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Unterricht zum Thema Helfersyndrom

von Henrike Weber (Autor) Daniel Garbers (Autor)

Unterrichtsentwurf 2017 22 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Bedingungsanalyse

2. Sachanalyse

3. Bezug zum Bildungsplan

4. Didaktische Analyse nach Klafki
4.1 Strukturanalyse
4.2 Exemplarische Bedeutung
4.3 Gegenwartsbedeutung
4.4 Zukunftsbedeutung
4.5 Zugänglichkeit:

5. Makroanalyse

6. Zielsetzung
6.1 Kompetenzen
6.2 Lehrziel

7. Unterrichtsphasen
7.1 Einstieg
7.2 1. Erarbeitungsphase
7.3 1. Ergebnissicherung
7.4 2. Erarbeitung
7.5 2.Ergebnissicherung
7.6 3. Erarbeitung
7.7 3. Ergebnissicherung
7.8 4. Erarbeitung
7.9 4. Ergebnissicherung
7.10 Transfer
7.11 Stundenschluss

8. Unterrichtssequenz in tabellarischer Form

9. Anhang

10. Quellen

1. Bedingungsanalyse

Die in dieser Unterrichtseinheit zu unterrichtenden Schülerinnen und Schüler befinden sich in der Ausbildung zum examinierten Altenpfleger/in an einer Berufsfachschule für Altenpflege in Uelzen in Niedersachsen. Unterrichtseinheiten werden nach der Niveaustufe 3 des Niedersächsischen Rahmlehrplans für Altenpflegeberufe konzipiert

Die Klasse besteht aus 24 Personen: 20 Schülerinnen und vier Schüler im zweiten Ausbildungsjahr. Die Altersstreuung liegt zwischen 20 und 29 Jahren, wobei das große Mittelfeld in der unteren Streubreite anzutreffen ist. Die Schülerinnen und Schüler bringen als Voraussetzung für diese Ausbildung einen Realschulabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss mit. In der Klasse gibt es drei ausländische Schülerinnen: Zwei Polinnen und eine Türkin. Zwei Schüler aus dieser Klasse kommen aus einem sozialschwachen Umfeld - ihnen kann aber durch gezielte Hilfestellung und Einbezug in den Klassenverbund bislang mit Erfolg geholfen werden.

Das Klassenklima kennzeichnet sich durch ein freundliches, ausgewogenes, auf gegenseitiger Akzeptanz basierendes konstruktives Miteinander. Sprachbarrieren sind nicht vorhanden. Einige Schülerinnen fallen durch ihr Interesse und ihr motiviertes Verhalten positiv auf. Störungen des Unterrichts kommen recht selten vor.

Zu Beginn der Ausbildung haben Schülerinnen und Schüler mit der Lehrkraft einen Regelkatalog für einen guten Umgang miteinander entworfen, der gut eingehalten wird.

Die Schülerinnen und Schüler unterstützen sich gegenseitig bei Defiziten oder Verständnisproblemen. Dies konnte besonders in Gruppenarbeiten beobachtet werden. Die Sitzordnung der Klasse ist daher so gestaltet, dass die Schülerinnen und Schüler in sechs Lerngruppen an Vierer-Tischen zusammensitzen.

Der zeitliche Rahmen der Unterrichtssequenz umfasst 10 Stunden à 45 Minuten. Diese Stunden sind jeweils als Doppelstunden zusammengefasst. So entstehen fünf Sequenzen in denen je ein Thema des Lernfeldes behandelt wird.

Der beschriebenen Unterrichtseinheit Helfersyndrom gingen bereits Unterrichtssequenzen zum Thema Stress und Burnout voraus, die den Schülerinnen und Schülern als Hintergrundwissen dienen. Die Schülerinnen und Schüler wurden seit Beginn der Ausbildung kontinuierlich in diesem Lernfeld unterrichtet und weisen dadurch bereits Handlungs- und Methodenkompetenzen für psychische Problemstellungen aus dem Berufsalltag auf.

Die Räumlichkeiten der Berufsfachschule zeichnen sich durch modern eingerichtete, helle Klassenzimmer aus. Auch das Mobiliar und die Ausstattung sind neuwertig und tragen zu einem guten Lernklima bei. Die Lehrkraft hat eine breite Auswahl an Medien zur Verfügung. Jedes Klassenzimmer verfügt über Beamer, Leinwand, Tafel und Whiteboard. Des Weiteren kann die Lehrkraft auf Arbeitsmaterialien wie Stifte, Kreide, Plakate und Bastelmaterialien zurückgreifen. In einem gesonderten Raum findet die Lehrkraft ein umfangreiches Sortiment an Lehrbüchern und Unterrichtsmaterial vor. Auch ein PC-Raum mit Wlan ist im Schulgebäude vorhanden. Dieser steht Schülern und Lehrern zur Verfügung.

