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Das Tilburger Modell und das Neue Steuerungsmodell. Ein Vergleich

von Jeanette Dahlman (Autor)

Hausarbeit 2017 28 Seiten

Organisation und Verwaltung - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Vorstellung der Verwaltungsreformmodelle
2.1 Tilburger Modell
2.2 Neues Steuerungsmodell

3. Vergleich des „Tilburger Modells“ und des „Neuen Steuerungsmodells“
3.1 Methodisches Vorgehen
3.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Verwaltungsreformmodelle
3.3 Kritische Würdigung

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Hinweise

In der vorliegenden Arbeit erfolgt die Quellenangabe in Fußnoten als Kurzbeleg. Im Quellenverzeichnis wird der Vollbeleg ausgewiesen.

Zur besseren Lesbarkeit wird die männliche Schreibweise verwendet. Soweit nicht explizit ausgewiesen, ist in dieser Schreibweise sowohl die männliche als auch die weibliche Form gemeint.

Verwendete Abkürzungen gelten sowohl für die Verwendung in der Einzahl als auch in der Mehrzahl.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Elemente des „Tilburger Modells“

Abbildung 2: Elemente des „Neuen Steuerungsmodells“

Abbildung 3: Anlass – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Abbildung 4: Ziele – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Abbildung 5: Konzept – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Abbildung 6: Umsetzung – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Die vergangenen Jahre sind geprägt von einer internationalen Debatte über die Modernisierung der öffentlichen Verwaltungen, bekannt unter dem Schlagwort „New Public Management“.[1] Die Notwendigkeit zum Reformbedarf wird auf diverse Veränderungen im Umfeld sowie einige Missstände in der Verwaltung zurückgeführt.[2]

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Verwaltungsreformen auf kommunaler Ebene in den Niederlanden (NL) und in Deutschland (D) gegenüberzustellen. Das „Tilburger Modell (TM)“ aus den NL wird mit dem „Neuen Steuerungsmodell (NSM)“ der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) in D verglichen. Die forschungsrelevante Frage lautet: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede weisen das „TM“ und das „NSM“ auf?

Es gibt bislang in der Wissenschaft keinen systematischen Vergleich dieser Verwaltungsreformmodelle. Um die Forschungslücke zu schließen, wird in der vorliegenden Untersuchung ein Beitrag zur vergleichenden Verwaltungswissenschaft geleistet. Die beiden Reformmodelle werden anhand deren Merkmale verglichen und kritisch gewürdigt, jedoch nicht inhaltlich bewertet. Weiterhin wird aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit nicht auf die historischen, rechtlichen, und politischen Rahmenbedingungen der Reform eingegangen. Es handelt sich um keinen umfassenden deutsch-niederländischen Ländervergleich. Allgemeine Erläuterungen zur Einordnung der Thematik in die Verwaltungswissenschaft sind nicht Bestandteil dieser Arbeit. Die grundlegenden Kenntnisse hierzu werden vorausgesetzt.

Der Aufbau der Hausarbeit ist zielorientiert und untergliedert die Arbeit in vier Kapitel. Im Hauptteil der Arbeit wird zunächst ein theoretischer Bezugsrahmen zur Thematik hergestellt. Dazu werden die beiden kommunalen Reformmodelle einzeln vorgestellt. Im dritten Kapitel vergleicht die Verfasserin das „TM“ und das „NSM“ miteinander. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Reformmodelle werden anhand ausgewählter Vergleichskriterien aufgezeigt. Dies bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit. Anschließend werden die Erkenntnisse kritisch gewürdigt. Mit einer abschließenden Betrachtung werden die wesentlichen Erkenntnisse rückblickend reflektiert und ein Fazit gezogen.

Neben wissenschaftlicher Fachliteratur und Artikeln aus Fachzeitschriften sind zur Erstellung der Hausarbeit Publikationen aus dem Internet herangezogen worden. Die Ausführungen des dritten Kapitels basieren auf eigenen Überlegungen der Verfasserin.

2. Vorstellung der Verwaltungsreformmodelle

In diesem Kapitel werden die kommunalen Verwaltungsreformmodelle, das „TM“ und das „NSM“, vorgestellt. Dazu wird auf verschiedene Aspekte wie Anlass, Ziele, Elemente und Umsetzung eingegangen.

