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Occupy Wall Street. Eine Analyse der verwendeten Symbolik und Slogans sowie deren Bedeutung für die Bewegung

von Tim Maier

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1. Aufbau der Arbeit

2. Vom individuellen Protest zur sozialen Bewegung
2.1. Symbolik und Slogans als Teil der kollektiven Identität
2.2 Symbolik und Slogans als Mittel der Kommunikation
2.3 Zusammenfassung der Einflussmöglichkeiten

3. Fallanalyse: Symbolik und Slogans von Occupy Wall Street

4. Zusammenfassung der Forschung und Fazit

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. In der vorliegenden Arbeit sind sämtliche personenbezogenen Bezeichnungen geschlechtsneutral zu verstehen. Begriffe wie bspw. „Aktivisten“ umfassen folglich Frauen und Männer. Geschlechtsspezifische Bezeichnungen werden im Fall der Nutzung unmissverständlich durch Ergänzungen (bspw. männlich/weiblich) hervorgehoben.

1. Aufbau der Arbeit

Die Occupy Bewegung breitete sich nach der Besetzung der Wall Street am 17. September innerhalb von vier Monaten in über 1.500 Städten aus (vgl. The New York Times 2016: o.S.). Ziel dieser Arbeit ist es theoretisch zu erörtern, inwiefern diese schnelle Ausbreitung mit der verwendeten Symbolik und den verwendeten Slogans der Occupy Bewegung zusammenhängt. Da Occupy Wall Street als Anstoß des folgenden globalen Protestes zu verstehen ist, fokussiert sich die Analyse vor allem auf die Protestaktion in New York City.

In Kapitel 2 zeige ich zunächst auf, unter welchen Bedingungen Protestbereitschaft entsteht und durch welchen Mechanismus aus einzelnen Akteuren ein protestierendes Kollektiv wird. Anschließend überprüfe ich inwieweit Symbolik und Slogans im angesprochenen Vergemeinschaftungs- und Mobilisierungsprozess eine Rolle spielen (Kapitel 2.1). Kapitel 2.2 beschäftigt sich mit der Bedeutung von Symbolik und Slogans für die Kommunikation sozialer Bewegungen. In Kapitel 2.3 fasse ich dann die komplexen theoretischen Überlegungen noch einmal zu überprüfbaren Thesen zusammen.

Nachdem die theoretische Basis aufbereitet ist, führe ich in Kapitel 3 an Hand der Symbolik und den Slogans von Occupy Wall Street eine Fallanalyse durch. Dabei überprüfe ich, inwiefern sich die formulierten Thesen aus Kapitel 2.3 auf die verwendete Symbolik und Slogans von Occupy Wall Street übertragen lassen. Abschließend erfolgen im Fazit (Kapitel 4) der Erkenntnisgewinn aus den dargestellten Überlegungen und ein Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten.

2. Vom individuellen Protest zur sozialen Bewegung

Bevor es (wie im Fall von Occupy Wall Street) zum Aufbegehren gegen soziale Ungleichheit kommt, müssen gemäß Lars Schmitt drei Kriterien erfüllt sein:

- 1. muss es eine objektiv wahrnehmbare Krise bzgl. der Ungleichverteilung geben.
- 2. müssen Menschen unter dieser Krise und der Ungleichverteilung akut leiden.
- 3. muss die Krise und das daraus resultierende Leid als fremdverschuldet empfunden werden.

Erst wenn diese drei Anforderungen erfüllt sind, empfinden Individuen die Ausübung von Protest als legitim und werden aktiv (vgl. Schmitt 2007: 37f). Damit aus dem verstreuten Aufruhr einzelner Personen eine einflussreiche Dynamik entstehen kann, „(…) müssen kollektive Identitätsbildungsprozesse stattfinden, damit Protest auch in kollektiver Form vorgebracht wird.“ (Schmitt 2007: 38). Mit anderen Worten benennt Schmitt die Bildung einer kollektiven Identität als Mechanismus, durch den aus einzeln handelnden Aktivisten eine Protestbewegung entsteht.

Im folgenden Abschnitt überprüfe ich inwieweit Symbole und Slogans mit der Bildung kollektiver Identität zusammenhängen und somit ggfs. die Entfaltung einer Protestbewegung beeinflussen.

2.1. Symbolik und Slogans als Teil der kollektiven Identität

Dieter Rucht definiert kollektive Identität als „ ein Syndrom von Bewußtseins- (sic!) und Ausdrucksformen von mindestens zwei Personen, welche um ihre Zusammengehörigkeit (als Paar, Gruppe, Klasse, Ethnie, Nation usw.) wissen, diese - im Regelfall – handlungspraktisch demonstrieren und insofern auch von ihrer Umwelt als zusammengehörig wahrgenommen werden.“ (Rucht 1995: 10, Hervorhebung im Original, der Verf.). Die angesprochenen Bewusstseinsformen präzisiert Rucht weiter als ein auf (fiktiven) Gemeinsamkeiten basierendes „Wir-Gefühl“ das bestehen muss und welches die Gruppe nach außen hin abgrenzt. Als zweite Bedingung für die Bildung kollektiver Identität nennt er „Formen von Vergemeinschaftung“, die durch stetige Interaktion der Akteure stabilisiert werden und symbolisch nach innen und außen vermittelt werden (vgl. Rucht 1995: 10).

Symbolik und Slogans könnten folglich bei der Entstehung von Protestbewegungen das notwendige „Wir-Gefühl“ inhaltlich definieren, sowie dessen bereits angesprochene Repräsentation nach innen und außen verstärken. Als mögliche expressive Mittel nennt Dieter Rucht Kleidung, Anstecker, Zeichen, Fahnen, Lieder und Slogans. Zudem verweist er darauf, dass bereits der Zusammenschluss zu einem Massenprotest ein symbolisches Zeichen von Einheit ist (vgl. Rucht 1995: 15). Darüber hinaus setzt nicht nur der kollektive Protest an sich, sondern unter Umständen auch die Ortswahl des Protestes ein symbolisches Zeichen: „Locations carry meanings, and those meanings can telegraph the message that the movement wants to convey.” (Hammond 2013: 501).

Bei neuen sozialen Bewegungen wird gegenüber den klassischen sozialen Bewegungen auf eine noch größere Bedeutung der expressiven Mittel verwiesen. Es bestünden nicht mehr, wie bspw. bei den Arbeiterprotesten, sichtbare Klassen oder kollektive Deprivationserfahrungen, dementsprechend bedarf es expressiver Mittel die nach innen kollektive Identität stiften und nach außen eine Gegenkultur repräsentieren (vgl. Bonacker/Schmitt 2004: 210).

Nachdem bislang der Einfluss von Symbolik und Slogans auf den Bildungsprozess kollektive Identität erörtert wurde, analysiere ich im nächsten Kapitel die Rolle von Symbolik und Slogans bei der externen und internen Kommunikation sozialer Bewegungen.

2.2 Symbolik und Slogans als Mittel der Kommunikation

Für soziale Bewegungen ist die visuelle Kommunikation nach innen und außen als Rückversicherung kollektiver Identität zu einer primären Protest- und Mobilisierungsressource geworden (vgl. Fahlenbrach 2002: 20). Fahlenbrach betont, dass die expressiven Mittel dabei in der Regel eher emotional als kognitiv-rational sind und vor allem zur Polarisierung zwischen Freund und Feind dienen (vgl. Fahlenbrach 2002: 21). Diese Polarisierung entspricht ganz Luhmanns Protestverständnis: „Proteste sind Kommunikationen, die an andere adressiert sind und deren Verantwortung anmahnen.“ (Luhmann 1991: 135, Hervorhebung im Original, der Verf.).

Mit Bezug auf die Forschungsfrage sind den vorherigen Ausführungen zu Folge zwei Wirkungen denkbar: 1. Gesellschaftliche Probleme werden durch die primär emotionale Symbolik stark vereinfacht kommuniziert. 2. Dabei wird der reale Konflikt zwischen den vom Problem betroffenen Menschen und der für das Problem verantwortlichen Menschen symbolisch verschärft dargestellt.

Als weiterer Befund ist Protestkommunikation von einer zunehmenden Tendenz zur expressiven Selbstdarstellung der Aktivisten geprägt (vgl. Fahlenbrach 2002: 12).

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668398726
ISBN (Buch)
9783668398733
Dateigröße
932 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353582
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Occupy Wall Street Protest Symbolik Soziale Bewegung

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Titel: Occupy Wall Street. Eine Analyse der verwendeten Symbolik und Slogans sowie deren Bedeutung für die Bewegung