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Mobile Computing in der Betriebswirtschaft

Diplomarbeit 2004 83 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

Verzeichnis der Abkürzungen

1 Einleitung

2 Grundlagen des Mobile Computing
2.1 Abgrenzung
2.2 Historie
2.3 Überblick über Betriebssysteme
2.3.1 Palm OS
2.3.2 Microsoft Windows Mobile
2.3.3 Symbian OS
2.3.4 Linux
2.3.5 Sonstige Betriebssysteme
2.4 Marktanalyse
2.5 Geräteüberblick

3 Basistechnologien und Zubehör
3.1 GSM, GPRS und UMTS
3.2 Infrarot
3.3 Bluetooth
3.4 Wireless LAN
3.5 Global Positioning System
3.6 Erweiterungsslots
3.7 Weiteres Zubehör

4 Standardfunktionen der Betriebssysteme
4.1 Windows Mobile
4.1.1 PIM
4.1.2 Office-Anwendungen
4.1.3 Synchronisation
4.2 PALM OS und Symbian
4.2.1 PIM und Office
4.2.2 Synchronisation
4.3 Programmierung
4.4 Einsatzmöglichkeiten

5 Anwendung in der Betriebswirtschaft
5.1 Sicherheit
5.1.1 Daten auf dem Gerät
5.1.2 Sicherer Netzwerkzugriff
5.2 Außendienst
5.2.1 Entwicklung
5.2.2 Mobile Datenerfassung im Außendienst bei der Jela Schuh GmbH
5.2.3 Außendienstunterstützung bei der Brauerei Ottakringer
5.2.4 Auftragsverteilung und Materialversorgung bei der FIDUCIA AG
5.3 Healthcare
5.4 Logistik
5.5 Einsatzgrad
5.6 Pro und Kontra

6 Zusammenfassung und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 1: Apple Newton MessagePad (1993)

Abbildung 2: Aktuelles Palm OS Gerät Tungsten T3 mit Tabellenkalkulation

Abbildung 3: Compaq Aero (1998)

Abbildung 4: Firmenanteile an Symbian Ltd

Abbildung 5: Nokia 9210 Communicator (2001)

Abbildung 6: Sharp Zaurus (2002)

