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Corporate Social Responsibility am Beispiel Fair Trade

Auswirkung auf Image und Ertragskraft eines Unternehmens

Studienarbeit 2013 40 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1 Corporate Social Responsibility
1.1 Wesenszüge der CSR im Allgemeinen
1.2 Dimensionen des CSR
1.2.1 Die interne Dimension
1.2.2 Die externe Dimension
1.3 Entwicklung von CSR
1.4 CSR im 21. Jahrhundert

2 Fair Trade
2.1 Problematik des Welthandelssystems
2.2 Wesenszüge Fair Trade im Allgemeinen
2.3 Vorläufer des fairen Handels
2.4 Entwicklung des fairen Handels in Deutschland
2.5 Fair Trade heute
2.5.1 Das Fair Trade Siegel
2.5.2 Umsatzentwicklung Fair Trade zertifizierter Produkte in Deutschland
2.6 Reine Fair Trade Organisationen
2.6.1 World Fair Trade Organization (WFTO)
2.6.2 Fair Trade Center Breisgau GmbH
2.6.3 Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt
2.6.4 El Puente
2.6.5 Übersicht der 3 vorgestellten Unternehmen/Organisationen
2.7 Zwischenfazit: Unternehmen die ausschließlich mit Fair Trade Produkten handeln

3 Haben Fair Trade Produkte direkten Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens
3.1 Einführung
3.2 Kurzporträt und Entwicklung von Starbucks
3.3 Verantwortung gegenüber den Kaffeeerzeugern
3.4 Fair Trade zertifizierter Kaffee bei Starbucks
3.4 Auswirkungen der Maßnahmen

4 Fazit

5 Anhang

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

6.1 Literaturverzeichnis

6.2 Onlinequellen

6.3 Persönliches Gespräch

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Verantwortungspyramide nach Caroll

Abbildung 2 Fair Trade Standards der FLO

Abbildung 3 Aufgabenverteilung der Zertifizierung

Abbildung 4 Umsatzentwicklung Deutschland 1992-

Abbildung 5 Umsatzentwicklung Deutschland Kaffee

Abbildung 6 Umsatzentwicklung Blumen

Abbildung 7 Umsatzanteile Produkte GePa

Abbildung 9 Vertriebswege Gepa

Abbildung 10 Börsenwert Verlauf Starbucks

Abbildung 11 Fair Trade Siegel Gebühren (Anhang)

Abbildung 12 Umsatzverlauf Starbucks (Anhang)

Vorwort

Im Zuge des wachsenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Drucks, agieren immer mehr Unternehmen sozial verantwortlich, um den Stakeholdern, mit denen sie in Wechselbeziehung stehen (Arbeitnehmer, Anteilseigner, Investoren, Verbraucher, NRO1 ), ein Zeichen zu setzen. Ihr freiwilliges Engagement wird auch als Zukunftsinvestition gesehen, die letztlich ihre Ertragskraft (Vgl: 3.1) steigern soll. Dass Bewusstsein der Unternehmen, dass die öffentliche Wahrnehmung der sozialen Verantwortung, die man gegenüber der Gesellschaft innehat, unmittelbaren Einfluss auf den wirtschaftlichen Wert haben kann ist von hohem Stellenwert. Medien und moderne Informations- und Kommunikationstechniken machen die Wirtschaftstätigkeit gegenwärtig immer transparenter. Deutlich wird dies am Beispiel der umfangreichen Nutzung des Internets im 21. Jahrhundert. Durch dieses Medium kann die breite Masse der Gesellschaft ungemein schnell über relevante Sachverhalte aufgeklärt werden. Ein aktuelles Beispiel von Missständen in Unternehmen ist die Debatte über menschenunwürdige Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern aus Spanien und Polen beim Online Versandhändler Amazon, wie die ARD am 13.02.2013 berichtete.2 Es zeigt unter anderem die widrigen Umstände, unter denen die Leiharbeiter Pakete für den Versand vorbereiten. Dass Video löste einen Sturm der Entrüstung auf Facebook aus, indem sich Gruppen formieren, die zum Boykott des Unternehmens aufrufen. Weiterhin rufen Websites wie change.org dazu auf, eine an die Unternehmensführung von Amazon gerichtete Petition zu unterzeichnen.3 Amazon wird sehr wahrscheinlich einen starken Imageverlust hinnehmen müssen. Initiativen wie diese zeigen das starke Bewusstsein der Gesellschaft für menschenunwürdige Arbeitsbedingungen auf, und sind Beweis für Bedeutsamkeit eines fairen Umgangs mit Humanressourcen.

