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"Melting Pot" oder Zersplitterung der Gesellschaft? Auswirkungen der Flüchtlinge auf Deutschland

Bachelorarbeit 2016 47 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Flüchtlingssituation
2.1 Fluchtursachen
2.2 Allgemeines zur Flüchtlingssituation
2.3 Aktuelle Flüchtlingssituation in der BRD
2.4 Interview

3. Flüchtlingspolitik
3.1 Entstehung des Asylrechts
3.2 Genfer Flüchtlingskonvention
3.3 Aktuelle Flüchtlingspolitik unter Druck

4. Auswirkungen des Flüchtlingsstroms auf die BRD
4.1 Gesellschaft
4.2 Wirtschaft
4.3 Innere Sicherheit

5. Melting Pot oder "Überfremdung" - Eine Frage der Integration?

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

8. Anlage

1. Einleitung

In dieser Bachelorarbeit soll untersucht werden, inwieweit sich der starke Zuwachs an Flüchtlingen und Asylsuchenden in Deutschland auf die Bundesrepublik auswirkt. Weiterhin wird über die Vor- und Nachteile der Flüchtlinge für Bereiche wie Gesellschaft, Wirtschaft und innere Sicherheit diskutiert.

Das Jahr 2015 erinnerte von den Flüchtlingszahlen her an die Zeit des Zweiten Weltkrieges, in der etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Hunger waren.1 Und gerade Deutschland, als damaliger Verursacher, scheint aus dieser dunklen Geschichte gelernt zu haben wie kaum ein anderes Land. Die Bundeskanzlerin Merkel versprach den Flüchtlingen und Asylsuchenden Schutz vor Terror und Krieg, wodurch ein Flüchtlingsstrom nach Deutschland ausgelöst wurde.

Dadurch war 2015 das Jahr mit einem der größten Zuwanderungsströme nach Deutschland seit der Gründung der Bundesrepublik. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden mit dem EDV-System EASY registriert und auf die Erstaufnahmeeinrichtungen verteilt. Daruner waren circa 40% syrische Flüchtlinge, welche in die Bundesrepublik einreisten.2 Die Dunkelziffer wird vermutlich höher ausfallen.

Der Belastung zum Trotz muss diesen Menschen in Deutschland geholfen werden, hierzu zählen Integration, Bildung, finanzielle und soziale Unterstützung.

Aber schafft es Deutschland diese Aufgabe zu bewältigen? Schaffen wir es am Beispiel der amerikanischen Geschichte, einen sogenannten "Melting Pot" zu erschaffen, also das Verschmelzen verschiedener Kulturen zu einer homogenen Masse3, und damit diese Menschen voll und ganz in unsere Kultur einzugliedern? Oder überwiegen die negativen Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft?

Welche Vorteile können wir aus diesem Zuwanderungsstrom ziehen, oder wirkt er sich gar negativ auf uns aus? Ist die innere Sicherheit gefährdet?

All diese Fragen werden in dieser Bachelorarbeit diskutiert. Zudem wird versucht Lösungsansätze für mögliche Problemstellungen herauszuarbeiten.

Die Gliederung umfasst die Flüchtlingssituation mit einer Herausarbeitung der Fluchtursachen und die aktuelle Flüchtlingssituation weltweit und in der BRD. Desweiteren präsentiere ich ein von mir geführtes Interview mit einem syrischen Flüchtling. Auch auf die Flüchtlingspolitik werde ich eingehen, insbesondere auf die Entstehung des Asylrechts und die Genfer Flüchtlingskonvention.

Um die Auswirkungen des Flüchtlingsstroms auf die BRD herauszuarbeiten werden über die Vor- und Nachteile auf die Gesellschaft/Kultur, Wirtschaft und die innere Sicherheit diskutiert. Des Weiteren wird analysiert, ob die BRD durch gezielte Integration der Zuwanderer einen sogenannten Melting Pot erschaffen wird oder wir in einer Zersplitterung der deutschen Kultur und Gesellschaft enden werden.

