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Übersetzung aus dem und in das Arabische. Praseologismen in der Sprache der Politik

Eine lexikographische kontrastive Untersuchung

Masterarbeit 2012 129 Seiten

Dolmetschen / Übersetzen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Aufbau
1.3. Terminologie
1.4. Forschungsstand

2. Grundfragen der Phraseologie:
2.1. Definition
2.2. Merkmale der Phraseologie
2.2.1. Polylexikalität
2.2.2. Festigkeit / Gebräuchlichkeit
2.2.3. Idiomatizität

3. Phraseologie und Translation
3.1. Voraussetzungen eines guten Übersetzers
3.1.1. Die Ausgangs-und Zielsprache beherrschen
3.1.2. Informiertheit über das zu übersetzende Thema
3.1.3. Klarheit und Verständlichkeit
3.1.4. Die Allgemeinbildung
3.2. Kulturelle Spezifik der Phraseologie als Translationsschwierigkeit
3.3. Problem der Äquivalenzfindung von Phraseologismen
3.3.1. Eins-zu-Null-Äquivalenz
3.3.2. Eins-zu-Eins-Äquivalenz
3.3.3. Viele- zu- Viele- Äquivalenz
3.3.4. Von der Viele-zu-Viele-Äquivalenz zur Eins-zu-Eins-Äquivalenz

4. Die Phraseologie der politischen „Fachsprache“
4.1. Fachsprache der Politik
4.2. Politische Rede und Rhetorik
4.3. Metaphorik der Phraseologie

5. Kontrastive Untersuchung
5.1. Überblick
5.2. Interlinguale Entsprechungsmöglichkeiten

6. Lexikalisierung von Phraseologismen (Phraseographie)
6.1. Benutzungshinweise
6.2 Phraseologisches Glossar Deutsch-Arabisch
6.3 Phraseologisches Glossar Arabisch-Deutsch

7. Abschlussbemerkung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Dolmetscher muss man sich mit den verschiedensten Fachgebieten vertraut machen. Es ist sehr wichtig, Grundwissen auf jedem Gebiet der Wissenschaften zu haben, jedoch ist es unmöglich, in jedem Bereich gleichermaßen kompetent zu sein. So findet man es von Nöten, terminologische Wortlisten für jedes Fachgebiet parat zu haben, damit man kompetente Übersetzungs- bzw. Dolmetscharbeit leistet.

Wenn man eine Fremdsprache lernt, dann fängt man mit der Grammatik und dem Wortschatz an. Man begegnet idiomatischen Ausdrücken, die man erst verstehen kann, wenn man sie als eine Einheit begreift.

Phraseologismen sind die Quintessenz der Lebenserfahrungen der Menschen in jeder Kultur. Sie stellen ein kulturelles Guthaben der sowohl tradierten als auch gewonnenen Weisheiten. Dazu sind sie sprachliche und künstlerische Kulturträger, die ein kollektives Bewusstsein und Wissen tragen. Sie spiegeln die Entwicklung und die Änderungen der Gesellschaft wider, indem sie die Gefühle und die Emotionen in prägnanten Worten ausdrücken. Phraseologismen sind nach wie vor eine Ressource, auf die Lehrer, Richter und Politiker u.a. zugreifen können.

1.1. Zielsetzung

In der vorliegenden Arbeit versuche ich eine lexikografische kontrastive Untersuchung der Phraseologie in der politischen Sprache zu unternehmen. Schon als Kind waren für mich die im Umfeld meiner Familie tradierten Redewendungen, Sprichwörter und Redensarten eine sprachliche Attraktion. Als Germanistik-Student beschäftigten mich die Phraseologismen entlang meines Studiums sowohl in der deutschen als auch in der arabischen Sprache. Ich habe damals angefangen, Listen der phraseologischen Äquivalente festzuschreiben. Dabei verließ ich mich auf die mir zur Verfügung stehenden Lexika wie z.B. Duden Redewendungen, Duden Universalwörterbuch, das deutsch-arabische Wörterbuch von Götz Schregle und das arabische einsprachige Wörterbuch Lisan al-Arab (dt. Zunge der Araber). Als ich mein Masterstudium im Konferenzdolmetschen an der Universität Leipzig angefangen habe, waren solche phraseologischen Listen zwar von nicht zu unterschätzender Bedeutung, aber es genügte nicht, um alle beim Dolmetschen auftretenden Phraseologismen zu verstehen und zu übersetzen. Es mangelte einfach an einer Quelle, einem Nachschlagewerk, worauf man sich stützen kann. Somit kann man es vermeiden, mit zwei linken Händen in der Kabine zu sitzen, wenn die Redner gezielt mit Sprichwörtern und Redewendungen schwadronieren. So möge diese Arbeit eine Brücke zwischen den arabischen und deutschen Phraseologismen schlagen. Ich besitze an dieser Stelle nicht die Kühnheit zu behaupten, dass die vorliegende Arbeit eine Vollkommenheit darstellt, oder dass sie der Kritik erhaben ist. Ganz im Gegenteil bedarf dieser Ansatz zweifelsohne einer kritischen, erweiternden Fortsetzung und einer Optimalisierungsarbeit, die meines Erachtens eine organisierte Gruppenarbeit zustande bringen könnte.

1.2. Aufbau

In dieser Arbeit behandle ich die Thematik „Phraseologie in der poltischen Sprache“ auf zwei Ebenen:

Auf theoretischer Ebene untersuche ich die Phraseologismen und ihre Merkmale. Dabei setze ich mich mit folgenden Fragen auseinander: Was sind Phraseologismen im Arabischen und im Deutschen? Welche Rolle spielen Phraseologismen in der politischen Sprache? Gibt es eine Fachsprache der Politik? Was sind die Probleme, die bei der Übersetzung von Phraseologismen auftauchen? Was sind die Gleichheiten und die Unterschiede der Phraseologie im Deutschen und im Arabischen? Dabei gibt es unvermeidliche Fragen zur Phraseologie, mit denen man die Arbeit theoretisch begründen kann. Im Anschluss dazu untersuche ich den Stand der lexikalischen Erfassung der Phraseologismen in bilingualen Wörterbüchern.

Auf praktischer Ebene beleuchte ich die kontrastive Phraseologie zwischen der arabischen und der deutschen Sprache. Dabei behandle ich die verschiedenen Kriterien der interlingualen phraseologischen Entsprechung. Hier stellt sich eine wichtige Frage. Kann man einen Phraseologismus mit einem Phraseologismus übersetzen? Zum Schluss erstelle ich im letzen Kapitel sowohl ein arabisch-deutsches als auch ein deutsch-arabisches Glossar für politische Phraseologismen. Im Anhang findet man die Literatur der vorliegenden Arbeit. Als Primärliteratur für die in dieser Arbeit behandelten phraseologischen Lexeme und Beispiele gelten in erster Linie die offiziellen Zeitungen und Zeitschriften sowohl in Papier als auch Online, in zweiter Linie die Reden des Bundestages und der Bundesregierung. Zeitlich stammen die meisten Beispiele aus den letzten zwei Jahren (2010-2011) und aus dem Jahre 2012. Damit wird versucht, nicht nur die aktuellsten, sondern auch die am meisten tradierten Phraseologismen in der Politik lexikalisch zu erfassen.

Somit geht diese Arbeit auf das bereits genannte Desiderat aus translatorischer und lexikalischer Perspektive ein.

