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Gesellschaftliche Tabubrüche und ihre Bedeutung vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute

Behandelt an Heinrich von Kleists "Die Marquise von O."

Bachelorarbeit 2013 28 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Tabu

3. Angedeutete Tabubrüche
3.1. Verschlafene Vergewaltigung
3.2. Uneheliche Schwangerschaft
3.3. Beginnende Inzest

4. Explizite Grenzüberschreitungen
4.1. Das öffentliche Eheversprechen
4.2. Verlassen des Elternhauses
4.3. Doppelte Hochzeit mit dem Verbrecher

5. Der Zwiespalt von gut und böse in drei Diskursen
5.1. Aus religiöser Sicht
5.2. Auf militärischer Basis
5.3. Auf sozialer Ebene

6. Im Wandel der Zeit

7. Exposé

8. Literaturverzeichnis
8.1. Primärliteratur
8.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Bei der Betrachtung des Textes Die Marquise von O… vom Autor Heinrich von Kleist kristallisiert sich ganz klar eine Linie von Tabubrüchen heraus. Hier findet sozusagen eine Anhäufung von moralischen Grenzgängen statt, die Kleist gekonnt in verschiedenster Art und Weise in Szene setzt. „Die Erzählung ist in der Tat ein Dekonstruktionsprozeß zerbrechender Normen“,[1] der von den Hauptfiguren im Werk getragen wird.

Der Bruch mit den Erzählkonventionen des 19. Jahrhunderts hätte kaum krasser ausfallen können, als er sich in Kleists Novellen darstellt.[2] Dementsprechend heftig sind die damaligen Reaktionen der RezipientInnen ausgefallen. Verbote, Sperren sowie starke Ablehnungen beim Publikum und in den Medien waren nur einige der Auswirkungen. Das alles konnte nur mit dem zeitlichen Voranschreiten der Toleranz oder auch der Modernisierung überbrückt werden. Denn „Heinrich von Kleists ‚Die Marquise von O…’ (1807/08) ist in der deutschen Literatur vielleicht derjenige Text, der am häufigsten mit dem Verbrechen der Notzucht/ Vergewaltigung in Verbindung gebracht wird.“[3] Diese Enttabuisierung, wie sie Kleist beabsichtigt hatte, um vielleicht das Volk zu schockieren, wach zu rütteln und ihnen das wahre erschreckende Gesicht der Gesellschaft als Spiegel vor zu halten, kann als Offenlegung von Scheinheiligkeit unter den Menschen ausgelegt werden.

Durch die Literatur werden Tabus immer wieder gebrochen, indem nur allein das Verbrechen an sich thematisiert wird.[4] An die Darstellung auf der Bühne ist dabei noch gar nicht zu denken. „Da die Vergewaltigung in der Literatur nur selten zu einem Gerichtsfall geworden ist, entgeht dieses Verbrechen einer kriminologisch orientierten Literaturwissenschaft.“[5] So auch bei Kleist, wo die Erzählung sogar mit einer Hochzeit von Vergewaltigter und Vergewaltiger endet. Im weitesten Sinn, mit einem happy end.

In der folgenden Arbeit wird nach einer allgemeinen Begriffserläuterung von Tabu und Moral, ein Abriss der Darstellungen Kleists in zwei grundlegende Punkte unterteilt. Einerseits die angedeuteten Tabubrüche, die nicht ausgeschrieben im Text genannt werden, sondern bloß zwischen den Zeilen herausgelesen werden können. Daher implizit von der Leserschaft angenommen werden können, worunter die Vergewaltigung in der Ohnmacht, die uneheliche Schwangerschaft und die überaus erotische Szene zwischen Vater und Tochter fallen. Andererseits die expliziten Grenzüberschreitungen, die direkt und offensichtlich ausgeschrieben in der Erzählung genannt werden. Darunter zählen die Zeitungsannonce, die Flucht der Marquise vor ihren Eltern und die Vermählung der Geschändeten mit dem dafür verantwortlichen Verbrecher.

