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Der vernünftige Weltbürger bei Kant

Hausarbeit 2006 12 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Anwendung des teleologischen Prinzips

3. Die soziale Natur des Menschen

4. Wo gehen wir hin?

5. Konklusion

Literatur:

1. Einleitung

Der vernünftige Weltbürger ist laut Kant das Resultat der vollständigen Ausbildung der Vernunft im Laufe der vergangenen und zukünftigen Menschheitsgeschichte. Diese Ausbildung vollzieht sich über alle Generationen hinweg und durch sämtliche Bevölkerungsgruppen. Maßgebend dafür sind die sich verbessernden Staatsformen und hinauslaufen soll es auf eine vollkommen gerechte republikanische Verfassung. Dies sieht Kant als Ziel der Geschichte in einem Plan der personifizierten Natur. Die vielen Rückschläge, die dabei zu verzeichnen sind, führen, vielleicht in einer Art dialektischem Sinn, letztlich wieder zu Progression, da die Menschheit daraus lernt. Auch fallen Fehlschläge einzelner Staaten bei Betrachtung der gesamten Historie nicht immer ins Gewicht.

Im Laufe dieser Arbeit soll erörtert werden, wie real der zukünftige vernünftige Weltbürger ist. Dazu soll kurz das von Kant verwendete teleologische Prinzip sowie der Zusammenhang zwischen der Natur des Menschen und der Geschichte staatlicher Verfassungen betrachtet werden. Letztlich soll eine Antwort auf die Frage nach der Möglichkeit einer auf den vernünftigen Weltbürger zielgerichteten Geschichte als Naturplan gefunden werden.

2. Die Anwendung des teleologischen Prinzips

Um die Evidenz eines telos der Geschichte in weltbürgerlicher Absicht zu untersuchen, muss das Prinzip betrachtet werden, mit welchem Kant diesen Zustand prädeterminiert. Kant schreibt beispielsweise dazu:

„[...], daß die Vernunft in der Metaphysik auf dem theoretischen Naturwege ([...]) ihre ganze Absicht nicht nach Wunsch erreichen könne, und ihr also nur noch der teleologische übrig sei;“[1]

Die Erfahrung zeigt also, was Metaphysik durch Vernunft nicht zu offenbaren vermag. Denn auch wenn das Ziel oder der Endzweck a priori bestimmt wird, so ist doch die Kausalität für ein teleologisches Prinzip erforderlich. Diese bedarf aber der Physik, der Naturwissenschaften, der sinnlichen Wahrnehmung, ist also als a posteriori zu bezeichnen. Den Zustand des vernünftigen Weltbürgers mit einer vollkommen gerechten Verfassung würde man auch auf rein theoretischem Wege durch die Pflichtethik Kants erreichen. Wie die Geschichte zeigt, hat aber nicht jeder Achtung vorm (ethischen) Gesetz, sondern viele Menschen wissen vielmehr ihren angeblich innewohnenden Guten Willen zu unterdrücken.

Etwas anderes, als der Zustand mit vernünftigen Weltbürgern unter einer vollkommen gerechten Verfassung, kann jedoch nicht Ziel einer Geschichte sein. Denn Alles, was nicht derart vollkommen ist, wäre niemals ein Endzweck und würde letztlich in Zerstörung enden. Damit hätte man das Chaos, welches jedoch nur ein Anfang und nicht ein Ende sein kann. Dass es aber überhaupt so ein Ziel der Geschichte geben könnte, deutet Kant im Ersten Satz seiner teleologischen Geschichtsphilosophie schon an:

„Denn wenn wir von jenem Grundsatze abgehen, so haben wir nicht mehr eine gesetzmäßige, sondern eine zwecklos spielende Natur; und das trostlose Ungefähr tritt an die Stelle des Leitfadens der Natur.“[2]

Der angesprochene Grundsatz besagt, dass jede natürliche Anordnung ihren Zweck erreichen soll. Kant nimmt als Beispiel zwar die Anordnung der Organe in den lebenden Organismen, bezieht die Zweckbestimmung aber auf sämtliche Naturbegebenheiten. Dazu gehören dann natürlich auch die Erfahrungen des Einzelnen, sowie die von Geschichtsschreibern und bedeutenden Staatsmännern. Ebenso resultieren die Motivationen von Revolutionären aus den sinnlich wahrnehmbaren Umständen ihrer Umgebung oder der ihrer Mitmenschen (die sie wiederum perzipieren). Diese Erfahrungen müssen nicht einmal einen direkten Zusammenhang zur jeweiligen Gesellschaftsform haben. Naturkatastrophen oder begrenztes Nahrungsangebot bedürfen ebenso gesellschaftlicher Konventionen, wie bloß eine ungerechte Verteilung materieller Güter. Ob nun aber Feudalherr, Demagoge oder Revolutionär, sie alle wirken bewusst oder unbewusst einem Zeitpunkt von Gerechtigkeit und Humanismus entgegen. Vielleicht sogar durch Unterdrückung des Volkes, indem sie es bis über die Belastungsgrenze strapazieren und Aufstände provozieren. Die Regierung eines Staates muss nach einer Revolution immer gerechter sein als vorher, sonst führt sie unweigerlich zur nächsten Revolution. Will man aber von vornherein verhindern, dass es soweit kommt, so muss man dem Volk gleich ein wenig mehr Gerechtigkeit eingestehen. So oder so wirkt man letztlich mit dem Leitfaden der Natur. Hätte die Natur nicht diesen Leitfaden, so würden wir eventuell auf einen Zustand voll Unterdrückung und größerer Rohigkeit hinzielen. Das hieße, wir würden nur einfach vor uns hinleben, alles Kommende in Kauf nehmen und das Leben hätte gar keinen Sinn.

Was allerdings die Anatomie der Lebewesen betrifft, so kann Zweckbestimmung nicht so direkt auf die Evolutionslehre bezogen werden. Denn es überleben immer die Mutanten und geben ihren Genotyp weiter, deren phänotypische Ausprägung zufällig zu den Umwelteinflüssen passt. Es ist noch keine zielgerichtete Mutation in der Natur vorgekommen. So kann man hier vielleicht besser von Ursache und Wirkung reden. Letztlich erfüllt ein Organ natürlich seinen Zweck, aber es erfüllt ihn nicht damit wir überleben, sondern wir überleben, weil es ihn erfüllt.

All dem liegt dennoch die Kausalität zugrunde und diese führt uns eventuell auch zu dem vernünftigen Weltbürger. So wie uns die zufällig erscheinenden Mechanismen der Evolution vielleicht irgendwann zu ewiger Gesundheit verhelfen, so könnte die politische Entwicklung zur gerechten Verfassung des vernünftigen Weltbürgers führen. Auch wenn die evolutionäre Entwicklung auf Zufall beruht, so verhilft das Auswahlverfahren doch zu einem Ziel, nämlich der widerstandsfähigeren Lebensform. Es geht hier also nicht um ein telos, was angestrebt wird, sondern um eines, welches zwangsweise eintritt. Analog ist es auch gesellschaftspolitisch zu sehen. Eine ungerechte Regierungsform wird ihr Volk nicht lange unter Kontrolle behalten können, sozusagen aussterben. Außerdem muss man akzeptieren, dass Kant die Natur wie eine höhere Wesenheit beschreibt, welche einen eigenen Willen und eben einen Plan hat.

[...]


[1] Kant, Immanuel (1787): Über den Gebrauch teleologischer Prinzipien in der Philosophie, S. 85

[2] Kant, Immanuel (1784): Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, S. 23

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783668404700
ISBN (Buch)
9783668404717
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354396
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Telos Mensch Vernunft Zweck an sich selbst Ziel der Geschichte Natur Weltbürger

Autor

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