1.3. Terminologie

Wie Hessky Regina in ihrem Buch „Phraseologie“[1] beschreibt, beklagten sich die meisten Arbeiten über eine „verwirrende Vielfalt der Terminologie“. Man spricht von Idiomen, bildhaften Wendungen, feste Wortkomplexen, idiomatischen Wendungen, Phrasemen bis zu endosememischen und exosememischen Phraseololexemen. Der Grund für diese Verwirrung liegt laut Hessky daran, dass man Anfang der 60-er Jahre eine ständige Einführung neuer Terminologien anstrebte. Dies wurde von den verschiedenen autonomen linguistischen Richtungen begünstigt. In den 80-er Jahren hat man aber diese chaotische Lage dank wiederholter Klärungsversuche hinsichtlich der Terminologie in der Phraseologieforschung überwunden.

Im Arabischen herrscht ebenfalls eine Verwirrung über die Terminologie der Phraseologieforschung.

تمثل التعابير الاصطلاحية جزءاً من ظاهرة لغوية عالمية تقوم على استدعاء كلمات بعينها، وتعددت مسميات هذه الظاهرة ويشار إليها بأوصاف عدة منها الاقتران اللفظي والتصاحب اللفظي والتوارد والقرائن والتضام. يشار للتعبيرات الاصطلاحية بوصف (التعبيرات الخاصة) وهي التعبيرات التي فقدت معناها الحرفي من ألفاظها المؤلفة منها، وصار لها معان جديدة لا تمت للقديمة، ومن أوصافها أيضاً التركيب المسكوك، والتعبير المسكوك، والصيغ المسكوكة، والعبارة المعيارية، والعبارة الشائعة والعبارة الدارجة والعبارة الجاهزة

تتضمن التعبيرات الاصطلاحية كثيراً من الأمثالproverbsوالعبارات الثابتةclichésوالعبارات المأثورة والعبارات السوقيةslang phrasesوالأفعال المرتبطة بحروف الجر أو الظروفphrasal verbs، وكذلك الاصطلاحات الحديثة إضافة إلى المتلازمات اللفظية[2]

„Phraseologismen sind Teil eines internationalen Phänomens, das bestimmte Komponente voraussetzt. Dieses Phänomen wird vielfältig bezeichnet, wie Kollokationen, Zwillingsformen, Redewendungen, feste Wortgruppen. Phraseologismen sind besondere Ausdrücke, deren Komponente ihre wörtliche Bedeutung verloren hat und gemeinsam mit anderen Komponenten eine ganz neue Bedeutung gewonnen hat. Man nennt diese Ausdrücke auch fertige oder gefertigte Ausdrücke, fertige Konstruktionen oder Formulierungen, geläufige Phrasen oder fertige Phrasen.

Phraseologismen enthalten außerdem Sprichwörter, feste Wortverbindungen, geflügelte Wörter, populäre Phrasen und Verben mit Präpositionen sowie Kollokationen.“[3] )

Die vorliegende Arbeit beschränkt sich hauptsächlich auf die in der deutschen Literatur zur Phraseologie gängige Terminologie. Das gleiche gilt auch für die in der arabischen Sprache in letzter Zeit gängige Terminologie (تعبيرات إصطلاحية، حكم، أمثال، أقوال مأثورة). Der Terminus Phraseologie wird als übergreifende Bezeichnung für den Teilbereich der Linguistik verwendet, der sich mit der Untersuchung der Phraseologie als Subsystem der Sprache beschäftigt. Phraseologismus, Phraseologische Einheit gelten hier als Oberbegriff für sämtliche sprachliche Entitäten, die zur Phraseologie gezählt werden. Eine differenzierte Klassifizierung der Subklassen der Phraseologie ist angesichts der Zielsetzung der vorliegenden Arbeit nicht erforderlich. Die historische und etymologische Perspektive der Phraseologie wird in dieser Untersuchung nur am Rande beleuchtet. Man hat sich im Glossar damit begnügt, den Bereich zu erwähnen, aus dem der jeweilige Phraseologismus stammt.

1.4. Forschungsstand

In den letzten zwei Jahrzehnten adoptierte die angewandte Linguistik die Konzeption einer politischen Sprache. Sie lehnt damit die strukturalistische Auffassung ab, die die Sprache als selbstenthaltend und neutral sowohl in Struktur als auch im Gebrauch[4] betrachtet.

Es fehlt bisher eine umfassende Arbeit zum Thema „Phraseologie in der Sprache der Politik“, das man als Forschungsdesiderat bezeichnen kann. BURKHARDT wies schon 1988 einen eigenen Rang im Rahmen einer satzsemantischen Analyse politischer Texte zu. In der Einleitung zu seinem Aufsatz greift BURKHARDT auf die Forderung DIECKMANNs nach einer „genaueren theoretischen und empirischen Ausarbeitung einzelner Bereiche des disparaten Problemkomplexes Sprache und Politik“[5] auf.

Auf dem Bereich der Phraseographie, die lexikographische Teilwissenschaft, die sich mit der Behandlung von phraseologischen Einheiten in Wörterbüchern beschäftigt[6], mangelt es im arabisch-deutschen Kontext an einem Nachschlagewerk, das die geläufigsten Phraseologismen erfasst. Die allgemeinen zweisprachigen Wörterbücher erfassen zwar eine große Anzahl von Phraseologismen, sie fokussieren aber nur nebensächlich auf die verschiedenen Bedeutungsebenen und Verwendungsbereiche dieser Phraseologismen. Lexikographen sind zudem bei der Verfassung von allgemeinen zweisprachigen Wörterbüchern an bestimmten Regeln gebunden, wie etwa der Exhaustivität und der Platzersparnis.

2. Grundfragen der Phraseologie:

2.1. Definition

Als Grundlage der vorliegenden Arbeit dient folgende Definition:

„Phraseologisch ist eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern dann, wenn (1) die Wörter eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht voll erklärbare Einheit bilden, und wenn (2) die Wortverbindung in der Sprachgemeinschaft, ähnlich wie ein Lexem, gebräuchlich ist. Die beiden Kriterien stehen in einem einseitigen Bedingungsverhältnis: wenn (1) zutrifft, dann auch (2), aber nicht umgekehrt.“[7]

In jedem beliebigen deutschen oder arabischen Text findet man den einen oder anderen Ausdruck der folgenden Art:

hin und her (شد وجذب) ständig die Richtung wechselnd

Öl ins Feuer gießen ( زاد النار حطباً ) „einen Streit noch verschärfen“

Sich die Haare raufen ( تملكه اليأس ) „völlig verzweifelt sein“

Gang und gäbe sein ( من المألوف\ من المعتاد ) „ allgemein üblich sein“

Guten Appetit ( شهية طيبة ) „Wunschformel, wenn man jmdn. essen sieht“

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, sagt der Ochse, als er gebraten wurde

( من تدخل فيمل لا يعنيه، نال مالا يرضيه )

All diese Ausdrücke haben zweierlei gemeinsam:

Erstens bestehen sie aus mehr als einem Wort, zweitens sind die Wörter nicht für dieses eine Mal zusammengestellt, sondern es handelt sich um Kombinationen von Wörtern. Ausdrücke mit diesen beiden Eigenschaften nennen wir Phraseologismen. Die lexikalischen Bestandteile nennen wir Komponenten. Die Teildisziplin, die sich mit Phraseologismen befasst, heißt Phraseologie.[8]

Äquivalente Ausdrücke sind feste Wortverbindungen und Phraseologische Wortverbindung. Der Gegenbegriff dazu ist freie Wortverbindung.

