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Ergotherapie. Große Sichtstunde im Fachbereich Pädiatrie

Praxisbericht

Projektarbeit 2016 32 Seiten

Physiotherapie, Ergotherapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Beschreibung des Krankheitsbildes
1.1 Krankheitsbild
1.2 Definition „Störung der Fein- und Graphomotorik“
1.3 Ursachen
1.4 Risikofaktoren
1.5 Epidemiolgie
1.6 Mögliche Symptome auf Ebene der Körperfunktionen (ICF)
1.7 Zu erwartende Auswirkungen der Erkrankung auf Ebene von Aktivitäten
1.8 Medizinische Diagnostik
1.9 Medizinische Maßnahmen

2. Daten des Klienten

3. Ergotherapeutischer Befund
3.1 Ersteindruck
3.2 Äußeres Erscheinungsbild
3.3 Personenbezogene Faktoren
3.4 Aktivitäten und Teilhabe
3.4.1 Lernen und Wissensanwendung
3.4.2 Allgemeine Aufgaben und Anforderungen
3.4.3 Kommunikation
3.4.4 Mobilität
3.4.5 Selbstversorgung
3.4.6 Häusliches Leben
3.4.7 Interaktion und Beziehung
3.4.8 Gemeinschaft und Freizeit
3.5 Körperfunktionen
3.5.1 Mentale Funktionen
3.5.2 Sinnesfunktion und Schmerz
3.5.3 Neuromuskuloskeletale und bewegungsbezogene Funktionen.
3.6 Umweltfaktoren
3.6.1 Produkte und Technologien..
3.6.2 Unterstützung und Beziehung.
3.7 Evaluation des bisherigen Behandlungsverlaufes

4. Ergotherapeutische Problemstellung

5. Ergotherapeutische Zielsetzung

6. Planung der Sichtstunde
6.1 Zielsetzung für die Sichtstunde..
6.2 Auswahl Aktivität / Betätigung und Art der ET-Intervention
6.3 Zeitliche / Inhaltliche Planung / Therapeutisches Verhalten.
6.4 Sozialform / Methode / Medium
6.5 Material / Werkzeug / Hilfsmittel
6.6 Arbeitsplatzgestaltung.

7. Vorschläge für weiteres ergotherapeutisches Vorgehen

Anhang I (Tabelle: Ergotherapeutische Zielsetzung)

Anhang II (Skizze Arbeitsplatz)

Anhang III (Literaturverzeichnis)

1. Beschreibung des Krankheitsbildes

1.1 Krankheitsbild

Bei Laura besteht eine Störung der Fein- und Graphomotorik F82.1G (1). Außerdem eine emotionale Störung mit sozialer und leistungsbezogener Unsicherheit F93.9G (2). Ausge- schlossen wurden eine Intelligenzminderung sowie eine Lese und Rechtschreibstörung.

1.2 Definition „Störung der Fein- und Graphomotorik“

(1) Eine Störung der Fein- und Graphomotorik zählt im Allgemeinen zu den umschrieben Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen. ICF F82 kategorisiert die Entwicklungsstö- rungen in die nachfolgenden Unterkategorien. Hierbei wird unterschieden zwischen den ein- zelnen Entwicklungsstörungen der Grobmotorik (F82.0), Fein- und Graphomotorik (F82.1), Mundmotorik (F82.2) sowie nicht näher bezeichnete motorische Funktionen (F82.9).[1]

