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Auswanderungswellen in neue Welten. Migrationstheorien und Beispiele für Migrationsbewegungen

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Allgemeines / Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Migrationstheorien
1.1. Sozial, ökonomisch, politisch-rechtlich, und umweltbedingte Migration
1.2. Push-Pull-Faktoren-Theorie

2. Einige Beispiele
2.1. Die Völkerwanderung
2.2. Der Marsch der Hugenotten
2.3. Irland
2.4. Deutschland seit 1871
2.5. Migration heute

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wenn man so etwas wie eine Geschichte der Migration verfassen wollte, müsste man bis an die Anfänge des Lebens zurückgehen, denn der Migration als Wanderung von einem Ort zum anderen scheint etwas Prinzipielles anzuhaften.

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz sieht im Blickwinkel der Evolution eine entscheidende Fähigkeit zur Weiterentwicklung in dem Umstand, dass Organismen gelernt haben, sich die Umstände auszusuchen, die ihnen die besseren Lebensumstände bieten.[1]

Heute kann man viele Gründe für eine Wanderbewegung beleuchten: Verknappung von Gütern ist ein sehr häufiger Grund, nehmen wir doch das Beispiel Irland her, als zwischen 1846 und 1850 ganze Dorfgemeinschaften in die neue Welt auswanderten. Durch die aus Europa eingeschleppte Kartoffelfäule war die Produktion von ausreichend Nahrungsmitteln unmöglich geworden, die Güter verknappten sich also und die Menschen wanderten aus, weil sie sich bessere Lebensumstände erhofften.

Ein weiteres Beispiel für Migration stellt die Bestätigung der Goldfunde in 1848 in Kalifornien dar. Der dadurch ausgelöste Goldrausch erfasste ganz Nordamerika und setzte bis 1849 über 100.000 Menschen von der Ostküste in Richtung Südwesten in Bewegung. Hier gibt es allerdings einen prinzipiellen Unterschied zum Beispiel Irland. Während die Menschen aus Irland auswanderten, da sie dort ihrer Lebensgrundlage beraubt worden waren, haben sich während des Goldrausches die Lebensumstände am Auswanderungsort nicht verschlechtert, aber der Destinationsort versprach höhere Lebensbedingungen infolge eines höheren Einkommens.

Daraus lässt sich also schließen, dass es verschiedene Gründe für Migration gibt, die sich in sozial, ökonomisch, politisch-rechtlich, und umweltbedingte Migration aufteilen lassen, worauf ich auf den nachfolgenden Seiten näher eingehen werde, bevor ich das Thema Irland analysieren möchte.

1. Migrationstheorien

1.1. Sozial, ökonomisch, politisch-rechtlich, und umweltbedingte Migration

Dieses Aufspaltungskonzept ist sehr scharf auf ein Bezugssystem zugeschnitten und zeichnet den Menschen als Individuum, das rein objektiv und rational handelt, d.h. dass Migration immer begründet ist. Nur den so. „Weltenbummler“ erfasst man damit nicht, da dieser dem Ruf der großen weiten Welt folgt. Diese Art der Migration ist aber als sehr untergeordnet anzusehen.

Grafisch ließe sich diese Aufteilung nun so darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine heikle Angelegenheit ist es jedoch, die verschiedenen Arten von Migration sauber zu trennen und das beobachtete Migrationsverhalten klar zuzuordnen, da z.B. die Gründung eines Haushaltes an einem entfernten Ort soziale (Hochzeit…) als auch ökonomische (niedrigere Lebenserhaltungskosten, besserer Job) Komponenten haben kann.

Der Begriff der sozial bedingten Migration ist sehr umfassend, damit sich möglichst viele Bereiche des menschlichen Lebens hier einordnen lassen können.

Politisch- rechtlich bedingte Migration kommt in unseren Breiten so gut wie gar nicht vor. Hier ist einerseits zu verstehen, dass jemand abwandern könnte, weil er mit dem politischen System in seinem Land nicht zufrieden ist. Nimmt man hier aber Deutschland und Österreich als Beispiel, so kommt man zur Erkenntnis, dass kaum jemand des politischen Systems wegen von Deutschland nach Österreich wandert, einfach weil die Unterschiede so marginal sind, dass sie vernachlässigbar sind.

Eine ganz andere Bedeutung bekommt diese Komponente beim Wanderverhalten, wenn eine Erscheinung wie Krieg auftritt. Hier hat sich die politisch- rechtliche Situation entscheidend verändert, was eine starke Migrationsbewegung mit sich bringt.

Nun bleibt noch die unweltbedingte Migration. Hier kann der Zugang z.B. über die Wohnraumbedingung passieren. So ist für eine Familie mit Kindern das Leben auf dem Land wahrscheinlich gesünder als in der abgasbelasteten Großstadt.

Es ist also geklärt, dass es gewichtige Faktoren gibt, die Migration auslösen können.

1.2. Push-Pull-Faktoren-Theorie

Eine weitere Theorie die versucht, Migrationsbewegungen zu erklären ist der Push-Pull-Ansatz von E.S. Lee von 1972.

