Lade Inhalt...

Case Management als Methode in der Praxis

Basisqualifikation im Case Management

Forschungsarbeit 2017 43 Seiten

Psychologie - Forensische Psychologie, Strafvollzug

Leseprobe

Inhalt

1 Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Methodik

2 Falldarstellung
2.1 Narratives Interview
2.2 Soziographische Darstellung des systemischen Netzwerkes

3 Fallanalyse
3.1 Bewältigungsherausforderungen im Fallprofil
3.1.1 Biografie und Identität
3.1.2 Alltagsleben
3.1.3 Krankheitsgeschehen
3.1.4 Versorgungsnutzung
3.1.5 Die Herausforderungen im Überblick
3.2 Kompetenzen- und Ressourcenscreening
3.2.1 Persönliche Ressourcen und Kompetenzen
3.2.2 Infrastrukturelle Ressourcen
3.2.3 Materielle Ressourcen
3.2.4 Soziale Ressourcen
3.2.5 Ressourcen im Überblick

4 Case Management als Methode
4.1 Definition von Case Management
4.2 Ziele

5 Methodische Prinzipien
5.1 Relevanz für das Gesundheitssystem
5.2 Zentrale Funktionen des Case Managements
5.3 Die 7 Phasen des Case Managements
5.4 Case Management am konkreten Fall

6 Zielsetzung am Fallbeispiel
6.1 Problembeschreibung
6.2 Globalziel
6.3 Teilziele

7 Versorgungsplanung

8 Exkurs: Forensische Psychiatrie

9 Schlussbetrachtung

10 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung I - Soziographische Darstellung d. systemischen Netzwerks

Abbildung II - Case Management Basisinhalte (eigene Darstellung)

Abbildung III - Die 4 zentralen Rollen des Case-Managers (eigene Darstellung)

Abbildung IV - QM Prozess nach Empfehlung der DGCC (eigene Darstellung)

Abbildung V - Vier Schritte des Linkings angelehnt an DGCC ( 2009)

Abbildung VI - Darstellung eines Auswahlprinzips angelehnt an Patucek (2007)

Abbildung VII - Bundesweite Anordnungen nach § 63 in Anlehnung an Bö sert (2015)

1 Einführung

1.1 Einleitung

Das aus dem angloamerikanischen Raum stammende Konzept „Case Management“ gewinnt im Rahmen von Reformbemühungen sozialer- und gesundheitlicher Ver- sorgung und Inklusion zunehmend an Bedeutung. Diskontinuität und Desintegra- tion in den deutschen Versorgungsstrukturen im Kontext immer komplexer wer- dender Sozialleistungsdifferenzierungen sind für viele Menschen ein Problem. Die Erreichbarkeit und Kontinuität vorhandener Versorgungsangebote zu nutzen res- pektive nutzbar zu machen, liegt im Sinne des Case Managements und der World Health Organisation. Case Management als Methode integrativer Versorgung ist eine einzelfallbezogene Intervention und grenzt sich somit von dem gesamtpopu- lationsorientierten Care Management ab. (Ewers & Schaeffer, 2005; Wendt, 2015). Die chronische psychische Erkrankung, ist bislang weniger im Fokus der Gesund- heitsversorgung (Sachverständigenrates zur Begutachtung & der Entwicklung im Gesundheitswesen, 2014). Die zunehmende Ökonomisierung (Ewers & Schaeffer, 2005) und die damit verbundene Zentralisierung monetärer spezifischer Versor- gungsleistungen stellt damit ein für die Betroffenen schwierig zu überwindendes Hindernis dar. Insbesondere chronische psychische Erkrankungen gehen, bei schweren Verläufen, häufig mit einem Selbstversorgungsdefizit im Bezug auf grundlegende Bedürfnisse des täglichen Lebens einher (Wolff in: Sauter, Abderhalden, Needham, Wolff, 2011). Das eigenständige, selbstbestimmte und ziel- führende persönliche Krankheitsmanagement wird bei vielen Nutzern durch pa- ternalistische Systemstrukturen, meist in akuten Krankheitsverläufen übernom- men. Eine nachhaltige Reintegration in die Lebenswirklichkeit der Betroffenen ist bislang nicht flächendeckend gewährleistet. Es ist aus dieser Perspektive schwer vorstellbar, dass die Komplexität des deutschen Sozial- und Gesundheitssystems für potentielle Nutzer ausreichend zugänglich ist. Die demographische Entwick- lung in Deutschland lässt erahnen, dass ganzheitliche und partizipative Versor- gungsangebote in Zukunft vielfältigen Herausforderungen gegenüberstehen (Allmendinger & Ebner, 2006; Statistisches Bundesamt, 2009). Die Erreichbarkeit angemessener Versorgungsstrukturen, im Kontext progressiver Zentralisierung in städtische Gebiete, rückt zunehmend in den Fokus von Umstrukturierungsbemü- hungen im Sinne der Fallkoordination. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung des Konzeptes „Case Management“ am Beispiel eines Praxisfalls. Es wird versucht, ei- nen umfassenden einleitenden Überblick über die praktische Tätigkeit des Case Managers zu gewinnen und einen theoretischen Rahmen im Hinblick auf die prak- tische Umsetzung zu skizzieren. Case Management verkörpert den Ansatz der par- tizipativen Entscheidungsfindung bei wachsender Rationalisierung von verfügba- ren Systemressourcen. In diesem Zusammenhang scheint eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema eine wichtige Voraussetzung zu sein. Diese Arbeit versucht eine Brücke zwischen dem tatsächlichen Bedarf von Menschen, besonders mit schweren psychischen Störungen (Heinz, 2015) und dem Ökonomi- sierungsdruck von Leistungsträgern zu schlagen (Kühn, 2003).

