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Nationaler Mindestlohn in Deutschland und die Auswirkungen auf Angebot und Dauer von Praktika

Hausarbeit 2016 20 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeines zum Mindestlohn
2.1 Definition
2.2 Arten von Mindestlöhne
2.3 Ausnahmen vom Mindestlohn
2.4 Theoretische Wirkungen des Mindestlohns

3 Mindestlohn und Praktika
3.1 Inhalte des Mindestlohn-Gesetzes in Bezug auf Praktika
3.2 Vorteile von Praktika für Unternehmen und Praktikanten
3.3 Auswirkungen in der Praxis Konsequenzen für Praktikanten

4 Empirische Untersuchung
4.1 Stichprobenauswahl
4.2 Methodik
4.2.1 Beobachtungen
4.2.2 Befragungen
4.3 Hypothesenableitung
4.4 Auswertung der Umfrage

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Arbeitsmarkt ohne Mindestlohn

Abbildung 2 Arbeitsmarkt bei Mindestlohn > Gleichgewichtslohn

Abbildung 3 Arbeitsmarkt bei Mindestlohn < Gleichgewichtslohn

Abbildung 4 Empirische Untersuchung Frage 1

Abbildung 5 Empirische Untersuchung Frage 2

Abbildung 6 Empirische Untersuchung Frage 3

1 Einleitung

Am 1. Januar 2015 wurde in Deutschland ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt, der mit einigen Ausnahmen für alle Beschäftigten gilt. Diese Ausnahmen betreffen neben Auszubildenden, Minderjährigen und Langzeitarbeitslosen auch bestimmte Praktikantengruppen. Gerade vor dem Hintergrund der immer währenden Diskussion zur Abschaffung der Generation Praktikum stellt sich die Frage, wie dieser Ausschluss und die Vermeidung der Ausbeutung von Praktikanten zusammen passt.

Im Rahmen dieser Arbeit soll daher untersucht werden, ob die Regelung bestimmte Praktikanten vom Mindestlohngesetz auszuschließen gerechtfertigt ist und ob sich Auswirkungen auf die Dauer und das Angebot von Praktika erkennen lassen. Die Forschungsfrage die sich somit für diese Arbeit ergibt lautet:

„Welche Auswirkungen hat der Mindestlohn auf Angebot bzw. Dauer von Praktika und ist es gerechtfertigt bestimmte Praktikanten vom Mindestlohn auszuschließen?“

Um diese zu beantworten wird die Arbeit wie folgt strukturiert:

Nach der Einleitung werden in Kapitel 2 zunächst die Grundlagen zum Thema Mindestlohn erarbeitet. Hier geht es neben der allgemeinen Definition auch darum, die theoretischen Wirkungszusammenhänge eines Mindestlohns für den Arbeitsmarkt darzustellen. Kapitel 3 beschäftigt sich schließlich konkret mit der Gruppe der Praktikanten und stellt dar, welche Art von Praktikanten vom Mindestlohngesetz ausgeschlossen ist. Weiterhin werden die Vorteile von Praktika auf Unternehmens- und Praktikantenseite dargestellt. In Kapitel 4 folgt schließlich eine empirische Untersuchung die die in den vorangegangenen Kapiteln erarbeiteten Erkenntnisse aufgreift und untersucht inwieweit der Ausschluss vom Mindestlohngesetz für Praktikanten gerechtfertigt ist. Hierzu werden unter anderem die Hauptgründen für ein Praktikum und Gehaltsvorstellungen abgefragt . Kapitel 5 bildet mit der Beantwortung der Forschungsfrage schließlich den Schlusspunkt dieser Arbeit.

2 Allgemeines zum Mindestlohn

Mit dem zum 1. Januar 2015 eingeführten Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro will die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag dafür sorgen, dass Vollzeitbeschäftigte ein angemessenes Arbeitsentgelt erhalten das ihre Existenz sichern kann. Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass die Lohnhöhe und die damit verbundene Produktivität der Unternehmen zusammen passen. Dies wurde bereits vor Einführung des Mindestlohns durch Tarifverträge gewährleistet. Allerdings führt die sinkende Tarifbindung dazu, dass immer weniger Arbeitnehmer von den Regelungen der Tarifparteien profitieren. Hier soll der gesetzliche Mindestlohn ansetzen und einen Mindestschutz für alle Arbeitnehmer darstellen. (Koalitionsvertrag 18. Legislaturperiode, S. 67f.)

Im Folgenden wird der Begriff des Mindestlohns näher betrachtet sowie die theoretischen Auswirkungen beleuchtet.

