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Aktuelle Erfolgsfaktoren in der Lebensversicherung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 21 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Lebensversicherung

3 Niedrigzinsphase als Treiber für Veränderungen

4 Erfolgsfaktoren
4.1 Neugeschäft
4.1.1 Produktneuheiten
4.1.2 Prozessoptimierungen
4.1.3 Vertriebsanpassungen
4.2 Bestandsmanagement
4.2.1 Verkauf des Bestands
4.2.2 Aktives Bestandsmanagement

5 Schlussbemerkungen

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Standard-IT-Systeme im Zielprozess (Holocher, M., 2006)

Abbildung 2: In welchen Produktlinien des Lebensversicherungsmarktes wird der Run- Off zukünftig an Bedeutung gewinnen? (WillisTowersWatson 2016)

1 Einleitung

Die Lebensversicherungsbranche befindet sich derzeit in einem grundlegenden Ände- rungsprozess, der im gleichen Maße durch externe Einwirkungen wie auch durch in- terne Entwicklungen getragen wird. So titelte ein Kommentar im Handelsblatt schon zum Jahreswechsel 2013/2014 „Kampf ums Überleben. Der Ausleseprozess unter Le- bensversicherern gewinnt an Härte“[1]. Dieser Einschätzung ist im Hinblick auf die äu- ßeren Einflüsse wie der Niedrigzinsphase, Solvency II und dem LVRG zuzustimmen. Jedoch werden die Unternehmen auch durch interne Umstrukturierungen im Zuge der Digitalisierung und Produktinnovation vor schwere Herausforderungen gestellt. Somit verbleiben nur diejenigen Lebensversicherungsunternehmen am Markt, die entspre- chende Charakteristika für den Erfolg zu identifizieren und umzusetzen wissen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Merkmale und zugehörige Ent- wicklungen derzeit für den wesentlichen unternehmerischen Erfolg einer Lebensversi- cherung unverzichtbar sind. Infolgedessen werden nicht nur die entsprechenden Fak- toren für das Überleben einer Lebensversicherung aufgezeigt, sondern auch diskutiert, inwiefern diese für die Unternehmen tatsächlich sinnvoll und umsetzbar sind.

Diese Zielstellung der Arbeit soll im Laufe der fünf Gliederungspunkte der Arbeit erfüllt werden. Dabei werden anschließend an die Einleitung erst einmal grundlegende Defi- nitionen und Eigenschaften der Lebensversicherung genannt, welche im direkten Zu- sammenhang mit ihrem gegenwärtigen Handlungsumfeld stehen. Dementsprechend wird danach genauer auf die gegenwärtige Situation der Lebensversicherer und die sich daraus ergebenden Herausforderungen eingegangen. Infolgedessen werden ba- sierend auf den unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten, die sich für die Versiche- rer aufzeigen, die dazugehörigen Erfolgsfaktoren identifiziert. In der abschließenden Betrachtung sollen diese Faktoren zusammengefasst und im Hinblick auf die Zukunft bewertet werden.

2 Grundlagen der Lebensversicherung

Die Lebensversicherung als eine Individualversicherung gehört mit einem branchen- übergreifenden Bestand von gegenwärtig ca. 91 Mil. Verträgen zu den beliebtesten freiwilligen Versicherungen Deutschlands.[2] Sie dient dem Versicherungsnehmer einer- seits zur Absicherung wirtschaftlicher Risiken, welche aus der Ungewissheit über Tod oder Invalidität des Versicherten resultieren, und andererseits der privaten Altersvor- sorge.[3] Die mit dem Versicherungsnehmer abgeschlossen Verträge definieren dabei neben Versicherungsfall und -Summe auch die speziell versicherte Person. Bei der konventionellen Lebensversicherung wird der Versicherungsfall als „ … das Erleben eines bestimmten Zeitpunktes (Erlebensfall) oder der Tod des Versicherten während der Versicherungsdauer (Todesfall)“[4] festgelegt. Bei Unterarten wie z. B. der Berufs- unfähigkeitsversicherung kann sich dieser jedoch andersartig definieren.[5] Bei Eintritt des entsprechenden Versicherungsfalls kann die garantierte Leistung unter anderem als monatliche Rente oder einmalige Kapitalauszahlung erbracht werden.[6]