2.1 Tilburger Modell

Das „TM“ ist ein Reformmodell der öffentlichen Verwaltung, das in der niederländischen Stadt Tilburg[3] seinen Ursprung hat. Tilburg hat bereits in den 1970er Jahren einen Handlungsbedarf für die Reorganisation der eigenen Verwaltung gesehen. Anlass ist eine angespannte Finanzlage sowie öffentliche Kritik an der Arbeitsweise und Leistungsfähigkeit der kommunalen Verwaltung gewesen. Untersuchungen haben zahlreiche Engpässe der Verwaltung, insbesondere in den Bereichen Planung, Delegation sowie Kommunikation und Koordination offengelegt.[4] Schließlich hat Tilburg ein neues Steuerungs- und Organisationskonzept mit betriebswirtschaftlichen Verfahren und Instrumenten eingeführt und damit die Stadt zu einem „Konzern“ umstrukturiert. Ziel ist es gewesen, die Bürokratisierung der Verwaltung zugunsten von mehr Transparenz und Bürgernähe abzubauen. Weiterhin werden eine flexiblere, effektivere und effizientere Verwaltung sowie damit qualitativ verbesserte und kundenorientiertere Dienstleistungen angestrebt.[5]

Die zentralen Elemente, die dazu im Rahmen des „TM“ implementiert wurden, sind in Abbildung 1 auf der folgenden Seite dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Elemente des „Tilburger Modells“ [6]

Für die Vielfalt an Instrumenten wird der Oberbegriff „Kontraktmanagement“ verwendet. Es ist zugleich Steuerungs-, Planungs- und Controllinginstrument zur Verbesserung der Aufbau- und Ablauforganisation sowie der politischen und betrieblichen Steuerung. Das „TM“ wird deshalb oft auch als „Kontraktmanagement-Modell“ bezeichnet. Für die Einführung des Kontraktmanagements wurden drei Grundprinzipien gewählt: Steuern nach Leitlinien, Dezentralisierung und Delegation der Kompetenzen sowie output- bzw. ergebnisorientierte betriebswirtschaftliche Verwaltung.[7]

Die Elemente des neuen Verwaltungsmanagements sind im Laufe der Reorganisation der Verwaltung schrittweise umgesetzt worden. Zudem wurde eine Einführungsstrategie verfolgt, bei der die Verantwortung auf die verschiedenen Verwaltungseinheiten delegiert und Interessen der Verwaltungsspitze und Politik weitgehend berücksichtig wurden. Im Gegenzug hat das neue Modell von diesen Seiten die erforderliche Unterstützung erhalten. Letztlich sind dies die Voraussetzungen dafür gewesen, dass Tilburg sein Konzept erfolgreich umgesetzt hat.[8]

Nachdem das „TM“ anhand wesentlicher Merkmale beschrieben worden ist, wird im folgenden Abschnitt das „NSM“ unter den gleichen Gesichtspunkten betrachtet.

2.2 Neues Steuerungsmodell

In D haben in den 1990er Jahren, also wesentlich später als in den NL, erste Modernisierungsbestrebungen der öffentlichen Verwaltungen stattgefunden.[9] Zu diesem Zeitpunkt hat der Reformdruck, insbesondere für Kommunalverwaltungen aufgrund von neuen und wachsenden Anforderungen, denen sie mit dem bestehenden Verwaltungssystem nicht mehr gerecht wurden, zugenommen.[10] Die Verwaltung ist einer zunehmenden Finanzkrise, Unzufriedenheit mit und Kritik an der Verwaltung sowie verstärktem Wettbewerb ausgesetzt gewesen.[11] Die Ursachen hierfür sind nach Auffassung der KGSt im Vorhandensein von vier Steuerungsmängeln begründet, die als Strategie-, Management-, Attraktivitäts- und Legitimitätslücke definiert werden.[12] Diese Ausgangssituation und eine darauf basierende Analyse typischer Funktionsmängel der Kommunalverwaltung ist letztlich der Auslöser für ein Umdenken gewesen.[13]

Anfang der 1990er Jahre hat die KGSt ein Konzept für deutsche Kommunalverwaltungen zur grundlegenden Modernisierung der öffentlichen Verwaltung entwickelt, das sog. „NSM“.[14] Es handelt sich hierbei um das zentrale Reform- und Referenzkonzept auf kommunaler Ebene, das eine neue Verwaltungsführung und -steuerung beinhaltet. Das Leitbild dieses Modells ist der Wandel der Kommunalverwaltung „von der Behörde zum […] Dienstleistungsunternehmen“[15]. In diesem Zusammenhang ist es das Ziel des „NSM“, eine unternehmensähnliche dezentrale Führungs- und Organisationsstruktur aufzubauen. Diese zeichnet sich u. a. durch folgende Aspekte aus:[16]