Bei den oben genannten umschriebenen Entwicklungsstörungen der Fein und Graphomoto- rik handelt es sich um Störungen der gezielten und koordinierten Bewegungen, die sich bei- spielsweise in der Fingergeschicklichkeit, in der Mimik und in der Mundmotorik zeigen. Be- sonders die Graphomotorik ist ein wichtiger Bestandteil der Feinmotorik. Die Graphomotorik setzt sich aus den Aspekten der Stifthaltung, des Schreibflusses, der Kraftdosierung und der Körperschreibhaltung zusammen. Von einer umschriebene Entwicklungsstörung der Fein und Graphomotorik kann somit ausgegangen werden, wenn bei einem Kind diese bestimm- ten Bereich der körperlichen und geistigen Entwicklung gegenüber den gleichaltrigen Kin- dern verzögert sind. Es handelt sich um eine Teilleistungsschwäche. Festzuhalten ist, dass die oben beschriebenen Verzögerungen immer im Kleinkindhalter beginnen und nicht durch eine Intelligenzminderung oder neurologische Störungen erklärbar sind.[2]

(2) Die emotionale Störung ist nicht das Hauptthema meiner Therapie, jedoch erfordert die Erkrankung ein angepasstes Therapeutisches verhalten, welches ich in meiner Sichtstunde berücksichtige. Bei einer Störung mit sozialer und leistungsbezogener Unsicherheit sind die wesentlichen Symptome: Rückzug, Ängstlichkeit, somatische Beschwerden oder auch oppositionell verweigerndes Verhalten.[3]

1.3 Ursachen

Die Ursachen für eine umschriebene Entwicklungsstörung der Fein- und Graphomotorik sind weites gehend unbekannt. Allerdings lässt sich festhalten, dass keine erkennbare Läsion des zentralen Nervensystems oder der peripheren Nervensystems vorliegt.[4]

Weitere mögliche Einflussfaktoren sind Störung der Embryonalentwicklung im Mutterleib, Krankheiten der Mutter während der Schwangerschaft, Geburtskomplikationen oder Hirner- krankungen in der Kindheit. Ebenfalls kann die familiäre Komponente (sog. Mangel an moto- rischer Begabung) Einfluss auf das Krankheitsbild haben. Spezifische Störungen im Bereich der Perzeption, insbesondere einer Störung der Propriozeption (Tiefenwahrnehmung) aber auch eine Störung der taktilen Wahrnehmung über die Haut können Einfluss auf die Fein und Graphomotorik nehmen. In der aktuellen Zeit zeigt sich vermehrt, dass Bewegungsmangel bzw. die allgemeine „Inaktivität“ bei Kindern, bedingt durch Computerspiele oder ähnlichen Freizeitaktivitäten zunehmend Einfluss auf die Fein- und Graphomotorik haben.[5]

1.4 Risikofaktoren

Eine Umschriebene Entwicklungsstörung der Fein- und Graphomotorik stellt ein höheres Risiko dar, da das betroffene Kind im weiteren Verlauf der Störung erhebliche Schwierigkeiten in der Schule aber auch im alltäglichen Leben bekommen kann. Nicht selten entwickeln sich aufgrund einer Entwicklungsverzögerung eine Hyperaktivität oder andere Verhaltensauffälligkeiten. Aber auch Aufmerksamkeitsstörungen können dadurch auftreten.

1.5 Epidemiologie

Bei 2-17% der Kinder ist mit einer motorisch umschriebenen Entwicklungsstörung zu rechnen. Auffallend ist, dass öfters Jungen als Mädchen betroffen sind. Das Verhältnis liegt bei ca. zwei zu eins. Das Entstehen einer motorisch umschriebenen Entwicklungsstörung ist unabhängig von kulturellen ethnischen oder sozioökonomischen Einflüssen.[6]

1.6 Mögliche Symptome auf Ebene der Körperfunktionen (ICF)

Kinder die unter einer Störung der Fein- und Graphomotorik leiden, können meist einen Stift nicht korrekt im Dreipunktgriff halten. Stattdessen halten die Kinder den Stift im Vierpunktgriff, im Pfötchen- oder im Faustgriff.[7]

