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Elternzeit als Maßnahme zur Verbesserung der Work-Life-Balance. Chancen und Risiken der Umsetzung im Unternehmen

Projektarbeit 2017 30 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Thematische Einführung
1.2 Zielsetzung des Projektberichts
1.3 Vorgehensweise und Struktur

2 Work-Life-Balance
2.1 Begriffsabgrenzung und Bedeutung
2.2 Herausforderungen für Work-Life-Balance
2.2.1 Sozioökonomische Veränderungen
2.2.2 Demografische Entwicklung
2.2.3 Technische und wirtschaftliche Veränderungen
2.3 Notwendigkeit einer Work-Life-Balance
2.4 Umsetzung entsprechender Maßnahmen in Unternehmen
2.4.1 Flexibilisierung des Arbeitsortes
2.4.2 Engagement der Unternehmen zu Kinderbetreuung

3 Elternzeit als staatliche Unterstützung
3.1 Eckdaten des Konzeptes
3.2 Aktuelle Entwicklungen von Elternzeit und Elterngeld

4 Chancen und Risiken von Work-Life-Balance durch Elternzeit
4.1 Elternzeit als familienfreundliche Maßnahme
4.2 Risikofaktoren
4.3. Teilzeitarbeit in Elternzeit
4.4 Wiedereinstieg nach Elternzeit

5 Zusammenfassung und Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wirkungszusammenhänge und Kernfrage dieser Projektarbeit, eigene Darstellung.

Abbildung 2: Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt, Statistisches Bundesamt (2012).

Abbildung 3: Bedeutung von Familienfreundlichkeit bei der Wahl des Arbeitgebers, GfK Marktforschung (2007).

Abbildung 4: Maßnahmen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie zur Förderung der Chancengleichheit in deutschen Betrieben, IAB Betriebspanel (2002).

Abbildung 5: Angebot der familienfreundlichen Maßnahmen in Unternehmen, Unternehmensmonitor 2016 (2016).

1 Einleitung

1.1 Thematische Einführung

Infolge der Globalisierung und fortschreitenden Internationalisierung von Unternehmen, wie auch als Reaktion auf gesellschaftliche und soziostrukturelle Entwicklungen, steigen die Anforderungen an die Mitarbeiter in Unternehmen. Eine Konsequenz ist unter anderem die starke Vernetzung mit dem Unternehmen besonders von zu Hause aus, der ständigen ortsunabhängigen Erreichbarkeit über Mobiltelefone und dem Konkurrenzdruck für deutsche Standorte aus dem Ausland, ausgelöst durch die dortigen geringeren Personalkosten.[1],[2] Gleichzeitig beklagt sich die Politik in Deutschland über zu niedrige Fertilitätsraten[3] und eine Überalterung der Gesellschaft in naher Zukunft.[4] Die Industrie und Politik stimmen daher überein, dass es Veränderungen in den Arbeitskonditionen bedarf, um die deutsche Wirtschaft zukunftsfähig zu machen und hochqualifizierte Mitarbeiter langfristig an Unternehmen zu binden.[5]

Als Folge der stetigen Abnahme des Fachkräfteangebots auf dem deutschen Arbeitsmarkt, kann der Bedarf an qualifizierter Arbeitskraft nicht mehr gedeckt werden.[6] Unternehmen in Deutschland haben daher erkannt, dass die Priorität bei der Ausgestaltung einer betrieblichen Personalpolitik auf den Bedürfnissen der Fachkräfte basieren muss, um zukunftsfähig zu bleiben. Entsprechende Maßnahmen, insbesondere zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, werden in der Gesellschaft und Arbeitswelt zur Schaffung von adäquaten Rahmenbedingungen zur Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterzufriedenheit bereits umgesetzt. Aktuell weisen schon rund 77% der Unternehmen in Deutschland einer familienfreundlichen Arbeitswelt einen hohen Stellenwert zu.[7]

Berufstätige Eltern befinden sich jedoch in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite werden die Ansprüche an ihre berufliche Leistungsfähigkeit durch den Arbeitgeber erhöht, auf der anderen Seite wollen sie gleichermaßen gut ihre Rolle innerhalb der Familie ausfüllen.

Nach einer Studie aus 2011 sind nur 21% der befragten Arbeitnehmer in Deutschland mit den aktuellen Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zufrieden.[8]

Die Wirtschaft sowie der Staat stehen hier in der Verantwortung, Rahmenbedingungen für eine verbesserte Vereinbarkeit zu schaffen.

Work-Life-Balance scheint hierbei ein wichtiges Schlagwort zu sein, welches die Kompatibilität von Job und Privatleben beschreibt. Die meisten Unternehmen bieten daher mittlerweile vielfältige Aktivitäten an, um Voraussetzungen zu schaffen, die eine Work-Life-Balance unterstützen und insbesondere Eltern in ihrer Doppelrolle entlasten.

