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Körpersprache und ihre Auswirkungen auf Selbst- und Fremdbild. Theorie des Power Posings nach Amy Cuddy

von Mia Tanner (Autor)

Seminararbeit 2015 20 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung und Forschungsfrage
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Biografie Amy Cuddy

3. Körpersprache
3.1. Posen der Macht
3.2. Posen der Unsicherheit

4. Amy Cuddy´s Verhaltensexperiment
4.1. Methode
4.2. Ergebnisse
4.3. Diskussion der Ergebnisse

5. Resonanz auf Amy Cuddy´s Theorie des Power Posing

6. Anwendung des Power Posings bei Bewerbungsgesprächen
6.1. Problemstellung
6.2. Lösungsansatz

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Typische Posen der Macht

Abbildung 2: Typische Posen der Unsicherheit

1. Einleitung

Bereits 1971 bestimmte der US-Psychologe Albert Mehrabian die "7-38-55-Regel" und schuf damit eine neue Basis für das Verstehen der zwischenmenschlichen Kommunikation.1 Mehrabians Regel besagt, dass die zwischenmenschliche Kommunikation zu sieben Prozent durch sprachlichen Inhalt, zu 38 Prozent durch stimmlichen Ausdruck und zu 55 Prozent durch Körpersprache, daher durch nonverbale Kommunikation, bestimmt wird. Demzufolge ist nicht das was wir kommunizieren von höchster Relevanz, sondern die Art wie wir uns mitteilen und ausdrücken. Mehr als die Hälfte unserer Kommunikation ist nonverbal, wodurch unsere Körperhaltung und Körpersprache im Zuge von Kommunikation verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken.

Mit diesem Thema setzt sich auch die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy auseinander, die behauptet, dass unsere Körpersprache nicht nur maßgeblich beeinflusst wie andere Menschen uns sehen, sondern auch wie wir uns selber sehen und wahrnehmen.2 Cuddy´s TED Talk (alljährliche Innovations-Konferenz in Monterey, Kalifornien3 ) im Jahr 2012 zu diesem Thema hatte bis heute 21 Millionen online-Aufrufe und gilt als der am zweithäufigsten gesehene TED-Talk aller Zeiten.4

Die Wichtigkeit der Körpersprache und ihr großer Einfluss auf die zwischenmenschliche Kommunikation bilden das zentrale Thema dieser Seminararbeit.

Die heutige Gesellschaft wird durch immer höhere Leistungsansprüche geprägt. Als Universitätsabsolvent reicht es beim Vorstellungsgespräch für eine angestrebte Position längst nicht mehr "nur" einen ausgezeichneten Abschluss vorzuweisen und eine Fremdsprache zu sprechen. Um sich von der Konkurrenz abheben zu können, muss man zusätzlich Berufserfahrung, am besten ein oder mehrere Auslandsaufenthalte absolviert und seine Teamfähigkeit bereits weitgehend unter Beweis gestellt haben. Neben Englisch noch eine weitere Fremdsprache, am besten slawischen oder asiatischen Ursprungs, beherrschen sowie über exzellente rhetorische Fähigkeiten, Ausdauer und Geduld, eine hohe Problemlösungskompetenz und Selbstorganisation verfügen. Es stellt sich natürlich die Frage wie viele Personen zwischen 20 und 30 Jahren all das wirklich vorweisen können?

Selbstverständlich würde sich niemand bei einem Vorstellungsgespräch bewusst "klein" machen - Es ist wohl natürlich und selbstverständlich, dass wir uns in wichtigen Situationen möglichst gut präsentieren, unsere Stärken betonen und etwaige Schwächen kaschieren möchten. Die meisten Universitätsabsolventen müssen das wohl auch, wenn sie den Ansprüchen der heutigen Zeit gewachsen sein und möglichen Vorstellungen von zukünftigen Arbeitgebern entsprechen wollen. Denn es ist beinahe unmöglich, alle auf einer Stellenanzeige angeführten Kriterien zu 100 Prozent zu erfüllen.5 Ausgehend von Cuddy´s These, dass Körpersprache das Denken und die Einstellung anderer Menschen über uns sowie die eigene Selbstwahrnehmung beeinflusst, kann behauptet werden, dass man, selbst bei Nicht-Erfüllen aller Anforderungskriterien für eine angestrebte Stelle, das Bewerbungsgespräch erfolgreich bewerkstelligen kann, wenn man mittels Körpersprache die richtigen Signale vermittelt. Auf der anderen Seite wird jemand mit einer falschen, sich selbst verkleinernden Körpersprache ein Vorstellungsgespräch nicht für sich entscheiden, auch, wenn die Person in der Theorie allen ausgeschriebenen Anforderungskriterien gerecht wird.6

Die richtige Einstellung ist entscheidend - Jemand, der weiß was er kann und wie er es vermittelt gewinnt, jemand, der seine eigenen Fähigkeiten nonverbal nicht vermitteln kann, verliert.7

1.1. Zielsetzung und Forschungsfrage

Basierend auf Amy Cuddy´s Studie und der daraus entstandenen Arbeit „The Benefit of Power Posing Before a High-Stakes Social Evaluation"8 sowie auf anderen Studien zum Thema Körpersprache ergibt sich für die vorliegende Arbeit folgende Forschungsfrage:

Ist es möglich mangelndes Selbstbewusstsein aufgrund von fehlenden Fachkenntnissen und beruflichen Erfahrungen mithilfe von bewussten Machtposen zu kompensieren und dadurch die persönlichen Erfolgschancen bei einem Bewerbungsgespräch zu erhöhen?

1.2. Aufbau der Arbeit

Eine Biographie9 von Amy Cuddy zu Beginn der Arbeit gibt einen Überblick über die Tätigkeit und das Forschungsfeld der Sozialpsychologin. Es folgt ein Kapitel zum Thema Körpersprache mit dem Fokus auf Machtposen sowie Posen der Unsicherheit. Des Weiteren wird auf Cuddy´s Verhaltensexperiment näher eingegangen, welches aufgrund seiner hohen Aussagekraft und der leichten Umsetzbarkeit auch innerhalb der breiten Öffentlichkeit viel Gehör und Aufmerksamkeit findet. Mögliche Problemstellungen und Realitätsbezüge werden im darauffolgenden Kapitel eingehend behandelt. Mit möglichen Lösungsansätzen zum Thema Power Posing im Alltag und einer kurzen Diskussion der behandelnden Aspekte schließt die vorliegende Arbeit ab.

2. Biografie Amy Cuddy

Amy J. C. Cuddy wurde 1972 in Robesonia, Pennsylvania geboren. Als professionelle Balletttänzerin setzte sich Cuddy bereits während Ihrer Schul- und Collagezeit intensiv mit Körperhaltung und Körpersprache auseinander.10

Sie studierte Psychologie mit dem Schwerpunkt Soziale Psychologie an den Universitäten Princeton und Colorado, ehe sie als Assistenzprofessorin für Psychologie an der Kellogg School of Management und an der Rutgers Universität tätig wurde. Ihren Ph.D. in Sozialer Psychologie an der Universität Princeton schloss Cuddy 2005 ab.11

Das Forschungsfeld der Sozialpsychologin reicht von der Analyse unterschiedlicher Stereotypen und Diskriminierung über den Zusammenhang zwischen Gefühlen, nonverbaler Kommunikation und Macht bis hin zum Einfluss von sozialen Stimulationstechniken auf den menschlichen Hormonhaushalt. Zusammen mit ihren Kollegen entwickelte Cuddy das in der Sozialpsychologie etablierte "Stereotype Content Model" (SCM)12, welches besagt, dass sich Stereotypen durch Herzlichkeit und Kompetenz auszeichnen, sowie die "Behaviors from Intergroup Affect and Stereotypes Map" (BIAS)13, ein Modell, welches verwendet wird, um bestimmte Urteile über Menschen und Gruppen zu erstellen und zu erfahren, inwiefern diese Gefühle, Verhaltensweisen und die individuelle Motivation formen.

Im Laufe Ihrer Arbeit wurde sie mit unterschiedlichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem "Game Changer" (TIME Magazin, 2012), dem "Rising Star Award" (Association for Psychological Science, 2011) sowie dem "Michele Alexander Early Career Award" (Society for the Psychological Study of Social Issues).14

Amy Cuddy ist derzeit Assistenzprofessorin für Gesprächsführung, Organisationen und Markteinheiten an der Harvard Business School. Während sie in der Vergangenheit bereits aufgrund ihrer mehr als 9000 Mal zitierten Publikationen innerhalb der eigenen Fachrichtung hohe Aufmerksamkeit genoss, wurde sie 2012 dank ihres TED-Vortrags zum Thema „Power Posing" weit über die Grenzen der Sozialpsychologie bekannt. Amy Cuddy ist verheiratet und hat einen Sohn.15

3. Körpersprache

Körpersprache ist eine nonverbale Art der Kommunikation und kann in eine unbewusste und in eine bewusste Form gegliedert werden. Während bei der unbewussten Körpersprache der Körper unbewusste Signale sendet, um Informationen zu vermitteln und auf die jeweilige Umgebung und Situation zu reagieren, werden bei der bewussten Körpersprache antrainierte Signale gesendet, beispielsweise ein fester Händedruck oder ein zustimmendes Nicken mit dem Kopf. Körpersprache äußert sich durch viele unterschiedliche Formen, darunter bestimmte Körperhaltungen, Körperbewegungen, Mimik, Gestik, Blickkontakte sowie durch Distanzverhalten.16

Zudem unterschiedet die Körpersprache zwischen sogenannten Makro- und Mikrosignalen. Erstere sind mit dem freien Auge klar erkennbar, Mikrosignale werden vom Gegenüber nur unterbewusst wahrgenommen.17

3.1. Posen der Macht

Sogenannte Machtposen18 werden von Cuddy auch als Alphaposen bezeichnet, daher als typische Posen für Menschen in Machtsituationen, etwa Führungskräfte in Unternehmen. Es handelt sich hierbei um Posen, die Stärke, Selbstbewusstsein und einen hohen sozialen Status vermitteln. Beispiele für Posen der Unsicherheit sind schnelle und hastige Bewegungen, eingekehrte Schultern, ein gesenkter Kopf, ein gezwungenes Lächeln, nach innen gedrehte Füße, Hände in den Hosentaschen sowie die Suche nach permanentem Blickkontakt.19

Abbildung 1 illustriert einige von Cuddy´s Posen der Macht, darunter lockere Sitzhaltungen sowie bewusstes und selbstsicheres Stehen. Das letzte Bild der Reihe zeigt eine symmetrische Stehposition mit aufrechten Schultern und aufrechtem Kopf - Durch das Miteinbeziehen aller Körperbereiche in die Machtpose ist diese Haltung ein besonders gutes Beispiel für eine Alphapose.20

[...]


1 Vgl. Mehrabian, A. (1981)

2 Vgl. Cuddy, A. et al. (2012)

3 Vgl. www.ted.com

4 Vgl. www.businessinsider.com/power-pose-2013-5?op=1&IR=T

5 Vgl. Jonas, K., Stroebe, W. & Hewtone, M. (Hrsg) (2014)

6 Vgl. Cuddy, A. et al. (2012)

7 Vgl. James Clear (2015)

8 Vgl. Cuddy, A. et al. (2012)

9 Vgl. www.cuddy.socialpsychology.org

10 www.harvardmagazine.com/2010/11/the-psyche-on-automatic

11 www.cuddy.socialpsychology.org

12 Vgl. Cuddy, Amy J. C.; Fiske, Susan T.; Glick, P. (2007)

13 Cuddy, Amy J.C; Fiske, Susan T.; Glick, P. (2008)

14 www.cuddy.socialpsychology.org

15 www.cuddy.socialpsychology.org,

16 Molcho, S. (2003)

17 Mehrabian, A. (1981)

18 Vgl. Cuddy, Amy .J.C, &Yap. A et al. (2010)

19 Vgl. James Clear (2015), www. jamesclear.com/body-language-how-to-be-confident

20 Vgl. James Clear (2015), www. jamesclear.com/body-language-how-to-be-confident

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668395404
ISBN (Buch)
9783668395411
Dateigröße
998 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353280
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
Power Posing Amy Cuddy Sozialpsychologie Körpersprache

Autor

  • Mia Tanner (Autor)

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Titel: Körpersprache und ihre Auswirkungen auf Selbst- und Fremdbild. Theorie des Power Posings nach Amy Cuddy