sympathisch. Er ist ein eher ruhiger und zuruckhaltender Mensch. Im Verlauf der Therapie bat mir Herr M. das Du an, was ich gerne annahm.

3.2 AuBeres Erscheinungsbild

Herr M. ist ca. 1,68 cm groB und wiegt ca. 90 kg. Er hat braunes kurzes Haar welches er immer ordentlich frisiert tragt. Auch seine Kleidung ist immer aufeinander abgestimmt. Meist tragt er eine blaue Jeanshose und ein Hemd mit Pullover. Als Schuhwerk tragt Herr M. im­mer seine festen schwarzen Spezialschuhe. Diese Schuhe benotigt er, um beim Gehen Sicherheit zu gewinnen. Herr M. hat ein mitteleuropaisches. Er tragt eine Brille und am linken Handgelenk eine Uhr. AuBerdem einen Ring am Ringfinger der linken Hand und eine goldene Kette. Insgesamt kann man sagen, dass er ein sehr gepflegtes auBeres Erscheinungsbild hat. Herr M. kommt mit dem Rollstuhl in die therapeutische Ambulanz hat aber immer einen Gehstock mit dem er in der Lage ist kurze Strecken zu gehen. Besonders auffallend ist bei Herr M., die spastische Hemiparese links. Sein linker Arm ist in einer starken Beugespastik. Sein linker FuB ist nach innen rotiert in leichter SpitzfuBstellung. Insgesamt ist auch das Bein hyperton da es beim Gehen sehr steif zu sein scheint.

3.3 Personenbezogene Faktoren

Im Gesprach mit Herr M. wird deutlich, dass er groBen Wert darauf legt seine Wochenenden aktiv zu gestalten und mit seiner Lebensgefahrtin Ausfluge zu machen. Oft erzahlt mir Herr M. von seinen Ausflugen und berichtet was er erlebt hat. Immer wieder wird deutlich, dass es ihm wichtig ist seine Freundschaften zu pflegen. Meist werden die Ausfluge dazu genutzt Freunde zu besuchen oder Freunde im hauslichen Umfeld zu empfangen. Ein weiterer wichtiger Punkt fur Herrn M. ist es, am Nachmittag die Nachrichten zu schauen weil es ihm viel bedeutet uber die aktuelle Situation auf der Welt Bescheid zu wissen. Das Nachrichtenschauen ist fur ihn eine Gewohnheit, die er jeden Tag durchfuhrt. Auch das selbstandige Arbeiten bei der Berufsgenossenschaft ist ein wichtiger Aspekt in seinem Leben. Die Arbeit bedeutet Ihm viel und bringt ihm ein Stuck Selbstandigkeit und Autonomie zuruck.

3.4 Aktivitaten und Teilhabe

Im Rahmen des COPM (Canadian Occupational Performance Measure) würden folgende bedeutungsvolle und durch die Erkrankung eingeschrankte Aktivitaten von Herr M. benannt. Im Bereich der Selbstversorgung fallt es Herr M. schwer sich selbstandig die Socken anund auszuziehen. Durch die starke Spastik im linken Arm und im linken Bein schafft er es nur bedingt seinen Oberkorper so weit in Vorlage zu bringen, dass er mit seinem weniger betroffenen Arm seine FuBe erreicht. Zudem sorgt die Spastik dafur, dass sein linkes Bein immer in Streckung gerat und somit der Abstand zu seiner Hand noch groBer wird. Unter anderem ist es fur Herr M. eine groBe Herausforderung die entsprechende Feinmotorische Geschicklichkeit in der rechten Hand zu erlagen um einen Socken nur mit einer Hand uber den FuB zu ziehen. Auch das selb- standige anund ausziehen der Hose fallt Herr M. sehr schwer. Durch die Spastik im linken Arm muss er alles mit einer Hand machen. Ebenso erschwert das steife linke Bein die Betatigung. Sein FuB ist in leichter SpitzfuBstellung und Supination, so dass der FuB nicht ohne weiteres durch die Hosenbeine zu fuhren ist.

Selbstandiges Schuhe anund ausziehen ist Herrn M. nicht moglich. Es ist wichtig, dass Herr M. immer festes Schuhwerk tragt da er sonst zu wenig Kontrolle uber seinen Gang hat. Die Schuhe mussen uber die Sprunggelenke gehen und fest geschnurt werden, so dass die FuBe stabilisiert werden. Durch die Spastik im linken Arm kann Herr M. nur seinen rechten Arm einsetzten. Die eingeschrankte Oberkorpervorlage behindert die Betatigung fur das Schuhe anziehen. Der linke FuB ist durch die Spastik, die SpitzfuBstellung und Supinationsstellung sehr unbeweglich, so dass es nur schwer moglich ist den FuB selbstandig in den Schuh zu bringen.

