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Grundlagen der Schulpädagogik. Objektive Hermeneutik und Professionelles Lehrerhandeln

Projektarbeit 2015 8 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhalt

Einführung in die Fallarbeit

Professionelles Lehrerhandeln

Antinomien im Lehrerhandeln + Abschlussreflexion

Literaturverzeichnis

Einführung in die Fallarbeit (06.05.2015)

Die fünf Prinzipien der objektiv hermeneutischen Textinterpretation:

1. Kontextfreiheit: „Kontextunabhängige Bedeutungsexplikation“ (Wernet 2008, S.90) bevor Aspekte des Kontexts in die Interpretation mit einbezogen werden (vgl. Wernet 2008, S.90).
2. Wörtlichkeit: Bezug auf das tatsächlich Geschriebene und was damit ausgesagt wird. Das potenziell zur Aussage gebrachte ist eben nicht relevant (vgl. Wernet 2008, S.90).
3. Sequenzialität: Einzelne Sequenzen (Textabschnitte) werden interpretiert und anschließend als eine „gedankenexperimentelle Fortschreibung“ (Wernet 2008, S.90) expliziert. Zudem wird die interpretierte Sequenzposition im Bezug zu bereits interpretierten Texten gesetzt, weshalb eine Orientierung am Textprotokoll zu empfehlen ist (vgl. ebd., S.90).
4. Extensivität: Alle Textelemente sind gleichermaßen relevant und müssen dementsprechend vollständig und genau untersucht bzw. auf alle möglichen Sinnhaftigkeiten geprüft werden (vgl. Wernet 2008, S.91).
5. Sparsamkeit: Bei der Beachtung der vorangegangenen Prinzipien ist jedoch zu berücksichtigen, voreilige und unvernünftige Textbedeutungen und Fallstrukturen nicht mit einzubeziehen. Insbesondere jene, die eine Außergewöhnlichkeit der Situation voraussetzen (vgl. ebd., S.91).

„Das gedankenexperimentelle Vorgehen“ (Wernet 2008, S.92) / der Interpretatorische Dreischritt (vgl. Wernet 2008, S.92). Eine Beschreibung der sequentiellen Interpretation: Die sequentielle Interpretation untersucht einen bestimmten Textabschnitt genauer. Es wird der Text zuerst ohne Berücksichtigung des Kontexts wortgenau, extensiv und dennoch sparsam analysiert (vgl. Wernet 2008, S.90f.) Nun „werden Geschichten erzählt, in denen der Text eine wohlgeformte Äußerung darstellen würde“ (Wernet 2008, S.92) d.h. es werden mögliche Szenarien zum Kontext des Textes entworfen. Diese Szenarien werden je nach Typ in Gruppen eingeteilt und anschließend werden daraus die möglichen Lesarten des Textes festgelegt (vgl. Wernet 2008, S.92). Im letzten Schritt kommt es zur Gegenüberstellung der Bedeutungen der Geschichten mit der Bedeutung des tatsächlichen Kontext sowie der Aussageintentionen des Textes (vgl. ebd., S.92).

Professionelles Lehrerhandeln (01.07.2015)

„Professionalität im Lehrerberuf [ist] ein berufsbiographisches Entwicklungsproblem [bei dem] Lehrerinnen und Lehrer wesentliche Kompetenzen, die sie zur Ausübung ihres Berufs benötigen, nicht in der Erstausbildung lernen (müssen), sondern dass der Beruf selbst die dazu notwendigen Gelegenheiten und Entwicklungschancen bereithält.“ (Hericks/Keller-Schneider zit. nach Terhart 2001, S. 56)

Innerhalb der „ pädagogischen Professionsforschung “ (Hericks/Keller-Schneider 2012, S. 42) werden drei Ansätze zur Klassifizierung der Entwicklung im Lehrberuf unterschieden. Der „ strukturtheoretische Ansatz interessiert sich für die typischen, originären Handlungsanforderungen des Lehrerberufs, die diesen von anderen anspruchsvollen Berufen absetzen“ (Hericks/Keller-Schneider zit. nach Helsper 2011). Dabei wird dem Lehrerhandeln im Bezug auf den Eingriff in die persönliche Integrität der ihnen anvertrauten Lernenden eine hohe Relevanz zugeschrieben (vgl. Hericks/Keller-Schneider 2012, S. 42). „Die zur Bewältigung [eben dieser] beruflichen Anforderungen erforderlichen Kompetenzen und Ressourcen“ (Hericks/Keller-Schneider zit. nach Krauss 2011) werden im „ kompetenzorientierte [n] Ansatz “ (Hericks/Keller-Schneider zit. nach Krauss 2011) genauer beschrieben. Sodass sich schließlich die Bildungsgangforschung als dritter Ansatz mit der Frage auseinandersetzt, wie es im Verlauf der berufsbiographischen Entwicklung zum Erwerb dieser Kompetenzen kommt (vgl. Hericks/Keller-Schneider 2012, S. 43).