Die im Vertrag festgeschriebene Versicherungssumme ergibt sich aus den eingezahl- ten Beiträgen bzw. Prämien, dem Höchstrechnungszins und evtl. Überschussbeteili- gungen. Dabei wird die Prämie auf Grundlage des Äquivalenzprinzips mithilfe von ver- schiedenen Faktoren, wie z. B. Versicherungsdauer, persönlichen Merkmalen und Verwaltungskosten, berechnet. Der Höchstrechnungszins, oder auch Garantiezins ge- nannt, wird von der BaFin festgelegt und gibt den maximalen Zinssatz an, den Lebens- versicherungen für die Berechnung der Deckungsrückstellungen verwenden dürfen.[7] Die Versicherungsnehmer erhalten eine Überschussbeteiligung, falls der Versicherer z. B. innerhalb seiner Kapitalanlage höhere Erträge erwirtschaftet als sie für die garantierte Verzinsung notwendig wären.[8] Daraus ergibt sich eine Abhängigkeit dieser zusätzlichen Leistungen vom aktuellen Marktumfeld des Versicherers.

3 Niedrigzinsphase als Treiber für Veränderungen

Der Begriff der Niedrigzinsphase bezeichnet umgangssprachlich den augenblicklichen Zeitabschnitt in dem sich die Zinsen am Kapitalmarkt, gemessen an ihren historischen Werten, auf einem unterdurchschnittlich niedrigen Niveau befinden.[9] Dabei resultiert das gegenwärtige Zinsumfeld aus den Maßnahmen der Zentralbanken zur Bekämpfung der Auswirkungen der globalen Finanzkrise von 2008. So wurde z. B. der Leitzins im Euroraum schrittweise bis auf 0,00 Prozent gesenkt.[10]

Durch diese Maßnahme ist es für die Versicherungsbranche zunehmend schwieriger geworden, ihr Kapital werterhaltend und -steigernd einzusetzen. Vor allem die Lebens- versicherungen mit einem gesamten Kapitalanlagevolumen in 2015 von 851,3 Mrd. EUR spüren die Auswirkungen deutlich.[11] So sind deren meist langfristige Anlagen als festverzinsliche Wertpapiere, wie z. B. Darlehen, Pfandbriefe und Staatsanleihen, so- wie deren Erträge und Renditen stark vom aktuellen Zinsumfeld abhängig.[12] Damit einhergehend droht aktuell die Unrentabilität des Anlagegeschäfts, welche zur Erwirt- schaftung der vertraglich garantierten Zinsen substanziell ist. Im Zusammenspiel mit der Niedrigzinsphase tritt für die Lebensversicherungsbranche auch Solvency II als die „grundlegende Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in Europa“[13] seit Anfang 2016 erschwerend in Erscheinung. Hierbei sind im Zuge verschärfter Solvabilitätsvor- schriften vor allem die Eigenmittelausstattungen und Anforderungen an die Kapitalun- terlegung von Assets für die Unternehmen problematisch. Zur Umsetzung dieser neuen Vorgaben steht der aktuelle Zinssatz eher ungünstig. So verschlechtert er die Solvabilität der Versicherer, die versicherungstechnische Rückstellungen bilden, wel- che wiederum unverhältnismäßig hoch zu den Marktgewinnen stehen.[14]

Zur erfolgreichen Bewältigung dieser ökonomischen Schwierigkeiten befindet sich die Lebensversicherungsbranche jedoch in einer denkbar schlechten Ausgangssituation.

So belasten die alten Vertragsbestände durch ihre hohen Garantieverzinsungen von bis zu vier Prozent[15] die Reserven auf Kapitalanlageseite und erfordern Mittelzuführungen zur Zinszusatzreserve.[16] Dementsprechend werden die Unternehmen im Jahr 2016 rund 13 Mrd. Euro für hohe Garantien aus der Vergangenheit zurücklegen.[17] Diese ansteigenden Rücklagen sorgen dafür, dass die Überschussbeteiligungen kontinuierlich sinken, und so die Attraktivität der Rentenversicherungsprodukte weiter abnimmt. Somit kommt es zum offenen Konflikt zwischen dem aktuellen Marktzins von 0,00 Prozent und den garantierten Leistungen aus Bestandsverträgen. Hinzukommend sieht die BaFin für 2017 im Hinblick auf die auch zukünftig niedrig bleibenden Zinsen eine weitere Maßnahme zur Absicherung der Lebensversicherer vor. So ist eine Absenkung des Höchstrechnungszinses von aktuell 1,25 auf 0,9 Prozent geplant, durch die die Garantiebildung weiter erschwert wird.[18]