2. Flüchtlingssituation

2.1 Fluchtursachen

Die Gründe, weshalb Menschen ihre Heimat verlassen um Schutz oder Hilfe zu suchen, können grundsätzlich in "Push-" und "Pull-Faktoren" unterteilt werden, also Abstoßungs- und Anziehungsfaktoren.

Zu den Push-Faktoren gehören Konflikte militärischer und politischer Art4, wie politische Instabilität, Krieg, Verfolgung, schlechte Lebensbedingungen oder schlechte Arbeitsmarktchancen, welche im Herkunftsland herrschen. Seit den letzten Jahrzehnten gehört auch Umweltzerstörung zu den Push- Faktoren.5

Anders als bei den Push-Faktoren, hat bei den Pull-Faktoren das Aufnahmeland eine Anziehungswirkung auf Migranten, so zum Beispiel eine politische Stabilität, Religionsfreiheit, stabile Wirtschaftsverhältnisse mit guten Arbeitsmarktchancen und hohem Lohnniveau. Am Ende machen nicht nur einzelne, sondern eine Kombination von Push- und Pull-Faktoren die Migrationsmotivation aus.6

Mittlerweile wird dieses Grundmodell für Migrationsursachen jedoch als nicht mehr zeitgemäß angesehen, da es die Bedingungen, unter denen die Migration stattfindet, nicht ausreichend berücksichtigt. Hier sollen makrotheoretische und mikrotheoretische Erklärungsansätze die Lücke schließen.7

Makrotheoretische Ansätze konzentrieren sich auf die strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen eine Migrationsentscheidung zustande kommt: Insbesondere die wirtschaftliche, soziale und politische Lage in den Herkunftsländern und in den Aufnahmeländern. So wird zum Beispiel in vielen Aufnahmeländern nach billigen und schlecht ausgebildeten Arbeitern gesucht, welche im niedrigsten Lohnsegment beschäftigt werden können. Weiterhin spielt die internationale Politik der Herkunfts- und Aufnahmeländer eine Rolle, wie Einschränkungen der Reisefreiheit sowie die Migrationskontrolle der EU. Eine besondere Rolle spielen auch Wanderungsbeziehungen, die sich vor allem durch die frühere Kolonialzeit zwischen Staaten gebildet haben. Immer weniger wichtig ist die geographische Lage der Herkunfts- und Aufnahmeländer.8

Mikrotheoretische Erklärungsansätze stellen, im Gegensatz zu den makrotheoretischen, die individuellen Migrationsentscheidungen der Migranten in den Vordergrund. Bei ökonomischen Motiven orientieren sich Migranten am maximalen Nutzen, also einer möglichst hohen Entlohnung bei einem geringen Risiko beziehungsweise möglichst geringen eigenen Kosten. Migranten beobachten zumeist ökonomisch-soziale Umwälzungen im Herkunftsland. Wenn die Einkommensquellen wegbrechen entscheiden sie sich auszuwandern, um von dort aus ihre Familien finanziell zu unterstützen. Diese Migrationsform ist meistens vorher geplant und nach Kosten- und Nutzenfaktoren abgewogen.

Bei Fluchtmigration sieht es anders aus. Hier müssen die Migranten ihre Entscheidung unter hohem Druck und Unsicherheit treffen, häufig überstürzt. Die Verlusterfahrung der Migranten ist immens, denn in kürzester Zeit verlieren sie ihre Heimat und Familien, aber auch einen großen Teil ihres Vermögens, ihre Häuser und ihre Arbeitsplätze.9

Fluchtursachen sind sehr vielfältig. Die meisten Menschen flüchten vor Gewalt gegen Zivilisten durch Kriegsparteien oder militärische Gruppen, nichtsdestotrotz kann diese Gewalt auch vom Staat selber ausgehen. Die Gewaltpalette reicht von Tötungen, Verstümmelungen, gezielte und/oder willkürliche Angriffe auf Zivilisten und öffentliche Einrichtungen, sexuelle Gewalt, Geiselnahmen, oder das Verschwindenlassen von Personen - also brutalste Menschenrechtsverletzungen.10

Diskriminierung und Verfolgung auf Grund von politischer, ethnischer oder religiöser Einstellung sind die zweithäufigsten Ursachen für Flucht. In ihren Heimatländern droht den Verfolgten systematische Ausgrenzung oder gar lebensbedrohliche Gewalt.