Ebenfalls zählt die Tonusstörung zu den möglichen Symptomen der Fein- und Graphomoto- rik. Dies zeigt sich, dass die Kinder in der Regel Ihre Kraftdosierung nicht optimal einschät- zen können. Dabei ist der Tonus entweder zu niedrig (Hypotonie) oder zu hoch (Hypertonie) oder auch wechselnd. Bei der Hypotonie zeigt es sich, dass die Kinder keine aufrechte Sitz- position beim Schreiben einnehmen können. Im Gegensatz dazu ist bei der Hypertonie auf- fällig, dass die Kinder mit dem Stift das Papier durchdrücken. Hierbei sind die Kinder auf- grund des zu hohen Tonus meist nicht in der Lage das Handgelenk beim Schreiben oder Malen über das Blatt gleiten zu lassen.[8]

Weiterhin zeigt sich, dass durch mangelnde Koordination auch sogenannte Massenbewe- gungen zu beobachten sind. Die Kinder können dabei die Bewegungen beim Schreiben nicht gezielt aus dem Handgelenk oder den Fingergelenken fließen lassen. Bewegungen werden vorzugsweise aus dem Ellenbogengelenk oder dem Schultergelenk ausgeführt. Dabei ist meist zu beobachten, dass der gesamte Arm des Kindes beim Schreiben in der Luft gehalten wird und nur die Spitze des Stiftes auf dem Blatt aufliegt. Andererseits kann es auch passie- ren, dass der Oberarm zu fest am Körper gehalten wird und dadurch eine natürliche Schreibhaltung verhindert wird.[9]

Viele Kinder halten ihr Handgelenk beim Schreiben oder malen nicht in einer leichten dorsal Extension, sondern geraten in eine palmar Flexion. Dies führt zu einer verkrampften Schreibhaltung. Außerdem entsteht dabei ein kleiner Tunnel zwischen Handgelenk und Tisch, was zusätzlich den Schreibfluss beeinflusst.[10]

Auch der Zustand der Bilateralintegration (Fähigkeit rechte und linke Körperseite gemeinsam zu koordinieren) spielt beim Schreiben eine tragende Rolle. Kinder die Defizite in der Bilate- ralintegration aufweisen, sind meist nicht in der Lage ihre eigene Mittellinie im Körper zu Überkreuzen. Deutlich wird dies, wenn Kinder auf der Mitte ihres Blattes ihre Körperposition so verändern, dass sie ihre eigene Körpermittellinie nicht kreuzen müssen oder den Stift in die andere Hand wechseln.[11]

Störungen der visuellen Wahrnehmung wie beispielsweise eine Störung der Visuo-Motorik, Störung Raum-Lage-Wahrnehmungen, Defizite beim Unterscheiden von räumlichen Beziehungen können ebenfalls die Graphomotorik eines Kindes beeinflussen.[12]

1.7 Zu erwartende Auswirkungen der Erkrankung auf Ebene von Aktivitäten

Gerade die Graphomotorik zählt zu einer der wichtigsten Kompetenzen die von Kindern spä- testens in der Schule erwartet wird. Gerade in diesem Kontext werden Störungen der Gra- phomotorik sehr relevant für die Kinder, da sie durch ihre ungenügende Schreibfähigkeit auf- fallen. Natürlich stellt das Malen, Basteln oder auch das Puzzeln für diese Kinder eine große Herausforderung dar.

Im Alltag eines Kindes mit Störung der Feinmotorik kann es zu erheblichen Beeinträchtigun- gen kommen. So stellen alltäglich feinmotorische Aufgaben wie beispielsweise eine Schleife binden oder eine Jacke zum zuknöpfen eine Herausforderung dar. Auch das gemeinschaftli- che Spielen mit anderen Kindern kann davon beeinflusst werden. Kinder die aufgrund ihrer Verzögerung unsicher sind, ziehen sich lieber zurück und sind beim Spielen eher ängstlich gegenüber anderen.

