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Heinrich Heines Ballade Belsazar

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 19 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biographie von Heinrich Heine

3 Inhalt und Form der Ballade „Belsazar“
3.1 Entstehungsgeschichte
3.1.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum biblischen Text
3.2 Epoche
3.3 Gattung
3.4 Aufbau und Interpretation

4 Didaktische Überlegungen
4.1 Didaktische Analyse
4.1.1 Das Thema in den Rahmenrichtlinien
4.1.2 Auswahl und Begründung des Themas
4.2 Lehrziele
4.3 Methodische Analyse

5 Zusammenfassung und Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

Bibliographie

Erklärung

1 Einleitung

Die Ballade war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts eine „Lieblingsgattung“ vieler Lehrer im Deutschunterricht. Dann jedoch kam sie in Verruf – „zu viel Pathos, zu sehr belastet durch ideologische Vergangenheit, zu viel Zusammenhang mit Tradition und Geschichtlichkeit“[1].

Dass Balladen heute in der Schule wieder ein beliebtes Thema im Deutschunterricht sind, ist unumstritten, denn sie bieten oft recht kurze, aber dennoch spannende Geschichten, die im Unterricht gut zu behandeln sind. Aber wie verhält es sich in der Grundschule? Kann man auch schon hier Balladen wie „Belsazar“ thematisieren oder sind die Schüler damit überfordert?

Im Folgenden werde ich mich mit dieser Frage auseinandersetzen. Bevor ich jedoch auf die didaktischen Aspekte im Umgang mit Balladen zu sprechen kommen, werde ich zunächst in Kapitel 2 kurz auf die Biographie von Heinrich Heine eingehen, ehe ich mich im dritten Kapitel der Ballade „Belsazar“ selbst zuwende und sie analysiere und interpretiere.

Erst im vierten Kapitel werde ich auf die didaktischen Möglichkeiten im Umgang mit Balladen und insbesondere mit der Ballade „Belsazar“ eingehen. Dabei werde ich zunächst darstellen, was die Rahmenrichtlinien für die Grundschule in Bezug auf Balladen/Gedichte fordern und die Vorteile der Thematisierung von Balladen im Unterricht hervorheben. Anschließend folgen die Lehrziele, die sich aus der Behandlung ergeben sowie Vorschläge zur methodischen Gestaltung einer Unterrichtseinheit über Balladen.

2 Biographie von Heinrich Heine

Heinrich Heine wurde am 13. Dezember 1797 als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers in Düsseldorf geboren. Er war das Älteste von vier Kindern und seine Kindheit war geprägt durch das jüdische Elternhaus und die damalige politische Situation, besonders die Konfrontation mit dem benachbarten Frankreich.[2]

Nach einer kurzen kaufmännischen Tätigkeit studierte Heine von 1819 bis 1825 in Bonn, Göttingen und Berlin Jura. Im Jahr 1825 ließ er sich protestantisch taufen, weil es Juden zu der Zeit in Deutschland verboten war, einen juristischen Beruf auszuüben. Dennoch ergriff Heine nach seiner Promotion nicht den Beruf des Juristen, sondern wurde als Schriftsteller tätig. Er lernte Dichter wie den Romantiker Ludwig Tieck und den Philosophen G. W. F. Hegel kennen, die großen Einfluss auf den jungen Heine hatten; 1822 wurde Heines erster Band „Gedichte“ veröffentlicht. Von 1827 bis 1831 lebte Heine in England, Italien und verschiedenen Gegenden Deutschlands. Im Jahr 1831 siedelte er aufgrund von Unbehagen am politischen Klima in Deutschland nach Paris über und lebte dort auch bis zu seinem Tod am 17. Februar 1856.

Wichtige Werke Heines sind z.B. die „Harzreise“, die 1826 veröffentlicht wurde und „Das Buch der Lieder“ aus dem Jahr 1827, in dem auch die Ballade „Belsazar“ abgedruckt ist. Zwischen 1826 und 1831 verfasste Heine die „Reiseskizzen“, die zusammen mit der „Harzreise“ die vier Bände seiner „Reisebilder“ ergeben. Sein bekanntestes Werk ist sicherlich die politische Satire „Deutschland. Ein Wintermärchen“ aus dem Jahr 1844, in dem er ironisch die reaktionären Kräfte in Deutschland bekämpft.

In seinen Werken kritisiert Heine oft die politischen und sozialen Verhältnisse in Deutschland und verlangt nach gesellschaftlichen Veränderungen, wodurch er sich die politischen Herrscher des Landes zu Gegnern machte und deshalb letztlich auch ins Pariser Exil musste. Großen Einfluss auf seine Werke und sein Denken hatte auch seine jüdische Herkunft, durch die sich die häufige Verwendung von Motiven und Geschichten aus dem Judentum in seinen Werken erklären lassen.

3 Inhalt und Form der Ballade „Belsazar“

3.1 Entstehungsgeschichte

Die Ballade „Belsazar“ ist ein frühes Werk Heinrich Heines aus dem Jahr 1820. Sie wurde 1822 zum ersten Mal gedruckt, bevor sie dann fünf Jahre später im Gedichtband „Buch der Lieder“ erschien. Die Fassung, die uns heute vorliegt, weist einen Unterschied zur „Urfassung“ von 1820 auf. Dort heißt es in Strophe 17:

„Und schrieb, und schrieb an weißer Wand

eine leuchtende Flammenschrift und schwand.“[3]

Die nachträgliche Änderung zeigt, dass Heine offenbar sehr mit der Gestaltung dieser zentralen Stelle gerungen hat. Dadurch, dass er die „leuchtende Flammenschrift“ schließlich durch „Buchstaben von Feuer“ ersetzt hat, hat er „ihre Wirkung aber noch gesteigert durch den Akzent und eine noch grauenvollere Langsamkeit des Vorgangs“[4].

