Lade Inhalt...

Mediation - Grundlagen der Alternative zum Rechtsstreit

Hausarbeit 2002 13 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Theoretische Grundlagen
3.1. Der Begriff der Mediation und die Geschichte
3.2. Bereiche der Mediation
3.3. Die Mediation im Unterschied zur Schlichtung und zum Rechtsstreit
3.4. Die Bedeutung der Psychologie und der Kompetenzen des Mediators im Streitfall

4. Die praktische Umsetzung
4.1. Voraussetzungen einer Mediation
4.2. Mediationsregeln
4.3. Ablauf einer Mediation
4.4. Mediation – Kosten und Dauer

5. Mediation als Beratung – Abschlussbemerkung

6. Quellenverzeichnis

2. Einleitung

Im täglichen Leben werden wohl alle Menschen jeden Tag mit Konflikten konfrontiert. Damit viele dieser Auseinandersetzungen und Kontroversen nicht eskalieren, ist es teilweise nötig, zu schlichten und zwischen den Streitparteien zu vermitteln.

In einem Konfliktfall gibt es insgesamt acht Handlungsalternativen ( nach Leo Montada / Elisabeth Kals: Mediation, Weinheim 2001).

A. Eine einseitiges Ergebnis, das nicht nur zu Lasten einer Partei geht, sondern auch das Verhältnis der Parteien zueinander nachhaltig negativ beeinflußt

1. Das einseitige Nachgeben
2. Das einseitige Durchsetzen der eigenen Meinung
B. Die gemeinsame Entscheidung, die sich mehr an den Interessen aller orientiert
3. Eine Verhandlung
4. Die Mediation
5. Eine Entscheidung vor Gericht (der Rechtsweg)
6. Eine Entscheidung durch eine Schiedsstelle
7. Eine Schlichtung
8. Eine autokratische Entscheidung, die nur dann möglich ist, wenn der Streitfall in einer Hierarchie stattfindet und z.B. ein Vorgesetzter die Entscheidungskompetenz hat.

Besonderes Augenmerk werden wir in unserer Arbeit auf den Punkt 4. legen, interessant ist allerdings auch der Vergleich der Mediation mit dem in Deutschland sehr verbreiteten Einschlagen des Rechtsweges.

3.1. Der Begriff der Mediation und die Geschichte

Der Begriff Mediation entstammt ursprünglich dem lateinischen Wort mediare, was vermitteln bedeutet.

Anfang der Siebziger Jahre wurde der Begriff in den USA als Terminus eingeführt. Wie das Wort Mediation bereits sagt, gilt es in diesem Berufsfeld bei Konflikten durch unparteiische Dritte, die von allen Beteiligten akzeptiert werden, eine nachhaltige Lösung ohne Verlierer herbeizuführen. In den Sechziger Jahren wurde die Mediation als Beruf entwickelt und Methoden ausgebildet.

Bis die Mediation in Europa anerkannt und publik wurde, vergingen allerdings noch einige Jahre.

Dabei ist die Mediation kein neuzeitliches Phänomen, sondern in vielen Kulturen bereits seit langer Zeit bekannt, so wurde Mediation bereits bei den alten Hebräern, Japanern und Chinesen praktiziert.

Auch in Europa ist die Vermittlung und Schlichtung bei Konflikten seit langem ein Teil der Streitkultur. So waren beispielsweise Verhandlungen mit dem Ziel des Schadensausgleiches bereits im Mittelalter verbreitet, und der Beruf des Maklers als Vermittler in wirtschaftlichen und handelsspezifischen Streitigkeiten wurde bereits 1754 im italienischen Zivilgesetzbuch, dem Codice Civile, festgehalten. In Frankreich wurde schon im Jahre 1790, wenn auch nur für kurze Zeit, ein System der Familienschlichtung eingeführt, das nicht auf gerichtlichen Urteilen basierte.

In der Politik hat die Schlichtung eine ebenfalls lang zurückreichende Tradition: Der westfälische Friede, der 1648 das Ende des 30jährigen Krieges einleitete, wurde im wesentlichen durch den Einsatz von Vermittlern erzielt. In der internationalen Politik ist die Mediation hingegen erst seit kurzem anerkannt. Zwar wurde der Begriff im Zusammenhang mit internationalen Konflikten bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts genannt, die Realisierung dauerte jedoch, nicht zuletzt aufgrund der internationalen Entwicklung mit zwei Weltkriegen und der Verhärtung der Fronten zwischen Ost und West, noch bis 1975. Erst dann rückte die Mediation, auch durch das Erstarken in den USA, bezüglich internationaler Konflikte als Alternative zu den traditionellen Methoden, die einer Streiteskalation nicht immer aus dem Wege gingen, ins Blickfeld.

