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Online-Umfragen als Werkzeuge der Sozial- und Marktforschung

Studienarbeit 2017 20 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Anwendungsbeispiel: Bundestagswahlen

3 Grundlagen
3.1 Aspekte einer Befragung
3.2 Online-Umfrage

4 Erstellung der Umfrage

5 Möglichkeiten zur Auswertung der Umfrage

6 Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteil der Internetnutzer in Deutschland

Abbildung 2: Methoden der Datenerhebung

Abbildung 3: Beispiel Auswertung „Aktueller Stand“

Abbildung 4: Beispiel Auswertung „Zeitlicher Verlauf“

1 Einleitung

Die Befragung ist die am häufigsten verwendete Methode bei Sozial- und Marktforschungen.[1] Mit der stetigen Zunahme der Anzahl der Haushalte mit Internet werden auch verstärkt Online-Befragungen eingesetzt. Die Anzahl der Haushalte mit Internet hat sich seit 2001 von 37% auf 79% erhöht.[2] Damit ist eine kritische Masse erreicht worden. Denn durch die starke Verbreitung sowie homogene Verteilung der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung können nun zuverlässig repräsentative Stichproben ermittelt werden.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteil der Internetnutzer in Deutschland[4]

Durch die Wandlung der Gesellschaft gewinnt die Methode der Online-Befragung an Bedeutung. Die Gesellschaft interagiert verstärkt im Internet zum Beispiel mittels sozialer Medien. Allein die Anzahl der Minuten, die ein Internetnutzer durchschnittlich mit der Nutzung des Internets verbringt, hat sich seit 2001 bis zum Jahre 2016 um 492% erhöht. Internetuser waren 2016 im Schnitt 128 Minuten am Tag im Internet.[5]

Die Aufgabenstellung des Moduls „Web-basierte Applikationen“ beinhaltet die Erstellung bzw. Entwicklung einer Online-Umfrage. Diese Aufgabenstellung wird in drei Abhandlungen angegangen. Gegenstand dieser ersten Abhandlung sind die theoretischen Grundlagen zu Online-Umfragen. Dazu werden für diese Abhandlung die folgenden Ziele gesetzt:

- Darstellung der Aspekte einer Befragung
- Definition „Online-Umfrage“
- Konkrete Erstellung einer Online-Umfrage
- Aufstellung der notwendigen Auswertungen nach der Durchführung der Online-Umfrage

Um eine konkrete Online-Umfrage erstellen zu können, wird im nächsten Kapitel zuerst ein Szenario (Bundestagswahlen 2017 in Deutschland) präsentiert. Anschließend werden die Grundlagen zu Befragungen mit der Definition der „Online-Umfrage“ erläutert. Darauffolgend findet die konkrete Erstellung der Online-Umfrage statt.

Im fünften Kapitel werden dann die notwendigen Auswertungen nach der Durchführung der Online-Umfrage erörtert. Damit soll geklärt werden, welche Auswertungen und Ergebnisse nach der Datenerhebung mittels einer Online-Umfrage notwendig sind. Abschließend findet im letzten Kapitel eine kritische Würdigung statt und wird ein Ausblick auf die weitere Vorgehensweise gegeben.

2 Anwendungsbeispiel: Bundestagswahlen 2017

Im Herbst 2017 finden die nächsten Bundestagswahlen in Deutschland statt. Dies ist die politisch wichtigste Wahl für Deutschland im Jahr 2017. Dabei wählen die wahlberechtigten Bundesbürger mit ihrer Erststimme einen Kandidaten aus dem eigenen Wahlkreis in den Bundestag. Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt und werden damit die Kräfteverhältnisse im Bundestag festgelegt. Mit der Wahl werden mindestens 598 Abgeordnete für die nächsten vier Jahre bestimmt.[6]

Im Vorfeld dieser Wahl werden viele Umfragen durchgeführt, um erste Prognosen für den Ausgang der Wahl treffen zu können. Dieses Szenario eignet sich damit ideal für unsere Aufgabenstellung. Dabei sollen mit der Online-Umfrage Fragen im Vorfeld der Wahl gestellt, die Antworten gesammelt und ausgewertet werden, wobei der Einfluss von Wahlprognosen auf die eigentliche Wahl nicht Gegenstand dieser Abhandlung ist.

