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Funktionen von Finanzintermediären beim Börsengang einer deutschen Aktiengesellschaft

Ausgangslage, Probleme und Funktionsstörungen

von Friedrich Steinberg

Seminararbeit 2015 20 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Börsengang einer deutschen Aktiengesellschaft
2.2 Finanzintermediäre

3 Die Rolle von Finanzintermediären bei Börsengängen
3.1 Probleme bei einer Selbstemission
3.2 Funktionen des Konsortiums
3.2.1 Risikoübemahme
3.2.2 Emissionskredit
3.2.3 Platzierungsfunktion
3.2.4 Technische Durchführungsfunktion
3.2.5 Wechselwirkungen der Funktionen
3.3 Funktionsstörungen durch Fremdemissionen

4 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Als das chinesische Unternehmen Alibaba Anfang des Jahrs 2014 ankündigte, einen Börsengang durchführen zu wollen, brachten sich weltweit Investment­banken in Stellung, um die Transaktion organisieren zu dürfen. Immerhin standen ihnen bei diesem bisher größten Börsengang Gebühren in Höhe von bis zu 300 Millionen Dollar in Aussicht.1

Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Funktionen, die Finanzintermedi­äre im Rahmen des Börsengangs einer deutschen Aktiengesellschaft überneh­men können und die Darstellung inwieweit durch ihre Einschaltung in den Vorgang andernfalls entstehende Probleme gelöst, aber auch neue hervorge­rufen werden können.

Zunächst werden hierzu die zentralen Begrifflichkeiten „Börsengang“ und „Finanzintermediäre“ näher betrachtet. Der anschließenden Untersuchung der Funktionen der Intermediäre, geht eine Darstellung der Probleme voraus, die ohne ihre Einschaltung im Rahmen des Börsengangs auftreten.

Zuletzt wird betrachtet, welche möglichen Funktionsstörungen durch das Hinzuziehen von Finanzintermediären wiederum auftreten können.

Schlussendlich folgt ein kurzes Fazit über die erarbeiteten Funktionen und Funktionsstörungen von Finanzintermediären im Rahmen des Börsenganges.

2 Grundlagen

2.1 Börsengang einer deutschen Aktiengesellschaft

Zunächst wird definiert, was unter dem Begriff des Börsenganges verstanden wird und welche Voraussetzungen für ein Unternehmen hiermit verknüpft sind. Anschließend werden die Gründe für einen solchen Schritt erläutert. Zu­letzt werden mögliche Gestaltungsformen dargestellt.

Unter dem Begriff „Börsengang“ versteht man die erstmalige öffentliche Ausgabe von Aktien durch ein Unternehmen. Diese Aktien werden dann an der Börse gehandelt.2 Im Rahmen eines Börsenganges werden dementspre­chend zum ersten Mal die Aktien einer Gesellschaft bei Investoren platziert.3 Die Ausgabe von Aktien wird auch als Emission bezeichnet und der Ausstel­ler dieser folglich als Emittent.4 Häufig verwendete Synonyme des Begriffes „Börsengang“ sind IPO („Initial Public Offerings“), Going Public und Erste­mission.5

Grundlegend für einen Börsengang sind an der Börse handelbare Unterneh­mensanteile (Aktien). Außerdem ist eine börsenfähige Rechtsform erforder­lich. In Deutschland ist dies üblicherweise die Aktiengesellschaft (AG). Mög­lich sind aber auch eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) oder eine GmbH & Co. KGaA.6

Die Vorbereitung und Abwicklung eines Börsenganges erfordern einen lan­gen Prozess, der einige Phasen umfasst.7 Diese sind in der Literatur recht un­terschiedlich dargestellt. Eine Variante der Darstellung ist in Anhang 1 bei­spielhaft abgebildet.

Die Gründe für die Entscheidung, einen Börsengang durchzuführen, können sehr unterschiedlicher Natur sein. Einer der Wichtigsten ist, dass dieser gute Voraussetzungen für künftiges internes und externes Wachstum schafft.8 Wenn mit dem IPO eine Kapitalerhöhung verbunden ist, so ist er etwa ein Akt der unmittelbaren Kapitalbeschaffung. Neben dieser direkten Kapitalbe­schaffung, ermöglicht die Verbreiterung des Eigenkapitals aber auch günsti­gere Konditionen bei der Kreditfinanzierung. Weitere Gründe sind die Stei­gerung des Bekanntheitsgrades und der Aufmerksamkeit, die Beteiligung von Mitarbeitern und die Vermeidung von Abhängigkeiten.9 Aber auch die Mög­lichkeit für Gründer oder Altgesellschafter, einen Wertzuwachs zu realisieren oder Anteile zu verkaufen, um somit teilweise oder ganz aus dem Unterneh­men auszuscheiden, veranlasst die Entscheidungsträger häufig zu einem Bör­sengang.10

Es wird deutlich, dass hinter den verschiedenen Gründen auch unterschied­lichste Interessen und Zielsetzungen stehen, die besonders für potentielle An­leger relevant sind. Diese werden noch deutlicher, wenn die möglichen unter­schiedlichen Situationen einer Platzierung im Rahmen eines IPO’s betrachtet werden, die sich vor allem darin unterscheiden, von wem die Aktien ausge­geben werden.