Neben diesen Gemeinsamkeiten weisen die Ausdrücke aber eine Reihe von Unterschieden auf:

1. Sie sind unterschiedlich lang: der kürzeste gang und gäbe hat nur zwei Wörter, der längste Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, sagt der Ochse, als er gebraten wurde fünfzehn.
2. Sie haben unterschiedliche syntaktische Funktion und innere Struktur/
Sich die Haare raufen ist ein ganzer Satz , hin und her ein Adverbiale. Öl ins Feuer gießen enthält ein Akkusativobjekt (Öl) und ein Richtungsadverbiale (ins Feuer).
3. Einige verhalten sich morphosyntaktisch wie beliebige Verbindungen von Wörtern, d.h. man kann das Verb konjugieren (er rauft sich die Haare/sie rauften sich die Haare).
4. Bei einigen Komponenten kann man aufgrund der Komponenten unschwer erschließen, was sie bedeuten, bei anderen ist das nicht oder teilweise möglich. Was eine tickende Zeitbombe bedeutet, lässt sich aus den Komponenten erraten. Anders ist es bei Öl ins Feuer gießen: Hier kommt es darauf an, ob man die „alltägliche“ Bedeutung des Ausdruckes meint(jmd. gießt tatsächlich Öl in reales Feuer) oder die „übertragene Bedeutung“(einen Streit noch verschärfen). Die wörtliche Bedeutung kann man natürlich durch die einzelnen Komponenten verstehen, die übertragene kann man als muttersprachlicher Sprecher des Deutschen mit einer Wahrscheinlichkeit erschließen, wenn man sich einen „Streit“ „im Bilde“ vom Öl, das man ins Feuer gießt, „vorstellt“. Die übertragene Bedeutung kann man auch mit viel Vorstellungskraft nicht erraten, man muss sie schon wissen, so wie man die Bedeutung der Wörter kennen muss.[9]

2.2. Merkmale der Phraseologie

Die Idiomatizität und die Vorgeformtheit (Festigkeit) bzw. die Reproduzierbarkeit zählen zu den Merkmalen phraseologischer Sprachzeichen. Dabei unterscheidet sich die Idiomatizität von der Festigkeit dadurch, dass sie nur für eine Teilmenge des phraseologischen Bestandes als zusätzliches Merkmal gilt und nicht für die gesamte Phraseologie einer Sprache kennzeichnend ist.[10]

Zwar lässt sich somit ein weiter Kreis sprachlicher Ausdrucksmittel gegenüber freien Wortverbindungen relativ leicht abgrenzen, aber zwischen dem Zentrum freier Wortverbindungen und jenem der Phraseologie ist eine breite Übergangszone anzunehmen, in dem es prinzipiell nicht möglich ist, eine feste Grenze zu ziehen. Dabei ist eine Präzisierung innerhalb der Phraseologie im Hinblick auf ihre verschiedenen Subklassen angebracht. Die Erweiterung des Umfangs der Phraseologie führte dazu, dass die Heterogenität des phraseologischen Materials größer wurde. Dies erforderte aber eine innere überschaubare Ordnung. Als möglicher Ausweg aus diesem Dilemma erwies sich die Anwendung des Zentrum-Peripherie-Modells der Prager Schule. Zwar bedeutet sie den Verzicht auf eine absolute konsequente Klassifikation im taxonomischen Sinne, wo jede phraseologische Einheit eindeutig einer gewissen Subkalsse zugeordnet werden kann, es ist aber von Vorteil, da die Lösung nicht aus einem methodischen Versagen resultiert, sondern aus der Kenntnis hervorgeht, dass eine solche Beschreibung dem Wesen der natürlichen Sprachen eher gerecht ist.

2.2.1. Polylexikalität

Dieses Merkmal ist relativ unproblematisch definierbar. Ob ein Ausdruck mehrere Wörter umfasst, ist in der Regel leicht entscheidbar, sofern man sich darüber einigen kann, was ein „Wort“ ist. Eine obere Grenze der Wortmenge wird nicht definiert, da die maximale Ausdehnung eines Phraseologismus üblicherweise nicht lexikalisch, sondern syntaktisch festgelegt ist: der Satz gilt als die obere Grenze phraseologischer Wortverbindungen.

Einen Grenzfall bilden die sogenannten „Sagwörter“ oder „Wellerismen“, bei denen Sprichwörter oder sprichwortartige Ausdrücke in dem Sinne erweitert werden, dass eine Situation angegeben wird, in der jemand den Ausdruck sagt (z.B. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, sagte der Ochse, als er gebraten wurde).

Bezüglich der Unteren Grenze der Wortmenge ist man sich einig, dass mindestens zwei Wörter vorhanden sein müssen. Doch besteht keine Einigkeit darüber, ob es sich dabei um „Autosemantika“ wie Öl, geben und/oder „Synsemastika“ handeln soll. Nach Burger gibt es keine plausiblen Kriterien für die eine oder die andere Entscheidung und er rechnet jede feste Kombination von zwei Wörtern zur Phraseologie, so zum Beispiel im Nu, bei weitem. „Minimale Phraseologismen“, die keine Autosemantika enthalten oder bei denen die ursprünglichen Autosemantika in ihrer Bedeutung verblasst sind, tendieren dazu, phonetisch und graphisch zu einem Wort zu werden. Den Vorgang nennt man Univerbierung.

2.2.2. Festigkeit / Gebräuchlichkeit

Der Begriff der Festigkeit ist sehr viel schwerer fassbar als derjenige der Polylexikalität. Für alle Phraseologismen gilt als Grundbedingung ihrer Festigkeit, dass sie in einem synchronen Sprachquerschnitt „gebräuchlich“ sind. Wenn jemand einen Phraseologismus hört oder liest, versteht er ihn ohne auf die potentielle wörtliche Bedeutung zurückgreifen zu müssen- unmittelbar in der phraseologischen Bedeutung; und wenn jemand ein Objekt oder einen Sachverhalt benennen oder beschreiben will, steht ihm dafür - sofern die jeweilige Sprache für diesen Zweck über einen Phraseologismus in der gleichen Weise verfügt, ein Wort zur Verfügung.

Mit der Unterscheidung von „kennen“ und „gebrauchen“ ist gemeint, dass die Sprecher einen Ausdruck vielleicht kennen, ihn aber aus bestimmten Gründen nicht selber gebrauchen würden. Über Gebräuchlichkeit werden in der Phraseologieforschung häufig vorschnelle und unüberprüfte Annahmen gemacht, die einer empirischen Überprüfung oft nicht standhalten. Es ist gar nicht so einfach herauszufinden, ob ein Phraseologismus allgemein gebräuchlich ist. Die „Intuition“ des Linguisten, seine individuelle Überzeugung, ein bestimmter Ausdruck sei allen oder doch den meisten Sprechern einer Sprache geläufig, genügt hier nicht. Auch Wörterbücher genügen nicht, weil sie nicht selten Material tradieren, das in der aktuellen Sprache nicht mehr verwendet wird. Was bleibt sind Tests und Befragungen von Versuchspersonen.[11]

2.2.3. Idiomatizität

In der Forschung wird der Begriff „Idiomatizität“ unterschiedlich interpretiert. Einerseits umfasst er die strukturellen Anomalien, andererseits die spezifisch semantischen Besonderheiten, die viele Phraseologismen von freien Wortverbindungen unterscheiden. In engerer Fassung meint man lediglich die semantischen Besonderheiten.

Wenn ein Unterschied zwischen der phraseologischen und der wörtlichen Bedeutung des Ausdrucks besteht, dann handelt es sich hier um einen idiomatischen Ausdruck im semantischen Sinne. Je größer der Unterschied zwischen den beiden Bedeutungsebenen ist, desto idiomatischer ist der Phraseologismus.

