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Haben humorvolle Menschen eine bessere Work-Life-Balance? Humor und Selbstironie als Copingstrategie

Eine empirische Studie

Wissenschaftliche Studie 2015 38 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhalt

i. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Forschungsstand
2.3. Hypothesen und Fragestellungen

3. Methode
3.1. Stichprobe
3.2. Material
3.3 Ablauf

4. Ergebnisse

5. Diskussion

Literaturverzeichnis

Anhang
A Fragebogen der vorliegenden Studie
B Poster zur vorliegenden Studie

i. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Grafik der DAK

Abb. 2: Säulendiagramm bzgl. der Geschlechterunterschiede in Work-Life-Balance, Humor sowie Selbstironie als Copingstrategie

Abb. 3: einfaktorielle Varianzanalyse

Tab. 1: Branchenverteilung

Tab. 2: Varimax-rotierte Hauptkomponentenanalyse

Tab. 3: Pearson Korrelation – Humor als Copingstrategie & Work-Life-Balance

Tab. 4: Pearson Korrelation – Humor & Selbstironie als Copingstrategie

1. Einleitung

Wo im vorindustriellen Zeitalter eine Trennung von Arbeits- und Lebensraum noch undenkbar gewesen ist, ist nun im Zuge der gestiegenen Produktionszahlen und demzufolge der gesteigerten Anforderung an das moderne Individuum und seine Arbeit nicht nur eine räumliche, sondern eine psychische Trennung von Arbeit und Privatem selbstverständlich und nötig. Der Balanceakt zwischen Arbeit und Privatleben ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Lebens, der weitreichende Konsequenzen für die psychische Gesundheit und das Wohlbefindens hat. Damit dem beschleunigten Zeitempfinden sowie den exponentiell gestiegenen Anforderungen geschuldet ist die Tatsache, dass das Konzept der Work-Life-Balance diskutiert werden muss, eine Erscheinung der Neuzeit.

Dass es keine Ausnahme ist, dem Lebensbereich „Work“ mehr Relevanz zuzusprechen und über die restlichen Zeitplanung stellen, lässt sich im sog. „Stressreport“ von 2012 ersehen: demnach gaben 41% in der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin durchgeführten Studie an, dass sie nur manchmal oder gar nie persönliche Interessen in der Arbeitszeitplanung berücksichtigten (Lohmann-Hauslah, 2012). Gleichzeitig steigt jedoch auch die Anzahl der Arbeitnehmer, die eine psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen, was in der von der DAK durchgeführten Studie augenscheinlich wird:

Abb. 1 Grafik der DAK

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anteil der DAK-Mitglieder, die mind. einmal Hilfe wegen eines psychischen Problems beim Arzt o. Therapeuten beansprucht haben

Werden die Anteile derer, die in psychotherapeutischer Behandlung gewesen sind, von 2004 (11,7%) und 2012 (22,5%) verglichen, verdoppelt sich der Anteil annähernd. Auch der Anteil der zum Zeitpunkt der Umfrage aktuell in Behandlung stehenden Arbeitnehmer ist von ca. 3% auf fast 6% gestiegen (DAK-Gesundheitsreport, 2013). Die Relevanz des Themas ist also unübersehbar; Das Konzept der Work-Life-Balance bedarf einer umfassenden Betrachtung besonders im Hinblick auf Ressourcen, die Arbeitnehmer hinsichtlich des Erhalts ihrer psychischen Gesundheit aktivieren können.