Als Fluchtursachen folgen Hunger, Armut, Perspektivlosigkeit und Klimaveränderungen.11

In dieser Arbeit wird sich auf die aktuelle Flüchtlingskrise konzentriert, also wird auf die Fluchtursachen aus den Ländern Syrien, Afghanistan, Irak und der Westbalkan-Staaten eingegangen.

Syrien: Die Unruhe im Land begann im Jahr 2011, als der Arabische Frühling, also die Auflehnung gegen das autokratische System in Nordafrika und im Nahen Osten12 nach Syrien kam und sich einige Syrer gegen den Präsidenten al-Assad auflehnten. Es brach ein Bürgerkrieg zwischen dem Assad-Regime, den Oppositionsgruppierungen und dem immer stärker werdenden Islamischen Staat (IS), welcher sich durch die Instabilität in Syrien sich als Kriegspartei etablieren konnte. Jahrelang wurde gegen die syrische Zivilbevölkerung Fassbomben und Streumunition durch das Assad-Regime eingesetzt. Willkürliche Inhaftierungen und Folter sind das alltägliche Leid der Syrer. Verschiedene Interventionsversuche durch die USA im Jahr 2014 und später durch Russland und die Türkei konnten nicht die erhoffte Stabilität in das vom Krieg gebeutete Land bringen. Bis Mitte 2015 sollen laut Angaben des UNHCR, also des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen, etwa eine viertel Million Menschen aus der Zivilbevölkerung ums Leben gekommen sein. Um dieser lebensbedrohlicher Gewalt zu entkommen, sind zurzeit circa 11 bis 22 Millionen Syrer auf der Flucht.13

Afghanistan: Fast 30 Jahre lang war Afghanistan das Land, aus dem jährlich die meisten Menschen flüchteten. Als 1980 sowjetische Truppen in das Land am Hindukusch einmarschierten und einen Krieg auslösten, floh mehr als die Hälfte der Bevölkerung, die meisten nach Iran und Pakistan. Seither ist das Land von politischer und wirtschaftlicher Instabilität gezeichnet. Weitere Bürgerkriege und Interventionen durch die USA und die NATO, sowie die Terrorgruppe Taliban, machten das Land immer lebensunwürdiger. Noch heute fliehen aus dem Land Hundertausende und suchen Schutz in den Nachbarländern und der EU.14

Irak: Seit 35 Jahren gab es im Irak keine länger anhaltende Friedensphase mehr. Drei Irak-Kriege, mehrjährige Wirtschaftssanktionen und schließlich der seit 2003 anhaltende Bürgerkrieg, der jegliche staatliche Strukturen zerfallen ließ, hat die irakische Bevölkerung hinter sich. Allein im Bürgerkrieg, in der Zeit zwischen 2003 und 2011, starben circa 160.000 Menschen. Zurzeit sind etwa 8 Millionen Iraker auf der Flucht.15

Westbalkan-Staaten: Menschen aus dem Ex-Jugoslawien bzw. aus den jetzigen Staaten am Westbalkan Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien emigrierten schon Anfang der 1970er im Zuge der Anwerbung von Gastarbeitern in die EU und vor allem nach Deutschland (etwa 500.000 Gastarbeiter). Nach dem Anwerbestopp 1973 setzte der Nachzug von Familienangehörigen ein. In den 1990ern waren auf Grund der dortigen Bürgerkriege, sowie des Kosovo-Krieges Millionen Menschen auf der Flucht. Seither herrscht in den Ländern am Westbalkan eine schwierige soziale Lage, hohe Arbeitslosigkeit, Armut, ein schwaches Bildungssystem und eine unzureichende Gesundheitsversorgung. Seit den Visaliberalisierungen für diese Staaten ab 2009, versuchten viele Menschen aus diesem Elend in Richtung Westeuropa zu flüchten.16

