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Sind niedrige Zinsen deflationär?

Eine Bilanz der Niedrigzinspolitik

Bachelorarbeit 2016 38 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das neukeynesianische Standardmodell
2.1 Nutzenmaximierung der Haushalte
2.2 Gewinnmaximierung der Unternehmen
2.3 Gleichgewicht am Güter- und Arbeitsmarkt
2.4 Herleitung der zentralen Modellgleichungen
2.5 Geldpolitik
2.5.1 Transmission auf reale Größen
2.5.2 Möglichkeiten und Grenzen der Geldpolitik

3. Bilanz der Niedrigzinspolitik
3.1 Unkonventionelle Maßnahmen

4. Der neo-fisherianische Ansatz
4.1 Modellrahmen
4.1.1 Einfluss der Preisrigidität
4.1.2 Beständigkeit des Inflationsziels
4.2 Transmissionsmechanismus
4.3 Modellvariationen
4.3.1 Vergangenheitsbezogene Preisanpassung
4.3.2 Reflektive Erwartungsbildung

5. Konsequenzen für die Geldpolitik
5.1 Bewertung unkonventioneller Maßnahmen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Inflationsrate und Leitzinsen in der Eurozone

Abbildung 2: Inflationsrate und Leitzinsen in den USA

Abbildung 3: Entwicklung der Zentralbankbilanzen seit 2007

Abbildung 4: Multiplikator von in Abhängigkeit von und

Abbildung 5: Impulsreaktionen auf eine Anpassung des Inflationsziels

Abbildung 6: Multiplikator von in Abhängigkeit von und

Abbildung 7: Konvergenz zum ungewollten Steady State

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die globale Finanzkrise, die von der US-amerikanischen Volkswirtschaft ausgehend im Jahr 2008 ausbrach und im europäischen Wirt­schaftsraum im Jahr 2010 nahtlos in die Staats­schuldenkrise überging, stellt den Aus­gangs­punkt der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Eu­ropäi­schen Zentral­bank (EZB) dar. Durch diese Politik soll zum einen ein günsti­ges Um­feld für Inves­titionen von Unternehmen geschaffen werden. Zum anderen zielt diese Po­litik auf eine inflationsbedingte Abwertung der Ver­bindlichkeiten der europäischen Staaten ab. Die bislang getroffenen Maß­nahmen wurden dabei im März 2015 mit anhaltenden Anleihekauf­pro­grammen durch die EZB intensiviert.

Bislang halten sich die Erfolge dieser geldpolitischen Maßnahmen in Gren­zen. Das Inflati­onsziel der EZB in Höhe von zwei Prozent erscheint derzeit unerreichbar. Trotz weitreichen­der Bekenntnisse der EZB zu ihrer Niedrig­zinspolitik lassen sich sogar deflationäre Tenden­zen erkennen. Zudem meh­ren sich die kritischen Stimmen, insbesondere aus der Banken- und Versi­cherungsbranche, die ein Ende der aktuellen Maßnahmen oder zu­mindest die Aus­sicht auf eine geldpolitische Normalisierung fordern. Der­zeit er­scheint es jedoch abwegig anzunehmen, dass die EZB auf diese Forderungen eingeht. Sie ist weiterhin von der Wirk­samkeit ihrer Geldpolitik und der Gültigkeit der dieser Geldpolitik zugrundeliegenden Modelle über­zeugt. Eine ähnliche Verhaltensweise ist ebenso bei vielen anderen Zentral­banken die­ser Welt zu erkennen.

Was ist jedoch, wenn diese Geldpolitik schlichtweg keinen Erfolg haben kann, weil zentrale Erkenntnisse der Wirtschaftswissenschaften missachtet bzw. übersehen werden? Dies ist zumindest das Argument der Neo-Fishe­rianer, die unter Hinweis auf den nach Irving Fisher benannten Fisher-Ef­fekt eine positive Beziehung zwischen dem Nominalzins und der Inflati­ons­rate sehen. Dieser Auffassung folgend müsste im Ergebnis festgestellt werden, dass die EZB und andere Zentralbanken mit ihren Niedrigzinspoli­tiken das Problem der niedrigen In­flation nicht beheben, sondern sogar verschärfen würden. Wirken niedrige Zinsen vielleicht sogar deflationär?