2.1 Definition

Unter einem Mindestlohn versteht man ein festgelegtes, geringstes zulässiges Entgelt das einem Arbeitnehmer mindestens zusteht. Neben nationalen Mindestlöhnen die durch die jeweilige Gesetzgebung des Landes vorgegeben sind existieren auch regionale und branchenspezifische Mindestlöhne. Durch die Einführung eines Mindestlohns soll der Arbeitnehmer vor Ausbeutung und Lohndumping seitens des Arbeitnehmers geschützt werden. Dies begründet sich aus der tendenziell geringeren Verhandlungsmacht des Arbeiters. Weiterhin soll durch die Zahlung eines Mindestlohns die Sicherstellung eines angemessenen Lebensstils gewährt werden. (Henneberger)

2.2 Arten von Mindestlöhne

Mindestlöhne lassen sich in drei verschiedene Arten unterteilen.

Nationale Mindestlöhne sind meistens gesetzlich geregelt und gelten für ein gesamtes Land. Innerhalb des nationalen Mindestlohns kann es außerdem Sonderregelungen, z.B. für Jugendliche geben. (Schuster 2013, S. 4) In Deutschland wurde zum 01. Januar 2015 ein nationaler Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde eingeführt. Damit ist Deutschland das 22. Land innerhalb der europäischen Union das über einen landesweit gültigen Mindestlohn verfügt. Lediglich in den skandinavischen Ländern Dänemark, Finnland und Schweden sowie in Italien, Zypern und Österreich existieren nur tariflich festgelegte Mindestlöhne für einzelnen Branchen. Hinsichtlich der Höhe der nationalen Mindestlöhne lassen sich die EU-Mitgliedsstaaten in 3 Gruppen kategorisieren. In den westeuropäischen Staaten Deutschland, Belgien, Irland, Luxemburg, Frankreich, Niederlande und Großbritannien werden durchweg relativ hohe Mindestlöhne gezahlt. Den Spitzenplatz belegt hier Luxemburg mit einem Stundenlohn von 11,12 Euro. Deutschland liegt mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro als einziges westeuropäisches Land unterhalb der 9 Euro-Marke und bildet daher in dieser Gruppe das Schlusslicht. In Slowenien, Spanien, Malta, Griechenland und Portugal werden Mindestlöhne zwischen 3 und 5 Euro gezahlt. Das geringste Lohnniveau findet sich schließlich in osteuropäischen Staaten wie Polen, Ungarn und Rumänien. (Schulten 2016, S. 129f.)

Im Gegensatz zu nationalen Mindestlöhnen sind regionale Mindestlöhne weniger stark verbreitet. In den USA können die einzelnen Bundesstaaten einen eigenen Mindestlohn festlegen der über dem landesweit geltenden Mindestlohn liegt. (Schuster 2013, S. 5) 30 der insgesamt 50 US-Bundesstaaten machen von dieser Regelung Gebrauch. Auch in Japan bestimmen die einzelnen Provinzen eigenständig einen regionalen Mindestlohn (Schulten 2016, S. 130f.)

Als letzte Gruppe sind branchenspezifische Mindestlöhne zu nennen. In Deutschland entstehen diese als Ergebnis von Tarifverhandlungen. Im Gegensatz zu Deutschland gelten in Italien die Ergebnisse von Tarifverhandlungen für alle Beschäftigten einer Branche, egal ob der Arbeitgeber dem Tarifverband angeschlossen ist oder nicht. Beim tariflich vereinbarten Mindestlohn handelt es sich damit automatisch um den Mindestlohn der Branche. Gleiches gilt für Österreich, da hier nahezu 100 Prozent der Unternehmen in Tarifverbänden organisiert sind. (Funk und Lesch 2006, S. 81f.)

2.3 Ausnahmen vom Mindestlohn

Das Mindestlohngesetz gilt grundsätzlich für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland. Auszubildende und ehrenamtlich tätige Personen sind dementsprechend ausgeschlossen, da es sich hierbei per Definition nicht um Arbeitnehmer handelt. Weiterhin ausgeschlossen sind Jugendliche unter 18 Jahren und Langzeitarbeitslose. Hierdurch soll die Integration der beiden Personengruppen in den Arbeitsmarkt unterstützt werden. So soll verhindert werden, dass sich Jugendliche aufgrund der besseren Bezahlung gegen eine Berufsausbildung entscheiden. Für Langzeitarbeitslose die ohnehin Schwierigkeiten haben wieder in den Arbeitsmarkt zu finden soll der Verzicht auf den Mindestlohn dazu führen, dass Unternehmen eher bereit sind Bewerbern eine Chance zu geben wenn diese nicht direkt mit dem vollen Mindestlohn entlohnt werden müssen. Nach 6 Monaten fallen auch diese Beschäftigten schließlich unter das Mindestlohngesetz. (Deutscher Bundestag 2016, S. 5f.)