Die Ballade geht zurück auf ein Ereignis aus dem Alten Testament. Im Buch Daniel im 5. Kapitel wird die Geschichte von dem babylonischen König Belsazar erzählt, der die Großen seines Reiches zu einem Fest einlädt. Dort wird viel getrunken und als Belsazar betrunken ist, lässt er die heiligen Gefäße holen, die sein Vater Nebukadnezar einst aus dem Tempel in Jerusalem geraubt hat. Die Männer trinken aus diesen Gefäßen, loben dabei die Heidengötter (Götzen) und lästern so Gott. Da erscheint plötzlich eine Hand, die folgende Worte an die Wand schreibt: Mene mene tekel u-parsin. Trotz Belsazars Versprechen, denjenigen zum Dritten im Reich zu machen, der die Schrift erklären kann, vermag dies keiner der Gelehrten und Wahrsager. Dann wird der Gefangene Daniel geholt. Er erläutert dem König Belsazar, dass sich sowohl dieser als auch zuvor sein Vater gegen den Herrn erhoben hätten und mit dem Trinken aus den heiligen Gefäßen Heidengötter verehrt hätten. Anschließend übersetzt er die Schrift an der Wand: „Mene, das ist, Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Tekel, das ist, man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. Peres (u-parsin), das ist, dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben.“[5] Daniel erläutert dem König damit, dass die Schrift eine Warnung ist, weil er sich gegen Gott erhoben hat. Noch in derselben Nacht wird Belsazar umgebracht.

3.1.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum biblischen Text

Offensichtlich gibt es zwischen der Bibelgeschichte und der Ballade diverse Übereinstimmungen, natürlich vor allem im historischen Stoff, aber auch in den Motiven. So findet jeweils ein Fest statt („Bankett-Motiv“), bei dem es zur Gotteslästerung („Motiv der Gotteslästerung“) mit den anschließenden Konsequenzen kommt („Motiv des Tyrannenmords“)[6].

Doch neben den offenkundigen Ähnlichkeiten gibt es auch Unterschiede zwischen dem Bibeltext und Heines Ballade. So wird weder der Wortlaut der Schrift an der Wand, noch das Versprechen Belsazars, den Übersetzer der Worte zum Dritten im Reich zu machen, erwähnt. Außerdem erscheint nicht die Mutter des Königs, die in der Bibel Belsazar auffordert, den Propheten Daniel zum Deuten der Schrift heranzuholen. Weiterhin tritt der Prophet nicht als Deuter der Schrift auf, sondern die Schrift bleibt ungedeutet. Für das Auslassen dieses Aspektes könnte es verschiedene Gründe geben[7]:

- Heine ging davon aus, dass seine zeitgenössischen und bibelfesten Leser die Ballade mit der Bibelgeschichte aus dem Buch Daniel assoziieren und vergleichen würden.
- Heine hielt es für angemessen, in der von Zensurbestimmungen geprägten Atmosphäre die offene Verkündigung des Endes der absoluten Herrschaft auszulassen. Gerade dadurch macht er aber auf diese Passage aufmerksam und regt den Leser zu einer Deutung im aktuellen Kontext an.

Beyer sieht den Grund für das Auslassen der langen Daniel-Episode mit der letztendlichen Deutung der Schrift an der Wand darin, dass dadurch nicht von der Hauptperson in Heines Ballade, dem König Belsazar, abgelenkt wird. Eine weitere große Persönlichkeit, der Prophet Daniel, würde die Proportionen des ganzen Werkes zerstören.[8] Dazu passt es, dass in der Bibel davon berichtet wird, dass sich der König mitsamt seinen Mächtigen „vollsoff“[9] ; in der Ballade ist von einem Übermaß des Trinkens nur beim König selbst die Rede. Ein weiteres Beispiel für die Isolierung Belsazars ist, dass in der Bibel nicht nur Belsazar, sondern auch seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen aus den geraubten Gefäßen trinken. In Heines Ballade ist es wiederum nur der König, der aus einem geraubten Becher trinkt. Überhaupt lässt Heine allen „für die Handlung unwesentlichen Trödel und Ballast“[10] aus der Dichtung verschwinden und schafft es so, dass das Augenmerk einzig auf den frevlerischen König Belsazar gerichtet wird.

Obwohl jedoch die Schrift ungedeutet bleibt, wird in der letzten Strophe der Ballade von der Ermordung Belsazars berichtet. In der Bibel wird der König vermutlich von den Medern und Persern getötet, in der Ballade sind es die Knechte, die ihn umbringen.

[...]


[1] vgl. Henze und Röbbelen, S. 14-20.

[2] vgl. Microsoft Encarta, Enzyklopädie 2000.

[3] Beyer 1911, S. 119.

[4] Beyer 1911, S. 119.

[5] Bibelübersetzung nach Luther, revidierte Fassung von 1984.

[6] vgl. Freund 1978, S. 73.

[7] vgl. Freund 1978, S. 77ff.

[8] vgl. Beyer 1911, S. 117.

[9] vgl. Dan 5, 1

[10] Beyer 1911, S. 117.

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638353403
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35421
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,0
Schlagworte
Heinrich Heines Ballade Belsazar

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