In diesem Zusammenhang ist das Thema Fair Trade für Unternehmen hochinteressant. In Zeiten, in denen wir uns im Handel einerseits auf einem Käufermarkt befinden, der im Laufe der letzten 60 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges immer präsenter wurde und andererseits dem Kunden immer wichtiger wird woher das Produkt stammt und wie es hergestellt wurde, gewinnt der Trend hin zu fair gehandelten Produkten an immer größerer Bedeutung.

Fair Trade ist ein Instrument der Corporate Social Responsibility (CSR) die bereits heute, aber vor allem vermute ich, in der Zukunft eine große Rolle in den Führungsetagen der Unternehmen spielt, um die Ertragskraft der Unternehmen zu steigern und auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Einleitung

Diese Facharbeit steht unter folgender Leitfrage: Ist durch Anwendung von Fair Trade, als Instrument des CSR eine Auswirkung auf das Image und die Ertragskraft eines Unternehmens bemerkbar? Ich werde diesen Sachverhalt an 2 Aspekten darstellen. Einerseits gehe ich auf Unternehmen ein, die seit jeher ausschließlich mit Fair Trade Produkten handeln und andererseits auf Unternehmen die diese zum Teil berücksichtigt haben. Eine Problematik die hinter dieser Fragestellung steht ist, dass manche Unternehmer nur den Anschein erwecken sozial verantwortlich zu handeln, um sich so ein profitables Geschäft mit dem schlechten Gewissen der Konsumenten zu ermöglichen.

Mein persönliches Interesse an diesem Thema wurde 2009 geweckt, als mein damaliger Arbeitgeber Ford Ernst & König das Corporate Community Investment-Projekt „Herzenssache“ ins Leben rief. William Clay Ford Jr., Urenkel von Henry Ford und Vorsitzender der Ford Motor Company sagte passend: „Wir sehen keinen Konflikt zwischen geschäftlichem Erfolgsstreben sowie sozialem und umweltpolitischem Engagement. Für mich ist der Unterschied zwischen einem guten und einem herausragenden Unternehmen der Folgende: Ein gutes Unternehmen bietet exzellente Produkte und Dienstleistungen - ein herausragendes bietet exzellente Produkte und Dienstleistungen und ist gleichzeitig bestrebt, eine bessere Welt zu schaffen.“4

Jede der 14 Filialen in ganz Baden übernahm eine Patenschaft für ein lokales Hilfsprojekt. Die jeweiligen Hilfsprojekte konnten sich bewerben und wenn sie den Zuschlag erhielten wurden sie für 1 Jahr finanziell unterstützt. Dieses Projekt läuft bis heute, die Mittel werden jedes Jahr neu vergeben. Bei Benefizaktionen wie Marathonläufen wird zusätzlich versucht, Spenden für die sozialen Projekte zu sammeln. Der Vorteil von Corporate Community Investment (Vgl: 1.1) ist, dass man gleichzeitig sein Image als regional engagiertes Unternehmen stärken kann und gleichzeitig dazu beitragt das Unternehmensumfeld zu stabilisieren, denn ein entwickeltes Umfeld kommt dem Unternehmen stets zu Gute.

