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Werden die Reichen immer reicher? Gerechte / ungerechte Einkommensverteilung in Deutschland

Ist der Sozialstaat Deutschland am Ende?

Facharbeit (Schule) 2016 18 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Begründung für die Wahl des Themas

2. Werden die Reichen immer reicher?
2.1 Der Gini-Koeffizient als statisches Maß zur Quantifizierung der Einkommensdisparität
2.2 Vergleich zwischen den reichsten und den ärmsten
2.3 Vergleiche zwischen Gini-Werten Deutschlands von heute und früher
2.4 Gründe für die ungleiche Einkommensverteilung
2.4.1 Kapitaleinkommen
2.4.2 Atypische Jobs
2.4.3 Staatliche Umverteilung
2.5 Umverteilungsoptionen
2.5.1 Mindestlohn und Spitzensteuersätze
2.5.2 Umverteilung durch Steuerpolitik
2.5.3 Umverteilung durch Sozialleistungen und Subventionen
2.5.4 Eigentumsumverteilung
2.6 Ist der Sozialstaat Deutschland am Ende?

3. Fazit
II Literaturverzeichnis
II.I Literatur
II.II Internetquellen
III Abbildungsverzeichnis
IV Anhang
IV.I Anlage 1: Loreneffekt-kurve
IV.II Anlage 2: Lorenzkurven
IV.III Anlage 3: Einkommensverteilungsgraph von 1991 bis
IV.IV Anlage 4: Einkommen und Globale Ungleichheit

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

In dieser Arbeit wird untersucht ob die Reichen immer reicher werden, da diese Ausarbeitung aber nicht alleinig auf Deutschland bezogen ist können folglich nicht alle Aussagen verallgemeinert werden. Es wird aufgezeigt ob, und welche Möglichkeiten der Umverteilung existieren, wobei die gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen ebenfalls mit in Betracht gezogen werden. Die Relevanz dieser Arbeit ist insbesondere dadurch gegeben, dass das Thema einen großen Teil der Bevölkerung betrifft.

Die Ausarbeitung wird sich speziell auf die Frage beziehen ob die Reichen immer reicher werden, sowie auf die sozialen, politischen und historischen Rahmenbedingung und deren Auswirkungen. Des Weiteren wird darauf eingegangen, ob der S ozialstaat Deutschland am Ende ist und welche Möglichkeiten der staatlichen Regulierung und Umverteilung bestehen. Entsprechend soll diese Arbeit aufzeigen wie gerecht oder ungerecht die Einkommensverteilung in Deutschland ist.

1.2 Ziele der Arbeit

Das primäre Ziel dieser Ausarbeitung ist die korrekte und fachgerechte Beantwortung der Fragestellung in 1.1, also ob die Reichen immer reicher werden.

Dies wird in dieser Arbeit durch die Analyse und Hinterfragung von Sekundärliteratur erörtert.

1.3 Begründung für die Wahl des Themas

Die Fragestellung ob Reiche immer reicher werden und wie die Einkommensverteilung in Deutschland wirklich ist, sind gesellschaftlich grundsätzliche Fragen, welche die Lebenswirklichkeit und die Zukunftsperspektiven weiter Bevölkerungsschichten betreffen. Hierdurch ist nicht nur die Relevanz des Themas gegeben sondern es wurde auch mein persönliches Interesse geweckt.

2. Werden die Reichen immer reicher?

2.1 Der Gini-Koeffizient als statisches Maß zur Quantifizierung der Einkommensdisparität

„Ein […] verbreitetes statistisches Maß zur Quantifizierung der Einkommensdisparität ist der Gini-Koeffizient.“[1] Der Gini-Koeffizient wurde ursprünglich vom italienischen Statistiker Corrado Gini entwickelt um Ungleichverteilungen darstellen zu können, deshalb wird der Gini-Koeffizient auch oft als Ungleichverteilungskoeffizient bezeichnet. In den Wirtschaftswissenschaften wird der Gini-Koeffizient als Maßgröße

