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Polyätiologische Genese von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland

Möglichkeiten der präventiven multifaktoriellen Beeinflussung von Determinanten

Diplomarbeit 2013 121 Seiten

Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einleitung und Problemstellung
1.2 Struktur, Zusammenfassung und Zielsetzung der Arbeit

2 Beschreibung des Phänomens Übergewicht und Adipositas
2.1 Definition und Klassifikation
2.1.1 Methoden zur Bestimmung des Körperfettanteils
2.1.2 Definition und Klassifikation - Besonderheiten im Kindes- und Jugendalter: Perzentile
2.2 Die Bedeutung der Fettverteilung
2.3 Komorbiditäten und Mortalität bei Erwachsenen
2.3.1 Komplikationen und Begleiterkrankungen des juvenilen Übergewichts
2.4 Epidemiologie von Übergewicht und Adipositas international
2.4.1 Übergewicht und Adipositas von Kindern und Jugendlichen international
2.5 Übergewicht und Adipositas in der Bundesrepublik Deutschland
2.5.1 Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

3 Ätiologie und Konsequenz von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter unter Berücksichtigung möglicher Determinanten
3.1 Endogene Ätiologie
3.1.1 Genetische Veranlagungen
3.1.2 Energieumsatz
3.2 Exogene Ätiologie - Polyätiologie
3.2.1 Körperliche Aktivität
3.2.1.1 Sportbeteiligung im Kindesalter in Deutschland
3.2.1.2 Sportbeteiligung im Jugendalter in Deutschland
3.2.1.3 Veränderungen in der Bewegungswelt
3.2.2 Ernährung
3.2.2.1 Lebensmittelverzehr im Kindes- und Jugendalter in Deutschland
3.2.2.2 Veränderungen in der Ernährungswelt
3.2.3 Sozioökonomischer und soziokultureller Hintergrund

4 Präventionsmöglichkeiten von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter
4.1 Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention
4.2 Bedeutung der Elternrolle - Möglichkeiten und Grenzen
4.3 Bundesweite Maßnahmen zur Gesundheits- und Bewegungsförderung
4.4 Praktische Empfehlungen für Ernährung und Bewegung

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang 1 Studien die zur BMI-Berechnung verwendet wurden

Anhang 2 Weltweite Prävalenz von Übergewicht (BMI > 25 kg/m²) bei Erwachsenen,

Anhang 3 Weltweite Prävalenz von Adipositas (BMI > 30 kg/m²) bei Erwachsenen,

Anhang 4 Prävalenz von Übergewicht (Adipositas inkl.) von Kindern und Jugendlichen ausgewählter Länder, im Alter 5-17 Jahre

Anhang 5 Gesundheitssurveys in Deutschland - Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen

Anhang 6 Schema der KiGGS Studie und der angesetzten Kohorten für die ersten drei Wiederholungen

Anhang 7 Datenerhebung und -erfassung zu Übergewicht/Adipositas einzelnerBundesländer: Informationen zu Kollektiven, Daten und Quellen (ohne Bremen und Sachsen-Anhalt)

Anhang 8 Ernährungsempfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung

Anhang 9 Anteil der KiGGS-Teilnehmer die bestimmte Lebensmittelgruppen einmal oder mehrmals täglich verzehren

Anhang 10 Anteil der KiGGS-Teilnehmer, die bestimme Lebensmittelgruppen weniger als einmal, ein- zweimal oder häufiger pro Woche verzehren

Danksagung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Perzentilkurven für den Body-Mass-Index für Mädchen, 0-18 Jahre (vgl. Kromeyer-Hauschild et al., 2001)

Abbildung 2. Perzentilkurven für den Body-Mass-Index für Jungen, 0-18 Jahre (vgl. Kromeyer-Hauschild et al., 2001)

Abbildung 3. Fettverteilungsmuster (vgl. Lückerath, 2008)

Abbildung 4. Komplikationen und Folgestörungen der kindlichen und jugendlichen Adipositas (vgl. Ebbeling, 2002; die Übersetzung ist in Tabelle 3, S. 26 zu finden.)

Abbildung 5. Wandel des dokumentierten Übergewichts 15-Jähriger der Jahre 2001-02, 2005-06, 2009-10 (vgl. OECD, 2012; vgl. Currie et al., 2004; vgl. Currie et al. 2008; vgl. Currie et al. 2012 auf Basis der HBSC Surveys)

Abbildung 6. Prävalenz von Übergewicht (inkl. Adipositas) in Europa in Prozent der 7- bis 11-Jährigen (vgl. Koletzko et al., 2012)

Abbildung 7. Übergewicht und Adipositas in Deutschland bei Erwachsenen (vgl. Mensink, 2012)

Abbildung 8. Alters- und geschlechtsabhängige Adipositasprävalenz in Deutschland (vgl. Mensink, 2012)

Abbildung 9. Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichenvon 3 bis 17 Jahren - die rote Linie präsentiert die Ergebnisse der Vergleichsdatenaus den 1980er und 1990er Jahren von Kromeyer-Hauschlid et al., 2001 (vgl. RKI Fachtagung KiGGS, 2009)

Abbildung 10. Übergewicht von Kindern und Jugendlichen nach Altersgruppen - dierote Linie präsentiert die Ergebnisse der Vergleichsdaten aus den 1980er und 1990erJahren von Kromeyer-Hauschlid et al., 2001 (vgl. RKI Fachtagung KiGGS, 2009)

Abbildung 11. Adipositas von Kindern und Jugendlichen nach Altersgruppen - die roteLinie präsentiert die Ergebnisse der Vergleichsdaten aus den 1980er und 1990erJahren von Kromeyer-Hauschlid et al., 2001 (vgl. RKI Fachtagung KiGGS, 2009)

Abbildung 12. Überblick über die Prävalenz von Übergewicht (inklusive Adipositas) beideutschen Einschülern der Jahre 2003 (Niedersachsen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern), 2004 (Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg,Saarland, Schleswig-Holstein) oder 2005 (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz,Sachsen, Thüringen) (vgl. Moß et al., 2007, die Quellenübersicht zu den einzelnen Bundesländern siehe Anhang 7, S. 117)

Abbildung 13. Häufigkeit der Sportausübung der 3- bis 10-Jährigen (vgl. Lampert et al., 2007)

Abbildung 14. Anteil der 3- bis 10-Jährigen, die weniger als einmal die Woche Sport machen, nach Sozialstatus, Migrationshintergrund und Wohnregion (vgl. Lampert et al., 2007)

Abbildung 15. Häufigkeit der körperlich-sportlichen Aktivität der 11- bis 17-jährigen Jungen und Mädchen (vgl. Lampert et al., 2007)

Abbildung 16. Anteile der Getränkearten an der Gesamttrinkmenge der 6- bis 17- Jährigen (vgl. RKI & BzgA nach Mensink et al. 2007 und Mensink et al., 2007c)

Abbildung 17. Anteil der Kinder und Jugendlichen, welche die empfohlene Menge Obsterreichen (nach Altersgruppen und Geschlecht) (vgl. RKI & BzgA nach Mensink et al 2007 und Mensink et al., 2007c)

Abbildung 18. Anteil der Kinder und Jugendlichen, welche die empfohlene MengeFleisch und Wurst überschreiten (nach Altersgruppen und Geschlecht) (vgl. RKI & BzgA nach Mensink et al. 2007 und Mensink et al., 2007c)

Abbildung 19. Anteil der Kinder und Jugendlichen, welche zu viel der "geduldeten" Produkte zu sich nehmen (nach Altersgruppen und Geschlecht) (vgl. RKI & BzgA nach Mensink et al. 2007 und Mensink et al., 2007c)

Abbildung 20. Anteile der Nährstoffe an der Kalorienaufnahme (nach Altersgruppen und Geschlecht (vgl. RKI & BzgA nach Mensink et al. 2007 und Mensink et al., 2007c).

Abbildung 21. In der Familie eingenommenes Frühstück pro Woche (vgl. Stahl, 2008).

Abbildung 22. Adipositas nach Alter, Geschlecht und Sozialstatus (vgl. RKI & BzgA, 2008, nach KiGGS)

Abbildung 23. Adipositas nach Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund (vgl. RKI & BzgA, 2008, nach KiGGS)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Gewichtsklassifikationen bei Erwachsenen anhand des BMI (vgl Weltgesundheitsorganisation, 2000; vgl. Deutsche Adipositas Gesellschaft, 2007) 15

Tabelle 2. Adipositas assoziierte Erkrankungen bei Erwachsenen (vgl. Pudel, 2003; vgl. Waine, 2006; vgl. Wirth, 2003)

Tabelle 3. Folgestörungen und Komplikationen durch Adipositas im Kindes- und Jugendalter (vgl. Ebbeling, 2002; vgl. Wabitsch, 2004)

Tabelle 4. Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas unter den 3- bis 17-Jährigen (n=14.836), nach verschiedenen, isoliert betrachteten Risikofaktoren, nach KiGGS (vgl. RKI & BzgA, 2008)

Tabelle 5. Betrachtung der Risikofaktoren für Adipositas im multifaktoriellen Modell (n=12.902) nach KiGGS (vgl. RKI & BzgA, 2008)

Tabelle 6. Häufigkeit der Sportausübung bei Kindern nach Organisationsform und Alter(Häufigkeiten auf eine Woche gesehen) (vgl. Lampert et al., 2007; RKI & BzgA, 2008).