1.2 Methodik

Die Methodik dieser Arbeit basiert auf einer Kombination systematischer Litera- turanalysen im deutschsprachigen Raum, einem narrativen Interview und dessen Ausdeutung unter Anlehnung an Konzepte der qualitativen Inhaltsanalyse und Hermeneutik. Methoden der qualitativen Forschung wurden, aufgrund des limi- tierten Umfangs dieser Arbeit primär als Explorationshilfe eingesetzt. Ferner wur- den die Onlinedatenbanken PubMed, Uni-Bib-Bielefeld und der Zentralbibliothek Bonn untersucht. Es wurde das Schneeballprinzip angewendet und Experten be- fragt. Suchbegriffe waren: „Case“, „Management“, „Krankheit“, „Chronizität“, „Reco- very“, „Partizipation“, „Empowerment“, „Kohärenz“, „Integrität“, „Caring“, „Containing“, „demographischer Wandel“, „Krankheitsmanagement“, „Adherence“. Diese Keywords wurden zudem verschieden miteinander kombiniert. Die vorlie- gende Arbeit beginnt mit einer Falldarstellung aus der Praxis und geht anschlie- ßend in die Ausdeutung des Fallbeispiels über. Es folgt ein methodischer Teil aus theoretischer und daran anknüpfend angewandter Fallsteuerung. Es werden die Funktionsmodelle des Case Managements vorgestellt und durch eine umfassende Sozialraum- und Fallanalyse wurde der Versorgungsbedarf herausgearbeitet sowie ein exemplarischer Versorgungsplan erstellt. Es folgt ein Exkurs zur Idee des Case Managements im Rahmen forensischer Psychiatrie und lässt einen Blick über ak- tuelle Entwicklungen zu. Zuletzt wird im Rahmen einer Schlussbetrachtung ver- sucht, einen kritischer Überblick zu gewähren.

2 Falldarstellung

2.1 Narratives Interview

Herr S ist 29 Jahre alt und lebt aktuell in einem offenen Wohnheim. Er erinnert sich nicht an seine Kindheit und hat Probleme, Fotos mit seiner Kindheit zu assoziieren. Durch eine medizinische Diagnostik wurde ihm eine paranoide Schizophrenie zugeschrieben.

„...da hängen Bilder an deiner Wand und du kannst dich nicht erinnern“...

Er schildert, dass er zu Hause ab dem Jugendalter viel Ärger gemacht hat. Er hat Ritalin bekommen gegen ADHS, erinnert sich jedoch nicht mehr genau. Sein Alltag bestand aus „zocken“, rauchen und „kiffen“. Das „Gras“(Cannabis) war anfangs noch rein und nicht gestreckt. Dies hat sich mit der Zeit geändert. Als er knapp 18 Jahre alt war, überfiel er alleine mit einer Kunststoffpistole einen Lottoladen in seinem Heimatort. Dort empfand er bereits starke emotionale Veränderungen, die er nicht näher beschreiben kann. Es ist ohnehin „total kompliziert“ die Psychose und die ganzen „Abstürze“ zu beschreiben. Nach der Straftat folgte die Festnahme und anschließend 3,5 Jahre Haft im Jugendarrest. Im Gefängnis hat er mehrmals Streit mit Mitgefangenen gehabt und sogar einen, der ihn bedroht hat geschlagen. Es folgte Einzelarrest über längere Zeit. In der Einzelhaft begannen sich für ihn die Farben zu verändern und er beschreibt den „alten Ventilator“ an der Decke, wel- cher ihn verrückt gemacht hat. Fortan „schob er sich Filme“ um die Zeit im „Knast“ zu überstehen. Es waren Szenen wie Besuche von Freunden und Traumreisen, die vereinzelt auch beängstigend waren. Im Gefängnis selbst fing die dortige Psychia- terin an, ihn mit Medikamenten zu behandeln. Entlassen wurde er unmittelbar in eine psychiatrische Klinik. Er konnte nicht mehr nach Hause.