Im Gegensatz zu früher kommt es bei der modernen Mediation zur konsequenten Anwendung von Techniken und Methoden; der Mediator kümmert sich dabei ausschließlich um das Setting (der Plan des Ablaufes, der vorher erstellt wird), das Verfahren und die einzuhaltende Fairness während des Schlichtungsprozesses – auf die Funktionen des Mediators und die Methoden wird im weiteren Verlauf allerdings noch eingegangen.

3.2. Bereiche der Mediation

In der Mediation ist vor allem der privatrechtliche, weniger der öffentlich-rechtliche Bereich bedeutsam. So kann Mediation etwa in der Wirtschaft ein nützliches Mittel sein, zu nennen wäre hier beispielsweise die Vermittlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Streikfall. Auch in der Politik ist die Vermittlung sehr hilfreich wie sich z.B. beim Streit um den Bau einer neuen Landebahn auf dem Frankfurter Flughafen gezeigt hat. Einen wichtigen Standpunkt stellen in politischen Fragen die Streitigkeiten hinsichtlich der Umwelt dar.

Selbst in der internationalen Politik, dem Konflikt auf dem Balkan etwa, ist die Schlichtung durch Mediatoren mittlerweile verbreitet. Hier dient die Vermittlung vor allem der Vermeidung von Kriegen und dem Aufbau eines interkulturellen Verständnisses.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist der des menschlichen Miteinanders: Beispielsweise bei Scheidungen kann die Mediation mehr leisten als der Gang zum Gericht, da die Verbesserung der Beziehungen im Vordergrund steht. Auch sonstige partnerschaftliche Fragen, Jugendarbeit in Schulen und Nachbarschaftsstreitigkeiten fallen potentiell in den Tätigkeitsbereich der Mediation.

3.3. Die Mediation im Unterschied zur Schlichtung und zum Rechtsstreit

Die Schlichtung hat den Interessensausgleich zum Ziel, d.h. die Lösung des Konfliktes wird meist vom Schlichter vorgegeben. Obwohl auch hier ein faires Endergebnis angestrebt wird, hat die Mediation ein anderes Ziel.

In der Mediation soll ein Konsens gefunden werden, bei dem gleichzeitig die tiefere Struktur des Problemfalles aufgedeckt wird. Dazu müssen Ursachen erforscht und bearbeitet werden, es geht um keine „Lösung“, die von einer übergeordneten Stelle den Beteiligten bestimmt wird, sondern um eine Beseitigung der Grundlagen des Streites.

So kann eine wirklich nachhaltige Lösung erzielt werden, bei deren Findung die Streitparteien den Hauptteil übernehmen. Der Mediator dient eher als ein neutraler Moderator, der durch den Einsatz bestimmter Techniken das Gespräch lenken kann.

Beim Rechtsstreit dagegen wird der Sachverhalt auf eine Objektivierung reduziert. Ziel ist hier das Finden von Ansprüchen und Anspruchsgrundlagen, um ein Tun, Dulden, Unterlassen oder den Ersatz eines Schadens von der anderen Partei verlangen zu können. Die eigentliche Motivation des Konflikts bleibt im Unterschied zur Mediation unberührt. Es geht hier darum, den Schaden oder den Nachteil, den jemand erlitten hat ersetzt oder ausgeglichen zu bekommen, nicht um eine echte Lösung des Problems.

Der Mediator gibt im Gegensatz zum Rechtsanwalt keine juristischen Ratschläge und ist keine Vertretung vor Gericht. Trotzdem stellt sich der Mediator die Frage, ob eine von den Parteien entwickelte Lösung im Alltag trag- und umsetzbar ist und nicht mit rechtlichen und vertragsrechtlichen Gesetzen kollidiert oder mit ethischen und allgemeinen Konventionen in Konflikt kommt.

Im Gegensatz zum gerichlichen Streit treffen die Beteiligten im Mediationsprozeß selbst Entscheidungen und entwickeln mit Hilfe der Mediatoren Lösungen zur Konfliktbeilegung.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638352741
ISBN (Buch)
9783640393367
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35320
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Mediation Grundlagen Alternative Rechtsstreit Beratungspraxis Thema Mediation

Autor

Zurück

Titel: Mediation - Grundlagen der Alternative zum Rechtsstreit