Tabelle 7. Häufigkeit der körperlich-sportlichen Aktivität bei Jugendlichen nach Alter (vgl. Lampert et al., 2007; RKI & BzgA, 2008)

Tabelle 8. Gemeinsame Auswertung der Einflussgrößen (logistische Regression) hinsichtlich der körperlich-sportlichen Inaktivität bei 11- bis 17-jährigen Jugendlichen (vgl. RKI & BzgA, 2008)

Tabelle 9. Häufigkeit sportlicher Aktivitäten mit mindestens 60 Min., Mädchen (rosafarbene Zeilen) und Jungen (hellblaue Zeilen) nach Alter, familiärem Wohlstand und Migrationshintergrund (vgl. HBSC, 2011)

Tabelle 10. Drei Lebensmittelgruppen nach optimiX (vgl. Kersting & Alexy, 2005)

Tabelle 11. Häufigkeitsverteilung der Anzahl an Softdrinks, Mädchen (rosafarbene Zeilen) und Jungen (hellblaue Zeilen) nach Alter, familiärem Wohlstand und Migrationshintergrund (vgl. HBSC, 2011a)

Tabelle 12. Häufigkeitsverteilung der Anzahl von Gemüsemahlzeiten, Mädchen (rosafarbene Zeilen) und Jungen (hellblaue Zeilen) nach Alter, familiärem Wohlstand und Migrationshintergrund (vgl. HBSC, 2011b)

Tabelle 13. Aufgaben der primären, sekundären und tertiären Prävention (vgl. GBE des Bundes, 2005)

Tabelle 14. Bundesweite Maßnahmen zur Gesundheits- und Bewegungsförderung an Schulen und Kindergärten (vgl. RKI & BzgA, 2008)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einleitung und Problemstellung

Übergewicht1 und Adipositas2 gehören zum Alltagsbild unserer Gesellschaft. EinerGesellschaft, welche geprägt ist von Wohlstand und Überfluss. Trotz desBewusstseins, dass es kaum Vorteile, sondern viele Nachteile mit sich bringt, adipösoder übergewichtig zu sein, ist der Kampf dagegen mühselig. Zu viel Körpergewichtmacht träge, die Mobilität ist eingeschränkt, bringt viele negative Begleiterscheinungenmit sich und entspricht letztlich auch nicht dem heutigen Schönheitsideal. Dicke Kinderund Jugendliche werden oft, aber nicht gern gesehen. Zu schlecht sind dieAssoziationen, die man mit „Dicken“ verbindet. Es ist an der Zeit der Gesellschaft zuvermitteln, dass übergewichtige Kinder unter ihrem üppigen Gewicht leiden. Nicht nurder Körper, auch das Selbstwertgefühl ist oftmals getrübt und die junge Psyche wirdauf die Probe gestellt. Bisher konnte weder im Alltag noch in der einschlägigenFachliteratur ein „Allheilmittel“ zur Gewichtsreduktion gefunden werden. Umsowichtiger ist es, schon in jungen Jahren präventiv wirksam zu werden.

Das einerseits objektive Übergewicht und die andererseits subjektive Unzufriedenheit mit dem eigenen Körperbild beeinflussen nicht nur die Lebensqualität. Auch der Erfolg und die Effektivität von Gewichtsregulationsmaßnahmen fußen darauf, wie wohl sich Kinder und Jugendliche in ihrer Haut fühlen. Ein negatives Körperselbstbild scheint hier nicht hilfreich, resultiert aber unter anderem aus sozialer Ausgrenzung, bspw. durch geringere Teilnahme an sportlichen Aktivitäten (RKI, 2011).

Die Wahrscheinlichkeit, nicht nur als Kind und Jugendlicher3 übergewichtig zu sein,sondern es auch als Erwachsener zu bleiben, ist groß. Die Folge sind bspw.assoziierte Komorbiditäten wie Diabetes mellitus Typ II, Bluthochdruck, Schlaganfalloder koronare Herzkrankheiten, welche signifikant mit einem steigenden Body-Mass-Index4 (BMI) korrelieren (Willich et al., 2001). Betrachtet man die Auswirkungen vonÜbergewicht und Adipositas auf Lebensqualität, Mobilität und Mortalität, wird klarweshalb sie es verdient, als eigenständige Krankheit gesehen zu werden. Derzeit giltsie als bedeutendste Ernährungsstörung der westlichen Welt (Waine, 2006). DaÜbergewicht und Fettleibigkeit langfristig ein Risiko für die Gesundheit darstellen, wirdder weltweiten Übergewichtsepidemie hohe Public-Health-Relevanz zugesprochen(Kurth & Rosario, 2007).

1998 machte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darauf aufmerksam, dassÜbergewicht bereits epidemische Ausmaße annehme. Die WHO appellierte an dasGesundheitswesen den dringenden Handlungsbedarf, welcher laut Vorhersagen bzgl.des Ausmaßes für die kommenden Jahrzehnte prophezeit wurde. Das bedeutsamemedizinische Problem der Übergewichtigkeit wurde zu diesem Zeitpunkt nochbanalisiert und in der Gesundheitsversorgung hinten angestellt (WHO, 1998). ZweiJahre später rief die Weltgesundheitsorganisation erneut zu Aktionen auf, welche dasepidemische Ausbreiten von Übergewicht und Adipositas eindämmen sollten.Mittlerweile sind Industrienationen und Entwicklungsländer gleichermaßen betroffen(WHO, 2000). Die Krankheitshäufigkeit nimmt weltweit zu, allerdings mitunterschiedlicher Geschwindigkeit. Einige europäische Länder und Nordamerikazeigen höchste Prävalenz- und hohe Inzidenzraten5. Während hier meist Kinder ausunteren sozialen Schichten gefährdet sind, übergewichtig zu werden sind inEntwicklungsländern eher Kinder aus besser gestellten Schichten sowie ausstädtischen Regionen betroffen (Wabitsch, 2006a). Die einst als medizinischesPhänomen deklarierte Übergewichtigkeit wuchs über Jahre zum gesellschaftlichenProblem an.

Und doch formulierte Professor W.P.T. James6 bereits 1976 in einer Arbeitsgruppe des „Department of Health and Social Security/Medical Research Council:

“ Wir sind uns einig in derüberzeugung, dass Adipositas eine Gefahr für die Gesundheit darstellt und für das Wohlbefinden schädlich ist. Sie tritt häufig genug auf, um eine der wichtigsten Gesundheitsstörungen in der Medizin und imöffentlichen Gesundheitswesen unserer Zeit darzustellen - ganz gleich, obwir ihre Bedeutung nun an einer verkürzten Lebenserwartung, einer erhöhten Morbidität oder am Aufwand für die Gemeinschaft, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch im Hinblick auf die psychische Belastung, festmachen. ” (Waine, 2006, S. 11) 7

1.2 Struktur, Zusammenfassung und Zielsetzung der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, einen Überblick zur kindlichen und juvenilen Adipositas zuschaffen und multifaktorielle Determinanten zur Entstehung von Adipositas undÜbergewicht herauszukristallisieren. Schließlich stellt sich die Frage, inwiefern diePrävention von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter möglich ist bzw. welcheForm der Therapie sinnvoll erscheint. Es soll unter anderem ergründet werden, ob undwie bedeutsam die Rolle der Eltern bei der kindlichen Übergewichtsproblematik(einschließlich Adipositas) ist.

Die vorliegende Arbeit setzt sich aus fünf Teilen zusammen. In der Einleitung wird dieÜbergewichtsproblematik kurz erläutert sowie die Struktur der Arbeit dargestellt. Aufdas Phänomen Übergewicht und Adipositas wird im zweiten Teil detaillierteingegangen. Es werden Begriffsdefinitionen und Klassifizierungen beschrieben.Ebenso wird das Gesundheitsrisiko Übergewicht mit seinen Komorbiditäten sowie dieBedeutung der Fettverteilung beleuchtet. Der klassische BMI-Bestimmung und andereMethoden zur Körperfettbestimmung finden Erwähnung. Die welt-, europa- unddeutschlandweite Epidemiologie runden diesen Teil ab. Die Problematiken werdensowohl im Erwachsenen- als auch im Kinder- und Jugendbereich erläutert - nichtzuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Probleme in allen Altersgruppen auftreten undKinder oftmals bis ins Erwachsenenalter begleiten. Im dritten Teil werden möglicheEinflüsse und Konsequenzen für das kindliche bzw. jugendliche Übergewicht undAdipositas detaillierter beschrieben. Insbesondere wird auf die körperliche Aktivität unddie Ernährung von Kindern und Jugendlichen eingegangen. Die Resultate derRecherchen zum Fettsucht generierenden Umfeld bilden den Kern der Arbeit und leitenzum vierten Teil über. Sie bieten Ansätze für eine mögliche Präventionsarbeit. Diese istnotwendig, um die Übergewichtproblematik bereits in der Kindheit zu reduzieren und somit auch die Problematik in der Adoleszenz und begleitende Erkrankungen auf einem niedrigeren Niveau zu halten. Am Schluss dieses Teils werden praktische Empfehlungen ausgesprochen. Teil fünf zieht das Fazit der Arbeit.