Ich denke der Grund warum solche Initiativen erst in den letzen Jahren gestartet wurden, liegt daran, dass, wie im vorliegenden Beispiel eines Ford Autohauses, sich Unternehmen vor 30-40 Jahren nicht in einer derart intensiven Wettbewerbssituation befanden. Gerade im Automobilbereich hat die Globalisierung ihren Teil dazu beigetragen, denn Autohersteller beispielsweiße aus Japan (Toyota) oder Südkorea (Hyundai, Kia) drängen vermehrt auf den Europäischen Markt.

Auch als Mitarbeiter erlebte man viele positive Rückmeldungen auf dieses Projekt, insbesondere auf Handelsmessen. Aber auch die Presse wurde darauf aufmerksam und ein Erfolg war deutlich spürbar. Dass ich mich für Fair Trade entschieden habe liegt daran, dass meine Familie seit jeher sozial engagiert ist. Beispielsweiße halten wir engen Kontakt zum SOS-Kinderdorf in Sulzburg, in dem eine Bekannte der Familie ehrenamtlich tätig ist und nebenbei in einem Weltladen in Heitersheim beschäftigt ist. Über diesen Kontakt wurde ich auf das Thema und die Problematik eines ausbeuterischen, globalen Welthandels aufmerksam und Teile dieses Interesse bis heute. Diese Anreize und mein Interesse am globalen Welthandel bewegten mich dazu, diese Facharbeit über Fair Trade, als eines der Instrumente des CSR, zu verfassen.

1 Corporate Social Responsibility

1.1 Wesenszüge der CSR im Allgemeinen

Der Begriff Corporate Social Responsibility umschreibt die freiwillige Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch ein Unternehmen, um einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft beizusteuern, der über die gesetzlichen Reglementierungen hinausgeht. Durch die deutlichen Veränderungen in der Anspruchs- und Erwartungshaltung gegenüber wirtschaftlichen Unternehmen, die im Zuge der Globalisierung und des industriellen Wandels entstanden, haben Unternehmensführungen mittlerweile erkannt, was von der allgemeinen Betriebswirtschaft lange Zeit weitestgehend ignoriert wurde5.

M. Münstermann meint dazu: „Längst orientieren sich die Erwartungen von Share- und Stakeholdern an Unternehmen nicht mehr nur an der Realisierung von Wachstumszielen, sondern zunehmend auch an ökologischen, sozialen und ethnischen Zielen. […] Nicht zuletzt kann die wachsende Glaubwürdigkeit und Reputation bei Aktionären, Mitarbeitern und Analysten zu einer Steigerung des Unternehmenswertes führen.“6 Im Hinblick auf die veränderten Rahmenbedingungen ist es im Interesse eines Unternehmens die Instrumente des CSR zu nutzen, um ihre strategischen Ziele erreichen zu können.

Da es sich noch um ein junges, sich in der Entwicklung befindliches Forschungsfeld handelt, ist in der Praxis die Abgrenzung zu Begriffen wie Corporate Citizenship oder Corporate Sustainability meist unklar. Sie werden unter anderem von Schaltegger wie folgt definiert: „Corporate Citizenship beschreibt die Rolle von Unternehmen sich wie gute, gesellschaftlich eingebettete Bürger zu verhalten. Corporate Citizenship wird häufig als Teilaspekt und Konkretisierung von CSR verstanden. Der Ansatz umfasst Coporate giving (z.B. Sponsoring, Firma stellt ihre Produkte unentgeltlich für Katastrophenhilfe zu Verfügung), Corporate Volunteering (z.B. Förderung ehrenamtlichen Engagements der Mitarbeiter), kaufmännische Betreuung von Non-profit-Organisationen und Corporate Community Investment (z.B. regionales Engagement an Unternehmensstandorten). […]

[…] Corporate sustanability management bezweckt die Steuerung von Ökologischen, sozialen und ökonomischen Wirkungen, um erstens eine nachhaltige Unternehmens- und Geschäftsentwicklung zu erreichen und zweitens einen positiven Beitrag des Unternehmens zur nachhaltigen Entwicklung der gesamten Gesellschaft sicherzustellen. (Vgl. z.B. Schaltegger et al. 2003; Schaltegger & Burrit 2005).“7

Die CSR lässt sich im Allgemeinen in 4 Verantwortungsbereiche einteilen, dargestellt in der Verantwortungspyramide eines nachhaltig wirtschaftenden Unternehmens nach Archie B. Caroll.

