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Die Entwicklung der Kommunikationsmedien der BRD seit 1945 bis hin zur Wiedervereinigung 1990

Essay 2015 8 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Jürgen Wilke beschreibt in seinem Aufsatz „Überblick und Phasengliederung“, welcher im Jahr 1999 in „Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Leitmedien und Zielgruppenorgane“ erschienen ist, die Entwicklung der Kommunikationsmedien nach Zerfall des NS-Regimes bis hin zur Wiedervereinigung in Deutschland. Dieser Neubeginn im Bereich Hörfunk, Presse und Fernsehen, unter Führung der Alliierten, wurde durch vielschichtige Bereiche innerhalb der Gesellschaft geprägt. Demnach werden die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignisse in Zusammenhang mit den Entwicklungen innerhalb der Mediengeschichte genauer beleuchtet.. Im Folgenden wird eine Zusammenfassung über die Entwicklung der Kommunikationsmedien seit 1945 bis zur Wiedervereinigung gegeben, anhand derer die Mediengeschichte der BRD diskutiert werden kann.

Mit der Entstehung der Bundesrepublik, endet 1949 laut Wilke eine Entwicklung, die bereits 1945 mit dem Untergang des NS-Regimes und der militärischen Kapitulation begonnen hatte. Demnach wurde schon im Jahr 1945 der Grundstein für den Neubeginn der Kommunikationsmedien gelegt. Insofern lässt sich die Geschichte der Medien innerhalb der BRD anhand dieses Ausgangspunktes erklären und verstehen. Die Zeit zwischen 1945 und 1949 ausschließlich als Vorgeschichte zu bezeichnen, würde deren Bedeutung vermutlich zu sehr herabsetzen. Denn nach dem Zerfall des NS-Regimes war besonders in den Bereichen Presse, Rundfunk und Film „der Bruch mit der Vergangenheit [..] besonders stark“ (ebd., S. 15) und die Alliierten Besatzungsmächte setzten in diesen Bereichen dauerhafte Grundsteine. Die ergriffenen Maßnahmen ergaben sich aus der Annahme, dass die „propagandistische Medienlenkung der Nationalsozialisten“ (ebd.) ausschlaggebend für die vielen Katastrophen waren, jedoch lief dies nicht ohne das Anknüpfen an „ältere deutsche Traditionen“ ab (ebd. S. 16). Zum Beispiel wurde an das allseits in Deutschland bestehende vielseitige lokale und regionale Zeitungswesen angeknüpft und der so charakteristische Föderalismus in Deutschland blieb bestehen bzw. lebte wieder auf, auch wenn durch Lizenzierungen der großen Regionalzeitungen versucht wurde zu verhindern, dass sich eben diese in viele lokale Blätter aufspalten konnten. Auch im Bereich des Rundfunks konzentrierte man sich wieder auf eine föderale Organisation in Hinblick auf die Ansiedlung, was aber auch der Tatsache geschuldet war, dass die einzelnen Besatzungsmächte die Medien innerhalb ihrer eigenen Zonen organisierten. In Verbindung mit dem Ende des zweiten Weltkrieges wird häufig von der „Stunde null“ gesprochen. Hierbei handelt es sich um die Annahme, dass die bislang vorherrschenden Gesellschaftsstrukturen aufgehört haben zu existieren (vgl. Brunold, o.J.). Kann nun auch im Bereich der Mediengeschichte in Deutschland von einer „Stunde null“ gesprochen werden? Gab es einen Zeitpunkt, an dem in allen Bereichen der Medien ein Neuanfang gestartet wurde? Wilke zu Folge hat es einen solchen Ausgangspunkt nicht gegeben, aufgrund des sich hinziehenden Kriegsendes. Während in einigen Teilen Deutschlands noch verbittert gekämpft wurde, beschäftigte man sich in anderen Teilen schon mit dem Neuaufbau der Medien. Infolgedessen erschienen zum Beispiel bereits seit dem 24.Januar 1945 dieAachener Nachrichten, ein Wochenblatt, das von den Alliierten hervorgebracht wurde (vgl. Wilke, 1999, S.16).

Gleichermaßen sollten auch im Bereich des Personals Neuerungen stattfinden. Dementsprechend wurden die Zulassungsbedingungen soweit verändert, dass jene die vor 1945 tätig waren, nunmehr nicht als Journalist arbeiten konnten(vgl. ebd., S.17). Hier stellt sich die Frage, wie mit denen verfahren wurde, die aufgrund ihrer politischen Einstellung oder Art und Weise wie sie Bericht erstattet hatten, ins Exil gehen mussten? Hatten Sie die Möglichkeit sich wieder in ihrem Beruf niederzulassen? Schätzungsweise wurden rund 2000 bis 3000 Journalisten aus dem deutschsprachigen Raum ins Exil gezwungen. Davon kehrte in etwa zwischen einem Viertel und einem Drittel zurück nach Deutschland, während der überwiegende Teil in den jeweiligen Gastländern blieb. Die Remigranten machten wie man anhand der Lizenzpresse nachweisen kann „absolut wie auch relativ einen nur geringen Anteil der dort tätigen aus“ (Krohn/Schildt, 2002, S. 13).

Mit der Gründung der BRD im Jahr 1949 setzte eine neue Phase in der Mediengeschichte ein. Ausschlaggebend waren die Aufhebung der Lizenzpflicht im Pressewesen, sowie der nachlassende Einfluss der Alliierten auf den Rundfunk. Durch Artikel 5 im Grundgesetz „erhielt das Mediensystem eine ganz neue, einer liberalen Demokratie gemäße Rechtsgrundlage“ (Wilke, 1999, S. 17). Anders als bei der Entwicklung der (Tages-)Presse, wobei der Markt sich durch die Aufhebung der Lizenzpflicht maßgeblich selbst regulierte, konnten im Bereich des Rundfunks aus technischen Gründen keine ähnliche Struktur ausgebaut werden. Somit wurde das Radio mit dem abnehmendem Einfluss der Alliierten, mehr und mehr zu einem „Objekt politischen Machtinteresses“ (ebd., S. 18).

Betrachtet man die Entwicklung der Presse, wird deutlich, dass keine Tageszeitung die heutzutage in Deutschland herausgegeben wird, eine lange und ununterbrochene Geschichte ausweist. Sie wurden vornehmlich in der Nachkriegszeit seit 1945 gegründet. Darunter ist ein Großteil zunächst unter Erlaubnis und Finanzierung der Militärregierungen der Besatzungsmächte erschienen, sogenannte lizenzierte Zeitungen (vgl. Hurwitz, 1965, S. 27). Nach Aufhebung der Lizenzpflicht im September 1949 folgte zunächst eine Phase der Expansion, bis Mitte der 50er Jahre, in der vermehrt Altverleger auf den Zeitungsmarkt zurückkehrten. Mit Einsetzen der Pressekonzentration, die bis Mitte der siebziger andauerte, ging vor allem die Zahl der publizistischen Einheiten zurück. Durch den Beitritt der DDR zur BRD, kam es zunächst zu einem Anstieg der Anzahl an Tageszeitungen, was wiederrum nur von kurzer Dauer war. Grund für diese Schübe, waren wirtschaftliche Aspekte der unterschiedlich großen Verlage (vgl. Wilke, 1999, S.20). Durch den technischen Fortschritt in den siebziger Jahren (Foto- und Lichtsatz und sog. Desktop Publishing), „revolutionierte sich die Herstellung von Presseprodukten, mit weitreichenden Folgen für Aktualität, Aufmachung und Inhalte“.

Ebenso ausschlaggebend für weitreichende Veränderungen war die Einführung des Farbfernsehens im Jahr 1967. Wie hat sich nun das Verhalten der Zeitungsrezipienten verändert? Wurde nun vermehrt Farbfernsehen geschaut, anstatt in der Zeitung zu blättern? Oder sind die Leser Ihren Tageszeitungen „treu“ geblieben? Um weiterhin mithalten zu können, wurde beispielsweise auf das Fernsehprogramm eingegangen oder auch vermehrt Sonderseiten beigefügt. In den neunziger Jahren machten sich dann inhaltliche, sowie auch äußere Veränderungen bemerkbar. Neben dem Einsatz von Farbbildern, wurde ebenso auf eine geordnete Gliederung der Seiten Acht gegeben. Die Entwicklung der Zeitschriftenpresse lässt sich nicht so einfach darstellen, da es neben einer großen Anzahl von Fachzeitschriften, ebenso eine Menge an Publikumszeitschriften gibt. Laut Wilke hat hier jeder Typ seine eigene Geschichte. Während die Anzahl, sowie auch Auflage an Zeitungen in den fünfziger Jahren angestiegen ist, gibt es bei den Fachzeitschriften eine abweichende Entwicklung. Anfang der siebziger Jahre mit einer Auflage von rund 20 Millionen Stück, welche seit 1976 rückläufig war und über Jahre um die 15 Millionen schwankte, bis sie schließlich Anfang der neunziger Jahre wieder leicht zunahm. Betrachtet man die Publikumszeitschriften gab es vor allem durch die hinzukommenden privaten TV-Programme, sowie auch durch technische und gesellschaftliche Entwicklungen, einige Auflagenschübe.

Im Hinblick auf die Organisation hatte die Presse seit den fünfziger Jahren Interesse daran, sich am Rundfunk zu beteiligen, was jedoch durch das öffentlich rechtliche Monopol bislang nicht möglich war (vgl. Wilke, 1999, S. 21). Ein durchaus wichtiges Datum in diesem Zusammenhang ist der 1. Januar 1984, an dem das erste Kabelpilotprojekt begann und das bisher bestehende Monopol endete. Es war nun möglich als Presseverlag oder als Anbieter von Rundfunkprogrammen aufzutreten.

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Details

Seiten
8
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668395015
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353459
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Schlagworte
Medienwandel BRD Wiedervereinigung Kommunikationsmedien 1990 1945 Mediengeschichte Deutschland Entwicklung

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Titel: Die Entwicklung der Kommunikationsmedien der BRD seit 1945 bis hin zur Wiedervereinigung 1990