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Forschungsmethoden in der Psychologie. Ein Reflexionsbericht

Studienarbeit 2016 12 Seiten

Psychologie - Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Veranstaltung „Empirisch Forschen in der Psychologie“
a. HIV 50+ - Psychosoziale Aspekte des Älterwerdens mit HIV und AIDS (Ahmad, 2014)
b. Räumliche Intelligenz: ein Motor- oder Kognitionseffekt? (Lehmann, 2014)
c. cognitive & neural signatures of altruistic punishment (Krüger, 2015)
d. Fazit über gesamte Veranstaltung mit Nutzen für eigenes Studium

2. Versuchspersonenstunden
a. 1. Studie: zeitlicher Lernaufwand in Bezug auf kognitive Leistung: Hängt das Maß der Lernmenge mit den Kompetenzen in Arbeitsgedächtnis und der mentalen Rotation zusammen? (von Kacsoh & Wüst, 2014)
b. Orientation. Differences between sighted and blind students. (Hahne & Robert, 2014)
c. Einfluss der Persönlichkeit auf das Entscheidungsverhalten unerfahrener Entrepreneure im Spannungsfeld von Effectuation und Causation (Eberz, 2016)

3. Literaturverzeichnis

1. Die Veranstaltung „Empirisch Forschen in der Psychologie“

Die Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, bietet innerhalb des Faches Psychologie im Zwei-Fach-Bachelor ein Kolloquium an, in dem aktuelle Forschungen vorgestellt werden. Im Rahmen dessen können nicht nur Studierende und Dozierende ihre Ergebnisse vortragen, sondern auch externe Forschende. Drei dieser Vorträge sollen im Folgenden kurz zusammengefasst und hinsichtlich ihrer Gütekriterien reflektiert werden.

a. HIV 50+ - Psychosoziale Aspekte des Älterwerdens mit HIV und AIDS (Ahmad, 2014)

Im Juni 2014 wurden die Zwischenergebnisse der Studie „HIV 50+“ der Goethe-Universität Frankfurt von Aisha-N. Ahmad in der Veranstaltung „Empirisch Forschen in der Psychologie“ präsentiert. Ziel der Studie ist die genaue, empirisch fundierte Beschreibung der Lebenswirklichkeit von Menschen ab dem 50. Lebensjahr mit HIV in Deutschland – dies schließt Ängste und Wünsche ein. Außerdem Ziel ist die Identifizierung unterschiedlicher institutioneller Beratungs-, Unterstützungs- sowie Versorgungsbedarfe sowie die Sensibilisierung zum Thema in Politik, Versorgungssystem und Selbsthilfegruppen. Das Forschungsprojekt gliedert sich in einen quantitativen sowie einen qualitativen Teil. Dies ist eine sehr elegante Methode, denn sie umgeht die einzelnen Unzulänglichkeiten des quantitativen sowie qualitativen Ansatzes, indem beide vollzogen werden. Frau Ahmad stellte den qualitativen Teil vor, in dem es hier gehen soll. In der ersten Feldphase wurden 17 Expert*innen-Interviews face-to-face sowie telefonisch geführt, unter denen sich Pfleger*innen, Mediziner*innen, Psycholog*innen sowie Mitarbeiter*innen der regionalen AIDS-Hilfen befanden. In der zweiten Feldphase wurden 34 problemzentrierte Betroffenen-Interviews sowie drei Ethnographien, mitunter teilnehmende Beobachtungen mit informellen Gesprächen in Pflegeeinrichtungen, durchgeführt. Die Auswertung erfolgte durch eine kategoriale Inhaltsanalyse. Zu den wichtigsten Zwischenergebnissen zählen psychiatrische bzw. psychologische Implikationen in Bezug auf Depressionen, kognitive Einschränkungen sowie Demenz. Daneben stünde der psychosoziale Faktor, nach dem Betroffene unter Vereinsamung, sozialer Isolation, Angst vor einem Disclosure und einer selbstwahrgenommenen, verminderten körperlichen Attraktivität leiden. Ambivalente Ressourcen der Betroffenen seien sowohl Alkohol- sowie Substanzkonsum als auch der Bezug zur Community. Durch mangelhafte Infrastrukturen, Frühverrentung, Langzeitarbeitslosigkeit und drohende Altersarmut spiele ebenso die sozioökonomische Lebenslage eine wichtige Rolle. Insgesamt sei die Versorgung älterer HIV-Positiver durch institutionelle sowie individuelle Stigmatisierung eine zentrale Herausforderung. Als Lösung wurde eine zielgruppenspezifische Spezialversorgung, aber auch die Integration in die Regelversorgung, vorgeschlagen (Ahmad, 2014)