Neben den Problemen der Kapitalanlage beeinflusst die Niedrigzinsphase auch in- terne Vorgänge und Ansichten. Infolgedessen sind die Lebensversicherer unter dem erhöhten Kostendruck gezwungen, sowohl ihre Produkte und deren Verwaltung als auch ihre Vertriebs- und Prozesswege zu überprüfen und zu optimieren. Vor allem die traditionellen Lebensversicherungen mit ihrer unflexiblen Verzinsung, geringen Trans- parenz und oft zu hohen Verwaltungskosten werden derzeit nicht mehr ausreichend vom Kunden nachgefragt. Auch die Vertriebswege über Makler und Strukturvertriebe, ebenso wie deren Vergütung durch Provisionen, sind noch nicht für neue Produkte gerüstet.[19] Gleichermaßen sind die unternehmenseigenen Prozesse wie z. B. die häu- fig veralteten IT-Systeme noch nicht an die voranschreitende Digitalisierung und inno- vative Versicherungen angepasst.[20] Aus dem Hintergrund dieser Herausforderungen ergeben sich zahlreiche Erfolgsfaktoren für die unterschiedlichen Vorgehensweisen des Lebensversicherers.

[...]


[1] Heidemann, J. (2015): Niedrigzinsphase, Zinszusatzreserve, kollektive RfB, sinkende laufende Überschussbeteiligungen und Rechtsprechung in der Lebensversicherung, in VP, 04/2015, S. 22-27.

[2] Vgl. GDV (Hrsg.): Überblick Lebensversicherung, URL: http://www.gdv.de/zahlen-fakten/lebensversi- cherung/ueberblick/, (Abruf: 03.11.2016).

[3] Vgl. Gabler (Hrsg.): Lebensversicherung, URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/lebens- versicherung.html#definition, (Abruf: 03.11.2016).

[4] ebenda, I. Charakterisierung: 1.

[5] Vgl. ebenda

[6] Vgl. GDV (Hrsg.): Überblick Lebensversicherung

[7] Vgl. Lebensversicherung.cc (Hrsg.): Garantieverzinsung von Lebensversicherungen, URL: http://www.lebensversicherungen.cc/lebensversicherung-info/garantieverzinsung, (Abruf:

03.11.2016).

[8] Vgl. GDV (Hrsg.): Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2016, S. 21.

[9] Vgl. Brühl, V.; Walz, U. (2015): Das anhaltende Niedrigzinsumfeld in Deutschland, S. 4.

[10] Vgl. Finanzen (Hrsg.): Aktueller Leitzins, URL: http://www.finanzen.net/leitzins/, (Abruf: 05.11.2016).

[11] Vgl. GDV (Hrsg.): Kapitalanlagen Daten, URL: http://www.gdv.de/zahlen-fakten/branchendaten/kapi- talanlagen/, (Abruf: 05.11.2016).

[12] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (2014): Studie Das aktuelle Niedrigzinsumfeld Ursachen Wirkungen und Auswege, Vorläufige Fassung, Berlin, S. 43.

[13] Gabler Wirtschaftslexikon (Hrsg.): Solvency II, URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/sol- vency-ii.html, (Abruf: 05.11.2016).

[14] Vgl. Littmann, S. (2015): Niedrige Zinsen belasten Solvenz der Lebensversicherer, URL: http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/lebensversicherung-niedrige-zinsen-belasten-solvenz-der-le- bensversicherer/12117986.html, (Abruf: 05.11.2016).

[15] Vgl. Littmann, S. (2015): Niedrige Zinsen belasten Solvenz der Lebensversicherer.

[16] Vgl. Schmidt-Wehrmann, C. (2016): Der Wettbewerbsdruck nimmt zu, in VW, 71. Jg., Nr. 08, S. 28.

[17] Vgl. Börsen-Zeitung (Hrsg.) (2016): BaFin sieht kaum Vorteile im Verkauf von Alt-Policen, in Bör- sen-Zeitung, Nr. 200, S. 4.

[18] Vgl. Handelsblatt (Hrsg.) (2016): Garantiezins soll bereits 2017 unter ein Prozent sinken, URL: http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/altersvorsorge-sparen/lebensversicherer-garantie- zins-soll-bereits-2017-unter-ein-prozent-sinken/13530346.html, (Abruf: 06.11.2016).

[19] Vgl. Theis, T. (2016): Eine Lebensversicherung für alle Fälle, in VW, 71. Jg., Nr. 10, S. 68.

[20] Vgl. Langenberg, B. (2016): Das Leben geht weiter, in Capital, Nr. 11, S. 120-124.

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668452770
ISBN (Buch)
9783668452787
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v355136
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Schlagworte
aktuelle erfolgsfaktoren lebensversicherung

Autor

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