Abbildung 7: Mobilfunkgenerationen

Abbildung 8: Drahtlose Übertragungstechnologien in Abhängigkeit ihrer Reichweite

Abbildung 9: Beispielkonfiguration eines Blutooth-Netzwerks mit 4 Geräten

Abbildung 10: Ad-Hoc Netz ohne Access Point

Abbildung 11: Infrastrukutrnetz mit 2 Access Points

Abbildung 12: Yakumo PDA delta 300 GPS

Abbildung 13: NaviLock GPS Bluetooth BT-

Abbildung 14: Speicherkarten, von links: Memorystick, SD Karte, CF Karte

Abbildung 15: SD GPS Empfänger

Abbildung 16: Seiko SmartPad in Verbindung mit Pocket PC HP iPAQ

Abbildung 17: Drahtloser Barcode Laserscanner mit Bluetooth-Schnittstelle

Abbildung 18: Wochenansicht mit belegten Zeiten

Abbildung 19: Kontaktansicht nach Name sortiert

Abbildung 20: Pocket Excel mit geöffneter Datei

Abbildung 21: Emailübersicht in Pocket Outlook

Abbildung 22: Synchronisation mit ActiveSync

Abbildung 23: OMA Oberfläche auf einem Microsoft Smartphone

Abbildung 24: Microsoft Exchange OMA und Active Server Sync Architektur

Abbildung 25: OneBridge Mobile Groupware Netzwerkstruktur

Abbildung 26: Einfacher Pocket PC Kennwortschutz

Abbildung 27: Grafischer Kennwortschutz VisKey

Abbildung 28: Biometrischer Zugriffsschutz, Fingerabdruckscanner beim HP iPAQ

Abbildung 29: movianVPN Client Oberfläche auf einem Palm OS Gerät

Abbildung 30: Schlüsselaustausch beim movianVPN Zugriff

Abbildung 31: movianVPN Xauth auf dem Palm Client

Abbildung 32: movianVPN Tunnel zwischen PDA und VPN Gateway

Abbildung 33: Architektur der mobilen Auftragserfassung bei Jela

Abbildung 34: Artikelvorauswahl mit Präsentation

Abbildung 35: Scorecard mit Bonitätsprüfung

Abbildung 36: Auftragsabwicklung der mobilen Lösung

Abbildung 37: m-doc Architektur

Abbildung 38: iPAQ PocketView ECG

Abbildung 39: Rettungsdienst: Dokumentation vor Ort (DEmgSvc) auf einem Nokia

Abbildung 40: MLS Mengenüberprüfung bei der Kommissionierung einer Position

Abbildung 41: Einsatzgrad der Lösungen auf mobilen Endgeräten

Abbildung 42: Gründe gegen den Einsatz von mobile Business

Abbildung 43: Gründe für den Einsatz von mobile Business

Verzeichnis der Tabellen

Tabelle 1: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Betriebssystem im Q2 2004

Tabelle 2: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Hardwarehersteller im Q2 2003/2004

Tabelle 3: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Betriebssystem im Q2 2003/2004

Tabelle 4: Funktionsüberblick aktueller Geräte

Tabelle 5: GPRS Codierungsverfahren

Tabelle 6: Frequenzbereich für 802.11b Funknetze

Tabelle 7: Anwendungsbereiche für mobile Lösungen

Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der noch sehr junge Computerbereich des Mobile Computing. Dieser in den letzten Jahren von der Industrie hochgepriesene Bereich wird derzeit vor die Frage der sinnvollen betriebswirtschaftlichen Anwendung gestellt. Geräte gibt es mittlerweile genug. Durch starke Konkurrenz der Hardwarehersteller sind PDAs heutzutage sehr leistungsstark und können in vielen Unternehmensbereichen und deren Umwelt eingesetzt werden. Nach einem Überblick über die Aufteilung des Mobile Computing werden im Kapitel 3 die wichtigsten Technologien, die für den mobilen Einsatz notwendig sind, dargestellt. Folgend werden die Standardfunktionen der verfügbaren Betriebssysteme vorgenommen und es wird versucht, die wichtigsten Prämissen hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Anwendung zu beschreiben. Im Anschluss daran werden vorhandene sowie sich bereits im Einsatz befindliche Lösungen näher betrachtet. Der Schwerpunkt der Betrachtungen liegt dabei in unternehmerischen Bereichen, die sich speziell für den Einsatz des Mobile Computing eignen. Abschließend soll zusammenfassend über die aktuellen Trends diskutiert werden.

2 Grundlagen des Mobile Computing

2.1 Abgrenzung

Unter dem englischen Ausdruck Mobile Computing versteht man das mobile Arbeiten mit einem Computer[1]. Es werden Tätigkeiten durchgeführt die nicht an einen festen Arbeitsplatz gebunden sind. Benötigt wird dazu ein transportabler Personal Computer (PC) wie zum Beispiel ein Notebook oder Personal Digital Assistant (PDA).

Notebooks oder Laptops werden auch oft als mobiles Gegenstück zu stationären Desktop PC bezeichnet[2]. Aufgrund des hohen Gewichtes und Energieverbrauchs sowie der großen Abmessungen sollen diese Geräte in dieser Arbeit nicht für das Mobile Computing betrachtet werden. Die genannten Nachteile eines Notebooks findet man bei einem PDA, auch Organizer, Palmtop oder Handheld genannt, nicht. Diese kleinen in der Hand zu haltenden Computer können aufgrund der in den letzten Jahren stark zunehmenden Leistung in immer mehr Bereichen eingesetzt werden. Noch vor ein paar Jahren nur als reine Kontaktdatenbank genutzt, ermöglichen die kleinen Rechner in Notizblockformat heute den mobilen Zugriff auf Firmennetzwerke über das Internet. Der Großteil der Geräteoberfläche wird als Anzeige genutzt[3]. Zusätzlich findet man oft einige Tasten oder Räder, die eine schnelle Bedienung und den Zugriff auf wichtige Funktionen mit nur einer Hand ermöglichen sollen. Bei den meisten PDAs ist das Display ein so genannter Touchscreen. Dieser ermöglicht die Steuerung per Stift oder sogar mit den Fingern. Bei den meisten Geräten kann man mit Hilfe einer Handschrifterkennung verschiedene Eingaben vornehmen.

