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Das Target Costing in der Automobilbranche. Eine kritische Analyse

Hausarbeit 2017 26 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Methodische Vorgehensweise

2 Target Costing
2.1 Ursprung
2.2 Definition
2.3 Anwendungsbereiche

3 Der Target Costing Prozess
3.1 Instrumente zur Identifizierung von Kundenanforderungen
3.1.1 Expertenbefragung
3.1.2 Preisexperiment
3.1.3 Beobachtung tatsächlicher Marktdaten
3.1.4 Direkte Kundenbefragung
3.1.5 Indirekte Kundenbefragung (Conjoint Analyse)
3.2 Zielkostenfestlegung
3.2.1 Market into Company
3.2.2 Out of Competitor
3.2.3 Out of Company
3.2.4 Out of Standard Costs
3.2.5 Into and out of Company
3.3 Zielkostenspaltung
3.4 Zielkostenerreichung

4 Kritische Würdigung
4.1 Vor- und Nachteile des Target Costing in der Automobilbranche

5 Fazit
5.1 Zielerreichung
5.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beispiel Automobilindustrie: Merkmale und Ausprägungen

Abbildung 2: Definition der Stimuli nach der Voll-Profil-Methode

Abbildung 3: Beispiel von zwei Trade-Off-Matrizen in der Automobilbranche

Abbildung 4: Die Zielkostenfestlegung

Abbildung 5: Methoden zur Zielkostenfestlegung deutscher Automobilhersteller

Abbildung 6: Funktionsstruktur am Beispiel eines PKW

Abbildung 7: Funktionskomponentenmatrix am Beispiel der Automobilindustrie

Abbildung 8: Berechnung Zielkostenindex einer Komponente

Abbildung 9: Beispiel Zielkostenkontrolldiagramm

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Bei Betrachtung der größten Unternehmen der Welt im Jahr 2015 sticht heraus, dass fünf Konzerne aus den Top 21, der Automobilbranche angehören. Neben der Volkswagen AG und der Toyota Motor Corporation sind auch die Daimler AG, die General Motors Company und die Ford Motors Company in diesem Ranking zu finden. Alleine diese fünf Unternehmen haben im Jahr 2015 circa 940 Mrd. € Umsatz generiert.[1] Die gesamte Automobilindustrie hat im Jahr 2015 knapp 70 Millionen Personenkraftwagen (PKW) produziert.[2] Das sind fast 50% mehr PKW als zehn Jahre zuvor. Auch der PKW-Absatz soll in den nächsten weiterhin wachsen und im Jahr 2024 bereits die Marke der 90 Millionen abgesetzten PKW überschreiten.[3] Diese immensen Umsatzzahlen deuten auch darauf hin, dass die Automobilbranche eine sehr wettbewerbsintensive Industrie ist, die einem hohen Preis- und Qualitätsdruck ausgesetzt ist.[4] Der Druck ist auch auf die zunehmende Globalisierung zurückzuführen, die es Automobilherstellern ermöglicht, ihre Produkte weltweit anzubieten.[5] Eine besondere Herausforderung stellen jedoch die Käufer auf diesem Markt dar. Mit immer individuelleren Anforderungen und einem stetig steigernden Anspruchsniveau fordern die Käufer Automobilhersteller unternehmerisch heraus.[6] Da es sich beim Automobilmarkt um einen Käufermarkt handelt, müssen die Hersteller sich darauf konzentrieren, mit ihren Produkten möglichst viel Kundennutzen zu schaffen.[7] Präzise Marktforschung und zielgerichtetes Kostenmanagement sind für Automobilhersteller unabdinglich. Eine Kostenmanagementmethode die sowohl Marktorientierung als auch Kostenkontrolle verkörpert, ist die Methode des Target Costing. Diese Abhandlung untersucht, ob Target Costing eine adäquate Kostenmanagementmethode für die Automobilbranche darstellt.

1.2 Zielsetzung

Die Zielsetzung dieser Abhandlung ist es, den Ablauf des Target Costing Prozesses darzulegen und zu evaluieren, ob Target Costing eine adäquate Kostenmanagementmethode für Unternehmen in der Automobilbranche darstellt.