Abbildung 18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn man die Darstellung interpretiert kann man erkennen, dass es von unbedingter Notwendigkeit ist die beiden unteren Ebenen, die den Sockel der Pyramide bilden, einzuhalten will das Unternehmen am Markt bestehen. Die 3. Ebene geht bereits über die ökonomischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen hinaus, ein faires und ethisch korrektes wirtschaften wird jedoch gesellschaftlich erwartet und sollte in der Unternehmenspolitik berücksichtigt werden um akzeptiert zu werden. Die 4. Ebene wird als Philanthropische9 Verantwortung bezeichnet, d.h. zu handeln wie ein guter B ü rger. Es ist gekennzeichnet durch das freiwillige unternehmerische Engagement das zur Steigerung der Wohlfahrt beiträgt.

Ebene 3 & 4 sind auf freiwilliger Basis und bedeuten beide eine Mehrinvestition in Humankapital und die Umwelt, sowie in Beziehungen zu den Stakeholdern. Sie unterscheiden sich jedoch maßgeblich in der Art der gesellschaftlichen Sanktionierung. Während die Bemühungen der 4. Stufe gewünscht sind, deren Fehlen aber nicht gesellschaftlich bestraft wird, führt eine Missachtung der ethischen Verantwortung oft zu starkem Imageverlust bis hin zur Boykottierung eines Unternehmens.

1.2 Dimensionen des CSR

1.2.1 Die interne Dimension

In der CSR unterscheidet man in der allgemeinen Auffassung zwischen einer internen und einer externen Dimension. In der internen Dimension unterscheidet man zwischen 4 Bereichen:10

I. Humanressourcenmanagement: Im Zuge des Fachkräftemangels sehen sich viele Unternehmen dazu gezwungen, Anreize zu schaffen um qualifizierte Mitarbeiter gewinnen zu können. Zu diesen Anreizen zählt man u.a. Empowerment11, Diversifizierung bei der Arbeit, gleiches Entgelt und gleiche Berufschancen für Frauen, Sicherheit des Arbeitsplatzes oder Gewinnbeteiligungen. Eine aktive Betreuung der Arbeitnehmer im Krankheits- oder Verletzungsfall haben sich als kostensparende Maßnahmen erwiesen.
II. Arbeitsschutz: Man versucht den Arbeitsschutz über den Standard der gesetzlichen Reglementierungen anzuheben, z.B. durch Auslagerung an externe Unternehmen. Diese freiwilligen Maßnahmen zur Anhebung des Arbeitsschutzniveaus können eine positive Wirkung auf die Motivation und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer bewirken.
III. Anpassung an den Wandel: In keinem anderen Jahr hat es mehr Fusionen und Übernahmen gegeben als im Jahr 2000 (Stand 2001). Eine sozial verantwortliche Umstrukturierung ist dann gegeben, wenn die Interessen und Belange aller Betroffenen in ausgewogener Weise berücksichtigt werden und nur dann können die durch eine Umstrukturierung anvisierten Ziele verwirklicht werden.
IV. Umweltverträglichkeit und Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen: Durch Investitionen die die den Ressourcenverbrauch, die Umweltbelastung und die Abfallproduktion einschränken, entsteht oft eine Win-Win-Situation.
V. Auf der einen Seite wird die Umweltbelastung geschmälert, gleichzeitig können Produktions- und Schadstoffbeseitigungskosten eingespart werden. Auf diese Weiße können Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.