3 Grundlagen

3.1 Aspekte einer Befragung

Die Befragung ist ein wichtiger Bestandteil der primären Datenerhebung für die Sozial- und Marktforschung. Im Gegensatz zur Sekundärforschung (Desk Research), bei der vorhandene Datenquellen verwendet werden, kann man mittels Primärforschung (Field Research) neue und bisher noch nicht erfasste Daten gewinnen.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Methoden der Datenerhebung[8]

Die Befragung ist dabei die in der Forschung am häufigsten verwendete Methode der primären Datenerhebung.[9] Dabei werden ausgewählte Personen zu einem Thema befragt. Die Befragung kann schriftlich oder mündlich erfolgen. In dieser Abhandlung werden nur der Bereich der schriftlichen Befragung und deren elektronische Art (Online-Umfrage) betrachtet.

Die Ergebnisse einer Befragung können durch bestimmte Aspekte, wie das Fehlen von Interesse seitens der Befragten, verzerrt werden. Diese Antwortverzerrungen können in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Nachfolgend werden fünf mögliche Antwortverzerrungen erläutert:[10]

- Konsistenz- und Kontrasteffekt

Durch die Fragestellung wird ein gegensätzliches Antwortverhalten suggeriert. Deshalb sollten Fragen neutral und nicht meinungsbildend gestellt werden.

- Haloeffekt

Durch die Reihenfolge der Fragen werden Antworten beeinflusst. Bereits gestellte Fragen können die nachfolgenden Antworten direkt beeinflussen. Diesem Umstand kann mit einem Themenwechsel zwischen den Fragen entgegengewirkt werden.

- Soziale Erwünschtheit

Vor allem bei kontroversen Themen kann es sein, dass Antworten nicht wahrheitsgemäß gegeben werden, wenn die eigene Ansicht nicht der Mehrheitsmeinung entspricht. Damit werden die Antworten der Erwünschtheit der eigenen sozialen Umgebung angepasst. Dies kann man umgehen, indem man die Befragung anonymisiert.

- Primacy-/Recency-Effekt

Dieser Effekt tritt auf, wenn die Befragten keinerlei Interessen an der Befragung haben und einfach immer die ersten oder letzten Antwortmöglichkeiten auswählen. Diesem Effekt kann man mit motivierenden und einfachen Fragestellungen entgegenwirken, oder durch die automatische Änderung der Reihenfolge der Antworten, welche bei Online-Umfragen möglich ist.

- Non-Opinions

Hierbei antwortet der Befragte auf Fragen, welche er explizit inhaltlich nicht versteht. Damit hat der Befragte nicht ausreichend Wissen und beantwortet die Fragen trotzdem. Dies kann man umgehen, indem man die Fragen für eine bestimmte Zielgruppe entsprechend aufbereitet oder die Möglichkeit des Überspringens von Fragen implementiert.

Neben den unterschiedlichen Antwortverzerrungen kann auch die Art der Frageformulierung über die Qualität des Fragebogens entscheiden. Dabei kann man die Frageformulierung in folgende Arten unterteilen:[11]

- Offene Fragen

Offene Fragen werden ohne feste Antwortvorschläge gestellt. Dabei kann der Befragte seine Antwort in eigenen Worten verfassen. Dies hat den Vorteil, dass man authentische Antworten erhält. Die Datenverarbeitung lässt sich damit aber nicht vollständig automatisieren, womit der Aufwand für die Auswertung und Kategorisierung erhöht wird.

- Geschlossene Fragen

Bei geschlossenen Fragen werden die Antwortmöglichkeiten fest vorgegeben. Damit hat der Befragte zwar nicht mehr die Möglichkeit, individuelle und umfangreiche Antworten zu geben. Die Datenerhebung und die Auswertung können damit aber vollständig automatisiert werden.