1.3 Methodische Vorgehensweise

Die Arbeit beginnt mit den theoretischen Grundlagen des Target Costing. Nachdem der Ursprung, die Definition und die Anwendungsbereiche der Zielkostenrechnung abgehandelt sind, werden die Instrumente zur Identifizierung von Kundennutzen präsentiert. Der Fokus in diesem Kapitel liegt auf der Conjoint Analyse. Im nächsten Kapitel wird der eigentliche Prozess des Target Costing anhand der Zielkostenfestlegung, Zielkostenspaltung und Zielkostenerreichung erläutert. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen des Target Costing als Kostenmanagementmethode in der Automobilbranche. Im letzten Kapitel werden die Resultate der Untersuchung dargelegt und die Zielerreichung wird evaluiert. Die Abhandlung endet mit einem Blick in die Zukunft des Target Costing in der Automobilindustrie.

2 Target Costing

2.1 Ursprung

Der Name „Target Costing“ geht zurück auf den japanische Bezeichnung „Genka Kikaku“. Genka Kikaku bedeutet übersetzt „Ursprung Preis Plan“ und hat seinen Ursprung im Jahr 1965 beim Automobilhersteller Toyota.[8] Target Costing kam besonders ab dem Jahr 1973 in den Fokus. Bedingt durch die Ölkrise wuchs der Wettbewerbsdruck in der Automobilbranche drastisch und Automobilhersteller mussten auf die veränderte Kostensituation reagieren.[9] Im deutsch- und englischsprachigen Raum taucht der Begriff Target Costing in der Managementliteratur erst Ende der 80er Jahre auf.[10] Ab Ende der 1980er Jahren wurde der Wettbewerb in der Automobilindustrie immens verschärft.[11] Grund dafür war neben der Globalisierung auch die erhöhte Individualisierung der Kundenbedürfnisse. Die hohe Produktvielfalt führte dazu, dass Automobilhersteller kaum von den Skaleneffekten profitieren konnten.[12] Das wiederum führt zu höherem Kostendruck. Anfangs konnten Automobilhersteller die höheren Kosten noch über effektive Preiserhöhungen an die Endkunden weitergeben. Mittlerweile jedoch sind Unternehmen zu drastischem Kostenmanagementmethoden wie dem Target Costing gezwungen.[13]

2.2 Definition

Target Costing, oder auch Zielkostenrechnung oder Zielkostenmanagement genannt, ist die systematische Planung und Beeinflussung von Kosten.[14] Es ist eine Kostenmanagementmethode bei der Kosten retrograde ermittelt werden. Statt der traditionellen Betrachtung, wobei der Produktpreis die Stückkosten sowie den Gewinn decken soll, bestimmt man hier eine Obergrenze der Kosten, um bei einem geplanten Umsatz ein festgelegtes Ergebnisziel zu erreichen.[15] Gleich in den frühen Phasen der Produkt- und Prozessgestaltung werden Kostenplanungs-, Kostenkontroll- und Kostenmanagementinstrumente hinzugezogen, um Kosten frühzeitig adäquat zu den Markt- und Kundenanforderungen gestalten zu können.[16] Die Leistungen und Kosten eines Produktes werden somit über den gesamten Lebenszyklus und folglich periodenübergreifend berücksichtigt.[17] Eine zentrale Bedeutung beim Target Costing nimmt die Kundenorientierung ein, denn statt der Frage „Was wird ein Produkt kosten?“ stellen sich Unternehmen die Zielkostenmanagement betreiben sich die Frage „Was darf ein Produkt kosten?“.[18] Damit Target Costing erfolgreich in Unternehmen angewendet werden kann, sind abteilungs- und unternehmensübergreifende Teams unabdinglich.[19] Nur so kann gewährleistet werden, dass die Kostenobergrenze des Produktes nicht überschritten wird.

2.3 Anwendungsbereiche

Hauptsächlich wird Target Costing in montageintensiven Branchen wie der Automobilindustrie sowie in der Elektronikbranche mit hoher Komplexität der Produkte und des Herstellungsprozesses verwendet.[20] Diese Branchen sind vornehmlich durch hohen Innovationsdruck und einer hohen Wettbewerbsintensität charakterisiert.[21] Produkte dieser Branchen sind durch eine hohe Variantenzahl und kurze Produktlebenszyklen gekennzeichnet. Hier kommt TC besonders in den Bereichen Produktentwicklung- und -einführung zur Geltung.[22]