Um mit Stress und Belastungen der Erwerbsarbeit umzugehen sind demnach Copingstrategien nötig. Besonders Humor stellt dabei eine attraktive Art des Umgangs dar, der eine effektive und gesunde Ausgestaltung der Work-Life-Balance und damit des psychischen Wohlbefindens ermöglichen kann (Robinson, 2002; Talbot & Lumden, 2000). Wie Humor und Work-Life-Balance zusammenhängen, soll die vorliegende Studie untersuchen. Beleuchtet soll vor Allem, ob eine bessere Work-Life-Balance bei humorvolleren und selbstironischeren Menschen empirisch festgestellt werden kann, und ob Unterschiede bezüglich des Geschlechtes oder der Branche, die als abhängige Variable fungieren, existieren. Dabei werden zunächst die Begriffe Work-Life-Balance, Humor sowie Selbstironie als Copingstrategie definiert und theoretisch fundiert erläutert, woraufhin eine Beleuchtung des bisherigen Forschungsstandes folgt. Daraus resultierend werden die Hypothesen und Forschungsfragen der vorliegenden Studie vorgestellt und umfassend erklärt. Nach einer Erläuterung des verwendeten Materials der Studie, der Stichprobe und des Ablaufes wird die Methodik erläutert, woraufhin die Ergebnisse ausgewertet werden. Abschließend werden die Erkenntnisse im Diskussionsteil kritisch bewertet. In diesem Teil werden Hinweise auf weiterführende Forschungen gegeben.

2. Theoretischer Hintergrund

Um einen möglichen Zusammenhang von Humor und Work-Life-Balance bei deutschen Erwerbstätigen untersuchen zu können ist es zunächst notwendig, tangierte Begriffe und Konzepte zu beleuchten. Relevant ist selbstverständlich ebenfalls der aktuelle Forschungsstand, an dem die der Studie zu Grunde liegenden Hypothesen anknüpfen sollen.

2.1. Begriffsbestimmung

Trotz der Präsenz des Konzeptes der „Work-Life-Balance“ in wissenschaftlicher Literatur (bspw. Krter, Menz & Pangert, 2015) fehlt es ihm noch immer an Eindeutigkeit, die jedoch aus logischen Gründen nötig ist, um umfassend zu diesem Thema zu forschen. Der Begriff „Leben“ ist wegen Unpräzision dabei besonderer Kritik ausgesetzt; denn ob es sich um die Lebensqualität generell oder um die Zeit, in der nicht gearbeitet wird, handelt, bleibt ohne klare Begriffsdefinition unklar (vgl. Kratzer et al., 2015). Trotz der im Gegensatz zum vorindustriellen westlichen Zeitalter nun nicht mehr bestehenden räumlichen Verbindung von Arbeits- und Lebensraum impliziert der Term „Work-Life-Balance“ trotz dessen ein falsches Verständnis des Sachverhaltes: denn auch heute sind die Begriffe „Arbeit“ und „Leben“ in der Realität des Alltages selbstverständlich nicht komplett voneinander zu lösen. Ein Leben, ohne zu arbeiten oder eine Arbeit, in der nicht gelebt werden könnte erzeugen einen unwissenschaftlichen, inneren Widerspruch von dem man den Term „Work-Life-Balance“ deutlich distanzieren muss (vgl. Ulich & Wüsler, 2005).

Um trotz fehlender allgemein anerkannter wissenschaftlicher Definition des Terms zu forschen ist also eine Arbeitsdefinition nötig: in der hier vorliegenden Studie wurden zunächst die Begriffe „Work“ und „Life“ definiert: angelehnt an Spatz‘ Definition stellt Ersteres die arbeitsvertraglich festgelegte Arbeitszeit sowie Überstunden und jede weitere Zeit, die der Arbeitnehmer in die Arbeit investiert, wie beispielsweise Arbeitswege, Mittagspausen oder Vor- sowie Nachbereitungen, dar (vgl. Spatz, 2014). Letzteres unterteilt Spatz in „individuelle, private und soziale“ (vgl. ebd., S. 11), also die ganz persönliche Zeit, die sich auf den Betroffenen und dessen Familien- und Freundeskreis bezieht. Die soziale Zeit unterscheidet sich von der privaten und individuellen dahingehend, als die Belange der sozialen Zeit auch für die Gesellschaft und die öffentliche Gemeinschaft bestimmt sind. Wenn man nun diese beiden Lebensbereiche – die Erwerbsarbeitzeit und die individuelle, private und soziale Zeit – subjektiv wahrgenommen gut vereinbart und gelungen ausgestaltet erlebt ist nach Spatz von einer „Work-Life-Balance“ zu sprechen. An dieser Stelle ist es wichtig anzumerken, dass dies nicht bedeutet, dass diese beiden Bereiche objektiv genau gleichmäßig verteilt sein müssen, damit das Individuum eine zufriedenstellende Balance wahrnimmt. Ausschlaggebend ist das rein persönliche, subjektiv Empfundene. Nimmt das Individuum diese beiden Lebensbereiche bei sich nicht erfolgreich und zufriedenstellend ausbalanciert dar, spricht man von einer „Work-Life-Imbalance“ (ebd., S. 14).