Neben den erwähnten Ausnahmen sind auch einige Praktikantengruppen vom Mindestlohn ausgeschlossen. Diese werden in Kapitel 3 ausführlicher erläutert.

2.4 Theoretische Wirkungen des Mindestlohns

Um die Auswirkungen eines nationalen Mindestlohns auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Höhe des durchschnittlichen Lohns zu untersuchen ist es erforderlich zunächst das klassische Modell des Arbeitsmarktes ohne regulierende Mindestlöhne zu betrachten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1Arbeitsmarkt ohne Mindestlohn (eigene Darstellung, in Anlehnung an: Schuster, 2013)

Auf der x-Achse ist die Arbeitsmenge in Stunden, auf der y-Achse der Stundenlohn in Euro abgebildet. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Funktion des Arbeitsangebots positiv geneigt. Das bedeutet, das Arbeitsangebot der Arbeitnehmer steigt mit steigender Lohnhöhe an. Es sind bei höheren Löhnen dementsprechend mehr Arbeitnehmer bereit ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen und auch länger zu arbeiten. Dem entgegengesetzt entwickelt sich die Funktion der Arbeitsnachfrage durch die Unternehmen negativ. Dass bedeutet, dass die Arbeitnehmer bei steigenden Lohnkosten weniger Arbeitnehmer beschäftigen. Im Schnittpunkt der beiden Funktionen befindet sich der Arbeitsmarkt im Gleichgewicht. Hier ist Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage gleich hoch. Auf einem freien Arbeitsmarkt ohne regulierenden Aspekte wie einen Mindestlohn entstehen also ein Gleichgewichtslohn und eine Gleichgewichtsbeschäftigung bei einer klassischen Arbeitslosigkeit von null.

Im Folgenden soll nun untersucht werden, wie sich ein nationaler Mindestlohn auf das Modell des Arbeitsmarkts auswirkt. Hierbei sind zwei Fälle zu unterscheiden. Zum einen ein Mindestlohn der über dem Gleichgewichtslohn liegt und zum anderen ein Mindestlohn der unter ebendiesem liegt.

Im ersten Fall (Mindestlohn > Gleichgewichtslohn) sinkt die Arbeitsnachfrage der Unternehmen, da es für sie durch den hohen Mindestlohn teurer wird Arbeitskräfte zu beschäftigen. Dem entgegengesetzt steigt hingegen die Arbeitsnachfrage der Arbeitnehmer. Für sie wird es durch den hohen Mindestlohn attraktiver einer Beschäftigung nachzugehen. Der Arbeitsmarkt gerät so ins Ungleichgewicht und es entsteht Arbeitslosigkeit in Höhe der Differenz zwischen Arbeitsangebot der Arbeitnehmer und Arbeitsangebot der Unternehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Arbeitsmarkt bei Mindestlohn > Gleichgewichtslohn (eigene Darstellung, in Anlehnung an: Schuster, 2013)

Für den Fall, dass der gesetzliche Mindestlohn unterhalb des Gleichgewichtslohns liegt sind keine Auswirkungen auf die Beschäftigung am Arbeitsmarkt zu erwarten. Unternehmen die versuchen Arbeit zum Mindestlohn nachzufragen werden nicht genügend Arbeitnehmer finden die bereit sind zu diesem Preis ihre Freizeit der Arbeit zu opfern. Die Arbeitsnachfrage ist entsprechend niedriger als das Arbeitsangebot, so dass die Arbeitgeber gezwungen sind den Lohn zu erhöhen. Diese Lohnerhöhung wird sich auf dem Niveau des Gleichgewichtsmodells einpendeln. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Arbeitsmarkt im Gleichgewicht ist und keine klassische Arbeitslosigkeit existiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Arbeitsmarkt bei Mindestlohn < Gleichgewichtslohn (eigene Darstellung, in Anlehnung an: Schuster, 2013)

Es lässt sich also festhalten, dass im theoretischen neoklassischen Modell des Arbeitsmarktes ein vorgegebener Mindestlohn nur dann Auswirkungen auf die Beschäftigung hat wenn dieser über dem Gleichgewichtslohn liegt. (Schuster 2013, S. 15ff.)

Inwieweit sich diese Annahmen auch auf das Angebot von Praktikumsplätzen übertragen lassen soll im folgenden Abschnitt näher untersucht werden.