3 Der Target Costing Prozess

3.1 Instrumente zur Identifizierung von Kundenanforderungen

Da der Target Costing Prozess grundsätzlich darauf abzielt, anhand der Kundenanforderungen den Zielpreis abzuleiten, ist der erste Schritt im Prozess des Target Costing das Identifizieren der Kundenanforderungen.[23] Um Kundenanforderungen oder Preise, von denen sich die Zielkosten ableiten lassen zu identifizieren, werden in der Praxis besonders die folgenden fünf Instrumente herangezogen[24]:

- Expertenbefragung
- Preisexperiment
- Beobachtung tatsächlicher Marktdaten
- Direkte Kundenbefragung
- Indirekte Kundenbefragung (Conjoint Analyse)

3.1.1 Expertenbefragung

Bei einer Expertenbefragung greift das Unternehmen auf eine ausgewählte Gruppe an internen Experten zurück. Diese Experten (z.B. Produkt Manager oder Marketingmitarbeiter) werden nach ihrer Meinung zu einem neuen Produkt befragt. Sie diskutieren die Kundenanforderungen für das neue Produkt und schätzen zum Beispiel die Marktchancen ein, das Marktvolumen, die Mitbewerberreaktion aber erläutern auch einen Preis, den sie persönlich für angemessen halten.[25] Auf diese Art und Weise können Unternehmen schnell Meinungen und Einschätzungen zu gewissen Kundenanforderungen für neue Produkte einholen ohne auf externe Ressourcen zugreifen zu müssen.

3.1.2 Preisexperiment

Das Preisexperiment ist eine Methode um herauszufinden, wie das Kaufverhalten der Kunden sich bei bestimmten Preisen eines Produktes verändert. Hierbei können Preisexperimente entweder in einer realen (Feldexperiment) oder einer nachgestellten (Laborexperiment) Kaufsituation durchgeführt werden. Das Unternehmen analysiert dann die Auswirkung von Preisänderungen auf den Absatz oder den Marktanteil.[26] Da Target Costing sich aber vorwiegend mit der Produkt- und Prozessgestaltung beschäftigt und nicht mit fertiggestellten Produkten, ist das Preisexperiment kein adäquates Instrument im Prozess des Zielkostenmanagements.

3.1.3 Beobachtung tatsächlicher Marktdaten

Eine weitere Möglichkeit die Unternehmen haben, um Kundenanforderungen zu identifizieren, ist das Beobachten tatsächlicher Marktdaten.[27] Für die meisten Märkte steht eine Vielzahl an Marktdaten zur Verfügung. Neben Absatzzahlen und Marktanteilen sind auch Daten über das Kaufverhalten von Kunden und deren Lieblingsmerkmale bei bestimmten Produkten vorhanden. Für innovative Produktneuheiten jedoch, stehen keine Marktdaten zur Verfügung und somit kann das Unternehmen über diese Informationsquelle keine Kundenanforderungen identifizieren.

3.1.4 Direkte Kundenbefragung

Bei der direkten Kundenbefragung werden Kunden unmittelbar auf deren Einschätzung ihres Preisverhaltens befragt. Der Preis wird bei dieser Methode isoliert betrachtet, ohne auf die Nutzenaspekte eines Produktes einzugehen. Diese isolierte Betrachtung des Preises verursacht beim Kunden ein atypisch hohes Preisbewusstsein.[28] Der Einsatz einer direkten Kundenbefragung im Zuge des Target Costing erscheint nicht als zielführend, da in keiner Weise auf den Kundennutzen des Produkts eingegangen wird.

3.1.5 Indirekte Kundenbefragung (Conjoint Analyse)

Die indirekte Kundenbefragung, oder Conjoint Analyse, ist eine Methode bei der Unternehmen auf Basis von Präferenzurteilen der Kunden indirekt die Preis-Absatz-Funktion ermitteln können.[29] Diese Methode basiert auf dem Sachverhalt, dass Kunden in realen Kaufsituationen nicht nur den Preis isoliert, sondern den Preis und den wahrgenommenen Nutzen eines Produktes gegeneinander abwägen. Diese Abwägung, auch Trade-Off genannt, wird im Zuge einer Conjoint Analyse untersucht.[30] Die Conjoint Analyse bildet das Fundament auf Basis dessen die Zielkostenrechnung erst durchgeführt werden kann.[31] Aufgrund der hohen Anwendbarkeit und Wichtigkeit der Conjoint Analyse im Zuge des Target Costings, wird der Ablauf einer Conjoint Analyse im Folgenden genauer betrachtet.