- Hybridfragen / Halb offene Fragen

Bei Hybridfragen werden offene und geschlossene Fragen miteinander kombiniert. Dazu wird eine Frage mit mehreren festen Antwortmöglichkeiten gestellt und gleichzeitig kann der Befragte, falls keine der vorgegebenen Antwortmöglichkeiten passt, eine eigene Antwort formulieren. Dadurch kann man die Nachteile von offenen und geschlossenen Frageformulierung aufheben.

Bei der Formulierung der Fragen sollten grundsätzliche Regeln eingehalten werden. Die Fragen sollten kurz und einfach sowie unzweideutig formuliert werden. Doppelte Verneinungen oder hypothetische Fragen sollten vermieden werden. Wichtig ist auch, dass keine Fachbegriffe verwendet werden –falls notwendig, dann nur mit entsprechender Aufklärung. Ein klarer zeitlicher Bezug ist ebenfalls erforderlich. Die Antwortmöglichkeiten müssen ausschöpfend und gleichzeitig distinkt sein.[12]

Entscheidend für eine erfolgreiche Befragung ist, dass der Befragte anhand der Fragen die Absichten bzw. den Zweck der Befragung inhaltlich versteht. Damit sollte der Befragte in der Lage sein, die gestellten Fragen selbstständig und vor allem wahrheitsgemäß zu beantworten.[13]

3.2 Online-Umfrage

Als Online-Umfrage können folgende drei Formen der Befragung bezeichnet werden:[14]

- Online-Fragebogen, welchen der Befragte mittels Browser oder App komplett online ausfüllt. Der Fragebogen befindet sich dabei auf einem Server.
- Schriftlicher Fragebogen, welcher online von einem Server heruntergeladen und lokal ausgefüllt wird. Der ausgefüllte Fragebogen wird per E-Mail wieder zurückgeschickt.
- Der Fragebogen wird per E-Mail verschickt und entsprechend lokal ausgefüllt wieder per E-Mail zurückgesendet.

Für diese Abhandlung wird nur die erste Form (hierbei als „Online-Umfrage“ bezeichnet), also der Fragebogen, welcher vollständig web-basiert online mittels Browser oder App ausgefüllt wird, berücksichtigt. Die Online-Umfrage hat sich mittlerweile als Methode der Datenerhebung etabliert.[15]

Bei der Erstellung eines Fragebogens für eine Online-Umfrage müssen, wie bei einer schriftlichen Befragung ohne Interviewer, bestimmte Aspekte beachtet werden. Der Fragebogen muss strukturiert und einfach verständlich aufgebaut werden. Der Befragte hat hierbei keine Möglichkeit, durch direkte Rückfragen für Klarheit zu sorgen, wie bei einem persönlichen Interview. Der fehlende soziale und direkte Kontakt mit einem Interviewer beeinflusst auch entsprechend die Motivation zur aktiven Teilnahme an der Befragung. Deswegen sollten die Fragen entsprechend aufbereitet und auch der Umfang des Fragebogens gleich beim Beginn der Befragung ersichtlich sein.[16]

Diesen Nachteilen einer Online-Umfrage, also einer nicht persönlichen Befragung, kann man durch die entsprechende Gestaltung eines Gewinnspiels unter den Teilnehmern oder durch eine persönliche (zum Beispiel per Telefon) Vorab-Ankündigung entgegenwirken. Als Vorteil für eine Online-Umfrage erweist sich die Tatsache, dass der Befragte nicht durch den Interviewer beeinflusst werden kann.[17]

Des Weiteren müssen auch die technischen Aspekte berücksichtigt werden. Mittels Online-Umfragen können persönliche Daten gesammelt und für andere Zwecke missbraucht werden. Außerdem können Online-Umfragen manipuliert und damit die Ergebnisse verfälscht werden. Dazu muss ein entsprechendes Programm lediglich mehrfach an einer Umfrage teilnehmen. Diese Manipulationsmöglichkeit kann man mittels Speicherung der IP-Adresse oder eines passwortgeschützten Zugangs erschweren.[18] Ein großer Vorteil der Online-Umfrage gegenüber der schriftlichen Befragung ist, dass der Aufwand für die Befragung und deren Auswertung deutlich geringer ausfällt. Vor allem mittels elektronischer Medien kann sehr schnell eine große Anzahl von Personen erreicht werden, wobei die geographische Reichweite über das Internet unbegrenzt ist.[19]

[...]