Mit den drei Diskursen auf religiöser, militärischer und sozialer Ebene bekommt die Sicht auf Tabuverletzungen themenspezifisch dann eine gewisse Unterteilung. Abschließend versucht die im Rahmen des Bachelorseminars verfasste wissenschaftliche Ausführung auch den Wandel der Zeit in den Ansichten der Leserschaft von der ersten Erscheinung des Werkes bis heute wiederzugeben.

2. Der Begriff Tabu

Bevor genauer auf die in Kleists Die Marquise von O… verwendeten Darstellungen von Durchbrechungen gesellschaftlicher Tabus eingegangen werden kann, muss zuallererst der Begriff Tabu an sich abgesteckt werden.

Dagmar von Hoff hat ihn folgendermaßen definiert: „Der Begriff Tabu wird heute im umgangssprachlichen Verständnis als Bezeichnung für all jene ‚verbotenen’ Themen, Bereiche, Dinge benutzt, über die man nicht sprechen kann und die man nicht tut, deren Verbot (Tabuierung, Tabuisierung) aber im allgemeinen weder rational legitimiert noch funktional begründet ist.“[6] Dabei lassen sich zwei Gruppen von Tabus unterscheiden. Zum einen kann ein Tabu gesetzlich festgeschrieben sein, wobei dann ein Tabubruch gleichzeitig auch ein Rechtsbruch ist. Zum anderen ist es möglich, dass ein Tabubruch nur gesellschaftlich nicht akzeptiert ist, wobei er vom Gesetz her aber erlaubt ist, somit wird beim Tabubruch keine Straftat begangen. Daher „existieren keine geregelten und einklagbaren Sanktionen, die bei der Durchbrechung eines Tabus drohen, es sei denn, der Tabubruch sei mit einem Rechtsbruch identisch.“[7] In der Geschichte der Marquise begegnen der Leserschaft beide Arten des gesetzlich festgelegten legalen sowie illegalen Tabubruchs.

Das Vorhandensein von Tabus, Regeln und Gesetzen, ob jetzt gesellschaftlich oder staatlich gesehen, soll in erster Linie die Ordnung zwischen den Mitmenschen aufrechterhalten. Denn ohne sie wäre ein unermessliches Chaos auf der Welt vorprogrammiert. „Funktional haben Gesetze und Tabus zwar Gemeinsamkeiten, insofern sie Verhaltensweisen und Handlungen regeln“,[8] jedoch sollen sie generell dabei helfen, dem Verfall der Prinzipienmoral entgegenzuwirken.[9] Besonders „wenn Krisen und Verfallserscheinungen in der modernen Gesellschaft beklagt werden und von Wertewandel und Werteverlust die Rede ist, erscheint das Tabu als rettende Bastion“[10] und wird zum sicheren Rückzugsort.

„Zu den Themenbereichen, die mit einem Tabu belegt werden können, gehören neben sakralen auch solche der Sexualität, doch lassen sich noch andere Bereiche nennen, wie politische, gesellschaftliche und persönliche Tabus.“[11]

Die Überschreitung der moralischen Grenzen ist in der Literatur vielfach behandelt, so lässt sich erkennen, dass schriftliche Bearbeitungen verpönten Sachlagen oft eine bestimmte Richtung geben. „Auffallend ist, daß der Tabubegriff, wie er an den Inzest gekoppelt ist, in einigen Texten der Gegenwartsliteratur eine Renaissance erlebt.“[12] So wird eine „enge Verbindung der Begriffe Tabu und Inzest deutlich.“[13] Die Assoziation dieser beiden Begriffe ist einfach unumgänglich. Es ist undenkbar, gesellschaftlich und rechtlich, Inzest zuzulassen. Diese Tatsache wird sich vorausschauend ebenso auch in der Zukunft niemals ändern, was unter anderem bei den Themen der vorehelichen Vereinigung oder unehelich geborenen Kindern anders ist. Zumeist wird der Begriff des Tabus ebenso an die Vorstellung sexueller Freiheit oder aber Regulierung gebunden,[14] wobei natürlich je nach zeitlichem Kontext gewisse Anpassungen sowie Änderungen in der Bevölkerung stattfinden.