2.2 Allgemeines zur Flüchtlingssituation

Dass Migration kein Normalfall ist, sondern eher eine Ausnahme, belegen die Zahlen der Vereinten Nationen. Diese schätzten 2013 die Zahl der internationalen Migranten auf etwa 232 Millionen Menschen, was etwa nur 3,2% der Weltbevölkerung entspricht. Wenn man die 40 Millionen Binnenflüchtlinge, also die Menschen, welche in ihrem eigenem Land nach Schutz suchen, dazu zählt, migrieren circa 4% der Weltbevölkerung. Die Zunahme lag in den Jahren 2000-2010 jährlich bei etwa 2,3% und sank schließlich auf 1,6%. Fast 40% dieser Migranten bewegen sich vom "armen" Süden in den "reichen" Norden, was an der Durchdringung von westlichen Werten, Lebensstilen und Wohlstand liegen könnte.17

Der UNHCR erhebt in 63 Ländern das weltweite Flüchtlingsaufkommen, in 61 Ländern werden die Zahlen nur von staatlichen Einrichtungen erhoben. Somit ist die Aussagekraft zum weltweiten Flüchtlingsaufkommen leicht eingeschränkt. Seit 2011 beschleunigt sich die Zunahme der weltweiten Flüchtlinge immens. 2011 wurden vom UNHCR circa 42,5 Millionen Flüchtlinge registriert. 2014 waren es schon 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht18 und im Juni 2015 um die 60 Millionen. Allein im Kriegsgebiet Syrien sind etwa 11 bis 22 Millionen Menschen auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg zwischen dem Präsidenten al-Assad und verschiedenen Oppositionsgruppen, sowie dem Islamischen Staat (IS).19

Für diese Zahlen ist nicht nur der Krieg in Syrien verantwortlich, sondern Konflikte weltweit, wie in der Elfenbeinküste, Zentralafrikanische Republik, Libyen, Mali, Nordost-Nigeria, Südsudan, Burundi, Afghanistan, Irak, Jemen, Ukraine, Kirgisistan und in einigen Gebieten von Myanmar und Pakistan.20

Etwa 53% der weltweiten Flüchtlingen, welche Landesgrenzen überschreiten, stammen aus den Staaten Syrien (3,9 Millionen), Afghanistan (2,6 Millionen) und Somalia (1,1 Millionen). Aber der größte Teil der Flüchtlinge, etwa 40 Millionen, suchen Schutz in ihrem eigenen Land. Auch bei den Binnenflüchtlingen stellt Syrien die höchsten Zahlen mit 7,6 Millionen, was 35% der syrischen Gesamtbevölkerung ausmacht. Weitere Staaten sind Kolumbien (6 Millionen), Irak (3,6 Millionen) und Sudan (3,4 Millionen).21

Doch nur die wenigsten schaffen den langen Weg nach Europa und nach Deutschland. Die meisten Flüchtlinge suchen in ihren Nachbarländern nach Schutz. Aus Syrien flüchteten die meisten Menschen in die Türkei ( circa 1,6 Millionen), in den Libanon (circa 1,2 Millionen) und in den Iran (circa 1 Million). Aus Afghanistan flüchteten die meisten Menschen nach Pakistan (circa 1,5 Millionen) und in den Iran (circa 1 Million). In Afrika sind ähnliche Zahlen zu verbuchen. So werden die meisten Flüchtlingskrisen regional aufgefangen.22

2.3 Aktuelle Flüchtlingssituation in der BRD

Etwa 2,6 Millionen Menschen stellten in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland einen Antrag auf Asyl. 1992, nach dem Fall des "Eisernen Vorhanges", war der bisherige Höchststand mit 438.000 Anträgen. Danach sanken die Jahreszahlen der Asylanträge bis 2007 auf 28.000. Seit diesem Tiefpunkt stiegen die Zahlen, bis 2014 und 2015 wieder Höchststände erreicht wurden.23

2015 war das Jahr mit einem der größten Zuwanderungsströme nach Deutschland seit der Gründung der Bundesrepublik. Insgesamt wurden etwa 1,2 Millionen Menschen mit dem EDV-System EASY registriert und auf die Erstaufnahmeeinrichtungen verteilt. Hierunter waren circa 40% syrische Flüchtlinge.24

Im letzten Jahr wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und ihren Außenstellen 476.649 Asylanträge gestellt, was eine Steigung zum Vorjahr um 273.815 Anträge bedeutet.