Zum Abschluss der Bedingungsanalyse sei angemerkt, dass die Lehrkraft durch ihr abgeschlossenes Studium zum Medizinpädagogen mit den Fachrichtungen Gesundheits- und Pflegewissenschaften über ein solides Fach- und Methodenwissen verfügt. Dies befähigt sie die Unterrichtseinheit zu planen, zu gestalten, zu unterrichten und zu reflektieren. Hintergrund dieser Unterrichtseinheit sind die Module Pflege-Didaktik, Pädagogische Psychologie, Bildungsmanagement und berufliche Didaktik.

2. Sachanalyse

Das erstmals 1977 von dem Psychiater Wolfgang Schmidbauer beschriebene Helfersyndrom ist eine für den Altenpflegeberuf wichtige und relevante Thematik. Die Wahl eines Helferberufs wie der der Altenpflegerin/ des Altenpflegers hängt oft mit altruistischen Motiven zusammen. Menschen in Helferberufen sind daher besonders gefährdet, ein Helfersyndrom zu entwickeln. Das Beschäftigen mit der Thematik kann dazu dienen, die eigenen Beweggründe zu reflektieren und zu hinterfragen. Des Weiteren kann die Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Unterrichtsgegenstand der gesundheitlichen Prävention der Auszubildenden dienen. Im Rahmen des Themas werden wichtige Fachbegriffe wie Solidarität, Altruismus und Reziprozität eingeführt und erläutert. Zu Beginn der Unterrichtseinheit wird das Thema zunächst über die allgemeine Begrifflichkeit „Helfen“ angebahnt. Über die Beschäftigung mit dem Thema Helfen findet dann eine didaktisch geplante Überleitung zum eigentlichen Inhalt statt.

Die Thematik Helfersyndrom umfasst neben Ursachen, Merkmalen und Ausprägungen auch das Ausmaß der Destruktivität für die Betroffenen und den Schaden, der den Schutzbefohlenen zugefügt wird.

3. Bezug zum Bildungsplan

Lernfeld „Altenpflege als Beruf“ -> darunter gegliedert Lernfeld „Altenpflege als Beruf ausüben“

Fasst die Lernfelder

- Berufliches Selbstverständnis entwickeln
- Mit Krisen und schwierigen sozialen Situationen umgehen
- Die eigene Gesundheit erhalten und fördern

der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für den Beruf der Altenpflegerin und des

Altenpflegers zusammen.

Zeitumfang: 240 Stunden

Ziele: Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich persönliche und berufsrelevante

Schwerpunkte für ihre praktische Tätigkeit in den Einrichtungen. Diese setzen

sie im Rahmen der praktischen Ausbildung um. Sie setzen sich mit der Entwicklung

des Berufes auseinander und schätzen die Bedeutung der Entstehung der Berufsgesetze ein. Daraus entwickeln sie ihre zukünftige Berufsrolle.

Sie stärken alte Menschen in ihrer Eigentätigkeit und begleiten sie in ihren Interaktionsprozessen. Sie setzen angemessen Grenzen und unterstützen die alten Menschen entsprechend ihrem individuellen Gesundheitszustand bei der Bearbeitung von Konflikten. Sie handeln situationsgerecht, authentisch und an ethischen Maßstäben orientiert auch in Krisen und schwierigen sozialen Situationen.

Dabei evaluieren sie kontinuierlich die Wirkung und Bedeutung der eigenen Persönlichkeit in der Arbeit mit alten Menschen und im Team. Berufsspezifischen Stress- und Belastungssituationen begegnen die Schülerinnen und Schüler, indem sie Maßnahmen zur Prävention und Bewältigung rechtzeitig anwenden. Auf dieser Grundlage entwickeln sie eine Balance zwischen persönlicher Zufriedenheit und angemessenem beruflichen Verhalten.