2 Beschreibung des Phänomens Übergewicht undAdipositas

2.1 Definition und Klassifikation

Unter Übergewicht und Adipositas8 versteht man im Allgemeinen eine übermäßigeAnhäufung des Fettgewebes oder auch eine erhöhte Fettmasse im menschlichenKörper (Roth & Munsch, 2010). Wer adipös ist, ist in der Regel auch übergewichtig,während Übergewichtigkeit nicht zwangsläufig mit einer Adipositas in Verbindung steht.In der Literatur werden die Begriffe häufig synonym verwendet, was allerdings ausmedizinischer Sicht nicht korrekt ist (Kromeyer-Hauschild, 2005; Wirth, 2008):Leistungssportler bspw. haben ein erhöhtes Körpergewicht, dürfen jedoch nichtzwangsläufig als übergewichtig oder adipös gelten, da es sich laut o. g. Definition nichtum eine übermäßige Fettansammlung handeln muss, sondern eineMuskelhypertrophie bzw. ausgeprägte Muskelmasse vorliegen kann (Kromeyer-Hauschild, 2005; Pudel, 2003).

Früher wurde der Broca-Index9 (BI) zur Einteilung der Gewichtsklassen verwendet. Das Normalgewicht wurde über den Betrag in Kilogramm definiert, um den die Körpergröße über 100 Zentimeter übersteigt10. Somit kam es bei sehr kleinen oder sehr großen Menschen zu Fehleinschätzungen (Pudel, 2003). Inzwischen hat sich zur Klassifikation des Körpergewichtes der Body-Mass-Index (BMI) international durchgesetzt. Der BMI gilt als wichtigster Index zur Beurteilung der Körperfettmasse. Es stellte sich heraus, dass der BMI gut mit dieser korreliert. Zwischen Männern und Frauen bestehen bzgl. der Klassifizierung keine Unterschiede. Es wird das Körpergewicht durch das Quadrat der Körpergröße dividiert (Laessle et al., 2001; Wirth, 2003).

Body-Mass-Index = Körpergewicht (kg) / Körpergröße zum Quadrat (m2) Bei Erwachsenen erfolgt die Definition von Übergewicht und Adipositas anhand von Grenzwerten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die International Obesity Task Force (IOTF) verwenden die folgenden Messgrößen: Laut WHO gilt ein Mensch ab einem BMI von 25 kg/m² als übergewichtig und ab einem BMI von 30 kg/m² als krankhaft übergewichtig bzw. präadipös.

Des Weiteren gibt es drei Schweregrade der Adipositas. Die Einteilung inSchweregrade (siehe Tabelle 1) bildet in der Medizin die Grundlage für die Diagnostikund die entsprechende Therapie. Grad I (BMI 30-34,9 kg/m²) bezeichnet eine mäßigeAdipositas, unter Grad II (BMI 35-39,9 kg/m²) versteht man eine schwere Adipositas.Die Adipositas Grad III (BMI ≥ 40 kg/m²) wird als morbid eingestuft. Die Einteilung desKörpergewichtsstatus erfolgt über zueinander abgegrenzte BMI-Intervalle, nach denensich auch das relative Risiko für Begleit- bzw. Folgeerkrankungen richtet (WHO, 2000).

Tabelle 1. Gewichtsklassifikationen bei Erwachsenen anhand des BMI (vgl. Weltgesundheitsorganisation, 2000; vgl. Deutsche Adipositas Gesellschaft, 2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) orientiert sich ebenso an den genannten Intervallen zur entsprechenden Definition von Übergewicht und Adipositas. Anstrebenswert ist in jedem Falle das Normalgewicht (≥18,8 - 24,9 kg/m²), welches fälschlicherweise oft als das durchschnittliche Gewicht einer Bevölkerungsgruppe interpretiert wird. In Wirklichkeit handelt sich jedoch um das Gewicht, welches die wenigsten Begleit- und Folgeerkrankungen mit sich bringt und bei dem die Sterblichkeit am geringsten ausfällt (Wirth, 2003).

Beschreibung des Phänomens Übergewicht und Adipositas 16

Prinzipiell ist eine Behandlung von Übergewicht indiziert, wenn:

a) der BMI ≥30 kg/m² beträgt;
b) bei einem BMI zwischen 25,0 - 29,9 kg/m² übergewichtsbedingte Gesundheitsstörungen und/oder ein abdominales (viszerales) Fettverteilungsmuster (siehe Abb. 3, S. 23) und/oder Erkrankungen vorliegen, die durch Übergewicht verschlimmert werden;
c) bei einem BMI zwischen 25,0 - 29,9 kg/m² schon ein erheblicher psychosozialer Leidensdruck entsteht (Wenzel, 2003).

2.1.1 Methoden zur Bestimmung des Körperfettanteils

Der BMI setzte sich weltweit zur Abschätzung des Körperfettanteils durch. Um diesen exakt zu bestimmen, bedarf es aber aufwendiger und kostspieliger Methoden. Weitere Verfahren zur Bestimmung der individuellen Körperzusammensetzung sind nach Wenzel (2003) und Wirth (2003) bspw.:

Messung der subkutanen Fettschicht mittels Caliper oder Ultraschall

Die Dicke der Fettschicht wird an einer oder mehreren Körperstellen mittels einesCalipers (spezielle Fettzange) oder Ultraschall gemessen. Es liegt die Annahmezugrunde, dass ein fester Anteil der Gesamtfettmasse subkutan liegt und dass bei allenIndividuen das subkutane Fettgewebe proportional zur Gesamtfettmasse ansteigt.Untersucher sollten bestenfalls Erfahrung mit der Anwendung des Verfahrens haben(Wenzel, 2003; Wirth, 2003).

Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA)

Die Messung muss zwingend im Liegen erfolgen und es dürfen keine Ödemevorliegen. Es werden vier Kontaktelektroden zur Messung angebracht. Technischgesehen wird in erster Linie der Wassergehalt des Körpers gemessen, wegen deshohen Elektrolytgehaltes leitet Wasser Strom sehr gut. Geht man von einemZweikompartment-Modell aus, welches den Organismus nur in fetthaltige und fettfreieMasse aufteilt, subtrahiert man anschließend die fettfreie Körpermasse von derGesamtkörpermasse und erhält einen Wert für das vorhandene Körperfett. Liegt jedocheine Adipositas vor oder werden anfangs genannte Messparameter nicht eingehalten,nimmt die Präzision der Methode deutlich ab (Liebermeister, 2002; Wenzel, 2003;Wirth, 2003).

Infrarot-Interactance-Messung

An einer definierten Stelle des Arms (Musculus biceps) wird eine Infrarot-Quelle aufgesetzt. Die Absorption der Strahlung wird in zwei Wellenlängen ermittelt, aus der Absorptionsdifferenz (bei Fett und Wasser unterschiedlich) wird auf die Körperfettmasse geschlossen. Durch die Messung der Dicke der subkutanen Fettschicht an nur einer einzigen Körperstelle kann der Gesamtkörperfettgehalt nicht ausreichend genau geschlussfolgert werden (Wenzel, 2003).

Verteilungsmessung mit stabilen Isotopen

Der Körperwassergehalt wird mit der Verteilungsmessung von stabilen Isotopen(Isotope11 sind Teile eines Elementes, die nicht radioaktiv sind, also nicht zerfallen)über eine Konzentrationsmessung bestimmt. Auf die Körperfettmasse kann jedoch nurunter bestimmten Bedingungen geschlossen werden. Diese Methode ist nicht ohneweiteres anwendbar und somit wissenschaftlichen Zentren vorbehalten (Wenzel, 2003;Wirth, 2003).

Densitometrie

Die Körperdichte wird zum einem durch Messung der Körpermasse und zum anderendurch Messung des gasfreien Volumens des Körpers ermittelt. Der Proband wirdzunächst an der Luft und dann kurz unter Wasser getaucht gewogen. Bei derUnterwasserwägung liegen große Messunsicherheiten durch nicht exakt bestimmbareGasvolumina im Atem- und Gastrointestinaltrakt vor. Ebenso durch das völligeUntertauchen und Stillhalten unter Wasser, welches nur bedingt möglich ist. BeiKindern und Jugendlichen wird von dieser Methode abgeraten, da das UntertauchenPanik auslösen könnte und die Jüngsten darin nicht geübt sind (Liebermeister, 2002;Wirth, 2003).

Bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie(NMR)

Unterschiedliche Gewebearten können in Querschnitten sichtbar gemacht werden. Durch eine Auswertung verschiedener Schnittbilder kann die Körperfettmasse kalkuliert werden. Beide Methoden gelten auch als Standardmethoden zur Ermittlung des viszeralen Fettes (siehe unter Punkt 2.2). Es wird auf Höhe des 4. und 5. Lendenwirbels gemessen (Wenzel, 2003; Wirth, 2003).

Im Gegensatz zu den hier aufgeführten Messmethoden zur exaktenKörperfettbestimmung sind die Parameter Körpergröße und Körpergewicht relativeinfach zu messen. Der daraus abgeleitete Body-Mass-Index konnte sich schon inzahlreichen Untersuchungen (Daniels et al., 1997; Micozzi et al., 1986; Pietrobelli etal., 1998; Spyckerrelle et al., 1988) als akzeptables Maß zur Beurteilung derGesamtkörperfettmasse etablieren. Die BMI-Klassifikation gilt für beide Geschlechter;bei Kindern und Jugendlichen verhält es sich jedoch anders (AGA, 2012).

2.1.2 Definition und Klassifikation - Besonderheiten im Kindes- und Jugendalter: Perzentile

Während bei Erwachsenen die Grenzwerte des BMI zur Definition von Übergewichtund Adipositas klar definiert sind müssen bei Kindern und Jugendlichen alters- undgeschlechtsspezifische Änderungen berücksichtigt werden. Bei der Korrelation vonFettmasse und BMI bestehen Schwankungen, die unter anderem durchwachstumsphysiologische Veränderungen bedingt sind (AGA, 2009; Kromeyer-Hauschild et al. 2001; Wabitsch, 2006a). Positive Aspekte des BMI sind jedoch einerelativ gute Voraussagekraft für die erhöhte Körperfettmasse bei Kindern undJugendlichen, sowie kleine Messfehler. Negativ zu beurteilen ist die Ungenauigkeit beiKleinwüchsigen, sehr hoch gewachsenen oder bei chronisch erkrankten Kindern.Ebenso können Ungenauigkeiten bei Kindern entstehen, die sehr früh oder sehr spät indie Pubertät kommen (Wabitsch, 2006a).

Sowohl die Childhood Group der International Obesity Task Force (IOTF) als auch dieEuropean Childhood Obesity Group (EOCG) empfehlen jedoch die Anwendung desBMI zur Definition von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen(Bellizzi & Dietz, 1999; Dietz & Robinson, 1998; Himes & Dietz, 1994; Poskitt, 1995; Zwiauer & Wabitsch, 1997). Wie bereits erwähnt, müssen bei der Beurteilung des BMI Alter und Geschlecht berücksichtigt werden. Zur individuelleren Einschätzung der BMIWerte gibt es populationsspezifische Referenzwerte für das Kindes- und Jugendalter in Form von alters- und geschlechtsspezifischen Perzentilen12.

Um Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter entsprechend definierenzu können, setzte sich die AGA zum Ziel, entsprechende Referenzwerte für deutscheKinder und Jugendliche zu erarbeiten. Bis zum Jahr 2000 existierte deutschlandweitkein repräsentativer Datensatz. Zwar wurden Körperhöhe, -länge und -gewicht erfasst,jedoch nur regional begrenzt oder nur in ausgewählten Altersgruppen. Aus dieser Notwendigkeit heraus fasste Kromeyer-Hauschild (2001) 17 bereits existierende Untersuchungen zusammen (siehe im Anhang 1, S. 111), um für Deutschland repräsentative BMI-Perzentile zu errechnen. Insbesondere für die klinische Praxisbestand ein dringender Bedarf an nationalen Referenzwerten. Ähnliche Methodenwurden auch für die Erarbeitung der französischen (Rolland-Cachera et al., 1991) undenglischen (Cole et al., 1995) BMI-Perzentile verwandt. Für die Perzentilberechnungdes BMI wurden von insgesamt 17.147 Jungen und 17.275 Mädchen im Altersbereichvon null bis 18 Jahren Körpergrößen- und Körpergewichtsdaten erhoben (Kromeyer-Hauschild et al., 2001).

Da aufgrund geringer Inzidenz adipositasabhängiger Erkrankungen im Kindes- undJugendalter nur unzureichende Längsschnittuntersuchungen existieren, konnten auchkeine risikobehafteten Grenzwerte der Körperfettmasse in dieser Altersgruppefestgelegt werden. Die European Childhood Obesity Group der IOTF empfiehlt, bei derDefinition von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter jenes BMI-Perzentil zu verwenden, welches im Alter von 18 Jahren in einem BMI von 25 kg/m² fürÜbergewicht und in einem BMI von 30 kg/m² für Adipositas mündet. So wird ein Beschreibung des Phänomens Übergewicht und Adipositas 20 kontinuierlicher Übergang der Definitionen vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter ermöglicht (AGA, 2009).

Entsprechend den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde undJugendmedizin (2012) sowie den Vorgaben der EOCG (Poskitt, 1995) gibt es folgendeGrenzwerte zur Definition. Anhand der alters- und geschlechtsspezifischenReferenzdaten wird Übergewicht im Kindes- und Jugendalter ab der 90. Perzentiledefiniert sowie Adipositas ab der 97. Perzentile. Eine extreme Adipositas liegt ab einemBMI > 99,5 Perzentile vor. Entsprechend dieser rein statistischen Festlegung derGrenzwerte wird ein nahezu kontinuierlicher Übergang zu den festen Grenzwerten imErwachsenenalter ermöglicht (AGA, 2012; Wabitsch, 2006a). Die 3., 10., 25., 50., 75., 90. und 97. BMI-Perzentile können den Perzentilkurven für Mädchen (siehe Abb. 1, S. 21) und Jungen (siehe Abb. 2, S. 21) von null bis 18 Jahren entnommen werden.

Diese Referenzwerte erlauben zumindest eine nationale Vergleichbarkeit epidemiologischer und klinischer Studien. Für den europaweiten Vergleich empfahl die ECOG bis vor kurzem das Referenzsystem von Rolland-Cachera et al. (1991). Für die internationale Nutzung sollte laut IOTF derzeit das Referenzsystem nach Cole et al. (2000) genutzt werden (Kurth, B.M. & Schaffrath Rosario, A. 2007). Es besteht weiterhin Forschungsbedarf bzgl. der gültigen Grenzwerte des BMI im Zusammenhang mit Gesundheitsrisiken bzw. Begleit- und Folgeerkrankungen. Der BMI spiegelt, wie bereits mehrfach erwähnt, ein solides Maß für die Körperfettmasse wider. Ebenfalls eine bedeutsame Rolle, besonders in Bezug auf das Risiko für Begleiterkrankungen, spielt die Fettverteilung bei Übergewichtigen oder Adipösen.

Abbildung 1. Perzentilkurven für den Body-Mass-Index für Mädchen, 0-18 Jahre (vgl. KromeyerHauschild et al., 2001)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Perzentilkurven für den Body-Mass-Index für Jungen, 0-18 Jahre (vgl. KromeyerHauschild et al., 2001)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Die Bedeutung der Fettverteilung

Die Fettverteilung hat eine enorme Bedeutung in Bezug auf daraus resultierendeGesundheitsrisiken. Nicht umsonst findet sich eine Erwähnung zur Unterscheidung derFettverteilungsmuster in nahezu jeder themenbezogenen Publikation, welche derzeitzu finden ist. Schon 1947 verwies Vague auf einen engen Zusammenhang vonmetabolischen Komplikationen und einer androiden (männlichen) Fettverteilung (sieheAbbildung 3, S. 23). Beim gynoiden (weiblichen) Fettverteilungsmuster (sieheAbbildung 3, S. 23) lassen sich diesbezüglich jedoch keine Korrelationen feststellen.Mittels Differenzierung der Menschen durch Umfangs- und Hautfaltendickenmessungstellte er eine Vergesellschaftung des androiden Musters mit Hypertonie, Diabetes,Cholezystolithiasis13, Gefäßkrankheiten und koronarer Herzkrankheit fest, während beider gynoiden Form häufiger Wasserretentionen, Veneninsuffizienz und Immobilität zubeobachten waren. Diese heute selbstverständlichen und grundlegenden Erkenntnissewurden 1982 von Kissebah et al. erneut formuliert. Bis heute gilt die Form derFettverteilung als klinisch bedeutsam, wenngleich die zugrunde liegendenpathophysiologischen Zusammenhänge noch nicht vollständig erforscht werdenkonnten (Waine, 2006; Wirth, 2003).