[1] Vgl. Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung: Grundlagen, Methoden, Anwendungen, 18. Auflage, Hamburg 2007, S. 19.

[2] Vgl. o.V.: D21-Digital-Index 2016: Jährliches Lagebild zur Digitalen Gesellschaft, in: http://initiatived21.de/app/uploads/2017/01/studie-d21-digital-index-2016.pdf, Abrufdatum: 10.01.2017, S. 8.

[3] Vgl. Kladroba, Andreas; von der Lippe, Peter: Repräsentativität von Stichproben, in: Zeitschrift Marketing 24, Essen 2002, S. 228.

[4] Aus o.V.: Anteil der Internetnutzer in Deutschland in den Jahren 2001 bis 2016, in: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13070/umfrage/entwicklung-der-internetnutzung-in-deutschland-seit-2001/, Abrufdatum: 11.01.2017.

[5] Vgl. o.V.: Tägliche Nutzungsdauer Internet, in: http://ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=560, Abrufdatum: 13.01.2017.

[6] Vgl. o.V.: Wahlsystem der Bundestagswahl 2017, in: http://www.wahlrecht.de/bundestag/index.htm, Abrufdatum: 17.01.2017.

[7] Vgl. Kühn, Richard; Kreuzer, Michael: Marktforschung: Best Practices für Marketingverantwortliche, 1. Auflage, Bern 2006, S. 38.

[8] In Anlehnung an Weis, Hans Christian; Steinmetz, Peter: Marktforschung: Modernes Marketing für Studium und Praxis, 8. Auflage, Ludwigshafen 2012, S. 23.

[9] Vgl. Kromrey, Helmut: Empirische Sozialforschung: Modelle und Methoden der standardisierten Datenerhebung und Datenauswertung, 12. Auflage, Stuttgart 2009, S. 347 ff.

[10] Vgl. Brosius, Hans-Bernd; Koschel, Friederike: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung: Eine Einführung, 7. Auflage, Wiesbaden 2016, S. 90 ff.

[11] Vgl. Schumann, Siegfried: Repräsentative Umfrage: Praxisorientierte Einführung in empirische Methoden und statistische Analyseverfahren, 6. Auflage, München 2012, S. 59 ff.

[12] Vgl. Porst, Rolf: Fragebogen: Ein Arbeitsbuch, 4. Auflage, Wiesbaden 2013, S. 99.

[13] Vgl. Eichhorn, Wolfgang: Online-Befragung: Methodische Grundlagen, Problemfelder, praktische Durchführung, 1. Auflage, München 2004, S. 4.

[14] Vgl. Weiss, Birgit: Social research goes internet: Online-Forschung auf dem Weg zum innovativen Instrumentarium der Politikanalyse, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 31 (2002), S. 161 ff.

[15] Vgl. Scholl, Armin: Die Befragung, 3. Auflage, Konstanz 2015, S. 49 ff.

[16] Vgl. Brosius, Hans-Bernd; Koschel, Friederike: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung: Eine Einführung, 7. Auflage, Wiesbaden 2016, S. 118.

[17] Vgl. Brosius, Hans-Bernd; Koschel, Friederike: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung: Eine Einführung, 7. Auflage, Wiesbaden 2016, S. 127 ff.

[18] Vgl. Pannewitz, Jana: World Wide Web-gestützte Befragungen in der empirischen Sozialforschung: Ein Erfahrungsbericht, in: Discussion Papers / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Abteilung Organisation und Beschäftigung 02-105, Berlin 2002, S. 10 ff.

[19] Vgl. o.V.: Die elektronische Befragung, in: http://www.wpgs.de/content/view/380/336/, Abrufdatum: 21.01.2017.

Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668421363
ISBN (Buch)
9783668421370
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354725
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
WEB61 AKAD IT-Management

Autor

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