Im Zuge der Professionalisierung im Lehrerberuf gibt es die Notwendigkeit einer stetigen aktiven Auseinandersetzung mit folgenden vier Entwicklungsaufgaben (vgl. Hericks/Keller-Schneider 2012, S. 43f.):

In der Rollenfindung wird die Entwicklung einer professionellen Identität als Vertreter der Institution Schule und als verbindliches Gegenüber für alle relevanten Mitakteure gesehen. Die Vermittlung als Entwicklungsaufgabe beschreibt die Herstellung der Verbindung zwischen Lerngegenstand und Lernenden und eine Anpassung der fachlichen Anforderung an Lernprozess der Schüler. Dafür Notwendig ist die Entwicklungsaufgabe der Anerkennung, welche sich auf die Einschätzung, Wertschätzung und Lenkung der Schüler bezieht. Sodass die Entwicklungsaufgabe Kooperation als Vierte und Letzte eine Entwicklung der Mitgliedschaft zum Kollegium, sowie ein aktives Auseinandersetzen mit Schule als Institution und dieser als wahrzunehmende und zu gestaltende Ressource und Begrenzung fordert (vgl. Hericks/Keller-Schneider 2012, S. 43f.).

Antinomien im Lehrerhandeln + Abschlussreflexion (15.07.2015)

a) Es werden elf grundlegende Antinomien im Lehrerhandeln genannt:

1. Begründungsantinomien: Entscheidungen müssen unter immer größerem Zeit- und Handlungsdruck getroffen werden, müssen aber dennoch legitim und wissenschaftlich begründbar sein (vgl. Helsper 2004, S.70f.)
2. Praxisantinomien: Theoretisches Wissen ist nicht einfach in die Praxis übertrag- und umsetzbar, jedoch für die Ausübung der Praxis erforderlich (vgl. Helsper 2004, S.71f.)
3. Subsumtionsantinomien: Es besteht stets die Gefahr bei unzulässiger Typisierung dem Einzelfall nicht gerecht zu werden. Es gilt der Routine mit Skepsis zu begegnen, da eine durch Routine bedingte Fehlerhaftigkeit jederzeit auftreten kann (vgl. Helsper 2004, S.72f.).
4. Ungewissheitsantinomien: Das bestehende Vermittlungsversprechen ist aufgrund der strukturellen Ungewissheit nicht gesichert. Hier ist professionelles Lehrerhandeln nicht beeinflussbarer Faktoren besonders fehleranfällig (vgl. Helsper 2004, S.73f.).
5. Symmetrie- bzw. Machantinomien: Der Professionelle ist in einer dominanten, überlegenen Position. Diese Asymmetrie gründet auf die Differenzen an Kompetenz, Wissen und Status. Das Herstellen einer Symmetrie zum Vermitteln von Problemlösungsansätzen ist jedoch eine Notwendigkeit (vgl. Helsper 2004, S.74f.).
6. Vertrauensantinomien: Zur erfolgreichen Interaktion muss eine Vertrauensbasis bestehen, welche vor allem zu Beginn erst unterstellt wird. Hierbei sollte der Lehrende in der ranghöheren Position einen Vertrauensvorschuss durch schrittweise stattfindenden Verzicht auf Kontrolle leisten, wobei hier die Gefahr eines Vertrauensmissbrauchs besteht (vgl. Helsper 2004, S.75f.)
7. Näheantinomien: Spannung zwischen Nähe und Distanz zum Lernenden (vgl. Helsper 2004, S.77f.).
8. Sachantinomien: Wissenschaftliches Wissen welches es im Rahmen des Lehrplans zu vermitteln gilt, kann im Konflikt mit Alltagswissen und subjektiven Ansichten der Schüler stehen (vgl. Helsper 2004, S.78f.).
9. Organisationsantinomien: Formale Organisationsstrukturen und Verhaltensweisen stehen der Notwendigkeit von Emergenz, Kreativität und Offenheit des Lehrerhandelns gegenüber (vgl. Helsper 2004, S.79-82.).
10. Differenzierungsantinomien: Trotz des Anspruchs der homogenisierten Gleichbehandlung der Schüler gilt es die Lernenden individuell zu fördern (vgl. Helsper 2004, S.82f.).
11. Autonomieantinomien: Abnehmende Heteronomie auf Seiten der Schüler fordert stets neues Ausbalancieren zwischen Ihnen zugeschriebener Autonomie und Heteronomie durch den Lehrenden, sodass es nicht zur Überforderung der Lernenden kommt (vgl. Helsper 2004, S.83.).