Bei der peripheren, gluteal-femoralen Adipositas besteht eine vorwiegendeFettvermehrung im Hüft- und Beinbereich, auch Birnenform („pear type“) genannt(siehe Abbildung 3, S. 23). Zu ca. 85% kommt diese Form der Fettverteilung beiadipösen Frauen vor, sie kann aber auch bei ca. 20% aller adipösen Männer präsentsein. Metabolische Begleiterkrankungen sind hier nur geringfügig häufiger anzutreffenals bei normalgewichtigen (≥18,8 - 24,9 kg/m²) oder übergewichtigen Personen (25 -29,9 kg/m²). Andere orthopädische Erkrankungen sind aufgrund der hohen statischenBelastung ebenso häufig zu finden wie bei der vermehrten abdominalen Fettverteilung.Bei der abdominalen, zentralen, viszeralen Adipositas handelt es sich um die typischeStammfettsucht. Aufgrund der Fettansammlung im Abdominalbereich wird sie auch alsApfelform („apple type“) bezeichnet (siehe Abbildung 3, S. 23). Diese Form derFettverteilung ist bei ca. 80% der adipösen Männer, jedoch nur bei ca. 15% adipöserFrauen vorzufinden. Die Begrifflichkeit deutet daraufhin, dass ein großer Teil desFettes nicht subkutan, sondern im Inneren des Abdomens vorliegt.

Die bereits erwähnten metabolischen Begleiterkrankungen der Adipositas sind hauptsächlich bei intraabdominaler Fettvermehrung vorhanden (Wirth, 2003).

Abbildung 3. Fettverteilungsmuster (vgl. Lückerath, 2008)

Als metabolisches Syndrom, Syndrom X oder auch Reaven-Syndrom gilt die androide Adipositas in Verbindung mit Hypertonie, Insulinresistenz, Hyperinsulämie, Dyslipädemie, Glukoseintoleranz, Thromboseneigung, einer beschleunigten Atherombildung und dem assoziiertem Risiko eines vorzeitigen Todes (Eckel & Zimmet, 2005; Waine, 2006).

Die Verteilung der Fettdepots kann auch durch den Taille-Hüft-Quotient, engl. Waist-to-hip-ratio (WHR), erfasst werden. Der Umfang der Taille („waist“) wird zwischen demletzten Rippenbogen und dem Beckenknochen gemessen, der Umfang der Hüfte(„hip“) in der Höhe des Trochanters. Ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bei abdominalerAdipositas besteht, wenn der Quotient14 bei Frauen >0,85 und bei Männern >1,0 liegt(Wenzel, 2003).

Die Verteilung des überschüssigen Fettgewebes korreliert eng mit der Ausprägung dergenannten Begleiterkrankungen. Bei vielen Fettleibigen lässt sich die regionaleFettverteilung allein durch Inspektion abschätzen. Insbesondere im Kindes- undJugendalter macht eine visuelle Betrachtung und Beurteilung Sinn. MittelsUmfangsmessung stellt auch die alleinige Messung des Taillenumfangs beiErwachsenen eine einfache und schnelle Ergänzung zur Errechnung des BMI in derPrimärversorgung dar. Ab einem Taillenumfang von >88 cm bei Frauen und >102 beiMännern, wird eine deutlich erhöhte viszerale Fettmasse indiziert und mit einemerheblichen Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert(Wirth, 2003). Für Kinder und Jugendliche stehen in Deutschland noch keineBauchumfangsperzentile zur Verfügung. Verwendet man diese aus denNachbarländern, z.B. aus den Niederlanden, so konnte gezeigt werden, dass nahezualle übergewichtigen vermessenen deutschen Kinder mit ihrem Bauchumfang denvorgeschlagenen Schwellenwert für den Taillenumfang überschritten haben (Reinehr etal. 2007; Reinehr et al. 2008). Ausländische Referenzwerte sind jedoch immer mitVorsicht zur Begutachtung zu verwenden. Es kann keine identische Ausgangssituation,wie die der deutschen Kinder, vorausgesetzt werden.

2.3 Komorbiditäten und Mortalität bei Erwachsenen

Wie bereits unter 1.3.2 erwähnt, bringt Adipositas insbesondere mit einem androiden Fettverteilungsmuster eine Reihe von Begleit- und Folgeerkrankungen mit sich. In nachfolgender Tabelle 2 sind Übergewicht und Adipositas assoziierte Krankheiten der entsprechenden Systeme aufgezeichnet. In der Regel kann eine Vielzahl dieser Erkrankungen durch eine dauerhafte Gewichtsreduktion gelindert oder sogar geheilt werden. Hinzu kommt ein psychosozialer Leidensdruck, welcher von Patienten oftmals sehr massiv empfunden wird (Pudel, 2003).

Tabelle 2. Adipositas assoziierte Erkrankungen bei Erwachsenen (vgl. Pudel, 2003; vgl. Waine, 2006; vgl. Wirth, 2003)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die häufigsten Begleit- und Folgeerkrankungen der Adipositas bei Erwachsenen sind:Diabetes Mellitus Typ 2, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Cholezystolithiasisund die Schlafapnoe. Betrachtet man die Multimorbidität Adipöser, so liegt der Schlusszu einer erhöhten Mortalitätsrate nicht fern (Wirth, 2003). Laut James (2004) gab es imJahr 2000 in der Europäischen Region mehr als eine Million Todesfälle und mehr alszwölf Millionen krank verbrachte Jahre, welche durch einen erhöhten BMI verursachtwurden.

2.3.1 Komplikationen und Begleiterkrankungen des juvenilen Übergewichts

Auch bei adipösen Kindern und Jugendlichen sind Folgestörungen zu erwarten. DerKrankheitswert der Adipositas wird durch funktionelle, individuelle Einschränkungenund psychosoziale Beeinträchtigungen fassbar, vor allem aber durch die erhöhteKomorbidität im Vergleich zu den normalgewichtigen Altersgenossen (Wabitsch, 2000).Die gesundheitlichen Risiken im Erwachsenalter sind sehr gut belegt. Die frühzeitigeManifestierung im Kindesalter hat jedoch noch einen von der Komorbidität unabhängigen und zusätzlichen negativen Einfluss (WHO, 2000). Zur frühen Komorbidität gehören ähnlich wie im höheren Alter: Arterielle Hypertonie,Hypercholesterinämie (Erhöhung der LDL-/HDL-Ratio), eine gestörte Glukosetoleranzund Diabetes Mellitus Typ 2. Zusammengefasst handelt es sich um einprämetabolisches Syndrom (Wabitsch, 2004). Eine Zusammenfassung der Adipositasassoziierten Folgestörungen und Komplikationen sind in nachfolgender Tabelle 3zusammengestellt. Eine visuelle Verdeutlichung dazu stellt die Abbildung 4 nachEbbeling (2002) dar.

Tabelle 3. Folgestörungen und Komplikationen durch Adipositas im Kindes- und Jugendalter (vgl. Ebbeling, 2002; vgl. Wabitsch, 2004)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die ausführlichere Untersuchung übergewichtiger und adipöser Kinder undJugendlicher entspricht einer absoluten Notwendigkeit. Es ist ein Risikoscreeningeinschließlich ausführlicher Familienanamnese in Bezug auf kardiovaskuläre

Erkrankungen und Diabetes mellitus empfohlen. Die Diagnostik von Komorbiditäten bei Adipositas sollte grundsätzlich in drei Teile gegliedert werden: 1. die klinische/somatische Diagnostik, 2. die Labordiagnostik und 3. die psychologische/psychosoziale Diagnostik sowie die Verhaltensdiagnostik (AGA, 2012).

Abbildung 4. Komplikationen und Folgestörungen der kindlichen und jugendlichen Adipositas (vgl. Ebbeling, 2002; die Übersetzung ist in Tabelle 3, S. 26 zu finden.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Besonders große Sorgen und eine massive, psychische Belastung werden durchStörungen in der Pubertätsentwicklung hervorgerufen. Bei Jungen kommt es infolgeder Adipositas oft zu Pseudogynäkomastie (weibliche Brustbildung beim männlichenGeschlecht) und Pseudo-Hypogenitalismus (optische Verkleinerung des normal langenGenitals durch die überhängende Fettschürze). Unter Striae distensae(Dehnungsstreifen infolge des schnellen Wachstums sowohl in die Länge als auch indie Breite) leiden beide Geschlechter. Von der Hyperandrogenämie sind nur Mädchenbetroffen (durch Überschuss männlicher Geschlechtshormone kommt es zuverstärktem Haarwachstum am Körper und zu vermehrtem Haarausfall derKopfbehaarung) (Wabitsch, 2006b). Hinzu kommt ein hohes Risiko der Persistenz desÜbergewichtes bzw. der Adipositas im Erwachsenenalter (Koletzko, 2011). Ein hoherBMI im Schulalter steht in enger Korrelation mit einem vorzeitigen Tod im jungen bzw. mittleren Erwachsenenalter. Demzufolge ist nicht nur die Lebensqualität adipöser Kinder beeinträchtigt, sondern auch deren Lebenserwartung (Franks, 2010).