Der qualitative Forschungsarm der Studie hat durch die verwendeten Methoden theoriegenerierend gewirkt. Der größte Teil der Stichprobe der Betroffenen-Interviews hat ein Alter zwischen 50 und 54 Jahren und die Diagnose seit 21 bis 25 Jahren. 85% der Teilnehmer waren männlich. Das Ergebnis dieser Stichprobe, die inhärent nicht repräsentativ sein kann, spiegelt die subjektiven Relevanzstrukturen und Ordnungsmuster der Befragten sowie Beobachteten wider. Gleichzeitig stellt dies eine Limitation des qualitativen Arms wider. Daher kann das Gütekriterium der Reliabilität nie ganz erfüllt werden, was allerdings qualitative Forschung impliziert. Die Validität ist allerdings, angepasst an die Stichprobe und unter Berücksichtigung der Ziele, gegeben. Der Einfluss der Untersuchungsbedingungen kann hier nur schwer beleuchtet werden. Jedoch ist davon auszugehen, dass Interview- sowie Beobachtungssituationen nicht immer gleich gewesen sind – bereits aufgrund dessen, dass Telefoninterviews ebenfalls geführt worden sind. Ebenfalls waren mehrere Forscher tätig, sodass das Gütekriterium der Objektivität nur eingeschränkt gegeben ist. Objektive, reliable und valide Ergebnisse wird jedoch der quantitative Arm mit höherer Wahrscheinlichkeit durch die standardisierten Fragebögen liefern. Demnach hat die hier beleuchtete Forschung ihre vollkommene Berechtigung, besonders hinsichtlich des Gütekriteriums der wissenschaftlichen Nützlichkeit, denn bisher hat es keine empirischen Befunde zur Lebenssituation, trotz über 26000 an HIV-erkrankten Menschen in Deutschland, die das 50. Lebensjahr bereits erreicht haben, gegeben. Zudem ist in dieser Studie Nähe statt Distanz nötig gewesen, denn soziales Handeln kann durch quantitative Erhebungsmethoden nur schwer erfasst werden, da diese an sich nicht als objektiv angesehen werden können. Je nach Bedeutungsgehalt und sozialer Situation sind diese anders zu interpretieren. Letztlich kann das vorherige Aufstellen von Hypothesen, die man dann quantitativ prüft, dazu führen, dass den Untersuchten An-/Absichten suggeriert werden, die tatsächlich nicht zutreffend sind. Die qualitative Forschung ist also nötig gewesen. Letztlich ist noch positiv herauszustellen, dass die Studie von einem Beirat beratend begleitet worden ist, in dem auch Menschen mit HIV vertreten sind, die das 50. Lebensjahr bereits erreicht haben.

b. Räumliche Intelligenz: ein Motor- oder Kognitionseffekt? (Lehmann, 2014)

