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Repräsentieren die Medien Stereotypen und Vorurteile? Nationale und internationale Berichterstattung über den Islam

Hausarbeit 2016 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Definitionen von Stereotyp und Vorurteil

2 Islam in internationalen und nationalen Medien
2.1 ARD und ZDF
2.2 Al Jazeera English und BBC World

3 Fazit

4 Literatur

Einleitung

Medien sind die primäre Informationsquelle, die uns anhand von Print- medien, Internet, Radio oder den Fernseher darüber informieren, was sich auf der Welt ereignet. Durch sie können Menschen aber auch manipuliert werden, weil mediale Darstellungen häufig nicht soziokulturellen Realitäten entsprechen (Vgl. Lüsebrink 2008, S.120). Unsere Wahrnehmung wird durch sie strukturiert, wodurch wir Stereotype und Vorurteile aufbauen, die eine negative Haltung gegenüber bestimmten sozialen Gruppen begünsti- gen. In dieser Arbeit soll diese Dynamik an der Darstellung von Muslimen in den Medien analysiert werden. Es ist festzuhalten, dass die politischen Entwicklungen der letzten zehn Jahre maßgeblich die Wahrnehmung von Muslimenws beeinflusst hat. Jedoch werden diese in der vorliegenden Ar- beit nicht weiter vertieft, da die Bearbeitung an dieser Stelle zu weit führen würde. Die Ambivalenz gegenüber dem muslimischen Glauben hat sich seit dem 11.09.2001 (Anschlag auf das World Trade Center) in Deutschland er- heblich vergrößert (Vgl. Schiffer 2005, S. 24). Ein Großteil der Bevölkerung hat Angst vor dem Islam und assoziiert Gefahr und Bedrohung mit ihm. Der Islam ist die zweitgrößte Religion auf der Welt und somit sind viele Men- schen von Vorurteilen betroffen. Da Medien so viel Einfluss auf Menschen ausüben, ist es Ziel dieser Arbeit herauszuarbeiten, inwieweit nationale und internationale Medien Stereotype und Vorurteile repräsentieren oder schaf- fen. Durch die Medien werden Stereotypen in unserer Gesellschaft erhal- ten, indem sie immer wieder zum Thema gemacht werden und somit in den Gedächtnissen fest verankert werden (Vgl. Allport 1971, S. 208). In der vor- liegenden Hausarbeit möchte ich den Fokus bezüglich der Medien auf Fernsehberichterstattungen legen. Dies liegt zum einen daran, dass das Fernsehen in vielen Ländern intensiver und häufiger als andere Medien ge- nutzt wird (Vgl. Gerhards et. al. 2011, S. 44). Zum anderen wird das Fern- sehen immer mehr als Informationsquelle genutzt (Vgl. Zubayr & Geese 2012, S. 329). Interessant ist es auch zu wissen, ob es Unterschiede in der Darstellung des Islams zwischen nationalen und internationalen Fernseh- sendern gibt.

Die Diskussion und die Reflexion über das mediale Islambild ist eine unab- dingbare Basis für den Gesellschaftsfrieden (Vgl. Hafez & Richter 2007, S. 2).

1 Definitionen von Stereotyp und Vorurteil

Im medialen Diskurs über den Islam werden die Begriffe Stereotyp, Stigma (Goffmann), Rassismus (Mecheril) und Vorurteil oft verwendet, was eine klare definitorische Abgrenzung notwendig macht. Der Begriff Rassismus wird nicht weiter ausgeführt, da der Islam keine Rasse ist. Auch auf den Begriff Stigma wird nicht weiter eingegangen, da er einer ausführlichen Ein- bettung in die Stigmatheorie bedarf, deren Ausführung an dieser Stelle zu weit führen würde. So wird in der vorliegenden Arbeit der Fokus auf die Be- griffe Stereotyp und Vorurteil gesetzt. In unserem heutigen Sprachgebrauch werden die Begriffe Stereotyp und Vorurteil oft synonym verwendet (Vgl. Thiele 2015, S. 30). Dies ist jedoch nicht korrekt, da beide Begriffe unter- schiedliche Bedeutungen haben.