2.4 Epidemiologie von Übergewicht und Adipositas international

Laut WHO verdoppelte sich die weltweite Anzahl von Adipösen in den letzten 30Jahren. 2008 waren 1,4 Milliarden Erwachsene übergewichtig, davon über 200Millionen Männer und nahezu 300 Millionen Frauen adipös. 35% aller über 20-Jährigenwaren übergewichtig (siehe Anhang 2, S. 112), 11% von ihnen fettleibig (siehe Anhang3, S. 113). Die größten Prävalenzen für Übergewicht und Adipositas (>60% derBevölkerung) finden sich insbesondere in Nordamerika, im Süden und NordenSüdamerikas, im Arabischen Raum, in Nord- und Südafrika, Australien undNeuseeland (siehe Anhang 2, S. 112 und Anhang 3, S. 113). Im Europäischen Raumführen Großbritannien und Tschechien die Statistiken an. Laut WHO leben 65% derWeltbevölkerung in Ländern, in denen Übergewicht und Adipositas mehr Menschendas Leben kosten als Untergewicht bzw. Mangelernährung (WHO, 2013).

Im Jahr 2011 galten weltweit bereits 40 Millionen aller unter 5-jährigen Kinder alsübergewichtig. Mehr als 30 Millionen davon leben in Entwicklungsländern, nur 10Millionen dieser übergewichtigen Kinder leben in Industrienationen, sogenannten „highincome countries“ (WHO, 2013). Es wird deutlich klar, dass Übergewicht undAdipositas nicht mehr nur in den Industrienationen, sondern auch in Entwicklungs- undSchwellenländern mit steigenden Prävalenz- und Inzidenzraten zu beobachten sind.Gleiches gilt für ländliche Regionen, welche mittlerweile ebenso betroffen sind wiestädtische Regionen. Paradoxerweise tragen folglich Länder mit sehr niedrigemEinkommen (Entwicklungs- und Schwellenländer) eine doppelte Bürde. Übergewichtund Adipositas haben die Unterernährung in ihrer medizinischen Bedeutung längstüberrundet (Hebebrand et al., 2004; WHO 2013).

2.4.1 Übergewicht und Adipositas von Kindern und Jugendlicheninternational

Wie aus der folgenden Abbildung 5 hervorgeht, sind unter den OECD-Ländern15 (Organisation for Economic Cooperation and Development) weltweit steigendeÜbergewichtsprävalenzen und Inzidenzen16 der 15-jährigen Jugendlichen zwischenden Jahren 2001 und 2010 zu verzeichnen. Ausnahmen mit leicht rückläufigenTendenzen bilden die Niederlande und Frankreich. In Dänemark und Großbritanniensind die Inzidenzen signifikant. Auf einem Niveau der Stagnation befinden sichSchweden, Deutschland, Belgien, die Schweiz und Island (OECD, 2012).

Abbildung 5. Wandel des dokumentierten Übergewichts 15-Jähriger der Jahre 2001-02, 2005-06, 2009-10 (vgl. OECD, 2012; vgl. Currie et al., 2004; vgl. Currie et al. 2008; vgl. Currie et al. 2012 auf Basis der HBSC Surveys)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mehr als 15% der Heranwachsenden im südeuropäischen Raum (Griechenland,Italien, Spanien, Kroatien, Portugal) sowie in Island, Luxemburg und Slowenien sindübergewichtig. Maximal 10% an übergewichtigen 15-Jährigen haben aktuell Lettland,Litauen, Dänemark, Frankreich und die Niederlande dokumentiert (OECD, 2012).

Die durchschnittliche Übergewichtsprävalenz der 15-Jährigen von 24 Staaten der europäischen Union (EU) (in Abb. 5: EU24) stieg vom Health Behaviour in School-agedChildren (HBSC) Survey17 2001-02, verglichen mit dem HBSC Survey 2009-10, umzwei Punkte auf 13% an. In Abbildung 5 (siehe S. 29) wird ersichtlich, dassDeutschland im Jahre 2010 somit nur einen Prozentpunkt über dem EU-Durchschnittlag (OECD, 2012). Das Übergewicht der 5- bis 7-Jährigen in OECD-Ländern lag imDurchschnitt laut IASO (2011) und OECD (2012) unter den Mädchen bei 21,4% undunter den Jungen bei 22,9% (Übergewicht schließt hier die Adipositas mit ein). Hierliegt Deutschland bei den weiblichen Kindern und Jugendlichen mit 17,6% deutlichunter dem Durchschnitt. Bei den Jungen hingegen nähert sich die Zahl derÜbergewichtigen mit 22,6% dem durchschnittlichen Wert für männliche Kinder undJugendliche aus OECD-Ländern. Besonders ins Gewicht fallen in EuropaGriechenland, Italien und Spanien sowie in Nordamerika die USA mit Marken oberhalbder 30%. Mexiko, Neuseeland, Chile, Kanada und Slowenien nähern sich gefährlichder 30%-Marke. Bemerkenswert scheint auf den ersten Blick eineÜbergewichtsprävalenzrate der weiblichen und männlichen heranwachsendenBevölkerung mit lediglich 4,5% und 5,9% in China. Eine Visualisierung dervorhergehenden Datenbeschreibung ist der Abbildung aus Anhang 4, Seite 114 zuentnehmen (IASO, 2011; OECD, 2012).

Nach Schätzungen der IOTF sind von 77 Millionen Kindern in der EU 14 Millionenübergewichtig. Die jährliche Zuwachsrate an übergewichtigen Kindern beträgt etwa400.000. Die Zahl der adipösen Kinder wird auf 3 Millionen geschätzt, mit einerjährlichen Inzidenz von ca. 85.000 Kindern. Wie aus Abbildung 5 (S. 29) ersichtlich ist,nimmt Deutschland unter den 7- bis 11-jährigen Europäern mit einer Über-gewichtsprävalenzrate von 16% einen Platz im Mittelfeld ein, ebenso wie viele anderemitteleuropäische Länder. Eine Ausnahme bilden Großbritannien mit 27% sowiesüdeuropäische Länder wie Spanien, Portugal, Italien, Griechenland oder Slowenien,in denen bereits jedes dritte Kind von Übergewicht betroffen ist (Koletzko et al., 2011).

Die Angaben der IOTF decken sich mit Aussagen der IASO (2011), der OECD (2011, 2012) und Currie et al. (2012). Die juvenile Prävalenz von Übergewicht und Adipositas hat sich innerhalb der letzten Dekade deutlich erhöht, kindliches und jugendliches Körpergewicht haben teilweise exzessive Ausmaße erreicht. Durch diese Gewichtsausmaße in der Kindheit erhöht sich das potenzielle Risiko auch als Jugendlicher oder Erwachsener übergewichtig oder gar adipös zu werden, womit sich Risiken für Folgeerkrankungen, einer geminderten Lebensqualität und einem zeitigerem Ableben potenzieren (Currie et al., 2012; Sassi, 2010).

Die Grenzwerte für Übergewicht und Adipositas beziehen sich in Abbildung 5 (S. 29),der hier folgenden Abbildung 6 und im Anhang 4 (S. 114) auf die Referenzwerte vonCole (2000), durch welche einen internationaler Vergleich ermöglicht wird. Sie beruhenauf der Berechnung der altersabhängigen Perzentilwerte, welche im Alter von 18Jahren mit einem BMI für Übergewicht von 25 kg/m² bzw. mit einem BMI von 30 kg/m²bei Adipositas übereinstimmen (Cole et al., 2000; Koletzko et al., 2012; OECD, 2012).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6. Prävalenz von Übergewicht (inkl. Adipositas) in Europa in Prozent der 7- bis 11-Jährigen (vgl. Koletzko et al., 2012) Sowohl in Abbildung 5 (S. 29), obiger Abbildung 6 und auch in Anhang 4 (S. 114) sindsignifikante Häufungen von Übergewicht und Adipositas mit vereinzelten Ausnahmenverzeichnet. Die Daten können jedoch nicht unmittelbar miteinander verglichenwerden, da sich Methodik, Erhebungszeitpunkte, Erhebungsorte, sowie Altersgruppenunterscheiden und nicht immer eine Geschlechtsdifferenzierung stattfindet. Trotz internationaler, inhomogener Datenlage besteht jedoch kein Zweifel daran, dass weltweit steigende Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter zu verzeichnen sind.

2.5 Übergewicht und Adipositas in der Bundesrepublik Deutschland

Was die Erwachsenen (Altersgruppen von 18 bis 80 Jahren) in Deutschland betrifft, sosei zunächst erwähnt, dass deren gesundheitlicher Zustand schon in mehrerenGesundheitssurveys repräsentativ erfasst wurde. Es liegen diverse statistischeErhebungen im Bereich Gesundheitsförderung und Public Health vor. Solchenationalen Gesundheitssurveys sind für die Interpretation des Gesundheitszustandeseines Landes und die Ableitung von gezielten Maßnahmen im Gesundheitswesen vonbesonderer Bedeutung. Es sollen verknüpfbare Daten aus verschiedenen Ebenen desgesundheitlichen Geschehens zusammengebracht werden. Zu diesen Ebenen gehörendie körperliche, seelische und soziale Gesundheit sowie Manifestierungen undRisikofaktoren, welche aus Selbstangaben und objektiven Messwerten erlangt werden(Kurth, 2002). Es gilt jedoch zwischen Selbstangaben der Teilnehmer und medizinischermittelten Daten zu differenzieren. Meyer et al. untersuchten, inwiefern sich bspw.subjektive Selbsteinschätzung von medizinischer Anamnese oder Telefonauskünftevon Fragebögen unterscheiden. Vor- und Nachteile zu den unterschiedlichenErhebungsmethoden publizierten sie 2001. In Deutschland muss zusätzlich beachtetwerden, dass aufgrund der geschichtlichen Teilung erst ab dem Jahre 1992gesamtdeutsche Daten vorliegen.