Beim Sachverhalt der Vergewaltigung herrscht eine zeitunabhängige Null-Toleranzgrenze, die in der Literatur sehr ausgedehnt werden kann. „Die auf der Vergewaltigung liegenden Tabus sollen in provozierender Weise gebrochen, die gewaltsamen Geschlechterverhältnisse dekuvriert werden.“[15] Genau wie es auch Kleist seiner Zeit für die Nachwelt festgehalten hat.

3. Angedeutete Tabubrüche

„In der erzählenden Prosa gab es andere Möglichkeiten, das Geschehen zu vermitteln, wenn es nicht ‚zwischen den Zeilen’ angedeutet wurde, wie in Kleists Erzählung Die Marquise von O…[16] Implizit im Text enthaltende Hinweise für die RezipientInnen liegen bekanntlich im Auge des Betrachters. Jedoch wendet Kleist dermaßen einen Fingerzeig an, dass man als Leser gar nicht die Möglichkeit hat, darüber hinweg zu sehen. Viel Interpretationsspielraum gibt es da nicht mehr. Auch wenn beim erstmaligen Lesen nicht gleich die ausschlaggebende Textstelle für einen Sachverhalt bestimmt werden kann, ist doch klar, dass es so ist. Spätestens im zweiten Durchgang lassen sich die gesuchten Textstellen finden. Ebenso wenn nicht alles wörtlich ausgesprochen wird, was die moralischen Grenzgänge betrifft, so sind sie dennoch vorhanden. „Wie jedoch der Leser im Lauf der Lektüre daran arbeiten mag, sein Wissen zu erhärten, so arbeitet das Bewußtsein der Marquise umgekehrt daran, das unbewußte Wissen aufzuweichen, abzustoßen, zu verdrängen.“[17] So weiß der Leser oft noch vor den fiktionalen Figuren der Erzählung, womit sie es zu tun haben. Jedoch „was die Marquise wirklich gewußt, was sie verdrängt und was sie von ihrem Bewußtsein abgespalten hat, ist Spekulation, die den Textsinn nicht erhellt.“[18]

Wahrscheinlich kann eben nicht alles in Buchstaben schwarz auf weiß festgehalten werden. Gerade bei so heiklen Themen, man bedenke der Text entstand Anfang des 19. Jahrhunderts, musste beziehungsweise sollte ein Tabu eben auch ein Tabu bleiben, die Moral sowie die Ehre und der Schein des Guten um jeden Preis aufrecht erhalten werden. Undenkbar Vergewaltigung, uneheliche Kinder oder Inzest beim Namen zu nennen. Erst recht nicht in der eigenen Familie. „Das Wissen um die sexuelle Herkunft (…) stellt ein machtloses Wissen dar und kann allein mit den Mitteln der Sprache, im ‚Geständnis’, nicht verifiziert werden“,[19] weil es eben auch moralisch verwerflich ist Tabus öffentlich beim Wort in die Welt zu tragen.

3.1. Verschlafene Vergewaltigung

Bereits die Titelüberschrift einer verschlafenen Vergewaltigung ist verstörend. Denn wie kann eine Vergewaltigung verschlafen werden? Ein Ding der Unmöglichkeit. Denkt man. Doch im Falle der Marquise ist es eher im Schockzustand der Ohnmacht passiert. „Was Heinrich von Kleist in der Erzählung Die Marquise von O… elliptisch erzählt, wird auch später innerhalb der Erzählung nie wörtlich ausgesprochen: Der Graf F. hat den Geschlechtsverkehr an einer ohnmächtigen Frau vollzogen.“[20] Während des Lesens kommt innerlich die Frage immer wieder auf, wo denn nun diese unwissende Schwängerung stattgefunden haben soll. Da die Stelle des Geschehens nicht sonderlich ausgezeichnet ist und nicht einmal die Betroffene weiß, wann und wo diese Tat passiert sein soll und überhaupt wer sie begangen haben soll. Dafür muss etwas genauer hingesehen werden:

„Hier- traf er, da bald darauf ihre erschrockenen Frauen erschienen, Anstalten, einen Arzt zu rufen; versicherte, indem er sich den Hut aufsetzte, dass sie sich bald erholen würde; und kehre in den Kampf zurück.“[21]

Diese Textstelle wird als der berühmteste Gedankenstrich überhaupt gesehen, wobei erst in der Nachrezeption sein vollkommener Sinn erschlossen werden kann. „Der Strich begleitet eine Darstellung, die ohne ihn auskäme, die durch die Markierung der Stelle aber nachträglich überflutet wird von Sinn, der im Fortgang der Erzählung sich aufdrängt.“[22] In diesem Fall kann von einer klassischen Überinterpretation gesprochen werden. Jedoch versucht jeder für sich das Geschehen, also den Zeitpunkt der Schwängerung, zu lokalisieren. Beim Lesen löst so ein Verdacht den nächsten ab. Kurzweilig kann die Vermutung sogar auf den Vater der Marquise fallen, der in einer die Grenzen überschreitenden Szene mit seiner schwangeren Tochter in Versöhnung liegt. Nichts desto trotz ist weder für den Leser noch für die Marquise von Anfang an ersichtlich, wie die Tatsache des ungeborenen Babys zustande gekommen ist. „Gerade weil dort nicht das Verbrechen selbst gezeigt wird, wird dort die Aufmerksamkeit auf das Danach der Tat gelenkt, auf die emotionalen und sozialen Folgen für das Opfer.“[23] Wichtig werden dann eben nicht die Umstände, wie es dazu gekommen ist, sondern wie mit der vorhandenen Situation umgegangen wird. Die innere Entwicklung der Marquise sowie die ihres Umfeldes legen sich so im Fokus offen. „Schließlich- und dies ist der Kern der Geschichte- bildet der Koitus selbst im Gedächtnis der Marquise eine Leerstelle, einen weißen Fleck, eine mentale Abwesenheit.“[24] Diese kann erst im Verlauf der Geschichte gefüllt beziehungsweise aufgeklärt werden.

Im Gegensatz dazu steht das Wissen der Marquise über die genauesten Personalien des Grafen, was einen Bruch in der Erzählung darstellt. Es wird nämlich nicht aufgeklärt, wie dieses Wissen an sie gelangt ist. Es ist einfach vorausgesetzt, einfach vorhanden. „Trotzdem ist sie, die soeben aus einer langen Ohnmacht erwacht ist die Wissende, wohlgemerkt in diesem einen Punkt, während die Hauptsache, der Beischlaf, ihrem Bewusstsein unzugänglich bleibt.“[25] Vielleicht ist an dieser Stelle Fantasie gefragt, immerhin hat der Graf unter Beachtung der höfischen Konvention seine Dame aus dem Brennpunkt des Geschehens geführt, wo sie Zeit hatten, Persönliches auszutauschen, um sie dann, kaum der sexuellen Aggression der Soldateska entronnen, selbst zu schwängern.[26] In der ausgeführten Doppelmoral des Grafen zeigt er zuerst seine ehrenhafte Seite, rettet die Hilfsbedürftige, dann kehrt er sich innerlich um und nimmt genau die Rolle an, die vorher die potentiellen Peiniger, also die Soldaten, innehatten. Eine Umwandlung vom Retter zum Verbrecher findet statt. Daher kann die Bewahrung der Marquise eigentlich auch als Frauenraub oder Verschleppung einer Frau als Kriegsbeute gesehen werden. In Ausnahmezuständen, wie auch im Krieg, lösen sich Regeln und Gesetze in Luft auf. Jeder schaut oft nur noch auf sein eigenes Wohl. Es wird geplündert, vergewaltigt, gemordet. Da geraten auch Anführer, wie es der Graf ist, aus dem Ruder. Diese Taten werden dann als Fehltritt verbucht und nicht länger beachtet, da es ja nicht unter Normalumständen geschah. „Der Graf F. hatte an einer bewußtlosen Frau den Beischlaf vollzogen und machte sich damit nach § 1048ff. der Notzucht schuldig“,[27] wenn die geltende Rechtsnorm berücksichtigt werden würde. „Der erzwungene Geschlechtsakt, durch den das Kind gezeugt wurde, war nach (…) dem ‚Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten’, als Notzuchtshandlung zu bewerten.“[28] Die Marquise hätte sogar das Recht gehabt ihren Peiniger anzuzeigen, nur war das für die damalige Zeit wohl schlecht bis gar nicht durchführbar. Wer hätte ihr schon geglaubt?