Der Phraseologismus einen Streit vom Zaun brechen ist wegen seiner Komponente (Zaun brechen) als idiomatisch zu betrachten. Dabei behält das Wort Streit seine freie Bedeutung bei. Phraseologismen dieser semantischen Struktur bezeichnet man als teilidiomatisch. Ausdrücke, die über keine oder minimale Differenzen zwischen wörtlicher und phraseologischer Bedeutung verfügen wie z.B. sich die Zähne putzen, nennt man nichtidiomatisch.[12]

Somit kann man zum Schluss kommen, dass die phraseologische Bedeutung nicht regulär aus den freien Bedeutungen der Komponenten abzuleiten ist, sondern sie kann nur zustande kommen, wenn ausgerechnet diese und keine andere morphosyntaktische und lexikalische Realisierung der Wortverbindung vorliegt.

3. Phraseologie und Translation

Phraseologismen stellen sowohl beim Übersetzen als auch beim Dolmetschen eine Herausforderung dar. Deswegen erfordert Translation m.E. eine idiomatische Sprachbeherrschung sowohl in der Ausgangs- als auch in der Zielsprache. Es ist unerlässlich, dass Übersetzer und Dolmetscher aber auch Fremdsprachenlehrer über ein genügendes Inventar an Phraseologie verfügen. „Inzwischen wird seitens der Fremdsprachendidaktik nicht nur die Beherrschung eines phraseologischen Minimums, sondern die eines phraseologischen Optimums offen angestrebt“.[13] Es ist ein Problem der Übersetzungstheorie und -praxis, eine solche komplizierte Erscheinung zu erklären, in der einzelne Lexeme zu festen Wortgruppenlexemen oder Phraseologismen werden, deren Bedeutung sich nicht aus der in sie eingehenden Wortkomponenten erschließen lässt, sondern an die neu entstandene Gesamtheit gebunden ist.

3.1. Voraussetzungen eines guten Übersetzers

Peter Kußmaul[14] meinte, eine kreative Leistung entsteht aus der Unzufriedenheit mit einer Situation. Das Alte genügt nicht mehr, etwas Neues wird als notwendig empfunden.

Eine Voraussetzung für kreatives Übersetzen ist nach Kußmaul das kreative Verstehen. Kußmaul zufolge ist das Verstehen ein Zusammenspiel zwischen dem, was geschrieben oder gesprochen wird, und dem, was man über das Thema bereits weiß. Man soll dabei nicht nur den Text verstehen, sondern diesen auch übersetzen. Danach muss die Übersetzungsfunktion nach der Skopostheorie von Vermeer geklärt werden. Dann wird der Ausgangstext mit Beachtung der interkulturellen spezifischen Besonderheiten und Textsortenkonvention analysiert. Aufgrund dieser Analyse wird die Makrostruktur für die Übersetzung im Hinblick auf den Auftrag festgelegt[15]. Bei all diesen Tätigkeiten zeigt sich, dass Kreativität nicht etwas ist, was einem die Götter schenken, sondern erarbeitet werden kann. Durch die Textanalyse, die Beachtung der Übersetzungsfunktion und der kulturellen Spezifik stellen Übersetzer die Weichen für ihre Arbeitsweise.

Mohamed Mansour[16] beschreibt in seinem Buch „Übersetzung zwischen Theorie und Praxis“ die Voraussetzungen eines Übersetzers. Für ihn ist das Übersetzen eine schwierige Aufgabe, vor allem wenn man zwischen zwei Sprachen übersetzt, die zwei verschiedenen Sprachfamilien gehören. Dies gilt für das Sprachpaar Deutsch (indogermanische Sprachfamilie) und Arabisch (semitische Sprachfamilie). Der Übersetzer muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

3.1.1. Die Ausgangs-und Zielsprache beherrschen

Da das Übersetzen seit jeher die wichtigste Vermittlungsrolle zwischen den Menschen spielt, soll der Übersetzer alle Aspekte der Ausgangs-und Zielsprache beherrschen, wie etwa Phonetik, Grammatik, Rhetorik. Dieser Prozess muss ständig geübt und aktualisiert werden.

3.1.2. Informiertheit über das zu übersetzende Thema

Der Übersetzer soll sich gut über das zu übersetzende Thema mithilfe von Paralleltexten sowohl in der Ausgangssprache als auch in der Zielsprache informieren. Im Allgemeinen soll man den jeweiligen Text gut klassifizieren können und dem jeweiligen Fach zuordnen können. Danach soll man die entsprechenden Fachtermini erlernen und verwenden.

3.1.3. Klarheit und Verständlichkeit

Der Übersetzer soll einen verständlichen Stil haben, so dass die Wortwahl, die Satzstruktur und der Stil nicht befremdlich aufgenommen werden. Ein professioneller Übersetzer ist in der Lage, den Ausgangstext zu paraphrasieren, analysieren und den Inhalt bewahrend zu übersetzen.

3.1.4. Die Allgemeinbildung

Um eine ausgeprägte Übersetzungsfertigkeit zu haben, genügt es nicht, die Ausgangs- und Zielsprache zu beherrschen, sondern man sollte darüber hinaus über eine fachübergreifende Allgemeinbildung verfügen. Die Übersetzungswissenschaft grenzt ihrerseits an vielen anderen Wissenschaften an, so etwa der Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie und Linguistik. Außerdem muss der Übersetzer im Stande sein, sich in der zeitlichen als auch örtlichen Atmosphäre des Ausgangstextes einzuleben.

3.2. Kulturelle Spezifik der Phraseologie als Translationsschwierigkeit

In zahlreichen Arbeiten wurden Phraseologismen öfters als kulturelle Spezifik und als Spiegel der nationalen Kultur betrachtet. Nicht gerade deswegen sind Phraseologismen eine Herausforderung beim Übersetzen bzw. Dolmetschen. Dobrovolskij vertritt die Meinung, dass die Einstufung der gesamten Phraseologie einer Sprache als kulturspezifisch gilt, auf eine mangelnde Differenzierung der verschiedenen Aspekte bei der Sprachbetrachtung zurückzuführen ist.[17] Ein Beweis dafür sei, dass die wenigsten Idiome über absolute Äquivalenten in anderen Sprachen verfügen, wie z.B.

aufs falsche Pferd setzen راهن على الجواد الخاسر

Dies soll aber auf keinen Fall bedeuten, dass Kulturspezifik ein kleiner Fisch ist. Bei vielen Phraseologismen ist ein vertieftes Verständnis der kulturellen Elemente einer Kultur unvermeidlich. Dabei sind die Phraseologismen mit ihren Komponenten wie die Realien zu betrachten. Dies zeigt sich an Hand des folgenden Beispiels:

vom Regen in die Traufe kommenاستجار من الرمضاء بالنار

Es gilt zwischen zwei Erscheinungen zu unterscheiden:[18] Fällen, in denen die Idiome selbst als kulturstereotype auftreten(حرب داحس والغبراء[19] ، انقطعت شعرة معاوية[20] ). Und Fällen, in denen der Inhaltsplan eines Idioms spezifische Komponenten enthält, welche wiederum auf kulturelle Aspekte verweisen. Würde man auf diese Differenzierung verzichten, so gehen beim Übersetzen bzw. Dolmetschen viele interkulturelle Aspekte, vor allem bildlich-metaphorische und symbolische Assoziationen verloren.