3 Mindestlohn und Praktika

Praktika bieten sowohl für Schüler als auch für Studenten die Möglichkeit das Arbeitsleben kennen zu lernen und sich auf einen Einstieg in die Berufswelt vorzubereiten. Dabei können Praktika sowohl freiwillig sein als auch im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums vorgeschrieben sein. Es werden verschiedenen Arten von Praktika unterschieden:

- Schnupperpraktikum: Innerhalb von wenigen Tagen sollen Schüler einen Betrieb kennenlernen.
- Schülerbetriebspraktikum: Dauert etwa 2 bis 3 Wochen und findet häufig im letzten oder vorletzten Schuljahr statt. Es soll einen Einblick in den Berufsalltag geben und den Schülern Ideen für einen möglichen Berufswunsch liefern.
- Vorpraktikum: Verpflichtendes Praktikum das vor der Aufnahme eines Studiums oder einer Ausbildung absolviert werden muss.
- Fachpraktikum: Verpflichtendes Praktikum das während eines Studiums oder einer Ausbildung absolviert werden muss.
- Freiwilliges studienbegleitendes Praktikum: Zuletzt steht es einem Studenten frei, während des Studiums ein freiwilliges Praktikum zu absolvieren um einen Einblick in die Berufswelt zu erhalten. (Arbeitsagentur 2013)

3.1 Inhalte des Mindestlohn-Gesetzes in Bezug auf Praktika

Der gesetzliche Mindestlohn wird im Mindestlohngesetzt (MiLoG) geregelt. Grundsätzlich gilt das Gesetz für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen und garantiert diesen seit dem 01. Januar 2015 einen festgelegten Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro (MiLoG §1). Neben Fälligkeiten, Zuständigkeiten und Mitwirkungspflichten des Arbeitgebers regelt das Mindestlohngesetz auch den persönlichen Anwendungsbereich. Praktikanten gelten demnach generell ebenfalls als Arbeitnehmer mit Anspruch auf Mindestlohnzahlungen. Ausnahmen von dieser Regelung sind allerdings gegeben, sofern es sich um eine der drei folgenden Praktikumsarten handelt (Ennemoser 2014, S. 25ff.):

- Vorgeschriebene Pflichtpraktika im Rahmen einer Berufsausbildung oder eines Studiums

Hierzu zählen Praktika, die in der Studien- oder Ausbildungsordnung zwingend vorgeschrieben sind unabhängig von ihrer Dauer. Auch wiederholende Praktika die im Rahmen eines dualen Studiums absolviert werden fallen nicht unter das Mindestlohngesetz.

- Praktika zur Berufsorientierung deren Dauer kürzer als 3 Monate beträgt

Ein freiwilliges Praktikum mit einer Dauer von maximal 3 Monaten ist zunächst von den Pflichten des Mindestlohngesetzes befreit. Hier ist jedoch zu beachten, dass bei einer Verlängerung des Praktikums oder bei einem weiteren Orientierungspraktikum beim gleichen Arbeitgeber ab dem ersten Arbeitstag Mindestlohnanspruch besteht. Mehrere Praktika beim gleichen Arbeitgeber sind daher nur möglich sofern es sich beim zweiten Praktikum um ein Pflichtpraktikum wie weiter oben beschrieben handelt oder im Rahmen einer dualen Ausbildung.

- Praktika im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung

Beim Einstiegsqualifizierungsjahr handelt es sich um eine von der Bundesagentur für Arbeit geförderte berufsvorbereitende Maßnahme die seit 2004 existiert. Sie richtet sich an junge Menschen unter 25 die bislang noch keine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Die Dauer ist auf 6 oder 12 Monate festgelegt und die Vergütung in Höhe von aktuell 216 Euro wird von der Arbeitsagentur übernommen.

Praktikanten, deren Praktikum einer der o.a. Praktikumsarten zuzuordnen ist haben demnach keinen Anspruch auf Zahlung des Mindestlohns. Insgesamt lässt sich also sagen, dass Unternehmen nur dann verpflichtet sind einem Praktikanten ein Gehalt in Höhe des Mindestlohns zu zahlen, wenn es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt welches länger als 3 Monate andauert.

