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Individuelle Freiheit oder ökonomische Gleichheit? Eine Diskussion auf der Grundlage von Adam Smiths "System der natürlichen Freiheit"

Hausarbeit 2016 13 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Adam Smith - Staat und Markt
2.1 Die Aufgaben des Staates
2.2 Selbstregulierung des freien Marktes: „Die unsichtbare Hand“

3. Eingriffe in die Wirtschaft
3.1 Der Einfluss von Gewerkschaften
3.2 Der Zusammenhang zwischen Angebot, Nachfrage und Beschäftigung
3.3 Proportionale und Progressive Besteuerung

4. Ungleichheit
4.1 Eliten, Wohlstand und Gemeinwohl
4.2 Der Einfluss struktureller Benachteiligung
4.3 Kollektives Handeln

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Adam Smiths The Wealth of Nations von 1776 trug erheblich zur Konzeption und Ideengebung des wirschaftlichen Liberalismus bei. In Anbetracht der streng hierar- chischen, in Europa Jahrhunderte währenden vorkapitalistischen Gesellschafts- struktur - dem Feudalismus - waren Smiths damalige Überlegungen zu einer frei- heitlichen Ordnung durchaus fortschrittlich. An Stelle des Geburtsprinzips propagier- te er das Leistungsprinzip. Die Grundlage für diese Ordnung sah Smith in einem freien Markt, der sich durch die Aufrechterhaltung der Balance zwischen Eigeninte- ressen und Gemeinwohl selbst reguliert; freien, mündigen Marktakteuren, die eigen- verantwortlich handeln und einem Staat, dessen Pflicht es ist, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Sein Begriff der Gleichheit bestand nicht in der Verteilungsgleich- heit, sondern in einer grundsätzlichen Chancengleichheit aller - jedem sollte nur der Anteil am wirtschaftlichen Ertrag zustehen, der seinem Beitrag am Gemeinwohl ent- spricht.

Auch heute hat die Diskussion über mehr wirtschaftliche Freiheit auf Kosten ökonomischer Gleichheit nicht an Aktualität eingebüßt. Aus diesem Grund möchte ich mich im Folgenden mit diesem Thema befassen.

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich mich mit Smiths Vorstellung eines staatlichen Ordnungsrahmens beschäftigen, der für das Funktionieren eines freien Marktes notwendig ist. Darauf folgt die Erläuterung der Selbstregulierungsmechanismen des Marktes.

Der zweite Teil behandelt Eingriffe in die Wirtschaft, sowohl staatlicher als auch ge- sellschaftlicher Natur. Hier möchte ich mich mit der Frage auseinandersetzen, wie sich das Handeln von Gewerkschaften, staatliche Maßnahmen zur Beeinflussung von Angebot und Nachfrage und Steuerpolitik auf Wirtschaft und Gemeinwohl aus- wirken können.

Im letzten Teil der Arbeit befasse ich mich schließlich damit, inwieweit wirtschaftliche und somit auch gesellschaftliche Ungleichheit gerechtfertigt ist und welche Mechanismen dazu führen, dass sie sich verfestigen und fortbestehen kann. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Wechselwirkung zwischen staatlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Machtkonzentration.

2. Adam Smith - Staat und Markt

2.1 Die Aufgaben des Staates

Laut Smith hat der Staat drei Pflichten inne: „Verteidigung, Gerechtigkeit und Erhaltung einer minimalen Infrastruktur, einschließlich Bildung […]“ (Swedberg 2009: 187, H.i.O; die Verf.).

Zur Erläuterung der ersten Pflicht ist es wichtig, den zeitlichen Kontext mit einzube- ziehen; damals befanden sich Teile Europas bereits in der Entwicklung zur Wirt- schaftsgesellschaft mit ausgeprägter Arbeitsteilung, kriegerische Angriffe durch andere waren dennoch nicht ausgeschlossen. Nach Smith bedürfen Verteidigung gegen solche Angriffe und deren Planung viel freier Zeit, die in solchen Gesell- schaften nicht vorhanden war (Vgl. Swedberg 2009: 187). Zudem sei die Wahr- scheinlichkeit angegriffen zu werden umso höher, je reicher ein Land ist (Vgl. Swedberg 2009: 187).

In der Aufrechterhaltung des Rechts besteht die zweite Pflicht des Staates. Hier liegt Smiths Annahme zugrunde, dass Menschen geneigt sind, auf Grund unterschiedli- cher Motivationen den Besitz ihres Nachbarn zu begehren (Vgl. Swedberg 2009: 187). Der Staat müsse Gesetze erlassen, um den Privatbesitz der Bürger zu schüt- zen.