- Klare Verantwortungsabgrenzung zwischen Politik und Verwaltung
- Weitgehende persönliche Ergebnisverantwortung
- Outputorientierung und -steuerung
- Aktivierung von Wettbewerbselementen
- Verstärkte Kundenorientierung

Darunter können eine Vielzahl von Einzelelementen zugeordnet werden. Die wesentlichen Elemente sind in Abbildung 2 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Elemente des „Neuen Steuerungsmodells“ [17]

Von dem neuen Konzept wird erwartet, dass es „alle kommunalen Aufgaben […] nach einheitlichen Grundsätzen demokratisch […] und zugleich wirtschaftlich, effektiv und [kundenorientiert]“ steuert.[18] Mithilfe dieser Elemente wird den bestehenden Fehlentwicklungen in der Kommunalverwaltung entgegengewirkt. Die Verwaltung wird transparenter und besser steuerbar.[19] Weiterhin tragen die Anwendung betriebswirtschaftlicher Steuerungsinstrumente sowie eine neu definierte Kundenorientierung zu mehr Effizienz und Effektivität der Verwaltung und deren Dienstleistungen bei. Die Ausgestaltung der einzelnen Elemente orientiert sich im Detail an den örtlichen Bedürfnissen der Kommunalverwaltung und kann somit verschiedene Ausprägungen annehmen.[20]

In der Praxis wird das Konzept in der aufgezeigten Breite kaum angewendet. Vielmehr haben Kommunen versucht einzelne Elemente umzusetzen und anzuwenden. So sind Instrumente der Finanzsteuerung wie Budgetierung, Kosten- und Leistungsrechnung sowie Controlling und Berichtswesen weitgehend eingeführt. Dies ist im Rahmen einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2004 evaluiert worden.[21] Die Verwaltungsreform in den deutschen Kommunen ist damit noch nicht vollständig umgesetzt. Teilweise sind in Einzelfällen Reformbemühungen sogar wieder gestoppt und zurückgeführt worden, da die Ergebnisse nicht zum gewünschten Ziel geführt haben.[22] Schließlich bleibt der Erfolg des „NSM“, zumindest in seiner Gesamtheit, aus.[23] In der Literatur wird kontrovers diskutiert, ob das „NSM“ mitunter sogar gescheitert ist.[24]

Zusammenfassend kann festgehalten werden: Es handelt sich bei dem „TM“ und dem „NSM“ um zwei kommunale Verwaltungsreformmodelle in den NL und in D. Die wesentlichen Merkmale sind an dieser Stelle aufgezeigt worden.

Auf dieser theoretischen Grundlage werden im nächsten Kapitel die internationalen Reformansätze miteinander verglichen.

3. Vergleich des „Tilburger Modells“ und des „Neuen Steuerungsmodells“

In diesem Kapitel wird ein internationaler Verwaltungsvergleich der beiden kommunalen Reformmodelle – des „TM“ aus den NL und des „NSM“ aus D - unter dem Gesichtspunkt der Forschungsfrage vorgenommen.

Bevor die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dargestellt werden sowie eine kritische Würdigung erfolgt, wird zunächst das methodische Vorgehen erläutert.

3.1 Methodisches Vorgehen

Es stehen verschiedene Möglichkeiten des Verwaltungsvergleichs zur Verfügung. Im Rahmen dieser Arbeit werden zwei Reformmodelle der öffentlichen Verwaltung miteinander verglichen, indem ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede gegenübergestellt werden. Dabei ist es wichtig, zunächst Vergleichskriterien festzulegen, um die Reformmodelle miteinander komparabel zu machen. Die Verfasserin orientiert sich an folgenden „harten Kriterien“:

- Anlass
- Ziele
- Konzept
- Umsetzung

Vor diesem Hintergrund können die Merkmale der Verwaltungsreformmodelle qualitativ differenzierter betrachtet werden.

Im Folgenden werden die Ergebnisse aus dem internationalen Vergleich der Reformmodelle zusammengefasst.

3.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Verwaltungsreformmodelle

In diesem Abschnitt werden das „TM“ und das „NSM“ gegenübergestellt. Die von der Verfasserin herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten und Unterschiede, hinsichtlich der in der Theorie aufgezeigten und zuvor festgelegten Merkmale, werden in den Abbildungen 3 bis 6 auf den folgenden Seiten dargestellt und erläutert.