In Anhang 5 (S. 115) sind in Deutschland durchgeführte große Repräsentativstatistiken im Erwachsenenbereich für den Zeitraum von 1985 bis 2012 zusammengestellt, zzgl. der BMI-Werte der Untersuchten. Vier der genannten Untersuchungen sind von besonderem Interesse, sie beruhen auf medizinischen Messmethoden und gelten für Gesamtdeutschland: Das Nationale Untersuchungssurvey Ost-West, das Bundesgesundheitssurvey, die Nationale Verzehrsstudie II und die aktuellste Analyse, Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland18 (DEGS, 2012).

DEGS ist der unmittelbarer Nachfolger des Bundesgesundheitssurveys 1998 (BGS98),einer früheren, bundesweiten Querschnittsstudie des RKI. Durch die wiederholteEinbeziehung derselben Studienpersonen zu verschiedenen Erhebungszeitpunktenkonnten erste Längsschnittdaten zur Gesundheit gesammelt werden (Kamtsiuris et al.,2012). Der Vergleich der Prävalenzdaten für Übergewicht und Adipositas innerhalbdieses Zeitraums zeigt auf, dass sich die Werte für Übergewicht beider Geschlechternicht bedeutend verändert haben. Bei genauer Betrachtung zeigt sich bei beidenGeschlechtern sogar ein leichter Rückgang entgegen der Vorhersage um jeweils 1,5Prozentpunkte (siehe Abbildung 7). Es sind erste Anzeichen zu vernehmen, dass diePrävalenzraten für Übergewicht auf einem hohen Niveau stagnieren (Mensink, 2012).

Abbildung 7. Übergewicht und Adipositas in Deutschland bei Erwachsenen (vgl. Mensink, 2012)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Besorgniserregend ist jedoch der deutliche Anstieg der Adipositasprävalenz. In denvergangenen 20 Jahren (1992 bis 2012) hat sich die Adipositashäufigkeit bei denMännern um 5,2 Prozentpunkte von 18,1 % auf 23,3 % erhöht, bei den Frauen um dreiProzentpunkte von 20,9 % auf 23,9 %. Das ergibt eine durchschnittliche Erhöhung derInzidenz von 4,1 % für beide Geschlechter. Dies entspricht, gemessen an derGesamtbevölkerungszahl auf der Basis von 82 Millionen für Deutschland im Jahre2011 (Statista, 2012), einer Erhöhung der Neuerkrankungen von Adipositas um ca.3,36 Millionen Menschen. Hierbei ist die Inzidenz für das männliche Geschlecht in allenAltersgruppen durchgehend höher als beim weiblichen Geschlecht. Bei den Frauenerkennt man nur in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen einen stetigen Anstieg, inallen Anderen sinken die Zahlen seit 1998 wieder (RKI, 2012). Die geschlechts- und altersspezifischen Unterschiede hinsichtlich der Adipositasprävalenz werden in nachstehender Abbildung 8 deutlich. Es ist zu konstatieren, dass mit steigendem Alter auch die Ausprägung der Adipositas steigt. Dies gilt sowohl für das weibliche als auch für das männliche Geschlecht. Gewissermaßen könnten Übergewicht und Adipositas auch als Alterserscheinung interpretiert werden (Mensink, 2012).

Abbildung 8. Alters- und geschlechtsabhängige Adipositasprävalenz in Deutschland (vgl. Mensink, 2012)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassend ist zu vermerken, dass sich trotz der aktuellen ersten Anzeichen für einen leichten Rückgang der Prävalenz für Übergewicht in Deutschland das Ausmaß auf einem hohen Niveau hält und die Inzidenz für Adipositas insbesondere unter den jungen Erwachsenen erschreckend angestiegen ist (siehe Abbildung 8)19.

2.5.1 Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Im Hinblick auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen kann im Vergleich zu den Erwachsenen (siehe Anhang 5, S. 115 ) in Deutschland auf wesentlich weniger Daten zugegriffen werden. Bis vor kurzem mangelte es insbesondere an repräsentativen Datensätzen zu Körpergewicht und Körpergröße für alle Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen aller Regionen Deutschlands.

Beschreibung des Phänomens Übergewicht und Adipositas 35

Dieser Mangel konnte durch das Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS20 ) behoben werden. Die erste bundesweit repräsentative Querschnittsuntersuchung zur Kinder- und Jugendgesundheit fand 2003 bis 2006 statt - die KiGGS-Basiserhebung (Hölling et al., 2012).

Das Befragungs- und Untersuchungssurvey schuf eine umfassende Bestands- aufnahme zur Gesundheit Deutschlands 0- bis 17-Jährigen. In 167 Städten und Gemeinden wurden 17.641 Studienteilnehmer, davon 8.985 Jungen und 8.656

Mädchen, befragt und untersucht. Bei Säuglingen und Kleinkindern fand eineBefragung der Eltern statt. Die folgenden Erläuterungen beziehen sich jedoch nur aufdie 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen (14.747, darunter 7.530 Jungen und 7.217 Mädchen). 2009 bis 2012 folgte KiGGS Welle 1 mittels einer Telefonbefragung.Die zweite Folgeuntersuchung (KiGGS Welle 2) folgt im Zeitraum 2013-2016 undbeinhaltet wie die Basiserhebung wieder eine Befragung und eine körperlicheUntersuchung. Durch die Folgeuntersuchungen können durch KiGGS nicht nur aktuelleZustände (Querschnittsanalysen und Trendanalysen) repräsentativ beschriebenwerden sondern auch Aussagen zu Verläufen (Lebenslaufanalysen) getroffen werden(vgl. Hölling et al.; vgl. Kurth et al., 2007). Ein Schema des Kohortenansatzes für dieersten drei Wiederholungswellen ist in Anhang 6 (S.116) ersichtlich.

Laut KiGGS kann festgehalten werden, dass insgesamt 15% der deutschen Kinder undJugendlichen übergewichtig sind, 6,3% davon leiden unter Adipositas. Das entsprichtetwa einer Zahl von 1,9 Millionen übergewichtigen und davon ca. 800.000 adipösenKindern und Jugendlichen in Deutschland. Verglichen mit den Referenzwerten aus den1980er und 1990er Jahren von Kromeyer-Hauschild et al. (2001) ergibt sich, dass dieZahl der Übergewichtigen sich in dieser Altersgruppe um 50% erhöht hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9. Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen von 3bis 17 Jahren - die rote Linie präsentiert die Ergebnisse der Vergleichsdaten aus den 1980erund 1990er Jahren von Kromeyer-Hauschlid et al., 2001 (vgl. RKI Fachtagung KiGGS, 2009)

Bei den Adipösen hat sich die Prävalenz verdoppelt. Die Referenzwerte sind dervorangehenden Abbildung 9 zu entnehmen, sie werden durch die rote Markierungdargestellt. Es wird deutlich, dass sich die Zahl der übergewichtigen 3- bis 17-Jährigenvon 10% auf 15% erhöht hat, während die Zahl der Adipösen von 3% auf 6,3% anstieg.Es ist kein signifikanter Unterschied des Übergewichts (Adipositas eingeschlossen)zwischen Jungen und Mädchen festzustellen. Betrachtet man im Folgenden dieunterschiedliche Verteilung von Übergewicht und Adipositas in den unterschiedlichenAltersklassen (siehe Abbildung 10, S. 37 und Abbildung 11, S. 38) ist auffallend, dassdie Verteilung bzw. die Anstiege unterschiedlich ausfallen. Die rote Linie stellt dievergleichende Referenzpopulation von Kromeyer-Hauschild et al. (2001) dar, einenMittelwert für Übergewicht bzw. Adipositas der damals 0- bis 18-Jährigen (in obigerAbbildung 9; Abbildung 10, S. 37 und Abbildung 11, S. 38, zu sehen; Datengrundlagesiehe auch Anhang 1, S. 111) (RKI Fachtagung KiGGS, 2009).