3.3. Problem der Äquivalenzfindung von Phraseologismen

3.3.1. Eins-zu-Null-Äquivalenz

In manchen Fällen gibt es für Phraseologismen aus der Sprache A keine Entsprechung in der Sprache B und somit eine lexikalische Lücke. In diesem Fall muss der Übersetzer bzw. der Lexikograph paraphrasierend, definierend oder kommentierend das nicht existierende Äquivalent schaffen. Dies bereitet sowohl Übersetzer als auch Lexikographen Probleme.[21] Nach Michaela Heinz haben Übersetzer im Gegenzug zu Lexikographen in diesem Fall bessere Chancen, weil sie zwar keine Bedeutungsäquivalenz herstellen, sehr wohl aber die vorrangige Sinnäquivalenz zwischen Ausgangstext und dem Zieltext.

z.B. etwas ist keine Einbahnstraße, für diesen Phraseologismus findet man leider kein Äquivalent in den allgemeinen zweisprachigen Wörterbüchern. Wenn man paraphrasiert kann man sagen:ليس مسؤولية طرف بمفرده ، ليس طريق ذو اتجاه واحد(dt. etwas ist nicht die Verantwortung einer einzigen Partei)

Natürlich kann man andere Entsprechungsmöglichkeiten vorschlagen, dies bleibt der Allgemeinbildung und dem kulturspezifischen Wissen des Übersetzers überlassen. Eine Lexikalisierung solcher Phraseologismen ist von großer Bedeutung für die interkulturelle und translatorische Arbeit.

3.3.2. Eins-zu-Eins-Äquivalenz

Zwar hat man hier eine Entsprechung, aber der Schein trügt. In Kollers „Einführung in die Übersetzungswissenschaft“[22] liest man, dass Übersetzungsschwierigkeiten erst dann auftreten, wenn in der Zielsprache synonymische Varianten vorliegen. Wer die Wahl hat, hat also die Qual.

z.B.وقع في قبضةdafür hat man im Deutschen: in die Hände von jemandem geraten, unter jemandes Kontrolle stehen

3.3.3. Viele- zu- Viele- Äquivalenz

Obwohl es sich im Wortfeld um eine relativ kurze, geschlossene Liste von Phrasemen handelt, beginnt hier ein Mengenproblem. Da taucht ein in der Lexikographie berühmtes Problem auf und zwar das angestrebte Prinzip der „Exhaustivität“ mit dem chronischen Platzmangel. Dazu kommt die Subjektivität des bearbeitenden Lexikographen. Dies führt zu mangelnder Präzision in der Äquivalenzkombination. In diesem Fall stehen Übersetzer in Bedrängnis, weil sie sich gezwungen fühlen, die in den zweisprachigen Wörterbüchern angegebene Variante zu wählen. Der Lexikograph ist aber auch gezwungen, auf „Exhaustivität“ und Platzersparnis zu achten.

z.B. der Funke im Pulverfass, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat

القشة التي قصمت ظهر البعير ، الشرارة التي أشعلت النار (Wörtl. Der Strohhalm, der den Rücken des Kamels entzweibrach)

In den allgemeinen Wörterbüchern findet man nur eine der beiden erwähnten Varianten.

3.3.4. Von der Viele-zu-Viele-Äquivalenz zur Eins-zu-Eins-Äquivalenz

Hier stellt sich die Frage für die Verfasser der zweisprachigen Wörterbücher: welche Äquivalenz ziehen sie vor und nach welchen Kriterien? Hier führt Michaela Heinz führt einen Vergleich aus der Medizin als Beispiel an: für das Gelingen einer Transplantation müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt werden, damit Spender und Empfänger zusammenpassen (Alter, Blutgruppe, Gewebestruktur, Gefäßdurchmesser usw.) Ähnliches gilt für die zweisprachige Phraseographie. Auch hier gibt es eine Mindestanzahl von Faktoren, die zur Deckung gebraucht werden müssen:

a. Die semantische Äquivalenz
b. Die erforderliche Äquivalenz der Markiertheit (synchron-diachron)
c. Das Sprachniveau
d. Bildspenderbereich

Ich stimme mit Michaela Heinz über die Reihenfolge dieser Faktoren überein, weil sie eine logische und praktische Methode anbietet, mit der man nach phraseologischen Äquivalenten suchen kann.

4. Die Phraseologie der politischen „Fachsprache“

Es ist nicht zu bestreiten, dass die Sprache Macht über die Menschen hat. Man kann mit den Worten die Menschen emotional beeindrucken und somit beeinflussen, ihre Meinungen formen und sogar zu Handlungen motivieren. Wenn man spricht oder einen Text schreibt heißt das, dass man eine bestimmte Handlung vollzieht, sei es Versprechen, Drohen, Gutheißen, Kritisieren o.ä. Äußerungen sind also keine bloßen Aussagen, sondern dienen immer einem Zweck und haben zumeist beabsichtigte, zuweilen auch nicht beabsichtigte Effekte. Politiker versuchen immer, Meinungen und Emotionen zu wecken bzw. zu manipulieren, damit das Verhalten der Menschen in einer kalkulierbaren Weise beeinflusst wird. Die Verbreitung von Ideen oder Informationen mit diesem Ziel wird als Propaganda bezeichnet und die Sprache, die dabei verwendet wird, bezeichnet man als Propagandasprache.[23]

Natürlich besteht die Sprache der Politik nicht nur aus Propagandasprache, sondern erstreckt sich, in ihrer Eigenschaft als gesellschaftliche Aktivität, auf verschiedene Fachsprachen. Diese beanspruchen besondere Kenntnisse des Sachverhalts und des Fachvokabulars wie z.B. Fachsprache der Wirtschaft, des Finanzwesens, der Technologie oder des Familienrechts. Es gibt aber auch politische Sprachstile, die sich horizontal durch den gesamten institutionellen Aufbau des Staates ziehen, wie etwa die Sprache der Gesetzgebung, die Sprache der Verwaltung oder die Sprache der Verhandlungen.

Von Interesse für die vorliegende Arbeit sind nicht die verschiedenen Fachsprachen an sich, sondern die für die politischen Debatten relevanten Reden und Diskurse sowohl im arabischen als auch im Deutschen. Solcher Diskurs operiert mit bestimmten Mitteln, die einerseits verständlich sind, andererseits von dem „Emittenten des Diskurses“ beabsichtigten Funktionen erfüllen. Hier spielt die informative Funktion der Sprache eher eine geringere Rolle, so dass man von einer voreingenommenen Kommunikation sprechen kann. Von Interesse ist dabei die Propagandasprache, welche mit Hilfe von Massenmedien der politischen Erziehung, Errichtung normativer Strukturen und Definition der sozialen Rollen innerhalb des politischen Systems dient. Es ist nicht zufällig, dass diese Sprache weniger mit argumentativen Mitteln, als vielmehr mit emotiven Mitteln operiert. Das Ziel solcher Sprache ist, die Bürger mit einem gewissen Habitus auszurüsten, das dazu dient, gewünschte Muster des Empfindens und Handelns zu verinnerlichen, welche die Bürger für die Gesellschaft und vor allem für das politische System nützlich machen soll.

Der symbolische und tatsächliche Machtkampf realisiert sich mit unterschiedlichen Mitteln, Sprache ist eine der wichtigsten Mittel des „semantischen Kampfes“. Somit kann man sagen, dass die Sprache Politik bedeutet und umgekehrt.