In dieser Ausarbeitung werden im folgenden Kapitel zunächst die Grund­züge des neukeyne­sianischen Standardmodells dargestellt, welches die Basis für moderne Zentralbankmodelle bildet, bevor im dritten Kapitel eine Bilanz der bisherigen Niedrigzinspolitik der Zentralbanken gezogen wird. Anschließend werden im Rahmen des vierten Kapitels die Grundzüge des neo-fisherianischen Ansatzes erörtert, bevor hierauf aufbauend im fünften Kapi­tel mögliche Konsequenzen für die Geldpolitik betrachtet werden. Ab­schließend werden im Fazit die zentra­len Erkenntnisse dieser Ausarbeitung zusammengefasst.

2. Das neukeynesianische Standardmodell

Das neukeynesianische Standardmodell bildet die Basis für viele moderne Zentralbankmo­delle und das von zahlreichen Zentralbanken angewandte „Inflation Targeting“. Es baut da­bei im Kern auf der Theorie realer Kon­junkturzyklen (RBC-Theorie) auf. Diese Theorie geht von der Annahme unendlich lebender Haushalte aus, welche ihren aus Konsum und Freizeit gewonnenen Nutzen unter Beachtung einer intertemporalen Budgetbe­schränkung zu maxi­mieren versuchen. Den Gegenpart zu den Haushalten bildet eine große Anzahl an Unter­nehmen mit identischer Technologieaus­stattung.[1] Die RBC-Theorie weist dabei Charakteris­tiken eines dynamisch-stochastischen Gleichgewichtsmodells auf, welches sich aus einem Ange­bots-, einem Nachfragesektor sowie einem monetären Sektor zusammen­setzt. Die un­terschiedlichen Sektoren werden dabei durch die Interaktionen zwischen den Haushalten und Unternehmen ins Gleichgewicht gebracht. Dabei haben die rationalen Erwartungen der Wirtschaftssubjekte bezüglich der Entwicklung zukünftiger wirtschaftlicher Größen einen maßgeblichen Einfluss auf die Ent­wicklung heutiger Größen, wodurch dem Modell seine dy­namische Kompo­nente verliehen wird. Zusätzlich unterliegen diese Größen aufgrund zufällig auftretender, exogener Ereignisse unterschiedlich starken Schwankungen, die die Gleichge­wichte in den drei Sektoren stören können. Dies führt dazu, dass die Entwicklung der wirt­schaftlichen Größen nicht anhand eines per­fekt zu prognostizierenden Pfades betrachtet wer­den kann.[2]

Diese Charakteristiken der RBC-Theorie werden im neukeynesianischen Standardmodell mit Annahmen kombiniert, die von denen klassischer mo­netärer Modelle abweichen. Hierbei handelt es sich um die Annahmen der monopolistischen Konkurrenz, der Existenz nominaler Rigiditäten in Bezug auf die Lohn- und/oder Preisanpassung sowie der aus diesen Rigiditä­ten resultierenden Nichtneutralität geldpolitischer Maßnahmen in der kurzen Frist.[3] Diese Kombination der beiden verschiedenen Ansätze brachte meh­rere Autoren dazu, den neuen Modellrahmen als Neue Neoklassische Syn­these zu bezeichnen.[4]

In den folgenden Kapiteln wird zunächst das Optimierungsverhalten der Haushalte und Un­ternehmen beleuchtet, welches dem makroökonomi­schen Standardmodell seine mikroöko­nomische Fundierung liefert. Dabei liegt der Fokus auf einer Volkswirtschaft mit rigider Preisanpassung und flexiblen Löhnen. Dies ist auf der einen Seite auf den simpleren Analy­se­rahmen zu­rückzuführen, den Modelle mit rigider Preisanpassung gegen­über Modellen mit rigider Lohnanpassung bieten.[5] Auf der anderen Seite wird der Annahme rigider Lohn­setzung für die Modellierung der Entwick­lung der Inflationsrate und des Outputs sowie für die Betrachtung der Rolle der Geld­politik eine geringere Rolle zugeschrieben als der An­nahme rigider Preisanpassung.[6]

2.1 Nutzenmaximierung der Haushalte

Im vorliegenden Modell versucht ein repräsentativer, unendlich lebender Haushalt seinen Nutzen zu maximieren, welcher durch die folgende Nut­zenfunktion beschrieben werden kann:

(1)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Hierbei stellt die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden dar, während die exogen be­dingte Veränderung der Präferenzen beschreibt. ist ein Zeitpräferenzfaktor, welcher Werte zwischen Null und Eins annehmen kann. verkörpert den Erwartungswertoperator, der im vorliegenden Fall von den zum Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Informationen ab­hän­gig ist.[7] stellt einen Konsumindex dar, welcher durch (2) abgebil­det wird:

(2)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

ist die Menge des Gutes , welches vom Haushalt in der Periode kon­sumiert wird.