2.2 Historie

Das erste Gerät auf das die Bezeichnung PDA wirklich zutraf, wurde 1993 vom US-amerikanischen Computerhersteller Apple auf den Markt gebracht[4]. Das mit der Bezeichnung Apple Newton MessagePad prägte den Bereich der PDAs wie kein anderer. Dieses Modell zeichnete sich erstmals durch eine lernfähige Handschrifterkennung aus. Aufgrund damaliger unzureichender Rechnerleistung funktionierte diese oft nur eingeschränkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Apple Newton MessagePad (1993)

Quelle: Erle/Rieker, 2002, S. 16

Diese erste Version dieses PDAs nutzte einen ARM Prozessor mit 20 MHz. Diese ARM Architektur ist Grundlage für viele Prozessoren für mobile Geräte. Der effektive Befehlssatz, die kompakte Größe und die sehr gut optimierbare Stromaufnahme sind einige der Gründe dafür. Eine Weiterentwicklung ist auch heutzutage oft unter dem Namen StrongARM[5] zu finden.

Erst im Jahre 1996, 2 Jahre bevor der Apple Newton vom Markt verschwand, stellte der Softwarehersteller Microsoft sein eigenes Betriebssystem für mobile Endgeräte. Unter dem Namen Windows CE 1.0 wurde es als komplett neues, multitaskingfähiges 32-Bit OS entwickelt[6]. Fast zeitgleich brachte die Firma US Robotics einen Organizer mit einem damals neuartigen Betriebssystem Palm OS auf den Markt. Mit dem Namen „Pilot“[7] oder „Palm“ werden auch heute noch oft Geräte mit diesem OS bezeichnet.

Ein dritter großer Hersteller der auch den PDA Bereich in seiner Entstehung stark prägte war die britische Firma Psion. Auch diese Firma brachte Geräte mit einem eigens entwickelten Betriebssystem mit dem Namen EPOC in den Handel. Mit der Ausgliederung der Softwareentwicklungsabteilung aus dem Unternehmen verabschiedete sich Psion 1999 aus dem Endkundenbereich. Das einfach zu bedienende EPOC OS wurde später durch das Symbian-Konsortium, zu dem heute viele Handy Hersteller (wie z.B. Nokia) gehören, weiterentwickelt. Mit dem daraus entstandenen Symbian Betriebssystem ist heutzutage ein große Anteil aller Handys ausgestattet[8].

2.3 Überblick über Betriebssysteme

2.3.1 Palm OS

Der in den letzten Jahren stark boomende PDA Markt wird derzeit von den 3 Betriebssystemen von Symbian, Microsoft und PalmSource beherrscht. Wie in Tabelle 1 zu sehen, liegt PalmSource mit dem Palm OS Betriebssystem mit 22,5 Prozent Marktanteil nur knapp hinter Microsoft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Betriebssystem im Q2 2004

Quelle: Canalys estimates © 2004, canalys.com ltd., “Mobile device market“

Der gesamte mobile Geräte Markt lässt sich nochmals in zwei Bereiche unterteilen. Auf der einen Seite gibt es die Daten-zentrierten Geräte[9], deren Funktion hauptsächlich die Ein/Ausgabe sowie Verarbeitung von Daten ist. Diese besitzen deshalb meist einen Touchscreen. Dominierende Betriebssysteme sind hier die von Microsoft und PalmSource. Auf der anderen Seite gibt es die Sprach-zentrierten Geräte, die so genannten Handys bzw. Smartphones deren Hauptfunktion die Übermittlung von Sprache ist. Der dominierende Marktanteil liegt hier bei Symbian. In letzter Zeit stark zu beobachten ist die Verschmelzung beider Seiten zu Hybridgeräten. Jeder Hersteller versucht, dem anderen in den verschiedenen Bereichen, Marktanteile wegzunehmen. So gibt es mittlerweile auch Smartphones mit Palm OS.