Es lassen sich Umplatzierungen und Neuplatzierungen differenzieren. Bei Umplatzierungen verkauft ein Aktionär seinen gesamten Aktienbestand oder Teile dessen. Er wird ein besonderes Interesse an hohen Erlösen haben, da diese ihm persönlich zufließen. Anleger sehen sich deshalb häufig der Gefahr positiv verzerrter Informationen ausgesetzt. Bei Neuplatzierungen kann die­ses Risiko zwar eher ausgeschlossen werden, da hierbei die Gesellschaft ei­gene alte oder junge Aktien verkauft und die Erlöse somit an sie gehenjedoch sind auch hier beurteilungsrelevante Aspekte für Investoren zu beachten. Als ein Problem kann in diesem Zusammenhang das Moral Hazard genannt wer­den.11 Auf diese und weitere Probleme wird später im Rahmen der auftreten­den Probleme bei einer Selbstemission noch detaillierter eingegangen.

Generell lassen sich bei der Ausgabe der Aktien die Selbst- und die Fremde­mission unterscheiden. Im Rahmen einer Selbstemission wendet sich der Emittent selbst an das anlagesuchende Publikum.12 Dies ist z. B. der Fall, wenn eine Bank eigene Wertpapiere zum Zweck ihrer Refinanzierung aus­gibt.13 Es besteht für den Emittenten aber auch die Möglichkeit, Banken zwi­schenzuschalten, welche weitestgehend die Emission für das Unternehmen übernehmen. Hier spricht man von einer Fremdemission.14 Auf diese Emissi­onsart und die damit verbundenen Funktionen der Finanzintermediäre, also auch der Banken, ist der Kern dieser Arbeit ausgerichtet.

2.2 Finanzintermediäre

Um später die Funktion von Finanzintermediären bei einem Börsengang einer deutschen Aktiengesellschaft zu erläutern, wird zunächst dargestellt, was un­ter Finanzintermediären verstanden wird und welche Aufgaben sie im Allge­meinen übernehmen. Anschließend wird gezeigt, in welcher Form sie bei Börsengängen auftreten und wie ein Emittent die Auswahl der Intermediäre gestalten kann.

Finanzintermediäre stellen einen Ausgleich zwischen der Kapitalnachfrage und dem Kapitalangebot her, indem sie überschüssige Zahlungsmittel von Wirtschaftssubjekten entgegennehmen (Anlageleistung) und diese anderen Wirtschaftssubjekten zur Deckung von geplanten Ausgaben, die ihr Einkom­men überschreiten, zur Verfügung stellen (Finanzierungsleistung). Hierbei können sie entweder nur eine Vermittlungsfunktion übernehmen oder selbst einen entsprechenden Vertrag abschließen.

Es wird deutlich, dass eine Vielzahl von Institutionen als Finanzintermediäre fungieren. Die enge Begriffsfassung meint mit Finanzintermediären Instituti­onen, die im Rahmen von Finanzierungsbeziehungen eigenständige Vertrags­verhältnisse mit Investoren und Schuldnern eingehen. Dies sind u. a. Kredit­institute, Leasing- & Factoring-Institute und Bausparkassen. Börsen sowie Finanz- und Wertpapiermakler hingegen erleichtern durch ihre Tätigkeit le­diglich den Abschluss von Finanzierungsverträgen und sind deshalb Finanz­intermediäre im weiten Sinne.

Die Aufgaben von Finanzintermediären bestehen insbesondere in den so ge­nannten Transformationsleistungen. Hierzu zählt die Losgrößentransforma­tion, mittels derer die unterschiedlichen Wünsche über die Höhe der Kapital­anlage bzw. -aufnahme ausgeglichen werden. Die Risikotransformation bietet vor allem für die Investoren eine Minderung der Ausfallrisiken. Divergie­rende Vorstellungen der Wirtschaftssubjekte über den Zeitraum von Anlagen und Kreditaufnahmen können ebenfalls durch Finanzintermediäre über die so genannte Fristentransformation geglättet werden. Durch die Informations­transformation werden z. B. Probleme hinsichtlich der Qualitätsbeurteilung eines Finanztitels gelöst.15

[...]


1 Vgl. www.handelsblatt.com (2014)

2 Vgl. Wöhe/ Bilstein/ Emst/ Häcker (2009), S. 108.

3 Vgl. Salzer/ Wirtz (2001), S. 6.

4 Vgl. Delorme/ Hoessrich (1971), S. 49 f. .

5 Vgl. Salzer/ Wirtz (2001), S. 6.

6 Vgl. Haubrok (2006), S. 34.

7 Vgl. Haubrok (2006), S. 3 Iff. .

8 Vgl. Haubrok (2006), S. 36 ff.

9 Vgl. Neus (1995), S. 256 ff. .

10 Vgl. Haubrok (2006), S. 25 f. .

11 Vgl. Terstege, (2002), S.4 ff. .

12 Vgl. Delorme/ Hoessrich (1971), S. 52.

13 Vgl. Rudolph, (1981), S.61.

14 Vgl. Delorme/ Hoessrich (1971), S. 52.

15 Vgl. Gerke/ Pfeufer (1995), S. 727 ff. .

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668402737
ISBN (Buch)
9783668402744
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354162
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hellweg-Sauerland GmbH
Note
1,0
Schlagworte
Aktiengesellschaft Börsengang Finanzintermediäre

Autor

  • Friedrich Steinberg

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