Er versuchte eine Erklärung für Wanderbewegungen auf der individuellen Ebene zu suchen. So beschrieb er Wanderungen als Wirkkomplex von vier verschiedenen Faktoren:

1. Faktor in Verbindung mit dem Herkunftsgebiet
2. Faktor in Verbindung mit dem Zielgebiet
3. intervenierende Hindernisse
4. individuelle Faktoren

Die ersten beiden Faktoren umfassen laut Lee viele Faktoren, wie z.B. Lohnniveau, Arbeitsmöglichkeit, Klima, Qualität des Gesundheitssystems oder öffentliche Sicherheit.

In vorhergehenden Modellen war oft statistisch bewiesen worden, dass Migration abnimmt, je weiter die Distanz zwischen Start- und Zielort war. Lee fügt diesem Distanzfaktor im Punkt 3 noch objektive Hindernisse hinzu. Diese wären z.B. strikte Einwanderungsgesetze oder unzulässige Grenzen wie z.B. die Berliner Mauer.

Bei den individuellen Faktoren wird berücksichtigt, dass verschiedene persönliche Merkmale wie Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Beruf oder ethnische Herkunft Einfluss auf das Wanderungsgeschehen nehmen können. So wird eine Frau höchstwahrscheinlich nicht in ein Land auswandern, wo sie aufgrund ihres Geschlechts absolut kein mitspracherecht hat. Genauso wenig wird jemand in ein land einwandern, wenn er genau weiß, dass er dort wegen seiner ethnischen Herkunft gehasst wird.

Je nach individueller Wahrnehmung können also strukturelle Elemente ganz unterschiedliche Wirkungen entfalten. So kann eine ländliche Region mit gutem Schulsystem für Familien mit Kindern interessanter sein, während ein Single sich aufgrund langer Arbeitswege und größerem Freizeitwert lieber in der Stadt aufhalten.

Generell führt Lee die Entscheidung zwischen Wanderung und Nichtwanderung auf den Vergleich zwischen den Faktoren am Herkunfts- und am Zielort zurück.[2]

Lee führt weiters eine Liste von Push- und Pullfaktoren an:

Push-Faktoren

Wirtschaft

- Arbeitslosigkeit, kaum Einkommen
- Rohstoffe sind nicht verfügbar oder zu teuer
- strategische Überlegungen der Internationalisierung
- hohe Lohn(neben)kosten
- hohe Steuern und Abgaben
- hohe Umweltauflagen u.a. rechtliche Beschränkungen

Soziale Probleme

- Armut
- religiöse Verfolgung
- Unsicherheit
- (Rassen-)Diskriminierung

Ereignisse

- Katastrophen

Demographische Probleme

- Landknappheit
- Überbevölkerung

Politische Konflikte

- politische Verfolgung
- Gesetze
- Krieg
- Hohe Steuern
- Enteignung
- (Rassen-)Diskriminierung

Pull-Faktoren

Wirtschaft

- Hochkonjunktur
- große Arbeitsnachfrage
- gute Verdienstmöglichkeiten
- informelle Sektoren in der Stadt (leichter Zugang für illegale Einwanderer)
- gute Verkehrsanbindung
- Wirtschaftsförderprogramme

Soziale Vorteile

- Sicherheit
- gute Wohnmöglichkeiten, vor allem bei vorhandenem Familienbezug
- Toleranz (z.B. religiöse)
- Bildungsmöglichkeiten
- entwickeltes Gesundheitssystem
- breit gefächertes Freizeitangebot

Demographische Vorzüge

- ausreichendes Flächenangebot

Politische Vorteile

- günstige Einwanderungsgesetze
- Möglichkeit illegaler Einwanderung
- Akzeptanz[3]

2. Einige Beispiele

Die Geschichte zeigt, dass Wanderbewegungen in der Natur des Menschen liegen. Schon die Bibel berichtet vom alttestamentarischen Stammesvater Moses, der seine Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft mit al ihrem Hab und Gut in das verheißene Land führte. Auch wenn man mit biblischen Berichten sicher keine These untermauern kann, kann man doch davon ausgehen, dass dieser Geschichte ein tatsächliches Ereignis zugrunde liegt.

Wir können uns also darauf einigen, dass es schon immer Wanderbewegungen gab.

2.1. Die Völkerwanderung

Eine der größten und auch bedeutendsten Wanderbewegungen für die europäische Geschichte ist mit Sicherheit die Völkerwanderung. Die Gründe für dieses Ereignis, das die politische Situation in der bekannten Welt nachhaltig veränderte, sind vielfältig.[4]

[...]


[1] vgl. Lorenz, Konrad, Die Rückseite des Spiegels, München 1987, S. 71

[2] vgl. Lee, E.S., Eine Theorie der Wanderung, in: Szell, G., Regionale Mobilität, München 1972, S. 115-129

[3] Liste der Faktoren nach Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Push-Faktor, 17.06.2008

[4] Ernst Ravenstein formulierte bereits Ende des 19. Jahrhunderts die sieben Gesetze individueller Wanderung in seinem Buch The Laws of Migration. Klimatische Veränderungen, die zu Dürren oder Überschwemmungen führen, können ebenso Wanderbewegungen auslösen wie politische Ereignisse, Seuchen oder Übervölkerung. Kommen mehrere Ursachen zusammen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Abwanderung von großen Menschengruppen.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668402232
ISBN (Buch)
9783668402249
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353722
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
2
Schlagworte
Migration Migrationstheorie Wanderbewegung Weltgeschichte

Autor

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