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Die Generation des Genozids - Ruanda nach dem Völkermord

Hausarbeit 2004 9 Seiten

Afrikawissenschaften - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Genozid 1994

2. Geschichte Ruandas: Feindschaft zwischen Hutu und Tutsi
2.1. Die Anfänge des Hasses
2.2. Die Zehn Gebote der Hutu
2.3. Die Kolonialzeit

3. Die Rolle Frankreichs während des Genozids

4. Ruanda im Heute angelangt?
4.1. Die Wahrheitsfindung durch Gacaca
4.2. Innenpolitik
4.3. Menschenrechtslage
4.4. Situation der Frau

5. Quellen

1. Der Genozid 1994

Im April 1994, innerhalb von nur 100 Tagen, wurden 800000 Tutsi und gemäßigte Hutu auf brutalste Weise von der Volksgruppe der Hutu abgeschlachtet. Ein regelrechtes Gemetzel, was sich bis in einen Blutrausch steigerte, wollte schier kein Ende nehmen. Die Spannungen zwischen den zwei ruandischen Volksgruppen Hutu (bilden rund 90 Prozent der ruandischen Bevölkerung) und Tutsi, die seit Generationen verfeindet sind und deren Feindschaft sich immer wieder zu entsetzlichen Massakern führte, entluden sich auf dramatische Art und Weise.[1] Im Zusammenhang mit diesem Konflikt ist der internationalen Staatengemeinschaft ein Totalversagen vorzuwerfen. Reagierte man anfangs gar nicht, so wurde zum Ende hin von Frankreich und Belgien Armeeeinheiten nach Ruanda entsandt, die aber nicht in die Kampfhandlungen zwischen Tutsi und Hutu eingriffen und vornehmlich geschickt wurden, um französische Staatsbürger zu beschützen.[2] Die explosiven Ereignisse waren die Rache der Hutu für den Tod des Präsidenten Habyarimanas, dessen Flugzeug bei der Landung in Kigali abgeschossen wurde. Bei diesem Flugzeugabsturz kam auch der Präsident Burundis ums Leben. Die Todfeindschaft zwischen Hutu und Tutsi kulminierte in diesem Konflikt aufs Äußerste.[3]

2. Geschichte Ruandas: Feindschaft zwischen Hutu und Tutsi

2.1. Die Anfänge des Hasses

Vor 400 Jahren wanderten die Watussi (heutige Tutsi), nilotische Viehzüchter aus dem Norden Afrikas ins heutige Rwanda ein und stießen dabei auf die Bahutu (heutige Hutu), eine Stammesfamilie von bantusprachigen Ackerbauern. Die kulturell überlegenen Einwanderer errichteten eine Feudalherrschaft über die Einheimischen. 1959 erhoben sich die Hutu gegen das Herrenvolk der Tutsi. Seither regieren die Hutu - zum Nachteil der Tutsi. 1964, 1973 und 1988 entluden sich die Spannungen in blutigen Stammesfehden. Seit 1990 führen Tutsi-Rebellen einen offenen Bürgerkrieg gegen die Hutu-Regierung.

2.2. Die Zehn Gebote der Hutu

Ideologische Grundlage des Handelns für die in der Mehrzahl herrschende Volksgruppe der Hutu stellen die Zehn Gebote der Hutu dar. Diese rassistischen Hetzartikel gegen Tusti proklamieren der Minderwertigkeit der Tutsi, mit dem daraus folgenden der Legitimation zur Ausgrenzung und Verfolgung.

Ein Auszug:

1. Regel: Jeder Hutu muss wissen, dass jede Tutsi-Frau, wo auch immer sie lebt, nur für die Interessen ihrer Tutsi-Rasse arbeitet. Darum ist jeder Hutu ein Verräter, der eine Tutsi-Frau heiratet, mit einer Tutsi Frau befreundet ist, eine Tutsi-Frau zu seiner Sekretärin oder seinem Schützling macht.
2. Regel: Jeder Hutu muss wissen, dass unsere Hutu-Töchter ehrwürdiger und gewissenhafter sind in ihrer Rolle als Frau, Ehegattin und Mutter. Sind sie nicht hübscher, bessere Sekretärinnen und ehrlicher?
3. Regel: Hutu-Frauen, seid wachsam und bringt eure Ehemänner, Brüder und Söhne zurück zur Vernunft.
4. Regel: Jeder Hutu muss wissen, dass jeder Tutsi in Geschäftsbedingungen unehrlich ist. Er ist nur auf die Vorherrschaft seiner Rasse bedacht. Darum ist jeder Hutu ein Verräter, der Geschäftsbeziehungen mit den Tutsi unterhält, der eigenes Geld oder Regierungsgelder in Tutsi-Unternehmen investiert, einem Tutsi Geld leiht oder sich von ihm Geld leiht, einem Tutsi Begünstigungen einräumt (Einfuhrlizenzen, Bankkredite, Baugrundstücke, Marktanteile, u. s. w.

Dieses Regelwerk verstößt gegen jegliche Menschenrechtskonventionen.

2.3. Die Kolonialzeit

Auch die Kolonialherrschaft (ab 1894 die Deutschen, ab 1916 die Belgier) nutze die Unterschiede zwischen den beiden Volksgruppen für ihre Interessen aus und forcierte damit die Spannungen. Aus der Berichterstattung des Oberleutnants von Grawert im Jahr 1901 an den Gouverneur Graf von Götzen: „Die Leute sind leicht zu lenken, der herrschende Volksstamm der Watussi ist hoch intelligent und begabt und wird später ganz sicher ein wichtiger Kulturfaktor werden, wenn es gelingt, ihn ohne große Kämpfe unseren Diensten nutzbar zu machen. Dass dies möglich ist, halte ich für sicher, wenn man die Leute ihrer jetzigen Gewalt über die Wahutu (die beherrschten Volksklassen, die sich aus mehreren Stämmen zusammensetzen und den Hauptteil der Bevölkerung Ruandas bilden) nur allmählich entkleidet, aber scheinbar sie in vollem Besitz derselben lässt.“[4]

[...]


[1] http://www.erdkunde-online.de/1391.htm

[2] http://www.pda.ch/vorwaerts/1998/1498hintergrund.html

[3] http://www.erdkunde-online.de/1391.htm

[4] http://www.hist.net/ag-genozid/rwanda.htm

Details

Seiten
9
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638353205
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35398
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Afrikanistik
Note
1,7
Schlagworte
Generation Genozids Ruanda Völkermord Einführung Geschichte Afrikas

Autor

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Titel: Die Generation des Genozids - Ruanda nach dem Völkermord