Inhalte u.a.:

Ethische Herausforderungen der Altenpflege*

- Grundrechte
- Menschenwürde
- Selbstbestimmung
- Reflexion der beruflichen Rolle und des eigenen Handelns*
- Sozialisation, Motive der Berufswahl, existenzielle Erfahrungen
- Reflexion der eigenen Lebensgeschichte

Berufstypische Konflikte und Befindlichkeiten*, u. a.:

- Helferrolle / -syndrom
- Belastungen auf Grund von Rahmenbedingungen: Arbeitszeiten, Mitarbeitergruppe, räumliche Bedingungen, personelle Ressourcen
- Berührung, Ekel, Scham
- Grenzerfahrungen
- Burnout
- Mobbing

(Rahmenrichtlinien Altenpflege, Niedersachsen, 2017)

4. Didaktische Analyse nach Klafki

4.1 Strukturanalyse

Folgende Strukturen weist das Thema Helfersyndrom bei Sichtung der Inhalte bereits auf: Es gibt eine beschreibende Definition des Begriffs Helfersyndrom und eine Tabelle mit der Unterscheidung solidarische und pathogene Hilfe. Im Zusammenhang mit dem Thema Helfen und Helfersyndrom können folgende Fachbegriffe einbezogen werden: „Altruismus“, „Reziprozität“, „Solidarität“. Die Aspekte des Helfersyndroms untergliedern sich weiterhin in Nutzen, Schaden, Merkmale, Ursachen, Ausprägungen und Prävention.

Diese bereits vorhandenen Strukturen werden für die Unterrichtsplanung aufgegriffen und mit Inszenierungen wie Storys und Bildmaterial umgesetzt. Der Unterricht als solcher wird zusätzlich durch die einzelnen aufeinander aufbauenden Unterrichtsphasen strukturiert.

4.2 Exemplarische Bedeutung

Die Reflexion des pflegerischen Handelns in der beruflichen Anforderungssituation in Bezug auf die Problemstellung Helfersyndrom steht exemplarisch für das Reflektieren des eigenen Handelns in anderen beruflichen Kontexten. Somit lernen die Schülerinnen und Schüler ihr berufliches Handeln zu hinterfragen und gegebenenfalls ins Positive zu regulieren. Die Fähigkeit das eigene Handeln kritisch zu reflektieren, lässt sich nicht nur auf berufliche Kontexte übertragen. Vielmehr können die Schülerinnen und Schüler durch die im vorliegenden Unterricht erworbenen Kompetenzen auch private Problemstellungen in Bezug auf ihr eigenes Handeln besser reflektieren und zuordnen.

4.3 Gegenwartsbedeutung

Vor dem Hintergrund der steigenden beruflichen Anforderungen, insbesondere in der Pflege – ist es von äußerster Wichtigkeit eigene Intentionen zu identifizieren und die daraus resultierenden Handlungen unter Berücksichtigung salutogenetischer Ausrichtung umzusetzen. Ausschlaggebend hierfür sind Personalengpässe, Krankheitskompensation, Aufgabenverdichtung und der damit verbundene Distress. Des Weiteren geht es darum, Grenzen der Hilfsbereitschaft in dem gewählten Helferberuf aufzuzeigen. Pflegekräfte wollen anderen Menschen helfen, dürfen sich selbst dabei aber nicht vergessen.

4.4 Zukunftsbedeutung

Um im beruflichen Alltag psychisch und physisch gesund zu bleiben und unbewussten pathogenen Verhaltensmustern entgegen zu wirken, ist der Unterrichtsinhalt zum Thema Helfersyndrom obligat. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema dient aber nicht nur der Gesunderhaltung, sondern letztlich auch der Burnout Prävention.

4.5 Zugänglichkeit:

Das im Einstieg verwendete Bild, als gewähltes didaktisches Instrument, dient einerseits der thematischen und emotionalen Zugänglichkeit - anderseits bietet des durch provokative Attribute eine Grundlage zur Diskussion.

Im weiteren Verlauf des Einstiegs wurden aus Gründen der didaktischen Reduktion nur die wesentlichen themenbezogenen Fachbegriffe erörtert.

Es wurde ein Comic als didaktisches Mittel gewählt, weil es zum einen anschaulich und zum anderen praxisnah gestaltet ist. Die Schülerinnen und Schüler haben durch den Comic einen emotionalen Zugang, durch den sie sich in dem Beispiel wiederfinden und sich mit dem Kontext identifizieren können.

Die komplexe Thematik Helfersyndrom wurde durch Unterscheidungsmerkmale in Tabellenform auf ein übersichtliches und gut verständliches Maß reduziert.

Kleine selbst zu bearbeitende Fallbeispiele ermöglichen nicht nur den Zugang auf emotionaler Ebene, sondern schaffen die Basis für die Unterscheidung der solidarischen und der pathogenen Hilfe.

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668412774
ISBN (Buch)
9783668412781
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354938
Institution / Hochschule
Medical School Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Helfersyndrom Altenpflegeausbildung

Autoren

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Titel: Unterricht zum Thema Helfersyndrom