1.8 Medizinische Diagnostik

Um eine umschriebene Entwicklungsstörung der Fein- und Graphomotorik zu diagnostizie- ren, müssen spezielle Untersuchungen vorgenommen werden. Es müssen klinische neuro- logische Untersuchungen mit Prüfung der motorischen Koordination und Überprüfung der spontanen Motorik durchgeführt werden. Auch eine neurologische Erkrankung muss durch spezielle Untersuchungen ausgeschlossen werden. Unteranderem werden auch orthopädi- sche Untersuchungen durchgeführt um körperliche Faktoren auszuschließen. Intelligenzdi- agnostik spielt eine wichtige Rolle bei der Erkennung einer umschriebenen Entwicklungsver- zögerung. Speziell auf die Feinmotorik bezogen, werden verschiedene Testungen durchge- führt wie beispielsweise ein Hand-Dominanz-Test oder ein Visual-Motor-Integration-Test.[13]

1.9 Medizinische Erstmaßnahmen

Um ein Kind mit einer Umschriebenen Entwicklungsverzögerung der Fein- und Graphomotorik gezielt unterstützen zu können, ist der Einsatz von Ergotherapeuten von großer Bedeutung. Beispielsweise kann in der Ergotherapie durch gezielte vorbereitende Maßnahmen die Körperwahrnehmung verbessert werden. Eine gute Körperwahrnehmung stellt eine Voraussetzung für die Feinmotorik dar. Aber auch der Einsatz von Physiotherapeuten, Sozialpädagogen oder Motopäden kann für ein Kind mit einer umschriebenen Entwicklungsstörung sinnvoll sein. Zielstellung in allen Therapien ist die Verbesserung der motorischen und dynamischen Balance sowie der Körperhaltung.[14]

2. Daten des Klienten

Name: Laura

Alter: 10,4 Jahre

- Diagnose

Störung der Fein- und Graphomotorik (F82.1G). Emotionale Störung mit sozialer und leistungsbezogener Unsicherheit (F93.9G). Ausschluss einer Lese und Rechtschreibstörung oder Intelligenzminderung.

- Hauptbehinderungssyndrom

Laura kommt vorwiegend zur Ergotherapie aufgrund ihrer emotionalen Störung. Da sie ein sehr geringes Selbstbewusstsein besitzt und sich selbst sehr stark unter Leistungsdruck setzt, benötigt sie gerade in diesem Bereich Unterstützung um ihre Kompetenzen zu stär- ken. Ihr geringes Selbstvertrauen schränkt sie in ihrer Handlungsfähigkeit ein, da sie Her- ausforderungen meidet und mit Niederlagen kaum konstruktiv umgehen kann.

- Ergotherapie seit, Frequenz, Dauer der Behandlung

Laura geht seit dem 13.08.2015 einmal Wöchentlich zur Ergotherapie. Sie nimmt dort an einer Gruppentherapie teil, die ca. 45 Minuten dauert. Die Therapie mit Laura richtet sich, nach dem sensomotorischen-perzeptiven-Behandlungsverfahren.

- Aktuelle Lebenssituation

Laura wohnt gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Schwestern in einer Großstadt. Sie besucht die 4 Klasse einer Grundschule.

- Soziale Anamnese( laut Aussage des Vaters)

Laura wohne mit ihrer Familie in einer Großstadt in NRW. Die Familie wohne in einem Mehrfamilienhaus. Laura habe eine ältere Schwester zu der sie allerdings eine distanzier- te Beziehung habe. Ihre Mutter sei halbtags als Erzieherin in einem Kindergarten tätig und verbringe somit viel Zeit nachmittags mit ihren zwei Töchtern. Lauras Vater sei ebenfalls Erzieher und hat Schichtdienst. Laura habe ein eigenes Zimmer, das laut Aussage des Vaters eine altersentsprechende Ausstattung aufweise. Laura besuche eine Grundschule welche sie allerdings dieses Jahr verließe um die weiterführende Schule zu besuchen. Lauras Hobbys seien Handball, Tanzen und die Tätigkeit als Messdienerin. In Lauras Le- ben seien schon einige wichtige biografische Ereignisse eingetreten, die Laura in ihrem bisherigen Leben sehr geprägt haben sollen. Der Vater berichtet beispielsweise von dem Selbstmord seiner Schwester die eine enge Beziehung zu Laura gehabt haben soll. Die Trauer von Lauras Mutter über eine Fehlgeburt soll laut Aussage des Vaters Laura schon von Geburt an in ihrer Entwicklung beeinflusst haben. Die Beziehung zwischen Lauras Mutter und ihrem Vater soll sehr angespannt sein. Der Vater berichtet, das sie überlegen sich zu trennen. Laura habe laut Aussage ihres Vaters wenige Freunde.