Lippmann beschreibt Stereotype als „Bilder in unseren Köpfen“ (Lippmann 1945/1922, S.3). Sie sind Überzeugungen, die sich auf Kategorien stützen (Vgl. Allport 1971, S.200). Durch sie kann man Informationen vereinfachen, verallgemeinern und kategorisieren. Sie sind feste Vorstellungen und Mei- nungen über positive oder negative Eigenschaften, die Menschen in einer sozialen Gruppe zugeschrieben werden (Vgl. Thiele 2015, S.30). Hierbei liegt der Fokus in den meisten Fällen auf einer negativen Assoziation, vor allem dann, wenn Stereotype sich auf die Fremdgruppe (Outgroup) richten (Vgl. Thiele, S. 2). Meistens liegt bei einem Stereotyp ein relativer Wahr- heitsgehalt vor, welcher aber überverallgemeinert wird (Vgl. Lüsebrink 2008, S. 89). Durch die beschriebene Überverallgemeinerung in eine sozia- le Kategorie werden den Mitgliedern einer Gruppe bestimmte Charakterzü- ge, Eigenschaften und Motive zugeschrieben, die den Verlust spezifischer Informationen über die einzelnen Mitglieder hervorrufen (Vgl. Petersen & Six-Materna 2006, S. 431). Stereotype lösen kategorisierbare Erwartungen im Empfänger aus, die mit einer Übergeneralisierung verknüpft sind und folglich im Einzelfall zu (negativen) Urteilen führen (Vgl. Petersen & SixMaterna 2006, S. 434). Quasthoff definiert den Begriff als

[…] verbale(n) Ausdruck einer auf sozialen Gruppen oder einzelne Personen als deren Mitglieder gerichtete Überzeugung. Es hat die logische Form eines Urteils, das in ungerechtfertigt vereinfachender und generalisierender Weise, mit emotional wertender Tendenz, einer Klasse von Personen bestimmte Eigeschaften oder Verhaltensweisen zu- oder abspricht […] (Lüsebrink 2008, S. 90).

Bei einem Vorurteil liegt der Fokus noch deutlicher auf der emotionalen Komponente (Vgl. Thiele 2015, S. 1). Sozialpsychologisch wird Vorurteil als „[…] negative Bewertung von (Gruppen-)Mitgliedern und die damit einher- gehenden negativen Gefühle und Verhaltenstendenzen[…]“ (Otten 2006, S. 437) definiert. Brown jedoch merkt an, dass man Vorurteile nicht auf negati- ve Gefühle beschränken sollte, da es auch übergeneralisierte Verknüpfung positiver Gefühle mit spezifischen Gruppen gibt (Vgl. Brown 1995, S. 7). Vorurteile können also sowohl negativ als auch positiv sein. Genauso kön- nen sie sich explizit als auch implizit äußern. Bei einem Vorurteil wird in der Regel von einer Gruppe, der man bestimmte Eigenschaften zuschreibt, un- begründet auf die Einzelperson, die sich eventuell nicht mit diesen Eigen- schaften identifizieren kann, geschlossen (Vgl. Allport 1971, S. 21). Eine Definition, die all diese Punkte berücksichtigt, sieht so aus:

Ein ethisches Vorurteil ist eine Antipathie, die sich auf eine fehlerhafte und starre Verallgemeinerung gründet. Sie kann ausgedrückt oder auch nur gefühlt werden. Sie kann sich gegen eine Gruppe als ganze richten oder gegen ein Individuum, weil es Mitglied einer solchen Gruppe ist (Allport 1971, S. 23).

Überträgt man diese Definition auf den Islam, lässt sich festhalten, dass in der Gesellschaft im Zusammenhang mit dem Islam weit verbreitete Vorurteile existieren. Diese können bis zu einer aggressiven Ablehnung gegenüber Angehörige des Islams reichen.

Anhand der Definitionen der Begriffe Stereotyp und Vorurteil zeigt sich, dass diese nicht eindeutig zu trennen sind. Sie stützen sich beide auf Kate- gorisierungen und sind sowohl mit positiven als auch mit negativen Eigen- schaften verknüpft. Was jedoch einen Unterschied macht, ist die Tatsache, dass Stereotypen mit Wahrnehmungs- und Denkprozessen assoziiert wer- den, während bei Vorurteilen emotionale und bewertende Prozesse zusätz- lich miteinbezogen werden (Vgl. Thiele 2015, S. 35f.). Daraus resultiert, dass Stereotype die Basis der Vorurteile bilden.

Insgesamt kann gesagt werden, dass der Mensch eine Tendenz zum Vorur- teil hat. Diese ist die Folge dessen, dass der Mensch prinzipiell zu Katego- risierungen, Verallgemeinerungen und Vereinfachungen neigt (Vgl. Allport 1971, S. 41). Bei Stereotypen ist ebenfalls die Ordnungsfunktion erkennbar, die dazu dient komplexe Informationen zu reduzieren und zu ordnen (Vgl. Lüsebrink 2008, S. 90). Grundsätzlich ist dieser Prozess nicht verwerflich, sofern eine Reflektion stattfindet und keine irrationalen Kategorien gebildet werden.