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: SAS-Programmer: http://www.sasprogrammer.net/images/gini_graph4.jpg (26.04.2016) siehe Anhang (Anlage 1) IV.I Loreneffekt-kurve

für die Einkommensverteilung einzelner Länder angewandt.[2] „Der Gini-Koeffizient nimmt einen Wert zwischen 0 (bei einer [unendlich] gleichmäßigen Verteilung) und 1 (wenn nur eine Person das komplette Einkommen erhält, d.h. bei maximaler Ungleichverteilung) an.“[3] In diesem Fall ist mit gleichmäßiger Verteilung nicht die Gleichverteilung im stochastischen Sinne (wahrscheinlichkeitstheoretisch), sondern die Verteilung mit einer Varianz[4] von 0 gemeint. Der Gini-Koefizient drückt somit die Information der Lorenzkurve[5] in nur einer Zahl aus, die Grundidee dafür basiert auf der Fläche, die zwischen der tatsächlichen Lorenzkurve und der Winkelhalbierenden entsteht. Sie wird deshalb auch Konzentrationsfläche genannt.(Vgl.: Abbildung 1) Der Gini-Koeffizient bildet hierbei den häufigste Anwendungsfall für die Einkommensverteilung in einem Staat, wobei nicht gezeigt wird dass verschiedene Einkommensklassen gleich häufig sind, sondern dass das Einkommen eines Erwachsenen in einem Staat eine bestimmte Höhe hat ist.[6]

Wenn man durch Hilfe des Gini-Koeffizienten Einkommensstrukturen in einem Land untersucht muss man sich darüber im klaren sein was genau ein guter Wert überhaupt ist.

Am besten Schneidet laut OECD[7] Schweden[8] gefolgt von Tschechien[9] und Norwegen[10] ab, die jeweils etwa bei einem wert von 0,25 liegen. Schlechte Werte haben Staaten wie Botswana[11], Lesotho[12] mit einem Wert jeweils über 0.6 und Namibia[13] sogar mit einem Wert von über 0,7. Im Kontext zu letzterem ist Deutschland mit einem Wert von 0,283 ein Land indem das Einkommen sehr gut verteilt ist. Jedoch reicht es nicht einzig die Einkommensverteilung über nur einen Koeffizienten zu quantifizieren und zu beurteilen.[14] Man kann auch unmittelbar die verschobene Lorenzkurve bewerten und analysieren. Die Beispiele der nachstehenden Abbildung 2 sind immer Extremfälle und kommen in der Wirklichkeit kaum vor. Wenn man die Illustrationen betrachtet erkennt man in Teilbild (a) eine normale Lorenzkurve, welche zeigt dass viele Menschen ein relativ gutes Einkommen haben. Wenn man jedoch die Steigung untersucht erkennt man, dass wenig Menschen ein sehr hohes und die restlichen im Verhältnis dazu viel geringere Einkommen aufweisen. Teilbild (b) hingegen zeigt eine noch unfairere Einkommensverteilung. Hier besitzen sehr wenige Menschen ein extrem hohes Einkommen und der Rest ein sehr geringes Einkommen. Teilbild (c) beschreibt eine unerreichbare Einkommensverteilung. Hier hat ein Mensch das gesamte Einkommen eines Staates und der Rest keines. Aber auch Teilbild (d) ist in der Realität nicht erreichbar, in diesem Staat müsste jeder Einwohner genau gleich viel verdienen.[15] Des Weiteren ist es wichtig eine andere Form der Betrachtung für eine gute Analyse der Einkommensdisparitäten von Ländern heranzunehmen. Diese bildet der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Crashkurs-Statistik: http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.crashkurs-statistik.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2013%2F07%2Fgini-veranschaulichung.png&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.crashkurs-statistik.de%2Fgini, (abgreufem am 26.04.2016), siehe Anhang (Anlage 2) IV.II Lorenzkurve

Vergleich zwischen „Reich“ und „Arm“ in 2.2.

2.2 Vergleich zwischen den reichsten und den ärmsten

Leichter zu verstehen als der Gini-Koeffizient ist der Vergleich zwischen den 10 ärmsten Prozent und den 10 reichsten Prozent einer Bevölkerung. Hierbei wird für jedes Land das durchschnittliche Einkommen der 10 reichsten und ärmsten Prozent der Bevölkerung genommen und verglichen. 2010 verdienten in Deutschland die zehn reichsten Prozent sieben mal so viel wie die zehn ärmsten, das ist ein Verhältnis von 7:1 was nur von Österreich, Norwegen, Schweden, Finnland und Island mit einem Verhältnis von 6:1 unterboten werden konnte. Südeuropäische Länder wie Spanien, Italien oder Portugal überboten das Verhältnis von Deutschland deutlich und wiesen somit eine weitaus höhere Diskrepanz aus. Als Vergleichswert ist das Verhältnis der USA bei 16:1 und das von Mexiko bei 25:1. Man muss bei der Beurteilung jedoch beachten was „a rm sein“ bedeutet. Arm sein bedeutet die Hälfte oder weniger zu besitzen wie der landesdurchschnittliche Besitz ist. Somit ist beispielsweise ein armer Norweger immer noch reicher als ein wohlhabender Mexikaner[16]