4.1. Fachsprache der Politik

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen der Gebrauch und die Funktion von Phraseologismen im politischen Bereich. Stephan Elspass meint, es gebe keine politische Sprache und stütz sich dabei auf L.Hoffmans Definition der Fachsprache: „die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen zu gewährleisten“.[24]

Ich stimme mit ihm über diese Aussage überein. Man sollte jedoch die Vielschichtigkeit einer Fachsprache berücksichtigen. Natürlich unterscheidet sich die Sprachebene der Parlamentsabgeordneten von der der Politikwissenschaftler oder der Staatsspitze. Deswegen hat man bewusst im Titel dieser Arbeit den Begriff „Fachsprache“ vermieden. Gleichzeitig soll man in Betracht ziehen, dass durch den institutionalisierten Rahmen der Parlamentssitzungen sowie durch die Spezifizierung einer Politik-Rubrik in den Zeitungen und Zeitschriften eine Spezialisierung des lexikalischen Inventars auf diesem Gebiet unvermeidlich ist. Somit kann man von einer „Sprache der Politik“ oder einer „politischen Sprache“ reden, aber nicht von der „Fachsprache der Politik“.

Es ist kein Wunder, dass man Politik seit seiner Existenz betreibt. Es ist also ein Akt, der mit dem menschlichen Leben verbunden ist. Aristoteles bezeichnete den Menschen als politisches Herdentier, das sich von den anderen Tieren (Bienen, Ameisen etc.) durch das Sprechen unterscheidet. Somit ist er in der Lage, Gerechtes von Ungerechtem zu unterscheiden:

In Aristotle’s Politic Hence it is evident that the state is a creation of nature, and that man is by nature a political animal … now, that man is more of a political animal than bees or any other gregarious animals is evident. Nature, as we often say, makes nothing in vain, and man is the only animal whom she has endowed with the gift of speech[25].

Durch ihre enge Beziehung zur Allgemeinsprache hat die Fachsprache lediglich den Status eines Subsystems und nur relative Selbständigkeit.[26] Ebenso gilt die Kommunikationsgemeinschaft der Fachleute einer gewissen Disziplin als fester Bestandteil der Sprachgemeinschaft. Die moderne Angewandte Linguistik betrachtet das Verhältnis zwischen Allgemein- und Fachsprache nicht mehr als Opposition oder Antinomie, sondern als Beziehung der Inklusion oder einer Graduierung hinsichtlich des Anteils fachsprachlicher Elemente in einem situationsabhängigen Text. Funktional richten sich Fachtexte nach den Anforderungen der Fachexperten, angehenden Fachleute sowie Interessierte Nichtfachleute einer breiteren Öffentlichkeit. Somit kann man nicht eine absolute Grenzline zwischen der Allgemeinsprache und der Fachsprache der Politik ziehen. Jeder Fachtext ist in seiner Grundsubstanz ein Allgemeinsprachlicher Text, der dem Adressatenkreis nach und nach mit sprachlichen Mitteln angepasst wird. Dabei gilt der Fachwortschatz ist das hauptsächliche Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Allgemeinsprache. Analog zum allgeminsprachlichen Wortschatz umfasst er Fachwörter und Fachwendungen, d.h. Wortgruppenlexeme oder Phraseologismen/Fachphraseme.

Einer der ehrgeizigsten Schritte Richtung Fachphraseologischer Forschung stellte die Monographie von Duhme „Phraseologie der deutschen Wirtschaftssprache“ dar, eine empirische Untersuchung zur Verwendung von Phraseologismen in journalistischen Fachtexten. Sein Textkorpus besteht aber nicht nur aus wirtschaftsbezogenen Zeitungstexten, sondern auch aus dem Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik von 1980. Als Ergebnis stellte er fest, dass Phraseologismen stärker in journalistischen Texten vertreten sind, als in der wissenschaftlichen Literatur. Aus 2300 Phraseologismen kommen nur rund 400 wirtschaftsbezogene Belege vor, die übrigen sind allgemeinsprachliche.[27]

4.2. Politische Rede und Rhetorik

In ihrem Buch „Arabische Stilistik“[28] beschreibt Kristina Stock unter anderem den Stil politischer, arabischer Reden. Demnach halten die Reden meistens eine neutrale, bei feierlichen Anlässen eine gehobene Stilebene. Die Redner neigen manchmal dazu, im Dialekt zu sprechen, um dem einfachen Bürger nahe zu kommen. Die Länge der Sätze ist, genauso wie andere stilistische Mittel, vom jeweiligen Redner abhängig. Die Reden sind auch situativ unterschiedlich: in Reden in Zeiten des Krieges stammen viele Sprachbilder aus dem militärischen oder dem religiösen Sprachgebrauch. Dabei neigen viele Politiker dazu, sprichwörtliche Redewendungen mit religiösen oder kulturhistorischen Assoziationen zu verwenden. In Zeiten des Friedens herrschen hingegen romantische naturbezogene Sprachbilder wie „Morgendämmerung“مغربoder Sonnenaufgangمشرق.

Der Korpus der vorliegenden Arbeit stützt sich in erster Linie auf journalistische Texte, deswegen ist es wichtig, den Stil der Pressesprache zu schildern. Der Stil der arabischen Pressesprache lehnt sich an westliche Vorbilder an, behält aber die arabischen stilistischen Eigenschaften bei.[29] Präzision spielt neben bedingter Ornamentik eine große Rolle. In den politischen Rubriken gibt es vermehrt Lehnübersetzungen aus westlichen Sprachen, vor allem Lehnübersetzung von Phraseologismen wie z.B.لعب دوراeine Rolle spielen,دحرج كرة الجليدdie Lawine in Bewegung setzen.

4.3. Metaphorik der Phraseologie

Phraseologismen teilen die grundlegenden Eigenschaften der Metapher. Genau wie Phraseologismen, auf Satzebene, haben Metaphern eine übertragene Bedeutung auf Wortebene. So werden Wörter nicht in seiner wörtlichen Bedeutung, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht werden.

Wenn man sich einen tieferen Einblick in Charakter und Funktion phraseologischer Metaphern verschafft, so ist es unerlässlich die Fülle metaphorischer Redewendungen zunächst zu untergliedern und nach brauchbaren Kriterien zu ordnen. Eine Variante aus der klassischen Rhetorik stellt unter anderem die Einteilung in Wort- und Gedankentropus dar.[30]

- Worttropus versus Gedankentropus Teilmetaphorische und gesamtmetaphorische Phraseologismen

Wenn man die bildlichen Redensarten figurativ teilweise oder gänzlich umdeuten möchte, so wendet man sich einer Frage zu, die sich im Bereich der nichtphraseologischen Lexik speziell bei Determinativkomposita stellen lässt. Kompositmetaphern lassen sich nach Käge (1980) in drei Gruppen einteilen:

1. Metaphorisierung der ersten Komponente (Bestimmungswort): Sackgasse, Dachorganisation
2. Metaphorisierung der zweiten Komponente (Grundwort): Ölpest, Informationsflut
3. Metaphorisierung des gesamten Kompositums: Drahtzieher

Es gibt einen auffälligen Unterschied zwischen Kompositmetaphern und phraseologischen Metaphern. Erstere wird selten als Ganzes figurativ gebraucht, während speziell das ein Charakteristikum von Phraseologismen aller Art darstellt.