1.2.2 Die externe Dimension

Auch in der externen Dimension können 4 Bereiche abgegrenzt werden:12

I. Lokale Gemeinschaften: Eine erfolgreiche Integration der Unternehmen in das soziale Umfeld ist sehr wichtig, da sie Arbeitsplätze bieten, Sozialleistungen bezahlen und den Kommunen Steuereinnahmen bescheren. Dadurch nehmen sie eine wichtige Funktion in der lokalen Gemeinschaft ein, sind jedoch andererseits von der Stabilität und dem Wohlstand der Gemeinschaft abhängig. So wünscht sich ein Unternehmen, dass auf dem lokalen Arbeitsmarkt Arbeitnehmer mit den geforderten Qualifikationen verfügbar sind. Wenn ein Unternehmen es schafft sich in seinem Umfeld ein positives Image zu verschaffen, beeinflusst das mit Sicherheit seine Wettbewerbsfähigkeit.
II. Geschäftspartner, Zulieferer und Verbraucher: CSR Aktionen von Unternehmen, die Teil einer Versorgungskette sind, strahlen auch auf andere Unternehmen aus. Ebenfalls ist es bei Zusammenarbeit mit Joint-Venture Partnern sowie Franchisenehmern leichter, faire Preise und Bedingungen bieten zu können. Eine weitere CSR Maßnahme ist das Corporate Venturing: Großunternehmen unterstützen durch ihre Beteiligung die Entwicklung innovativer Start-up Unternehmen, die ihrerseits dadurch den Zugriff auf innovative Entwicklungen ihre Marktposition verbessern können.
III. Menschenrechte: Aus diesem sehr ausgeprägten Teil der externen Dimension habe ich meinen Kernbereich des Fair Trade gewählt. Menschenrechte sind ein Thema, dass neben politischen und rechtlichen, vor allem ethische Probleme aufwirft. Besonders multinationale Unternehmen sollten bei der Wahl ihres Handelspartners sich ausführlich mit den Normen und Auflagen, zum Thema Menschenrechte im jeweiligen Land beschäftigen und darauf achten, ob diese eingehalten werden. Allerdings gibt es derartige Auflagen nicht in jedem Land oder Verstöße werden kaum bis nicht sanktioniert. Unter dem wachsenden Druck von Nichtregierungs-organisationen stellen immer mehr Unternehmen und Sektoren Verhaltenskodizes auf, die sich insbesondere an Subunternehmen und Zulieferer richten. Damit soll vor allem das Unternehmensimage verbessert und die Gefahr negativer Verbraucherreaktionen vermindert werden.
IV. Globaler Umweltschutz: Unternehmen sollen durch das Umsetzen des IPP- Konzeptes13 erreichen, dass die Umweltauswirkung in sämtlichen Lebensphasen des Produktes minimiert wird. Durch den massiven Verbrauch von globalen Ressourcen sind die Unternehmen entscheidende Akteure im aktuellen Umweltszenario. Da die Umweltdebatte zunehmend an Bedeutung gewinnt, kann sich kein Unternehmen aus der Verantwortung ziehen, zumal eine sehr hohe Anzahl an Verbrauchern bei diesem Aspekt sehr empfindlich reagiert.

1.3 Entwicklung von CSR

Wirtschaft und Gesellschaft stehen seit jeher in enger wechselseitiger Beziehung. Eine Gesellschaft ist ohne ein stabiles wirtschaftliches Fundament nicht existenzfähig, im selben Verhältnis ist ein Unternehmen von einem gesunden sozialen Umfeld abhängig.14 Der Begriff des CSR bildete sich in den 1950er Jahren, als im Zuge des Aufkommens der ökologischen Debatte parallel die Rolle der Unternehmen zur Gesellschaft zum Thema wurde. Viele Autoren sahen erste Anzeichen auf wachsenden Druck auf Unternehmen seitens der Gesellschaft bereits wesentlich früher in der Menschheitsgeschichte. Die Iso Strategic Advisory Group on Social Responisbility führt als historisches Beispiel den Zuckerboykott in Indien Ende des 18. Jahrhunderts an. Die Ost-Indien-Kompanie verzichtete schließlich auf den Einsatz von Sklaven zur Zuckerernte, nachdem englische Konsumenten begonnen hatten diesen zu boykottieren.15