Eine schier unglaubliche Menge an Menschen, welche in Deutschland Schutz suchen möchten. Fast 40% dieser Menschen stammen aus Syrien (162.510) und weitere 63.281 Anträge wurden von Afghanen und Irakern gestellt. 132.933 Menschen aus dem Westbalkan (Albanien, Kosovo, Serbien und Mazedonien) stellten im Jahr 2015 einen Asylantrag.25 Im Vergleich zu den registrierten Flüchtlingen in Deutschland fehlen also noch etwa 600.000 Asylanträge, welche im Jahr 2016 bearbeitet werden müssen, obwohl weiterhin zehntausende Flüchtlinge jeden Monat in Deutschland ankommen. Vom Januar 2016 bis April 2016 registrierte das EASY-System fast 200.000 Zugänge, weiterhin kommen die meisten Menschen aus Syrien, Irak und Afghanistan. In der Zwischenzeit wurden 246.393 neue Asylanträge gestellt.26

Nachdem ein Schutzsuchender ein Anliegen auf Stellung eines Asylantrages geäußert hat, wird dieser Asylbewerber an eine Erstaufnahmeeinrichtung verwiesen. Diese befinden sich im ganzen Bundesgebiet und die Schutzsuchenden werden auf Grund eines Quotensystems auf die Bundesländer verteilt.27 So werden zum Beispiel circa 21.2% aller Flüchtlinge auf Nordrhein-Westfalen verteilt, Bayern nimmt 15,5% und Baden-Württemberg 12,9% der Asylbewerber auf. Die wenigsten nimmt Bremen mit einem knappen Prozent auf.28

In diesen Erstaufnahmeeinrichtungen müssen die Asylbewerber 6 Monate leben. In dieser Zeit muss er persönlich einen Asylantrag beim BAMF stellen. Dort erfolgt eine erkennungsdienstliche Behandlung um den Bewerber zu registrieren und nachzuforschen, ob dieser Bewerber bereits einen Asylantrag, möglicherweise unter einem anderen Namen, gestellt hat. Verläuft diese Feststellung negativ, erhält der Asylbewerber eine Aufenthaltsgestattung. Mit diesem Ausweisdokument hat er ein vorläufiges Bleiberecht für die Dauer des Asylverfahrens. Dieses Bleiberecht ist auf den Bezirk der zuständigen Ausländerbehörde beschränkt.29

Im Laufe der Überprüfung des Asylantrags wird das sogenannte DublinVerfahren angewandt. In diesem Verfahren wird festgestellt, welcher Staat für die Prüfung des Asylantrags zuständig ist. Damit wird sichergestellt, dass jeder Asylantrag nur von einem Mitgliedstaat inhaltlich geprüft wird. Das Dublin-Verfahren gilt seit der 3. Fassung, welches seit dem 01.07.2014 in Kraft ist, nicht nur für EU-Mitglieder, sondern auch für die Staaten Norwegen, Island, Schweiz und Liechtenstein.30

Ist für die Prüfung des Asylantrags Deutschland zuständig, wird der Asylbewerber von einem Mitarbeiter des BAMF, dem Entscheider, persönlich zu seinen Fluchtgründen angehört. Der Antragssteller kann einen Verfahrensbevollmächtigen, wie einen Anwalt oder Vormund, mitnehmen. Zu Beginn der Anhörung werden dem Asylbewerber Fragen zu den persönlichen Lebensumständen durch den Entscheider gestellt. Der Asylbewerber ist verpflichtet, wahrheitsgemäße Angaben zu machen. Während der Anhörung muss der Antragsteller selbst seine Fluchtgründe schildern, also alle Tatsachen vortragen, die seine Furcht vor Verfolgung oder die Gefahr eines ihm drohenden ernsthaften Schadens begründen. Ermuss auch alle sonstigen Tatsachen und Umstände schildern, die einer Rückkehr in sein Heimatland entgegenstehen.31

[...]