Einen großen Beitrag zum Erfolg der ersten Palm Pilots im Jahre 1996 und 1997 leistete das Betriebssystem Palm OS, das im Gegensatz zu Windows CE ausgesprochen sparsam mit Speicher umging und deutlich schneller war. Schon im Jahre 1999 erreichte Palm mit der dritten Generation seiner Geräte, dem Palm III, zu einem weltweitem Marktanteil von über 68 Prozent[10]. Im Jahr 2000 erblickte der erste Palm mit Farbbildschirm den Markt und es gab mittlerweile über 100.000 Entwickler, die für die Plattform programmierten. Die Weiterentwicklung des Betriebssystems wurde kontinuierlich fortgesetzt und ist seit Mitte 2002 auf dem aktuellen Stand von Palm OS 5.

Die Anzahl der aktuell erhältlichen Geräte mit Palm OS beträgt rund 30[11]. Die Palette erstreckt sich vom billigen Endkundengerät bis zum leistungsstarken Alleskönner, der neben der kabellosen Netzwerktechnik WLAN auch einen Fingerabdruckscanner zur Sicherung der sensiblen Firmendaten integriert. Die Betriebssystem-Oberfläche lässt sich intuitiv per Stift oder Hardwaretasten steuern. Jedes Gerät lässt sich per Verbindung mit einem Desktop PC per so genannten HotSync synchronisieren. So lassen sich alle wichtigen Daten zwischen PC und PDA abgleichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aktuelles Palm OS Gerät Tungsten T3 mit Tabellenkalkulation

Quelle: palmOne Germany GmbH., Pressefoto (2003)

Neben den Standard Anwendungen für das „Personal Information Management“ (PIM), dass die Verwaltung von Kontakten, Terminen sowie Aufgaben umfasst, kann man per Software von Drittanbietern auf Palm Geräten auch Windows Formate wie Excel/Worddateien verarbeiten.

2.3.2 Microsoft Windows Mobile

Neben Palm OS existiert mit 22.9 Prozent Marktanteil ein weiteres Betriebssystem, welches derzeit den Daten-zentrierten PDA Bereich dominiert. Microsoft agiert dabei wie bei Windows XP als reiner Lieferant des Betriebsystems. Jeder Hardwarehersteller kann theoretisch Lizenznehmer werden und eigene PDAs mit Windows Mobile auf den Markt bringen. Das Microsoft Betriebssystem hat seit der ersten Auslieferung 1996 sehr viele Namenswechsel durchzogen. Die ersten marktreifen Geräte erschienen 1996 mit Windows CE 1.0. Windows CE ist nicht, wie oft vermutet, kompatibel mit den Desktop Windows Versionen. PDA Programme laufen also nicht auf dem PC und umgekehrt. Diese ersten Windows CE Geräte wurden Handheld-PCs, kurz HPC genannt. HPCs gehören zur Geräteklasse der Palmtops. Diese Mobilcomputer waren nur wenig größer als eine Handfläche und besaßen lediglich eine Tastatur zur Eingabe[12].

Kurz nachdem 1997 Windows CE 2.0 für HPCs erschien, brachte Microsoft Anfang 1998 eine angepasste Version für stiftbediente PDAs auf den Markt. Diese vorerst mit Graustufendisplays ausgestatteten Geräte bekamen den Namen PalmPC. Nach einer gerichtlichen Einigung mit Palm Inc. Wegen der hohen Verwechslungsgefahr mit den Palm Pilots wurde der Name in Palm-Size PC geändert. Die in Deutschland auch häufig unter der Bezeichnung Taschen-PC verkauften Geräte hatten erstmals einen Touchscreen zur Eingabe und Bedienung. Ein sehr bekannter Vertreter dieser Gruppe ist der Compaq Aero.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Compaq Aero (1998)

Quelle: Compaq, Pressefoto (1998)

Trotz der 1999 nachgelegten Windows CE 2.11 Version, die nun auch Farbdisplays unterstützte, konnte Palm Inc. den weltweiten Marktanteil zu diesem Zeitpunkt auf über 70 Prozent ausbauen[13]. Dies hatte zur Folge, dass nur noch große Hardware-Hersteller wie Hewlett-Packard, Compaq und Casio, Geräte mit Microsoft Betriebssystem anboten. Ein möglicher Grund die zu geringe Akkubetriebszeit, die mit 10 Stunden weit unter der Palm Nutzungsdauer lag.

Im Jahr 2000 überarbeitete Microsoft Windows CE komplett. Ergebnis war ein neuer Name für das OS und eine neue Gerätegruppe. Windows CE 3.0 und die Geräte auf denen es installiert ist, hießen nun erstmals Pocket PC[14]. Diesen Namen ließ sich Microsoft schützen . Pocket PC ist somit auch noch heute die offizielle Bezeichnung für einen PDA mit Microsoft Betriebssystem.

Neben der schon beschriebenen ARM Prozessor Architektur, gab es bis 2001 weitere Typen. Zusätzliche Software musste jeweils kompatibel zu ARM, SH3 oder MIPS Prozessoren sein. 2001 wurde auch dieser Nachteil behoben. Pocket PC 2002, welches immer noch im Kern auf Windows CE 3.0 aufbaute, ist nur noch kompatibel und optimiert zur StrongArm Prozessorarchitektur. Neben neuen Eingabemethoden legte Microsoft den Focus auf die Kommunikations- und Verbindungsfähigkeiten. Der nächste wichtige Schritt, der Pocket PCs zu mehr Marktanteil verhalf, war die Einführung des StrongArm Nachfolgers von Intel. Unter dem Namen XScale ist der Prozessor damals mit 400 MHz knapp doppelt so hoch getaktet wie der StrongArm mit 206 MHz. Der volle Funktionsumfang der CPU wurde aber erst von der nächsten Betriebssystemgeneration, mit dem erneuten Namenswechsel zu Windows Mobile 2003, unterstützt. Wichtigster Vorteil des XScale Prozessors neben der Geschwindigkeit ist der geringere Stromverbrauch[15]. Dies wird nun auch vom OS unterstützt und die Taktrate wird je nach Anforderung automatisch angepasst.

Aktuell verfügbar ist die Windows Mobile 2003 Second Edition. Diese Betriebssystem-Erweiterung von Microsoft ist derzeit auf den neuesten Geräten verfügbar. Neu ist die Unterstützung von größeren Displayauflösungen. Waren Pocket PC Bildschirme bis dato an die Auflösung von 240 x 320 Pixel begrenzt, so sind ab sofort VGA Auflösungen mit 480 x 640 Pixel möglich. Neu seit Windows Mobile ist auch der geänderte Kern. So wurde anstelle Windows CE 3.0 die CE.NET Version 4.20 als Grundlage verwendet. Dies ist das Ergebnis der breit angelegten .NET Strategie von Microsoft und hat den Vorteil der Portierbarkeit von Programmen.

Derzeit gibt es noch zwei weitere Erweiterungen von Microsoft im Bereich Windows Mobile. Unter dem Namen Windows Mobile Phone Edition sind Geräte mit integriertem Telefon verfügbar. Die Phone Edition unterstützt im Gegensatz zur normalen Windows Mobile Version zusätzliche Funktionen für den Zugriff auf den Telefonteil. Die zweite, noch nicht sehr verbreitete Betriebssystemversion, heißt Windows Mobile Smartphone. Damit versucht Microsoft im Handy bzw. Smartphone-Bereich Fuß zu fassen. Unterschiede sind hier, die Steuerung per Taste und das nicht Vorhandensein des Touchscreens. Microsoft will also auch wie PalmSource im Sprach-zentrierten Bereich Marktanteile gewinnen.

2.3.3 Symbian OS

Das dritte Betriebssystem, welches den derzeit größten Marktanteil mit 41 Prozent nach Tabelle 1 verzeichnen kann trägt den Namen Symbian. Dies entstand, wie schon in Kapitel 2.1 beschrieben nach der Ausgliederung der EPOC Entwicklungsabteilung aus der Firma Psion.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Firmenanteile an Symbian Ltd.

Quelle: Symian 2004

Mit der Gründung des Symbian-Konsortiums im Juni 1998, gehören heute namhafte Elektronikhersteller wie Ericsson, Nokia, Panasonic, Samsung, Sony Ericsson und Siemens dazu[16]. Es entstand der Nachfolger der 32-Bit EPOC Plattform unter dem Namen Symbian OS. Schon anhand der teilnehmenden Firmen erkennt man die Ausrichtung von Symbian OS auf den Sprach-zentrierten Bereich. Ende 2000 ist das erste marktreife Symbian Gerät, das Ericsson R380, erhältlich. Kurz darauf erscheint 2001 der Nokia 9210 Communicator mit der Symbian OS Version 6.0 als Betriebssystem[17]. Diese OS Version unterstützt keinen Touchscreen, und somit sind die Geräte mit einer Tastatur ausgestattet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Nokia 9210 Communicator (2001)

Quelle: Nokia, Pressefoto (2001)

Aber auch Symbian möchte sich nicht nur auf den Sprach-zentrierten Bereich konzentrieren. Deshalb wurde die Entwicklung von Symbian OS in 2 Richtungen unterteilt. Unter dem Namen Symbian Series 60, auch nur S60 genannt, wurde das Betriebssystem hinsichtlich stiftloser Bedienung optimiert. Der 167 x 208 standardisierte Bildschirm hat somit keine Touchscreenfunktionen. Auf die starke Verbreitung auf vielen aktuellen Geräten von Nokia, Siemens sowie anderen Smartphone Herstellern lässt sich der hohe Marktanteil von Symbian zurückführen. Grundlage für die Series 60 ist das Symbian OS 6.1 bzw. bei neuen Geräten Symbian 7.0.

Der zweite Entwicklungsbereich geht in Richtung Daten-zentrierter Bereich. Für die Dateneingabe und Verarbeitung ist ein Touchscreen und ein größerer Bildschirm zwingend notwendig. Diese Plattform basierend auf Symbian OS 7.0, ist als Symbian UIQ bekannt. Neben der Steuerung per Stift werden auch verschiedene Kommunikationsstandards, wie z.B. die Verbindung mit dem Internet, unterstützt. Die bekanntesten Geräte mit Symbian UIQ sind die Modelle der P800/P900er Serie von SonyEricsson[18]. Die Bildschirmauflösung ist mit 208 x 320 Pixel nur wenig kleiner als z.B. die anderer PDAs von Microsoft.

2.3.4 Linux

Neben diesen drei marktbeherrschenden Betriebssystemen gibt es weitere Betriebssysteme, die aber kaum auf aktuellen Geräten vertreten sind. So z.B. konnte die schnelle Ausbreitung von Linux im Großrechner-, Desktop- oder Serverbereich nicht so richtig bei den mobilen Geräten fortgesetzt werden. Nach der aktuellen Canalys Studie, wie in Tabelle 1 zu sehen, ist der Anteil an PDAs mit dem Open Source Betriebssystem mit 1,9 Prozent sehr gering. Dies liegt größtenteils an den wenigen Geräten, die marktreif geworden sind. Auf der Cebit 2000 wurde das erste Geräte mit Linux präsentiert[19]. Dieser damals von Samsung unter dem Namen Yopi angekündigter PDA verschwand aber nach kurzer Zeit wieder. Kurz darauf brachte die japanische Firma Sharp mit dem Model Zaurus einen Linux PDA in die Läden, der in Ausstattung und Leistung mit anderen Geräten mit Palm oder Windows Mobile mithalten konnte. Doch auch die Umsatzzahlen dieses meistverkauften Linux Gerätes waren in Europa für Sharp nicht die gewünschten und somit zog sich das Unternehmen 2003 wieder in den asiatischen Raum zurück[20].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Sharp Zaurus (2002)

Quelle: Sharp Electronics Europe GmbH, Pressefoto (2002)

Ein weiteres Projekt Linux auf den PDA zu bekommen wurde von begeisterten Linux Anhängern und Compaq durchgeführt. Aufgrund der starken Bindung Compaqs an Microsoft ist es aber nie zu einem kommerziellen Gerät gekommen. Das Unternehmen sponserte das Open Source Projekt mit dem Namen „Open Handheld Programm“[21]. Es wurde erstmals Linux auf einen Compaq iPaq mit Microsoft Betriebssystem portiert. Auch heute findet man noch Anleitungen und Informationen zu diesem Projekt unter www.handhelds.org.

Bei den Gründen für die geringe Akzeptanz und dem ausbleibenden Erfolg von Linux PDAs kann man nur spekulieren. Neben Problemen der Akkulaufzeit spielt sicherlich auch die fehlende Softwareauswahl eine große Rolle. Der geringen Anzahl von einigen Hundert Programmen stehen ca. 20.000 im Bereich Palm OS, Windows Mobile und Symbian gegenüber. Ein weiteres Problem für den Einsatz solcher Linux PDAs ist in der geringen oder fehlenden Erweiterbarkeit zu suchen. Zubehörhersteller liefern meist keine Linuxtreiber aus.

2.3.5 Sonstige Betriebssysteme

Den restlichen Marktanteil von 11,7 Prozent teilen sich eine Vielzahl an proprietären Betriebssystemen. Es handelt sich hierbei um Altsysteme oder Individuallösungen. Nennenswert in diesem Bereich ist die noch wenig verbreitete Plattform Blackberry, die von dem nordamerikanischen Unternehmen Research in Motion (RIM) eigens entwickelt wurde. RIM fokussiert sich bei dieser Plattform hauptsächlich auf das Empfangen von Emails. Im Gegensatz zu den anderen Betriebssystemen werden die Emails und andere Unternehmensdaten hier aber nicht per Remote Zugriff per Hand abgefragt, sondern direkt auf das mobile Gerät gepushed[22]. Blackberry Geräte haben dazu immer ein integriertes Telefon und lassen sich somit als Hybridprodukt zwischen Daten- und Sprach-zentriert einordnen. Zusätzlich zu den mobilen Geräten ist der Blackberry Enterprise Server nötig. Dieser übernimmt die Verteilung und Kommunikation mit den PDAs. Im Vordergrund bei der Entwicklung steht hier der wichtige Aspekt der Sicherheit.

Auf weitere proprietäre Systeme wird in dieser Arbeit, aufgrund der geringen Marktrelevanz, nicht eingegangen.

2.4 Marktanalyse

Die britische Marktforschungsfirma Canalys ermittelt jeweils quartalsweise die Verkaufszahlen von Handhelds und Smartphones für den weltweiten Wirtschaftsraum und gibt diese öffentlich bekannt. Dabei unterscheiden die Analysten in diesen Studien zwischen den datenzentrierten Geräten, also den klassischen Handhelds, und den sprachzentrierten, den Mobiltelefonen mit PDA-Erweiterungen, genannt Smartphones. Nach der aktuellen Studie vom 3. August 2004 für das 2. Quartal 2004, ist der weltweite Markt für mobile Geräte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum enorm gewachsen[23]. In Zahlen ausgedrückt, und in Tabelle 2 deutlich zu sehen, stiegen die Absatzzahlen um 45 Prozent.

Betrachtet man die Top 5 Hardwarehersteller, so dominiert der Nokia den Markt. An den mit 33 Prozent größten Anteil an verkauften Geräten kommt kein weiterer Hersteller heran. Auch der Zuwachs von 63 Prozent im Vergleich zum 2. Quartal 2003 ist sehr hoch. Dieser Wert kann nur noch von Research in Motion (RIM) geschlagen werden. Die Blackberry Plattform konnte einen Zuwachs von über 300 Prozent verzeichnen und hat damit zu Hewlett Packard aufgeschlossen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Hardwarehersteller im Q2 2003/2004

Quelle: Canalys estimates © 2004, canalys.com ltd., “Mobile device market“

Der Erfolg von Nokia ist auf die große Produktpalette an Smartphones zurückzuführen. Rund 80 Prozent aller in diesem Quartal versendeten Symbian Geräte kamen von Nokia. Nur im nordamerikanischen Raum konnte palmOne mit dem Smartphone Treo 600 mehr Geräte absetzen als Nokia. Dies zeigt deutlich den derzeitigen Trend zu Hybridgeräten, die neben den üblichen PDA Funktionen auch Sprach-zentrierte Dienste unterstützen.

Der leichte Rückgang des Marktanteils von HP, trotz vieler neuer Geräte, lässt sich auch auf diesen Trend zurückführen. Hewlett Packard ist derzeit noch der einzigste Hersteller, der keines solcher integrierten Geräte im Portfolio hat. Dies soll sich aber noch Ende des Jahres ändern. Einziger Verlierer im Bereich des Zuwachses und somit auch im Bereich des Marktanteils ist SonyEricsson. Es konnten rund 3 Prozent weniger Geräte der Modelle P800/P900 abgesetzt werden als noch 1 Jahr zuvor.

Unter sonstige Hardwarehersteller fallen auch Firmen, wie Intermec[24] oder Casio, die z.B. spezielle Pocket PCs für den Industrieeinsatz herstellen. Diese brauchen oft spezielle Anforderungen wie Stoß- oder Wasserschutz .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Betriebssystem im Q2 2003/2004

Quelle: Canalys estimates © 2004, canalys.com ltd., “Mobile device market“

Oft werden dazu handelsübliche PDAs in ein neues Gehäuse gepackt. Betrachtet man neben der Verteilung der Hardwarehersteller auch die Zahlen der eingesetzten Betriebssysteme, wie in Tabelle 3 zu sehen, so nimmt Microsoft erstmals knapp den Platz vor PalmSource ein. Auch hier sieht man wieder deutlich die Dominanz von Symbian.

2.5 Geräteüberblick

In Tabelle 4 werden nur ein kleiner Ausschnitt der aktuellen Geräte dargestellt. Aufgrund der großen Produktpaletten der Hersteller und der Schnelllebigkeit der Modelle, soll hier auf die Betrachtung weitere PDAs verzichtet werden. Bei den betrachteten Geräten handelt es sich um die derzeitigen Top-Modelle, die sich an die Business Kunden richten. Es gibt eine Vielzahl weiterer Geräte, die meist abgespeckte Versionen sind und sich somit eher an den Endkunden bzw. Consumer-Bereich wenden. Bei den vorgestellten PDAs deutlich zu sehen ist die Unterscheidung in Daten- bzw. Sprach-spezifischen Anwendungsgruppen und des damit integrierten Touchscreens sowie der Telefonfunktion.

[...]


[1] Vgl. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2004, Begriff „Mobile Computing“

[2] Vgl. Lassmann et al., 2001, S 112

[3] Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/PDA_(Computer)

[4] Vgl. Erle/Rieker, 2002, S. 16

[5] Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/ARM-Architektur

[6] Vgl. Reinelt, 2002, S.16

[7] Vgl. Immler, Salomon 2001, S.16

[8] Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/Psion

[9] Vgl. canalys.com ltd., http://www.canalys.com/pr/2004/r2004081.htm

[10] Vgl. palmOne, Inc., http://www.palmone.com/us/company/corporate/timeline.html

[11] Vgl. Dan Royea, http://www.deeptec.com/palmevolution/palmtree.html

[12] Vgl. Gievers, 2002, S. 15

[13] Vgl. Immler, Salomon 2001, S.16

[14] Vgl. Erle/Rieker, 2002, S. 16

[15] Vgl. Intel Corporation, http://www.intel.com/design/pca/prodbref/252780.htm

[16] Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/Symbian

[17] Vgl. Symbian Ltd. http://www.symbian.com/about/history.html

[18] Vgl. UIQ Technology, http://www.uiq.com

[19] Vgl. Computerwoche Nr. 17, 2001, S. 80 f.

[20] Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/Zaurus

[21] Vgl. Computerwoche Nr. 17, 2001, S. 81

[22] Vgl. Research in Motion Ltd, http://www.blackberry.com

[23] Vgl. canalys.com ltd., http://www.canalys.com/pr/2004/r2004081.htm

[24] Intermec Technologies GmbH, http://www.intermec.de/

Details

Seiten
83
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638352987
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35347
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Schlagworte
Mobile Computing Betriebswirtschaft

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Titel: Mobile Computing in der Betriebswirtschaft