2.3 Vergleiche zwischen Gini-Werten Deutschlands von heute und früher

Um erfassen zu können ob die Reichen in Deutschland immer reicher werden muss man Gini-Werte von früher und heute vergleichen und kritisch hinterfragen. Jedoch darf man die globale Entwicklung der Einkommensverteilung aller Länder nicht außer acht lassen. Vorerst muss aber geklärt werden was eigentlich Reich und Arm in Deutschland bedeutet. Als Reich bezeichnet man in Deutschland wohnhafte Personen mit einem Privatvermögen von mehr als 820.000€, das Medianvermögen hingegen liegt bei etwa 17.000€, 1/5 haben gar kein Vermögen und 7% sogar Schulden.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Einkommensverteilung, http://www.wiwo.de/politik/ausland/gerechtigkeit-gini-koeffizient-in-deutschland-nahezu-unveraendert/8210632-2.html (Abgerufen am 23.04.2016) siehe Anhang IV.III (Anlage 3) Einkommensverteilungsgraph von 1991 bis 2010

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Abbildung 4: Spiegel: https://magazin.spiegel.de/SP/2016/17/144430264/images/co-sp-2016-017-0052-vb-1461173198-207320.72a6eb2.jpg (abgerufen am 24.04.2016) siehe Anhang (Anlage 4) IV.IV Einkommen und globale Ungleichheit

In Abbildung 3 erkennt man einen Graphen der die Einkommensungleichheit zwischen 1991 und 2010 durch den Gini-Koeffizient zeigt. Trotz der stagnierenden und später steigenden verfügbaren Einkommen, ist die Ungleichheit in den vergangenen Jahren gestiegen, zwischen 1991 und 2010 von etwa 0.257 auf 0,298 um 0.041, wenngleich es von 2005 bis etwa 2010 einen vorübergehenden Rückgang gab. Dieser Wert erscheint gering zu sein, ist jedoch ein Beleg dass sich die sprichwörtliche Schere zwischen Arm und Reich immer mehr öffnet. Auch Graphik 4 zeigt auf globaler Ebene einen Zuwachs an Personen mit einem sehr hohem Einkommen was die Analyse von Abbildung 3 untermauert. Es muss aber auch die immer noch bestehende Verteilung von Vermögen gesehen werden um eine Gesamtbetrachtung zu haben. Wohingegen das Medianvermögen in Westdeutschland bei 21.000€ liegt liegt es in Ostdeutschland bei etwa 18.000€. [18] [19]

Kommt wir damit zum Fazit, die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer, oder nicht? Ja. Jedoch muss auch beachtet werden dass die einzigen die wirklich signifikante Einbußen in der Vermögensverteilung hatten die Arbeitslosen waren. Ihr durchschnittliches Privatvermögen sank seit 2002 von 30.000€ auf 18.000€. Des Weiteren veränderte sich die Einkommensdisparität kaum und ist im internationalen Vergleich immer noch sehr gut.[20]. Betrachtet man Anlage 4 dann erkennt man in der schwarz gefärbten Fläche das Einkommen pro Tag in den 1970er Jahren. Die meisten Menschen verdienen laut dieser Grafik um einen Dollar, wenige mehr als zehn Dollar und in Richtung 100 Dollar ist der Graph sehr spitz auslaufend. Im Vergleich zum roten Graphen von 2010 ist der Teil an Menschen die einen Dollar verdient gesunken und die Zahl der Menschen die etwa zehn Dollar verdienen extrem gestiegen. Jedoch muss auch darauf hingewiesen werden, dass die Reichen laut dieser Grafik auch immer wohlhabender werden.[21]

[...]