Ebenso wie der Term „Work-Life-Balance“ bedarf auch „Humor“ einer begrifflichen Eingrenzung, denn in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation und Intention lassen sich verschiedene Arten von Humor unterscheiden; so beispielsweise Sarkasmus und Ironie (Robinson, 2002). Da in dieser Studie vor Allem auf Humor als Copingstrategie eingegangen werden soll, stützt diese sich auf den emotional-physiologischen Theorieansatz des Humors, der die entlastende Funktion betont (vgl. Frings, 1996 & Robinson, 2002). Demnach soll Humor Konflikte und Spannungen nicht nur reduzieren, sondern auch lösen und damit das Individuum psychisch entlasten können. Durch Humor kann demnach eine Art Realitätsflucht durch Rationalisierung der Belastung stattfinden, was eine kognitive Entlastung darstellt (vgl. Robinson, 2002). Infolgedessen eröffnet sich dem Individuum die Möglichkeit, nach dieser Distanzierung einen neuen Blickwinkel auf das Betreffende zu erlangen. Letztlich sorgt auch die emotionale Distanzierung nicht nur dafür, die Frustrationen, Ängste oder Scham herabzusenken (Robinson, 2002), sondern auch einen nüchterneren Betrachtungsstandpunkt zu erlangen, der die gesamte Situation weniger bedrohlich anmuten lässt (vgl. Martin, 2007). Dadurch können Stresssituationen und schwierige Entscheidungen besser gehandhabt werden. Zusätzlich kann lt. Robinson Humor an dieser Stelle „die Form einer physischen Entladung „nervöser Energie“ annehmen“ (2002, S. 21), was ebenfalls den Effekt der Spannungs- und Stressreduktion hat – der einfache Witz und das Lachen entsprechen der eindrücklichsten Entladung dieser Spannungen. Das Charakteristische der effektiven Entlastung von Kognition, Emotion und Physiologie durch die Überzeichnung des Sachverhalts mit Humor ist nun der Fakt, dass dies (normalerweise) keine soziale Sanktionierung zur Folge hat. Humor gehört zu sozial anerkannten Verhaltensmustern und kann demzufolge dazu verwendet werden, auch (sozial) Kritisches, Unangemessenes oder Negatives zu äußern (vgl. Frings, 1996, Freud, 1928). Dass dies nicht nur im sozialen Gefüge, sondern auch für die Psyche positivere Effekte als andere Strategien zur Entlastung hervorbringt, geht schon auf Theorien Freud’s zurück, der im Sinne der Ökonomie besonders den Witz als Einsparung an Stress und Gewinn an Lust, somit als eine Bewältigungsstrategie von Stress und Anspannung, sah (1960).

Die Forschung des letzten Jahrzehntes statuierte jedoch, dass durchaus nicht alle Arten von Humor einen gesunden Umgang mit (Stress-)Situationen zur Folge haben. Die Forschergruppe um Martin unterschied in ihrer Forschung 2003 vier Humorarten, die sie in ihrem Fragebogen HSQ (Humor Style Questionnaire) untersuchten: den „affiliative“, „self-enhancing“, „aggressive“ und den „self-defeating“ Humor, bei der insbesondere die letzten beiden Arten keine heilsamen Effekte für die psychische Gesundheit des Individuums aufweisen (Martin, Puhlik-Doris, Larsen, Gray & Weir, 2003). Wenngleich Männer generell höhere Werte in allen vier Humorskalen erzielten ist die Diskrepanz zu den Frauen insbesondere bei den letzten zwei eher negativen Humorarten besonders hoch (Martin et al., 2003).

