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Regulation von Allmendegütern in Brasilien

Ist die Verschränkung von Wasser und Wald ursächlich für Konflikte?

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1. Einleitung

2. Grenzen der Gutnutzung

3. Definition von Allmendegütern und Einordnung des Konflikts

4. Managementtheorien
4.1 Theorie des Leviathan
4.2 Privatisierungstheorie
4.3 Selbstverwaltungstheorie

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung

In der vorliegenden Arbeit sind sämtliche personenbezogenen Bezeichnungen geschlechtsneutral zu verstehen. Begriffe wie bspw. „Bürger“ umfassen folglich Frauen und Männer. Geschlechtsspezifische Bezeichnungen werden im Fall der Nutzung unmissverständlich durch Ergänzungen (männlich/weiblich o.Ä.) hervorgehoben.

1. Einleitung

Wie Spiegel Online berichtet, sind etwa 77 Millionen Menschen in Rio de Janeiro und São Paulo mit Wassereinschränkungen konfrontiert. Das Wasser wird fünf Mal die Woche für jeweils 18 Stunden am Tag abgestellt. Jahrelanger exzessiver Konsum und undichte Leitungen führten zum Wassermangel (vgl. Spiegel Online 2015: o.S.). Außerdem trocknen die großen Süßwasserreservate im Süden Brasiliens wegen des geringsten Regenanteils seit 30 Jahren zunehmend aus (vgl. Deutschlandfunk 2015: o.S.). Wissenschaftler machen die Regenwaldrodung dafür verantwortlich, da in Folge gerodeter Flächen weniger Luftfeuchtigkeit entsteht. Diese wird üblicherweise von Windströmungen aufgenommen und in Form von Regen über weiten Teilen des Landes entladen (vgl. Spiegel Online 2015: o.S.). Regierung und Bevölkerung müssen nun lernen, mit den verbliebenen, begrenzten Wasserressourcen verantwortungsvoll umzugehen.

Diese Arbeit verfolgt zwei Ziele: Zunächst werden die theoretischen Überlegungen verschiedener Autoren zur effektiven Regulation von Allmendegütern dargestellt. Durch die Abwägung und Kombination der theoretischen Ideen, sollen neue Erkenntnisse über den Umgang mit begrenzten Gütern ermöglicht werden. Als Zweites wird überprüft, ob Konflikte wie in Brasilien als neue Dimension der Allmende-Tragik angesehen werden können. Grund für diese Annahme ist, dass im Fall Brasilien eine Verschränkung der Allmendegüter Wasser und Wald vorliegt.

Zuerst ist es notwendig, die theoretischen Grenzen der Gutnutzung zu begründen. Anschließend erfolgen in Kapitel 3 die Definition von Allmendegütern und eine darauf basierende Einordnung des Konflikts in Brasilien. Im Hauptteil (Kapitel 4) werden Chancen und Schwächen der unterschiedlichen Regulationsansätze erörtert. Im Fazit werden die theoretischen Erkenntnisse gesammelt und ein Ausblick auf empirische Forschungsmöglichkeiten gegeben. Für die aktuelle Situation in Brasilien liegen nur wenige empirische Daten vor. Die in dieser Arbeit verwendeten Daten dienen hauptsächlich zur Veranschaulichung und Überprüfung möglicher Wirkungsszenarien.

2. Grenzen der Gutnutzung

In den Sozialwissenschaften wird schon lange über die Regulation begrenzter Güter diskutiert. Als Meilenstein gilt das Essay „The tragedy of the Commons” von Garret Hardin, aus dem Jahr 1968. Sein Ausgangspunkt ist die Annahme von Problemen, für die keine technische Lösung gefunden werden kann. Stattdessen ist es notwendig, menschliche Werte und Moralvorstellungen zu ändern (vgl. Hardin 1968: 1243). Auf die Situation in Brasilien übertragen bedeutet dies, dass Einschränkungen in der Wasserversorgung nicht lediglich durch technische Maßnahmen wie Leitungsreparaturen behoben werden können. Für einen nachhaltigen Wasserbestand müssen ebenso der Wasserverbrauch und die Rodung reduziert werden, was wiederum ein menschliches Umdenken verlangt.

Von besonderer Bedeutung ist die Verbrauchsreduktion begrenzter Güter bei gleichzeitigem Wachstum der Bevölkerung eines Landes oder einer Region. “If our goal is to maximize population it is obvious what we must do: We must make the work calories per person approach as close to zero as possible.” (Hardin 1968: 1243). Hardin führt an, dass Wachstum einer Population zwar als Anzeichen dafür genommen werden könne, dass sie in der Gutnutzung noch unter dem Optimum ist. Die am schnellsten wachsenden Populationen seien aber in der Regel die problematischsten (vgl. Hardin 1968: 1244).

Begründet wird dies durch eigennütziges Handeln, das dementsprechend in Kontrast zum Allgemeinwohl und zum nachhaltigen Umgang mit Allgemeingütern steht: „Ruin is the destination toward which all men rush, each pursuing his own best interest in a society that believes in the freedom of the commons.” (Hardin 1968: 1244). Um für jede Person das Optimum, trotz unterschiedlicher individueller Präferenzen, herauszuholen „Only a criterion of judgement and a system of weighting are needed.“ (Hardin 1968: 1244). Im folgenden Kapitel soll deshalb definiert werden, welche besonderen Kriterien den interessierenden Allgemeingütern Wasser und Holz zuzuordnen sind. Wie sich zeigen wird, bestimmen die Eigenschaften von Gütern maßgeblich deren Managementmöglichkeiten.

3. Definition von Allmendegütern und Einordnung des Konflikts

“Common properties share two important characteristics. The first is excludability (or control of access). […] The second basic characteristic of common-property resources is subtractability, that is, each user is capable of subtracting from the welfare of other users.” (Acheson u.a. 1990: 3; Hervorhebung durch den Verf.). „Subtractability“ kann mit Ostroms Rivalitätsverständnis um Güternutzung gleichgesetzt werden (vgl. Acheson u.a. 1990: 3). Obwohl bei beiden Gutformen ein offener Zugang besteht, sind öffentliche Güter (bspw. der Wetterbericht) im Gegensatz zu Allmendegütern nicht überlastbar (vgl. Ostrom 1999:30). Folglich besteht hingegen bei Allmendegütern, wie im Fall der brasilianischen Wasserressourcen, eine Rivalität um die Nutzungsanteile.

Besser veranschaulicht wird der Konflikt durch Ostroms Unterscheidung zwischen Ressourcensystemen und Ressourceneinheiten. Als Beispiele für Ressourcensysteme führt sie Grundwasserbecken, Seen und Meere an. Dementsprechend wird die dazugehörige Ressourceneinheit in Kubikmeter Wasser ermittelt (vgl. Ostrom 1999: 30). Durch Überlastung der Ressourceneinheiten, können Ressourcensysteme (wie der von Ostrom außerdem angeführte Wald) zusammenbrechen (vgl. Ostrom 1999: 32). Mit anderen Worten wird durch die Übernutzung der Ressourceneinheit eine ausreichende Reproduktion des Ressourcensystems gefährdet. Das Allmendegut kann in seiner Quantität und Qualität geschädigt werden (vgl. Burger u.a. 1999: 279). Ein Beispiel ist die Verschmutzung von Seen und Flüssen durch Industrie und Landwirtschaft, welche die Ressourceneinheit Kubikmeter Trinkwasser in Qualität und Quantität schädigen.

Zur vollständigen Ergründung des Konflikts, wird das bisherige Verständnis von Wasserknappheit noch präzisiert: „Wasser gilt dann als ein knappes Gut, wenn Probleme bei der Befriedigung der Wasserbedürfnisse auftreten. […] Von absolutem Wassermangel kann nur dann gesprochen werden, wenn zu wenig Wasser zur Verfügung steht, um selbst minimale Bedürfnisse (Trinkwasser, Hygiene) zu befriedigen.“ (Klaphake/Scheumann 2001: 3; Hervorhebung durch den Verf.).

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Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668398740
ISBN (Buch)
9783668398757
Dateigröße
733 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353579
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Allmendegüter Wirtschaftssoziologie Regulation Wasser Brasilien

Autor

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Titel: Regulation von Allmendegütern in Brasilien