Die dritte Pflicht ist die Finanzierung grundlegender Bildung; jeder solle für wenig Geld lesen und schreiben lernen. Des Weiteren soll der Staat in gute Straßen, Brücken, Häfen etc. investieren, da eine ausgebaute Infrastruktur unerlässlich für den Handel ist (Vgl. Swedberg 2009: 187).

2. 2 Selbstregulierung des freien Marktes: „Die unsichtbare Hand“

Weiterer Einmischung durch den Staat in die Gesellschaft und Wirtschaft bedarf es laut Smith nicht - eine zu starke Regulierung durch den Staat wirke sogar kontra- produktiv. Der Markt, eine der wichtigsten Grundlagen der modernen Zivilgesell- schaft, reguliere sich selbst, indem die Marktteilnehmer „wie von einer unsichtba- ren Hand geleitet“ handeln. So agieren Anbieter und Nachfrager auf dem Markt zwar gemäß ihrem Eigeninteresse und Gewinnstreben, sind sich aber dennoch ihrer gegenseitigen Abhängigkeit bewusst (Vgl. Wede 2003: 18 f.). Aus unterschiedli- chen Produktionsmöglichkeiten, Fähigkeiten und Erfahrungen resultierten kompara- tive Kostenvor- und Nachteile, die die Spezialisierung der Produzenten erforderlich machen; dem Tauschpartner kann das geboten werden, was er selbst nicht produ- zieren kann und umgekehrt. Hieraus ergibt sich ein unbeabsichtigtes altruistisches Verhalten der Marktteilnehmer, das auf dem eigenen Vorteil sowie dem Vorteil des anderen beruht und sie zur gegenseitigen Rücksichtnahme zwingt (Vgl. Weede 2003: 18 f.).

Wirtschaftliche Harmonie komme durch den Ausgleich der Erzeuger- und Verbrau- cherinteressen zu Stande, aus der Summe der Eigeninteressen lasse sich das Ge- meinwohl ableiten (Vgl. Poller 2006: 138). Der eigene Wohlstand korreliert mit dem Wohlbefinden der Mitmenschen: „Wer genau die Güter und Dienstleistungen anbie- tet, die von vielen nachgefragt werden und von wenigen angeboten werden, die also dem Wohlbefinden der Mitmenschen dienen, der wird hohe Preise erzielen können (Weede 2003: 19) Smith bezeichnete diese sich selbstregulierende Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung als „System der natürlichen Freiheit“ (Smith).

Von wahrem Wohlstand könne erst dann gesprochen werden, wenn es auch der einfachen Bevölkerung gut ginge. Der Maßstab für diesen Wohlstand der Nation bestehe in „dem Verhältnis der Güter, die durch Arbeit oder Kauf zur Verfügung ste- hen und der Zahl der Menschen, die sie konsumieren […], öffentlicher Reichtum besteht in der Billigkeit der Waren im Verhältnis zur Höhe der Löhne“ (Poller 2006: 138).

3. Eingriffe in die Wirtschaft

Vertreter des wirtschaftlichen Liberalismus sind der übereinstimmenden Auffassung, dass tiefgreifende Einmischung durch den Staat einer funktionierenden Marktwirt- schaft nicht zuträglich ist. So werde der Mensch dazu gedrängt, zu Gunsten eines angenommen Gemeinwohls entgegen seiner eigenen Interessen zu handeln. Milton Friedmann kritisiert insbesondere das in der Sozialpolitik angewandte Prinzip der egalisierenden Umverteilung, das sich seiner Ansicht nach lediglich für „Außensei- ter“, also am Markt nicht persönlich Beteiligte, vorteilig auswirkt: Der Staat nehme den einen um den anderen geben zu können und untergrabe somit denn Willen zur Selbsthilfe und Eigeninitiative (Vgl. Friedmann, zitiert nach Stiglitz 2012: 161). Eine Wirtschaftspolitik, die sich durch eine hohe Regulierungsdichte auszeichnet, wird dadurch legitimiert, dass der Markt nicht aus eigenen Kräften dazu in der Lage sei, Wirtschafts- und sozialpolitische Ziele zu erreichen (Vgl. bpb. 2013 o. S).

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Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668402911
ISBN (Buch)
9783668402928
Dateigröße
726 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354155
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Liberalismus Adam Smith Umverteilung soziale Gerechtigkeit Marktwirtschaft unisichtbare Hand Steuern

Autor

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Titel: Individuelle Freiheit oder ökonomische Gleichheit? Eine Diskussion auf der Grundlage von Adam Smiths "System der natürlichen Freiheit"