Außerdem zeichnen sich Phraseologismen im arabischen durch originelle Stilmittel, die als Verschönerungsmittel der Rede gelten, aus. Das ist nicht verwunderlich, weil Phraseologismen im Arabischen ihren Ursprung in folgenden Quellen haben:

1. Der heilige Koranالقرآن الكريم:

حتى يلِج الجمل في سم الخياط(eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr)

2. Die Überlieferung des Propheten Mohammedالسنة الشريفة:

لايُلسع المؤمن من جحر مرتينwörtl. : ein Gläubiger wird nicht von einer Grube zweimal gestochen. Auf Deutsch sagt man: gebranntes Kind scheut das Feuer, d.h. jmd., der schlechte Erfahrungen gemacht hat [versucht ähnliche Risiken zu vermeiden]

3. Die arabische Poesieالشعر العربي

يقول المتنبي: ما كل مايتمناه المرء يدركه تأتي الرياح بما لاتشتهي السفن

Wörtl: „al-Mutanabbī“ sagt: man kann nicht all seine Wünsche erfüllen. Manchmal weht der Wind zuungunsten der Schiffe“

ويقول كليب: أسد على وفي الحروب نعامة

Wörtl: „ Kulaīb“ sagt: Gegen mich bist du ein Löwe und im Krieg bist du ein Strauß.“

4. Die arabische Umweltالبيئة العربية

على نفسها جنت براقش(etwas in den Sand setzen)

wörtl: Barākish war schuld an ihrem Tod

براقش كانت كلبة لقوم من العرب ، فأغير عليهم فهربوا ومعهم براقش. فاتبع القوم آثارهم بنباح براقش فهجموا عليهم وأسروهم. (انظر معجم المنجد، ص972)

Barākish war eine Hündin, die einem altarabischen Stamm gehörte. Eines Tages wurde dieser Stamm überfallen. Der ganze Stamm ergriff die Flucht. Die Feinde konnten allerdings ihn durch das Bellen von Barākish verfolgen und anschließend in Geiselhaft nehmen.

قرع طبول الحرب(die Kriegstrommel rühren)

رجع بخفي حنين (تراثي)(mit leeren Händen)

Somit gelten Phraseologismen als rhetorische Elemente par excellence. Dies untermauern die folgenden Beispiele:

a. Antithese[31] (الطباق): hier werden gegensätzliche Begriffe mit dem Ziel verwendet, eine Aussage geistreich zu verzieren, z.B.الأمر بالمعروف والنهي عن المنكر(das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten) Oderكالفرق بين الثرى والثريا(ein Gegensatz wie Feuer und Wasser). Die Antithese kann sogar Humorvoll sein, wie z.B.

- أسد علىّ وفي الحروب نعامةُ (تراثي

Auf Deutsch sagt man: (die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen)

b. Reimprosa (السجع): Hier reimen sich Wortgruppen oder Komponenten auf den letzten Buchstaben. „Die Reime sind nicht nur Schmuck, sondern tragen auch zur Einprägsamkeit bei“ (Stock S.35), z.B.كالخروف يتقلب على صوف(in Saus und Braus leben) sowieأذن من طين وأذن من عجين(zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr raus (ugs.))

c. Hyperbel (المبالغة): Das bezeichnet entweder eine Übertreibung oder eine Untertreibung, also weit von der Realität entfernt, z.B.أيسر من اليسر(das Ei des Kolumbus)

d. Parallelismus (الإزدواج): Das geschieht, wenn zwei unterschiedliche Begriffe mit einem gemeinsamen dritten kombiniert werden. Z.B. oderأتبع الفرس لجامها والناقة زمامها(Wer A sagt, muss auch B sagen)

5. Kontrastive Untersuchung

5.1. Überblick

Seit Ende der 60er Jahre wurde vermehrt versucht, Teilmengen der Phraseologie zweier oder mehrerer Sprachen kontrastiv zu untersuchen. Die sowjetische Forschung leistet dabei einen beachtlichen Beitrag, auch wenn sie keine Vollständigkeit anstrebte.[32] Nach Raichstejns Standpunkt kann eine kontrastive Analyse erklären, welche interlingualen Beziehungen in der Phraseologie zweier Sprachen in Bezug auf ihre „aspektuelle“ (gedankliche) und die funktional-inhaltliche Organisiertheit bestehen.

Seinen Vergleich hat er auf zwei Ebenen zugleich angestellt:

1. Auf der formal-inhaltlichen Ebene

a. Die lexikalische
b. Die strukturell-syntaktische Seite umfasst interlinguale Beziehung;

2. Im Hinblick auf die Gesamtbedeutung, d.h.

a. Die signifikativ-denotative und
b. Die konnotativ-pragmatische Bedeutung und die funktional-inhaltliche interlinguale Beziehung.[33]

Auf diesen beiden Ebenen ist mit Gleichheit und Verschiedenheit zu rechnen, was auch tabellarisch geschildert wird.

A. Gleichheit (Identität), d.h. volle Übereinstimmung der aspektuellen Beziehung und der ganzheitlichen Bedeutung: eine Rolle spielenلعب دوراً
B. Lexikalische Variation oder strukturelle Synonymie d.h. volle Übereinstimmung der ganzheitlichen Bedeutung und der syntaktischen Struktur, bei Unterschieden im Kompenentenbestand: jmdm. Den Kopf waschenغسل مخ
C. Ideographische Synonymie, d.h. trotz „aspektueller“ Übereinstimmung nicht gleiche ganzheitliche signifikative Bedeutung, weil die phraseologische Einheit in beiden Sprachen jeweils spezifische semantische Merkmale hat: kein Blatt vor den Mund nehmenلا يخشى لومة لائم
D. Hypero-hyponomie, d.h. “aspektuelle“ Gleichheit bzw. Übereinstimmung, nicht gleiche ganzheitliche signifikative Bedeutung, weil eine der kontrastierten phraseologischen Einheiten ein zusätzliches konkretes semantisches Merkmal aufweist: kleine Fischeسفاسف الأمور
E. Stilistische Synonymie, d.h. nicht gleiche ganzheitliche Bedeutung, weil im Hinblick auf die Markiertheit Unterschiede bestehen: jemand fürchtet weder Tod noch Teufel (niemanden fürchten ) –لا يخشى إلاً ولا ذمة
F. Homonymie bzw. Polysemie, d.h. „aspektuelle“ Gleichheit bei größeren oder geringeren Unterschieden im Hinblick auf die ganzheitliche Bedeutung: jemandem klebt die Zunge am Gaumenيبس كبده من العطش
G. Enantiosemie, d.h. „aspektuelle“ Gleichheit , aber gegensätzliche ganzheitliche Bedeutung: jemand hat Grütze im Kopf – 1.ذكي2. غبي

Wenn man diese Konzeption kritisch betrachtet, kann man zu folgenden Bemerkungen kommen: Bei einer gleichzeitigen Anwendung der aspektuellen und der inhaltlichen Organisation kann man nicht zu einem homogenen Ergebnis kommen. Hessky meint, die bei den einzelnen Entsprechungstypen verwendeten Termini können durchaus irreführend sein. Dies gelte vor allem für „Strukturelle Synonymie“, Homonymie bzw. Polysemie. Es geht hier nämlich nicht nur um die gleiche Struktur, sondern auch um die gleiche phraseologische Bedeutung. In deutsch-arabischer Relation ist die Forschungslage der Phraseologie weit weniger im Vergleich mit anderen europäischen Sprachen. Dies gilt nicht nur für kontrastive Arbeiten, sondern auch für zweisprachige phraseologische Wörterbücher, die auf der einen Seite als Grundlage für kontrastive Arbeiten dienen können, auf der anderen Seite die Ergebnisse solcher Studien nutzbar machen.[34]

5.2. Interlinguale Entsprechungsmöglichkeiten

Im interlingualen Vergleich lassen sich aufgrund der Analyse des konkreten Sprachmaterials folgende Entsprechungsmöglichkeiten feststellen:[35]