Ansonsten konnten bis Mitte des letzten Jahrhunderts nur vereinzelte, individuelle Ansätze von Unternehmen dokumentiert werden, die man nach heutigem Verständnis unter CSRManagement einzugliedern würde. In den Zeiten der Industrialisierung (ab Anfang des 19. Jahrhundert) wurde das Bedürfnis von Einzelpersonen oder Unternehmen, gegenüber der Gesellschaft etwas zurückzugeben als Philanthropie bezeichnet.

Die 1999 durch den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan initiierte Global Compact bietet eine Plattform für die Wirtschaft, sich in die menschenwürdige und nachhaltige Gestaltung der Globalisierung einzubringen. Thematisiert werden Menschenrechte, Arbeitsbeziehungen, Gerechtigkeit, Umweltschutz sowie Korruptionsbekämpfung.16

Dies, und das 2001 veröffentlichte Grünbuch17 der Europäischen Kommission (Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen), sehe ich auf europäischer Ebene als einer der wichtigsten Meilensteine in der Debatte um Corporate Social Responsibility an.

1.4 CSR im 21. Jahrhundert

Im 21. Jahrhundert hat auch die Politik längst die Notwendigkeit erkannt, CSR in ihre strategischen Ziele mit einzubeziehen. Das strategische Ziel der EU von Lissabon (2000) lautete: „Die Union bis 2010, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen - einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen".18

Als einer der Vorreiter verpflichtete 2008 die dänische Regierung per Gesetz jedes Unternehmen, mit mehr als 250 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 286 Millionen DKK (38,3 Mio Euro), am Ende jedes Jahres einen Bericht über ihre CSR Aktivitäten zu verfassen. Eine Verpflichtung, dass das Unternehmen verantwortlich handeln muss besteht für die 1.100 betroffenen Unternehmen zwar nicht, aber ich sehe es als einen Schritt in die richtige Richtung.19

Ich denke heute ist CSR mehr denn je ein Aushängeschild der Unternehmen. Sie verwenden die CSR Instrumente in Lichte der Öffentlichkeit um ein positives Image zu generieren. Ich glaube dies ist auch real erfolgsversprechend, wenn es durch ein glaubwürdiges CSRManagement durchgeführt wird. Häufig sehen Konsumenten Aktionen auch kritisch, wenn der Eindruck entsteht, man tue dies nur um seine Produkte zu verkaufen und nicht, weil man sich seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst ist. Sind die CSR-Aktivitäten jedoch glaubwürdig und der Schwerpunkt liegt im Kernbereich, denke ich, dass dadurch erfolgreiche Zukunftssicherung wahrscheinlicher werden kann.

[...]


1 NRO(Nichtregierungsorganisation) wird ein zivilgesellschaftlich zustande gekommener Interessenverband bezeichnet. […] Heute wird [der Begriff] von und für Vereinigungen benutzt, die sich insbesondere sozial- und umweltpolitisch engagieren, und zwar unabhängig von einer Beziehung zur UNO. http://de.wikipedia.org/wiki/Nichtregierungsorganisation [Abgerufen am 21.02.2013, 14:42 Uhr]

2 http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/ausgeliefert-leiharbeiter-bei- amazon?documentId=13402260 [Abgerufen am 24.02.2013, 15:07 Uhr]

3 https://www.change.org/de/Petitionen/amazon-deutschland-verbessern-sie-die-arbeitsbedingungen-ihrer- leiharbeiter [Abgerufen am 24.02.2013, 17:10 Uhr]

4 http://www.ford.de/UeberFord/BerufKarriere/ArbeitenFord (Reiter Community Involvement) [Abgerufen am 21.02.2013, 15:05 Uhr]