Vor allem nach Schuleintritt steigt der Anteil der übergewichtigen Kinder schnell an.Während er im Alter von drei bis sechs Jahren noch bei 8,9% bei den Jungen und9,3% bei den Mädchen liegt, steigt er auf 16% und 15% bei den 7- bis 10-Jährigen,verdoppelt sich im Alter von elf bis 13 Jahren und steigt auf 18% bei den weiblichenund 19% bei den männlichen Untersuchten. In der Gruppe der 14-17jährigen fällt derAnteil der Übergewichtigen wieder um ein bis zwei Prozentpunkte auf 17%, der Verlaufist in nachstehender Abbildung zu sehen (Abbildung 10, S. 37). Nur bei den 3- bis 6-Jährigen liegen die Prävalenzen der KiGGS Basiserhebung (2003 bis 2006) unter demNiveau der Vergleichsdaten (1980er und 1990er Jahre). In den anderen Altersgruppenist nahezu eine Verdoppelung des Übergewichts zu konstatieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10. Übergewicht von Kindern und Jugendlichen nach Altersgruppen - die rote Linie präsentiert die Ergebnisse der Vergleichsdaten aus den 1980er und 1990er Jahren vonKromeyer-Hauschlid et al., 2001 (vgl. RKI Fachtagung KiGGS, 2009) Extremer verhält es sich bei der Adipositas (siehe dazu Abbildung 11, S. 38). Hier stiegder Anteil der adipösen Jugendlichen in der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen um dasdreifache im Vergleich zu den Referenzdaten. Ähnlich wie bei der Altersverteilung desÜbergewichts steigt der Anteil der adipösen Kinder recht rasch nach der Einschulung.Von 2,5% bei den Jungen und 3,3% bei den Mädchen steigt der Anteil auf 7% derJungen und 5,7% der Mädchen unter den 7- bis 10-Jährigen. Während die Jungen sichbis zur Altersgruppe von elf bis 13 Jahren konstant halten steigt hingegen der Anteilder ädipösen Mädchen auf 7,3%. Unter den Teenagern im Alter von 14 bis 17 Jahrenist ein weiterer Anstieg der Prävalenzen bei beiden Geschlechtern zu verzeichnen.Unter den Mädchen gelten nun 8,9% als fettleibig, unter den Jungen 0,7% weniger.Zweifellos kann die Datenlage darüber Auskunft geben, dass der Prozentsatzübergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher in Deutschland gestiegen ist(Kurth & Rosario, 2007).

Eine weitere Informationsquelle zur Darstellung der Prävalenzen von Übergewicht undAdipositas deutscher Kinder zeigen die regelmäßig durchgeführten Schuleingangs-untersuchungen der einzelnen Bundesländer. Leider waren die Daten laut Moß et al.(2007) in Deutschland nicht homogen dokumentiert und teilweise schwer zugänglich.Trotzdem konnten sie mittels Telefon- und E-Mail-Kontakten sowie per Literatur- undInternetrecherche gesammelt und miteinander verglichen werden; außen vor sindBremen und Sachsen-Anhalt (siehe Anhang 7, S. 117) (Moß et al., 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11. Adipositas von Kindern und Jugendlichen nach Altersgruppen - die rote Linie präsentiert die Ergebnisse der Vergleichsdaten aus den 1980er und 1990er Jahren von Kromeyer-Hauschlid et al., 2001 (vgl. RKI Fachtagung KiGGS, 2009)

[...]


1 Definitionen für Übergewicht und Adipositas sind unter Punkt 2.1 zu finden.

2 Bei der Bezeichnung „Adipositas“ handelt es sich vermutlich um eine Kunstwortbildung, welche aus den lateinischen Wörtern adeps (Fett, Schmerbauch) und positus gebildet wurde. a) Part. Perf. von ponere: stellen, legen, setzen, b) Substantiv: Stellung, Lage, Stand; aus adep-positus wurde adip-positas (Peter, 2006).

3 Zur besseren und schnelleren Lesbarkeit wird ausschließlich die männliche Schreibweise verwendet. Die weibliche Form ist selbstverständlich mit eingeschlossen.

4 Der Body-Mass-Index wird errechnet, indem das Körpergewicht (kg) durch das Quadrat der Körpergröße (m2) dividiert wird. Weitere Informationen siehe unter Punkt 2.1.

5 Die Prävalenzrate bezeichnet hier die Häufigkeit einer Erkrankung, oder auch Prävalenz: Anzahl der Kranken zum Untersuchungszeitpunkt. Die Inzidenzrate bezeichnet die Häufigkeitder Neuerkrankungen, oder auch Inzidenz: Anzahl der neu Erkrankten in der betrachtetenZeitspanne.

6 Professor James etablierte 1995 die International Obesity Task Force (IOTF), heute ist er amtierender Präsident der International Association for the Study of Obesity (IASO).

7 Aus dem Englischen übersetzt von Michael Hermann.

8 Adipositas wird auch „Fettleibigkeit“ genannt, in älterer Literatur auch „Fettsucht,“ wo bei das irrreführend erscheint, da die Adipositas nicht die Merkmale einer Sucht aufweist. Derenglische Begriff ist „obesity“, während Übergewicht mit „overweight“ übersetzt wird.„Obesitas“ ist ebenfalls in deutscher Literatur üblich.

9 Benannt nach Pierre Paul Broca (1824-1818), einem französischen Medziner (Wenzel, 2003).

10 Broca-Normalgewicht in kg = Körpergröße in cm minus 100. Bsp.: Einer Person mit der Körpergröße von 1,72 m wird ein Normalgewicht von 72 kg zugesprochen.

11 Ein in Frage kommendes Isotop wäre hier bspw. Deuterium, welches auch als schweres Wasser bekannt ist (Wenzel, 2003; Wirth, 2003).

12 In der medizinischen Statistik sind Perzentile (Prozentangaben) ein Maß für die Streuungeiner statistischen Verteilung, welche nach Rang oder Größe der Einzelwerte sortiert sind.Perzentile werden vor allem genutzt, um die Entwicklung von Körpergröße/Körpergewicht beiKindern und Jugendlichen in Bezug auf ihre Altersgenossen einzuschätzen. Um Größe undGewicht zu beurteilen, werden Perzentilenkurven verwendet, welche auf Werten großerVergleichskollektive beruhen. Wird das Körpergewicht eines Kindes in Perzentilenausgedrückt (ähnlich wie bei SDS - von engl. standard deviation score), bedeutet dies also,dass sein Körpergewicht in Bezug auf das Körpergewicht der Altersgenossen angegebenwird. Ein Gewicht auf der 50. Perzentile bedeutet, dass 50% der Kinder gleichen Alters undGeschlechts leichter sind, als das betreffende Kind. Ein Körpergewicht auf der 3. Perzentilebedeutet, dass 3% aller vergleichbaren Kinder leichter sind als das betreffende Kind.

13 Cholezystolithiasis ist eine Erkrankung der Gallenblase mit Gallensteinen.

14 Quotient = Messwert der Taille / Messwert der Hüfte.

15 OECD-Länder zeichnen sich durch ein hohes Pro-Kopf-Einkommen aus.

16 Die Übergewichtsprävalenzen und -inzidenzen schließen die Prävalenzen und Inzidenzen für Adipositas mit ein.

17 Die HBSC-Studie ist ein internationales Forschungsvorhaben. Seit 1982 werden die Gesundheit und gesundheitsrelevantes Verhalten von Jugendlichen erfasst und verglichen. Dies geschieht in einem vierjährigen Turnus, somit werden Trendanalsysen ermöglicht. Deutschland beteiligte sich erstmals 1993/94 mit Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsstärkstem Bundesland. Beim letzten HBSC-Survey 2009/2010 beteiligten sich alleBundesländer bis auf Baden-Württemberg.

18 DEGS (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland), GEDA (Gesundheit in Deutsch-land aktuell) und KIGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutsch-land) sind Komponeten des derzeit aktuellen Gesundheitsmonitorings des Robert Koch- Instituts und als Quer- und Längschnitterhebung kombiniert. Ebenso sollen durch die Wieder-teilnahme der Untersuchten Lebensäufe in ihrer Gesundheitsentwicklung nachvoll-ziehbarwerden sowie Trendanalysen bzgl. der zeitlichen Entwicklung der gesundeitlichen Lagemöglich sein. Tiefergehende Ausführungen zu KiGGS erfolgen ab Kapitel 2.5.3 dieser Arbeit.

19 Die Abbildungen 7 und 8 entstammen dem DEGS-Symposium vom 14. Juni 2012, auf dem die ersten Ergebnisse zur „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ vom RKI präsentiert wurden.

20 Bei “KiGGS” handelt es sich um ein Kunstwort, um sich einen eingängigen Studiennamenleichter merken zu können als den offiziellen Titel: “Studie zur Gesundheit von Kindern undJugendlichen in Deutschland”. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und von Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert. Durchgeführt wurde sie vom Robert Koch-Institut, Abteilung Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung (Hölling et al., 2012).

Details

Seiten
121
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668405851
ISBN (Buch)
9783668405868
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354508
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Adipositas Übergewicht Prävention Kinder Jugendliche Genese Polyätiologie Public Health Metabolisches Syndrom Fettleibigkeit Therapie Sport Ernährung Migration sozialer Status

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Titel: Polyätiologische Genese von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland