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Product Placement. Vermittlung von Werbebotschaften durch parasoziale Interaktionen & Beziehungen

Auswirkungen der fiktiven Medienwelt auf RezipientInnen

Bachelorarbeit 2014 43 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Theoretische Basis
1. Interaktion
1.1. Soziale Interaktion
1.2. Parasoziale Interaktion
2. Parasoziale Beziehung
3. Product Placement

III. Parasoziale Wirkung von Placements
1. Richtlinien zur Vermittlung von Werbebotschaften
1.1. Innere Aspekte
1.2. Äußere Aspekte
2. Angesprochene Zielgruppen
2.1. Allgemein
2.2. Kinder

IV. Ausblick
1. Forschungslücken
2. Forschungsdesign
2.1. Forschungsfragen
2.2. Methode

V. Exposé

VI. Quellenverzeichnis
1. Literatur
2. Webadressen
3. Abbildungen

Vorwort

Diese in meinem zweiten Bakkalaureatsseminar verfasste Arbeit, beschäftigt sich mit dem Phänomen der Parasozialität. Anders gesagt mit dem Band, welches FernsehzuschauerInnen und Dargestelltes im TV-Gerät miteinander verbindet. Die Materie ist so aufbereitet, dass auch Personen, die nicht vom Fach sind, sich gut orientieren können und keine weitere Suche nach Zusatzinformationen benötigen. Allerdings sollte Interesse vorausgesetzt sein. Das ist auch der Grund, warum ich mir dieses Thema ausgesucht habe. Weil ich Fernsehen und insbesondere das Verhältnis von RezipientInnen zu gesendeten Inhalten spannend finde. Wie unterschiedlich sich Wirkungen eben auch Reaktionen des Publikums in diesem Bereich ausprägen können, ist von den verschiedensten Bereichen und Faktoren abhängig und betrifft uns alle. Hier wird das Augenmerk insbesondere auf Werbung mit der Einschränkung auf Product Placements gelegt.

Dank möchte ich gerne an meine Freunde richten, die mich in den kalten Winterwochen stets aufs Neue motivieren konnten und mir beim Abschluss meiner offiziell letzten Bakkalaureatsarbeit somit zur Seite gestanden sind. Auch meine Großeltern Peter und Renate Weihse haben mir immer den Rücken gestärkt, damit ich mein Studium so gut wie möglich absolvieren kann. Ohne sie wäre das nicht realisierbar.

Wien, Dezember 2013

Sophie Scharner

I. Einleitung

Kommunikation, Interaktion und Beziehung sind und waren immer schon im ständigen Miteinander allgegenwärtig. Diese Worte sind nicht nur Begriffe für die Bezeichnung der menschlichen Verhältnisse untereinander, sie beschreiben auch ein System in der sich jede einzelne Person zu beziehungsweise mit einer anderen befindet. Da im heutigen Medienzeitalter die Austauschmöglichkeiten anderen Regeln unterliegen, erfolgt auch eine Änderung im Umgang auf zwischenmenschlicher Basis. Mit Smartphones, WhatsApp, Facebook, Twitter und Co steht die Welt unweigerlich im permanenten Wandel. Das Medium der Kommunikation ändert sich, somit auch die Art zu kommunizieren, wodurch die Interaktion beeinflusst wird und sich wiederum Beziehungen anders aufbauen können. Wie Dominosteine löst so ein Vorgang den nächsten aus. Das kann so weit gehen, dass nicht einmal mehr ein reales Gegenüber benötigt wird. Mediale Inhalte können es ergänzen, vertreten oder sogar ersetzen.

Diese Arbeit versucht, unter der Einschränkung auf das Medium Fernsehen, die Thematik auf den ganz speziellen Bereich der Parasozialität zu definieren und eine daraus resultierende Werbewirkung herauszufiltern. In der Medienwissenschaft wird sie erstmals Mitte der 50er Jahre von Horton und Wohl zur Sprache gebracht, worauf auch diese Arbeit fundiert. Also können parasoziale Interaktionen und Beziehungen vom Fernsehpublikum zum Dargestellten am Bildschirm nicht nur zu realen Personen, sondern auch zu fiktiven Charakteren oder sogar Zeichentrickfiguren aufgebaut werden. „Wie die Zuschauer mit Personen im Fernsehen umgehen, welche Bedeutung diese für Rezipienten haben, wie sie vor Hintergrund individueller Bedürfnisse 'nutzbar' gemacht werden, welche emotionalen und kognitiven Verarbeitungs- und Strukturierungsprozesse im Hinblick auf Fernsehpersonen relevant sind und schließlich, welche Wirkungen auf Seiten der Rezipienten sich daraus ergeben, ist empirisch noch immer wenig geklärt.“[1] Genau deswegen sollte speziell für den Werbemarkt eine etwaige Relevanz herausgearbeitet werden. „Die Konzeption und Untersuchung eines solchen interpersonalen Verhältnisses setzt ein theoretisches Rahmenkonzept voraus, anhand dessen die relevanten Prozesse (Interaktionen) sowie deren Ergebnisse (Beziehungen) beschrieben und strukturiert werden können.“[2] Mit dem Fokus auf Product Placement bietet diese wissenschaftliche Ausarbeitung so eine fundierte theoretische Basis, damit die Komplexität des Themas auch in jeder Facette bearbeitet werden kann.

Immer wieder ist bereits der Hinweis auf Werbung gefallen, denn auch dieser Bereich unterliegt der unaufhörenden Anpassung an seine Umgebung. „Neben vielen anderen Methoden kristallisiert sich in letzter Zeit immer deutlicher der Trend zur unterhaltenden, ablenkenden Werbung heraus.“[3] Die kommerziellen Werbeunterbrechungen werden zunehmend als störend empfunden, da die Werbeeinsendungen weiter und weiter ausufern. Mittlerweile darf zwölf Minuten pro Stunde im öffentlich-rechtlichen[4] und auch im privaten Fernsehen, das sind zwanzig Prozent der Sendezeit, Werbung gesendet werden. Auf den Sendetag bezogen, darf die Dauer von 15 Prozent also drei Stunden und 36 Minuten nicht überschritten werden, bei Splitscreenwerbung kann sogar auf zwanzig Prozent pro Tag, also vier Stunden und 48 Minuten erhöht werden.[5] Das bedeutet eine Überfülle an Werbung für KonsumentInnen. Zapping ist unter anderem die Folge. Werbetreibende sind also auf der Suche nach Innovationen, die den Werbemarkt positiv beeinflussen. Es wird Werbung kreiert, die auf den ersten Blick nicht als Werbung wahrgenommen wird. Sie ist unterschwellig in Fernsehinhalten eingebaut, was unter die Kategorie Product Placement fällt, aber dazu später mehr.

Nach der Abwicklung aller Begriffsdefinitionen folgt eine literarische Ausarbeitung der Thematik. Denn diese Arbeit stützt sich ausschließlich auf Literaturrecherche, weshalb es keinen empirischen Part geben wird. Es würde die Rahmenbedingungen der Bakkalaureatsarbeit sprengen. Jedoch wird als Abschluss ein Forschungsdesign, also ein Vorschlag für eine empirische Durchführung, angeboten damit andere, denen mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, an meine Studie anknüpfen können.

II. Theoretische Basis

1. Interaktion

Um die parasoziale Interaktion klar zu definieren und abzugrenzen, wird zu aller erst einmal auf die soziale Interaktion eingegangen. Es folgt ein kurzer Anriss, der die relevante Ausgangsposition für die Untersuchung bietet. Anschließend wird dann die parasoziale Interaktion genau dargestellt und erklärt.

1.1. Soziale Interaktion

Allgemein gesprochen ist so gut wie jeder Mensch jeden Tag sozialen Interaktionen ausgesetzt. Sie begleiten uns ständig. Anhand dieser Grafik soll das Rahmenkonzept, welchem soziale Interaktionen unterliegen, besser veranschaulicht werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ablauf einer Interaktion

Demnach beginnt eine echte Interaktion mit der Aktion einer sozialen Entität. „Initiiert wird eine Interaktion, indem die Aktion des Akteurs von einer weiteren sozialen Entität wahrgenommen wird.“[6] Also nimmt die soziale Entität 1 Kontakt zur sozialen Entität 2 auf, was von dieser registriert wird. „Infolge dieser Wahrnehmung kommt es zu einer Reaktion bei der sozialen Entität.“[7] So wirkt eine Person auf die andere ein. „Eine Reaktion kann nun wiederum von der ersten Entität wahrgenommen werden, was ebenfalls zu einer Verhaltensänderung bei dieser Person führt. Da es sich hierbei um die Reaktion auf eine vorangegangene Reaktion handelt, kann sie als Reaktion zweiter Ordnung beschrieben werden.“[8] Dann lässt sich von einer vollständigen sozialen Interaktion sprechen, die sich uneingeschränkt wiederholen lässt und jederzeit neu mit unterschiedlichen Personen aufgenommen werden kann. Da es sich bei den sozialen Entitäten um reale Personen des alltäglichen Lebens handelt, bringt die Interaktion untereinander bestimmte Vorraussetzungen mit sich. Es „erwächst für beide eine gewisse kommunikative Verpflichtung und Verantwortlichkeit, die vor allem darin besteht, sich an miteinander vereinbarte (häufig: implizite) Regeln und Konventionen zu halten. Ein plötzlicher und unvermittelter Rückzug aus der Interaktion bzw. Beziehung stellt bereits eine Verletzung dieser Regeln dar und wird üblicherweise entsprechend sanktioniert.“[9] Von Anpassung ist die Rede, denn es müssen Kompromisse eingegangen werden, anders als bei der parasozialen Variante.

1.2. Parasoziale Interaktion

„Im Gegensatz zu einer realen, sozialen Interaktion interagieren die Zuschauer/innen mit den Fernsehakteuren dabei nur scheinbar, da die Fernsehakteure die Zuschauer/innen nicht sehen, daher auch nicht auf Zuschauerinteraktionen reagieren und ihre Aktionen somit allenfalls auf vermutete Zuschauerreaktionen ausgerichtet sind.“[10] Es wird daher nur eine Illusion von Vertrautheit hervorgerufen. Die ZuschauerInnen können wiederum die Interaktionen der Fernsehakteure wahrnehmen und auch darauf reagieren, ihre Reaktionen erreichen jedoch wegen des fehlenden Rückkanals die Fernsehfiguren nicht und prallen gewissermaßen an der Mattscheibe ab.[11] Auf der folgenden Abbildung ist die asymmetrische Interaktionsform genau zu erkennen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ablauf einer parasozialen Interaktion

Ganz am Anfang einer parasozialen Interaktion muss zunächst die Identifizierung einer sozialen Entität stehen, die als mediales Gegenüber fungieren kann.[12] Diese Position nimmt eine Persona ein, grob gesagt ein dargestellter Charakter oder eine vermittelte Figur des Fernsehens. Was sie genau ausmacht, wird im Anschluss erörtert.

Zunächst selektiert der Rezipient/ die Rezipientin „aus einer Vielzahl an Sinneseindrücken und fügt bestimmte Informationen zu einem ersten kohärenten Bild, zu einer sozialen Entität, zusammen.“[13] Ein vorläufiger erster Eindruck durch eine unterbewusste Bewertung ist damit hergestellt. „Der Konstruktionsprozess von sozialen Entitäten geschieht jedoch nicht losgelöst vom Medienangebot, sondern die besondere ‚Reizkonstellation' des Angebots legt eine bestimmte Informationsintegration bereits nahe.“[14] Auf jeden Fall lösen die Aktionen der Persona Reaktionen bei den RezipientInnen aus. Doch „ihre Reaktionen können aufgrund des fehlenden Rückkanals (...) keinen Einfluss auf die Fernsehfigur haben. Es treten daher keine Reaktionen zweiter Ordnung auf, wie es in der interpersonellen Interaktion der Fall ist.“[15] Es ist so, dass die „effektive Gegenseitigkeit ausbleibt“[16], weswegen „dieses Simulakrum eines wechselseitigen Gesprächs (...) parasoziale Interaktion genannt werden“[17] kann. Denn die Koordinierung, wie bei einer sozialen Interaktion, bleibt aus. „Das Publikum kann also aus den angebotenen Beziehungen wählen, aber keine neuen schaffen. Die Interaktion ist einseitig und nicht dialektisch.“[18] Alles ist auf den Ausgangspunkt der Persona konzentriert.

1.2.1. Personae

Persona ist ein eingeführter Überbegriff von Horton und Wohl, der alle im Fernsehen verkörperten Darstellungen umfassen soll. Schauspieler, Moderatoren als Performer sowie Charaktere als Figuren, dabei spielt es in der Bezeichnung keine Rolle, ob sie in der Realität oder Fiktion wurzeln. „Die Persona kann von ihrem Publikum als Freund, Ratgeber, Tröster und Vorbild angesehen werden; aber anders als wirkliche Freunde hat sie den eigenartigen Vorteil, dass ihr Charakter und ihre Darstellung gemäß der ‚Formel’, die von ihr und ihren Managern ausgearbeitet wurde, standardisiert und in ein angemessenes Produktionsformat eingebettet sind.“[19] Das hat den Effekt, dass ihr Verhalten unverändert und vorhersagbar ist, außerdem wird es keine Verständnisprobleme oder unangenehme Überraschungen geben, nur eine zuverlässige Beständigkeit.[20] Auch richtet die Persona „ihr Verhalten vornehmlich nach ihren eigenen Plänen aus, denn sie verhält sich völlig unabhängig davon, wie die Zuschauer/innen situativ reagieren.“[21] Die Verallgemeinerung tritt damit in Kraft. Jeder im angesprochenen Publikum wird gleich behandelt, keiner genießt einen besonderen Umgang. Anders als bei Freunden aus dem mittelbarem Umfeld, die eine Eigenständigkeit, Meinungen und individuelle Gefühle an den Tag legen und sich auf das Gegenüber einstellen und sich dementsprechend verhalten können.

„Was die Persona vor allem anbietet, ist eine dauerhafte Beziehung. Ihre Erscheinung ist ein regelmäßiges und verlässliches Ereignis, auf das man zählen, das man einplanen und in sein tägliches Leben mit einbeziehen kann.“[22] Reale Freunde, nennen wir sie echte Freunde, besitzen eben einen eigenen freien Willen, der sich von niemandem steuern lässt. Das macht sie zwar nicht unberechenbar, aber es bleibt doch immer eine Restwahrscheinlichkeit von unerwarteten Ereignissen, die sich in der Beziehung zwischen Freunden ereignen können. Speziell ist, dass die Persona von ihrem eigentlich weit entfernten Standpunkt aus für eine Illusion der Intimität sorgen kann. „Wir sprechen von Illusion, da die Beziehung zwischen der Persona und jedem Mitglied des Publikums unausweichlich einseitig ist und Gegenseitigkeit nur unterstellt wird.“[23] Trotzdem besteht die Option, dass die Persona die Distanz, die durch das Medium Fernsehen erzeugt wird, nahezu verschwinden lassen kann. Oft ist die Persona, die sich selbst oder eine fiktionale Rolle spielt, ein Gegenüber der ZuschauerInnen und greift auf die Form der direkten Adressierung zurück und redet, als ob er sich mit ihnen im privaten und persönlichen Gespräch befände.[24] Der Schein wird permanent aufrecht erhalten. „Das Publikum reagiert demgegenüber nicht nur mit fortlaufender Beobachtung; vielmehr wird es sanft in die Handlung der Sendung und ihre inneren sozialen Beziehungen eingeführt und im Verlauf der Inszenierung auf mehrdeutige Weise in eine Gruppe verwandelt, die abwechselnd beobachtet und teilnimmt.“[25]

So werden KonsumentInnen ins Geschehen miteingebunden, was eine Verbindung zum Dargestellten auslöst. „Das Spektakuläre an solchen Personae besteht in der Tatsache, dass sie eine Intimität buchstäblich mit Massen von Fremden beanspruchen und erreichen; und diese Intimität ist, auch wenn es sich um eine Imitation und einen bloßen Schatten der gewöhnlichen Wortbedeutung handelt, immens einflussreich und befriedigend für die Massen, die sie willig aufnehmen und daran teilhaben.“[26] Die RezipientInnen kennen sozusagen eine solche Persona in einer Art und Weise, wie sie ihre engsten Freunde kennen: durch direkte Beobachtung und Interpretation ihres Auftretens, ihrer Gesten und Stimme, ihrer Konversation und ihres Verhaltens in einer Vielzahl von Situationen.[27] Ist die persönliche Ebene zwischen Persona und RezipientIn gegeben, kann Vertrauen aufgebaut und Botschaften übermittelt werden, was besonders für die Werbung hilfreich sein kann.

Parasoziale Interaktion (PSI) ist ein Phänomen, welches beim Konsum von Fernsehinhalten nicht umgangen werden kann, denn „Hartmann et al. gehen davon aus, dass zu einer Persona immer (irgendwie geartete) PSI-Prozesse ablaufen, man also mit einer ‚anwesenden’ Medienperson nicht nicht parasozial interagieren kann.“[28] Dafür steht das folgende Kapitel, das eben diesen Vorgang veranschaulicht.

1.2.1. Zwei-Ebenen-Modell der PSI

Eine parasoziale Interaktion ist also etwas Unvermeidbares, nun dreht sich die Fragestellung nur noch um den Grad der Involvierung. Denn es hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie hoch beziehungsweise niedrig diese ist. Sympathie, Wiedererkennungswert und Belohnung spielen dabei einen großen Part. „Das konkrete Ausmaß der Auseinandersetzung eines Zuschauers mit einer gegebenen Persona dürfte zudem empirisch auf einem Kontinuum von ‚minimal’ bis ‚sehr stark’ einzuteilen sein. Hartmann et al. modellieren daher die Gegenüberstellung zweier prototypischer Intensitätsausprägungen, nämlich einer oberflächlich- schwachen Beschäftigung mit einer Persona (so genannte Low-Level-PSI) und einer intensiv- starken Beschäftigung (so genannte High-Level-PSI):“[29]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Zwei-Ebenen-Modell parasozialer Interaktion

Die Darstellung zeigt wiederum den Einfluss, den die Persona auf RezipientInnen ausübt, geht aber weiter ins Detail als die vorangegangene Abbildung und definiert diesen. Sie vermittelt unter anderem die wichtige Tatsache, dass eine parasoziale Interaktion (PSI) als Grundstein einer parasozialen Beziehung (PSB) fungieren kann, die nachfolgend gleich geschildert wird. „Im Zuge der PSI werden dem Modell zufolge Informationen über die Medienperson gespeichert, bewertet und in ein Beziehungsschema überführt, das als individuelle Verankerung einer PSB verstanden werden kann und das über die Medienrezeption hinaus Bestand hat.“[30] Eben auch nach Beendigung des Fernsehkonsums präsent ist.

Die Ausgeprägtheit der parasozialen Interaktion spaltet sich in zwei Bereiche zwischen denen sich das Publikum einfindet, nämlich in High- und Low-Level-PSI. Eine Einteilung, die je nachdem wie intensiv sich die RezipientInnen in die gesendete Materie hineinfühlen können, starke oder schwache Involvierung zeigt. „Unter der Bedingung von High-Level-PSI zeichnet sich die Medienrezeption durch intensive Anstrengungen um das Verständnis der Persona aus, d.h. es werden möglichst viele Informationen zur Lage der Persona gesammelt und verarbeitet, so dass ein umfassendes Bild entsteht, ähnlich wie man es auch von Gesprächspartner/inne/n in einer realen Zweier-Interaktion gewinnen würde.“[31] Auf der anderen Seite, „bei Low-Level-PSI findet dagegen nur eine oberflächliche Kenntnisnahme der Handlungen und Aussagen der Persona statt, ohne dass tiefer gehende Gedanken über die Beweggründe und Ziele der Persona 'verschwendet' werden.“[32] Der Persona ist in diesem Modell demnach keine Relevanz beigemessen.

Die wechselseitige Eingeweihtheit zwischen der abgebildeten Persona und den ZuschauerInnen ist so immer eine Entscheidung der ZuschauerInnen.[33] Das Publikum legt fest, bestimmt und wählt TV Inhalte aus. Wie auch Wulff sagt: „Parasoziale Interaktion ist so kein Instrument versteckter Propaganda, der Rezipient kein willenlos den Manipulationen des Mediums ausgeliefertes Opfer.“[34] Die Zuschauerschaft entscheidet nach Bedürfnissen, eben um diesen gerecht zu werden und sie auszufüllen.

[...]


[1] Gleich, Uli/ Burst, Michael: Parasoziale Beziehungen von Fernsehzuschauern mit Personen auf dem Bildschirm. In: Groebel, Jo/ Vitouch, Peter/ Winterhoff-Spurk, Peter (Hg.): Medienpsychologie. Zeitschrift für Individual- und Massenkommunikation. Jg. 8/ Nr. 3. Opladen: Westdeutscher Verlag. 1996. S. 182.

[2] Gleich/ Burst: Parasoziale Beziehungen von Fernsehzuschauern mit Personen auf dem Bildschirm. 1996. S. 182.

[3] Auer, Manfred/ Kalweit, Udo/ Nüßler, Peter: Product Placement. Die neue Kunst der geheimen Verführung. Düsseldorf/ Wien/ New York: Econ Verlag. 1988. S. 60.