Besonders soll im Weiteren auf den „self-enhancing“ Humor nach Martin eingegangen werden. Diese Humordimension zählt zu denen mit positiven und heilsamen Effekten für das Individuum: neben der kognitiven und emotionalen Distanzierung sowie der physiologischen Stressreduktion hat diese Humorart zusätzlich den Effekt der Selbstaufbesserung: denn der erweiterte Blickwinkel auf Problematiken wird als permanente Lebenseinstellung übernommen (vgl. Martin et al., 2003). Somit könnten auch schwierige Lebensereignisse als Dinge betrachtet werden, die eben zu den Unberechenbarkeiten des Lebens gehören – mit einer humorvollen Sichtweise auf Belastendes auch in Situationen, in denen man nicht unter Menschen ist, können diese besser erfolgreich durchlebt werden, ohne dass das Selbst verletzt wird. Die psychische Gesundheit wird dadurch also geschützt.

Neben Work-Life-Balance und Humor, speziell der selbstwerterhaltende, wurde in vorliegender Studie ebenfalls die Selbstironie untersucht. Am populärsten bekannt als das Lachen über sich selbst ermöglicht die Selbstironie das Gefühl, die Kontrolle über eine Situation zu haben (vgl. Robinson, 2002). Dies geht ebenfalls mit dem selbstwerterhaltendem Humor nach Martin einher, denn durch das Lachen über die eigene Person – damit auch Fehler, Peinliches oder Unzulänglichkeiten – wird ein Schritt er Selbstakzeptanz getan, der wiederum eine positive und auch realistische Sicht auf das eigene Leben ermöglicht (vgl. Martin et al., 2003).

Zusammenfassend scheinen Humor und Selbstironie also durchaus vielversprechend hinsichtlich einer gesunden Ausgestaltung des eigenen Lebens durch den Erhalt des Selbstwertes, eine angebrachte Distanzierung zu Konflikten und einen Blickwinkel im geweiteten Kontext zu sein. Ableitend müsste dies also ebenfalls zu einer dem Wohlbefinden begünstigenden Einstellung zur Ausbalancierung zur Erwerbsarbeitzeit und der individuellen, privaten und sozialen Zeit führen; also zu einer subjektiv befriedigenden Work-Life-Balance.

2.2. Forschungsstand

Bereits 1996 wurde der mögliche Zusammenhang von Humor und wahrgenommener Belastung empirisch untersucht. Studentinnen wurden gebeten, ihre wahrgenommene Belastung eine Woche vor, unmittelbar nach und eine Woche nach einer Klausur zu bewerten. Mit einer Ratingskala wurden zum ersten und zweiten Messzeitpunkt u.A. Erwartungen bzw. Bewertungen der Klausur und der eigenen Note abgefragt. Zum letzten Messzeitpunkt, als die jeweilige Note bereits bekannt gewesen ist, wurden zusätzlich Humor (auch als Ressource), Coping-Strategien und die kognitive sowie emotionale Bewertung von Stress erhoben (Kuiper, Martin & Olinger, 1996). Hohe Werte in den Copingskalen korrelieren demnach mit geringen Werten des emotionalen Stressempfindens: insbesondere die Copingstrategie der Distanzierung, jedoch aber auch die der direkten Problemkonfrontation. Zusätzlich korrelieren Humor als Copingstrategie und Ressource mit einer effektiven und positiven Selbstbewertung auch im Nachhinein.

Gerade in Bezug auf die Erwerbstätigkeit sind allerdings insbesondere damit verbundene Erkrankungen und Beeinträchtigungen zu betrachten. 2000 wurden Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen zu emotionaler Erschöpfung, Leistungsfähigkeit und Depersonalisation befragt, um einen möglichen Zusammenhang von Humor und dem Burn-Out-Syndrom zu untersuchen (Talbot & Lumden, 2000). Und auch hier bestätigt sich die positive Wirkung von Humor als Copingstrategie auf das Wohlbefinden: Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen, die Humor in dieser Art zu nutzen angaben, wiesen ebenfalls niedrige Werte auf den Skalen der Depersonalisierung und emotionaler Erschöpfung mit gleichzeitig hoher Leistungsfähigkeit auf. Eine Korrelation von Humor als Strategie zur Stressbewältigung und psychischen Wohlbefinden sowie einer höheren Leistungsfähigkeit – also auch einer hohen subjektiven Zufriedenheit – ist also anzunehmen.

