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Eine Analyse der Performanz des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann in den Fernsehduellen der Diskussionsreihe "Wahl '13 - Konfrontationen"

Masterarbeit 2014 102 Seiten

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2... Politik in den Medien
2.1 Politik und Fernsehen
2.1.1 DerBegriff'Politainmenť
2.2 Begriffsdefinition 'Femsehduell'
2.2.1 Politische Duelle im Fernsehen
2.3 Effekte von Fernsehduellen
2.4 Fernsehduelle in Österreich
2.4.1 Exkurs: Medienkonzentration in Österreich

3... Ausgangslage
3.1 Vorgeschichte und Umfeld
3.1.1 Zur Person
3.1.2 Nationalratswahl
3.1.3 Wählerstromanalyse
3.1.4 Wahlkampf
3.2 Rhetorische Strategie/Prämissen
3.2.1 Methoden der Inszenierung
3.3 Der Fall Faymann
3.3.1 Besonderheiten des österreichischen Publikums
3.3.2 Debattenkultur in österreichischen TV-Duellen
3.3.3 Die Position des Verteidigers

4... Methode
4.1 ZurHerangehensweise
4.2 Argumentative Diskursanalyse
4.2.1 Verhaltensanalyse

5 Studie der Fernsehduelle
5.1 Gleichbleibende Faktoren
5.1.1 Vorspann
5.1.2 Proxemik
5.1.3 Ausstrahlungszeit
5.1.4 Vorbericht
5.1.5 Kleidung
5.1.6 ZiB 2-Analyse
5.2 JosefBucher (BZÖ)
5.3 Frank Stronach (TS)
5.4 Eva Glawischnig (Die Grünen)
5.5 Heinz-Christian Strache (FPÖ)
5.6 Michael Spindelegger (ÖVP)

6 Fazit
6.1 Diskussionsinhalte
6.1.1 DerSteuer-Diskurs
6.1.2 Der Pensions-Diskurs
6.1.3 DerBildungs-Diskurs
6.2 Sprachliche Mittel
6.3 Verhaltensanalyse
6.4 Analyseergebnisse

7 Quellenverzeichnis
7.1 Primärquellen
7.2 Sekundärquellen
7.2.1 Literatur
7.2.2 Fernsehen
7.2.3 Internet

8 Abbildungsverzeichnis

9 Begriffserklärung

10. Anhang
Anhang 1: Analysebogen zur quantitativen Verhaltensanalyse
Anhang 2: o.A.: Chronologie des Wahlkampfes
Anhang 3: Ulram, Peter A.: Von Interesse zur Politikverdrossenheit - 'Warum nur mag man uns nicht mehr?'

Abkürzungserklärung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Nur eine Woche nach den Bundestagswahlen in Deutschland fanden auch in Österreich Nationalratswahlen statt. Im Vorfeld dieser Wahlen veranstaltete der ORF traditionell mehrere Diskussionen zwischen den Spitzenkandidaten der im Parlament vertretenen Parteien. Diese Tradition scheint sich perfekt in das moderne Zusammenspiel zwischen Politik und Medien einzufügen.

„Vor allem die modernen Massenmedien bieten die Möglichkeit der Inszenierung des Wahlkampfes und damit der Selbstdarstellung der Spitzenkandidaten. In der Mediengesellschaft wird die Wirklichkeit medial konstruiert. Politische Themen werden an Personen gekoppelt.

Der Wettstreit der Parteien kulminiert im Kampf zwischen den Spitzenkandidaten. Der Spitzenpolitiker einer Partei - und nicht ihr politisches Programm - ist wichtigster 'Inhalt' der Wahlkampagne geworden.“[1]

Für die Rhetorik hat diese Entwicklung den Vorteil, dass dem Spitzenkandidaten, also dem Orator eine besondere Aufmerksamkeit zuteil wird, die er für sich nutzen kann. „Ein erfahrener Politiker wird daher stets seine Person zum Argument in eigener Sache machen, durch anschauliche Bilder oder eindrückliche Beispiele sein Anliegen ansprechend vertreten.“[2] Dem gegenüber steht das Problem als Politiker in einer medial geprägten Gesellschaft überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erlangen und wenn scheinen unterhaltende Element im Vordergrund stehen zu müssen, anstatt programmatischer und informativer.[3]

Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden wie Werner Faymann, Spitzenkandidat der Sozialdemokraten und amtierender Bundeskanzler, in den Fernsehduellen mit dieser Herausforderung umgehen wird. Gelingt es ihm seine Botschaft rhetorisch erfolgreich zu kommunizieren?

Dafür muss dieser Konflikt zunächst genauer umrissen werden und die politische und rhetorische Bedeutung von Fernsehduellen genauer betrachtet werden. (Kapitel 2)

Im folgenden Kapitel werden die rhetorischen Strategien, die für einen solchen Fernsehauftritt genutzt werden können, erläutert und dann auf den besonderen Fall umgelegt.

Die tatsächliche Performanz Werner Faymanns wird dann in einer abschließenden Analyse (Kapitel 6) mit dem in Kapitel 3 beschriebenen rhetorischen Erwartungshorizont abgeglichen, die Methode dafür wird in Kapitel 4 festgelegt.

Die Analyse wird hauptsächlich aufBasis ausgewählter qualitativer Beispiele der einzelnen Debatten stattfinden. Am Ende werden auch die Ergebnisse der Wahl und die dazu gehörigen Wählerströme einbezogen werden, dabei mussjedoch beachtet werden, dass diese nur begrenzte Aussagekraft haben. Die Entscheidung der wahlberechtigten Bevölkerung hängt schließlich nicht nur von der Performanz des Spitzenkandidaten ab, auch wenn in der Literatur und in der begleitenden Berichterstattung deren Bedeutung betont wird. Traditionelle Wählerbindungen, Skandale, die allgemeine wirtschaftliche Situation, Kommunikation von anderen Parteimitgliedern und über andere Kanäle, etc. sind weitere Faktoren, die selbst in einer sehr viel umfangreicheren Arbeit nicht alle analysiert werden könnten. Vielmehr geht es darum herauszufinden, ob die Performanz des Bundeskanzlers aus Sicht der wissenschaftlichen Disziplin Rhetorik geglückt ist. Wir werden sehen welche Verhaltensweisen in einer solche Situation zu einem größtmöglichen Grad an Persuasion führen und in wie weit der Kanzler diese in seine Strategie einbaut.

Die Literatur im Bereich politische Rhetorik ist breit gefächert, außerhalb des Faches Rhetorik selbst beschäftigen sich auch Medien-, Kommunikations-, Politik- und Sozialwissenschaftler damit. Nicht alle Quellen sind wissenschaftlicher Natur, einige kommen aus demjournalistischen Bereich oder aus der Politikberatung. Besonders hervorstechend ist hier Thomas Hofers „Die Tricks der Politiker“, das mit seinen mitunter plakativen Formulierungen sicherlich nicht immer wissenschaftlichen Qualitätskriterien entspricht. Jedoch ist Thomas Hofer einer der bekanntesten Politikberater und -analysten in Österreich, er durchlief eine wissenschaftliche Karriere (u.a. in den USA), hat sich intensiv mit der Materie beschäftigt und tiefe Einsichten in die politische Arbeit hinter den Kulissen. Auf ebenjene Einblicke sollte nicht verzichtet werden.

Diese verschiedenen Einflüsse werden sich im Laufe der Arbeit sicherlich bemerkbar machen und haben den Blick auf die Fragestellung sicherlich geweitet, trotzdem wird der Fokus, vor allem in der abschließenden Analyse, auf der rhetorischen Problemstellung liegen.

Da es im der österreichischen politischen Diskurs zahlreiche Begrifflichkeiten gibt, die außerhalb der Landes nicht in vollem Umfang verstanden werden, wurde eine ausführliche Begriffserklärung angelegt, sowie ein Anhang der einen tieferen Einblick in die österreichische politische Kultur geben soll.

2. Politik in den Medien

2.1 Politik und Fernsehen

Die Nutzung und Verbreitung von medialen Angeboten hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten massiv verändert. Dies liegt vor allem an der Einführung neuer Geräte und damit neuer Formen von Botschaftsvermittlung. In den 60er und 70er Jahren wurden Informationen und Unterhaltung vorrangig aus Radio und Tageszeitung bezogen. Heute wird das Abendprogramm vor allem vom Fernsehen bestimmt, das Radio hat sich als Begleitmedium im Tagesverlauf neu positioniert. Ausgeprägte Internetnutzer nutzen konventionelle Medien seltener, insgesamt ist die Mediennutzung aber wesentlich intensiver geworden: Während 1980 noch durchschnittlich 30 Prozent eines 19-Stunden-Tages mit der Nutzung von medialen Angeboten verbracht wurde, waren es 2005 bereits 53 Prozent.[4]

Darüber, dass unsere Gesellschaft mittlerweile eine Mediengesellschaft ist, herrscht in Wissenschaft und Sozialforschung weitgehend Einigkeit[5], zumal dies durch Statistiken untermauert wird. 585 Minuten täglich verbrachten die Deutschen zwischen 14 und 49 Jahren mit der Nutzung verschiedener Medien. Trotz enormer Bedeutungszunahme des Internets ist das Fernsehen dabei unbestritten aufPlatz 1 (Durchschnittlich 205 Nutzungsminuten pro Tag).[6] Mit dieser intensiven Mediennutzung geht auch eine Bedeutung für die Politik einher. Diese Veränderung ist in der gesamten politischen Kommunikation bemerkbar: „Es kann kaum verwundern, daß Politikvermittlung in der medialen Erlebnisgesellschaft weitgehend mediale Politikvermittlung sein muß.“[7] Die Kommunikation über Medien ist also auch zu einem Zwang für die Politik geworden, sich mit den Medien zu engagieren und sie für sich zu nutzen. Dieser Zwang ist nicht ausschließlich auf die Präsenz der Medien im gesellschaftlichen Alltag zurückzuführen, die Wählerschaft hat sich insgesamt verändert und damit dem massenmedialen Wahlkampf eine andere Bedeutung gegeben: „Angesichts einer hochmobilen Wählerschaft, in der traditionelle Parteibindungen schwächer werden, wie der abnehmenden Bedeutung organisationszentrierter Wahlkampfaktivitäten ist das massenmedial vermittelte Wahlkampfgeschehen der entscheidende Faktor öffentlicher Meinungsbildung sowie daraus resultierender Entscheidungsprozesse.“[8]

Das wichtigste Instrument um diese öffentliche Meinungsbildung zu ändern, ist das Fernsehen, denn ,,[z]u Beginn des 21. Jahrhunderts ist das audiovisuelle Fernsehen nicht nur das wichtigste Medium der Unterhaltung, sondern auch der Vermittlung von Nachrichten oder der Bildung von Meinungen sowie Anlass für Gespräche.“[9]

Dies wird von Thomas Meyer in seinem Aufsatz ' Die Theatralität der Politik in der Mediendemokratie' vor allem auf die starken und umfassenden Eindrücke zurück, die das Fernsehen bietet. „Es rückt - im Gegensatz zu allen anderen Massenmedien - die Gesamtheit aller Zeichensysteme, die von menschlichem Handeln ausgehen können: Mimik, Gestik, Proxemik, Paralinguistik, Kulissen und Requisitenkontext in den Focus seiner Vermittlungen.“[10] An dieser Stelle deutet sich bereits an, welche rhetorischen Herausforderungen diese Medialität für die Politiker mit sich bringt. Darauf wird aber zu einem späteren Zeitpunkt genauer einzugehen sein.