[4] Vgl.: http://enterprise.orf.at/2500/ (10.12.13; 12:53)

[5] Vgl.:http://www.medienhb.de/strukturen/werbung-sponsoring/nutzung-private-fernsehprogramme (10.12.13; 13:07)

[6] Schramm, Holger/ Hartmann, Tilo: Identität durch Mediennutzung? Die Rolle von parasozialen Interaktionen und Beziehungen mit Medienfiguren. In: Hoffmann, Dagmar/ Mikos, Lothar (Hg.): Mediensozialisationstheorien. Neue Modelle und Ansätze in der Diskussion. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 2007. S. 207.

[7] Ebd. S. 207.

[8] Schramm/ Hartmann: Identität durch Mediennutzung? 2007. S. 208.

[9] Vorderer, Peter/ Knobloch, Silvia: Parasoziale Beziehungen zu Serienfiguren: Ergänzung oder Ersatz? In: Groebel, Jo/ Vitouch, Peter/ Winterhoff-Spurk, Peter (Hg.): Medienpsychologie. Zeitschrift für Individual- und Massenkommunikation. Jg. 8/ Nr. 3. Opladen: Westdeutscher Verlag. 1996. S. 202.

[10] Schramm, Holger/ Hartmann, Tilo/ Klimmt, Christoph: Desiderata und Perspektiven der Forschung über parasoziale Interaktionen und Beziehungen zu Medienfiguren. In: Holtz-Bacha, Christina/ Kutsch, Arnulf/ Langenbucher, Wolfgang/ Schönbach, Klaus (Hg.): Publizistik. Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung. Jg. 47/ Nr. 4. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. 2002. S. 438.

[11] Vgl.: Ebd. S. 438.

[12] Vgl: Schramm/ Hartmann/ Klimmt: Desiderata und Perspektiven der Forschung über parasoziale Interaktionen und Beziehungen zu Medienfiguren. 2002. S. 445.

[13] Ebd. S. 445.

[14] Ebd. S. 445f.

[15] Schramm/ Hartmann: Identität durch Mediennutzung? 2007. S. 209.

[16] Horton, Donald/ Wohl, Richard: Massenkommunikation und parasoziale Interaktion. Beobachtungen zur Intimität über Distanz. In: Adelmann, Ralf/ Hesse, Jan/ Keilbach, Judith, u.a. (Hg.): Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft. Theorie-Geschichte- Analyse. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft. 2001. S. 75.

[17] Ebd. S. 75.

[18] Horton/ Wohl: Massenkommunikation und parasoziale Interaktion. 2001. S. 75.

[19] Ebd. S. 78.

[20] Vgl.: Ebd. S. 78.

[21] Schramm/ Hartmann: Identität durch Mediennutzung? 2007. S. 209.

[22] Horton/ Wohl: Massenkommunikation und parasoziale Interaktion. 2001. S. 77.

[23] Horton/ Wohl: Massenkommunikation und parasoziale Interaktion. 2001. S. 79.

[24] Vgl.: Ebd. S. 74.

[25] Ebd. S. 74f.

[26] Ebd. 2001. S. 76.

[27] Vgl.: Ebd. S. 76f.

[28] Schramm/ Hartmann: Identität durch Mediennutzung? 2007. S. 211.

[29] Ebd. S. 211.

[30] Schramm/ Hartmann: Identität durch Mediennutzung? 2007. S. 211.

[31] Ebd. S. 212.

[32] Ebd. S. 212.

[33] Wulff, Hans: Parasozialität und Fernsehkommunikation. In: Groebel, Jo/ Vitouch, Peter/ Winterhoff-Spurk, Peter (Hg.): Medienpsychologie. Zeitschrift für Individual- und Massenkommunikation. Jg. 8/ Nr. 3. Opladen: Westdeutscher Verlag.1996. S. 164.

[34] Ebd. S. 164.

Details

Seiten
43
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668408531
ISBN (Buch)
9783668408548
Dateigröße
738 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353755
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Note
2
Schlagworte
Werbung parasozial Product Placement Werbebotschaften parasoziale Interaktion parasoziale Beziehung Fernsehwerbung parasoziale Beziehungen Werbebotschaft parasoziale Interaktionen

Autor

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Titel: Product Placement. Vermittlung von Werbebotschaften durch parasoziale Interaktionen & Beziehungen