Die Elternzeit nimmt einen wichtigen Platz unter den familienfreundlichen Maßnahmen ein, vor allem aufgrund ihrer Einzigartigkeit. Sie ist die einzige gesetzlich verankerte Regelung, die zum Ziel hat, die häusliche Betreuung von Kindern zu erleichtern. Des Weiteren ermöglicht sie Berufstätigen eine bezahlte Auszeit von der beruflichen Tätigkeit zur Betreuung von Kindern zu nehmen. Während dieser „betrieblichen Pause“ haben Eltern die Möglichkeit, ausschließlich zu Hause zu bleiben und sie sind nicht in das berufliche Tagesgeschäft eingebunden.

1.2 Zielsetzung des Projektberichts

Das Augenmerk dieser Arbeit liegt auf der Verbindung zwischen der gesetzlich verankerten Elternzeit, dem damit verbundenen Elterngeld und Work-Life-Balance. Letztere umfasst begrifflich nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern beschreibt ebenfalls mögliche Bedürfnisse von kinderlosen Arbeitnehmern, die Betreuung von pflegebedürftigen Familienangehörigen und die Gesundheitsvorsorge jedes Arbeitnehmers.

Diese Arbeit behandelt die Thematik von Work-Life-Balance ausschließlich im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie von berufstätigen Eltern mit minderjährigen Kindern. In dieser Zielgruppe entstehen häufig Interessenkonflikte, daher steht sie im Mittelpunkt dieser Betrachtung. Die gesamte Analyse der Problematik bezieht sich hier nur auf Deutschland.

Hier eine grafische Übersicht der Kernfrage und der Wirkungszusammenhänge dieser Projektarbeit:[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wirkungszusammenhänge und Kernfrage dieser Projektarbeit, eigene Darstellung.

Es stellen sich nun folgende Fragen, deren Beantwortung diese Arbeit zum Ziel hat: Welche Rolle nimmt die Elternzeit bei der Schaffung von Work-Life-Balance ein? Stellt sie eine Chance oder ein Risiko für Mitarbeiter und Unternehmen dar?

1.3 Vorgehensweise und Struktur

Der formale Rahmen dieses Projektberichtes umfasst fünf Kapitel.
Die Einleitung führt zunächst thematisch in das Thema ein und hebt die Brisanz des Themas hervor. Anschließend werden die Zielsetzung dieser Arbeit dargestellt und zwei Forschungsfragen formuliert. Schließlich werden die formale und inhaltliche Struktur der Vorgehensweise zur Bearbeitung des Themas aufgezeigt.

Im zweiten Kapitel wird der theoretische Rahmen um die Arbeit gespannt. Es werden die Begrifflichkeit und der Problemkontext von Work-Life-Balance beschrieben und die Gründe für ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeits- und Privatleben erläutert. Im Anschluss werden ausgewählte Maßnahmen von Unternehmen zur Förderung von Work-Life-Balance thematisiert.

Das dritte Kapitel fokussiert den zweiten theoretischen Aspekt des Projektthemas. Hier steht Elternzeit als gesetzlich festgelegte Förderung zur Vereinbarkeit der beschriebenen Doppelrolle im Mittelpunkt. Die Entstehung und Entwicklung der Elternzeit wird in einem Überblick dargestellt.

Im vierten Kapitel bzw. Hauptteil werden die Möglichkeiten und Grenzen von Elternzeit als familienfreundliche Maßnahme herausgearbeitet. Es erfolgt eine Analyse mit streckenweiser Trennung in Bezug auf Mütter und Väter, da von unterschiedlichen Beweggründen für oder gegen eine Entscheidung zur Elternzeit auszugehen ist. Danach werden die Phasen im Hinblick auf die Einbindung des Elternteils im Unternehmen und die schrittweise Rückkehr zum Unternehmen nach der Kinderbetreuungszeit bewertet. Insbesondere werden Teilzeitbeschäftigung während der Elternzeit und Möglichkeiten des Wiedereinstiegs nach einer beruflichen Auszeit betrachtet.

Im abschließenden Fazit werden die Forschungsfragen beantwortet und darauf beruhende Thesen aufgestellt. Ziel ist die Bewertung der Eignung von Elternzeit als Maßnahme für eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

2 Work-Life-Balance

2.1 Begriffsabgrenzung und Bedeutung

Das Work-Life-Balance-Konzept tauchte erstmals Ende der 90er Jahre in den Medien auf und zielte ausschließlich auf die „Steigerung der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben“[10] ab ohne die organisatorischen Herausforderungen für eine Vereinbarkeit zu betrachten. Infolge von sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen, wie der Zunahme des Frauenanteils im Berufsleben und den erhöhten Arbeitsanforderungen, reduzierte sich die Wertschätzung des außerberuflichen Bereichs und führte insbesondere zu Interessenkonflikten zwischen Beruf und Privatleben von Eltern mit Kindern.[11]

Seitdem besteht eine öffentliche Diskussion, in der es vor allem um die Möglichkeiten und Grenzen einer besseren Abstimmung zwischen den Bereichen Beruf und Familie geht.