In der 2007 durchgeführten Studie zum Einsatz von Humor in Interaktionen wurden 186 Schüler untersucht. Dabei wurde eine Korrelation von höheren Werten auf der Skala der Humororientierung mit höheren Werten der Selbsteinschätzung der Effektivität des eigenen Humor festgestellt (vgl. Booth-Butterfield, Booth-Butterfield & Wanzer, 2007). Diesen Schülern wurde eine höhere sog. Humororientierung zugesprochen; das bedeutet, dass diese humorvoller interagieren, was eine generell positivere Kommunikation nach sich zieht. Demzufolge wird Humor auch als Copingstrategie verwendet – wie in Kapitel 2.2 bereits erläutert –, die von den Schülern selbst ebenfalls als wirksam empfunden wird (vgl. Booth-Butterfield, Booth-Butterfield & Wanzer, 2007). Abzuleiten ist also besonders hinsichtlich der hier vorliegenden Studie die Erkenntnis der subjektiv wahrgenommenen Effektivität des Copings, aus der eine gesteigerte generelle Zufriedenheit in der Bewältigung mit den Anforderungen des Lebens resultieren könnte – also auch eine bessere Work-Life-Balance.

2.3. Hypothesen und Fragestellungen

Auf Grundlage des bisherigen empirischen Forschungsstandes wurden folgende Hypothesen formuliert:

H1: Humor und Work-Life-Balance korrelieren positiv miteinander.

Die erste Hypothese soll als Basis untersuchen, ob eine empirische Korrelation zwischen einer hohen Ausprägung der Eigenschaft (self-enhancing-)Humor unter den hier festgelegten Begriffsgrenzen und einer subjektiv gut empfunden Work-Life-Balance bestätigt werden kann. Ausgehend vom aktuellem Forschungsstand und den hier benannten Studien ist eine solche Korrelation anzunehmen: in der Studie von Kuiper, Martin & Olinger korrelierten Humor als Copingstrategie und Ressource mit einer effektiven positiven Selbstbewertung sowie mit geringem Stressempfinden (1996). Nach Talbot & Lumden korrelieren Humor als Copingstrategie mit niedriger emotionaler Erschöpfung und geringer Depersonalisierung, dafür jedoch mit einer hohen Leistungsfähigkeit (2000). Eine negative Korrelation mit Burn-Out-Symptomen besteht ebenso wie die daraus resultierende positive Korrelation von Humor und psychischer Gesundheit (Talbot & Lumden, 2000). Letztlich ergab die Studie von Booth-Butterfield, Booth-Butterfield & Wanzer eine positive Korrelation von hoher Humororientierung mit der Selbsteinschätzung der Effektivität dessen als Copingstrategie (2007). Humor als Copingstrategie ermöglicht daneben aufgrund der theoretischen Grundlage eine Rationalisierung der Situation und somit eine kognitive und emotionale Entlastung, die einen distanzierten Blickwinkel und damit erhöhte Problemlösekompetenzen bietet. Dadurch kann das Selbst und damit auch die psychische Gesundheit geschützt werden. Als Effekt sollten Entscheidung hinsichtlich der Erwerbsarbeitzeitverteilung mit der individuellen, privaten und sozialen Zeit somit in Richtung einer zufriedenstellenden Work-Life-Balance getroffen werden. Somit ergibt sich eine anzunehmende Korrelation von Humor und Work-Life-Balance.

H2: Humor und Selbstironie korrelieren positiv miteinander.

Neben dem self-enhancing Humor als Strategie zur Bewältigung von vor Allem Arbeitsstress und der Diskrepanz zwischen Beruf und privater Zeit untersucht die vorliegende Studie speziell auch den Faktor der Selbstironie. Nach Robinson ermöglicht speziell die Selbstironie in stressreichen Situationen das Gefühl der Sicherheit und Kontrolle über diese und sich selbst. Dies wiederum führt nicht nur ebenfalls zu einer distanzierteren Sichtweise als Ausgangspunkt für durchdachte und planmäßige Reaktionen, sondern durch das Lachen über sich selbst ebenfalls eine Selbstakzeptanz und das erkennen realistischer Ziele. Dadurch kann mehr Zufriedenheit, aber auch eine gesunde Einstellung zur Erwerbstätigkeit und dem zu Leistenden erreicht werden (vgl. Robinson, 2002 & Martin et al., 2003). Folgerichtig wirkt Selbstironie gesondert vom hier erhobenen Humor als eine besondere Form der Copingstrategie. Da beide Copingstrategien auf derselben Ebene und Funktionsweise wirken wird angenommen, dass sie häufig gemeinsam auftreten und daher statistisch signifikant korrelieren.