Außerdem plagten den Grafen unermessliche Schuldgefühle, so rief er bei seiner Exekution „Julietta! Diese Kugel rächt dich!“[29] und er gibt dem Vater der Marquise gegenüber zu, dass er „die einzige nichtswürdige Handlung, die er in seinem Leben begangen hätte, (…) schon im Begriff sei, sie wieder gutzumachen.“[30] Da ist die Einsicht und Reue des Grafen sowie der Drang sein Vergehen wieder zu begleichen, deutlich erkennbar. Dem stützt sein Traum des Schwanes Thinka, den er in der umgewandelten Gestalt der Marquise sieht. „In der Hitze des Wundfiebers, immer mit der Vorstellung eines Schwans verwechselt hätte, den er, als Knabe, auf seines Onkels Gütern gesehen; dass ihm besonders eine Erinnerung rührend gewesen wäre, da er diesen Schwan einst mit Kot beworfen, worauf dieser still untergetaucht, und rein aus der Flut wieder emporgekommen sei.“[31] Diese Vision kann als Metapher zur Vergewaltigung gestellt werden. „So löst das durch Rettung hervorgebrachte ‚reine Leben’ zugleich den Impuls aus, es als diese Reinheit wieder zu zerstören.“[32] Es bildet sich um den Grafen ein Bild eines trotzigen Jungen, der alles beherrschen will, wobei „das Verhältnis des Jungen zum Schwan wie das des erwachsenen Mannes zur Marquise erscheint von dem Wunsch geprägt, den Schwan, unberührbar wie er ist, glänzend weiß und rein, zu beschmutzen.“[33] Die Beschmutzung an sich kann wiederum als Markierung des Eigentums gesehen werden. Der Neid, niemand anderes als der Graf selbst, ist der Besitzer dieser wundervollen, perfekten, reinen Gestalt und sonst kein anderer. Auch liegt es in seiner Macht diese makellose Figur, ob jetzt Schwan oder Marquise, zu zerstören, denn ihn seiner Gewalt liegt die Bestimmung und das Schicksal der unter seiner Hand stehenden zerbrechlichen Gestalt. „Der Traum ist deshalb mehr als ein metaphorisches Eingeständnis der Schuld; es ist die Geschichte seines Begehrens.“[34] Im Traum kommt so zum Vorschein, was er sich in der Realität nicht zugestehen will. Sein Unterbewusstsein wollte die Schändung der Marquise, sonst hätte er es nicht getan, auch wenn er es in Nachhinein bereut. So lässt er auch kein Nein bei seinem Heiratsantrag gelten. Sie muss ihm gehören.

[...]


[1] Skrotzki, Ditmar: Kleists Die Marquise von O… Vom Ärgernis radikaler Wahrheiten und den Schwierigkeiten, damit umzugehen. In: Barthel, Wolfgang/ Loch, Rudolf (Hg.): Beiträge zur Kleist- Forschung. 1992. S. 53.

[2] Vgl.: Krumbholz, Martin: Gedanken- Striche. Versuch über ‚Die Marquise von O…’ In: Arnold, Heinz Ludwig (Hg.): Text + Kritik. Zeitschrift für Literatur. Sonderband 23. München: edition text + kritik Verlag. 1993. S. 125.

[3] Dane, Gesa: Zeter und Mordio. Vergewaltigung in Literatur und Recht. Göttingen: Wallstein Verlag. 2005. S. 235.

[4] Vgl.: Ebd. S. 268.

[5] Ebd. S. 269.

[6] Hoff, Dagmar von: Familiengeheimnisse. Inzest in Literatur und Film der Gegenwart. Große Reihe: Stephan, Inge/ Weigel, Sigrid (Hg.): Literatur-Kultur- Geschlecht. Studien zur Literatur- & Kulturgeschichte. Band 28. Köln/ Weimar/ Wien: Böhlau Verlag. 2003. S. 30.

[7] Dane, Gesa: Zeter und Mordio. S. 266.