- Medizinische Anamnese( laut Aussage des Vaters)

Die Schwangerschaft mit Laura sei unauffällig verlaufen. Die Geburt sei in der 41. Schwangerschaftswoche spontan und ohne Komplikationen erfolgt. Das Geburtsgewicht habe 2.550 g betragen. Laura sei 50 cm groß gewesen und ihre APGAR Werte seien 10/10 gewesen. Laura sei als Säugling sehr unauffällig gewesen. Bei Laura seien keiner- lei körperliche Erkrankungen oder Allergien bekannt. Vor der Ergotherapie habe Laura keine Behandlungen in Form von Therapien oder Fördermaßnahmen erhalten.

- Schulische / Berufliche Anamnese

Laut Akte besuche Laura die 4 Klasse einer Grundschule.

3. Ergotherapeutischer Befund

3.1 Ersteindruck

Die erste Kontaktaufnahme mit Laura war während einer Therapieeinheit bei meiner Anleite- rin. Wir begrüßten Laura im Wartebereich der Praxis. Ich stellte mich kurz mit Namen vor und erklärte ihr, dass ich Praktikantin sei und bei der Therapie gerne zuschauen würde. Auch sie begrüßte mich sehr freundlich, dennoch zurückhaltend. Laura machte einen schüchternen Eindruck aber willigte direkt ein, dass ich sie begleiten dürfte. Im Verlauf der Therapie wurde sie immer Kontaktfreudiger. Schnell fiel mir auf, dass Laura Blickkontakt zu anderen Perso- nen vermied. In dieser Therapieeinheit bekamen die Kinder die Aufgabe, positive Eigen- schaften an sich selbst zu benennen und diese auf ein Blatt zu kleben. Hierbei wurde deut- lich, dass Laura große Schwierigkeiten damit hatte und eher nur negative Dinge an sich fest- stellen konnte. Sie beschrieb viele Dinge die ihr schwer fallen. Zudem wirkte ihre Sprache und Wortwahl sehr emotionslos.

3.2 Äußeres Erscheinungsbild

Laura ist ein zierliches Mädchen mit leicht rötlichen schulterlangen Haaren. Sie ist ca. 131 cm groß und wiegt etwa 30 kg. Um Ihre Nase herum befinden sich kleine Sommersprossen, was ihr einen sympathischen Ausdruck verleiht. Sie trägt lockere und altersgerechte Kleidung. Meist trägt sie ein T-Shirt und eine Jeanshose. Auffallend ist, dass ihre Fingernägel abgekaut sind. Auch ihre hellblaue Augenfarbe ist sehr auffallend. Insgesamt hat sie eine eher verkrampfte Körperhaltung und teilweise hochgezogene Schultern.

3.3 Personenbezogene Faktoren

Lauras Familie ist religiös. In der Freizeit ist Laura als Messdienerin aktiv. Ihre Eltern legen viel Wert auf eine gute Erziehung und auf schulischen Leistungen. Sehr wichtig für Laura ist ihre beste Freundin. Dies spiegelt sich in Gesprächen mit ihr wieder, da sie viel von ihrer Freundin erzählt und sich häufig mit ihr vergleicht. Sie hat einen engen Kontakt zu ihrer Oma und ihrem Opa. Regelmäßig nach der Schule besucht sie die beiden und genießt die gemeinsame Zeit.