2.1.1 Der Begriff ’Politainmenť

Die Bedeutung der Medien bzw. des Fernsehens ist nicht nur in der wissenschaftlichen Literatur verstanden worden, sie ist auch in der Politik längst als Realität anerkannt. „Im Normalfall ist es für Politiker [...] zur Selbstverständlichkeit geworden, die Wähler auch als Fernsehpublikum wahrzunehmen.“[11] Diese Aussage belegt Hans-Jürgen Bucher unter anderem mit einem Zitat des damaligen CDU-Finanzexperten Friedrich Merz, der 2003 in der Fernsehsendung Sabine Christiansen erklärte, dass diese Sendung die politische Agenda in Deutschland stärker bestimme als der deutsche Bundestag. „Die Fernsehdebatte, so die Schlussfolgerung aus dieser Äußerung, ist inzwischen wichtiger geworden als die Parlamentsdebatte. [...] Die themensetzende Priorität der Politik ist aus der Sicht von Politikern wie Friedrich Merz bereits auf das Fernsehen übergegangen.“[12]

Anders als Friedrich Merz es aber angedeutet hat, hat die Politik das Agenda-Setting nicht an die Medien abgegeben, vielmehr hat man sich angepasst: „Professionelles Themenmanagement und Kenntnis der massenmedialen Selektionskriterien gestatten es politischen Akteuren die Themenlandschaft mit ihren Themen zu besetzen, sofern diese den redaktionellen Nachrichtenwerten (Aktualität, Konfliktgehalt, Negativismus) entsprechen.“[13] Es gilt also die Themen richtig zu verpacken, sie so zu setzen und zu kommunizieren, dass sie nach medialer Logik als interessant bewertet werden und somit in den Informationsangeboten platziert werden.

Diese Anpassung wird von Hans-Jürgen Bucher in Anlehnung an Ulrich Sarcinelli und Jens Tenscher als 'Talkshowisierung' bezeichnet[14], noch besser scheint es der Begriff 'Politainmenf von Andreas Dörner zu beschreiben. „Politainment [konstruiert und] inszeniert konkrete Modelle für politisches Handeln und unterbreitet dem Publikum im entspannt-angenehmen Modus der Unterhaltung Identifikationsangebote, die dann - wie vermittelt auch immer - in den Horizont der eigenen Alltagswelt übersetzt werden können. [...] Politainment eröffnet schließlich mit seinen professionell gestalteten ästhetischen Bild- und Klangwelten einen emotionalen Zugang zur politischen Welt. Ohne diese Unterhaltungskommunikation produzierte Emotionalität und das damit verbundene Wohlbefinden beim Zuschauer wäre die Konjunktur des Politainment in der heutigen Mediengesellschaft gar nicht verstehbar.“[15] Des Weiteren verstärke und popularisiere Politainment politische Werte, mache Politik wieder sichtbar und sinnlich erfahrbar, fokussiere auf bestimmte Geschehnisse und verleihe dem Abstrakten Gestalt. Diese könne am Ende aber durchaus stark reduziert sein. Damit werden Stärken und Schwächen dieser Vorgehensweise deutlich. Politainment also Einbindung von Kalkülen der Unterhaltung in die politische Kommunikation macht es möglich breitere Bevölkerungsschichten zu erreichen, gleichzeitig müssen komplexe Inhalte auf sehr einfache Botschaften heruntergebrochen werden.

In der Literatur wird Politainment durchaus unterschiedlich bewertet. Nicht nur Hans-Jürgen Bucher, auch Rainer Winter betrachten in seinem Beitrag im gleichen Band die Vermischung von politischer Information und Unterhaltung kritisch. „So dient auch die Wahlberichterstattung, in der Information und Unterhaltung verschmelzen, weniger der kritischen Aufklärung der Bürger als der Produktion von Medienspektakeln“[16] Auch Stefan Habscheid und Michael Klemm stellen fest, dass sich die Bürger bereits an die Medialisierung gewöhnt haben. Mittlerweile gäbe es ein Bedürfnis nach einfacher und unterhaltsamer Politikvermittlung, dem die Politik in ihrem Streben nach Zustimmung gerne nachkomme. Doch diese vereinfachte Darstellung habe ihren Preis: „In der Diskurspraxis der massenmedialen Öffentlichkeit treten an die Stelle allgemeiner Vernunft und kommunikativer Ethik häufig perspektivisch gebundene Eigeninteressen und Handlungslogiken der beteiligten Akteure und, nicht zuletzt, die Eigengesetzlichkeiten des Mediensystems selbst“.[17] Thomas Meyer ist sogar der Meinung, dass Politik verbunden mit der Notwendigkeit in den Massenmedien Aufmerksamkeit zu erlangen vor allem zu symbolischer Politik wird.[18] Auch Dörner selbst setzt sich mit der Problematik der Bewertung seines Begriffs auseinander. Dabei ist er sich durchaus bewusst, dass das unterhaltende Element darauf abzielt, es der Politik in der Vermittlung ihrer Botschaften leichter zu machen: „Unterhaltende Politik dient also dazu, politische Macht zu erwerben und stabil aufDauer zu stellen.“[19] Die Inszenierung diene vor allem dazu „daß die Stimmung in der öffentlichen Diskussion wie in der Bevölkerung verbessert wird.“[20] Ein Umstand den Dörner mitunter auch positiv bewertet. Diese Verbesserung der Stimmung sei von der Bevölkerung durchaus gewollt, schreibt der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier. „In unruhigen, ja bedrohlichen Zeiten steigt der Bedarf des Publikums an Beruhigung und Beschwichtigung.“[21] Das Instrument Politainment mag umstritten sein, injedem Fall wird es gesellschaftlich bis zu einem gewissen Grad anerkannt und prägt auch die Erwartungen des Publikums. Trotz aller Kritik ist dies auch für Hans-Jürgen Bucher eine Tatsache: „Politik muss inszeniert und damit zur 'symbolischen Politik'[22] werden, damit die politischen Botschaften über die Medien, insbesondere das Fernsehen, die Bürger und Wähler erreicht.“[23]

2.2 Begriffsdefinition 'Fernsehduell'

Die Medienwissenschaftler Häusermann und Käppeli trennen in ihrem Buch 'Rhetorik für Radio und Fernsehen' zwischen Streitgespräch, Talkshow und Kampfgespräch.

„Für ein Streitgespräch braucht es ein Thema, das umstritten ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dazu verschiedene Standpunkte und Lösungsvorschläge. Ihr Ziel ist es, die Gegner in der Runde und das Publikum von der eigenen Meinung zu überzeugen.“[24] Dieses Gespräch hat auch eine emotionale Komponente, Unterbrechungen und Wortwechsel gehören zum Konzept.[25]

Der Moderator ist damit beauftragt ein Abgleiten in ein Kampfgespräch zu verhindern. Ein Kampfgespräch ist besonders emotional, nicht die Information der Zuschauer, sondern das Besiegen des Gegners steht im Vordergrund: „Ein vernünftiger Diskurs ist kaum möglich. Die Gegnerinnen und Gegner kämpfen mit Schlagworten und zum Teil unsachlichen Argumenten, beschuldigen und beschimpfen einander gegenseitig. Im lautstarken Durcheinander geht es oft nur noch darum, wer im Kampf um das Wort obsiegt.“[26] Je nach Sendungskonzept hat ein Fernsehduell mehr oder weniger den Charakter eines Kampfgesprächs. Während das Reglement des deutschen Kanzlerduells sehr streng ist und dieses daher sehr geordnet verläuft, lässt das österreichische Sendungskonzept den Politikern hier sehr viel Freiraum, es gibt gelegentlich sogar Elemente eines Kampfgesprächs. (Vgl. Kapitel 3.3.2)

Zusätzlich definieren Häusermann und Käppeli die Talkshow als Gespräch bei dem die Person im Mittelpunkt steht. „Man will etwas über ihre Lebensweise, ihre Biographie und ihre Einstellungen zu allgemein interessierenden, aktuellen Fragen erfahren.“[27] Dies widerspricht der Definition von Talkshow, die Dörner in 'Politainmenť wählt. Auch er sieht zwar durchaus eine Konzentration auf das Persönliche, spricht von einem „überspitzt gesagt [...] Medium der Repräsentation und der Selbstthematisierung der politischen Klasse“[28]. Doch schon in der Einleitung macht er klar, dass die Talkshow mindestens auch eine Plattform ist um Themen strategisch zu platzieren und politische Projekte zu propagieren.[29]

Die Talkshow kann also durchaus auch als politisches Debattenformat angenommen werden - sofern es sich um eine politische Talkshow handelt[30] -, die Prämissen die Dörner und andere Autoren zur Talkshow bzw. zur 'Talkshowisierung der Politik' aufgestellt haben, können auch für die Theorie dieser Arbeit übernommen werden, denn die Parameter, die Häusermann und Käppli für das Streit- bzw. Kampfgespräch heranziehen, lassen sich auch auf die Talkshow anwenden.

Dennoch können die Begriffe nicht synonym verwendet werden. Es ist durchaus möglich die Definition des Streitgesprächs auch für die Talkshow heranzuziehen, die Grundstruktur also dieselbe ist, dennoch muss beachtet werden, dass in der Talkshow andere Regeln gelten. Das Thema ist üblicherweise von der Redaktion vorgegeben, Politiker messen sich nicht nur mit ihren Gegnern um die Wählergunst, sondern auch mit Journalisten und Experten. Mitunter bilden sich bei einzelnen Unterpunkten Allianzen, die im Sendungsverlauf wieder gelöst werden können. Die Fronten sind also nicht so klar wie im Streitgespräch. Trotz dieser Unterschiede kann auf die Talkshow in der theoretischen Herangehensweise nicht verzichtet werden, da die Erwartungen des Publikums und der Stil der Politiker von vorherigen Auftritten in Talkshows beeinflusst werden.