Im Zuge einer Conjoint Analyse werden die Versuchspersonen nicht direkt zu einem Preis befragt, sondern nach Kombinationen unterschiedlicher Merkmalsausprägungen samt unterschiedlicher Preise. Die Aufgabe der Versuchspersonen ist es, aus den verschiedenen Kombinationen ihre Präferenzen mitzuteilen. Aus den Ergebnissen der Befragung kann das Unternehmen ableiten, welche Leistungsmerkmale besonders wichtig für die Kunden sind und obendrein, für welche Leistungsmerkmale eines Produktes Kunden einen höheren Preis akzeptieren.[32] Bei der Durchführung einer Conjoint Analyse sind die folgenden fünf Schritte einzuhalten[33]:

1. Festlegung der Merkmale
2. Festlegung der Ausprägung jedes Merkmals
3. Design des Fragebogens und Durchführung der Befragung
4. Berechnung der Präferenzfunktion und der Teilnutzenwerte
5. Berechnung der Preisabsatzfunktion

Die Festlegung der Merkmale und deren Ausprägungen sind von zentraler Bedeutung für die Aussagekräftigkeit einer Conjoint Analyse (s. Abbildung 1). Deshalb sollten diese gemeinsam mit dem Management festgelegt werden und durch Gespräche mit Kundenfokusgruppen ergänzt werden.[34]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Beispiel Automobilindustrie: Merkmale und Ausprägungen

Sobald die Merkmale festgelegt sind, werden deren Ausprägungen bestimmt. Hier sollten in der Regel zwei bis fünf Ausprägungen pro Merkmal definiert werden.[35] Die Ausprägungen der Motorisierung sind beispielsweise 150 PS, 180 PS und 220 PS. Bei der Auswahl der Merkmale und deren Ausprägungen ist zu beachten, dass diese unter folgenden Gesichtspunkten ausgewählt werden[36]:

- Die Merkmale müssen aus Kundensicht kaufentscheidungsrelevant sein.
- Die Merkmale müssen durch den Hersteller beeinflussbar sein und technisch realisierbar.
- Die Merkmale müssen unabhängig sein, d.h. die Merkmale sollten sich nicht gegenseitig beeinflussen.
- Die Merkmale müssen in einer kompensatorischen Beziehung zueinander stehen. Das heißt z.B., dass die Befragten subjektiv beurteilen, dass wenn ein Auto eine bessere Motorisierung haben soll, diese durch einen höheren Spritverbrauch kompensiert werden kann.
- Die Merkmale dürfen keine K.O. Kriterien sein. Im Falle eines K.O. Kriteriums wäre die kompensatorische Beziehung nicht mehr gegeben, denn sobald ein Merkmal dabei ist, kann es aus Sicht der Probanden nicht mehr durch ein anderes kompensiert werden.
- Die Merkmale und deren Ausprägungen müssen begrenzt sein, um den Befragungsaufwand möglichst gering zu halten.

Nachdem die Merkmale und deren Ausprägung festgelegt sind, folgt das Design des Fragebogens und die Durchführung der Befragung. Bei der Art der Durchführung wird grundsätzlich zwischen zwei Methoden unterscheiden: Der Voll-Profil-Methode und der Trade Off-Matrix. Bei der Voll-Profil-Methode werden den Probanden alle Merkmale gleichzeitig vorgelegt und somit das volle Produktprofil präsentiert (s. Abbildung 2). Den Versuchspersonen werden dann z.B. zwei Autos zur Auswahl vorgelegt und sie müssen entscheiden, welches dieser beiden Autos sie präferieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Definition der Stimuli nach der Voll-Profil-Methode

Bei der Trade Off-Methode hingegen hat die Versuchsperson nur jeweils zwei Merkmale, die sie gegeneinander abwägt.[37] Für beide Methoden werden nun Stimuli definiert. Ein Stimulus ist eine Kombination von Eigenschaftsausprägungen, die dem Probanden vorgelegt werden. Bei der Voll-Profil-Methode setzt sich ein Stimulus aus der Kombination je einer Ausprägung aller Eigenschaften zusammen. Bei der Trade Off-Methode werden nur zwei Eigenschaften je Stimulus herangezogen. Daraus wird für jedes mögliche Paar an Eigenschaften eine Matrix gebildet. Je Matrix sieht der Proband nun die Kombination der Ausprägungen zweier Eigenschaften.[38]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : Beispiel von zwei Trade-Off-Matrizen in der Automobilindustrie

