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Der Bevölkerungsrückgang als Herausforderung für schrumpfende Städte in der Bundesrepublik Deutschland

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie

Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort

2. Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland
2.1 Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung bis
2.2 Die zukünftige Entwicklung der Zuwanderung nach Deutschland
2.3 Die besondere Situation der neuen Bundesländer

3. Das Phänomen der schrumpfenden Stadt
3.1 Suburbanisierung als Grund für Städteschrumpfung
3.2 Prosperierende Städte versus schrumpfende Städte

4. Die Folgen des Bevölkerungsrückganges für die Städte
4.1 Die „perforierte Stadt“ als städtebauliche Herausforderung
4.2 Infrastrukturelle Probleme
4.3 Die Bevölkerungsabnahme in der Region als Krise für die Stadt als Versorgungszentrum

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen, die durch städtische Abwanderung und gesamtgesellschaftliche Bevölkerungsabnahme auf die Städte zukommen werden beziehungsweise schon heute in Ansätzen zu erkennen sind. Suburbanisierung, geringe Geburtenraten und fehlende wirtschaftliche Attraktivität sind dafür verantwortlich, dass die Städte weiter in eine Abwärtsspirale gezogen werden, wie dies heute vor allem schon in den neuen Bundesländern zu erkennen ist.

Im ersten Teil dieser Arbeit soll auf das gesamtstaatliche Problem der Bevölkerungsabnahme eingegangen werden. Hierzu sollen zum einen Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung dargelegt werden und zum anderen auf die Bedeutung der Immigration für die Bundesrepublik Deutschland Bezug genommen werden. Abschließend wird in diesem Teil auf die besondere Lage der neuen Bundesländer eingegangen, in denen viele dieser Probleme, die auch die alten Bundesländer erreichen werden, schon heute zu erkennen sind.

Darauffolgend sollen verschieden Phänomene für die Schrumpfung der Städte vorgestellt werden. Zuerst wird die Suburbanisierung, als schon länger bekanntes Phänomen in der Stadtentwicklung, betrachtet um danach die Gründe für die Attraktivität von prosperierenden Städten, den Gründen für die Abkehr von wirtschaftlich weniger anziehenden Städten gegenüberzustellen.

Nachdem nun also verschiede Gründe, sowohl des gesamtgesellschaftlichen als auch des rein städtischen Bevölkerungsrückganges dargelegt wurden, sollen nun abschließend die Folgen dieser Trends für die Städte erörtert werden. Hier wird einerseits auf die infrastrukturellen Probleme, die sich durch die starke Reduzierung der Wohnbevölkerung ergeben, eingegangen und andererseits das städtebauliche und soziale Problem der „Perforierung“ der Stadt diskutiert. Schlussendlich wird die Problematik der flächendeckenden Bevölkerungsabnahme in ganzen Regionen aufgegriffen um anhand eines aktuellen regionalen Beispiels einen Ausblick auf die Stellung der Stadt als Versorgungs- und Wirtschaftszentrum in der Region zu geben.

2. Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland

2.1 Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung bis 2050

Zieht man für die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2050 die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes heran, so erkennt man, dass unter den verschiedensten Voraussetzungen auch die unterschiedlichsten Szenarien für 2050 möglich sind. Die wichtigsten Parameter sind hier die Natalität, die Höhe der Wanderungsüberschüsse sowie die Lebenserwartung. Für die Geburtenentwicklung wird davon ausgegangen, dass das Niveau etwa gleichbleibend ist, was bedeutet, dass weiterhin ca. 1,4 Geburten auf eine Frau entfallen. Die den Berechnungen zugrunde gelegten Wanderungssalden liegen bei 100-, 200- und 300-tausend. Bei der Entwicklung der Lebenserwartung werden drei Szenarien mit einer Erhöhung der Lebenserwartung für Neugeborene im Jahr 2050 von 4 ½, 6 und 7 ½ Jahren, im Vergleich zum derzeit zu erwartenden Lebensalter für Neugeborene, zugrunde gelegt (vgl.: Statistisches Bundesamt 2003: 5f.).

Die nachfolgend aufgeführte Tabelle zeigt zum einen deutlich die allgemeinen quantitativen Unterschiede zwischen den Prognosen und verdeutlicht zum anderen welchen Einfluss die Stärke der Immigration auf die Bevölkerungsentwicklung nimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Zusammenstellung nach der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausbe-

rechnung des Statistischen Bundesamtes von 2003: 38-46

Der Unterschied zwischen der Prognose mit der geringsten angenommenen Lebenserwartung und der Vorhersage mit der höchsten angenommenen Lebensdauer beträgt jeweils zwischen 3,2 und 3,4 Indexpunkten, während hingegen der Abstand zwischen den Indexzahlen der Prognose mit der geringsten angenommenen Zuwanderung und der Deutung mit der höchsten angenommenen Zuwanderung bei etwa 14 Punkten auf dem Index liegt. Daran ist abzulesen, dass die Immigration einen höheren Stellenwert bei der Bevölkerungsentwicklung einnimmt als etwa die Erhöhung der Lebenserwartung. In jedem Fall ist anhand dieser Prognosen in der Bundesrepublik mit einem Bevölkerungsrückgang zu rechnen, der vornehmlich durch die Entwicklung der Außenwanderung bestimmt wird, worauf im nachfolgenden Gliederungspunkt aber noch genauer eingegangen werden wird.

Betrachtet man nun aber die Entwicklung der aus diesen Prognosen resultierenden Altersverteilungen der Gesellschaft, ausgehend von der Annahme, dass sowohl die mittlere Wanderungsrate als auch die mittlere Lebenserwartung zutreffend ist, so erkennt man, dass die Quote der Erwerbsfähigen, d. h. vor allem der 20 bis 65jährigen, stark zurückgehen wird. Während 2001 noch 51,115 Millionen Menschen dieser Altersgruppe angehörten, wären es 2050 nur noch 42,88 Millionen, was einen Rückgang um etwa 16% bedeuten würde. Im Gegenzug würde allerdings die Zahl der nicht mehr Erwerbstätigen, also der Personen die 65 Jahre und älter sind, im gleichen Zeitraum von 14,066 Millionen um ca. 58% auf 22,240 Millionen Personen steigen. Der Anteil dieser Personen an der Gesamtgesellschaft betrüge dann 2050 fast 30% (vgl.: ebd.: 47). Die aus diesem enormen Zuwachs in der Gruppe der Senioren resultierenden Folgen für städtische Infrastruktur werden in einem separaten Gliederungspunkt dieser Arbeit noch genauer behandelt

2.2 Die zukünftige Entwicklung der Zuwanderung nach Deutschland

Wie eben schon gezeigt wurde, nimmt die Stärke der Außenwanderung großen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung und die Altersstruktur der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Zuerst soll nun einmal dargestellt werden von welchen Faktoren die Zuwanderung abhängt, um dann eine Aussicht auf die Wanderungsentwicklung in den folgenden Jahren zu geben.

Gründe aus denen Menschen ihr Herkunftsland verlassen, sind laut Münz und Ulrich die besseren wirtschaftlichen Chancen im Einwanderungsland, die Flucht vor politischen Krisen, ethnischer Unterdrückung oder kriegerischen Auseinandersetzungen im Herkunftsland. Eine weitere wichtige Bedeutung kam bisher auch dem Nachzug von Familienangehörigen zu, was sich in Zukunft nicht großartig ändern wird (vgl.: Münz/Ulrich 2000: 28). Einen starken Einfluss auf die Entscheidung für ein bestimmtes Zuwanderungsland nimmt also eine gesicherte wirtschaftliche, politische und soziale Lage im Einwanderungsland. Des weiteren ist von Bedeutung, wie die Zuwanderung gesetzlich und institutionell verankert ist, worauf hier aber nicht explizit eingegangen werden kann.

Für die Zuwanderung aus EU-Ländern sehen Münz und Ulrich ein langsam unter die Werte der 1990er Jahre auf etwa 10.000 Personen absinkendes Wanderungssaldo, was sie sowohl mit der Angleichung der Lebensverhältnisse in den EU-Staaten, als auch mit der zu erwartenden Verringerung der Nachfrage nach Arbeitskräften begründen (vgl.: ebd.: 31f.). Aufgrund stärkerer Unterschiede in der Wirtschaftskraft als zwischen Deutschland und den anderen EU-Staaten und der nicht unerheblichen politischen, kulturellen und ethnischen Probleme mit der kurdischen Bevölkerung, werde für die Migration aus der Türkei, einem weiteren traditionellen Herkunftsland von Gastarbeitern neben Italien, von einem anhaltenden Wanderungsgewinn von jährlich ca. 30.000 Personen ausgegangen (vgl.: ebd.: 33).

Die Zuwanderungsraten von (ex-) jugoslawischen Bürgern, die in den 1990er Jahren erzielt wurden, seien wegen der großflächigen Normalisierung in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens natürlich rückläufig. Aufgrund der zu erwartenden Familiennachzüge und der starken Netzwerkbildung der ex-jugoslawischen Bevölkerung in Deutschland sei aber weiterhin mit einem Wanderungssaldo zu rechnen, das mit dem der Türkei zu vergleichen ist (vgl.: ebd.: 36f.). Für die restlichen verbleibenden Herkunftsländer von Migranten in Deutschland werden in den nächsten Jahren 100.000 Personen pro Jahr angenommen, da die Zuwanderung selbst in den Zeiten von Mauerfall und Ausreiseerleichterungen nur bei 118.000 Personen gelegen habe und diese Restgruppe vor allem aus Einwanderern aus den ehemaligen Ostblockstaaten bestünde (vgl.: ebd.: 38).

Fasst man nun diese Zahlen zusammen und nimmt noch die hier nicht näher betrachtete Gruppe der Aussiedler hinzu, so erhält man das mittlere Szenario der Zuwanderung, welches von einem Wanderungssaldo von 230.000 Personen nach dem Jahr 2010 und einer Reduzierung dieses Wertes um 40.000 Personen nach 2015 ausgeht (vgl.: ebd.: 38f.). Die Annahme dieses Szenarios durch Münz und Ulrich als dem wahrscheinlichsten (vgl.: ebd.: 39) zeigt, dass auch in der Prognose für die Entwicklung der Gesamtbevölkerung, die im vorangegangenen Gliederungspunkt behandelt wurde, nur von einer mittleren Wanderungsrate von etwa 200.000 Personen ausgegangen werden sollte, was zur Folge hätte, dass wir mit einem Bevölkerungsrückgang von etwa 10% zu rechnen hätten.

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Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638354394
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35559
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Soziologie
Note
2
Schlagworte
Bevölkerungsrückgang Herausforderung Städte Bundesrepublik Deutschland

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