2 Islam in internationalen und nationalen Medien

Medien als primäre Informationsquelle spielen eine entscheidende Rolle bei der Konstruktion und Vermittlung von Vorurteilen und Stereotypen. Je un- zugänglicher die Themen für den Großteil der Gesellschaft sind, desto hö- her ist der Einfluss der Medien. Einerseits erfahren wir durch sie Ereignisse, die wir nicht miterleben, andererseits wird unsere Wahrnehmung während- dessen von ihnen strukturiert, wodurch verzerrte Vorstellungen entstehen (Vgl. Schiffer 2005, S. 23). Dabei stehen den Medienschaffenden bestimm- te Techniken der Medienberichterstattung zur Verfügung. Diese Techniken lassen Stereotype und Vorurteile aufkommen und können diese sogar ver- stärken.

Schiffer benennt verschiedene Techniken durch welche verzerrte Vorstel- lungen begünstigt werden können (Vgl. Schiffer 2005, S. 24). Eine der Techniken ist das Zeigen und das Ausblenden. Hier wird bewusst auf spezi- fische Themen eingegangen, während andere Themen gezielt ausgeblen- det werden. Durch die Technik des Zeigens und Ausblendens wird unsere Wahrnehmung der Medienberichterstattung enorm geformt.Teilweise wer- den auch ergänzende Informationen weggelassen, die für das Sachver- haltsverständnis relevant sind (Vgl. Schiffer 2005, S. 25). Diese werden nicht zur Hauptsendezeit mit den höchsten Einschaltquoten gezeigt, son- dern erst spät ab 23 Uhr (Vgl. Schiffer 2005, S. 28). Zu dieser Uhrzeit ist die Medienresonanz jedoch deutlich geringer.

Auch aufgrund marketing- und absatzstrategischen Faktoren, ist es für die Medien sinnvoller einer krisenorientierten Berichterstattung gemäß dem Leitbild „ only bad news are good news “ (Schiffer 2005, S. 25) nachzugehen. Diese Technik nennt man Framing (Vgl. Schiffer 2005, S. 25). Das Augen- merk liegt darauf, viel zu pauschalisieren und wenig zu differenzieren. Als Beispiel dient die durch die Medien dargestellte vermeintlich homogene Gruppe der Muslime, die grundsätzlich nicht existiert. Dadurch verbleibt meistens eine notwendige differenziertere Darstellung (Vgl. Schiffer 2005, S. 25).

Des Weiteren gibt es die Technik „Symbole statt Information“ (Schiffer 2005, S. 25).

So werden beispielsweise die Burka und das Kopftuch oft als Symbol für „den“ Islam verwendet. Auch aktuell gibt es viele Kopftuch- und Burka- Diskussionen. Die Assoziation von Kopftuch und Islamismus ist ebenfalls vielen bekannt. Da aber oft die Religion Islam und der Islamismus, welcher eine fundamentalistische Ideologie darstellt, synonym verwendet werden, kommt es zu Problemen (Vgl. Schiffer 2005, S. 25). Das Kopftuch gilt aus Sicht vieler „Westlichen“ als Symbol der Unterdrückung. Dabei bleibt die Religions- und Kleidungsfreiheit, die von dem Grundgesetz geschützt wird, oft unbeachtet (Vgl. Schiffer 2005, S. 26). Auch, dass das Kopftuch auf eine kulturelle statt eine religiöse Komponente zurückzuführen ist, bleibt meist im Hintergrund. In dem Zusammenhang ist es auffällig, dass über erfolgreiche Muslima berichtet wird, die meist kein Kopftuch tragen. Durch Symbole statt Information in Form des Kopftuchs wird das Stereotyp „Islam ist Fremdheit“ (Schiffer 2005, S. 26) und die damit verbundene Angst vor dieser Fremdheit verstärkt. Daraus resultiert oft, dass sich Muslimas unverstanden und abge- lehnt fühlen, was ein Hindernis für eine Integration und die Zufriedenheit ist (Vgl. Schiffer 2005, S. 26).

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Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668410169
ISBN (Buch)
9783668410176
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354921
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
Stereotypen Vorurteile Islam Medienrezeption Berichterstattung

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