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Der autoritäre Erziehungsstil am Beispiel der "Ehrenkultur". Begriffsbildung, Sozialisation und Erziehungsstile im Vergleich

Seminararbeit 2016 12 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erziehungsbegriff
2.1 Etymologische Begriffsdefinition:
2.2 Erziehungsarten
2.2.1 Intentionale Erziehung
2.2.2 Funktionale Erziehung
2.3 Erziehung als Selbstsozialisationsprozess

3. Sozialisation
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Instanzen der Sozialisation

4. Erziehungsstile
4.1 Autoritativer Erziehungsstil
4.2 Permissiv-vernachlässigender Erziehungsstil
4.3 Permissiv-laissez-faire
4.4 Autoritäre Erziehung
4.5 Autoritärer Erziehungsstil in Ehrenkulturen

5. Exkurs: Das Phänomen der Ehre in unserem Alltag

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema der Erziehungsstile hat einen unmittelbaren Bezug auf die berufliche Praxis der SozialarbeiterInnen. Unterschiedliche Erziehungsstile haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Erziehung selbst und somit eine lebensbestimmende Rolle im Leben der Kinder und Jugendlichen. Vor allem in Familien, die einen kulturellen Hintergrund haben, wo der „Ehrenbegriff“ eine Rolle spielt, lässt sich der autoritäre Stil wiederfinden. Es wird zu untersuchen sein, in wie fern die Erziehung als eine Subkategorie der Sozialisation und menschlichen Entwicklung fungiert und der autoritäre Erziehungsstil durch praktischen Bezug näher analysiert. Daher werde ich im Folgenden auf den Erziehungsbegriff eingehen und schauen, welche Arten der Erziehung es gibt und wie es sich mit der Sozialisation verhält. So dann erfolgt die deskriptive Beschreibung der Erziehungsstile und eine Beziehungsaufbau zwischen der autoritären Erziehung und der sogenannten „Ehrenkultur“. Am Ende reflektiere wird über den Ehrenbegriff reflektier und darauf eingegangen, welche Auswirkungen dies auf die Erziehung haben kann.

2. Erziehungsbegriff

2.1 Etymologische Begriffsdefinition

Der Begriff der „Erziehung“ ist in aus ihrer historischen Begriffsbedeutung aus den lateinischen Begriff „ educare “ abgeleitet, welches so viel wie „herausführen, herausziehen, aufziehen, züchten, züchtigen“[1] meint und somit einer Kultivierung von Menschen und der Anzucht von Tieren und Pflanzen nahe kommt.[2] Hierbei sei beim Erziehungsbegriff die Grundannahme vorliegend, dass sich der Mensch in einer Wechselwirkung zwischen Erziehungsbedürftigkeit und Erziehungsfähigkeit befindet.[3] Erzieherisches Handeln findet von mündigen Personen statt, in der Erwachsene als Erzieher Hilfe- und Unterstützungsleistungen zur Entwicklung der Kinder und Jugendliche leisten. Dabei sei der Ansatz so zu wählen, dass Selbstständigkeit, Selbstverantwortung und selbstreflexive Persönlichkeitsentwicklung im Fokus stehen und die Entwicklung des Charakters und der Leistungsfähigkeiten gewährleistet werden.[4] Wichtig sei die Unterscheidung zwischen dem Begriff der Erziehung und der Bildung. Beide seien zwar bedeutende Begriffe in der Sprache der Erziehungswissenschaft, doch müssten sie voneinander in ihrer Eigenheit unterschieden werden. So sei sowohl die Erziehung als auch die Bildung „Teilaspekte des komplexen pädagogischen Gesamtphänomens „Personilisation“[5].

2.2 Erziehungsarten

2.2.1 Intentionale Erziehung

Die intentionale Erziehung meint das direkte Eingreifen des Erziehers in das Handlungsgeschehen, welches bewusst und mit Absicht in face-to-face Beziehung zielführend durchgeführt wird und kann als „direkte/bewusste Erziehung“ bezeichnet werden.[6] Beispielhaft für eine intentionale Erziehung wäre die Vokabelabfrage eines Kindes durch die Eltern, die mit dem Kind in der direkten Begegnung mit dem Ziel der Sprachfestigung in eine Handlung eintreten und gute Leistungen belohnen.[7]

2.2.2 Funktionale Erziehung

Funktionale Erziehung hingegen wird als „indirekte/implizite Erziehung“[8] bezeichnet und beschreibt erzieherische Einflüsse, welche im Rahmen der Sozialisation oder als Nebenwirkung einer ausgeführten Handlung vorliegen.[9] Funktionale Einflüsse sind demnach jegliche Einwirkungen auf die Erziehung, die nicht mit dem Ziel der Erziehung durchgeführt werden doch einen wesentlichen Beitrag und Einfluss auf die Erziehung haben. Fernsehsendungen, Medien bis hin zur weiteren normativen Rahmenbestimmungen können als solche bezeichnet werden. Krick schreibt bezüglich der funktionalen Erziehung, dass demnach alle jederzeit alle erziehen würden.[10] Es sei allerdings durchaus kritisch zu betrachten die Begrifflichkeit „funktionale Erziehung“ zu verwenden, da diese eine Erziehung impliziere, in der kein Erzieher und keine Erziehungsabsicht notwendig wäre. Um eine solche Art der Progression zu verhindern solle statt dieser Begrifflichkeit von Sozialisation gesprochen werden.[11]

2.3 Erziehung als Selbstsozialisationsprozess

An dieser Stelle eignet es sich kurz auf den Begriff der Sozialisation einzugehen, da die Erziehung unmittelbar mit der Sozialisation und der eigenen Persönlichkeitsentwicklung verbunden ist. Hierbei ist die Rede vom Prozess der Selbstsozialisation, welches zum Ausdruck bringt, dass eine Relation zwischen dem Erzieher und dem zu Erziehenden vorliegt. Als aktives Subjekt entscheidet der Erzieher welche Erfahrungen, Gefühle oder Verhaltensweisen er benutzt. Gleichzeitig deutet der zu Erziehende (Edukand) die Erfahrungsmaßnahmen des Erziehers und beeinflusse ihn durch seine eigene Deutung und Interpretation des Erziehungsansatzes mit seiner eigenen Realität. In dem Sinne lege ein reziproker Prozess vor, in der die Erziehung als „Selbstsozialisationsprozess“[12] fungiere.

3. Sozialisation

3.1 Begriffsdefinition

Der Sozialisationsbegriff stammt vom lateinischen Wort „ sociare “ und bedeute so viel wie „verbinden“. Sie lasse sich als ein Bindeglied zur Verbindung von Individuum und Gesellschaft verstehen.[13] Allerdings sei eine explizit allgemeingültige Bedeutungszuschreibung aus ihrer historischen Entwicklung nicht möglich. Unter Sozialisation sei die Involvierung und Einfügung des Individuums in die Gesellschaft zu verstehen, wobei der Prozess der Sozialisation unbewusst geschehe, hingegen bewusst in eine Richtung gelenkt werden kann.[14] Sozialisation ist der Erziehung übergeordnet und beschreibt den Prozess der „Persönlichkeitswerdung des Mensch mit der materialen, sozialen und institutionellen Umwelt“.[15] Die umfassende Entwicklung der Persönlichkeit sei das Ziel der Sozialisation, die lebenslang andauere.

3.2 Instanzen der Sozialisation

Als primäre Instanz der Sozialisation gilt die Familie, welche erforderliche Basics der Gesellschaft vermittelt und dabei möglicherweise eine Bindung zwischen dem Kind und der Familie entsteht.[16] Sekundäre Instanz der Sozialisation erfolgt in der Schulbildung im „Prozess der Enkulturation“[17], wo Maßnahmen für ein erfolgreiches Leben geebnet und zudem Werte und Regeln vermittelt werden. Die tertiäre Instanz der Sozialisation ist die berufspraktische oder akademische Welt im „Prozess der Individuation“[18]. Hierbei entwickelt der Mensch eine individuelle Laufbahn und Identität, die den Charakter der Sozialisation als ein lebenslanger Prozess unterstreicht.[19]

4. Erziehungsstile

Nachdem nun festgehalten werden kann, dass die Erziehung ein Teilaspekt einer lebenslangen Sozialisation ist, sollen nun verschiedene Erziehungsstile zunächst deskriptiv herangezogen werden, um zu schauen, mit welchen Erziehungsstielen Erziehende versuchen Einfluss auf die Edukanden bzw. zu Erziehenden zu nehmen.

Beim Begriff des Erziehungsstiles handelt es sich um eine Wortzusammensetzung aus „Erziehung“ und „Stil“. Dabei bezeichnete das Wort „Stil“ bis ins 18. Jahrhundert unterschiedliche Bedeutungen. So beispielsweise bedeutete es „Griffel“ und nahm in den kommenden Jahrhunderten die Bedeutung von „Schreibgeräten“, „Schreibarten“ bis hin zum allgemeinen Verständnis einer signifikanten Art und Weiser der Darstellung von Künstlern aufgefasst.[20] Seit dem 18. Jahrhundert hingegen wird der „Stilbegriff“ als ein Terminus technicus zur Beschreibung und Analyse der zwischenmenschlichen Beziehungen verwendet. Erziehungsstile seien „relativ sinneinheitlich ausgeprägte Möglichkeiten erzieherischen Verhaltens, die sich durch typische komplexe von Erziehungspraktiken charakterisieren lassen“[21] würden.

Es wird zwischen drei bis vier Erziehungsstilen unterschieden. Zu denen zählt der autoritative, permissiv- laissez-faire, permissiv-vernachlässigende und autoritäre Erziehungsstil.[22] Während auf drei der vier Kategorien relativ kurz eingegangen wird, soll der autoritäre Erziehungsstil näher untersucht und mit Bezügen aus der Lebenswelt behandelt werden.

4.1 Autoritativer Erziehungsstil

Kennzeichnend für der autoritative Erziehungsstil ist, dass die Erzieher Kontrolle und zärtliche Zuwendung zugleich aufzeigen. Dem Edukanden werden Anforderungen und Regeln aufgestellt, die allerdings stattfinden. Darunter fallen die Begriffe der „sich behauptenden Kontrolle“[23] als auch die „unterstützende Kontrolle“[24].

[...]


[1] Rausch 2012: 19.

[2] Vgl a.a.O, S.20.

[3] Vgl. Stein 2009: 37.

[4] Vgl. Melzer, Rausch 2012: 20.

[5] Ebenda

[6] Vgl. Stein 2009: 39.

[7] Vgl. Ebenda.

[8] Ebenda.

[9] Vgl. Ebenda.

[10] Vgl. Raithel, Hörmann, Dollinger 2007: 23.

[11] Vgl. Ebenda.

[12] Stein 2009: 39.

[13] Vgl. Stein 2009: 20.

[14] Vgl. Melzer, Rausch 2012: 22.

[15] Stein 2009: 21.

[16] Vgl. a.a.O: 23.

[17] Ebenda

[18] Ebenda

[19] Vgl. Ebenda

[20] Vgl. Raithel, Hörmann, Dollinger 2007: 28.

[21] Ebenda.

[22] Vgl. Stein 2012: 54.

[23] Melzer, Rausch 2012: 162.

[24] Ebenda.

Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668414945
ISBN (Buch)
9783668414952
Dateigröße
750 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v355500
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
Erziehung Sozialisation Ehrenkultur Erziehungsstil Gender Feminismus

Autor

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