Nach der Befragung der Versuchspersonen werden bei der Voll-Profil-Methode, sowie bei der Trade-Off-Matrix-Methode die Ergebnisse ausgewertet. Die Ergebnisse spiegeln die Nutzenwerte der Kunden bezogen auf die Merkmale und deren Ausprägungen wider.[39] Das Automobilunternehmen aus dem Beispiel erkennt anhand der Daten, ob dem Kunden die Motorisierung, der Kraftstoffverbrauch, der Preis oder die Anzahl an Airbags am wichtigsten sind. Es lassen sich auch Abhängigkeiten erkennen, zum Beispiel wie viel € (Merkmal Preis) dem Kunden es wert ist, einen leistungsfähigeren Motor zu haben (Merkmal Motorisierung). Schließlich kann auch die Preis-Absatz-Funktion berechnet werden, um die Abhängigkeit des Verkaufspreises des Autos und der Absatzmenge zu ermitteln.[40]

Nach der erfolgreich durchgeführten Conjoint Analyse und den dadurch gewonnenen Kenntnissen über Kundenanforderungen und Kundennutzen, kann zum eigentlichen Target Costing Prozess übergegangen werden. Dieser ist idealtypisch in 3 unterschiedliche Kernelemente aufgeteilt: Zielkostenfestlegung, Zielkostenspaltung und Zielkostenerreichung.[41]

3.2 Zielkostenfestlegung

Die Zielkostenfestlegung ist der erste Schritt im Prozess des Target Costing. In dieser Phase wird der Zielpreis (Target Price), die Zielkosten (Target Costs), die Gewinnmarge (Profit Margin), die zulässigen Kosten (Allowable Costs) und die Standardkosten (Drifting Costs) bestimmt.[42]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Die Zielkostenfestlegung

Bei der Festlegung der Zielkosten wird zwischen fünf verschiedenen Vorgehensweisen unterschieden[43]: Market into Company, Out of Company, Into and out of Company, Out of Competitor und Out of Standard Costs. Diese wiederum können in drei Verfahren kategorisiert werden[44]: Market into Company und Out of Competitor gehören zur Substraktionsverfahren. Out of Company und Ouf of Standard costs fallen unter das Additionsverfahren und In and out of Company zum Gegenstromverfahren.

3.2.1 Market into Company

Die Festlegung der Zielkosten nach dem Market into Company Prinzip ist mit 47 Prozent die dominanteste Methode am Markt.[45] Die Popularität dieser Methode ist darauf zurückzuführen, dass diese Methode die einzige mit direktem Marktbezug ist und wird deshalb auch als Reinform des Target Costing gesehen.[46] Die konsequente Marktorientierung und Berücksichtigung der Markt- und Kundenanforderungen beim MIC Ansatz sind ausschlaggebend für eine erhöhte Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens.[47] Die Basis für die Berechnung der Zielkosten nach dem MIC Ansatzes ist der am Markt erzielbare Preis eines Produktes. Dieser Zielpreis wird mit Hilfe von Marktforschung ermittelt. Vom Zielpreis wird anschließend die geplante Gewinnspanne subtrahiert und es resultieren die zulässigen Kosten des Marktes. Als nächstes werden die zulässigen Kosten und die Standardkosten gegenübergestellt. Die Standardkosten sind die Kosten, die beim Produzieren eines Produktes unter Nutzung bestehender Technologien und Prozesse eines Unternehmens anfallen. Die Lücke zwischen zulässigen Kosten und Standardkosten nennt sich Ziellücke. In diesem Bereich werden nun die Zielkosten definiert. Je höher die Wettbewerbsintensität eines Marktes, desto geringer ist die Differenz zwischen zulässigen Kosten und Zielkosten.[48]

3.2.2 Out of Competitor

Beim Out of Competitor Ansatz leiten Unternehmen ihre Zielkosten über den direkten Vergleich mit den geschätzten Kosten des voraussichtlich kostengünstigsten Mitbewerberproduktes ab.[49] Diese Methode gilt als Ansatz mit indirektem Marktbezug, da Unternehmen die Marktorientierung über die Markt- und Kundenorientierung der Wettbewerber sicherstellen.[50]

[...]


[1] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12169/umfrage/top-unternehmen-der-welt-nach-umsatz/, Zugriff: 16.01.2017.

[2] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/159780/umfrage/weltweit-jaehrlich-hergestellte-pkw/, Zugriff: 16.01.2017.

[3] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/151752/umfrage/prognose-zur-entwicklung-des-weltweiten-pkw-absatzes/, Zugriff: 16.01.2017.

[4] Vgl. Hinterhuber, H., Matzler, K., (2004), S. 74; Hummel, T., Zander, E., (2008), S. 411.

[5] Vgl. Tietze, O., (2003), S. 60.

[6] Vgl. Tietze, O., (2003), S. 60; Vgl. Tietze, O., (2003), S. 63.

[7] Vgl. Hergeth, H., Peren, F., (1996), S. 9.

[8] Vgl. Rösler, F., (1996), S.11; Tani, T., Horváth, P., Wagenheim, S., (1996), S. 80.

[9] Vgl. Jentsch, K, Weidt, T., (1995), S. 367-368.

[10] Vgl. Arnaout, A., (2001), S. 20.

[11] Vgl. Heßen, H., Weßeler, S., (1994), S. 148.

[12] Vgl. Marschner, K., (2004), S. 88-89.

[13] Vgl. Becker, H., (2007), S. 170.

[14] Vgl. Schweitzer, M., Küpper, H. U., (2011), S. 723.

[15] Vgl. Plinke, W., Rese, M., Utzig, B. P., (2015), S. 249.

[16] Vgl. Horváth, P., (1993), S. 4.

[17] Vgl. Plinke, W., Rese, M., Utzig, B. P., (2015), S. 249.

[18] Vgl. Arnaout A., (2001), S. 32; Seidenschwarz, W., (1991), S. 199.

[19] Vgl. Plinke, W., Rese, M., Utzig, B. P., (2015), S. 249.

[20] Vgl. Arnaout, A., (2001), S. 291.

[21] Vgl. Buch, B., (1998), S. 106.

[22] Vgl. Stibbe, R., (2009), S. 103.

[23] Vgl. Buggert, W., Wielpütz, A., (1995), S. 69.

[24] Vgl. Simon, H., (1992), S. 109ff.

[25] Vgl. Alderson, W., Green, P.E., (1964), S. 216ff.

[26] Vgl. Schmalen, H., (1995), S. 32.

[27] Vgl. Wübker, G., (2004), S. 29.

[28] Vgl. Simon, H., (1992), S. 115-116.

[29] Vgl. Wübker, G., (2004), S. 30.

[30] Vgl. Simon, H. (1992), S. 116.

[31] Vgl. Seidenschwarz, W., (1993), S. 207.

[32] Vgl. Simon, H., (1992), S. 116.

[33] Vgl. Simon, H., (1992), S. 117.

[34] Ibid.

[35] Vgl. Tacke, G., Gehring, M., (2007), S. 990.

[36] Vgl. Backhaus, K., Erichson, B., (2006), S. 562-563.

[37] Vgl. Simon, H., (1992), S. 117.

[38] Vgl. Backhaus, K., Erichson, B., (2006), S. 564-565.

[39] Vgl. Tacke, G., Gehring, M., (2007), S. 992.

[40] Vgl. Simon, H., (1992), S. 117.

[41] Vgl. Gleich, R., Hofmann, S., Leyk, J., (2006), S. 145.

[42] Vgl. Freidank, C., (1994), S. 225; Hasegawa, T., (1994), S. 6.

[43] Vgl. Seidenschwarz, W., (1991), S. 199-200.

[44] Vgl. Ebert, G., (2011), S. 218.

[45] Vgl. Arnaout, A., (2001), S. 292.

[46] Vgl. Gleich, R., Hofmann, S., Leyk, J., (2006), S. 145.

[47] Vgl. Seidenschwarz, W., (1991), S. 199.

[48] Vgl. Gleich, R., Hofmann, S., Leyk, J., (2006), S. 145; Freidank, C-C., (1994), S. 227.

[49] Vgl. Meyer, J., (2003), S. 197.

[50] Vgl. Freidank, C-C, Zaeh, P., (1997), S. 239.

Details

Seiten
26
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668403062
ISBN (Buch)
9783668403079
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353638
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
Target Costing Automobil Automobilindustrie Automobilbranche Zielkostenmanagement Zielkostenrechnung Zielkostenspaltung Zielkostenerreichung Zielkostenfestlegung Toyota

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