„Ich habe viel Scheiße gebaut. Ich habe es nicht verdient, nach Hause zu gehen“. (Zitat des Betroffenen)

In dem folgenden Jahr Behandlung erlebte er weitere „Abstürze“ und es zementier- te sich eine soziale Phobie. Alltägliche Dinge wie Bahnfahren, Einkaufen und tags- über Menschen zu begegnen sind für Herr S fortan fast unmöglich zu be- werkstelligen. Er geht tagsüber zwar raus, jedoch niemals alleine und niemals in einen engen Raum. Herr S schildert ausführlich sein Leid und seinen Wunsch, aus seiner Haut heraus zu können. Er möchte alt werden und etwas erlebt haben, auf das er zurückblicken kann. Herr S fühlt sich von seinen betreu- enden Bezugspersonen im Wohnheim nicht individuell behandelt. Diese versuch- ten ihm einzutrichtern, dass er krank sei. Er möchte sich nicht ständig anhören, was er zu tun oder zu lassen hat und möchte, dass man ihm vertraut. Herr Schnei- der zählt mehrere Orte wie den chinesischen Garten, Wanderpfade und ländliche Orte auf, die er gerne besuchen würde. Auch eine „Party feiern“ würde er gerne noch einmal. Es ist momentan jedoch alles nicht möglich. Ihm geht es nicht gut und er wartet auf eine „Eingebung“ oder ein „Klick im Kopf“ um wieder die Freiheit zu erlagen, die er sich wünscht. Herr S ist traurig darüber, dass keiner seiner früheren Freunde sich meldet. Zu seinem Vater hat er ab und zu Kontakt, bricht jedoch ab, von ihm zu sprechen, da ihm dieses Thema zu emotional belastend ist. Große Probleme bereitet ihm seine finanzielle Situation. Er hat kaum Geld, lebt vom Staat, sagt er. Er möchte sein eigenes Geld verdienen und nicht den anderen Menschen auf der Tasche liegen. Eine Idee ist es, in einem Seniorenheim oder Hos- piz zu arbeiten und die Menschen dort zu begleiten. Er denke auch an eine Art Fernstudium in psychologischer Beratung.

Herr S stand während des Interviews mehrmals auf, bewegte sich um den Tisch herum, setzte sich wieder. Zuletzt bedankte er sich für das Gespräch und dass ihm jemand zuhöre. Dies sei nicht selbstverständlich in letzter Zeit.

2.2 Soziographische Darstellung des systemischen Netzwerkes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung I - Soziographische Darstellung d. systemischen Netzwerks

Aus der Abbildung geht hervor, dass das soziale Netzwerk des Nutzers nicht son- derlich ausgeprägt ist. Der Betreuungsdienst ist vor diesem Hintergrund aus der Darstellung entnommen, da er zum Zeitpunkt der Erhebung keinen Bezugsrahmen für den Nutzer bietet. Der Kontakt zu seinem Vater ist bislang gewollt, jedoch we- nig erwidert. Die engste Vertrauensperson, ein ehemaliger Mitbewohner und Freund, ist verzogen. Dieser hat, nach Aktenrecherche, eine deutlich stabilere und schnellere Entwicklung in die Selbstständigkeit erfahren als der Nutzer im Fallbei- spiel. Der Case Manager bekleidet eine distanzierte, jedoch beziehungsstarke Rolle. Es bestehen kurze Kommunikationswege zwischen Nutzer und Case Manager. Der Kontakt wird regelmäßig und auf Initiative des Nutzers gepflegt.

3 Fallanalyse

Im Folgenden wird versucht, eine möglichst detaillierte Beschreibung der zu bewältigenden Herausforderungen im Leben von Herr S vorzunehmen.

Im Kapitel 6 wird die zentrale Problematik am Fall dargestellt und entsprechend versucht, eine Zielsetzung des Prozesses vorzunehmen. Im folgenden Text geht es zunächst um die Frage, welchen Herausforderungen Herr S im Umgang mit Phänomenen und Symptomen gegenübersteht. Auch seine Krankheitsgeschich- te einschließlich des individuellen Lebensentwurfes wird im Folgenden berück- sichtigt.