Da Herr M. durch seine Erkrankung ein unsicheres Gangbild hat, besteht die Gefahr dass er sturzen konnte. Deswegen ist es fur Ihn sehr wichtig, selbstandig vom Boden aufzustehen beziehungsweise in der Ergotherapie zu erlernen wie er eine Hilfsperson anleiten kann ihm beim Aufstehen zu unterstutzen. Aufgrund seiner korperlichen Einschrankungen und der kognitiven Defizite fallt dies Herrn M. sehr schwer. Eine weiter wichtige Aktivitat fur Herrn M. ist das selbstandige Aufstehen von verschieden hohen Sitzgelegenheiten. Auch bei dieser Aktivitat fehlt ihm zu den korperlichen Einschrankungen die Kompetenz, einen Handlungsplan aufzustellen, Probleme bei der Durchfuhrung zu erkennen, diese zu verandern und strukturiert vorzugehen.

Im Bereich der Produktivitat fallt es Herrn M. schwer sich selbst eine Mahlzeit zu zubereiten oder gemeinsam mit seiner Freundin zu kochen. Da das gemeinsame Kochen vor der Erkran­kung von Herr M. fur das Paar eine gemeinsame und wichtige Aktivitat war, hat dies eine groBe Bedeutung fur Herrn M. Durch die Hemiparese ist Herr M. gezwungen feinmotorische Handlungen die zum Mahlzeiten zubereiten gehoren ausschlieBlich mit seiner weniger betroffenen Hand zu machen. Beim Zubereiten fehlt ihm die linke Hand um Lebensmittel fest zu halten und zu fixieren.

Bei allen Aktivitaten die Herr M. im COPM genannt hat, spielen nicht nur die physischen Ein­schrankungen eine groBe Rolle sondern auch kognitive Defizite. Herr M. fallt es haufig schwer seine Handlungen zu strukturieren und Probleme wahrend der Handlung zu erkennen und Losungen fur das Problem zu entwickeln. AuBerdem hat er Schwierigkeiten mit der geteilten Aufmerksamkeit. Wenn Herr M. eine fur ihn schwierige Handlung durchfuhrt muss er sich mit seiner vollen Aufmerksamkeit darauf konzentrieren. Er schafft es nicht dabei zu sprechen oder seine Aufmerksamkeit zu teilen und weitere Aspekte zu beachten.

3.4.1 Lernen und Wissensanwendung

- Aufmerksamkeit fokussieren

Herr M. ist in der Lage seine Aufmerksamkeit zu fokussieren. Gerade in der Therapie wird deutlich, dass er sich wenig von auBeren Reizen wie weitere Personen in dem Therapieraum ablenken lasst. Er schafft es, seine Handlungen wahrend der Therapie konzentriert durch zu fuhren.

- Lesen

Herr M. ist in der Lage zu lesen. Laut eigener Aussage und der Aussage der Lebensge­fahrtin muss Herr M. auf der Arbeit bei der Berufsgenossenschaft eingehende Post lesen und bearbeiten. Hierbei fuhlt er sich sehr sicher und kann dessen Inhalte verstehen und bearbeiten. Ebenfalls liest er als Therapie in der Logopadie.

- Rechnen

Herr M. hat genugend Mathematische Grundkenntnisse und kann diese in seinem Alltag umsetzen. Er ist in der Lage z.B. Lebensmittel zu bezahlen und zu prufen, inwieweit das Wechselgeld stimmt. Wenn es allerdings um aufwendigere Rechenaufgaben geht, ubernimmt dies seine Lebensgefahrtin.

- Schreiben

Herr M. muss auf der Arbeit bei der Berufsgenossenschaft taglich auf dem Computer schreiben. Die Post die er erhalt wird von ihm schriftlich bearbeitet. Er ist in der Lage schriftliche Informationen zu bearbeiten und selbst zu produzieren.

- Problem losen

Probleme zu losen stellt fur Herr M. eine groBere Herausforderung dar. Deutlich wird dies in vielen Therapiesituationen. Es fallt Herrn M. sichtlich schwer zunachst das Problem in der Handlung zu erkennen, und eine Losungsstrategie dafur zu entwickeln. Fur ihn ist es z.B. Problematisch im Sitzen selbstandig sein betroffenes Bein auf die FuBstutze vom Rollstuhl zu heben. Selbst hat er kaum Ideen dieses Problem anzugehen. Wenn er versucht sein Bein auf die Stutze zu bringen und es ihm nicht gelingt, versucht er es immer wieder auf die gleiche Art und Weise ohne nach neuen Losungswegen zu suchen.