Die Reformbestrebungen in der öffentlichen Verwaltung beider Länder basieren auf den gleichen Ausgangsbedingungen: Finanzkrise und Aufgabenkritik.[25] Ebenso ist die Diskussion der Verwaltungsmodernisierung jeweils durch Erfahrungen aus der Theorie und Praxis von internationalen Vorbildern geprägt. In D dient das „TM“ aus den NL als Vorbild für die Reformbestrebungen in Kommunalverwaltungen. Die NL selbst haben sich an bewährten Methoden der USA und Großbritannien orientiert.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : Anlass – Gemeinsamkeiten und Unterschiede [27]

Die Ziele der beiden Reformansätze sind identisch. Beide Länder wollen mit der Reorganisation Mängel beseitigen. Die Verwaltung soll effektiver und effizienter werden. Weiterhin sollen kommunale Leistungen qualitativer und kundenorientierter erbracht werden.[28] Damit wird mit dem „TM“ und dem „NSM“ mehr Transparenz, Produktivität und Leistungsfähigkeit angestrebt.[29]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 : Ziele – Gemeinsamkeiten und Unterschiede [30]

Beiden Modellen liegt das Leitbild zugrunde, die Verwaltung von einer Behörde zum Dienstleistungsunternehmen bzw. „Konzernhaushalt“ umzustrukturieren.[31] Dies soll mit Hilfe von betriebswirtschaftlichen Methoden und Instrumenten aus der Privatwirtschaft gelingen. Die hierbei zum Einsatz kommenden Elemente weisen starke Ähnlichkeiten auf. Einige Maßnahmen sind lediglich zum Teil unter unterschiedlichen Oberbegriffen oder Gruppen zusammengefasst.[32]

Weiterhin bestehen bei den Elementen teilweise Abweichungen in Bezug auf die Priorisierung und Umsetzung. An dieser Stelle ist insbesondere die Personalpolitik zu nennen.[33] Zunächst ist die Personalpolitik in der Reformphase, sowohl in den NL als auch in D vernachlässigt worden. Trotz theoretischer Konzepte und Praxisvorbildern scheint es in diesem Bereich schwierig zu sein, Veränderungen durchzusetzen. Dies liegt daran, dass hierbei mehr als anderswo eine politische Führung gefordert ist, die Zeichen setzt und überzeugende Vorbilder schafft.[34] In Tilburg sind erst seit 2008 schwerpunktmäßig entwicklungsorientierte Maßnahmen der Personalpolitik eingeführt worden.[35] In der deutschen Kommunalverwaltung sind Veränderungen bei personalwirtschaftlichen Aktivitäten nur eingeschränkt festzustellen.[36]

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die NL im Rahmen des Personalmanagements eine strenge und konsequente persönliche Ergebnisverantwortung erwarten, sodass bei Nichterreichen von Zielvereinbarungen die oberste verantwortliche Ebene mit Konsequenzen bis hin zur Entlassung rechnen muss. Eine derartige Handlungsweise ist in D kaum denkbar und auch sicherlich aufgrund des weiterhin bestehenden Berufsbeamtentums schwierig umzusetzen. D ist aufgrund dessen weitaus unflexibler in seinem Agieren als die NL, welche die Beschäftigungsverhältnisse an den privaten Sektor angepasst haben.[37]

Mit einer entsprechenden Personalwirtschaft kann eine Veränderung der Organisationskultur herbeigeführt werden.[38] Der notwendige Wandel der Kultur in Politik und Verwaltung sowie deren laufende Fortentwicklung ist in den NL durch den Einsatz personeller Steuerungselemente positiv beeinflusst und letztlich besser umgesetzt worden als in D.[39]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 : Konzept – Gemeinsamkeiten und Unterschiede [40]

Nicht zuletzt besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen den Konzepten des „TM“ und des „NSM“ bezüglich des Geltungsbereiches der Modernisierungsbestrebungen. Bei dem Reformmodell der niederländischen Stadt Tilburg handelt es sich um ein spezielles Konzept für diese Gemeinde. Die KGSt hat ihr Reformmodell als Lösungsansatz für den gesamten deutschen Kommunalbereich, nach dem Motto „one size fits all“, empfohlen. Dies kann mitunter ein Grund dafür sein, dass die Umsetzung des „NSM“ in deutschen Kommunalverwaltungen nicht so erfolgreich ist wie des „TM“ in Tilburg, denn die Ziele sind für die individuellen Bedürfnisse zu allgemein und abstrakt.[41]

Dies weist bereits auf das unterschiedliche Resultat aus der Umsetzung der Modernisierung von Kommunalverwaltungen in D und in der niederländischen Stadt Tilburg hin – den Erfolg. Die Bilanz der beiden Länder ist von einer Vielzahl unterschiedlichen Faktoren abhängig, die sich fördernd bzw. hemmend auf das Ergebnis auswirken. Einige davon werden nachfolgend betrachtet.