Hierbei wird durch das Intervall eine Bandbreite an ver­schiedenen Gütern erfasst, über die sich der Konsumindex erstreckt.[8] Der Parameter bil­det die Elastizität der Nachfrage ab.[9]

Für die Maximierung des Nutzens werden dem Haushalt durch eine Bud­get­beschränkung der folgenden Form Grenzen gesetzt:

(3)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

drückt dabei den Preis des Gutes aus, während die Anzahl der zum Preis getä­tigten Käufe von einjährigen, diskontierten Wertpapieren be­schreibt. verkörpert den No­minallohn, während die Höhe der an den Haushalt gezahlten Dividende bemisst. Diese Dividendenzahlungen sind auf die Miteigentümerschaft des Haushalts an einer Vielzahl von Un­ternehmen zurückzuführen. Die Budgetbeschrän­kung wird zusätzlich noch durch die fol­gende Solvenzbedingung ergänzt:[10]

(4)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

beschreibt dabei einen stochastischen Diskontierungsfaktor.[11]

Die Maximierung des Nutzens erfordert zunächst die Maximierung von für jedes gege­bene Ausgabenniveau von . Dieses Maximie­rungs­problem lässt sich als die optimale Verteilung der Konsumausgaben des Haushaltes auf die verschiedenen Konsum­güter interpretieren. Es ergibt sich hierbei die folgende Lösung für das Maximierungs­problem:

(5)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

kann in diesem Zusammenhang als aggregierter Preisindex angesehen werden. Dies führt dazu, dass die gesamten Konsumausgaben des Haus­halts über das Produkt des Preisinde­xes mit dem Konsumindex ermittelt werden können:

(6)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Nach Einsetzen von (6) in (3) ergibt sich deshalb die folgende Budgetbe­schränkung:

(7)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Auf Basis von (1), (4) und (7) lassen sich schließlich die Optimalitätsbedin­gungen für die Ma­ximierung des Nutzens herleiten, welche in ihren log-linearen Formen durch (8) und (9) beschrieben werden können:[12]

(8)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

(9)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

(8) stellt eine Arbeitsangebotsbedingung bei vollständiger Konkurrenz dar, bei welcher das Arbeitsangebot als Funktion des Reallohns bei ge­gebenem Grenznutzen des Kon­sums interpretiert werden kann. Der Parameter verkörpert dabei die (inverse) Frisch-Elastizität des Arbeits­ange­bots, während als intertemporale Substitutionselastizität definiert wird.[13]

(9)[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bildet den Einfluss verschiedener ökonomischer Größen auf den heuti­gen Konsum ab und stellt hierdurch die Nachfrageseite des Modells dar. Dabei ver­körpert den kurzfristigen Nominalzinssatz, während die Zeitpräferenz erfasst. als exogener Parameter beein­flusst, wie stark der Effekt einer Präferenzveränderung auf den heuti­gen Konsum ausfällt.[14]

[...]


[1] Vgl. Gali (2015), S. 5.

[2] Vgl. Sbordone et al. (2010), S. 24-26.

[3] Vgl. Gali (2015), S. 5 f.

[4] Vgl. Gali (2015), S. 2.

[5] Vgl. Woodford (2003), S. 140.

[6] Vgl. Woodford (2003), S. 235.

[7] Vgl. Gali (2015), S. 18.

[8] Vgl. Gali (2015), S. 53.

[9] Vgl. Gali (2015), S. 61.

[10] Vgl. Gali (2015), S. 53.

[11] Vgl. Gali (2015), S. 19.

[12] Vgl. Gali (2015), S. 53 f.

[13] Vgl. Gali (2015), S. 20 f.

[14] Vgl. Gali (2015), S. 54.

Details

Seiten
38
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668422230
ISBN (Buch)
9783668422247
Dateigröße
841 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356499
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Schlagworte
sind zinsen eine bilanz niedrigzinspolitik

Autor

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Titel: Sind niedrige Zinsen deflationär?