1. Für einen Phraseologismus in L1 kann in L2 keine lexikalisierte Entsprechung gefunden werden. Solche phraseologische Einheiten in L1, dass eine, wenn auch nur ersatzmäßige Übertragungsmöglichkeit – in Kollers Terminologie, die „ Interpretation“[36] –gegeben ist, dürfte eher eine Frage der zweisprachigen Lexikographie und der Übersetzungswissenschaft, nicht aber der kontrastiven Analyse sein:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Eine phraseologische Einheit in L1 verfügt in L2 über ein nichtphraseologisches, wohl aber lexikalisiertes Äquivalent- ein Einzellexem: jemandem das Gas abdrehen, jemanden töten

3. Eine Entsprechung, die eine außergewöhnliche Stellung hat, weil sie einen Grenzfall zwischen Einzellexemen und Phraseologismen darstellt:

Groß und kleinكبير وصغير

Hinz und Kunzزيد وعبيد

4. Einer phraseologischen Einheit in L1 entspricht in L2 ebenfalls eine phraseologische Einheit: den Ast absägen, auf dem man sitztجنى التفاح بقطع الشجرة

Schematisch lassen sich die aufgezählten Entsprechungsmöglichkeiten wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser Arbeit beschränke ich mich auf das Untersuchungsobjekt Phraseologismus gegen Phraseologismus. Das hat zur Folge, dass ein Teil der Phraseologie der beiden Sprachen ausgeblendet wird. Ich kann an dieser Stelle nicht den Anspruch erheben, dass ich den phraseologischen Bestand der Politik beider Sprachen erfasse. Es wird hier lediglich die Anstrengung unternommen, die geläufigsten und wichtigsten phraseologischen Ausdrücken im arabischen und im deutschen politischen Diskurs zu erklären und zu lexikalisieren.

6. Lexikalisierung von Phraseologismen (Phraseographie)

In der vorliegenden Untersuchung habe ich mich bemüht, die phraseologischen Ausdrücke ebenfalls mit Phraseologischen Ausdrücken zu übersetzen und zu lexikalisieren, was dem Desiderat dieser Arbeit entspricht. Dabei habe ich mich auf vier Kriterien gestützt: Das erste Kriterium für die Äquivalenzfindung in diesem Glossar stellt die semantische Äquivalenz dar. Das zweite Kriterium bildet die stilistische Äquivalenz, in der auf das Sprachniveau des Textes bzw. der Rede geachtet wird. Als drittes Kriterium gilt die strukturelle Äquivalenz, das heißt die morphosyntaktische Entsprechung. Das vierte Kriterium wird durch den Bildspenderbereich bestimmt. Es wird also auf den Rang dieser Kriterien bei der sowohl bei der Äquivalenz-suche als auch bei der Äquivalenzfindung Wert gelegt, z.B.

Wer A sagt, muss auch B. sagen Um einen Äquivalenten für diesen Phraseologismus nach den oben genannten Kriterien zu finden, hat man zunächst die bislang erschienen Lexika nachgeschlagen. Als Ergebnis kam eine Paraphrasierung des Sprichwortes ins Arabische: من بدأ شيء عليه أن يواصله [37] . Davon ausgehend, dass die arabische Phraseologie über entsprechende Äquivalente verfügt, die in der arabischen Kultur verankert sind, habe ich in den arabischen Lexika recherchiert, erwähnenswert sindلسان العرب، المنجد، جمهرة الأمثال، معجم الأمثال العربية، معجم التعابير الإصطلاحية في العربية المعاصرة. Man kam zu wertvollem Ergebnis und zwar, dass es für den genannten Phraseologismus sowohl eine semantische als auch eine strukturelle Äquivalenz gibt, die sogar dem Sprachniveau entspricht, und zwar اتبع الفرس لجامها، والناقة زمامها. Zwar erfüllt dieser Phraseologismus nicht den Bildspenderbereich des Deutschen Phraseologismus, aber er spiegelt die originellen arabischen Lebenselemente (Pferd, Kamel) wieder. Die arabische Sprache ist also reich an Phraseologismen, die als Teil der Beredsamkeit betrachtet werden.

Anhand dieser Beispiele und der folgenden Tabelle stellen sich viele Fragen auf dem Gebiet der Phraseographie: Sind Phraseologismen im deutsch-arabischen Kontext adäquat übersetzt? Wann werden dort spezifischen Phraseologismen spezielle Wörterbücher und Lexika bereitgestellt? Oder gar allgemeinsprachliche Phraseologismen?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Hessky 1987, S.2ff

[2] Vgl.حسام الدين مصطفى، صعوبات الترجمة

[3] eigene Übersetzung

[4] Vgl. Joseph 2006 S.1

[5] Ebd.

[6] Vgl. Model, S. 65

[7] Burger et al. 1982 S.2

[8] Vgl. Burger 2007 ,S.11

[9] Vgl. Burger 2007, S.12,13

[10] Vgl. Hessky 1987, S.22

[11] Vgl. Burger, S.16

[12] Vgl. Burger 2007, S.31,32

[13] Vgl. Palm 1997, SXI

[14] Vgl. Kußmaul. S. 17

[15] Ebd. S. 60ff

[16] Vgl. Mansour, S.42ff

[17] Vgl. Sabban(Hg.) 1999, S.41ff

[18] Vgl. Sabban(Hg.) 1999, S.47ff

[19] wörtl: der Krieg von daḥis und ġabrā Der Krieg von da ḥ is und ġ abr ā ist ein 40-jähriger Krieg zwischen den Stämmen ‘ bs und z ubi ā n, dessen Grund die Manipulation eines Pferderennens zwischen dem Pferd da ḥ is und dem Pferd ġ abr ā war. Dies führte zu einem schrecklichen Krieg zwischen den beiden Stämmen.

[20] wörtl: Das Haar von Mu‘awia
شعرة معاوية : يقال أن أعرابياً سأل معاوية رضي الله عنه : كيف حكمت أربعين سنة ولم تحدث فتنة بالشام والدنيا تغلي ؟ فقال رضي الله عنه : "إن بيني وبين الناس شعرة إذا أرخوا شددت, وإذا شددت أرخوا "
Ein Beduine hat den KalifenMu‘awiagefragt, wie er 40 Jahre lang ohne Zwiespalt oder Zwietracht in der Levante führte. Darauf antworteteMu‘awia: „Zwischen den Menschen und mir liegt ein Haar, wenn sie es ziehen, dann lasse ich es locker und wenn sie es lockern, dann ziehe ich es.“

[21] Vgl. Sabban(Hg.), S. 147ff

[22] Vgl. Koller 1977

[23] Vgl. Nasalski 2004, 23

[24] Vgl. Elspaß 1998, S. 31

[25] Vgl. Joseph 2006, S.1

[26] Vgl. Burger et al. 2007, S.481ff

[27] Vgl. Burger et al. 2007, S.484

[28] Vgl. Stock 2005, S. 96ff

[29] Ebd. S.101 ff

[30] Vgl.Dietz 1999, S.152ff

[31] Vgl. Stock, S. 29ff

[32] Hessky 1987, S.43ff

[33] Hessky 1987, S.45

[34] Hessky, 1987, S.47

[35] Hessky, 1987 S. 61ff

[36] Koller, 1977, S. 70

[37] Vgl. Schregle, S. 1

Details

Seiten
129
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668439979
ISBN (Buch)
9783668439986
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356379
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Orientalisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
übersetzung arabische praseologismen sprache politik eine untersuchung

Autor

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Titel: Übersetzung aus dem und in das Arabische. Praseologismen in der Sprache der Politik