3.1 Bewältigungsherausforderungen im Fallprofil

Im Fall Herr S und dem durchgeführten Interview scheint es, als stünde er vor größeren Hürden, die er zum Zeitpunkt des Interviews nicht alleine zu über- winden vermag. Um den Fall in behandlungsrelevante Phänomene zu unterteilen, werden im folgenden besonders die vorhandenen Herausforderungen zur Bewälti- gung chronischer Krankheit und deren Einfluss auf die eigene Biographie betrach- tet (Corbin, Strauss, & Hildenbrand, 2010; Schaeffer, 2009; Schaeffer & Moers, 2004).

Neben den Herausforderungen zur Bewältigung psychischer Belastungen spielen, besonders für Ausbildung eines langfristigen Krankheitsmanagements die persön- lichen Ressourcen eine Rolle. Diese werden im Folgenden ebenfalls betrachtet. Ein Problem von chronischer Krankheit kann es sein, dass vorhandene Ressourcen nicht selbstwirksam genutzt werden. Im vorliegenden Fall soll jedoch ins Besonde- re darauf Wert gelegt werden, dass nicht nur ungenutzte Ressourcen genutzt, son- dern diese nicht verloren gehen.

3.1.1 Biografie und Identität

Herr S kann nur wenig über seine Kindheit berichten. Ihm fehlen Erinne- rungen an große Abschnitte . Es gab viel Ärger zu Hause, dies ist ihm bewusst. Sei- ne Erinnerungen beginnen im Jugendalter. Er spielte Computerspiele und begann Cannabis zu konsumieren. Im 18. Lebensjahr überfiel er einen Lottoladen und wurde infolge dessen inhaftiert. Bereits zu diesem Zeitpunkt kann Herr S starke emotionale Veränderungen benennen, jedoch nicht beschreiben. Durch mehrere Konflikte im Gefängnis, welche dazu führten das er in Einzelhaft unter- bracht wurde, verschlechterte sich seine psychosoziale Situation zunehmend. Er beschreibt Veränderungen in der Wahrnehmung von Farben, erzählt von Imaginationen, Halluzinationen und auftretenden Ängsten.

Nach der Haft wurde er unmittelbar in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und erlebte dort mehrere schwere psychotische Krisen. Es folgte eine Manifestation starker soziale Phobien, welche bis heute anhalten. Nach fast einem Jahr Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik zog er in eine Einrichtung für stationäres Wohnen. Herr S wünscht sich alt werden zu können und auf das positiv Erlebte zurückblicken zu können. Der fehlende Kontakt zu seiner Mutter und der rudimentäre Kontakt zu seinem Vater belasten ihn emotional.

3.1.2 Alltagsleben

Herr S lebt in einem Wohnheim. Er bewohnt dort ein kleines Zimmer, welches mit den „nötigsten“ Möbeln ausgestattet ist. Freunde hat er keine mehr. Sein Tagesablauf orientiert sich maßgeblich an den strukturellen Vorgaben der Betreuer sowie an seinem Hang zu Computerspielen. Er geht nur im Ausnahmefall (kaufen von Zigaretten) vor die Türe und in der Regel nicht alleine. Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist ihm im Augenblick nicht möglich. Ein großes Problem ist zudem sein geringes Taschengeld, welches für seinen starken Zigaret- tenkonsum nicht ausreicht und dennoch der Wunsch da ist, mal wieder eine Party feiern zu können.

3.1.3 Krankheitsgeschehen

Die ersten Wahrnehmungsveränderungen fingen im Jugendalter an. Er konsumier- te zu dieser Zeit viel Cannabis. Im Rahmen seiner Gefängnisstrafe erhielt er durch die dortige Psychiaterin bereits psychopharmakologische Behandlungen. Die Be- handlung wurde in der psychiatrischen Klinik fortgesetzt und bis heute weiterge- führt. Herr S macht keine Angaben über erwünschte und unerwünschte Wirkungen der Medikamente und nimmt keine Einschätzung über den Erfolg der Therapie vor. Die sozialen Phobien sind jedoch weiterhin stark präsent.

3.1.4 Versorgungsnutzung

Herr S nutzt die Wohneinrichtung und das dort tätige Personal als soziale Kontakte. Zu regelmäßigen Arztterminen wird er begleitet, diese sind jedoch sel- 7 ten. Seine Ängste hemmen ihn, an Angeboten teilzunehmen, welche es erfordern mit öffentlichen Verkehrsmitteln mobil zu sein.