In Tilburg kann von einer flächendeckenden und dauerhaften erfolgreichen Umsetzung des Reformkonzeptes gesprochen werden, da die Kommune alle Elemente des Konzeptes auf die gesamte Struktur der Stadtverwaltung angewendet hat. Dem gegenüber bevorzugen deutsche Kommunalverwaltungen eine experimentelle Herangehensweise, die sich oft nur auf einzelne Bestandteile des „NSM“ bezieht.[42] Aus dem Grad der Umsetzung des Konzeptes in der Verwaltungspraxis kann in Bezug auf das beschriebene Modell geschlossen werden, dass D eher reformresistent ist und die NL reformfreudiger sind. Dieses Verhalten wird jedoch auch durch allgemeine Rahmenbedingungen in den Ländern beeinflusst. Beispielsweise sind das Verwaltungssystem und die Verwaltungsstrukturen bedeutend. In D ist das System weiterhin weitestgehend bürokratisch geprägt, während sich in den NL eine Konzernstruktur u. a. durch Privatisierungen entwickelt hat. Durch eine geringere Anzahl an Verwaltungs- und Hierarchieebenen sind die Verwaltungswege in den NL kürzer als in D. Aus diesen Gründen können deutsche Kommunen nur langsam und weniger flexibel auf Veränderungen reagieren. Somit lässt sich eine Reform schwieriger durchsetzen.[43]

Daraus ergeben sich wiederum Mentalitätsunterschiede, die auch eine bedeutende Rolle für die Wirkung auf den Reformprozess der Verwaltung einnehmen. Die NL sind aufgeschlossen gegenüber Veränderungen und konsequent in deren Umsetzung. Das niederländische Verwaltungssystem ist gekennzeichnet durch „Kontinuität, Stabilität und Offenheit“.[44] Demzufolge wird für die NL eine Arbeitsweise als charakteristisch angesehen, die nicht von Anfang an auf die perfekte „Endlösung“ abzielt, da ansonsten der Anreiz für weitere Innovationen ausbleibt.[45] Im Gegensatz dazu steht D Neuerungen meist erst einmal skeptisch und zögernd gegenüber. Es muss vor der Einführung einer neuen Maßnahme zunächst alles durchgeplant und durchstrukturiert werden, nichts darf dem Zufall überlassen sein.[46] Die unterschiedliche Mentalität ist sicherlich ebenso ein Grund für die Dauer der Umsetzung des Reformprozesses. Während in den NL die Reorganisationsbeschlüsse zügig und innerhalb des Zeitplanes umgesetzt worden sind, ist die Reformbemühung in D eher schleppend und über einen langen Zeitraum verlaufen. Dies hängt gegebenenfalls damit zusammen, dass die Reorganisation entgegen der Empfehlung nicht in allen deutschen Kommunalverwaltungen als Projekt organisiert wird.[47]

Eine weitere, sich positiv auswirkende Voraussetzung liegt darin, dass in den NL Staat und Kommunen an einem Strang ziehen. Da die Kommunen in D grundsätzlich auf sich allein gestellt sind, verläuft der Modernisierungsprozess hier nicht so reibungslos.[48]

Dennoch haben beide Länder eine ähnliche Strategie dahingehend ausgewählt, dass die Elemente schrittweise, im Sinne eines Lernprozesses, in die Verwaltung eingeführt worden sind. Zudem sind die Reformträger der Auffassung, dass Meinungsführer aus Politik und Verwaltung von der Notwendigkeit des Veränderungsprozesses zu überzeugen sowie die gesamte Mitarbeiterschaft aktiv in den Prozess einzubinden und zu beteiligen sind. Dies ist wichtig für eine erfolgreiche Umsetzung. In D ist dies jedoch nicht stetig realisiert worden, oft sind Elemente des „NSM“ top-down und an der Politik vorbei eingeführt worden.[49]

[...]


[1] Vgl. Oschimansky (2010), „o. S.“; sowie KGSt (Hrsg.) (1992), S. 11 ff.

[2] Vgl. Schedler/Proeller (2011), S. 27 ff.