[1] Springer Gabler Verlag, Gabler Wirtschaftslexikon (2016): Gini-Koefizient, 35/Archiv/5011/gini-koefizient-v21.html 19.04.2016, (Abgerufen am 25.04.2016)

[2] Vgl.: Wikipedia, o.V. (2016): Gini-Koeffizient, http://de.wikipedia.org/wiki/gini_koefizient 21.04.2016, (Abgerufen am 24.04.2016)

[3] Wikipedia, o.V. (2016): Gini-Koeffizient, http://de.wikipedia.org/wiki/gini_koefizient 21.04.2016, (Abgerufen am 25.04.2016)

[4] Anm.: Varianz: „Die gebräuchlichste Maßzahl zur Charakterisierung der Streuung einer theoretischen oder empirischen Verteilung. Die Varianz ist ein nicht relativiertes Streuungsmaß.“Springer Gabler Verlag, Gabler Wirtschaftslexikon (2016): Varianz, 35/Archiv/5011/varianz-v11.html 19.04.2016, (Abgerufen am 25.04.2016)

[5] Anm.: Lorenzkurve: „Sie stellt statistische Verteilungen grafisch dar und veranschaulicht dabei das Ausmaß an Disparität (Ungleichheit) respektive relativer Konzentration innerhalb der Verteilung; deshalb wird sie auch als Disparitätskurve betitelt.“Wikipedia, o.V. (2016): Lorenzkurve, http://de.wikipedia.org/wiki/lorenzkurve 20.04.2016, (Abgerufen am 25.04.2016)

[6] Vgl.: Wikipedia, o.V. (2016): Gini-Koeffizient, http://de.wikipedia.org/wiki/gini_koefizient 21.04.2016, (Abgerufen am 24.04.2016)

[7] Anm.: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

[8] Anm.: Gini Koefizient = 0,248

[9] Anm.: Gini Koefizient = 0,254

[10] Anm.: Gini Koefizient = 0,258

[11] Anm.: Gini Koefizient = 0,63

[12] Anm.: Gini Koefizient = 0,632

[13] Anm.: Gini Koefizient = 0,77

[14] Vgl.: Wikipedia, o.V. (2016): Einkommensverteilung, http://de.wikipedia.org/wiki/einkommensverteilung/ 05.04.2016, (Abgerufen am 25.04.2016)

[15] Vgl.: Anlage 2 im Anhang IV.III

[16] Vgl.: Wirtschafts-Woche, Ginsburg, Jackob Hans (2014): Einkommensverteilung, http://www.wiwo.de/politik/ausland/gerechtigkeit-gini-koeffizient-in-deutschland-nahezu-unveraendert/8210632-2.html (Abgerufen am 23.04.2016)

[17] Ebd.: Einkommensverteilung, http://www.wiwo.de/politik/ausland/gerechtigkeit-gini-koeffizient-in-deutschland-nahezu-unveraendert/8210632-2.html (Abgerufen am 23.04.2016)

[18] Vgl.: Anlage 3, Anhang IV.III

[19] Vgl.: o.V.: Gini-Index, http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fblogs.fu-berlin.de%2Finequalitics%2Ffiles%2F2013%2F12%2FDIW-Excerpt-4.png&imgrefurl=https%3A%2F%2Fblogs.fu-berlin.de%2Finequalitics%2F2013%2F12%2F12%2Fzur-einkommensungleichheit-in-deutschland-und-was-der-mindestlohn-allein-nicht-leisten-kann%2F&h=289&w=427&tbnid=bf8ISlZYS8t5J%3A&docid=Ech9SN5hll8lvM&ei=mVUeV7K.de (Abgerufen am 23.04.2016)

[20] Vgl.: Spiegel, (2016): Einkommensverteilung, http://de.wikipedia.org/wiki/einkommensverteilung/ 05.04.2016, (Abgerufen am 25.04.2016)

[21] Vgl.: Spiegel, (2016): Einkommensverteilung, http://de.wikipedia.org/wiki/einkommensverteilung/ 05.04.2016, (Abgerufen am 25.04.2016)

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668407206
ISBN (Buch)
9783668407213
Dateigröße
870 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354697
Note
13
Schlagworte
VWL Werden die Reichen immer reicher? Gerechte / ungerechte Einkommensverteilung in Deutschland Umverteilung

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