1 vgl. Kleikamp, Antonia: Als Millionen Deutsche selber Flüchtlinge waren, 2015; http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article141112932/Als-Millionen- Deutsche-selber-Fluechtlinge-waren.html (Stand: 08.05.2016)

2 vgl. oV http://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2016/201610106- asylgeschaeftsstatistik-dezember.html?nn=1367522 (Stand: 08.05.2016)

3 vgl. oV. http://www.yourdictionary.com/melting-pot (Stand: 08.05.2016)

4 vgl. Luft, Stefan: Die Flüchtlingskrise - Ursachen, Konflikte, Folgen; C.H. Beck oHG, München, 2016, S. 14-15

5 vgl. Seifert, Wolfgang: Begriffliche Vorklärungen, 2012 http://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine- sozialkunde/138008/begriffliche-vorklaerungen (Stand: 10.05.2016)

6 vgl. ebd. (Stand: 10.05.2016)

7 vgl. Luft, Stefan: Die Flüchtlingskrise - Ursachen, Konflikte, Folgen; C.H. Beck oHG, München, 2016, S. 15-17

8 vgl. ebd., S.18

9 vgl. ebd., S. 17-18

10 vgl. ebd., S. 19

11 vgl. ebd.

12 vgl. oV.: Unruhen in der arabischen Welt; http://www.politische- bildung.de/tunesien_aegypten.html (Stand: 11.05.2016)

13 vgl. Luft, Stefan: Die Flüchtlingskrise - Ursachen, Konflikte, Folgen; C.H. Beck oHG, München, 2016, S. 26-32

14 vgl. ebd., S. 32-33

15 vgl. ebd., S. 33

16 vgl. ebd., S. 36-37

17 vgl. ebd., S. 10-11

18 vgl. ebd., S.12

19 vgl. Wieland, Carsten: Syrien, 2015; http://www.bpb.de/internationales/weltweit/ innerstaatliche-konflikte/54705/syrien (Stand:14.05.2016)

20 vgl. oV.: Weltweit fast 60 Millionen Menschen auf der Flucht, 2015;

http://www.unhcr.de/home/artikel/f31dce23af754ad07737a7806dfac4fc/weltweit-fast-60- millionen-menschen-auf-der-flucht.html (Stand: 14.05.2016)

21 vgl. Luft, Stefan: Die Flüchtlingskrise - Ursachen, Konflikte, Folgen; C.H. Beck oHG, München, 2016, S. 12-13

22 vgl. ebd., S. 13-14

23 vgl. Hirseland, Katrin in APuZ, Flucht und Asyl: Aktuelle Zahlen und Entwicklungen, bpb (Hrsg.), Bonn, 2015, S. 21-22 online einsehbar unter

http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/208034/flucht-und-asyl (Stand: 15.05.2016)

24 vgl. oV. http://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2016/201610106- asylgeschaeftsstatistik-dezember.html?nn=1367522 (Stand: 15.05.2016)

25 vgl. ebd. (Stand: 15.05.2016)

26 vgl. oV. http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/05/ asylantraege-april-2016.html (Stand: 15.05.2016)

27 vgl. Luft, Stefan: Die Flüchtlingskrise - Ursachen, Konflikte, Folgen; C.H. Beck oHG, München, 2016, S. 91

28 vgl. oV. http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylverfahren/ Verteilung/verteilung-node.html (Stand: 15.05.2016)

29 vgl. Luft, Stefan: Die Flüchtlingskrise - Ursachen, Konflikte, Folgen; C.H. Beck oHG, München, 2016, S. 91-93

30 vgl. oV. http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylverfahren/ Dublinverfahren/dublinverfahren-node.html (Stand: 15.05.2016)

31 vgl. BAMF (Hrsg.): Ablauf des deutschen Asylverfahrens, Nürnberg, 2014, S. 6-7 online einsehbar unter https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/ Flyer/ablauf-asylverfahren.pdf?__blob=publicationFile (Stand: 15.05.2016)

Details

Seiten
47
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668409439
ISBN (Buch)
9783668409446
Dateigröße
1010 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354632
Institution / Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Köln
Note
2,0
Schlagworte
Flüchtlinge Polizei Flüchtlingsstrom Kriminalität Politik Flüchtlingspolitik

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