In dem gegeben Fallbeispiel steht die Lehrperson offensichtlich zwischen mehreren Positionen der Schüler. Auf der einen Seite ist der Schüler Ibrahim, der sich fordernd darüber äußert, dass ihm die gestellten Aufgaben und der Lernstoff zu langweilig sind und er sich gerne mehr anspruchsvollen Aufgaben stellen würde. Auf der anderen Seite bekundet die Schülerin Barbara lautstark und provokativ, dass sie mit dem Lösen der Aufgaben überfordert ist. Sie stellt das gegebene Unterrichtsthema in Frage. Schließlich gibt es noch den Schüler Linus, der stellvertretend für den Teil der Klasse steht, die sich eher passiv verhalten, aber dennoch Unterstützung zum Lösen der Aufgaben zu benötigen scheinen. In dieser Situation ist der Lehrer stark gefordert. Eine Herausforderung stellt die Auswahl der Aufgaben dar, sodass die einen Schüler nicht maßlos überfordert sind und es trotzdem ein gewisses Aufgabenniveau gibt, sodass der stärkere Schüler nicht unterfordert ist und sich langweilt. Hier könnte eine differenzierte Aufgabenzuweisung hilfreich sein. Desweiteren wird die Aufmerksamkeit der Lehrperson durch die Schüler beansprucht. Die laute Schülerin fordert eine direkte Auseinandersetzung, während andere Schüler eher zurückgezogen sind und dennoch Hilfe benötigen. Das ist dem Lehrer bewusst, sodass er sich auch diesen Schülern einen Moment widmen kann, bis die Partnerarbeit von weitern Hilfsgesuchen wieder unterbrochen wird.

b) 1. Inhaltlich hat mir das Seminar sehr deutlich gemacht, welche Herausforderung der Lehrberuf an jede einzelne Lehrperson stellt. Es gibt ständig potenziell folgenreiche Entscheidungen zu treffen, was meistens unter einem gewissen Zeitdruck geschieht. Dennoch sollten diese Entscheidungen wohl begründet sein, idealerweise auf wissenschaftliches Wissen gestützt. Dies ist nur eine der etlichen Antinomien im Lehrerhandeln mit denen wir uns auseinander gesetzt haben. Diese aufkommenden Spannungen machen den Beruf eben auch sehr spannend und vielfältig. So gibt es keinen vorgeschriebenen Handlungskatalog zur perfekten Ausübung der Lehrertätigkeit, sondern es gilt stets die Spezifität des Falles zu berücksichtigen, wenn es darum geht als Lehrender unter etlichen Handlungsoptionen zu wählen um schließlich korrekt zu Handeln. Dies gelingt mithilfe von Kompetenzen die man nicht nur in der Lehrerausbildung, sondern im Laufe des ganzen Lebens erwirbt und ausbaut. Aus meiner Sicht eine der wichtigsten Aufgaben für uns selbst als Lehrer. Aber auch unseren Schülern gegenüber gilt es den Anstoß zum Erwerb gewisser Kompetenzen zu setzen und diese im Weiteren dabei zu unterstützen. Im Verlaufe meines Studiums, würde ich mich gerne mit den psychologischen Aspekten von dem Erwerb und der Anwendung solcher Kompetenzen bei Lehrenden und Lernenden auseinandersetzen.

2. Ziel unserer Sitzungsgestaltung war das Vermitteln der Vorstellung von einer professionellen Lehrperson und wie man zu eben solcher wird. Ich denke diese Vorstellung von professionellem Lehrerhandeln konnten wir inhaltlich theoretisch gut vermitteln. Im Paxisbeispiel (Fallbeispiel) hätte möglicherweise eine andere Gruppenaufteilung in mehrere kleinere Einzelgruppen für die Beteiligten mehr Sinn gemacht. Durch die große Gruppenkonstellation konnten einige fast unbeteiligt an der Gruppenarbeit teilnehmen, sodass der gewünschte Theorie-Praxis-Bezug möglicherweise nicht hergestellt wurde.

3. Als eine meiner größten Stärken und Kompetenzen, sehe ich sicherlich mein soziales Interaktionsvermögen. Im Bezug auf Kinder und Jugendliche gelingt es mir sehr gut Zusammenhänge logisch und argumentativ so darzustellen, dass diese leicht verstanden werden können. Hier sehe ich den Bezug zu den Entwicklungsaufgaben der Anerkennung und Vermittlung, welche zueinander in einer Wechselwirkung stehen. Im Bezug auf die Vermittlung sehe ich großes Entwicklungspotenzial, denn mein persönlicher Umfang an wissenschaftlich fundierter Expertise ist stets erweiterbar und noch lange nicht ausgeschöpft.

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Details

Seiten
8
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668410886
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354827
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Schule Pädagogik Erziehung Lehrer Schüler Handeln Profession Antinomien Unterricht Hermeneutik

Autor

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