Ebenfalls im Juni 2014 stellte Frau Jeniffer Lehmann eine breite Forschung im Feld der mentalen Rotationsfähigkeit, insbesondere bei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren mit Spina Bifida bzw. mit Hydrocephalus, vor. Frau Lehmann fokussierte die neurowissenschaftlichen Aspekte, insbesondere die mentale Rotation und Motorik sowie Kognition. Konkludierend aus dem aktuellen Forschungsstand verfolgt die von Frau Lehmann vorgestellte Studie das Ziel, den Zusammenhang des Arbeitsgedächtnisses mit der mentalen Rotationsfähigkeit, also den Zusammenhang motorischer Fertigkeit mit der mentalen Rotationsfähigkeit, nachzuweisen. Um den Einfluss des räumlichen Arbeitsgedächtnisses auf die mentale Rotation sowie den Zusammenhang von Motorik und Kognition zu untersuchen, wurden Kindern mit der Neuralrohrfehlbildung Spina Bifida (SB) und/oder Hydrocephalus (HC) zwischen acht und zwölf Jahren getestet. Jeweils zwölf Kinder mit HC sowie mit SBHC bearbeiteten einen Testbogen zur mentalen Rotationsfähigkeit sowie einem Testbogen zum Ordnen von Zahlen nach Zeit. Dabei zeigten sich in der Reaktionszeit hinsichtlich der Winkeldisparität sowie der Gruppe signifikante Effekte. In der Fehlerrate zeigten sich ebenfalls signifikante Effekte, wonach Kinder mit SB eine höhere Fehlerrate als Kinder mit HC aufwiesen. Aus dieser Forschung stellte sich eine reduzierte mentale Rotationsfähigkeit der Kinder mit SBHC gegenüber den Kindern mit HC heraus. Ob die mit SB einhergehenden motorischen Einschränkungen die Ursache dafür waren, wurde im nächsten Schritt mit einem motorischen Training (Jonglieren) überprüft. Nach der nun aufgestellten Hypothese weisen Kinder mit SB nach dem motorischen Training bessere Leistungen in der mentalen Rotation auf. Es wurden 19 Kinder mit SB zwischen acht und zwölf Jahren in zwei parallelisierten Gruppen getestet. Neben dem acht-wöchigen einstündigen Jongliertraining kamen ein allgemeiner Fragebogen sowie ein chronometrischer Rotationstest zum Einsatz. Im Ergebnis konnten signifikante Effekte in der Reaktionszeit bzgl. der Gruppe, als auch eine signifikante Interaktion von der Gruppe sowie der Winkeldisparität, festgestellt werden. Auch in der Fehlerrate zeigten sich signifikante Effekte der Gruppe. Damit wurde die Hypothese, dass Kinder mit SB hinsichtlich ihrer mentalen Rotationsfähigkeit von einem Jongliertraining profitieren, bestätigt (Lehmann, 2014).

Durch die standardisierten Testfragebögen ist von einer hohen Objektivität auszugehen. Allerdings ist es fraglich, ob in der zweiten Testphase eine Unabhängigkeit der Untersuchungsbedingungen vom Forscher im Jongliertraining gegeben sein kann. Die Interpretationsobjektivität ist durch die standardisierten Auswertmethoden, hier insb. die ANOVA, gegeben. Durch die zweite Testphase wurde indirekt die Kriteriumsvalidität überprüft. Die inhaltlich-logische Validität ist ebenfalls, auch durch die standardisierten Testbögen zur mentalen Rotation, gegeben. Die Reliabilität ist, mit einer Gruppengröße von jeweils 12 oder kleiner, kritisch. Allerdings wird die Reliabilität durch die zwei parallelisierten Gruppen gesteigert. Eine Aufgabe weiterer Studien könnte es jedoch sein, die Reliabilität durch weitere Wiederholungen des Tests mit anderen Stichproben zu stützen. Zu Diskussion steht außerdem ein möglicher Langzeiteffekt des Trainings. Die Frage, ob der Einfluss der Motorik auf die mentale Rotationsfähigkeit geringer ist als andere Bereiche, bleibt offen. Dieser Bereich sollte in weiteren Forschungen beleuchtet werden. Es wurde auf Evidenzen für den Zusammenhang von Motorik und mentaler Rotation sowie Evidenzen für den die Beteiligung des Arbeitsgedächtnisses an der mentalen Rotation im Vortrag hingewiesen, sodass sich die Frage stellt, ob es sich dabei um einen Motor- oder Kognitionseffekt handelt, und ob der Einfluss des Arbeitsgedächtnisses mit der kognitiven Entwicklung abnimmt. Letztlich wurde auf die räumliche Intelligenz in Abhängigkeit des Alters als möglicher großer Einflussfaktor auf die mentale Rotationsfähigkeit hingewiesen. Die Studie hat also wichtige Weichen für die weitere Forschung gestellt und ist somit als wissenschaftlich nützlich einzuschätzen.

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Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668394292
ISBN (Buch)
9783668394308
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353322
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
forschungsmethoden methoden psychologische psychologie sozialforschung

Autor

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Titel: Forschungsmethoden in der Psychologie. Ein Reflexionsbericht