[3] Tilburg ist die sechstgrößte Stadt der NL mit über 200.000 Einwohnern (vgl. Statista GmbH (Hrsg.) (2014), „o. S.“).

[4] Vgl. Wolters (1994 a), S. 85; sowie KGSt (Hrsg.) (1992), S. 16 f., 23 f., 28 f.

[5] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 23 f., 31; sowie Kleinfeld/Heidemann/Treutler (1996), S. 198.

[6] In Anlehnung an KGSt (Hrsg.) (1992); ebenso Economia48 (Hrsg.) („o. J.“), „o. S“.

[7] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 42, 45; sowie Kleinfeld/Heidemann/Treutler (1996), S. 198.

[8] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 39, 144.

[9] Vgl. Budäus/Hilgers/Raupach (2014), S. 153; ebenso Banner (1991), S. 6-12.

[10] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1993), S. 13; ebenso Bogumil et al. (2007), S. 23.

[11] Vgl. Reichard (1996), S. 10, 20 f.

[12] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1993), S. 9 ff.; ebenso Reichard (1996), S. 14 ff.; ähnlich Budäus (1998), S. 11-32.

[13] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1993), S. 3, 7, 13; ebenso Reichard (1996), S. 22.

[14] Vgl. Budäus/Hilgers/Raupach (2014), S. 153; ebenso Springer Gabler Verlag (Hrsg.) („o. J.“), „o. S.“.

[15] Banner (2008), S. 448; anders Holtkamp (2008), S. 430.

[16] Vgl. Bogumil (2002), S. 53; sowie Hopp/Göbel (1999), S. 32-89; ähnlich Springer Gabler Verlag (Hrsg.) („o. J.“), „o. S.“.

[17] In Anlehnung an KGSt (Hrsg.) (1993); ebenso Bogumil et al. (2007), S. 23.

[18] KGSt (Hrsg.) (1993), S. 15.

[19] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1993), S. 19 f.

[20] Ebd., S. 35.

[21] Vgl. Bogumil et al. (2007), S. 40.

[22] Vgl. Kuhlmann (2006), S. 151.

[23] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1995), S. 24.

[24] Vgl. Holtkamp (2008) und Banner (2008).

[25] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 16 f., 23 f. sowie Reichard (1996), S. 10.

[26] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 15; ebenso KGSt (Hrsg.) (1993), S. 23.

[27] Eigene Darstellung.

[28] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 31; sowie KGSt (Hrsg.) (1993), S. 15.

[29] Vgl. Kroker (1996), S. 67.

[30] Eigene Darstellung.

[31] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 3.

[32] Vgl. Kroker (1996), S. 63.

[33] Vgl. Kleinfeld/Heidemann/Treutler (1996), S. 217.

[34] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 117, 119.

[35] Vgl. KGSt (Hrsg.) (2008), S. 6-12.

[36] Vgl. Bogumil et al. (2007), S. 61.

[37] Vgl. Demmke (2011), S. 328; sowie Wolters (1994 b), S. 289.

[38] Vgl. KGSt (Hrsg.) (2008), S. 9.

[39] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 11 ff.; sowie KGSt (Hrsg.) (2008), S. 9; sowie Jordan (2007), S. 25 f.

[40] Eigene Darstellung.

[41] Vgl. Kroker (1996), S. 60; sowie Jann (2011), S. 106.

[42] Vgl. Kleinfeld/Heidemann/Treutler (1996), S. 217; sowie KGSt (Hrsg.) (2007), S. 4, 61.

[43] Vgl. Kleinfeld/Heidemann/Treutler (1996), S. 195 f.; sowie Bogumil/Holtkamp (2006), S. 68 f.

[44] Vgl. Lademacher/Schleberger (Hrsg.) (2000), S. 38.

[45] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 47.

[46] Eigene Erfahrungen der Verfasserin im Rahmen ihrer Verwaltungstätigkeit.

[47] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1993), S. 28, 36.

[48] Vgl. KGSt (Hrsg.) (1992), S. 16; sowie Bogumil/Holtkamp (2006), S. 68.

[49] Vgl. Reichard (1996), S. 72; sowie Bogumil et al. (2007), S. 114 ff.

Details

Seiten
28
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668411197
ISBN (Buch)
9783668411203
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v355032
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Schlagworte
Tilburger Modell Neues Steuerungsmodell Verwaltungsvergleich KGSt Verwaltungsreform Niederlande Deutschland Gemeinsamkeiten Unterschiede Reformmodelle Vergleichskriterien

Autor

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    Jeanette Dahlman (Autor)

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