3.2 Vorteile von Praktika für Unternehmen und Praktikanten

Praktika bieten sowohl für die Praktikanten die sie in Anspruch nehmen als auch für die anbietenden Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. So ermöglicht ein Praktikum beispielsweise vor Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung die Möglichkeit, ein bestimmtes Berufsfeld kennenzulernen und die eigenen Erwartungen mit der Realität abzugleichen. Weiterhin können durch ein Praktikum spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse erworben werden ohne eine Berufsausbildung zu absolvieren. Häufig stellt ein Praktikum auch die Basis für eine spätere Übernahme in eine Festanstellung beim gleichen Unternehmen dar. Praktikanten können daher die Zeit nutzen um das Unternehmen von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen und sich als potentieller Mitarbeiter zu positionieren. Zuletzt kann auch die Entlohnung des Praktikums einen monetären Anreiz darstellen. (Beck und Roth, S. 1f.) Praktische Erfahrung ist heutzutage besonders wichtig, daher nutzen viele Studenten die Möglichkeit, parallel zum Studium berufliche Erfahrung zu sammeln mit der sie im späteren Bewerbungsverfahren punkten können. (Glaubitz 2006, S. 27) Ob und inwieweit sich der Mindestlohn auf ebendiese Entlohnung und das generelle Angebot von Praktika auswirkt wird im weiteren Verlauf der Arbeit untersucht.

Auch für Unternehmen bietet das Angebot von Praktika einige Vorteile. Zunächst erbringt der Praktikant eine Arbeitsleistung, die je nach Qualifikation, Dauer und Ziel des Praktikums unterschiedlich wertvoll sein kann. Sofern ein Praktikum primär zur Orientierung des Praktikanten dient ist nicht damit zu rechnen, dass die erbrachte Arbeitsleistung für das Unternehmen von hoher Wertigkeit ist. Dennoch lassen sich hieraus weitere Ziele für das Unternehmen ableiten. So kann es sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und gleichzeitig potentielle Mitarbeiter identifizieren. Auch auf die öffentliche Wirkung kann das Angebot von Praktikumsplätzen einen Einfluss haben. (Beck und Roth, S. 1f.) Entscheidet sich ein Unternehmen dafür eine freie Position mit einem ehemaligen Praktikanten zu besetzen sinken zum einen die Kosten des Rekrutierungsprozesses, zum anderen geht auch die Unsicherheit die mit der Einstellung eines unbekannten Bewerbers verbunden ist zurück, da Leistung, Arbeitsergebnisse und Motivation des Praktikanten bereits bekannt sind. (Sarcletti 2007, S. 58)

Die Vergütung von Praktika kann –unabhängig vom Mindestlohn- sehr unterschiedlich ausfallen. Ein hohes Praktikantengehalt ist vor allem dort zu erwarten, wo der Praktikant bereits eine gewisse Vorausbildung mitbringt und dem Unternehmen durch seine Arbeitsleistung einen wirklichen Mehrwert erbringt. Hier ist der Praktikant sozusagen als günstige Vollzeitarbeitskraft anzusehen. Praktika die zur beruflichen Orientierung dienen und dem Praktikanten ein Kennenlernen des jeweiligen Berufsfeldes bieten sind eher gering vergütet, da hier eine geringere Arbeitsleistung bei gleichzeitig höherer Einarbeitung und Betreuung seitens des Unternehmens zu erwarten ist. Weiterhin können Praktika bei namhaften Unternehmen der Branche trotz geringer Bezahlung attraktiv sein, da hier nicht die Höhe der Vergütung sondern die Wirkung im Lebenslauf entscheidend ist.

Durch die Einführung des Mindestlohns verändern sich sowohl die Kosten des Unternehmens als auch die Attraktivität für Bewerber aufgrund der garantierten Vergütung. Es ist daher davon auszugehen, dass die Zahl der Bewerbungen steigt, während das Angebot für freiwillige Praktika die dem Mindestlohngesetz unterliegen zurückgeht. Gleichzeitig werden Praktikanten die ein längeres Praktikum planen oder ein Praktikum als Berufseinstieg nach erfolgreichem Studium anstreben größere Probleme haben einen entsprechenden Praktikumsplatz zu finden. Für die Unternehmen kommt erschwerend hinzu, dass die Möglichkeit, potentielle neue Mitarbeiter im Rahmen eines Praktikums kennenzulernen mit deutlich höheren Kosten verbunden ist. Es ist daher davon auszugehen, dass Praktika entweder kürzer ausgestaltet werden als eigentlich geplant oder Unternehmen einen höheren Arbeitsbeitrag vom Praktikanten erwarten um die mindestlohnbedingten Mehrkosten auszugleichen. (Beck und Roth, S. 1f.)

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Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668405370
ISBN (Buch)
9783668405387
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354424
Institution / Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Schlagworte
nationaler mindestlohn deutschland auswirkungen angebot dauer praktika
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Titel: Nationaler Mindestlohn in Deutschland und die Auswirkungen auf Angebot und Dauer von Praktika