2.2.1 Politische Duelle im Fernsehen

Im großen Feld des Politainments nehmen Fernsehduelle eine Sonderposition ein. Anders als regelmäßig veranstaltete Talkshows oder täglich auftretende Interviews oder O-Töne stehen sie in direkter Verbindung mit einer Wahl. Diese hat üblicherweise als Thema einen großen Anteil an der Berichterstattung in den Wochen vor dem Wahltag und ist auch in der Bevölkerung Anlass für verstärkte Beschäftigung mit der Politik. Dieses erhöhte Interesse gilt es für die politischen Parteien und speziell ihre Spitzenkandidaten zu nutzen. Femsehduelle bieten für Politikerjedoch nicht nur erhöhte Aufmerksamkeit bei den Zuschauern. „Die Kandidaten können ihre Wahlkampfbotschaften ungefiltert an ein ungewöhnlich großes Fernsehpublikum übermitteln. Die Zuschauer können das Auftreten und die Sachpositionen der Kandidaten unmittelbar miteinander vergleichen.“[31] Ganz ungefiltert ist diese Botschaft dann doch nicht, denn es gibt einen Journalisten und vor allem einen politischen Gegner, die die Aussagen des Kandidaten beurteilen: „Diese Situation [die direkte Konfrontation mit Vertretern gegnerischer Parteien] macht die Brisanz einer solchen Sendung aus.“[32] Darüber hinaus „kann der Zuschauer seine eigene Position reflektieren, die Argumentation der Redner bewerten und sich zudem einen persönlichen Eindruck von den Kandidaten machen.“[33] Die erhöhte Aufmerksamkeit der Zuseher gilt also auch für die Inhalte, diese sollen abgewogen und bewertet werden. Im folgenden Kapitel wird mit Fritz Plasser festgestellt werden, dass Informationen vom Publikum explizit erwünscht sind und deren Gewinnung ein Grund für das Verfolgen von Fernsehduellen ist. Es handelt sich also nicht um reine Symbolpolitik, wie Thomas Meyer meint. Das Argument wird nicht durch Showdown-Effekt und unterhaltende Elemente ersetzt, sondern ergänzt.[34]

Damit ist klar, dass der Politiker als Orator in einem Fernsehduell vor einer besonderen Herausforderung steht. Bei Reden im Bundestag, vor Anhängern der politischen Partei oder bei einem Festakt weiß er, dass die Medien wenn überhaupt nur einen Bruchteil von dieser wiedergeben werden, ein oder zwei Sätze, die sich als O-Ton eignen, weil sie seine Position zusammenfassen oder weil es sich um einen besonders strittigen Punkt handelt, der Aufmerksamkeit erregt. In einer Talkshow hat er zwar mehr Redezeit, ist aber thematisch festgelegt. Abweichungen in andere inhaltliche Bereiche werden vom Moderator meist schnell unterbunden. Außerdem ist man meist einer von vier bis sechs Diskutanten, das konstruktive Gespräch steht im Vordergrund. In der oben stehenden Definition haben wir gesehen, dass das Setting im Duell ein anderes ist.

Auch die Positionierung ist eine andere. In einer Talkshow wird ein Politikerje nachdem oder er Teil einer Regierungs- oder einer Oppositionspartei ist, als Verantwortlicher bzw. Kritiker der gegenwärtigen Situation, als aktuell bereits gewählter Volksvertreter geladen, während er im Duell vor allem ein um Stimmen Werbender ist, ein Kandidat, der sich auf Zukünftiges fokussiert und dabei durch rhetorisches Geschick auch das Thema wechseln kann. Die Möglichkeiten dafür sind allerdings auch durch die Strenge des Formats begrenzt, wie zu einem späteren Zeitpunkt zu klären sein wird.

2.3 Effekte von Fernsehduellen

Welche praktische Wirkung Fernsehduelle habe können, zeigt sich an der Niederlage des Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis gegen George Bush sen. 1988. Der Politikberater Thomas Hofer erklärt, dass Dukakis sein komfortablen Vorsprung zu einem großen Teil mit einer 'falschen', weil die emotionale Ebene völlig ignorierenden ersten Antwort verspielt habe. Seine gute Performanz während der restlichen Debatte sei danach wirkungslos gewesen.[35]

Die tatsächliche Wirkung von TV-Duellen haben Maurer und Reinemann in einer detaillierten Studie zum Duell zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel im Wahlkampf 2005 dargelegt. Ein Effekt sei erkennbar, vorrangig ginge es bei Fernsehduellen nicht um den Zugewinn von Stimmen, sondern vielmehr um die Festigung des im sonstigen Wahlkampf inszenierten Bildes des Spitzenkandidaten. „Sie [Die Ergebnisse der Studie] zeigen, wie Fernsehduelle gewonnen werden, und dass der Sieg in einem Fernsehduell nicht folgenlos bleibt, sondern vielmehr einen Image­Gewinn und - in geringerem Maße - einen Stimmen-Gewinn für die eigene Partei nach sich zieht.“ [36]

Pluralistischer beschreiben die Politikwissenschaftler Fritz Plasser und Peter Ulram die möglichen Effekte. Es gehe nicht nur um die Mobilisierung von Stammwählern, sondern auch darum eigentlich wechselbereite Wähler dazu bewegen, doch noch einmal die gleiche Partei zu wählen (homing-Effekt). Gleichzeitig könne es passieren, dass man mit einer schlechten Performanz die Wechselwilligen endgültig vertreibe (crystallization-Effekt)?[37]

Sie beziehen sich dabei aufBefragungswerte nach der österreichischenNationalratswahl 2002. „55 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die 2002 zumindest eine der ORF-Wahlkonfrontationen gesehen hatten, fühlten sich durch die Kandidatendiskussionen in ihrer persönlichen Wahlpräferenz bestärkt.“[38] 25 Prozent der Wähler und 30 Prozent der Wechselwähler wurden nach eigenen Angaben sogar stark von den Fernsehdiskussionen beeinflusst. Diese Zahlen werden sogar noch detaillierter analysiert und zeigen, dass der Effekt bei Wechselwählern und sogenannten late deciders zumindest nach deren eigenem Empfinden stark ausgeprägt ist. 12 Prozent der Seher, 35 Prozent der Wechselwähler und 31 Prozent der late deciders haben nach eigenen Angaben aufgrund der TV-Konfrontationen letztlich eine andere Partei gewählt als sie ursprünglich wollten, 6 Prozent der Seher, 12 Prozent der Wechselwähler und 12 Prozent der late deciders haben sich dadurch überhaupt erst für die Wahl einer Partei entschieden.[39]

Auf diese Zahlen bezieht sich Plasser auch noch in seinem Beitrag von 2010 gemeinsam mit Günther Lengauer 'Wahlkampf im TV-Studio: Konfrontationen in der Medienarena'[40], sie bestätigen sogar, dass die Bedeutung der Fernsehduelle zunimmt, wenn man sie mit den Befragungswerten der Wahlen 1999 vergleicht.[41]

Allerdings stellen Plasser und Ulram mehr als einen bloßen Werbungseffekt fest. Anders als es Politainment-Konzepten häufig vorgeworfen wird, ist die Information der Seher ein weiterer wesentlicher Effekt der Sendung: „[Die Duelle] erhöhen den subjektiven Wissens- und Informationsstand der Zuseher und bieten auchjenen Wählerinnen und Wählern verknappte Einblicke in die thematischen Problemfelder und Problemlösungszugänge der Kandidaten (information shorcuts), die sich nur punktuell über das politische Geschehen informieren (low information rationality) bzw. über ein eingeschränktes politisches Informationsrepertoire verfügen[42][43] Plasser bestätigte dies auch noch einmal speziell für den Wahlkampf 2013: „Wir wissen aus vergangen Wahlen, dass rund ein Drittel der Wahlberechtigten diese Fernsehdiskussionen benutzt, um sich zu informieren, mehr zu lernen und mehr zu erfahren über Themen, über thematische Angebote, über Positionen und auch über Angebote der kandidierenden Parteien.“[44] Bei der Festlegung einer rhetorischen Kategorie muss also beachtet werden, dass sich viele Zuseher nicht vorab, sondern erst durch die Debatte informieren. Daraus ergibt sich, dass der Kandidat seine Verwendung von Begriffen entsprechend anpassen muss, gleichzeitig hat er auch die Möglichkeit zu versuchen, die Information, die der Zuschauer aufnimmt in seinem Sinne zu beeinflussen.

2.4 Fernsehduelle in Österreich

Fernsehduelle haben im österreichischen Rundfunk eine lange Tradition.[45] Erstmals fand es 1970 zwischen dem damaligen Bundeskanzler JosefKlaus (ÖVP) und dem Parteivorsitzenden der Sozialisten und Herausforderer um die Kanzlerschaft Bruno Kreisky statt und war sicherlich eine der Konsequenzen der in Kapitel 2.1 angesprochenen Veränderungen in der Mediennutzung. Das Fernsehen war die neue wichtige Informationsquelle für die Wählerschaft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Das erste Fernsehduell in Österreich zwischen Bruno Kreisky (links) und JosefKlaus (rechts) Quelle: http://www.voutube.com/watch?v=cT7vxYODlCs. 1:00:41, gesehenam20.2.2014

Der Moderator war nur für die An- und Abmoderation anwesend, die Diskussion zwischen den beiden Politikern fand ohne Leitung statt. Später war klar, dass Kreisky seine zwölf Jahre andauernde, teilweise sogar eine Alleinregierung anführende Kanzlerschaft vor allem seinen souveränen Fernsehauftritten verdankte: „mit Show, mit Witz und Schlagfertigkeit, es war Unterhaltungsfernsehen vom Feinsten“[46] Keiner von Klaus Nachfolgern an der Spitze der Volkspartei konnte mit den Fernsehqualitäten von Kreisky mithalten.[47]

Die politische Ära Kreisky endete 1983, eine Legislaturperiode später zogen die Grünen erstmals in den Nationalrat ein. Neben den beiden großen Parteien gab es nun also zwei weitere Fraktionen im österreichischen Parlament, die Freiheitlichen - die seit 1956 immer vertreten waren - und die Grünen. Bei der Wahl 1990 konnten die Grünen ihren Einzug in den Nationalrat bestätigen und sich als langfristige politische Kraft etablieren.

Bei den Wahlen 1994 trug der ORF diesen neuen politischen Umständen Rechnung und begann mit den TV-Konfrontationen ein Format, das bis heute Tradition im Wahlkampf hat und „ohne Zweifel der massenmediale Höhepunkt des Wahlkampfgeschehens“[48] darstellt.

Dabei treffen sich Vertreter aller im Parlament vertretenen Parteienjeweils einer gegen einen sowie in einer abschließenden sogenannten 'Elefantenrunde'.[49]

Wechselhaft war die Herangehensweise der Strategen der Großparteien. Während 1994 nur die jeweiligen Spitzenkandidaten teilnahmen, entschied man sich 1995 und 1999 oft für Stellvertreter, um die Kanzlerkandidaten nicht den Angriffen der Opposition auszuliefern.[50] Ein Kalkül, das von Poselt und Rieglhofer in ihrer Analyse noch als gelungen beschrieben wird, das aber in aktuellen Wahlkämpfen auf große Ablehnung in Gesellschaft und Medienkanon stieße. 2006 war es vor allem die Opposition, die brüskiert auf die Nichtteilnahme des damaligen Kanzlers Wolfgang Schüssel reagierte,[51] 2008 musste sich Werner Faymann offiziell für sein Fernbleiben von der Elefantenrunde des Privatsenders Puls 4 entschuldigen.[52]

Danach war klar, dass das Entsenden von Stellvertretern in die quotenstärkeren ORF-Sendungen zu einem No-Go geworden war. „Überlegungen, dass der Kanzler das eine oder andere 'Zweiter-Duell' im ORF nicht bestreitet, hat es nie gegeben. Der Wahlkampfleitung war bewusst, dass dies als Diskussionsverweigerung ausgelegt werden würde.“[53]

Das Interesse der Zuschauer an den Fernsehdebatten ist hoch. Das Kanzlerduell und die Elefantenrunde hatten 2008 über eine Million Zuschauer[54], selbst die Sendung mit den niedrigsten Zuschauerzahlen lag noch bei über 700.000 Sehern.[55]

Die Marktanteile lagen zwischen 28 und 43 Prozent.[56] Und auchjene, die die Duelle nicht verfolgen, werden ausführlich darüber informiert: „Die mediale und umfragetechnische Nachbearbeitung der TV-Duelle prägt den Diskurs der letzten Wochen vor der Wahl von nun an stark.“[57]