3.1.5 Die Herausforderungen im Überblick

Biographie und Identität:

1. Fehlende Erinnerungen an die Kindheit
2. Unsicheres Selbstbild
3. Wunsch nach gelebter positiver Erfahrungen

Alltagsleben:

1. Soziale Isolation
2. unbefriedigender Elternkontakt
3. Teilhabeverlust
4. Nutzung öffentlicher Einrichtungen kaum möglich
5. Aufgabenmangel

Krankheitsgeschehen:

1. Soziale Phobie
2. Wahrnehmungsveränderungen
3. Infantile Amnesie

Versorgungsnutzung:

1. Paraklinische soziale Einrichtungen nutzen
2. Hilfen einfordern

3.2 Kompetenzen- und Ressourcenscreening

Im Folgenden wird ein Überblick über vorhandene Ressourcen geschaffen. Um entsprechende Ressource identifizieren zu können, wird ein Screening in Anlehnung an Lüttringhaus (2007) vorgenommen. Zur Anwendung kommen Ressourcenkarten, welche die Bereiche: Infrastruktur, materielle, soziale sowie persönliche Ressourcen und Kompetenzen beleuchten.

3.2.1 Persönliche Ressourcen und Kompetenzen

Herr S hat ein hohes Interesse daran, wieder am gesellschaftlichen sozia- len Leben teilzuhaben. Er sucht für sich eine persönliche Aufgabe, um seinen Le- bensentwurf umzugestalten. Trotz seiner starken Ängste, kann er sich ein Leben in Abhängigkeit nicht vorstellen. Er möchte auf eigenen Beinen stehen und sowohl die Herausforderungen, als auch die entlohnenden Erfahrungen machen, welche zu einem normalen Leben dazugehören. Er hat den expliziten Willen, seine Situation zu verändern und ist sich der eigenen Krafterfordernis bewusst. Herr S ist sehr sozial eingestellt und wünscht es sich perspektivisch, in einem sozialen Beruf tätig zu sein.

3.2.2 Infrastrukturelle Ressourcen

In der unmittelbaren Wohnumgebung von Herrn S sind zahlreiche Halte- stellen von Bussen und Bahnen vorhanden. Auch Einkaufsmöglichkeiten sind nur wenige Meter entfernt.

3.2.3 Materielle Ressourcen

Herr S verfügt über keine finanziellen Ressourcen. Er lebt von einem Ta- schengeld. Er besitzt einen Schrank, ein Bett und einen Computer. Aufgrund seiner schlechten finanziellen Lage, erhält er gelegentlich von seinem Vater etwas Geld.

3.2.4 Soziale Ressourcen

Zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen ist Herrn S ein großes Anlie- gen. Hat er Vertrauen zu einer Person aufgebaut, ist der Kontakt ausgelassen und warmherzig. Aufgrund des geringen Sozialradius, lernt Herr S nur wenig Menschen kennen, mit denen er etwas anfangen kann. Viele Bewohner oder Pati- enten mit denen er Kontakt aufgebaut hatte, sind keine zuverlässigen Bezugsper- sonen. Der Kontakt zu seinen Eltern stellt aktuell keine zufriedenstellende Unter- stützung dar. Der Case Manager ist bisweilen eine der stärksten Bezugspersonen im Alltag des Adressaten.

3.2.5 Ressourcen im Überblick

Ressourcen, die einer erhöhten Gefahr ausgesetzt sind, durch negative Erfahrungen und ausbleibende Erfolgserlebnisse verloren zu gehen, werden mit dem Zusatz „ Critical Item “ gekennzeichnet. Im Prozess des Case Managements werden diese Items regelmäßig überprüft und entsprechend dokumentiert.

Persönliche Ressourcen und Kompetenzen:

1. Hilfsbereitschaft
2. Motiviert zur Veränderung (Critical Item)
3. Hoffnungsvoll (Critical Item)
4. Ehrlichkeit und Authentizität

Infrastrukturelle Ressourcen:

1. Öffentliche Verkehrsmittel vorhanden
2. Wohnort in der Innenstadt
3. Betreuung durch Wohnheimpersonal

Materielle Ressourcen:

1. Computer

Soziale Ressourcen:

1. Betreuer im Wohnheim
2. Vater (Critical Item)
3. Case Manager

[...]

Details

Seiten
43
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668418141
ISBN (Buch)
9783668418158
Dateigröße
733 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v355190
Institution / Hochschule
Fachhochschule der Diakonie GmbH
Note
1,3
Schlagworte
Case Management Pflege Ambulantisierung Psychiatrie

Autor

Zurück

Titel: Case Management als Methode in der Praxis