- Entscheidungen treffen

In Therapie Situationen fallt auf, dass es Herrn M. schwer fallt selbstandig Entscheidun­gen zu treffen. Wenn es darum geht zu entscheiden, welche Betatigung ihm wichtig ist oder welche Betatigung als nachstes in der Therapie geubt werden soll, braucht er immer etwas Unterstutzung seitens des Therapeuten und seiner Lebensgefahrtin. Immer wieder wird er dazu ermuntert selbst Entscheidungen zu treffen ob z.B. ein Hilfsmittel fur die Betatigung mit eingesetzt wird oder nicht. Er wird in der Therapie gefordert sich fur oder gegen den Einsatz eines Hilfsmittels zu entscheiden (z.B. Einsatz eines Gurtes um sein Bein selbstandig auf die FuBstutze zu stellen). Es fallt ihm schwer, sein Betatigungsproblem adaquat einzuschatzen und angemessene Entscheidungen dafur zu treffen.

3.4.2 Allgemeine Aufgaben und Anforderungen

- Einzelne Aufgaben ubernehmen

Herr M. ist durchaus in der Lage ihm bekannte Aufgabe durchzufuhren. Wenn die Aufgabe jedoch komplex und neu fur ihn ist, fallt es ihm meist schwer seine Handlung zu strukturieren oder auch Materiealien dafur zu Organisieren. Meist braucht er Hilfestellung seitens des Therapeuten der ihm verdeutlicht welche Aspekte z.B. beim Falten eines Kleidungsstuckes wichtig sind.

- Tagliche Routine durchfuhren

Herr M. ist in der Lage seine tagliche Routine durchzufuhren. Er ist in der Lage regelma- Big und zuverlassig auf seiner Arbeit und bei der Therapie zu erscheinen. Er erscheint immer sehr punktlich. Es kommt kaum vor das Herr M. seine Therapie absagt oder verhindert ist. Auch zuhause ubernimmt er kleine Aufgaben wie z.B. das Ausraumen der Spulmaschine selbstandig und eigenverantwortlich.

3.4.3 Kommunikation

- Kommunizieren als Empfanger gesprochener Mitteilungen

Herr M. versteht Anleitungen wahrend der Therapie gut und versucht diese dann auch so gut wie moglich umzusetzen. Auf Fragen bezuglich seiner Freizeit kann er adaquat Antworten und signalisiert so, dass er die Fragestellung genau verstanden hat.

- Sprechen

Im Gesprach mit der Logopadin von Herrn M. wird deutlich das Herr M. unter einer Dysarthrophonie leidet. Eine Dysarthrophonie ist eine zentrale Storung der Sprachmotorik, die sich in einer Artikulationsstorung, Stimmbildungsstorung auBert. Da Herr M. eine verkurzte Ausatmungsphase hat auf der normalerweise Gesprochen wird, ist er gezwungen nur kurze Satze zu bilden und immer wieder Pausen zwischen den Satzen zu machen. Dies ist auch der Grund, dass sich die Sprache von Herr M. immer sehr „gepresst" anhort.

[...]


[1] Vgl. Diener, Hans-Christopher et al. 2010, S. 212 f.

[2] Vgl. Hacke, Werner et al. 2012, S. 431

[3] Vgl. Hacke. 2010, S. 232

[4] Vgl. Kolloch, Rainer; Rosenthal, Julius. 2004, S. 545

[5] Vgl. Raabe, Andreas; Rohde, Veit. 2011, S. 139.

[6] Vgl. Raabe, Andreas; Rohde, Veit. 2011, S. 139 ff.

[7] Vgl. Internet: AOK Die Gesundheitskasse

[8] Vgl. Hacke. 2010, S. 59, 231

[9] Vgl. Internet: AOK Die Gesundheitskasse

[10] Vgl. Andrea Susanne et al., S. 410 f.

Details

Seiten
31
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668429987
ISBN (Buch)
9783668429994
Dateigröße
845 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356544
Note
1,1
Schlagworte
Neurologie Ergotherapie Döpfer Schulen Sichtstunde Bericht Praxisbericht Ergotherpie Praxisbericht Sichtstunde Ergotherapie Neurologie Döpfer Schulen

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Titel: Praxisbericht Ergotherapie aus dem Fachbereich Neurologie