Anders als in Deutschland wo üblicherweise ein oder höchstens zwei Duelle stattfinden und diese auch nur zwischen den Kanzlerkandidaten, ist die österreichische Fernsehlandschaft hier breiter aufgestellt. Der Bundeskanzler Werner Faymann, also die zentrale Person in dieser Arbeit, musste sich nicht nur mit seinem Koalitionspartner und Herausforderer Michael Spindelegger von der ÖVP auseinander setzen, sondern auch mit der Vorsitzenden der Grünen, Eva Glawischnig, mit deren Partei Faymann mehrfach betont hatte geme koalieren zu wollen, dem unberechenbaren Politikneuling Frank Stronach, dem Haider-Nachfolger und BZÖ-Chef JosefBucher sowie dem Spitzenkandidaten der FPÖ, Heinz-Christian Strache, dessen Partei massiv (und erfolgreich[58] ) in den traditionellen Wählerschichten der SPÖ um Stimmen wirbt. Werner Faymann hatte also fünf Gelegenheiten um sich im Bewusstsein eines großen Teils der Wählerschaft zu positionieren, gegen die Kritik der Opposition zu verteidigen und gegen den Koalitionspartner abzugrenzen. Bereits auf Seite 11 wurde nach Marcus Maurer und Carsten Reinemann zitiert: „Die Kandidaten können ihre Wahlkampfbotschaften ungefiltert an ein ungewöhnlich großes Fernsehpublikum übermitteln.“[59] Für Werner Faymann galt es nun durch eine durchdachte Performanz diese Gelegenheit zu nutzen. Im Wahlkampf 2013 war diese von besonderer Bedeutung, denn in einer Umfrage im Auftrag der APA[60] wurde ermittelt, dass für 44 Prozent der Wähler die TV-Duelle sehr wichtig für ihre Entscheidung seien. Viel wichtiger istjedoch, dass der Spitzenkandidat für 60 Prozent einen hohen Anteil an ihrer Wahl hat.[61] Heidi Glück, ehemalige Pressesprecherin der Alt-Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel fasst die Situation ganz einfach zusammen: „Die TV-Duelle an sich sind natürlich die allerwichtigsten Auftritte im gesamten Wahlkampf“[62]. Werner Faymann durfte also die Gelegenheit nicht auslassen, sich für das Fernsehpublikum möglichst überzeugend zu inszenieren.

2.4.1 Exkurs: Medienkonzentration in Österreich

Im Fernsehbereich hat der der öffentlich-rechtliche ORF eine herausragende Position. Die beiden Programme ORF eins und 2 vereinigten 2013 über ein Drittel der Marktanteile des österreichischen Zuschauerfeldes auf sich. Keines der drei privaten österreichischen Programme oder der österreichischen Portale der deutschen Privaten konnte dabei mithalten.[63] Auch beim Radio ist der ORF führend, fast fünf Millionen Hörer haben die verschiedenen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Aber auch die privaten Sender erreichen mit fast 2 Millionen Hörern einen großen Teil der Bevölkerung.[64]

Auf dem Zeitungsmarkt ist die Konzentration ähnlich hoch: 36 Prozent (2,6 Millionen) der Österreicher geben an regelmäßig die Kronen Zeitung zu lesen, weitere 14,6 Prozent (1 Million) lesen die Gratis-Zeitung Heute, die von Eva Dichand, der Ehefrau des Chefredakteurs der Kronen Zeitung, herausgegeben wird.

Weitere Printmedien sind die regional geprägte Kleine Zeitung (817.000), die Gratis-Zeitung Österreich (706.000), sowie der Kurier (602.000), der Standard (382.000), die Presse (274.000) und einige regionale Zeitungen. Dabei ist die Reichweite von Printmedien an sich bei den unter 30­Jährigen signifikant niedriger.[65]

Die österreichischen Zeitungen habenjedoch auch starke Online-Präsenzen. Unter den zehn beliebtesten Websites in Österreich waren im September 2013 derstandard.at mit über 17 Millionen Hits, krone.at mit fast 10 Millionen, kleinezeitung.at, kurier.at und diepresse.com (alle ca. 5 Millionen Hits).[66]

Die Konzentration ist allerdings ausgeprägter als es auf den ersten Blick scheint: der deutschen Funke Mediengruppe gehörtjeweils die Hälfte von Krone und Kurier.

Die andere Hälfte des Kurier gehört der Raiffeisenbank, über die auch die Kredite der Herausgeber der Österreich laufen. Außerdem ist der Kurier an zahlreichen namhaften Wochenmagazinen wie News, profil und Format beteiligt.[67]

Dies stellt die Kandidaten vor eine große Herausforderung. Denn ,,[u]nsere Analysen zeigen, dass die Medien - zumindest bei einem knappen Duellausgang - in der Woche nach dem Duell die Deutungshoheit über das Geschehene übernehmen.“[68] Keiner der Parteichefs kann es sich also leisten, in den großen Medien allzu negativ beurteilt zu werden. Vor allem der mittlerweile verstorbene Hans Dichand, der bis zu seinem Tod Herausgeber und Mitbesitzer der Kronen Zeitung war, konnte politische Karrieren aufbauen und zerstören. Auch Werner Faymann genoss seine Gunst im Wahlkampf 2008, musste sich dafür aber auch die Bezeichnung 'Kanzler von Dichands Gnaden' immer wieder gefallen lassen.[69] Ähnlich verhält es sich mit dem Rundfunk, wo die Opposition den beiden Regierungsparteien immer wieder Einflussnahme auf Grund ihrer Stellung im Stiftungsrat[70] vorwirft.[71] Ein zu nahes Verhältnis zu bzw. zu viel Lob in den führenden Medien schadet den Spitzenkandidaten also oft ebenfalls.

3. Ausgangslage

3.1 Vorgeschichte und Umfeld

3.1.1 Zur Person

„Werner Faymann wurde am 4. Mai I960 in Wien geboren. [...] 1981 wurde er Landesvorsitzender der Sozialistischen Jugend und übte diese Funktion bis 1987 aus. [...]

Faymanns politische Wurzeln liegen in der Wiener Kommunalpolitik. Von 1985 bis 1994 war er Mitglied des Landtages und Gemeinderates und ab 1988 Geschäftsführer der Wiener Mietervereinigung. Von 1994 bis 2007 war er als Stadtrat für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung, Präsident des Wohnfonds Wien - Fonds für Wohnbau und Stadterneuerung (WBSF) und Vizepräsident des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) tätig.

Nach dem Wahlsieg der SPÖ im Herbst 2006 [...] wurde Faymann in der neuen SPÖ-ÖVP- Regierung Anfang 2007 Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie. Von Juni bis August 2008 war er geschäftsführender Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, am 8. August 2008 wurde Werner Faymann am 40. ordentlichen Bundesparteitag im Design Center Linz mit 98,36 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden der SPÖ gewählt und bei den Parteitagen 2010 und 2012in dieser Funktion bestätigt.“[72]

3.1.2 Nationalratswahl 2008

Ein kurzer Rückblick auf die vorhergehende Wahl lohnt sich, denn auch damals trat Werner Faymann als Spitzenkandidat der SPÖ an. Es wird in der Analyse interessant sein, in welchen Punkten sich Faymanns Strategie geändert hat.

2008 beendete der Vizekanzler Wilhelm Molterer von der ÖVP vorzeitig die 2006 begonnene Regierungszusammenarbeit mit der SPÖ mit einem später viel zitierten „Es reicht!“[73]. Der Zeitpunkt schien günstig für die ÖVP, hatte doch der Überraschungssieger der letzten Wahl Alfred Gusenbauer wenig Geschick bewiesen. Viele Wahlversprechen hatten trotz des Wahlsieges im Koalitionsvertrag keinen Platz gefunden, aber viel gravierender war, dass er mehrere Male mit unbedachten Aussagen die Parteibasis verärgert hatte. Dazu kam, dass er sich auch mit dem Regierungsteam der ÖVP nicht besonders gut verstand, es kam immer wieder zu öffentlichen Diskussionen zwischen den Koalitionspartnern, das Image der Regierung in der Öffentlichkeit war schlecht.[74]

Deshalb musste Gusenbauer als Parteichef und Bundeskanzler noch vor der Wahl dem bisherigen Infrastrukturminister Werner Faymann weichen. Er und sein Team fuhren in den Monaten und Wochen vor der Wahl eine Doppelstrategie, die sich als erfolgreich erweisen sollte, besonders wenn man die Umfragewerte mit den Wahlergebnissen vergleicht. Die Meinungsforschungsinstitute IMAS und Gallup sahen im Juli 2008 die SPÖ bei 24 Prozent der Stimmen und aufPlatz 2 hinter der ÖVP (wenn auch mit unterschiedlich deutlichem Abstand).[75] Am Wahltag war die SPÖ auf dem ersten Platz und erhielt 29,3 Prozent der Stimmen (immer noch ein Verlust von 6 Prozent im Vergleich zu 2006).[76] Einerseits wurde darauf geachtet, sich von Gusenbauer so weit wie möglich zu distanzieren. Dies spiegelt sich vor allem in den Slogans „Genug gestritten“ und „Die neue Wahl“ wider. Die Person Faymann wurde zum Zugpferd des Wahlkampfs (dies sieht man auch an den Plakaten mit seinem Gesicht und seinem Namen groß und zentral, das Parteilogo klein und am Rand), Faymann wurde als Anti-Gusenbauer positioniert: Besonnen, mit einer guten Verbindung zur Basis und langjähriger politischer Erfahrung sowie als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit.

Dieses Image als Kämpfer wurde durch den zweiten Teil der Wahlkampfstrategie erzeugt. Innerhalb weniger Wochen peitschte der neue Bundeskanzler fünfPakete durch den Nationalrat, die ihm eine hohe mediale Aufmerksamkeit garantierten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Wahlplakat der SPÖ im Nationalratswahlkampf 2008 Abb. 3: Wahlplakat der SPÖ im Nationalratswahlkampf 2008

Quelle: Hofer, Thomas: Die Tricks der Politiker. Wien, 2010. Quelle: http://derstandard.at/1216918235524. gesehenam 11.3.2014

Drei dieser fünf Pakete (Ausbau der Pflegefinanzierung, Verlängerung der sogenannten Hacklerregerlung[77], Einführung eines 13. Bezugsmonats für die Familienbeihilfe) waren eigentlich ÖVP-Themen oder bereits ausgehandelte Kompromisse, die Faymannjetzt als Erfolge der SPÖ verkaufte und so die Volkspartei im Wahlkampf ausbremste. Das vierte Paket, die Abschaffung der Studiengebühren die Gusenbauer versprochen, aber nicht umgesetzt hatte, realisierte er durch die Zusammenarbeit mit FPÖ und Grünen. Der letzte Punkt, die Halbierung der Mehrwertsteuer, konnte zwar weder durchgesetzt werden, noch war er ein Selbstläufer wie die anderen vier. Es begann die sogenannte 'Wachteleier-Debatte', dennoch konnte Faymann sich als Kämpfer gegen Inflation und Teuerung positionieren.[78]

Der Wahlkampf von 2008 stellte Werner Faymann 2013 vor einige Herausforderungen. Eine so scharfe Abgrenzung gegen die ÖVP wie 2008 war nicht mehr möglich, hatte man doch diesmal eine ganze Legislaturperiode zusammen regiert. Auch die Strategie einfach 'nicht Gusenbauer' zu sein, reichte nun nicht mehr aus, Faymann musste seine Arbeit als Bundeskanzler nun verteidigen. Und dabei hatte besonders die Wirtschafts- und Finanzkrise und die damit einhergehenden schrumpfenden finanziellen Spielräume für den 2008 aufgetretenen 'Kämpfer für die soziale Sache' wenig Platz gelassen.

3.1.3 Wählerstromanalyse

Betrachtet man die Wählerstromanalyse der Nationalratswahl 2008, so wird klar welche Aufgaben für Werner Faymann bei diesem Wahlkampf am drängendsten waren.

Von 1,74 Millionen SPÖ-Wählern im Jahr 2006 waren 2008 noch 1,43 Millionen übrig geblieben. Man konnte dies als einen Sieg deuten, weil es gelungen war, die Stimmenmehrheit zu halten und man auch den Vorsprung vor der zweitplatzierten ÖVP ausgebaut hatte, Tatsache istjedoch, dass die Sozialdemokraten das bis dahin schlechteste Wahlergebnis seit 1945 einfuhren.[79] Wähler verloren sie dabei vor allem an die FPÖ (Brutto 181.000, Netto 158.000) bzw. an die Nichtwähler (Brutto 106.000, Netto 78.000)[80] Hinzu kam, dass die ÖVP 2006 vor allem an das BZÖ verloren hatte, das 2008 ohne den verstorbenen Jörg Haider und auch sonst, zumindest den Umfragen zufolge, stark geschwächt antrat und somit dem Gegner um Platz 1 und in der Folge dessen Kanzleranspruch vermutlich nicht weiter schwächen würde. Zuletzt war da noch das unberechenbare Team Stronach, das vor allem für potentielle Protestwähler attraktiv war, denen FPÖ und BZÖ zu weit rechts standen.

Doch während die Gefahr durch das Team Stronach schwer einzuschätzen war, sowohl weil es noch sehr neu war in der politischen Arena, als auch weil sein Spitzenkandidat immer wieder mit äußerst umstrittenen Aussagen aufhorchen ließ[81], stellten die Abwanderung zu FPÖ und Nichtwählern einen längerfristigen Trend dar[82], den es umzukehren oder wenigstens abzumildern galt.

3.1.4 Wahlkampf 2013

Die SPÖ hatte sich ihr den Wahlkampf 2013 [83] vor allem ein Ziel gesetzt, nämlich den Rang der stimmenstärksten Partei zu behaupten.[84] Im Vorfeld des Wahlkampfs ließ Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos eine Studie durchführen, die die wichtigsten Themen für die Wählerschaft ermitteln sollte. Es wurde festgestellt, dass sich diese vor allem mit den Problemen Arbeitslosigkeit, Teuerung bzw. Preissteigerung (das die SPÖ mit der Thematik Wohnen gleichsetzte) und Bildung beschäftigten. Von den Wählern über 40 wurden auch Pensionen häufig genannt. Bei allen genannten Themen wurde der SPÖ die höchste Kompetenz nachgesagt.[85] Außerdem waren die Beliebtheitswerte des Bundeskanzlers höher als die der Partei, es lag also nahe ihn im Wahlkampf besonders hervorzuheben. Vor allem, weil Österreich die Wirtschafts- und Finanzkrise im europäischen Vergleich gut überstanden hatte.[86] Außerdem wurde kurz vor der Wahl auch eine Steuererleichterung für kleine und mittlere Einkommen sowie eine 'Millionärssteuer', also eine besondere Besteuerung des obersten Bevölkerungsprozents versprochen.[87] Passend zu den angesprochenen Themen wurden Plakate, Radio- und Fernsehwerbesendungen sowie Zeitungsinserate mit den Slogans 'Arbeit, von der man leben kann.', 'Mieten, die man sich leisten kann.', 'Stürmische Zeiten. Sichere Hand.' sowie 'Gemeinsam für Österreich' geschalten. Zusätzlich absolvierten Wahlkampfteams mehrere tausend Hausbesuche und es wurden die üblichen öffentlichen Veranstaltungen abgehalten.[88]

Der Beitrag von Stefan Hirsch, Kommunikationschef der SPÖ, in Thomas Hofers Wahlanalyse zeigt, dass vor allem der Regierungspartner ÖVP als Gegner im Wahlkampf wahrgenommen wurde. Dies kann vermutlich auf die genannte Konzentration auf die Verteidigung der Kanzlerschaft zurückgeführt werden. Die FPÖ wird nur zwei Mal erwähnt, dabei vor allem im Resümee. Hirsch gesteht hier ein, dass sich die SPÖ spätestens bei der nächsten Nationalratswahl mit den Problemen der Stimmenabwanderung der Arbeiter zur FPÖ sowie der extrem schwachen Stimmenwerte bei den unter 29-Jährigen stellen wird müssen.[89] (vgl. Stimmenanteil 2013 bei Männern unter 29: SPÖ 18 Prozent, FPÖ 32 Prozent)[90]

Auffällig ist, dass sowohl SPÖ als auch ÖVP eine Strategie wählten, die denjeweils anderen zwar angriff, dabei aber nicht so direkt war, dass eine weitere Zusammenarbeit schwierig oder unglaubwürdig würde: Während die ÖVP vor einer rot-grünen Regierungskoalition warnte, beschwor die SPÖ das Gespenst der aus ihrer Sicht katastrophalen schwarz-blauen Regierungszeit.

Den Grund dafür nennt Sophie Karmasin in der Analyse der Debatte Faymann und Glawischnig: Obwohl die Stimmenanteile der beiden Parteien seit Jahren sinken, würde ein großer Teil der Bevölkerung eine große Koalition bevorzugen. Die zweitbeliebteste Variante, Rot-Grün, sei schon relativ weit abgeschlagen.

3.2 Rhetorische Strategie/Prämissen

Stefan Habscheid fasst die Aufgabe der Rhetorik im Mediensystem kurz, aber treffend zusammen: „Menschliche Kommunikation ist insofern immer indirekt, als niemand seine Intentionen und sein Wissen in den Kopf eines anderen übertragen kann; vielmehr muss er Sinn an kulturell geformte Materialisierungen und Bedeutung knüpfen, die für den anderen wahrnehmbar und verstehbar sind. So wird deutlich, dass vielfältige Medien [...] dem kommunikativen Handelnje spezifische Bedingungen auferlegen.“[91] Die Medialrhetorik adaptiert die klassische Rhetorik, die auf einen Orator zugeschnitten war, der über räumliche Präsenz, Kenntnis des Publikums und Reaktionsfähigkeit auf die Stimmung in der Menge verfügte[92], für die Vermittlung von Botschaften über die Massenmedien. Diese bringen zwar Zugang zu einem größeren Publikum, der Kanal muss jedoch beherrscht werden: „Zwei Faktoren machen sich beim 'medialen' Widerstand besonders bemerkbar: Distanz und Komplexität. Die Präsenz des Orators, d.h. seine situative Interventionsmöglichkeit, wird umso schwierigere indirekter die Kommunikation abläuft.“[93] Zwar biete eine Live-Sendung im Fernsehen zumindest die Illusion leibhaftiger Präsenz, anders als dies bei schriftlicher Kommunikation über Zeitung bzw. Zeitschrift und Internet oder rein stimmlicher Präsenz im Radio der Fall wäre, aber der Orator bliebe dennoch dem medialen Gesetz bzw. der Bildregie unterworfen. Außerdem gäbe es einen medialen Overkill, der die Simulation von intensiver Präsenz zunehmenden erschwere.[94] Gleichzeitig bietet das Duell-Format durchaus Vorteile, „erst in der Debatte, in der die unterschiedlichen Positionen zur Sprache kommen, zeigt sich, welche Seite die besseren Argumente hat“[95], weshalb diese für die Bürger interessanter wäre als bloße konsensorientierte Kommunikation.[96]

Diese notwendige Anpassung an die Logik der Medien sieht auch Hans-Jürgen Bucher. Er sieht ein klare Konfliktlinie zwischen politischer undjournalistischer Logik[97]: „Die Kommunikationsprinzipien der Politiker, etwa möglichst vage zu bleiben und sich nicht festzulegen, möglichst einseitig die Position der eigenen Partei zu vertreten, keine Widersprüche zu früheren Äußerungen oder zu Äußerungen aus der eigenen Partei erkennen zu lassen, konfligieren deutlich mit denjournalistischen Prinzipien.“[98] Somit hat der Diskutant aus Buchers Sicht zwei Gegner, einmal natürlich seinen Kontrahenten, aber zum anderen auch den Journalisten, der versucht ihm seine Logik aufzuzwingen und von der vorbereiteten Strategie abzuweichen. Für den Politiker gilt es nun mit dieser doppelten Herausforderung souverän umzugehen. Er formuliert die Aufgabe des Kandidaten klar und eindeutig: Ziel ist es das Gespräch zu dominieren.

„1. die Kontrolle über die Redezeit:je länger die Redezeit, desto mehr Einflussmöglichkeiten auf das Publikum
2. die Kontrolle über die Themen:je selbstbestimmter das Themenmanagement desto größer der Einfluss auf das worüber geredet wird, und desto kalkulierbarer die Richtung des Einflusses auf das Publikum
3. die Kontrolle über die Deutung der Äußerungen:je mehr Kontrolle über die Deutungen der Redebeiträge, desto größer der Einfluss auf den Debattenverlauf und die Darstellung der Dialog-Kohärenz“[99]

Es ginge in diesem Zusammenhang darum „die Wähleransprache und die Studiointeraktion aufeinander abzustimmen“[100], also das richtige Maß zu finden, um die Wählerschaft vor dem Bildschirm anzusprechen ohne dabei die mediale Logik zu vergessen. Danach geht er noch konkreter auf die Positionen der Kandidaten und die angemessene Strategie ein: „Während der Amtsinhaber seine bisherige Politik zur Selbstdarstellung nutzen kann und eine Adressierung des Kontrahenten diesen nur aufwerten würde, muss der Herausforderer sein Glück im Angriff auf den Amtsinhaber suchen, was ohne direkte Adressierung nicht möglich ist.“[101] Diese Selbstdarstellung muss ein essentieller Teil der rhetorischen Strategie eines Spitzenkandidaten sein. Vor allem die Spitzenkandidaten von Parteien treten nicht nur als sie selbst, sondern auch als Symbole der Partei auf. „Man versucht die Persönlichkeit des Politikers mit politischen Positionen zu verknüpfen, die trockene politische Auseinandersetzung auf diese Weise aufzulockern und ihr einen höheren Unterhaltungswert zu geben.“[102] Drastischer formuliert es Sarah Kuhnert: „Bedingt durch das Fehlen von Sachalternativen und der zunehmenden Entideologisierung wird der Trend zur Personalisierung von Politik immens verstärkt.“[103] Deshalb würde die Person des Parteichefs quasi zu Verkörperung politischer Einstellungen und Programme werden. Das Grundrezept für eine gelungene Selbstdarstellung scheint dabei zunächst recht einfach zu sein. Es gelte die eigenen Person durch Selbstlob bzw. bei ungünstigen Themen durch den Verweis auf unbeeinflussbare Faktoren (z.B.: Wirtschaftszyklen, Naturkatastrophen, etc.) möglichst positiv darzustellen, der Gegner solle durch Infragestellung seiner Integrität, Glaubwürdigkeit und Kompetenz abgewertet werden.[104] Diese positive Selbstdarstellung muss nunjedoch so erfolgen, dass sie auch glaubwürdig bleibt, Authentizität wird gefordert. Lothar Laux und Astrid Schütz haben für eine gelungene Selbstdarstellung sechs Handlungshinweise, die zeigen wie komplex die praktische Umsetzung dieser augenscheinlich einfachen Grundregel ist:

„1. Der Darsteller muß Mitteilungen, in denen sich verbale und nichtverbale Komponenten widersprechen, vermeiden. So darf er nicht mit Worten Zuneigung ausdrücken, sich gleichzeitig aber körperlich abwenden. Es ist also Kongruenz im Auftreten erforderlich.
2. Selbstdarstellung darfkeinesfalls als bewußter Akt der Eindruckslenkung wirken, da dies von den Zuschauern leicht als Manipulationsversuch gewertet wird. [...] Wenn jemand wie zufällig seine Leistungen erwähnt, beeindruckt dies mehr, als wenn er nur passende Gelegenheit zu warten scheint, um seine Stärken unverhohlen zum Ausdruck zu bringen. [...]
3. Es ist erfolgversprechender, ein öffentliches Selbstbild anzubieten, das neben positiven auch negative Aspekte umfaßt, als ein rein positives Bild. Wenn jemand zugibt auch gewisse Fehler zu haben, wird der Darstellung bestimmter persönlicher Vorzüge eher Glauben geschenkt. [...]
4. Es fördert nicht den Eindruck von Glaubwürdigkeit, wenn neben den eigentlich beabsichtigten Eindrücken noch andere unerwünschte Eindrücke entstehen. [...] Das vermeiden unvorteilhafter sekundärer Eindrücke (z.B. nervös, berechnend usw.) ist wichtig für den Erfolg der Selbstdarstellung.[...]
5. Rein pragmatisch beurteilt, ist unter dem Gesichtspunkt effektiver Selbstdarstellung vor allem wichtig, ehrlich zu wirken: unabhängig davon, ob man ehrlich ist oder nicht. Nicht immer genügt es aber, einfach ehrlich zu sein, um ehrlich zu wirken. [...]
6. Die Glaubwürdigkeit von Selbstdarstellung wird neben den bisher genannten Verhaltensmerkmalen außerdem durch den äußeren Rahmen und die Inszenierung eines Auftritts gefördert. [...] Schließlich üben positive und negative Publikumsreaktionen (Klatschen, Pfeifen) entsprechende Wirkungen aufBeobachter aus.“[105]

Die Vorstellung, die damit umgangssprachlich verbunden wird 'einfach man selbst zu sein' reicht im modernen Politikbetrieb offensichtlich nicht mehr aus. „Es reicht aber oft nicht aus, einfach nur 'echt' zu sein. Selbstkongruente Vorlagen müssen in der Regel bearbeitet werden, wenn sie wirksame Eindrücke beim Publikum hervorrufen sollen.“[106] Und selbst eine Selbstdarstellung, die einem ausgefeilten Konzept folgt, wird nur einen Teil der Wählerschaft erreichen. „Ein Teil des Publikums steht dem Politiker äußerst kritisch gegenüber und wartet nur daraufjede Handlung als Ausdruck von Manipulationstendenzen zu interpretieren. Ein anderer Teil erhofft sich von ihm den Ausdruck 'wahrer' Gedanken und Gefühle. Selbstöffnung, Echtheit werden gefordert. Wiederum ein anderer Teil möchte im Politiker ein Vorbild für moralisches Handeln sehen.“[107] Spätestens an diesem Punkt muss anerkannt werden, dass es selbst einem Politiker mit einer perfekten rhetorischen Performanz nicht möglich sein wird alle Bürger anzusprechen. Vielmehr muss er sein Auftreten und seine Botschaft so ausrichten, dass er eine möglichst breite Wählerschicht anspricht und für den Urnengang mobilisiert. Ebenfalls an dieser Stelle wird deutlich, dass eine Selbstdarstellung in der Form wie sie Laux und Schütz beschreiben, nur möglich ist, wenn man sie als professionelle Inszenierung betreibt, die die von Bucher beschriebene (massen-)mediale Logik nicht nur akzeptiert, sondern nutzt. Politische Inszenierung an sich ist weder positiv noch negativ, sie ist ein Teil der Realität politischen Arbeitens. „Politik wird zwangsläufig inszeniert, die Beziehung zwischen politischer Botschaft und ihrer mediengerechten Aufbereitung kann trotzdem für eine Demokratie produktiv sein. Jede Demokratie benötigt Politiker, die etwas zu sagen haben, und Medien, die darüber publikumswirksam berichten.“[108] Fortan wird, wenn vom Politiker bzw. Spitzenkandidaten die Rede ist, also nicht nur die Person gemeint sein, sondern vor allem das nach einer strategischen Inszenierung geformte Parteiprodukt, welches es gilt dem Wähler, dem Konsumenten von Politainment zu verkaufen. Dies macht ihnjedoch nicht wie Dörner befürchtet „zum Spielball im Kampf um Einschaltquoten, Werbekunden und Marktanteile“[109], vielmehr handelt es sich dabei um eine Grundregel der Rhetorik: „Der Orator ist die Botschaft, [...] Dies impliziert, dass der Orator [...] seine mediale Präsenz nach wie vor bewusst durchzusetzen, sein rhetorisches Handeln also medienspezifisch wirkungsvoll zu vermitteln hat.“[110]

3.2.1 Methoden der Inszenierung

„Das knappe Gut der Aufmerksamkeit derjenigen, die zugleich Fernsehpublikum und Wählerschaft sind, läßt sich aber nur dann erobern, wenn man es mit der Hilfe geschickter Inszenierungstechniken schafft, immer wieder präsent zu sein und die knappe Medienzeit möglichst markant zu nutzen.“[111] Trotzdem es in der für diese Arbeit benutzten Literatur weitverbreitete Einigkeit gibt, dass das von einem Politiker Gesagte nur einen Teil seiner Wirkung ausmacht, konzentriert man sich letztlich fast immer doch auf die Sprache oder den Text, wenn es um das Erlangen von Aufmerksamkeit bzw. um gelungenen Inszenierung geht. Dieser muss sich zwar den Regeln der Inszenierung unterwerfen - ,,[D]er Text darf nicht nur rationalistisch argumentieren, sondern hat auch die Selbstdarstellung des Orators zu flankieren und die Kommunikationspartner emotional seiner Sache zugeneigt zu halten“[112] - dies gilt aber natürlich auch umgekehrt: Das Image des Spitzenkandidaten muss so angelegt sein, dass es den traditionellen Themen seiner Partei sowie deren Haltung zu aktuellen Problemen entspricht.

Woher die Konzentration auf die Sprache kommt, die scheinbar im Konflikt mit dem bisherigen Konzept zu stehen scheint, erklären Häusermann und Käppli: „Die einzelnen Informationen können auf ganz verschiedene Art zusammengehören. Die sprecherische Interpretation ist eines der Mittel, die diese Zusammengehörigkeit deutlich machen.“[113] Wer also den Diskurs in seinem Sinne interpretieren will, der muss dies auf sprachlicher Ebene tun - eine grundlegende Bedingung für Buchers Forderung nach Dominanz.

Wichtigste Voraussetzung dafür sei die Verständlichkeit, zumal durch das Medium für den Orator ein zusätzlicher Widerstand entsteht. „Der Informationsprozeß läuft linear ab. Die Zuhörenden können ihn nicht zwecks besseren Verständnisses unterbrechen. [...] sie sollen der Kommunikationssituation entgegenkommen und einen Aufbau aufweisen, der auch in der linearen Abfolge einer Sendung einsichtig wird; sie sollen mit Satzkonstruktionen arbeiten, die beim einmaligen Anhören einfach zu entschlüsseln sind; sie sollen bekannte Wörter und Wendungen enthalten bzw. Unbekanntes sorgfältig einführen.“[114] Bei komplexen Sachverhalten solle man seinen Wortschatz genau überprüfen, oft gingen Fachbegriffe so in Fleisch und Blut über, dass man vergesse, dass diese für die Zuschauer unbekannt sein könnten. Im Zweifelsfall sei es besser Hilfsformulierungen zu nutzen. Dasselbe gelte für Namen.[115] Die aus dem Schulunterricht bekannte Regel Wortwiederholungen zu vermeiden, gelte für die geschriebene, nichtjedoch für die gesprochene Sprache.[116] Die Hauptaussage müsse klar sein, Nebenaussagen sollen unterstützend wirken.[117] Beispiele, Wiederholungen, Metaphern und andere Schmuckformen seien hilfreich, wenn sie der Verdeutlichung des Inhalts dienen, ohne Beziehung zur Aussage würden sie die Aufmerksamkeit vom Inhalt wegführen.[118]

Diese Grundregeln der medialen Kommunikation geltenjedoch nicht nur fur Politiker, sondern grundsätzlich für alle in Radio, Fernsehen oder Onlinevideo auftretenden Personen. Wenn es um den speziellen Fall medialer Politikvermittlung geht, machen die Fernsehredakteurin und Journalistin Sarah Kuhnert und der österreichische Politikberater Thomas Hofer ähnliche Beobachtungen. Sie sehen ein grundlegendes Problem für den Orator darin, dass das Gespräch zwischen den wahlwerbenden Politikern bzw. mit dem Journalisten eine Inszenierung sei, weil sich natürlich weder der Konkurrent noch der Journalist von den vorgebrachten Argumenten überzeugen lassen wird. Das Zielpublikumjene an die der Orator seine Botschaft richtet, sitzt zu Hause vor dem Fernsehapparat.[119] Diese Inszenierung schiebt erstens eine weitere Ebene zwischen Orator und Publikum, womit die erfolgreiche Kommunikation weiter erschwert wird (vgl. Knape, Kap 3.2) und zweitens dürfen sich die Beteiligten nicht anmerken lassen, dass sie nicht ernstlich planen einen der Anwesenden auf ihre Seite zu ziehen. So sieht es auch Bucher: „Politiker in den TV-Duellen interagieren deshalb gleichzeitig mit den im Studio Anwesenden und den Fernsehzuschauern, ihre Äußerungen sind mehrfach adressiert und polyfunktional. Sie folgen der Logik des politischen Handelns und antizipieren dabei die Logik des Journalismus. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass ihre Äußerungen nicht als Wahlwerbung, sondern als Antworten auf Journalistenfragen oder als Debattenbeiträge verstanden werden können.“[120] Einen praktischen Lösungsvorschlag für diese Problematik bietet keiner der drei Autoren, aus Buchers Aussage (Vgl. Kap. 3.2) lassen sichjedoch zwei mögliche Strategien ableiten: Während der Oppositionspolitiker vor allem die Möglichkeit nutzen solle, den Amtsinhaber direkt zu attackieren und sich somit zum Ankläger im Namen des Volkes mache, solle ein Regierungsmitglied vorrangig den Moderator anreden und ihm, als Stellvertreter der Wahlbevölkerung Rede und Antwort stehen. Für den amtierenden Bundeskanzler ergeben sich aus dieser Strategievorgabe neuerlich zwei Probleme: Während der Oppositionspolitiker sich schon als Teil der Bevölkerung positioniert, muss er sich noch als ein solcher erweisen und die Fragen des Journalisten können im Rahmen der politischen Medialrhetorik nur vorsichtig beantwortet werden. Ein Spitzenkandidat müsse sich einer Frage zumindest teilweise entziehen, um seine eigene Botschaft vermitteln zu können, gleichzeitig aber eine Verbindung zu ihr halten, damit der Zuschauer sein Ausweichen nicht bemerkt.[121] Die Strategien, die Kuhnert und Hofer für den Umgang mit Fragen vorschlagen, sindjedoch sehr unterschiedlich. Kuhnert empfiehlt Teilantworten zu geben, die der Frage inhärente Behauptung zu bestreiten oder auch einfach einmal zu sagen, man wisse etwas nicht bzw. man könne über Zukünftiges keine konkreten Aussagen machen.[122] Thomas Hofer führt seine Herangehensweise detaillierter aus.

