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Partizipation im Museum durch Blogs und Blogparaden

Der Marta Blog und die Blogparade #BesucherMacht des Marta Herford Museums

Essay 2016 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Aufbau und Forschungsziele der Arbeit

2. Weblogs
2.1 Eigenschaften von Weblogs
2.2 Weblogs im Museumsmarketing – Nutzen und Voraussetzungen

3. Der Marta Blog
3.1 Einordnung des Marta Blogs in die digitale Strategie des Marta Herford
3.2 Inhaltliche Ausrichtung und Funktion des Marta Blogs
3.3 Kommunikationsstruktur innerhalb des Marta Blogs
3.4 Zwischenfazit: Weblog als partizipativer Kommunikationskanal?

4. Blogparaden

5. Blogparade #BesucherMacht des Marta Herford
5.1 Hintergrund der Blogparade des Marta Herford
5.2 Funktion der Blogparade #BesucherMacht des Marta Herford
5.3 Thema der Blogparade #BesucherMacht
5.4 Selektion der TeilnehmerInnen durch das Format Blogparade
5.5 Einordnung der Blogparade #BesucherMacht in die Partizipationstypen nach Nina Simon

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Aufbau und Forschungsziele der Arbeit

Da das Thema der Partizipation und Besucherbeteiligung in Museen sowohl vor Ort als auch im Netz im Rahmen der Web 2.0 Bewegung ein viel diskutiertes Thema darstellt, untersucht diese Arbeit vor allem die in Social Media Strategien integrierten Formate Blog und Blogparade auf ihre Strukturen und Möglichkeiten der Partizipation. Denn „Blogs sind eine prototypische Anwendung des Web 2.0 und stehen exemplarisch für die gestiegenen Möglichkeiten der Internetnutzer[Innen], aktiv zu den online verfügbaren Inhalten beizutragen“ (Schmidt 2008: 133).

Zentrale Fragen sind demnach vor allem, wie ein Blog und eine Blogparade die Partizipation von MuseumsbesucherInnen und -interessentInnen und die Einbindung dieser in den musealen Kontext steigern können und ob sie nicht bereits zu viel Einfluss an die TeilnehmerInnen abgeben. Dazu wird zuerst generell auf Blogs als Kommunikationskanal eingegangen, indem Charakteristika und Ziele des Formats benannt werden, um diese Erkenntnisse im Anschluss auf den Stellenwert des Blogs im Museumsmarketing zu übertragen. Als Praxisbeispiel dient das Marta Herford Museum mit dem Marta Blog. Nach einer Einordnung des Blogs in die digitale Strategie des Marta wird unter anderem die Funktion anhand der „Praktiken des Bloggens“ (2006: 31) nach Jan Schmidt untersucht, bevor auf die angestrebten Ziele und inhaltliche Ausrichtung des eingegangen wird. Um die Ausprägung und die Art der Partizipation durch den Marta Weblog zu erfassen wird zudem die Kommunikations-struktur untersucht.

Vergleichend werden, mithilfe der durch das Marta Herford initiierten Blogparade #BesucherMacht, die sich passend dazu ebenfalls thematisch mit Partizipation und deren Grenzen beschäftigt, Blogparaden auf ihre partizipativen Elemente untersucht. Dafür wird die Möglichkeit der Beteiligung innerhalb dieser mit dem offenen Konzept des Crowdsourcing nach Howe (vgl. 2008: 5) verglichen. Im Rahmen dessen wird das Thema und die Teilnehmerstruktur der Blogparade BesucherMacht betrachtet. Schlussendlich erfolgt eine theoretische Einordnung der Blogparade des Marta Herford in die Partizipationstypen nach Nina Simon.

2. Weblogs

2.1 Eigenschaften von Weblogs

Was ist ein Blog? Welche Ziele verfolgt er? Wie verstärkt er die Partizipation der NutzerInnen und welchen Mehrwert bietet er im Gegensatz zu anderen digitalen Plattformen? Um auf diese Fragen einzugehen, werden im Folgenden generell, sowie speziell auf das Museumsmarketing bezogen, die Möglichkeiten durch Blogs und dessen partizipative Eigenschaften erläutert. Blog – oder auch Weblog – setzt sich aus den Wörtern Web (World Wide Web) und Log (Logbuch) zusammen und ist ein öffentliches Tagebuch im Internet, das von einem/-r oder mehreren AutorInnen (BloggerInnen) geführt wird. Es werden meistens in gleichen Zeitabständen Inhalte wie Texte, Videos, Bilder und Sound in Nachrichtenform veröffentlicht, die chronologisch mit dem neusten Beitrag zuerst, auf dem Blog gesammelt werden. (vgl. Robes 2012: 35) Demnach kombiniert ein Blog die digitalen Formate Homepage und Diskussionsforum miteinander. Im Gegensatz zur klassischen Homepage, die statischen Charakter hat, sind Blogs ein Instrument der kontinuierlichen Kommunikation und des interaktiven Austausch, womit sie in die Gattung der sozialen Medien einzuordnen sind (vgl. Picot/Fischer 2006: 15). Dieser Austausch wird gefördert durch die typischen Elemente eines Blogs, wie die Kommentarfunktion, über die LeserInnen unter den einzelnen Beiträgen Bemerkungen hinterlassen und in Kontakt treten können, sowie die Funktion des RSS-Feed, durch den sich der/die LeserIn ähnlich wie durch einen Nachrichtenticker informieren lassen kann (vgl. Janner 2014: 159). Zudem sind Blogbeiträge durch die gute Online-Präsenz in Suchmaschinen und somit prominente Listung bei Google leicht aufzufinden und erfahren durch die Verlinkung in Zitaten, sowie über die Nennung in der Blogroll[1] einen hohen Vernetzungsgrad. Es entsteht ein Netzwerk von „aufeinander verweisenden Texten und verteilten Konversationen“ (Schmidt 2008: 122) von erfahrenen BloggerInnen, Unternehmen und Privatpersonen, das als Blogosphäre bezeichnet wird. Durch diese „Architektur des Mitwirkens“ (Janner 2014: 151) und die daraus entstehende Partizipation vieler unterschiedlicher Akteure formieren sich neue vernetzte Öffentlichkeiten, die die Leistung des Journalismus ergänzen und herausfordern (vgl. Schmidt 2008: 122), da sie authentisch und dialogorientiert sind. So kann ein Blogeintrag einerseits weitreichenden Einfluss auf die Meinungsbildung haben, da sich vor allem Journalisten über diese Plattform informieren und sie beobachten (vgl. Binder 2012: 50). Andererseits können erfolgreiche BloggerInnen die Aufgabe der JournalistInnen übernehmen und sie als Gatekeeper umgehen, da die Berichterstattung hier schneller als durch die traditionellen Medien erfolgt (vgl. Weinberg 2010: 100).

2.2 Weblogs im Museumsmarketing – Nutzen und Voraussetzungen

Den Vorteil der schnellen Publikation ohne den Umweg über Kommunikatoren kann sich auch das Museumsmarketing zu Nutze machen. Denn gerade die Institutionen, die „nicht fortwährend im Fokus der medialen Aufmerksamkeit stehen, müssen sich mehr […] um eine eigene Öffentlichkeit kümmern“ (Nachtigäller 2015). Dazu können Museen Corporate Blogs, Blogs, die von Organisationen selbst publiziert werden, einsetzen. Sie verfolgen die langfristigen Ziele, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen, die Marktposition zu verbessern, das Image innerhalb der Online-Community zu steigern und die Online-Präsenz auszubauen (vgl. Guidice 2007: 40).

Durch einen Blog kann ein Dialog mit den NutzerInnen auf Augenhöhe entstehen, der die Hemmschwelle nimmt, mit dem Museum zu kommunizieren. Dafür sollte sich jedoch das ganze Museum mit dem Blog-Projekt identifizieren können und „eine lockere und offene Kommunikationsform, die Kritik zulässt“ (Binder 2012: 51) vertreten. Eine „kontrollfixierte Unternehmenskultur“ (ebd. 55) würde den Gesprächsfluss hemmen.

Doch „derzeit ist Facebook [noch] das beliebteste Netzwerk unter den Museen“ (Binder 2012: 48). Corporate Blogs werden innerhalb der musealen Social Media Strategie oft nur „genutzt, um aktuelle Informationen über Ausstellungen, Veranstaltungen oder spezielle Aktionen“ (ebd. 54) zu vermitteln. In diesem Fall werden nur „reine Informationen wiedergegeben“ (ebd. 55), die keinen Gesprächsbedarf erfordern und den austauschorientierten und partizipativen Charakter des Blogs nicht voll ausnutzen.

3. Der Marta Blog

3.1 Einordnung des Marta Blogs in die digitale Strategie des Marta Herford

Dieser Vorteile von Corporate Blogs bedient sich auch das Marta Herford durch den anfänglich erwähnten Marta Blog, der zum Ziel hat, einen offenen und partizipativen Dialog anzuregen. Seit November 2014 verfolgt das Marta Herford, ein Museum für zeitgenössische Kunst, Architektur und Design, eine umfassende digitale Strategie, die auf der Analyse von Inhalten und Nutzerverhalten innerhalb der Sozialen Netzwerke beruht. Unter anderem führte diese zu der Erkenntnis, dass echte Dialoge mit NutzerInnen mehr Zuspruch finden, als zum Beispiel einmalige Gewinnspiele. Im Zuge dessen wurde das Strategieziel definiert, mehr auf die potentiellen BesucherInnen einzugehen und einen „Raum für Dialoge zu schaffen“ (van der Veen 2015a) um mit Ihnen persönlich in Kontakt zu treten, statt nur „virtuell präsent“ (ebd.) zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden unter anderem die genutzten digitalen Plattformen (Twitter, Facebook, Google+, Pinterest, Tripadvisor und Youtube) neu ausgerichtet und die Website erfuhr einen Relaunch. Zusätzlich wurde ein neuer Kommunikationskanal eingerichtet – der Marta Blog, der als Knotenpunkt der gesamten digitalen Aktivität dienen soll. (vgl. van der Veen 2015a)

Innerhalb des Blogs schreiben, um die Partizipation und den Dialog anzuregen, nicht nur der Direktor, Kurator und MitarbeiterInnen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Beiträge und Kommentare, sondern auch GastautorInnen und KünstlerInnen. Die Schreibenden werden auf einer eigenen Unterseite ausführlich visuell und informativ vorgestellt. Zusätzlich enthält jeder Beitrag einen Link, der auf diese Seite zurück verweist. Durch die stetige Präsenz der AutorInnen innerhalb des Blogs „verbinden die User ein Gesicht bzw. einen Namen mit dem Inhalt“ (Hartmann 2014: 174). Damit wird versucht, Authentizität zu erzeugen und gleichzeitig Distanz zu den NutzerInnen abzubauen. Um die Aufmerksamkeit zu erregen und zu fesseln ist die Sprache, wie in den meisten Blogs der Kunstszene, eher locker, geprägt von einem „feuilletonistischer Stil“ (Wendorf/Ollendorf 2011: 51). Der Marta Blog verfolgt, trotz verschiedener Autoren eine sehr einheitliche Schreibweise, die zu Gunsten der LeserInnen geprägt ist von klaren, nicht verschachtelten Sätzen und der Vermeidung fachspezifischer Termini. Selten wird die Leserschaft allerdings persönlich angesprochen, wenn doch wird, um den lockeren Stil beizubehalten, geduzt oder die Wir-Form benutzt.

Viele LeserInnen haben neben diesen Anforderungen zudem klare Erwartungen an Museumsblogs, wie informative, aktuelle und regelmäßige Beiträge und „schnelle Antworten auf Kommentare und Fragen“ (Robes 2012: 11), welche der Marta Blog größtenteils erfüllt. Im Eröffnungsmonat, Mai 2015 startete der Weblog mit zehn Beiträgen und publiziert seither kontinuierlich und in regelmäßigen Intervallen von wenigen Tagen zwischen sechs und zehn Beiträgen pro Monat.

[...]


1 „Eine Blogroll ist eine Empfehlungsliste [mit Verlinkungen zu Blogs] zu ähnlichen Themen“ (Janner 2014: 159).

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668395800
ISBN (Buch)
9783668395817
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353486
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Schlagworte
Museum web 2.0 Blog Blogparade digital Partizipation Marta Herford

Autor

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Titel: Partizipation im Museum durch Blogs und Blogparaden