3.4 Aktivitäten und Teilhabe

Im Rahmen des COPM a Kids (Canadian Occupational Performance Measure) wurden folgende bedeutungsvolle und eingeschränkte Aktivitäten von Laura selbst benannt:

Im Bereich der Selbstversorgung fällt es Laura schwer, selbständig eine Jacke zu knöpfen. Auf- grund ihrer eingeschränkten Feinmotorik schafft sie es nur schwer die Knöpfe im Spitzgriff zu fassen und die Finger selektiv zu bewegen, um anschließend die Knöpfe durch die passenden Löcher zu schieben. Auf dieses Betätigungsproblem bezogen berichtet Laura, dass sie ungern eine Jacke mit Knöpfen anzieht, da sie dadurch immer länger braucht als andere Kinder und sie somit auch später in die Pause kommt. Die Teilhabe an der Pause mit anderen Kindern ist da- her für Laura eingeschränkt.

In den Bereichen der Produktivität äußerte Laura, dass sie Schwierigkeiten beim Schreiben und Schneiden hat. Beim Schreiben ist auffallend, dass Laura den Stift nicht im Dreipunktgriff hält. Ihr Handgelenk gerät in eine Palmarflexsion-Stellung. Durch diese Defizite wird ihrer Schrift unleserlich. Beim schneiden mit der Schere ist auffällig, dass Laura unter Zeitdruck nur unge- nügend auf der Linie scheiden kann. Dieses zuletzt genannte Betätigungsproblem verstärkt sich insbesondere dann, wenn sich Laura von ihren Klassenkammeraden ablenken lässt. Zudem werden diese zwei Betätigungsprobleme von ihrer Lehrerin bemängelt. Immer wieder kommt es dadurch zu kleineren Konflikten zwischen Laura und ihrer Lehrerin, was Laura natürlich gerade im Bezug zu ihrer leistungsbezogenen Unsicherheit stark beeinflusst und für sie eine entspann- te Teilhabe am Unterricht erschwert.

Ein weiterer Punkt der in der Befunderhebung mit Laura deutlich wurde ist, dass es ihr schwer- fällt selbständig ihre Schultasche zu packen. Sie berichtet, dass sie immer wichtige Schulsa- chen vergisst, da sie im Stundenplan in der falschen Spalte schaut oder die Handlung unter- bricht, weil sie abgelenkt ist. Sie umgeht dieses Problem indem sie andauernd alle Schulsachen im Rucksack verstaut und somit was sie benötigen könnte, bei sich trägt. Laura berichtet je- doch, dass ihre Schultasche dadurch sehr schwer ist und der Schulweg mühevoll ist.

[...]


[1] Vgl. Becker, Walkenhorst. 2009, S. 135.

[2] Vgl. Internet: DIMDI Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information.

[3] Vgl. von Suchodoletz. 2009, S. 178 ff.

[4] Vgl. Axtmann et al., S. 95 f.

[5] Vgl. Becker, Steding-Albrecht. 2006, S. 302 f.

[6] Vgl. Kubny-Lüke. 2009, S. 283

[7] Vgl. Becker, Steding-Albrecht. 2006, S. 29.

[8] Vgl. Kisch, Pauli. 2014, S. 16 f.

[9] Vgl. Kisch, Pauli. 2014, S. 17 f.

[10] Vgl. Kisch, Pauli. 2014, S. 21.

[11] Vgl. Unterrichtsmaterialen Döpfer Schulen NPBK.

[12] Vgl. Kisch, Pauli. 2014, S. 25.

[13] Vgl. Axtmann et al., S. 97 f.

[14] Vgl. Axtmann et al., S. 98 f.

Details

Seiten
32
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668440548
ISBN (Buch)
9783668440555
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356542
Note
1,2
Schlagworte
Praxisbericht Ergotherapie Pädiatrie Döpfer Sichtstunde Motorik

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Titel: Ergotherapie. Große Sichtstunde im Fachbereich Pädiatrie