Im Rahmen der Recherche der Autorin dieser Arbeit hat sich gezeigt, dass keine einheitliche Begriffsdefinition von Work-Life-Balance existiert. Im Folgenden werden zwei verschiedene Definitionen dargestellt:

Nach Kastner basiert das Work-Life-Balance-Konzept auf der Vorstellung, dass sowohl im beruflichen als auch im außerbetrieblichen Leben belastende und erholende Aktivitäten existieren. Die Balance bezieht sich nicht auf den Ausgleich von Arbeits- und Privatleben, sondern auf das Austarieren von belastenden und erholenden Aktivitäten in beiden Handlungsbereichen. Damit ein Ausgleich stattfinden kann, müssen entsprechende Wertvorstellungen vorhanden sein. Freizeit muss einen individuellen Wert besitzen, damit das Verhalten danach ausgerichtet werden kann. Voraussetzung für die Gestaltung einer Work-Life-Balance ist demnach ein gewisses Bedürfnis nach Privatleben und Freizeit.[12]

Gemäß der Auffassung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist Work-Life-Balance der Motor für wirtschaftliches Wachstum und wird folgendermaßen definiert: „Work-Life-Balance bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt. Betriebliche Work-Life-Balance-Maßnahmen zielen darauf, erfolgreiche Berufsbiographien unter Rücksichtnahme auf private, soziale, kulturelle und gesundheitliche Erfordernisse zu ermöglichen. (…)“[13]

Laut dem BMFSFJ ist die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben als Wirtschaftsthema zu verstehen. Eine erfolgreiche Umsetzung kann zu einer dreifachen Win-Win-Situation und zwar für Unternehmen, den einzelnen Beschäftigten und zu einem gesamtwirtschaftlichen Nutzen führen.[14]

Beide Definitionen von Work-Life-Balance haben den gemeinsamen Grundsatz der Vereinbarkeit von Anstrengung und Erholung in den Bereichen Beruf und Familie.

2.2 Herausforderungen für Work-Life-Balance

Das primäre Verständnis von Work-Life-Balance wurde durch tiefgreifende Wandel auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft geprägt. In den 90er Jahren zählten die steigende Erwerbsquote von Frauen und die zunehmenden Anforderungen an Beschäftigte zu den Handlungsfeldern.

In den letzten Jahren hat sich das Spektrum an Problemfeldern stetig erweitert. Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen wird das Konzept der Work-Life-Balance in den theoretischen Kontext eingeordnet.

2.2.1 Sozioökonomische Veränderungen

Sozioökonomische Veränderungen betreffen die Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen. Sie beziehen sich insbesondere auf das steigende Bildungsniveau und eine häufigere Karriereorientierung von Frauen, was vor allem einen wachsenden Anteil weiblicher erwerbstätiger Hochschulabsolventen zur Folge hat.

(Abbildung wurde für die Veröffentlichung entfernt.)

Abbildung 2: Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt, Statistisches Bundesamt.

Diese Abbildung zeigt, dass in 2001 20% aller weiblichen Erwerbstätigen einen hohen Bildungsabschluss vorzeigen konnte, dieser Anteil stieg in 2011 signifikant auf 26%. Bei den männlichen Berufstätigen lag der Anteil der berufstätigen Akademiker bei 27% und hat sich in 2011 auf 29% erhöht.[15]

[...]


[1] Vgl. Kastner (2004), S. 13 f.

[2] Vgl. BMFSFJ (2005a), S. 6.

[3] Unter Fertilitätsrate versteht man die durchschnittliche Geburtenrate einer Frau zwischen 15-45 Jahren.

[4] http://www.dgb.de/themen/++co++c84de38e-ccd6-11e1-67df-00188b4dc422

[5] http://www.spdfraktion.de/themen/heil-deutschland-fachkraeftesicherung-chefsache

[6] Vgl. Möller/ Sonntag (2003), S.3.

[7] Vgl. Prognos AG (2016), S.13.

[8] http://www.hauptsache-bildung.de/2011/vereinbarkeit-von-beruf-familie-fur-die-meisten-deutschen-die-wichtigste-familienpolitische-aufgabe/

[9] Quelle: Eigene Erstellung.

[10] http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-621711.html

[11] http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-621711.html

[12] Vgl. Kastner (2004), S. 2 ff.

[13] BMFSFJ (2005b), S. 4.

[14] Vgl. BMFSFJ (2005b), S. 4.

[15] Quelle: Statistisches Bundesamt (2012).

Details

Seiten
30
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668438958
ISBN (Buch)
9783668438965
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354382
Note
2,0
Schlagworte
elternzeit rahmen maßnahmen work-life-balance unternehmen chancen risiken

Autor

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