[...]


1 Laux, Lothar/Schütz, Astrid: „Wir, die wir gut sind“. Die Selbstdarstellung von Politikern zwischen Glorifizierung undGlaubwürdigkeit. München, 1996. S.15

2 Kramer, Olaf: Machtworte. Politische Rede in der Mediendemokratie (lange Version). in: Atlantische Akademie (Hg): Reden und Rhetorik in Deutschland und den USA. http://www.atlantische-akademie.de/images/pdf-2009/AA- 09-004-Kramer-Vortrag.pdf. gesehen am 18.2.2014

3 Vgl. Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, 2001. S.14

4 Vgl. Meier, Klaus: Journalistik. Konstanz, 2007., S.105f. nach Studien von Ridder, Christa-Maria u.a.

5 Vgl. u.a.: Steinmauerer, Thomas: Medien und Medienpolitik in Österreich - ein Überblick in: http://www.politischebildung.com/pdfs/35steinmaurer.pdf. gesehen am 12.2.2014; Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, 2001., S.40; Meier, Klaus: Journalistik. Konstanz, 2007., S.105

6 Vgl. Patalong, Frank: Steigender Medienkonsum: 585 Minuten Lebensausfall? http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/medienkonsum-steigt-auf-neue-rekordhoehe-a-877354.html· gesehen am 12.2.2014

7 Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, 2001., S.45

8 Plasser, Fritz/Ulram, Peter A.: Parteienwettbewerb in der Mediendemokratie, S.416 in: Plasser, Fritz (Hg.): Politische Kommunikation in Österreich. Ein praxisnahes Handbuch. Wien, 2004.

9 Winter, Rainer: Gegenwart und Zukunft der „television studies“. Eine Standortbestimmung, S.255 in: Habscheid, Stefan/ Klemm, Michael (Hg.): Sprachhandeln und Medienstrukturen in der politischen Kommunikation. Tübingen, 2007.

10 Meyer, Thomas: Die Theatralität der Politik in der Mediendemokratie, S.2 in: http://www.bpb.de/apuz/27196/die- theatralitaet-der-politik-in-der-mediendemokratie. gesehen am 13.2.2014

11 Bucher, Hans-Jürgen: Logik der Politik - Logik der Medien. Zur interaktionalen Rhetorik der politischen Kommunikation in den TV-Duellen der Bundestagswahlkämpfe 2002 und 2005., S.13 in: Habscheid, Stefan/ Klemm, Michael (Hg.): Sprachhandeln und Medienstrukturen in der politischen Kommunikation. Tübingen, 2007. fortan: Bucher in Habscheid/Klemm, 2007.

12 Ebenda, S.13f.

13 Plasser, Fritz/Ulram, Peter A.: Parteienwettbewerb in der Mediendemokratie, S.416 in: Plasser, Fritz (Hg.): Politische Kommunikation in Österreich. Ein praxisnahes Handbuch. Wien, 2004.

14 Bucher in Habscheid/Klemm, 2007. S.14

15 Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, 2001., S.33f.

16 Winter, Rainer: Gegenwart und Zukunft der „television studies“. Eine Standortbestimmung. S.259 in: Habscheid, Stefan/ Klemm, Michael (Hg.): Sprachhandeln und Medienstrukturen in der politischen Kommunikation. Tübingen, 2007.

17 Habscheid, Stephan/Klemm, Michael: Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft: Problemhintergrund, Fragestellungen, Analyseansätze, S.2f. in: Habscheid, Stefan/Klemm, Michael (Hg.): Sprachhandelnund Medienstrukturen in der politischen Kommunikation. Tübingen, 2007.

18 Vgl. Kramer, Olaf: Politik durch das Wort. Über die Bedeutung der öffentlichen rede im politischen Raum, S.106 in: Cornelius-Bundschuh, Jochen/Hermelink, Jan (Hg.): Nicht durch Gewalt, sondern durch das Wort. Die Predigt und die Gestalt der Kirche. Leipzig, 2011.

19 Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, 2001., S.32

20 Ebenda, S.70

21 Filzmaier, Peter/Hämmerle, Kathrin/Plaikner, Peter: Was Wähler von Politikern eigentlich erwarten, S.83 in: Broukal, Josef/Filzmaier, Peter/u.a.: Politik auf Österreichisch. Zwischen Wunsch und Realität. Wien, 2009.

22 Zitiert nach Edelman, Murray: Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns. Frankfurt/Main,New York; 1976.

23 Bucher in Habscheid/Klemm,2007. S.14

24 Häusermann, Jürg/Käppeli, Heiner: Rhetorik für Radio und Fernsehen. Regeln und Beispiele für mediengerechtes Schreiben, Sprechen, Informieren, Kommentieren, Interviewen, Moderieren. Aarau/Frankfurt a. Main, 1994. S.280

25 Vgl. ebenda, S.282

26 Ebenda, S.288

27 Ebenda, S.282f.

28 Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, 2001., S.141

29 Ebenda, S.16

30 Gemeint sind dabei im Folgenden ausschließlich politische Talkformate, keine sogenannten 'Personality­Talkshows', die tatsächlich der Definition von Häusermann/Käppli entsprechen und für die vorliegende Arbeit nicht relevant sind.

31 Maurer, Marcus/Reinemann, Carsten: Warum TV-Duelle Wahlen entscheiden können. Befunde und Konsequenzen der TV-Duell-Studie 2005, S.229 in: Maurer, Marcus/Reinemann, Carsten/u.a.: Schröder gegen Merkel. Wahrnehmung und Wirkung des TV-Duells 2005 im Ost-West-Vergleich. Wiesbaden, 2007. fortan: Maurer/Reinemann, 2007.

32 Kuhnert, Sarah: Wortkampf nach dem Wahlkampf. Politische Argumentation im Fernsehen. Saarbrücken, 2007. S.8

33 Kramer, Olaf: Machtworte. Politische Rede in der Mediendemokratie (lange Version): In: Atlantische Akademie (Hg): Reden und Rhetorik in Deutschland und den USA. http://www.atlantische-akademie.de/images/pdf-2009/AA- 09-004-Kramer-Vortrag.pdf. gesehen am 18.2.2014

34 Vgl. Kramer, Olaf: Politik durch das Wort. Über die Bedeutung der öffentlichen rede im politischen Raum, S.107 in: Cornelius-Bundschuh, Jochen/Hermelink, Jan (Hg.): Nicht durch Gewalt, sondern durch das Wort. Die Predigt und die Gestalt der Kirche. Leipzig, 2011.

35 Vgl. Hofer, Thomas: Die Tricks der Politiker. Wien, 2010. S.10ff.

36 Maurer/Reinemann, 2001. S.244

37 Plasser, Fritz/Ulram, Peter A.: Parteienwettbewerb in der Mediendemokratie, S.419f. in: Plasser, Fritz (Hg.): Politische Kommunikation in Österreich. Ein praxisnahes Handbuch. Wien, 2004.

38 Ebenda, S.419

39 Vgl. ebenda, S.421

40 Vgl. Plasser, Fritz/Lengauer, Günther: Wahlkampf im TV-Studio: Konfrontationen in der Medienarena, S.206f. in: Plasser, Fritz (Hg.): Politik in der Medienarena. Wien, 2010

41 Vgl. Plasser, Fritz/Ulram, Peter A./Sommer, Franz: Do Campaigns Matter? Massenmedien und WahlkampfentscheidungimNationalratswahlkampf1999, S.161 in: Plasser, Fritz/Ulram, Peter A./Sommer, Franz (Hg.): Das österreichische Wahlverhalten. Wien, 2000.

42 Vgl. auch Plasser, Fritz/Ulram, Peter A./Sommer, Franz: Kampagnendynamik, Mediahypes und der Einfluss der TV-Konfrontationen 2002, S.46f. In: Plasser, Fritz/Ulram, Peter A. (Hg.): „Wahlverhalten in Bewegung. Analysen zur Nationalratswahl 2002. Wien, 2003.

43 Plasser, Fritz/Ulram, Peter A.: Parteienwettbewerb in der Mediendemokratie, S.422 in: Plasser, Fritz (Hg.): Politische Kommunikation in Österreich. Ein praxisnahes Handbuch. Wien, 2004.

44 Plasser, Fritz in: ZiB 2. ORF 2, 28.8.2013, 22.00, 30 Min.

45 Einen historischen Rückblick auf die Entwicklung der österreichischen Kanzlerduelle bietet die Sonderberichterstattung zum Kanzlerduell 2013.

46 Scheidl, Hans Werner: Bruno Kreisky und seine vier ÖVP-Obmänner, in: http://diepresse.com/home/politik/zeitgeschichte/1458219/Bruno-Kreiskv-und-seine-vier-OVPObmaenner· gesehen am 19. 2.2014

47 Vgl. Ebenda

48 Posselt, Michael/Rieglhofer, Manfred: Impression-Management: Kandidatendiskussionen im TV 1994, 1995 und 1999, S.207 in: Plasser, Fritz/Ulram, Peter A./Sommer, Franz (Hg.): Das österreichische Wahlverhalten. Wien, 2000.

49 Auf eine Teilnahme bei diesen verzichteten die beiden Regierungsparteien im Wahlkampf 2013jedoch, da man bei sechs Nationalratsparteien und entsprechend vielen Duellen eine Übersättigung des Publikums fürchtete.

50 Vgl. ebenda, S.207ff.

51 Vgl. u.a.: o.A.: Schüssel kneift - Erstes TV-Duell Grasser gegen Van der Bellen in: http://www.krone.at/Oesterreich/Erstes TV-Duell Grasser gegen Van der Bellen-Schuessel kneift-Story-51675. gesehen am 20.2.2014; o.A.: Heute: Van der Bellen gegen Schüssel-Ersatz Grasser in: http://derstandard.at/2575160, gesehen am 20.2.2014

52 Vgl. o.A.: Puls 4-Elefantenrunde: Faymann bittet um Vergebung in: http://derstandard.at/1220458399360· gesehen am 20.2.2014

53 Hirsch, Stefan: Ein durch und durch roter Wahlkampf, S.45 in: Hofer, Thomas/Tóth, Barbara (Hg.): Wahl 2013. Macht, Medien, Milliardäre - Analysen zur Nationalratswahl. Wien, 2014.

54 Zur Einordnung: In Österreich waren 2008 6,33 Millionen Menschen wahlberechtigt (Quelle: http://www.bmi.gv.at/cms/BMI wahlen/nationalrat/2008/Wahlberechtigte.aspx, gesehen am 20.2.2014)

55 500.000 wenn man die sogenannte 'Mückenrunde', also die Debatte der nicht im Parlament vertretenen Parteien, miteinbezieht.