[8] Dane, Gesa: Zeter und Mordio. S. 266.

[9] Vgl.: Hoff, Dagmar von: Familiengeheimnisse. S. 30.

[10] Ebd. S. 30.

[11] Dane, Gesa: Zeter und Mordio. S. 267.

[12] Hoff, Dagmar von: Familiengeheimnisse. S. 33.

[13] Ebd. S. 33.

[14] Vgl.: Ebd. S. 30.

[15] Dane, Gesa: Zeter und Mordio. S. 268.

[16] Dane, Gesa: Zwischen den Zeilen- hinter den Kulissen. S.188.

[17] Krumbholz, Martin: Gedanken- Striche. Versuch. S. 130.

[18] Pfeiffer, Joachim: Die wiedergefundene Ordnung. Literaturpsychologische Anmerkungen zu Kleists Die Marquise von O… In: Jahrbuch für internationale Germanistik. Heft 1. Bern/ Frankfurt am Main/ New York/ Paris: Verlag Peter Lang. 1987. S. 38.

[19] Gnam, Andrea: Die Rede über den Körper. Zum Körperdiskurs in Kleists Texten Die Marquise von O… und Über das Marionettentheater. In: Arnold, Heinz Ludwig (Hg.): Text + Kritik. Zeitschrift für Literatur. Sonderband 23. München: edition text + kritik Verlag. 1993. S. 170.

[20] Dane, Gesa: Zwischen den Zeilen- hinter den Kulissen: Zur literarischen Darstellung von Vergewaltigung. In: Hilbig, Antje/ Kajatin, Claudia/ Miethe, Ingrid (Hg.): Frauen und Gewalt. Interdisziplinäre Untersuchungen zu geschlechtergebundener Gewalt in Theorie und Praxis. Würzburg: Königshausen & Neumann Verlag. 2003. S.187.

[21] Kleist, Heinrich von: Die Marquise von O… Das Erdbeben in Chili. Stuttgart: Reclam. 2011. S. 5.

[22] Haverkamp, Anselm/ Vinken, Barbara: Die zurechtgelegte Frau: Gottesbegehren und transzendentale Familie in Kleists Marquise von O… In: Neumann, Gerhard (Hg.): Heinrich von Kleist. Kriegsfall- Rechtsfall- Sündenfall. Freiburg im Breisgau: Rombach Verlag. 1994. S. 131.

[23] Dane, Gesa: Zwischen den Zeilen- hinter den Kulissen. S.193.

[24] Gnam, Andrea: Die Rede über den Körper. S. 174.

[25] Hansen, Uffe: Der Aufklärer in extremis. Heinrich von Kleists Die Marquise von O… und die Psychologie des Unbewußten im Jahre 1807. In: Text & Kontext. Zeitschrift für germanistische Literaturforschung in Skandinavien. Sonderreihe. Band 33. Aufklärung als Problem und Aufgabe. Festschrift für Sven- Aage Jorgensen. Kopenhagen/ München: Wilhelm Fink Verlag. 1994. S. 219.

[26] Vgl.: Gnam, Andrea: Die Rede über den Körper. S. 173.

[27] Dane, Gesa: Zeter und Mordio. S. 249.

[28] Dane, Gesa: Zeter und Mordio. S. 249.

[29] Kleist, Heinrich von: Die Marquise von O… S. 8.

[30] Ebd. S. 12.

[31] Ebd. S. 17.

[32] Lehmann, Johannes: Rettung bei Kleist. In: Pethes, Nicolas (Hg.): Ausnahmezustand der Literatur. Neue Lektüren zu Heinrich von Kleist. Göttingen: Wallstein Verlag. 2011. S. 267.

[33] Haverkamp, Anselm/ Vinken, Barbara: Die zurechtgelegte Frau. S. 133.

[34] Ebd. S. 133.

[34] Krumbholz, Martin: Gedanken- Striche. S. 126.

Details

Seiten
28
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668398030
ISBN (Buch)
9783668398047
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353748
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Germanistik
Note
2
Schlagworte
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Titel: Gesellschaftliche Tabubrüche und ihre Bedeutung vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute