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"Nur gemeinsam kommen wir ans Ziel!" Kooperative Spiele (Sport, 7. Klasse)

Unterrichtsentwurf 2016 17 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Gliederung

1. Angaben zur Lerngruppe und zur Unterrichtssituation
1.1 Rahmenbedingungen
1.2 Kompetenzorientierte Lern- und Arbeitsvoraussetzungen und ihre Konsequenzen
1.2.1 Einstellungen
1.2.2 Entwicklungsstand
1.2.3 Sprachliche Kompetenzen
1.2.4 Methodische Kompetenzen
1.2.5 Soziale Kompetenzen
1.3 Interaktionsbeziehung

2. Einordnung des Themas in curriculare Vorgaben und in eine Unterrichtseinheit

3. Sachanalyse

4. Didaktische Überlegungen und Entscheidungen

5. Kompetenzen

6. Methodische Überlegungen

7. Geplanter Verlauf des Unterrichts

8. Literatur

9. Anlagen

1. Angaben zur Lerngruppe und zur Unterrichtssituation

1.1 Rahmenbedingungen

Seit dem 11. Januar 2016 unterrichte ich im Rahmen meines Referendariats einmal wöchentlich für je 90 Minuten das Unterrichtsfach Sport in der Klasse 7 d. Die Lerngruppe besteht aus 10 Schülerinnen und 12 Schülern, die zwischen 11 und 13 Jahren alt sind. Die Zusammensetzung entspricht den Einzugsgebieten dem Viertel, was eine große Vielfalt an kulturellen, religiösen und sozialen Unterschieden mit sich bringt. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler (SuS) ist in einem Sportverein aktiv. Viele von ihnen spielen in den anliegenden Vereinen Handball, was sich im Unterricht häufig widerspiegelt, da bei vielen SuS bereits ein Sportspielverständnis vorhanden ist. Der Unterricht findet mittwochs in der zweiten und dritten Stunde, in der Zeit von 8.50 Uhr bis 10.20 Uhr in der dem Schulgelände anliegenden Sporthalle statt. Auf dem Weg müssen die SuS das Schulgelände unter Aufsicht einer Lehrkraft verlassen und gelangen auf einem Fußweg zur nahegelegenen Sporthalle. Diese bietet durch zwei mobile Trennwänden die Möglichkeit die Großhalle in drei gleich große Hallenteile zu unterteilen und verfügt in jedem Drittel über ausreichend Gerätschaften und Material. Daher sind nur in Einzelfällen Absprachen mit Sportkollegen/- innen notwendig.

1.2 Kompetenzorientierte Lern- und Arbeitsvoraussetzung und ihre Konsequenzen

1.2.1 Einstellungen:

Die Lerngruppe zeichnet sich überwiegend durch eine positive Grundeinstellung zum Fach Sport aus. Die SuS zeigen größtenteils eine überdurchschnittliche Motivation und Einsatzbereitschaft, was sich vor allem anhand schneller Begeisterungsfähigkeit bei spielerischen Ansätzen unterschiedlicher Sportspiele äußert. Dies erleichtert das Unterrichten und trägt zu einem meist angenehmen und konstruktiven Unterrichtsklima bei. Lediglich und weisen während des Unterrichts häufiger einen geringeren Bewegungsdrang und Konzentrationsschwierigkeiten auf, dem ich beständig über verbales Motivieren versuche entgegenzuwirken. Konzentration schweift vor allem während der Besprechungsphasen ab. Er wird entsprechend angehalten neben der Lehrkraft zu stehen bzw. zu sitzen. Alexander fiel zudem häufig auch durch eine vorerst ablehnende Haltung gegenüber neuen Spiel- und Bewegungsformen auf. Spiele, in denen ein enger Körperkontakt von Nöten ist, verweigerte er sich zeitweilig. In der vorangegangenen Unterrichtseinheit Basketball waren deutliche Fortschritte erkennbar, so dass es ihm nur in bestimmten Gruppenkonstellationen sichtlich schwerfällt, sich auf entsprechende Inhalte und Aufgaben einzulassen. Dies hatte zur Folge, dass es seiner Gruppe in Arbeitsphasen, in denen es darum ging, sich gegenseitig zu unterstützen, erschwert wurde, dem Arbeitsauftrag gerecht zu werden. Die Begeisterungsfähigkeit von zeichnet sich dahingehend aus, dass er nur auf Fußball Lust hat und andere Sportarten nicht als vollwertig anerkennt. Seine Frustrationstoleranz sowie sein Sozialmanagement sind als recht gering einzuschätzen und sollen durch immer wieder eingeschobene kooperative Einheiten weiter ausgebildet werden.

1.2.2 Entwicklungsstand:

Die Lerngruppe weist eine gute bis sehr gute Allgemeinsportlichkeit auf (vor allem ), dennoch ist das Leistungsniveau sowohl im kognitiven als auch im sportmotorischen Bereich sehr heterogen. Dies lässt sich auf die teilweise schon vollzogene Spezialisierung der jeweils ausgeübten Sportart im Leistungsbereich zurückführen. Konsequenz: Um den unterschiedlichen Leistungsniveaus gerecht werden zu können und die Fähigkeiten der Selbsteinschätzung zu fördern, werden häufig kooperative und binnendifferenzierte Aufgabenstellungen in verschiedenen Lehr -und Lernarrangements, wie Stationsarbeit und Lerninseln angeboten. Dieser Leistungsstand stellt für das Unterrichtsthema mit der Zielsetzung allerdings keine Relevanz dar. Alle SuS bringen bereits aus dem 6. Schuljahr Erfahrungen mit Kooperativen Spielen mit, welche es aufbereiten und zu vertiefen gilt. Begründet durch das schlechte Klassenklima wird das Thema erneut aufgegriffen.

1.2.3 Sprachliche Kompetenzen:

Die guten sprachlichen Kompetenzen der Lerngruppe bilden eine positive Grundlage für eine gelingende Verständigung untereinander. Das Gros der Klasse verfügt über ein gutes Sprachvermögen, so dass kaum Probleme bezüglich des sprachlichen Verständnisses von Aufgabenstellungen auftreten. Ebenso sind die SuS bei Unterrichtsgesprächen in der Lage in vollständigen Sätzen zu antworten.

Um unterschiedliche SuS anzusprechen, setze ich meinen persönlichen Anspruch dahingehend, mit einem Spiel oder einer Übungsform erst zu beginnen, wenn ich mir sicher sein kann, dass alle Lerntypen die Erklärung oder die Anweisung verstanden haben. Um alle Lerntypen zu erreichen, unterstütze ich meine Erklärungen immer mit einer Visualisierung, damit alle SuS die Möglichkeit haben, inhaltlich folgen zu können.

1.2.4 Methodische Kompetenzen:

Die SuS sind im Rahmen ihres Entwicklungsstandes in der Lage, denen an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Dazu zählen Arbeitsaufträge in Gruppen zu bearbeiten sowie sich in Gruppen über Strategien und Lösungswege auszutauschen und zu verständigen. Sie verfügen weiterhin über die Kompetenz, in Übungsphasen selbstständig zu arbeiten. Das Arbeiten an Stationen ist ihnen bekannt. Sie konnten ihre Team- und Kommunikationsfähigkeit durch die Unterrichtseinheiten Akrobatik und Basketball sichtlich verbessern. In der Unterrichtseinheit „Kleine Sportspiele" soll dies in der vorliegenden schwerpunktbezogenen Unterrichtsstunde „Kooperative Spiele - Nur gemeinsam kommen wir ans Ziel" weiterentwickelt werden.

1.2.5 Soziale Kompetenzen:

Das Sozialverhalten ist in der Lerngruppe grundsätzlich als befriedigend zu beschreiben. Die SuS unterstützen sich teilweise gegenseitig und pflegen je nach Tagesformhaben eine mehr oder weniger freundliche Umgangsform. SuS, wie und müssen immer wieder an die Einhaltung von aufgestellten Verhaltensregeln erinnert werden. Bei kann es vorkommen, dass er sich aus der Gruppenarbeitsphase entfernt. Seine Gruppenmitglieder sind angehalten, der Lehrkraft sofort Rückmeldung zu geben, falls ihr Einwirken keine Beachtung findet. Konsequenz: Ich habe ihn mit den Verhaltensregeln im Einzelgespräch vertraut gemacht. Bei Verstößen muss er sein Verhalten schriftlich reflektieren und Alternativen aufzeigen. Zudem erfolgt eine Mitteilung an die Eltern. In der Lerngruppe gibt es einen Schüler mit Sonderpädagogischen Förderbedarf körperlicher Art. hat eine Entwicklungsstörung an einem Handgelenk, was für Außenstehende nur schwer auszumachen ist, da er vollkommen integriert ist und bei Problemen auf die Unterstützung seiner Mitschüler zählen kann. In unterrichtsübergreifenden Gesprächen wurden die vielen Unterrichtsstörungen mehrfach thematisiert. Sie finden oftmals auf sozialer und emotionaler Ebene statt. Eine Schülerin hat daraufhin bereits die Klasse verlassen. Konsequenz: Der Sportunterricht leistet zur Entwicklung einer wertvollen sozialstarken Klassengemeinschaft seinen Beitrag dahingehend, dass kooperative Spielformen in regelmäßigen Abständen für zwei bis drei Doppelstunden thematisiert werden.

1.3 Interaktionsbeziehung:

Die SuS, der zu unterrichtenden Lerngruppe gehen mitunter freundlich und respektvoll miteinander um und verhalten sich weitestgehend fair. Es lässt sich eine Gruppe aus vier Jungen innerhalb der Lerngruppe ausmachen, bei denen Züge als Außenseiter erkennbar sind. Seitdem ich diese Lerngruppe unterrichte, lässt sich jedoch eine Veränderung der Zusammensetzung feststellen. Zwei Jungen I und haben sich aus der Gruppe als Zweierteam herausgelöst und beteiligen sich zunehmend am Klassenleben. Hussein, der seit der fünften Klasse Schwierigkeiten hat, sich in die Klassengemeinschaft einzuleben, hat sich mit angefreundet. Beide ziehen sich zeitweise aus der Klassengemeinschaft heraus. Auftreten hat sich ins Negative verändert. Konsequenz: Da durch die Eltern keine Unterstützung zu erwarten ist, wurde für den Sportunterricht ein Belohnungssystem eingeführt. Er spielt gern Basketball und freut sich wenn er zur Belohnung für soziales Verhalten mit dem Basketball spielen kann. der zur genannten Vierergruppe gehörte, zeigt sich zunehmend offener und zugänglicher. Für den Sportunterricht lässt sich feststellen, dass dieser stark von kooperativen Inhalten geprägt ist und dass sich Veränderungen im Sozialgefüge vollzogen haben.

Als Lehrkraft ist es mir ein besonderes Anliegen, dass die Turnhalle als besonders geschützter Raum für einen sportlichen Umgang fungiert. Sportlicher Umgang bedeutet, dass SuS sich gegenseitig respektieren und wenn notwendig unterstützen sollen. Dies unterstütze ich dadurch, dass Gruppenbildungen nicht in Form einer freien Wahl stattfinden, so ist das Lernen zu kooperieren in immer wieder unterschiedlichen Gruppenzusammensetzungen notwendig. Die Beziehung zwischen der Lerngruppe und der Lehrkraft lässt sich als sehr aufgeschlossen und positiv beschreiben. Rituale, wie Sitzdreieck, die Trillerpfeife als vielseitiges Signalinstrument, beispielsweise für ein Freeze oder ein Übungswechsel werden problemlos angenommen. Es herrscht ein freundlicher und verbindlicher Umgang, in dessen Rahmen ich als Lehrkraft wahr- und angenommen werde.

2. Einordnung des Themas in curriculare Vorgaben und in eine Unterrichtseinheit

Das Thema der Unterrichtsstunde „Nur zusammen ans Ziel kommen" lässt sich für den 7. Jahrgang im Bildungs­plan der pädagogischen Perspektive „Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen" einordnen und gehört zum Bewegungsfeld Spielen (kleine Sportspiele).[1] Ziel der kurzen Unterrichtseinheit ist, dass die SuS lernen, die Aufgabenstellungen mit zugrundeliegenden kooperativen Anforderungen als Gruppe zu bewältigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Sachanalyse

Kooperationsfähigkeit ist ein Aspekt sozialer Kompetenz, der als Lernziel des Sportunterrichts zwar grundsätzlich hohen Stellenwert beansprucht, in der Praxis allerdings oft von gegensätzlichen Handlungsintentionen überla­gert wird. Kooperationsfähigkeit setzt nach Orlick (2001)[2] soziale Sensibilität als die Fähigkeit der Interaktions­partner voraus, die Andersartigkeit des anderen bewusst aufzunehmen, sie anzuerkennen und sich auf die Ge­meinsamkeit mit ihnen einzustellen. Es ist die Fähigkeit, die eigenen Interessen und Wünsche adäquat zu vertre­ten und zugleich die Bedürfnisse der Partner zu respektieren und zu akzeptieren.

Kooperatives Handeln bedeutet Umorientierung von der Dominanz individueller Leistungsdarstellung zur Be­reitschaft, mit einem beliebigen Partner so in Beziehung zu treten, dass ein gegenseitiger Austausch von Absich­ten und Wünschen, Einstellungen und Erwartungen möglich ist, ohne Machtpositionen auszunutzen oder sich Zwangs- und Unterdrückungsmaßnahmen zu bedienen. Erfolg und Misserfolg müssen als Ergebnis gemeinsamen Handelns begriffen und gewertet werden können. Hilfen sollen da gegeben und angenommen werden, wo sie dem gemeinsamen Handlungsziel dienen. Im kooperativen Handeln sollte es keine Furcht vor Blamage und Dis­kriminierung geben, hier darf niemand ausgeschlossen oder abgedrängt werden, hier muss vielmehr jeder in seiner Verantwortung für das gemeinsame Ziel seinen stabilen Standort haben. Das kooperative Miteinander soll alle Formen und Möglichkeiten der Kommunikation umfassen und problemlos auch Körperkontakte einschlie­ßen.[3]

Kooperative Spiele verwerfen das Konkurrenzprinzip, das Konzept von Gewinnen und Verlieren. In kooperativen Spielen gibt es keinerlei Parteien die siegen oder verlieren. Die Kooperation ist so aufgebaut, dass weder Mann­schaften noch Einzelspieler gegeneinander spielen. Stattdessen sind Spielaufgaben durch Kooperation von der gesamten Lerngruppe zu lösen. Kooperative Spiele haben nach Moosmann (2013)[4] ihre Zielsetzung in den posi­tiven Spielerlebnissen, in der Entwicklung von Gefühlen der Zugehörigkeit zur Klassengemeinschaft und der Angstfreiheit vor Fehlern. Das Vertrauen in sich selbst, Sensibilität für die Gefühle anderer, Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme sind weitere Ansprüche.

4. Didaktische Entscheidungen

Der Bremer Bildungsplan der Oberschule für das Fach Sport legt in Jahrgang 7 einen hohen Wert auf die Vermitt­lung der vielfältigen Bewegungsfelder ebenso wie auf das soziale Lernen[5]. Das für die Unterrichtsstunde festge­legte Bewegungsfeld „Spielen" mit dem Sportbereich „kleine Spiele" bietet eine Bandbreite an Spielen, u.a. auch Kooperationsspiele. Vor allem der Sportunterricht bietet viele Möglichkeiten, das Sozialverhalten der SuS und das Kooperieren miteinander positiv zu beeinflussen.

Vorbemerkungen: Die Lerngruppe zeigt große Schwächen im sozialen Miteinander. Dies äußert sich durch respektloses Verhalten, Beleidigungen und der Verweigerung mit bestimmten Mitschülerinnen und Mitschülern zusammenzuarbeiten. Wie bereits erwähnt wurden nach der Übernahme im Frühjahr 2016 in regelmäßigen Abständen Unterrichteinheiten zum Thema Kooperation durchgeführt. Andere Unterrichtseinheiten, wie Floorball und Basketball fanden unter einer kooperativen Perspektive statt. Eine positive Entwicklung ist erkennbar.

Zur aktuellen Unterrichtseinheit: Nachdem die Lerngruppe in der vorangegangenen Doppelstunde wesentliche Merkmale zum Gelingen von Vertrauensspielen (Merkmale: das Übernehmen von Verantwortung; seinen Partner beschützen; gut zureden; dafür sorgetragen, dass niemand verletzt wird; bei Hindernissen unterstützen und Hilfestellungen geben) herausgearbeitet und reflektiert hat, soll in der geplanten Stunde daran angeknüpft werden. In der heutigen Stunde werden die SuS Arbeitsaufträge in der gesamten Klassenstärke bearbeiten müssen. Dabei soll das Konkurrenzverhalten ausgeschaltet und die Klasse zum kollektiven Kooperieren animiert werden. Die SuS sollen ihr Handeln, welches zum erfolgreichen Gelingen von Nöten ist, bewerten und reflektieren. Zudem sollen sie in den Arbeits- und Reflexionsphasen ihr Empathieempfinden, ihre Kritikfähigkeit, ihre Teamfähigkeit und ihre Eigenverantwortlichkeit entwickeln. Für die folgende didaktische Analyse beziehe ich mich auf die didaktischen Grundfragen von W. Klafki[6].

Dem Unterrichtsgegenstand ist eine hohe Gegenwartsbedeutung für die SuS beizumessen. Kooperative Spiele werden den „Kleinen Sportspielen" zugeschrieben und eignen sich daher zur Vorbereitung auf „Große Sportspiele". Kooperative Spiele zeichnen sich meist durch einfache Regeln, geringem Materialaufwand bzw. flexibles Ausweichen auf gleichbedeutende Materialien, wertvolle und zielerreichende Kommunikation sowie flexible Ortswahl aus. So ist meist eine Ausübung in der direkten Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen möglich. Bezogen auf die Materialwahl ermöglichen kooperative Spiele bereits in der Vorbereitung der Spiellandschaft eine Förderung der Kommunikationsfähigkeit, der Kompromissbereitschaft, der damit verbundenen Emotionsregulation und führt zu einer Förderung des Sozialverhaltens. Das Thema hat gleichermaßen eine Zukunftsbedeutung für die SuS. In der modernen Arbeitswelt wird viel Wert auf Teamgeist gesetzt, da viele Arbeitsprozesse in Arbeits- und Planungsgruppen ablaufen in denen Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten unerlässlich sind. Daher bezieht sich der Stundeninhalt auf die zentrale Zielsetzung des Erziehens und der Entwicklungsförderung von sozialen Kompetenzen. In den Besprechungsphasen können die SuS ihre personalen Kompetenzen im Reflektieren und Kritisieren, aber ebenso Kritik annehmen können weiterentwickeln, um so eine Basis für ein erfolgreiches Agieren in der Arbeitswelt sicher zu stellen. Da in dieser Stunde Arbeitsaufträge nur durch die gezielte Zusammenarbeit der einzelnen SuS miteinander erreicht werden können, erhält der Unterrichtsgegenstand eine ebenso exemplarische Bedeutung. Da die Spielformen so gewählt werden, dass alle SuS in den Arbeitsprozess mit ihren Stärken und Schwächen integriert werden müssen, herrscht eine ständige Dynamik im Spielfluss. Diese Situation ist auf andere Sportspiele wie Handball übertragbar, wenn nach einem Ballverlust im Angriff die Verteidigung wieder aufgebaut werden muss. Ebenso müssen die SuS allgemeingültige Modifikationsmöglichkeiten in Bezug auf die Variation von Schwierigkeiten in den Spiel- und Übungsformen anwenden können. Dies steht exemplarisch für alle Sportspiel- und kooperativen Lernformen und entsprechenden Methoden, wie dem Reflektieren mithilfe des Tipps und Topps - Plakates. Um die SuS schrittweise mit höheren Anforderungen zu konfrontieren ist eine thematische Strukturierung zu gewährleisten. Um dem Rechnung tragen zu können, braucht es den Überblick und das Verständnis über die gesamte Unterrichtseinheit, sowohl aus theoretischer als auch aus praktischer Sicht. So ist zu gewährleisten, dass die SuS mit den wachsenden Anforderungen sich entwickeln können. Um den SuS zum Sachverhalt die Zugänglichkeit zu ermöglichen, könnenjederzeit Alltagsbezüge hergestellt werden. Beim Brückenbauen könnte beispielweise das Unterstützen beim schweren Tragen von Einkaufstaschen symbolisch herangezogen werden. Ebenfalls können aus anderen Sportspielen Vergleiche herangezogen werden, wie das Unterstützen bei der Manndeckung. Auch wenn es bei Kooperativen Spielen um das bewusste Zusammenspiel von heterogenen Gruppen geht, gibt es Differenzierungsmöglichkeiten. Zum einen kann bei dem Spiel Brückenbau mehrfach differenziert werden: 1. In der Phase des Weichbodenaufnehmens als auch 2. beim Transportieren durch die SuS über einen weiteren Weichboden, als auch 3. beim Ablegen und Ausrichten des Weichbodens. Zum anderen besteht die Möglichkeit, beim Spiel Bergsteigen zu differenzieren, beispielsweise zum Schutze des Scharmgefühls bei körperlich schwächeren SuS oder auch bei kräftigen SuS die aus eigener Kraft, die an sie gestellte Aufgabe nicht bewältigen können oder es sich nicht zutrauen. In wieweit diese Situation eintritt, ist nicht vorherzusagen, daher stehe ich als Lehrkraft beratend und motivierend zur Seite und problematisiere den Sachverhalt entsprechend vor der Lerngruppe, um diesen Aspekt als Möglichkeit der Kooperation zu thematisieren.

5. Kompetenzen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6. Methodische Überlegungen

Bis zum gemeinsamen Beginn der 60 minütigen Sportstunde haben die SuS die Möglichkeit in einem Freispiel den ersten Bewegungsdrang abzubauen. Gleichzeitig dient es der allgemeinen Erwärmung und der Vorbereitung des Herz-Kreislauf-Systems auf die folgende körperliche Belastung. Weiterhin überbrückt die Phase die unter­schiedlichen Umkleidezeiten der SuS. Den Einstieg bildet ein ritualisiertes Bankdreieck, in dem die SuS Zusam­menkommen und nach der Begrüßung der Gäste die Stundeninhalte mithilfe der Verlaufsbausteine kennenler­nen. Dies bündelt die Aufmerksamkeit und schafft Transparenz über den Verlauf des Unterrichts. Weiter dient es zur Verdeutlichung des roten Fadens in diesem Stundenverlauf. Die passiv-beteiligten SuS erhalten einen Be­arbeitungsauftrag und werden mit weiteren unterstützenden Aufgaben in die Unterrichtsstruktur integriert. Ein­leitend wird das Spiel „Safari" gespielt, das für die Kinder durch die enge Verbundenheit zum Spiel Feuer, Wasser, Sturm ein bekanntes Spiel darstellt. Durch den Bekanntheitsgrad wird weiter beabsichtigt, dass die SuS begrün­det durch die Prüfungs- und Beobachtungssituation ein Sicherheitsgefühl entwickeln können. Zudem dient es durch unterschiedliche Bewegungsaufgaben der spezifischen Erwärmung und führt durch die notwendigen Ab­sprachen zu kooperativen Aspekten. Weiter müssen die SuS auf Kommandos des Lehrers reagieren und sich ent­sprechend verhalten. Nach Beendigung des Einstiegspieles kommen die SuS in einem Sitzkreis zusammen und äußern auf Nachfrage des Lehrers erste Erkenntnisse aus dem Spiel. Dazu wird das Plakat „Vertrauensspiele" herangezogen. Daraus ableitend stellt der Lehrer das Stundenthema mit der begleitenden Problemstellung vor. In der anschließenden Erarbeitungsphase erklärt die Lehrkraft zunächst den Arbeitsauftrag und gibt Anmerkun­gen zum Spiellandschaftsaufbau zum Spiel „Brückenbauen". Dies wird durch den Hallenplan und die Material­kärtchen visuell unterstützt und gibt der Lerngruppe Orientierung zum Spiel. Es folgen weitere Informationen zur Sicherheit während des Spielablaufes. Dann werden die Aufgaben zum Aufbau der Spiellandschaft verteilt. Dies geschieht durch ein zufälliges Abzählen der im Kreis sitzenden SuS. Bei Schwierigkeiten greift der Lehrer regulie­rend ein. Durch das eigenständige Aufbauen werden wesentliche Aspekte der Kooperation im Aufbau, aber auch die Erhöhung der Bewegungszeit bedient. Im Bereich der Kooperation müssen Absprachen zum Tragen des Weichbodens, des kräftemäßigen Verteilens des Gewichtes des Weichbodens sowie eine Verständigung zur Fort­bewegung (beispielsweise kann es dazukommen, dass SuS tragend rückwärtslaufen müssen) mit schweren Ge­genständen erfolgen. Weiterhin tragen sie Verantwortung für Material und für das Agieren mit Mitschülerinnen und Mitschüler. Anschließend beginnen die SuS mit dem Spiel „Brückenbauen". Hierbei sind, je nach Phase, drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zu berücksichtigen: Den Weichboden aufnehmen, den Weichboden über weitere Weichböden zu transportieren sowie das sichere Ablegen. Hierbei werden sowohl die Kommunikation, als auch soziale Kompetenzen geschult. Weiter wird die eigene Wahrnehmung und das Einschätzungsvermögen gefördert. Zudem können schwächere SuS ( so eingebunden werden, dass sie in Schlüsselfunk­tionen nicht allein agieren müssen, sondern von stärkeren SuS ( unterstützt wer­ den. So erhält die Lerngruppe wesentliche Differenzierungsmöglichkeiten, die gleichzeitig die Klassengemein­schaft stärken. In dieser Phase stehe ich einerseits zu jeder Zeit beratend, motivierend und anregend zur Verfü­gung und andererseits werden Hindernisse in die jeweilige Baurichtung gestellt, welche von den SuS umspielt werden müssen. Die anschließende Sicherungsphase gibt die nötige Transparenz über das erfolgreiche Handeln und gibt Aufklärung zu zielführenden Verhaltensmöglichkeiten (wurden Schwierigkeiten bei schwächeren SuS von stärkeren SuS erkannt, wurde um Unterstützung gebeten), die in schriftlicher Form eines Plakates festgehal­ten werden. Im Abschlussspiel „Bergsteigen" wenden die SuS die Erkenntnisse aus der Erarbeitungsphase an und entwickeln diese weiter, indem sie gemeinsam überlegen, wie es alle SuS schaffen können den „Berg" zu erklimmen, bzw. welche Unterstützung von Nöten ist. Aus Sicherheitsgründen müssen die SuS sich untereinander abstimmen, wie viele SuS sich gleichzeitig auf dem „Berg" aufhalten dürfen. Zum Abschluss reflektieren die SuS im Sitzdreieck über die Bedeutsamkeit ihrer Spielhandlungen um den Rückbezug zum Unterrichtsziel herzustel­len. Zudem geben sie jeweils drei Tipps und drei Topps an, welche zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess des Sportunterrichts beitragen. Abschließend gibt die Lehrkraft einen Ausblick auf die folgende Stunde und dankt den SuS für die Mitarbeit und verabschiedet die Prüfungskommission.

[...]


[1] vgl. Bildungsplan Bremen Oberschule Sport 2012:8

[2] vgl. Orlick (2001): 12ff

[3] vgl. Blumenthal (2001): S. 22ff

[4] vgl. Moosmann (2013): S. 31f

[5] vgl. Bremer Bildungsplan Oberschule Sport (2012): S. 7f

[6] vgl. Wolfgang Klafki (1991): S. 270 ff.

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668400313
ISBN (Buch)
9783668400320
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353835
Institution / Hochschule
Landesinstitut für Schule, Bremen
Note
1,3
Schlagworte
Vertrauensspiele Kooperation in der Klasse

Autor

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Titel: "Nur gemeinsam kommen wir ans Ziel!" Kooperative Spiele (Sport, 7. Klasse)