56 Vgl. Plasser, Fritz/Lengauer, Günther: Wahlkampf im TV-Studio: Konfrontationen in der Medienarena, S.204 in: Plasser, Fritz (Hg.): Politik in der Medienarena. Wien, 2010

57 o.A.: Chronologie des Wahlkampfes 2013, S. 241 in: Hofer, Thomas/Tóth, Barbara (Hg.): Wahl 2013. Macht, Medien, Milliardäre - Analysen zur Nationalratswahl. Wien, 2014.

58 Vgl. die Stimmenwerte bei Arbeitern und Angestellten beio.A.: Wahlverhalten nach Geschlecht, Alter und Berufsstand in: http://diepresse.com/home/politik/nrwahl2013/1458606/Wahlverhalten-nach-Geschlecht-Alter-und- Berufsstand, gesehen am 20.3.2014

59 Maurer/Reinemann, 2007. S.229

60 Austria Presse Agentur

61 Vgl. o.A. Tageszeitung wichtiger als TV-Duelle in: http://diepresse.com/home/politik/nrwahl2013/1448396/Tageszeitungen-wichtiger-als-TVDuelle, gesehen am 20.3.2014

62 Glück, Heidi in: ZiB 2. ORF 2, 28.8.2013, 22.00, 30 Min.

63 Vgl. Arbeitsgemeinschaft Teletest: Marktanteile Sender 2013 in: http://www.agtt.at/show content.php?sid=23. gesehen am25.3.2014

64 Vgl. Verein ArbeitsgemeinschaftMedia-Analyse: Media-Analyse 12/13 in: http://www.media- analvse.at/studienPublicPresse.do?vear=12/13, gesehen am 26.3.2014

65 Vgl. ebenda

66 Österreichische Webanalyse: ÖWA Basic September 2013 in: http://www.oewa.at/index.php? id=16695&sort=DESC&bv=visit&cat=gesamt#ea. gesehen am 25.3.2014

67 Fidler, Harald: Ranking: Medienriesen des kleinen Österreich in: http://derstandard.at/3322536, gesehen am 25.3.2014

68 Maurer/Reinemann, 2007. S.244

69 Vgl. u.a. Föderl-Schmid, Alexandra: Der Kanzlermacher in: http://derstandard.at/1244461056351/Der- Kanzlermacher, gesehen am 25.3.2014; Kittner, Daniela/Klambauer, Otto: Tod eines Patriarchen, der die Politik prägte in: http://kurier.at/kultur/tod-eines-patriarchen-der-die-politik-praegte/713.698· gesehen am 25.3.2014

70 Vgl. o.A.: Stiftungsrat in: http://kundendienst.orf.at/unternehmen/menschen/gremien/stiftung.html, gesehen am 25.3.2014

71 Vgl. Wahl 13 - Konfrontationen: Werner Faymann und JosefBucher. ORF 2, 3.9.2013, 21.05, 48 Min.

72 o.A.: Bundeskanzler Werner Faymann in: http://spoe.at/person/bundeskanzler-werner-favmann. gesehen am 14.3.2014

73 Vgl. z.B. Kraske, Marion: Populisten in Österreich: Wahlkampf an der Wachteleier-Front in: http://www.spiegel.de/politik/ausland/populisten-in-oesterreich-wahlkampf-an-der-wachteleier-front-a-579679.html· gesehenam 11.3.2014

74 Eine ausführlichere Beschreibung der Regierungszeit Alfred Gusenbauers und seiner Probleme ist zu finden in der Diplomarbeit von Willibald Heimlich sowie bei Thomas Hofer: Die Tricks der Politiker. Wien, 2010.

75 Vgl. o.A.: Tiefstwerte für die Großparteien in: http://www.wissenswertes.at/index.php?id=sonntagsfrage-20072008· gesehenam 11.3.2014

76 Vgl. o.A.: Ergebnis derNationalratswahl 29.9.2013 in Österreich in: http://www.wien- konkret.at/politik/wahlen/nationalratswahl2008/nationalratswahlergebnisse-2-republik/· gesehenam 11.3.2014

77 'Hackler' kommt aus der ostösterreichischen Umgangssprache und bezeichnet Schwerarbeiter, etwa aus der Metall verarbeitenden Industrie. Die so genannte Hacklerregelung sieht vor, dass Personen die mindestens die Hälfte ihrer 540 Beitragsmonate zur Sozialversicherung (Frauen 480 Monate) geleistet haben, früher abschlagsfrei in Pension gehen können.

78 Vgl. Hofer, Thomas: Die Tricks der Politiker. Wien, 2010. S.56f.

79 Vgl. o.A.: Ergebnis derNationalratswahl 29.9.2013 in Österreich in: http://www.wien- konkrct.at/politik/wahlcn/nationalratswahl2008/nationalratswahlcrgcbnissc-2-rcpublik/. gesehenam 11.3.2014

80 o.A.: Nationalratswahl 2008 in: http://www.sora.at/themen/wahlverhalten/wahlanalysen/nrw08.html· gesehen am

2.2.2014

81 Vgl. z.B. in 5.3 Frank Stronach bringt das Thema Todesstrafe auf

82 Vgl. die Wählerstromanalysen vorhergehender Nationalratswahlen des Instituts SORA, zu finden über obenstehenden Link. Anm.: Die Nationalratswahl 2002 stellt einen Bruch in diesem Trend dar, der durch die Regierungsbeteiligung der FPÖ von 2000-2006 erzeugt wurde.

83 Eine ausführliche chronologische Darstellung des gesamten Wahlkampfzeitraums von Thomas Hofer findet sich im Anhang 1

84 Vgl. Hirsch, Stefan: Ein durch und durch roter Wahlkampf, S.37 in: Hofer, Thomas/Tóth, Barbara (Hg.): Wahl 2013. Macht, Medien, Milliardäre - Analysen zurNationalratswahl. Wien, 2014.

85 Vgl. Ebenda, S.39

86 Vgl. Ebenda, S.41f

87 Vgl. Ebenda, S.47f

88 Vgl. Ebenda, S.40ff.

89 Vgl. Ebenda, S.49

90 o.A.: Wahlverhalten nach Geschlecht, Alter und Berufsstand in:http://diepresse.com/home/politik/nrwahl2013 /1458606/Wahlverhalten-nach-Geschlecht-Alter-und-Berufsstand· gesehen am 20.3.2014

91 Habscheid, Stefan: Textund Diskurs. Paderborn, 2009. S.93

92 Kramer, Olaf: Machtworte. Politische Rede in der Mediendemokratie (lange Version), S.2 in: Atlantische Akademie (Hg): Reden und Rhetorik in Deutschland und den USA. http://www.atlantische-akademie.de/images/pdf-2009/AA- 09-004-Kramer-Vortrag.pdf. gesehen am 18.2.2014

93 Knape, Joachim: Was ist Rhetorik? Stuttgart, 2000. S.91

94 Vgl. ebenda, S.100ff

95 Kramer, Olaf: Machtworte. Politische Rede in der Mediendemokratie (lange Version), S.2 in: Atlantische Akademie (Hg): Reden und Rhetorik in Deutschland und den USA. http://www.atlantische-akademie.de/images/pdf-2009/AA- 09-004-Kramer-Vortrag.pdf· gesehen am 18.2.2014

96 Vgl. Kramer, Olaf: Konflikt statt Konsens? Die Debatte als Medium politischer Kommunikation und das universalpragmatische Ideal derrationalen Verständigung, S.68 in: Beetz, Manfred/Dyck, Joachim/u.a. (Hg.): Rhetorik, Ein internationales Jahrbuch, Band 25: Rhetorik der Debatte. Tübingen, 2006.

97 Journalistische und mediale (also Unterhaltungs-)Logik können in Buchers Aussage gleichgesetzt werden, denn ein Politiker, der sich derjournalistischen Logik unterwirft und unerwartet klare Aussagen trifft, erzeugt Aufmerksamkeit und damit Unterhaltung.

98 Bucher in Habscheid/Klemm, 2007. S.19

99 Ebenda, S.34

100 Ebenda, S.34

101 Ebenda, S.34

102 Kramer, Olaf: Machtworte. Politische Rede in der Mediendemokratie (lange Version), S.10 in: Atlantische Akademie (Hg): Reden und Rhetorik in Deutschland und den USA. http://www.atlantische-akademie.de/images/pdf- 2009/AA-09-004-Kramer-Vortrag.pdf. gesehenam 18.2.2014

103 Kuhnert, Sarah: Wortkampf nach dem Wahlkampf. Politische Argumentation im Fernsehen. Saarbrücken, 2007. S.26, vgl. auch Bucher in Habscheid/Klemm, S.33

104 Vgl. ebenda, S.23f.

105 Laux, Lothar/Schütz, Astrid: „Wir, die wir gut sind“. Die Selbstdarstellung von Politikern zwischen Glorifizierung undGlaubwürdigkeit. München, 1996. S.41ff.

106 Ebenda, S.25

107 Ebenda, S.37

108 Filzmaier, Peter: Wag the Dog? Amerikanisierung der Fernsehlogik und mediale Inszenierung in Österreich, S.10 in: Filzmaier, Peter/Karmasin, Matthias/Klepp, Cornelia (Hg.): Politik und Medien, Medien und Politik. Wien, 2006.

109 Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, 2001., S.13f.

110 Knape, Joachim: Was ist Rhetorik? Stuttgart, 2000. S.93

111 Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, 2001., S.142

112 Knape, Joachim: Was ist Rhetorik? Stuttgart, 2000. S.99

113 Häusermann, Jürg/Käppeli, Heiner: Rhetorik für Radio und Fernsehen. Regeln und Beispiele für mediengerechtes Schreiben, Sprechen, Informieren, Kommentieren, Interviewen, Moderieren. Aarau/Frankfurt a. Main, 1994. S.21

114 Ebenda, S.21

115 Vgl. ebenda, S.28ff.

116 Vgl. ebenda, S.42f.

117 Vgl. ebenda, S.74

118 Vgl. ebenda, S.115 bzw. S.124f.

119 Vgl. Kuhnert, Sarah: Wortkampf nach dem Wahlkampf. Politische Argumentation im Fernsehen. Saarbrücken, 2007. S12f. sowie Hofer, Thomas: Die Tricks der Politiker. Wien, 2010. S.44f.

120 BucherinHabscheid/Klemm,2007. S.17

121 Vgl. Kuhnert, Sarah: Wortkampf nach dem Wahlkampf. Politische Argumentation im Fernsehen. Saarbrücken, 2007. S.32 sowie Hofer, Thomas: Die Tricks der Politiker. Wien, 2010. S.46

122 Vgl. Kuhnert, Sarah: Wortkampf nach dem Wahlkampf. Politische Argumentation im Fernsehen. Saarbrücken, 2007. S.32

Details

Seiten
102
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668409064
ISBN (Buch)
9783668409071
Dateigröße
944 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354702
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Allgemeine Rhetorik
Note
2,0
Schlagworte
eine analyse performanz bundeskanzlers werner faymann fernsehduellen diskussionsreihe wahl konfrontationen

Autor

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Titel: Eine Analyse der Performanz des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann in den Fernsehduellen der Diskussionsreihe "Wahl '13 - Konfrontationen"