5 Absatz 1 Vgl: http://de.wikipedia.org/wiki/Corporate_Social_Responsibility [Abgerufen am 8.02.2013, 19:12 Uhr)

6 Münstermann, Matthias: Corporate Social Responsibility; Ausgestaltung und Steuerung von CSR-Aktivitäten (2007). Gabler V, Wiesbaden, Seite XI

7 Müller, Martin und Schaltegger, Stefan et. al: Corporate Social Responsibility - Trend oder Modeerscheinung (2008). oekom , München, Seite 18

8 Koscher, Eva: Corporate Social Responsibility und Unternehmenserfolg (2007). Grin, Seite 8

9 Unter Philanthropie versteht man ein allgemein menschenfreundliches Denken und Verhalten. […] Seit dem 20. Jahrhundert ist in der Philosophie mehr von verwandten Begriffen wie „Menschlichkeit“ die Rede, während „Philanthropie“ im allgemeinen Sprachgebrauch mit Wohltätigkeit und gemeinnützigen Aktivitäten assoziiert wird. http://de.wikipedia.org/wiki/Philanthropie [Abgerufen am 21.02.2013, 16:04 Uhr]

10 Punkt I-IV Vgl: Grünbuch(Vgl: Fn 14): Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen (2001). Brüssel, Seite 9ff

11 Mit Empowerment (von engl. empowerment = Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung) bezeichnet man Strategien und Maßnahmen, die den Grad an Autonomie und Selbstbestimmungim Leben von Menschen oder Gemeinschaften erhöhen sollen und es ihnen ermöglichen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten. http://de.wikipedia.org/wiki/Empowerment [Abgerufen am 21.02.2013, 15:35 Uhr] 6

12 Punkt I-IV Vgl:Grünbuch: Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen (2001). Brüssel, Seite 12ff

13 Die Integrierte Produktpolitik (IPP) hat das Ziel, die Umweltauswirkungen eines Produktes in sämtlichen

Lebensphasen des Produktes von der Entwicklung über die Gewinnung der Rohstoffe bis zur Entsorgung zu erfassen und zu minimieren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Integrierte_Produktpolitik [Abgerufen am 21.02.2013, 15:50 Uhr]

14 Vgl: Münstermann, Matthias: Corporate Social Responsibility; Ausgestaltung und Steuerung von CSRAktivitäten (2007). Gabler V, Wiesbaden, Seite 1

15 Vgl. Absatz: Pitschner, Sebastian: Die Relevanz von Corporate Social Responsibility für den Unternehmenserfolg (2005). Grin, Seite 10

16 Vgl: http://www.icc-deutschland.de/global-compact.html [Abgerufen am 17.02.2013, 14:05 Uhr]

17 Grünbuch: Ein Grünbuch der Europäischen Kommission ist ein Farbbuch, das als Diskussionspapier zu einem bestimmten Thema, insbesondere Vorlagen für Verordnungen und Richtlinien, mit dem Zweck, auf diesem Gebiet eine öffentliche und wissenschaftliche Diskussion herbeizuführen und grundlegende politische Ziele in Gang zu setzen, dient. http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCnbuch_(Europ%C3%A4ische_Kommission [Abgerufen am 20.02.2013, 20:53 Uhr]

18 http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:52002DC0629:DE:HTML [Abgerufen am 17.02.2013, 16:35 Uhr]

19 Vgl: http://www.nachhaltigkeitsrat.de/index.php?id=4279 [Abgerufen am 19.02.2013, 17:07 Uhr]

Details

Seiten
40
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668415942
ISBN (Buch)
9783668415959
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v355401
Institution / Hochschule
Max-Weber-Schule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Schlagworte
CSR Corporate social responsibility fair Trade Starbucks Ertragskraft Image Unter unternehmerische sozialverantwortung

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Titel: Corporate Social Responsibility am Beispiel Fair Trade