H3: Männer erzielen signifikant höhere Humorwerte als Frauen.

In dieser Studie wird die Humorskala des self-enhancing Humors nach Martin et. al von 2003 verwendet. Bei der Entwicklung dessen wurden signifikante Geschlechterunterschiede in allen Humorkategorien gefunden. Ob die auch auf die vorliegende Studie zutrifft soll die dritte Hypothese prüfen.

Daneben wurden zusätzlich Forschungsfragen entwickelt, für die noch keine empirische Forschung Basis tragen konnte.

F1: Gibt es Geschlechterunterschiede in Bezug auf Selbstironie und Work-Life-Balance?

Wie in H3 erläutert wurden bereits Geschlechterunterschiede bezüglich der Humorausprägung auf der Skala des HSQ in allen Humorarten empirisch festgestellt. Da Selbstironie in dieser Studie ebenfalls als eine spezielle Humorart und Copingstrategie betrachtet wird, diese aber im HSQ nicht abgefragt worden ist, ist es naheliegend, auf dieser Skala ebenfalls Geschlechterunterschiede zu erwarten. Aufgrund der theoretischen Grundlage der Geschlechterunterschiede in den Humorausprägungen ist als Effekt ebenfalls ein Unterschied in der jeweiligen Work-Life-Balance logisch abzuleiten.

F2: Gibt es Branchenunterschiede in Bezug auf Humor, Selbstironie und Work-Life-Balance?

Selbstverständlich ist es notwendig, ebenfalls die erhobenen Arbeitsbranchen mit einzubeziehen. Bisher existiert noch keine aussagekräftige empirische Studie, die diese Unterschiede in Bezug auf Work-Life-Balance in Deutschland untersucht. Folglich sollen zunächst die Daten dieser Studie auf eventuelle Unterschiede in Humor sowie Selbstironie als Copingstrategie sowie Work-Life-Balance untersucht werden.

3. Methode

Zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den genannten Hypothesen und Forschungsfragen wurden Daten mit Hilfe eines Online-Sammelfragebogens auf der Plattform Soscisurvey erhoben. Da es sich um eine empirische Forschung innerhalb einer Forschergruppe der Universität Koblenz-Landau handelte, enthielt der Sammelfragebogen nicht nur eine Vignette[1]zur Work-Life-Balance und den Fragebogen zum Humor und der Selbstironie als Copingstrategie auf der Grundlage des HSQ (s. Anhang), sondern auch weitere Fragebögen, die mögliche Zusammenhänge mit Work-Life-Balance testet. Dieser Sammelfragebogen wurde per E-Mail an die Branchenkontakte der Forschergruppe weitergeleitet, wodurch sich verschiedene Berufsfelder automatisch ergeben. Der Fragebogen konnte dann am heimischen Rechner individuell ausgefüllt werden.

[...]


[1]Vignetten werden eingesetzt, um die Antworten der Versuchspersonen möglichst vergleichbar zu machen. Dies wird durch das Schildern einer Situation erreicht, für die nachfolgend mehrere Aussagen genannt werden. Die Versuchsperson muss sich dadurch in die geschilderte Situation hineinversetzen. Nun kann diese mehrere für sie passende Aussagen auswählen. Durch diese Art der Datenerhebung wird eine höhere Vergleichbarkeit und eine einfachere Auswertbarkeit als bei bspw. offenen Fragen geboten.

Details

Seiten
38
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668393813
ISBN (Buch)
9783668393820
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353328
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
empirisches praktikum empirie forschung work life balance work-life-balance humor gesundheit selbstironie diversity management psychologie

Autor

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