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Die Bedeutung von Fleisch und die Akzeptanz von Lupinenprodukten im urbanen und ländlichen Raum

Ein Vergleich mittels quantitativer Befragung

Masterarbeit 2015 163 Seiten

Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielstellung und Forschungsfragen
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Tierhaltung und Fleischkonsum - ein Überblick
2.1 Fleischproduktion
2.2 Fleischhandel
2.3 Fleischkonsum
2.3.1 Historische Entwicklung des Fleischkonsums
2.3.2 Fleischkonsum in der Gegenwart
2.4 Nutzen der Tierhaltung
2.5 Kritische Aspekte der Tierhaltung
2.5.1 Ökologischer Aspekt
2.5.2 Tierethischer Aspekt
2.5.3 Sozialer Aspekt der Tierhaltung
2.6 Fleischkonsum und Gesundheit
2.6.1 Potential für die Ernährung
2.6.2 Risiken für die Gesundheit
2.7 Mögliche Ansätze zur Reduzierung des Fleischkonsums
2.8 Vegetarismus

3. Kulturelle Bedeutung von Fleisch
3.1 Kulturelle Unterschiede
3.2 Symbolische Bedeutungen des Fleischverzehrs
3.3 Fleischkonsum und Psychologie
3.4 Karnismus

4. Die Lupine als Alternative zum Fleisch
4.1 Fleischersatzprodukte - ein Überblick
4.2 Historische Bedeutung der Lupine
4.3 Die Lupine als Eiweiß der Zukunft
4.4 Chancen und Risiken

5. Methodik und Durchführung
5.1 Erstellung des Forschungskonzeptes
5.2 Operationalisierung und Datenerhebung
5.3 Datenauswertung

6. Auswertung
6.1 Soziodemographische Parameter
6.1.1 Greifswald
6.1.2 Soziodemographische Aspekte der Gemeinde Osterwieck
6.2 Inhaltliche Ergebnisse der Befragung
6.2.1 Fleisch - Wertvorstellungen und Konsum
6.2.2 Konsum und Wertvorstellungen von Fleischalternativen und Lupinenprodukten
6.2.3 Subjektive Einschätzungen über den Gesundheitswert und die ökologische Verträglichkeit ausgewählter Nahrungsmittel

7. Beantwortung der Forschungsfragen
7.1 Der Fleischverzehr und seine Wertvorstellungen
7.2 Akzeptanz von Lupinenprodukten im ländlichen/urbanen Raum
7.3 Subjektive Einschätzung der Menschen auf die ökologische bzw. gesundheitliche Verträglichkeit von ausgewählten Nahrungsmitteln

8. Diskussion
8.1 Zusammenfassung der Hauptergebnisse
8.2 Einordnung der Ergebnisse in den wissenschaftlichen Kontext
8.3 Methodenkritik

9. Fazit

Zusammenfassung

Die folgende Masterarbeit untersucht die assoziationsgebundene Bedeutung von Fleisch in der Bevölkerung, vergleicht die Akzeptanz von Lupinenprodukten der Bevölkerung in ländlichen mit der in urbanen Regionen und analysiert die subjektiven Einschätzungen der Menschen hinsichtlich Gesundheitswert und ökologischer Verträglichkeit von Fleisch und Fleischersatz.

Der in der Gesellschaft stattfindende hohe Fleischkonsum zieht weltweit weitreichende ökologische und soziale Folgen nach sich, wirkt sich zu Ungunsten der Gesundheit aus und trägt zur Entstehung vieler Zivilisationskrankheiten bei. Zudem ist die intensive Tierhal- tung aus tierethischer Sicht äußerst bedenklich. Die Entwicklung neuer Fleischersatzpro- dukte soll einen Ansatz bieten, diesem Problemkomplex entgegenwirken. Eine im Rah- men dieser Arbeit durchgeführte quantitative Umfrage mit insgesamt 318 Personen ergab, dass Fleisch einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung besitzt und dessen Ver- zehr überwiegend als normal, natürlich und notwendig empfunden wird. Gleichzeitig be- trachten jedoch viele Menschen den Verzehr von Fleisch zunehmend als kritisch. Laut den Untersuchungsergebnissen dieser Arbeit könnten neue Fleischersatzprodukte hierbei einen Lösungsansatz bieten. Zwar konsumiert derzeitig lediglich eine Minderheit regel- mäßig Fleischalternativen, jedoch ließen sich zukünftig sehr viel mehr Menschen zu ei- nem regelmäßigen Konsum bewegen, wenn Pflanzenfleisch aus Lupinen Fleischwaren in Struktur, Aroma und Geschmack perfekt ersetzen würden. Menschen aus ländlich gepräg- ten Regionen besitzen dabei tendenziell eine etwas höhere Akzeptanz gegenüber Lupi- nenprodukten als Personen aus dem urbanen Umfeld. Insgesamt war den Befragten eine gesunde Ernährung wichtig. Sowohl Fleisch als auch Lupinenprodukte werden in diesem Zusammenhang überwiegend als gesund empfunden. Hinsichtlich der ökologischen Ver- träglichkeit werden Fleischersatzprodukte deutlich positiver eingeschätzt als tierische Produkte.

Abstract

This thesis investigates the association-bounded meaning of meat in the population; the acceptance of lupine products of the population in rural compared with that in urban areas and analyzes the subjective assessments of people with regard to health and environmental safety of meat and meat substitutes. The high meat consumption attracts world far-reaching ecological and social consequences, takes affects on health and contributes the development of civilization diseases. In addition, intensive live- stock farming is highly questionable in the view of animal ethic. The development of new meat substitutes should offer an approach to antagonize this set of problems. In this thesis, a quantitative survey with a total of 318 people showed that meat plays an important role in population and its consumption is mainly perceived as normal, nat- ural and necessary - at the same time, however, many people consider eating meat as critical. According to the investigation result, new meat substitutes could offer an ap- proach. Currently, only a minority consumed meat alternatives regularly. Many more people could move to regular consumption, when plants-meat from lupines would replace meat products perfectly in structure, aroma and taste. People from rural re- gions tend to have a slightly higher acceptance of lupine products as people from the urban surrounding. Overall, the Respondents are a healthy diet important. In this con- text, meat and lupine products are mainly considered healthy. According to ecological compatibility, meat substitutes are considered much more positive as animal prod- ucts.

Lesehinweis:

Zur Verbesserung des Leseflusses wurde für die vorliegende Arbeit die männliche Schreibweise gewählt. Alle Formulierungen gelten deshalb für sämtliche Geschlechter.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2.1 Weltweite Fleischproduktion 1961 und 2012

Abb. 2.2 Fleischproduktion der fünf am meisten produzierenden Länder 2012

Abb. 2.3 Globaler Trend der Fleischerzeugung

Abb. 2.4 Globaler Anteil der Individuen nach Nutztierart

Abb. 2.5 Höhe des Gesamtfleischverbrauchs nach Ländern

Abb. 2.6 Fleischverbrauch in kg pro Kopf/Jahr.

Abb. 2.7 Fleischerbrauch in Deutschland, 1850-2010.

Abb. 2.8 Täglicher Wasserverbrauch eines deutschen Bürgers

Abb. 2.9 Treibhausgas-Emissionen von Lebensmitteln in Deutschland..

Abb. 4.1 Treibhausgasemission in kg CO2eq je kg Lebensmittel..

Abb. 4.2 Benötigte Landfläche in m²/Jahr je kg Lebensmittel

Abb. 5.1 Lineares Modell des Forschungsprozesses

Abb. 6.1 Vergleich des höchsten Bildungsstandes von Grundgesamtheit und Stich-.... probe in HGW

Abb. 6.2 Vergleich der Berufsgruppen von Grundgesamtheit und Stichprobe in HGW

Abb. 6.3 Einkommen der Befragten in Greifswald (Stichprobe)

Abb. 6.4 Vergleich des höchsten Bildungsstandes von Grundgesamtheit und Stich- probe in Osterwieck

Abb. 6.5 Vergleich der Berufsgruppen von Grundgesamtheit und Stichprobe in Osterwieck

Abb. 6.6 Einkommen der Befragten in Osterwieck (Stichprobe)

Abb. 6.7 Ernährungsformen der Befragten in Greifswald

Abb. 6.8 Ernährungsformen der Befragten in Osterwieck

Abb. 6.9 Antwortmöglichkeiten bzw. Items der zweiten Frag.

Abb. 6.10 Häufigkeit des Appetits von Fleisch, Wurst und Fisch der Befragten aller Befragten .

Abb. 6.11 Häufigkeit des Verzehrs von Fleisch, Wurst und Fisch aller Befragten

Abb. 6.12 Anteil der Bewertungen aller Befragten über die Normalität des Fleisch- konsums

Abb. 6.13 Anteil der Bewertungen aller Befragten über die Natürlichkeit des Fleisch konsums

Abb. 6.14 Anteil der Bewertungen aller Befragten über die Notwendigkeit des Fleischkonsums

Abb. 6.15 Subjektive Einschätzung aller Befragten über das Zuviel des Fleischkonsums nach Geschlechter

Abb. 6.16 Subjektive Einschätzung aller Befragten über das Zuviel des Fleischkonsums nach höchsten Bildungsabschluss

Abb. 6.17 Vergleich der symbolischen Bedeutung von Fleisch in Osterwieck und HGW [Anzahl Bedeutungen]

Abb. 6.18 Vergleich der Anteile positiver und/oder negativer Bedeutungen in Bezug auf den Fleischverzehr in Osterwieck und HGW nach Geschlecht

Abb. 6.19 Häufigkeit des Konsums von Fleischalternativen in HGW

Abb. 6.20 Häufigkeit des Konsums von Fleischalternativen in Osterwieck

Abb. 6.21 Häufigkeit des Konsums von Fleischalternativen aller Befragten in Relation zum Gesamtappetit auf Fleischwaren

Abb. 6.22 Häufigkeit des Konsums von Fleischalternativen aller Befragten in Relation zum Gesamtverzehr auf Fleisch

Abb. 6.23 Häufigkeit des Konsums von Fleischalternativen nach Altersklassen in HGW...

Abb. 6.24 Häufigkeit des Konsums von Fleischalternativen aller Befragten nach Beruf

Abb. 6.25 Widerstand in Bezug auf den Konsum von Fleischersatzprodukten

Abb. 6.26 Anteil der Antworten aller Befragten in Bezug auf den (häufigeren) Konsum von Fleischersatzprodukten, wenn diese günstiger, verfügbarer oder geschmackvoller wären

Abb. 6.27 Anteil der Antworten aller Befragten in Bezug auf den (häufigeren) Konsum von Fleischersatzprodukten, wenn diese günstiger, verfügbarer oder ge- schmackvoller wären nach Höhe des Gesamtverzehrs

Abb. 6.28 Anteil der Antworten aller Befragten in Bezug auf den (häufigeren) Konsum von Fleischersatzprodukten, wenn diese günstiger, verfügbarer oder ge- schmackvoller wären nach Häufigkeit des Konsums von Fleischalternativen ... 87 VIII

Abb. 6.29 Voraussichtlicher Konsum von Lupinenprodukten aller Befragten

Abb. 6.30 Anteil der Häufigkeit des voraussichtlichen Verzehrs von Lupinenprodukten aller Befragten nach Berufskategorie

Abb. 6.31 Anteil der Häufigkeit des Verzehrs von Fleischersatzprodukten nach voraussichtlichem Konsum von Lupinenprodukten in Osterwieck

Abb. 6.32 Anteil der Häufigkeit des Verzehrs von Fleischersatzprodukten nach voraussichtlichem Konsum von Lupinenprodukten in Greifswald

Abb. 6.33 Anteil der Angaben über den Ersatz von Fleisch durch Lupineneiweiße in Fertigprodukten in Greifswald

Abb. 6.34 Anteil der Angaben über den Ersatz von Fleisch durch Lupineneiweiße in Fertigprodukten in Osterwieck

Abb. 6.35 Anteil der Wichtigkeit aller Befragten in Bezug auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung

Abb. 7.1 Anteile der Bewertungen aller Befragten über die Normalität des Fleisch- konsums in Abhängigkeit vom Gesamtverzehr

Abb. 7.2 Anteile der Bewertungen aller Befragten über die Natürlichkeit des Fleischkonsums in Abhängigkeit vom Gesamtverzehr

Abb. 7.3 Anteile der Bewertungen aller Befragten über die Notwendigkeit des Fleisch- konsums in Abhängigkeit vom Gesamtverzehr

Abb. 7.4 Anteile der Bewertungen aller Befragten über die Notwendigkeit des Fleischkonsums nach Bildungsgrad

Abb. 7.5 Anteil positiver und/oder negativer Bedeutungen aller Befragten in Bezug auf den Fleischverzehr

Abb. 7.6 Vergleich positiver und/oder negativer Bedeutungen aller Befragten nach Gesamtverzehr

Abb. 7.7 Anteile der Häufigkeiten des Konsums von Fleischalternativen aller Befragten nach Bildung

Abb. 7.8 Anteile der Häufigkeit des voraussichtlichen Konsums von Lupinen- produkten aller Befragten nach Bildung

Abb. 7.9 d aller Befragten nach Einkommen

Abb. 7.10 Anteile der Häufigkeiten des Konsums von Lupinenprodukten aller Befragten nach Einkommen

Abb. 7.11 Häufigkeiten des voraussichtlichen Konsums von Lupinenprodukten aller männlichen Befragten nach Altersklasse

Abb. 7.12 Häufigkeiten des voraussichtlichen Konsums von Lupinenprodukten aller weiblichen Befragten nach Altersklasse

Abb. 7.13 Vergleich der Häufigkeit des derzeitigen Konsums von Fleischalternativen aller Befragten mit der Häufigkeit des voraussichtlichen zukünftigen Konsums von Lupinenprodukten

Abb. 7.1den Konsumverhalten von Fleischalternativen

Abb. 7.15 Anzahl der potentiellen zukünftigen Konsumenten von Lupinenprodukten, die momentan keine Fleischalternativen gebrauchen

Abb. 7.16 Voraussichtlicher Konsum von Lupinenprodukten der Befragten in HGW

Abb. 7.17 Voraussichtlicher Konsum von Lupinenprodukten der Befragten in Osterwieck

Abb. 7.18 Anteile der Antworten aller Befragten über die Einschätzung der Wichtig- keit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung nach höchsten Bildungsabschluss

Abb. 7.19 Subjektive Einschätzungen aller Befragten über den Gesundheitswert

ausgewählten Nahrungsmittel, [Pkt.]

Abb. 7.20 Subjektive Einschätzungen aller Befragten über die ökologische Verträglichkeit auswählten Nahrungsmitteln

Tabellenverzeichnis

Tab. 2.1 Die 10 größten Fleischkonzerne der Welt nach Umsatz

Tab. 2.2 Internationaler Handel mit Geflügel-, Schweine- und Rindfleisch: Exporte 2012

Tab. 2.3 Internationaler Handel mit Geflügel-, Schweine- und Rindfleisch: Importe

Tab. 2.4 Wasserbedarf unterschiedlicher Lebensmittel

Tab. 2.5 Flächenbedarf von Lebensmitteln pro verzehrfähiger Energie des Produkts

Tab. 2.6 Umwandlungsrate pflanzlicher Kalorien in tierische

Tab. 6.1 Vergleich von Alter und Geschlecht der Männer von Grundgesamtheit und Stichprobe in HGW

Tab. 6.2 Vergleich von Alter und Geschlecht der Frauen von Grundgesamtheit und Stichprobe in HGW

Tab. 6.3 Vergleich von Alter und Geschlecht der Männer von Grundgesamtheit und Stichprobe in Osterwieck

Tab. 6.4 Vergleich von Alter und Geschlecht der Frauen von Grundgesamtheit und Stichprobe in Osterwieck

Tab. 6.5 Subjektive Einschätzungen aller Befragten in Hinblick auf den gesund- heitlichen Wert ausgewählter Nahrungsmittel

Tab. 6.6 Subjektive Einschätzungen aller Befragten hinsichtlich der ökologischen Verträglichkeit ausgewählter Nahrungsmittel

Tab. 7.1 Anzahl positiver und negativer Bedeutungen aller Befragten in Bezug auf den Fleischverzehr

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der hohe Fleischkonsum in den Industrieländern und ein steigender Verbrauch in den Entwicklungs- und Schwellenländern haben erhebliche Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und die sozial-wirtschaftliche Situation vieler Menschen, besonders in ärmeren Ländern, zur Folge. Nebenbei verursacht die intensive Tierhaltung immenses Tierleiden und stellt daher, auch in ethischer Hinsicht, ein Problem dar. Eine Reduzierung des Fleischkonsums wäre die Lösung für eine Vielzahl von Problemen, die Fauna, Flora und letztendlich auch den Menschen belasten.

Einen Ansatz zur Lösung dieser Problematik bietet die Erforschung nach neuen Nah- rungsmittelprodukten wie Fleischalternativen, die versuchen, Fleisch in Aroma, Ge- schmack und Struktur nachzuahmen. Eine interessante Entwicklung findet hierbei in den Niederlanden statt. Zahlreiche „vegetarische Schlachtereien“ stellen hochwertige Fleisch- alternativen aus den Samen der Lupine her und bieten diese in zahlreichen Verkaufsstel- len in den Niederlanden und Belgien an. Die Produkte werden auch von Fleischessern gut angenommen und können daher einen Beitrag zur Reduzierung des Fleischkonsums leis- ten. Die verwendeten, eiweißreichen Pflanzensamen entstammen dabei von der Lupine, die der Pflanzengattung der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) angehört. Sie wird seit vielen Jahrhunderten zur Gründüngung von Feldern und als Viehfutter verwendet. Heute werden vor allem in Europa die hochwertigen Proteine der Samen zunehmend als Ersatz für importiertes Soja verwendet.

Und auch in Deutschland findet die Lupine immer mehr Beachtung.2014 ging der deut- sche Zukunftspreis an ein Forscherteam, das sich mit der Entwicklung eines Verfahrens auseinandersetzt, um aus Lupineneiweiß schmackhafte Fleisch- und Milchalternativen herzustellen. Das Ziel besteht darin, allen Verbrauchern eine Alternative zu Fleischwaren anzubieten, um auch in Zukunft die steigende Zahl an Menschen weltweit ernähren zu können.

Die vorliegende Masterarbeit soll, innerhalb dieser Entwicklung, einen Beitrag zur breiteren Durchsetzung und Akzeptanz von Fleischersatzprodukten leisten und somit zur Verbesserung der momentanen Situation beitragen.

1.1 Zielstellung und Forschungsfragen

Um eine Reduzierung des Fleischkonsums herbeizuführen, muss zuvor geklärt werden, warum Menschen häufig Fleisch essen und aus welchen Gründen dieses Nahrungsmittel so beliebt ist. Hierfür müssen die grundlegenden Denkweisen und Bedeutungen der Menschen in Bezug auf den Fleischverzehr untersucht werden. Dieser Sachverhalt soll mithilfe der ersten Forschungsfrage aufgegriffen werden:

„Welche Wertvorstellungen werden mit dem Verzehr von Fleisch verbunden?“

Im nächsten Schritt muss ergründet werden, welchen Beitrag Fleischersatzprodukte in Hinblick auf die Reduzierung des Fleischverbrauchs leisten können. Die Lupine, als heimische Eiweißpflanze, steht hierbei im Mittelpunkt der Betrachtung. Wie es um die Akzeptanz neuartiger Lupinenprodukte in ländlichen/städtischen Regionen Deutschlands steht, wird mittels der zweite Forschungsfrage untersucht:

„In wieweit werden Lupinenprodukte von den Konsumenten akzeptiert und gibt es hierbei Unterschiede zwischen ländlicher Region und Stadt?“

Abschließend soll mithilfe der dritten Forschungsfrage herausgearbeitet werden, wie die Befragten rein subjektiv den Gesundheitswert und die ökologische Verträglichkeit von Lupinenprodukten und Fleischwaren wahrnehmen:

„Wie gestaltet sich die subjektive Einschätzung der Menschen hinsichtlich der ökologischen und gesundheitlichen Bewertung von Lupinenprodukten und Fleisch?“

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Anschluss an die Einführung informiert das zweite Kapitel, über die Produktion, den Handel und den Konsum von Fleisch. Darauf aufbauend werden sowohl die positiven als auch die überwiegend negativen Aspekte der Tierhaltung bzw. eines hohen Fleischkon- sums zusammengetragen, um damit eine Grundlage für das Verständnis des dringenden Handlungsbedarfs zu bilden. Im nächten Kapitel folgt die Aufarbeitung der kulturellen Bedeutung des Fleischessens. Hierbei wird der Fleischverzehr im historischen Kontext betrachtet, die kulturellen Unterschiede zwischen den Völkern aufgezeigt und auf die symbolischen Bedeutungen von Fleisch eingegangen. Das vierte Kapitel folgt daraufhin mit einem einführenden Überblick, der derzeitig am Markt erhältlichen Fleischalternati- ven. Den thematischen Schwerpunkt dieses Kapitels bildet die Lupine mit ihrem zukünfti- gen Potential als nachhaltiger Proteinlieferant für die Ernährung des Menschen.

Der praktische Teil dieser Arbeit beginnt mit der Erläuterung der angewendeten Methodik. Im Anschluss werden innerhalb der Auswertung die gewonnenen soziodemographischen und inhaltlichen Ergebnisse der Befragung in Text und Bild dargestellt. Schließlich folgt eine ausführliche Darstellung der Analyseergebnisse, um die Forschungsfragen und Hypothesen zu beantworten. In der Diskussion werden die Hauptergebnisse zusammengefasst, die Ergebnisse in den wissenschaftlichen Kontext eingeordnet und die Methodenkritik dargestellt. Das Fazit bildet mit den aus der Diskussion abgeleiteten Handlungsempfehlungen den Abschluss dieser Arbeit.

2. Tierhaltung und Fleischkonsum - ein Überblick

2.1 Fleischproduktion

Weltweit am häufigsten zur Fleischproduktion verwendet werden die Nutztiere Schwein, Huhn, Rind, Schaf und Ziege (Abb. 2.1) 2012 machten sie zusammen einen Anteil von 92,7 % an der Weltfleisch- produktion aus (FAO). Schweinefleisch wird mit 36 % und 109,1 Mio. Tonnen1 am häufigsten produziert - im Zeitraum von 1961 bis 2012 wuchs die Produkti- on um 441 %. Gleichzeitig stieg die Er- zeugung von Hühnerfleisch um 1221 %, so dass es mit einem Anteil von 31 % und 92,8 Mio. Tonnen, die zweithäufigste produzierte Fleischsorte der Welt ist. An dritter Stelle folgt Rindfleisch mit einem globalen Produktionsanteil von 21 % bzw. 63,3 Mio. Tonnen. Im Vergleich zum Jahr 1961 ist dessen Produktion heute (2012) um 228,5 % höher. Schaf- (8,5 Mio. Tonnen) und Ziegenfleisch (5,3 Mio. Tonnen) werden weltweit mit einem Anteil von 3 % bzw. 2 % erzeugt. Der Anteil sonstiger zur Fleischproduktion genutzter Tiere (Bisons, Büffel, Pferde, Kamele, Rentiere usw.) liegt bei 6 % und 22,1 Mio. Tonnen. Insgesamt wurden 2012 301,1 Mio. Tonnen Fleisch produziert.

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1 Weltweite Fleischproduktion 1961 und 2012 (eige- ne Darstellung nach FAO)

Die fünf größten Fleischproduzenten sind China, die USA, die EU, Brasilien und Russland (Abb. 2.2). Schweinfleisch wird dabei mit einem Anteil von 45 % in China produziert, die EU erzeugt 21 %, die USA 10 % und die Länder Brasilien und Russland 3 % bzw. 2 %. Die restlichen 19 % entfallen auf die übrigen Länder der Erde.

Bei der Produktion von Hühnerfleisch sind die USA mit einem globalen Erzeugungsanteil von 18 % an erster Stelle, auf den weiteren Rängen folgen China (14 %), Brasilien (12 %), die EU (11 %) und Russland (4 %). Alle übrigen Staaten produzieren Hühnerfleisch mit einem globalen Anteil von 41 %.

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2 Fleischproduktion der fünf am meisten produzierenden Länder 2012 (Eigene Darstellung nach FAO)

Nicht nur bei der Hühnerfleisch- sondern auch bei der Rindfleischproduktion stehen die USA mit einem Produktionsanteil von 19 % auf dem ersten Platz der globalen Erzeugung. Es folgen Brasilien (15 %), die EU (12 %), China (10 %) und Russland (2 %). Die verbleibenden Nationen der Erde erzeugen zusammen einen Anteil von 42 %.

Betrachtet man den Zeitraum der letzten 50 Jahre, so hat sich die weltweite Fleischpro- duktion vervierfacht (vgl. GAEBEL/PASCHER, 2013, S. 260). In den nächsten Jahren wird die weltweite Erzeugung von Fleisch mit einer jährlichen Zuwachsrate von 1,6 % weiter an- steigen. Aufgrund relativ hoher Energie- und Futtermittelpreise ist der Zuwachs dabei etwas geringer als im Vergleich zum Wachstum von 2,3 % der vorherigen Dekade. Sehr unterschiedlich fällt dieses Wachstum je nach Nutztier aus. Die geringste jährliche Zu- wachsrate weist mit 0,8 % die Schweinehaltung auf, die vor 50 Jahren noch um 4 % wuchs. Der Anteil der Produktion an Schweinefleisch steigt derweil besonders aufgrund der wachsenden Fleischnachfrage in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Das durch- schnittliche jährliche Wachstum in der Rinderhaltung ist von fast 2 % in den 1960er Jah- ren auf weniger als 1 % innerhalb der letzten Jahre zurückgegangen. Der derzeit am schnellsten wachsende Sektor in der Massentierhaltung ist die Geflügelpro- duktion mit einem konstanten jährlichen Durchschnittswachstum von 3 % (vgl. FAO, 2013, S. 140). Bis 2020 wird diese vermutlich weltweit um weitere 25 % auf Abb. 2.3 Globaler Trend der Fleischerzeugung (vgl. MAEN- NEL, 2013 , S. 11) 124 Millionen Tonnen ansteigen (Abb. 2.3). Besonders China, Brasilien, Indien, die USA und die Europäische Union sind mit einem voraussichtlich überdurchschnittlichen Wachstum zu nennen. Grund für diesen immensen Anstieg der Hühnerfleischproduktion ist die Tatsache, dass die Tiere im Vergleich zu anderen Nutztieren effizientere Futtermit- telverwerter sind, weniger Platz benötigen und deshalb die Produktion deutlich günstiger ausfällt. Außerdem stellt der Verzehr von Hühnerfleisch nur wenige Einschränkungen in religiöser und kultureller Hinsicht dar (vgl. MAENNEL, 2014, S. 32). Nachteilig wäre überdies zu erwähnen, dass in der Geflügelfleischproduktion wesentlich mehr Individuen je Tonne

Fleisch geschlachtet werden müssen als es beispielsweise bei Schweinen oder Rin- dern der Fall ist. So ergibt sich derzeit mit fast 24 Milliarden Einzeltieren eine extrem hohe Anzahl an Individuen. Diese macheneinen Anteil von etwa 80 %2 (Abb. 2.4) aller Nutztiere aus, dessen Gesamtpopula- tion auf der Erde knapp 30 Mrd. Tiere beträgt (vgl. FAOSTAT.ORG, 2013).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2.4 Globaler Anteil der Individuen nach Nutztierart (eigene Darstellung nach FAO)

2.2 Fleischhandel

In den letzten zehn Jahren stieg der internationale Fleischhandel um 40 %. Die Oberhand des Weltmarktes besitzen noch die Industriestaaten, dessen Wachstum inzwischen von den Entwicklung- und Schwellenländern bestimmt wird (vgl. MAENNEL, 2014, S. 11). Insge- samt kamen im Jahr 2011 9,1 % (27 Mio. Tonnen) des weltweit produzierten Fleisches in den Export und machten mit mehr als 17 % einen beträchtlichen Anteil des Gesamtwerts des internationalen Agrarhandels aus (vgl. MAENNEL, 2014, 2014, S. 11). Die auf dem Weltmarkt am meisten gehandelten Fleischsorten stammen von Geflügel (12,5 Mio. Ton- nen), Schwein (5,1 Mio. Tonnen) und Rind (1,8 Mio. Tonnen) (vgl. MAENNEL, 2013, S. 14).

Das gehandelte Fleisch kann nur von Ländern exportiert werden, die den Tiergesundheit- und Hygienestandards der jeweiligen Importländer entsprechen. Die größten Fleischex- porteure, die diese Standards einhalten können, sind die USA, Kanada, Brasilien, Argenti- nien, die EU und Australien. Zukünftig soll der Handel von Fleisch infolge der immer höhe- ren Nachfrage der Entwicklungs- und Schwellenländer weiter zunehmen. Die UN- Agrarorganisationen FAO schätzt das Wachstum des internationalen Fleischhandels zukünftig auf 2 % pro Jahr (vgl. MAENNEL, 2013, S. 14).

Weltweit wird der gesamte Fleischmarkt dabei von wenigen Konzernen bestimmt, die das Fleisch ins eigene Land importieren und dieses dann rund um die Welt handeln (vgl. MAENNEL, 2013, S. 15). Sieben der zehn größten Fleischhändler der Erde sind in den USA und Brasilien angesiedelt (Tab. 2.1).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Um effizient arbeiten und die Gewinne maximieren zu können, verrichten diese Firmen meist neben dem Fleischhandel außerdem den Futtermittelhandel, die Tierproduktion und die Schlachtung. Zudem sammeln sie Informationen über kulturell und sozial bedingte Essgewohnheiten aller Nationen, sind global vernetzt und besitzen daher eine sehr gute Marktkenntnis (vgl. MAENNEL, 2013, S. 15).

Insgesamt wurden laut FAO im Jahr 2012 mit etwa 29,4 Mio. Tonnen knapp 10 % der weltweiten Fleischerzeugnisse exportiert - im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 7,3 % (2 Mio. Tonnen). Geflügelfleisch ist mit einem Handelsanteil von etwa 44 % die am stärksten Geflügelfleisch Schweinefleisch Rindfleisch mit 27 % und Schweinefleisch mit 25 %. 2012 waren die größten Geflügelfleischexporteu- re Brasilien, die USA und die Europäische Union (Tab. 2.2).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Am meisten eingeführt wurde nach Japan, die EU und Saudi-Arabien (Tab. 2.3). Schweine- fleisch wurde im Jahr 2012 am stärksten von den USA, der EU und Kanada exportiert. Die größten Importeure waren Japan, China und Russland. Bei Rindfleisch waren die Ausfuh- ren in Brasilien, den USA und der EU am größten. Nach Russland, in die USA und nach Japan wurde am meisten Rindfleisch geliefert (vgl. LEL, 2013, S. 158). Innerhalb der Europäischen Union nimmt Deutschland beim Import- und Exporthandel eine wichtige Rolle ein. Der Import von Schweinefleisch aus den Mitgliedsstaaten, beson- ders Belgien, Dänemark und den Niederlanden, ist seit Jahren mit einer Menge von etwa 1,1 bis 1,2 Mio. Tonnen konstant. Aus Nicht EU-Ländern werden lediglich 21.000 Tonnen eingeführt. Die Ausfuhren an Schweinefleisch sind seit 2005 höher als die Einfuhren. Im Jahr 2012 wurden etwa 2,75 Mio. Tonnen exportiert. Die wichtigsten Importländer waren dabei Italien, Polen und die Niederlande (vgl. LEL, 2013, S. 177f). An Rindfleisch wurden im Jahr 2012 414.300 Tonnen ausgeführt. Die bedeutendsten Abnehmerländer waren die Niederlande, Frankreich und Italien. Eingeführt wurden insgesamt 327.200 Tonnen, davon ein bedeutender Anteil aus den Niederlanden, Österreich, Frankreich, Polen und Däne- mark (vgl. LEL, 2013, S. 208). Geflügelfleisch wurde 2012 in einer Menge von 946.000 Tonnen auf den deutschen Markt gebracht, davon stammten 79 % aus der EU, besonders aus den Niederlanden, Polen und Frankreich. 1,1 Mio. Tonnen wurden hingegen, haupt- sächlich in die Niederlande, exportiert (vgl. LEL, 2013, S. 274).

2.3 Fleischkonsum

2.3.1 Historische Entwicklung des Fleischkonsums

Das eigentliche Auftreten der Gattung Mensch (Homo, Homininen) erfolgte vor etwa

2 Mio. Jahren in der ostafrikanischen Savanne. Mit Hilfe des Einsatzes von Holz- und Steinwerkzeugen wurde begonnen, auf die Jagd nach Tieren zu gehen und somit den Fleischanteil in der Ernährung zu erhöhen. Eine Veränderung des Gebisses war die Folge. Zudem wird angenommen, dass erst das im Fleisch gut verfügbare Eisen und die langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren in Knochenmark und Gehirn der Beute- tiere in Verbindung mit der erhöhten UV-Exposition ein vorteilhaftes Gehirnwachstum mit sich brachte (vgl. LEITZMANN/KELLER, 2013, S. 31). Die genaue Zusammensetzung der damaligen Ernährung ist umstritten (vgl. UNGER ET AL., 2006, S. 209). Vermutlich wurde in Trockenzeiten energiereiche Nahrung in Form von Nüssen und Samen und in der übrigen Zeit Fleisch, auch in Form von Aas und Fisch, verzehrt. (vgl. LEITZMANN/KELLER, 2013, S. 32). Mit dem Beginn des Ackerbauzeitalters vor etwa 10.000 Jahren erhöhte sich durch den systematischen Gebrauch von Nahrungspflanzen der pflanzliche Anteil in der Ernährung. Die Domestikation von Haus- und Nutztieren setzte im Neolithikum vor etwa 4500 - 2000 Jahren v. Chr. ein und somit kam es wiederrum zu einer Erhöhung der tierischen Kost (vgl. LEITZMANN/KELLER, 2013, S. 34).

In allen Entwicklungsstadien des Menschen spielte eine überwiegend pflanzliche Kost die bedeutendere Rolle in der Ernährung, was auch anatomisch und physiologisch belegbar ist. Das Größenverhältnis von Magen, Dünn- und Dickdarm weist auf eine gemischte, aber überwiegend pflanzliche Kost hin (vgl. LEITZMANN/KELLER, 2013, S. 35). Im Allgemeinen kann deshalb davon ausgegangen werden, dass eine überwiegend pflanzliche Ernährungsweise für den Menschen als artgerecht und gesundheitsfördernd angesehen werden kann (vgl. LEITZMANN/KELLER, 2013, S.38).

In der jüngeren Geschichte erhöhte sich der Fleischkonsum durch die beginnende Indust- riealisierung und Technisierung in der Landwirtschaft. So stieg in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts der Fleischverzehr stetig und mit dem verstärkten Einsatz von Ma- schinen sank die körperliche Aktivität zunehmend. So lag der globale Fleischverzehr um 1900 im Durchschnitt bei etwa 10 kg3 pro Kopf (vgl. SCHLATZER, 2011, S. 34). 1961 waren es schon 23,1 kg (Abb. 2.6) und in den Folgejahrzehnten stieg dieser Wert stetig weiter und erreichte 2011 einen Verbrauch von 42,2 kg je Person und Jahr.

2.3.2 Fleischkonsum in der Gegenwart

China ist mit 77,4 Mio. Tonnen pro Jahr das Land mit dem größten Fleischverbrauch der Erde (Abb. 2.5). Da- hinter folgt Europa mit 41,9 Mio. Tonnen und auf Platz drei die USA mit 37,0 Mio. Tonnen. Dabei haben die US- Amerikaner mit 117,6 kg (2011) im weltweiten Vergleich einen sehr hohen Pro-Kopf-Verbrauch. Der Durch- schnittsverbrauch eines Europäers liegt bei 82,6 kg pro Kopf - seit 1961 (51,9 kg) hat dieser sich nur schrittweise erhöht (vgl. FAOSTAT.ORG, 2013).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2.5 Höhe des Gesamtfleisch- verbrauchs nach Ländern [in Mio. t/a] (eigene Darstellung nach FAO)

Dagegen hat sich der Konsum im bevölkerungsreichen China von 1961 mit 3,3 kg pro Kopf und Jahr bis 2011 auf 56,6 kg versiebzehnfacht (Abb. 2.6). Auf dem ärmsten Kontinent Afrika liegt der Pro- Kopf-Verbrauch hingegen nur bei 20 kg (vgl. MAENNEL, 2014, S. 11). USA Deutschland

Im Jahr 2011 lag der weltweite Fleisch- verbrauch bei insgesamt 301,1 Mio. Ton- nen und im Schnitt bei 42,2 kg pro Person und Jahr. Schweinefleisch war dabei mit 15,5 kg und einem Anteil von 37 %, die am meisten verzehrte Fleischsorte. Dicht da- hinter folgte Geflügelfleisch mit einem Anteil von 34 % bzw. 14,4 kg. Rindfleisch wurde im Durchschnitt in einer Menge

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2.6 Fleischverbrauch in kg pro Kopf/Jahr (eigene Dar- stellung nach FAO)

von 9,4 kg bzw. einem Anteil von 22 % konsumiert. Andere Fleischsorten besaßen einen Anteil von 7 % bzw. 2,9 kg. Die Verteilung der Verzehranteile je Fleischsorte ist, global betrachtet, sehr unterschiedlich. Da Rindfleisch die teuerste aller Fleischsorten ist, wird diese vor allem in den Industrieländern verzehrt. Ausnahmen existieren lediglich in den großen Rindfleischerzeugerländern Argentinien und Uruguay - hier werden pro Kopf mehr als 50 kg im Jahr verbraucht (vgl. MAENNEL, 2013, S. 18). Der Konsum von Schweine- fleisch fällt, je nach Ernährungsgewohnheiten, religiösen Anschauungen und wirtschaftli- cher Entwicklung sehr unterschiedlich aus. In muslimischen Ländern ist der Verzehr von Schweinefleisch oft verboten und in den am wenigsten entwickelten Ländern wird auf- grund des relativ hohen Preises meist darauf verzichtet (vgl. LEL, 2013, S. 173). Geflügel- fleisch wird am meisten auf der Arabischen Halbinsel (Kuwait: 72 kg/Kopf; Vereinigten Arabischen Emirate: 60 kg/Kopf) sowie in Brasilien, Argentinien und den USA verzehrt (ca. 40 kg/Kopf) (vgl. LEL, 2013, S. 266).

Der Konsum von Fleisch wird mit dem Anstieg der Weltbevölkerung, besonders in den Entwicklungsländern, weiter steigen. Zudem führt die global wachsende Wirtschaft zu mehr Wohlstand und somit zu einem höheren Konsum von Fleisch- und Milchprodukten (vgl. POPKIN, 2002, S. 205). Mitte 2014 lag die Weltbevölkerung bei etwa 7.238 Mrd. Men- schen (vgl. BEHRENDS/STALLMEISTER, 2014, S. 6). Laut der mittleren Wachstumsvariante wer- den es 2050 voraussichtlich 9,551 Mrd. und 2100 etwa 10,854 Mrd. sein (vgl. UN, 2013, S. 8).

In der Bundesrepublik Deutschland blieb die Einwohnerzahl seit der Wiedervereinigung in etwa konstant und lag 2014 bei 80,8 Mio. Menschen. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch lag 2010 bei 88 kg. Dabei nimmt Schweinefleisch mit einem Anteil von 61 % bzw. 53,5 kg, wie auch im globalen Trend, den größten Anteil an (Abb. 2.8). Dahinter folgen Geflügel mit 18 kg (21 %) und Rind mit 15 kg (15 %)(vgl. statista.com).

Im Jahr 1850 lag der Fleischverbrauch noch bei 21 kg und stieg seitdem kontinuierlich an (Abb. 2.7). Lediglich nach den beiden Welt- kriegen und in den letzten Jahren ging der Konsum zurück und stagnierte. Heute ver- braucht jeder Einwohner Deutschlands mehr als viermal so viel Fleisch wie noch vor 160 Jahren (vgl. WITZKE et al., 2011, S.17).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2.7 Fleischverbrauch in Deutschland, 1850-2010 (vgl. WITZKE et al., 2011, S.17). [in kg/Kopf/Jahr]

Insgesamt konsumieren etwa 85 % der Bevölkerung Deutschlands (nahezu) täglich Fleisch und Wursterzeugnisse (vgl. MAENNEL, 2013, S. 20). Männer essen dabei mit durchschnitt- lich 90 bis über 105 g pro Tag etwa doppelt so viel wie Frauen, deren Konsum zwischen 40 bis über 55 g pro Tag liegt. Beim Kauf- und Essverhalten der Deutschen ist weiter auffällig, dass ein sehr großer Teil des Fleisches als günstige Discounterware erworben wird. Insge- samt sind zwei Drittel der Fleischeinkäufe vorgepackt und nur noch ein Drittel ist Frisch- ware (vgl. MAENNEL, 2013, S. 20). Ferner sei zu erwähnen, dass die Verkäufe infolge ver- schiedener Skandale wie Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Schweinepest, Maul- und Klauen- seuche immer wieder einbrechen (vgl. MAENNEL, 2013, S. 20). Zudem belasten immer wie- der auftauchende Nachrichten von verdorbenem Fleisch das Vertrauen der Konsumen- ten. In der Folge gilt Fleisch vielfach nicht mehr als gesundes und lebenswichtiges Nah- rungsmittel, sondern ist mit negativen Assoziationen („Gammelfleisch“) behaftet (vgl. GURRATH, 2008, S. 28). Laut des Meinungsforschungsinstituts Forsa versuchen 52 Prozent aller Deutschen zumindest teilweise ihren Fleischkonsum zu reduzieren (vgl. MAENNEL, 2013, S. 20). Weiterhin versuchen viele Konsumenten der Massentierhaltung den Rücken zu Kehren und kaufen ökologisch produzierte tierische Produkte. Der Anteil am Gesamt- markt ist jedoch sehr gering. 2010 lag in Deutschland der Anteil an Bio-Rindfleisch bei 4 %, der von Schweinefleisch bei 1 % und von Geflügelfleisch bei 2 % (vgl. MAENNEL, 2013, S. 21).

Ökologisch produzierte Fleischwaren haben dabei einige Vorteile. Welchen Nutzen die Tierhaltung überhaupt hat, wird im nächsten Abschnitt erläutert.

2.4 Nutzen der Tierhaltung

Mit dem Übergang zur produzierenden Wirtschaftsweise begann vor 12.000 Jahren eine neue Möglichkeit der Nahrungsgewinnung. Höchstwahrscheinlich gab eine damalige Überbevölkerung oder auch eine Übernutzung der Lebensgrundlage den Anlass zur Do- mestikation von Pflanzen und Tieren um einem Nahrungsmangel zu begegnen (vgl. UERPMANN, 2007, S. 56). Als älteste Nutztiere gelten Schaf und Ziege, die der Mensch be- wusst unter Kontrolle brachte um primär ihr Fleisch zu nutzen. Der große Vorteil dieser Haltung lag in der Überwindung der Unsicherheit des Jagderfolges (vgl. UERPMANN, 2007, S. 69). Sämtliche Nutztiere sind dabei durch Züchtung aus Wildtieren entstanden. Das Hausschwein stammt vom Wildschwein (Sus scrofa), das Rind vom Auerochsen (Bos primigenius) und das Haushuhn vom südostasiatischen Bankivahuhn (Gallus gallus) ab (vgl. KONOLD, 2008, S. 171). Diese Nutztiere waren bis weit ins 19. Jahrhundert bedeutend kleiner als heute. Beispielsweise benötigte das Hausschwein um 1850 etwa drei Jahre um eine Schlachtmasse von 50 kg zu erreichen. Hingegen erreicht das moderne Hausschwein innerhalb von sechs Monaten eine Schlachtreife von 100 kg (vgl. KONOLD, 2008, S. 172) Nutztiere waren bis ins 18./19. Jahrhundert im mitteleuropäischen Raum ein bedeuten- der Gestaltungsfaktor der Kulturlandschaft (vgl. KONOLD, 2008, S. 171).

Heute können diese historisch gewachsenen Flächen mit extensiver Weidesystemen, die durch großflächige Landnutzung mit geringem Viehbesatz bei geringer Nutzung kenn- zeichnet sind, gepflegt und erhalten werden (FAO). Unter den Nutztieren sind aus natur- schutzfachlicher Sicht Weidetiere wichtige Schlüsselarten, die durch ihr Verhalten Lebens- räume für andere Arten schaffen. Dabei sind besonders der Natur nachempfundene Wei- desysteme, in denen die Tiere ohne zusätzliche Fütterung auskommen und die Weideflä- chen nicht zusätzlich gedüngt werden müssen, bedeutend für den Arten- und Biotop- schutz und das über Jahrhunderte geschaffene Landschaftsbild. Die Tiere verwandeln homogene Flächen durch Tritt und Verbiss in strukturreiche heterogene Flächen, die den Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten bilden (vgl. KONOLD, 2010, S. 8). Ein weiter Vorteil der Beweidung liegt im Erholungswert der Landschaft, im Naturerleben und der touristisch Nutzung (vgl. KONOLD, 2010, S. 12).

Die extensive Beweidung bietet zudem die Gelegenheit, landwirtschaftlich ungeeignete Standorte mit Hilfe von Weidetieren zu nutzen. Die Tiere verwandelten die dort wach- senden, zur menschlichen Ernährung nicht verwendbaren Gräser in Nahrungsmittel wie Milch und Fleisch um (vgl. MAENNEL, 2013, S. 35). Über 40 % der Erdoberfläche sind für den Anbau von Nutzpflanzen zu trocken, zu steil, zu heiß oder zu kalt. Die Menschen in diesen Regionen können mit Hilfe von Nutztieren die lokale Vegetation in Energie und Nahrung umwandeln und somit ihre Existenz sichern. Nomadische Hirten und ihre Her- den, besonders in Asien und Afrika, haben sich über Jahrhunderte hinweg an die widrigen Umstände angepasst. Sie wechseln häufig die Weidefläche, um der Vegetation Zeit zur Erholung zu geben. So produzieren Bauernnomaden und Kleinbauern große Mengen an Fleisch und Milch und tragen zum Schutz der Umwelt und zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. Nach Schätzungen internationaler Organisationen beträgt die Anzahl dieser Pastoralisten weltweit 120 bis 200 Millionen, die von teilnomadische Kleinbauern bis zu 600 Million (vgl. MAENNEL, 2014, S. 39f).

Dieser extensiven Form der Tierhaltung steht die Intensiv- oder Massentierhaltung ge- genüber, die durch eine technisierte Viehhaltung mit meist nur einer einzigen Art geprägt ist. Die Haltung erfolgt in großer Zahl auf engstem Raum in ländlichen Großbetrieben oh- ne ausreichend verfügbare landwirtschaftliche Fläche zur Erzeugung der benötigten Fut- termittel. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der größtmöglichen Ertragssteigerung (vgl. UMWELTLEXIKON-ONLINE.DE). Diese Form der Tierhaltung bringt verschiedene Umweltprob- leme und Risiken für Mensch und Tier mit sich, auf die im Folgenden näher eingegangen wird.

2.5 Kritische Aspekte der Tierhaltung

2.5.1 Ökologischer Aspekt

Die Tierhaltung ist verantwortlich für zahlreiche ökologische Probleme, die sich sowohl direkt am Produktionsstandort, auf lokaler und regionaler Ebene, auswirken als auch im internationalen und globalen Zusammenhang weitreichende Konsequenzen zur Folge haben. In direkter Umgebung wirkt sich die intensive Tierhaltung in erster Linie auf Böden, Wasser und Luft aus.

Lokale und regionale Auswirkungen auf Boden, Wasser und Luft

Als Wirkung auf den Boden können Bodenerosion, chemische Degradierung und physika- lische Degradierung als die wichtigsten Arten der Landdegradierung genannt werden. In der Tierhaltung ist die chemische Degradierung dabei aufgrund der räumlichen Trennung der Tiere von den Futtermitteln als ein Hauptproblem auszumachen. (vgl. FAO, 2009a, S. 57). Einerseits entsteht ein Schwund an Nährstoffen und andererseits wird die Umwelt durch Eutrophierung belastet (2009a, S. 57). In den letzten Jahrzehnten ist mit der Inten- sivierung der Tierhaltung die Zahl der Rinder, Schweine und Hühner pro Betrieb stetig gestiegen. Dabei trennte sich die landwirtschaftliche Tierproduktion aufgrund der zu- nehmenden Spezialisierung in Ackerbaubetriebe und Tierzucht- bzw. Mastanlagen. Die regional hohe Konzentration der Tiere hat zur Folge, dass ein Übermaß an Gülle und Mist anfällt, welcher wiederum oftmals in viel zu hoher Konzentration auf den Feldern ausge- bracht wird. Besonders kritisch für das Pflanzenwachstum ist der darin enthaltene Stick- stoff (vgl. HÜTTL/MAYER, 1999, S. 31). Stickstoff wird mit Hilfe von Bodenbakterien zu Am- monium und infolge der bakteriellen Nitrifikation zu Nitrat umgewandelt (vgl. STICKSTOFF- KREISLAUF.COM). Dieser biologische Prozess und der zusätzliche Auftrag von chemischen Düngemitteln erhöht die Nitratkonzentration im Boden, so dass eine Doppelbelastung eintritt (vgl. FAO, 2009a, S. 57). Wird der Boden daraufhin bewässert oder treten Nieder- schläge auf, so verbinden sich die negativ geladenen Nitrat-Moleküle mit positiv gelade- nen Nährstoffen wie Magnesium, Calcium und Kalium. Es kommt zur Auswaschung wich- tiger Nährstoffe, die die Pufferkapazität des Bodens gegenüber Säureeinträgen herabset- zen und zur Ausschwemmung von Nitrat in den Grundwasserkörper führen. Kommt es zur Verlagerung von Nährstoffen in Pflanzengesellschaften stickstoffarmer Biotope, ver- ändern sich diese und Führen zum Verlust der dortigen Arten (vgl. HÜTTL/MAYER, 1999, S. 32). Von Eutrophierung und hohen Nitrat-Einträgen sind vor allem die Industrienationen aufgrund des hohen Einsatzes an Stickstoffdüngern betroffen.

Hingegen haben die Entwicklungsländer wie die Subsahara Region in Afrika, vorwiegend mit dem Problem der reduzierten Bodenbrauchbarkeit durch Bodenerosion bzw. dem Problem der unausgeglichenen Wiederanreicherung der verloren gegangenen Nährstoffe zu kämpfen (vgl. SCHLATZER, 2011, S. 81). Diese Gefährdung geht dabei in erster Linie von der Futtermittelproduktion aus. Die fehlende Bodenbedeckung nach der Ernte steigert die Erosionsgefahr durch Wind und Wasser erheblich. Mit der Erosion geht einerseits wertvoller fruchtbarer Boden verloren, andererseits führt das abgeschwemmte Boden- material zur Eutrophierung benachbarter Flächen und anliegender Gewässer (vgl. HÜTTL/MAYER, 1999, S. 33).

Mit der Bearbeitung durch teils schwere Landmaschinen kommt es außerdem zur Boden- verdichtung und somit zum Verlust an Hohlräumen im Boden, die aufgrund der vermin- derten Aktivität der Bodenorganismen den Stoffkreislauf stören (vgl. HÜTTL/MAYER, 1999, S. 33).

Insgesamt sind laut Schätzung der FAO bereits 20-25 % der gesamten weltweiten Landflä- che bis zu einem gewissen Grad degradiert und unfruchtbar (vgl. HÜTTL/MAYER, 2011, S. 80). Die Hauptursache liegt in der Überweidung, die besonders in den Trockengebieten der Erde stattfindet, welche 41 % der gesamten Landfläche ausmachen. Die Trockenge- biete sind wiederum zu 70 % von Degradation bzw. Desertifikation betroffen, die primär die Weideflächen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas betrifft ((vgl. HÜTTL/MAYER, 2011, S. 80).

Ein weiteres Problem der Tierhaltung stellt die Verschmutzung der Gewässer aufgrund der o.g. chemischen Degradation dar. Der größte Anteil des Brauchwassers der Tier- und Futtermittelproduktion gelangt in nährstoffreicher Form zurück in die Umwelt. Der auf den Feldern ausgebrachte Tiermist enthält mit Stickstoff, Phosphor und Kalium hohe Mengen nährstoffreicher Verbindungen. Zudem beinhalten die Tierexkremente Antibiotikarückstände, Schwermetalle und Krankheitserreger (vgl. STEINFELD ET AL., 2006, S. 136). Akkumulieren sich diese Stoffe in Boden und Wasser, ergeben sich daraus ernsthaf- te Bedrohungen für die Umwelt (vgl. STEINFELD ET AL., 2006, S. 136). Beispielsweise kommt es durch die Nährstoffüberschüsse zur Eutrophierung der Gewässer, die ein verstärktes Algenwachstum und die Schädigung der ansässigen Fischfauna nach sich zieht. Dabei sind besonders Binnengewässer wie z. B. die Great Lakes in Nordamerika oder Randmeere wie die Ostsee betroffen (vgl. APPLEBY, 2008, S. 11). Die Tierhaltung gilt damit laut FAO als die wahrscheinlich größte Quelle von Wasserverschmutzung, Eutrophierung und der Ausbrei- tung sauerstoffverarmter Küstenzonen. Sie ist Hauptverursacher der Degeneration von Korallenriffen, von Gesundheitsproblemen, von verstärkt auftretenden Antibiotikaresistenzen und vieler anderer Probleme (vgl. SCHLATZER, 2011, S. 126).

Neben der Wasserverschmutzung ist die sich verschärfende Wasserknappheit, die eines der Hauptprobleme dieses Jahrhunderts darstellt, eine weitere Folge der Tierhaltung (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 125). Für das Tränken von Nutztieren werden jährlich 16,2 km³ Trinkwasser benötigt. Weitere 6,5 km³ fallen für die Reinigung der Produktionsstätten, das Waschen der Tiere, die Kühlung der Produktionsanlagen und der tierischen Produkte sowie für die Abfallbeseitigung an. Darüber hinaus wird Wasser in der Fleischverarbeitung wie zum Beispiel dem Schlachten benötigt (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 129). Insgesamt macht diese Wassermenge einen Anteil von einem Prozent an der globalen Wassernut- zung aus. Entscheidend mehr Trinkwasser wird zur Produktion der Futtermittel benötigt, deren Menge sich auf sieben Prozent des globalen Wassergebrauchs beläuft (vgl. APPLEBY, 2008, S. 11). Die Größe des Problems wird dabei erst auf regionaler Ebene sichtbar. In Botswana werden beispielsweise 23 % des Trinkwassers für die Viehhaltung genutzt und in der Kalahari-Region sorgen angebohrte Grundwasserreserven, die ein Absinken des Grundwasserspiegels zur Folge haben, für die Deckung des hohen Wasserverbrauchs der dortigen Fleischproduktion (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 131). Das Problem hierbei ist, dass der Wasserverbrauch tierischer Produkte deutlich höher ist als der von pflanzlichen Produkten (Tab. 2.4). Das Vieh muss erst einmal Futtermittel fressen und zusätzlich auch Wasser trinken bevor Fleisch, Milchprodukte oder Eier erzeugt werden können (vgl. HOEKSTRA/CHAPAGAIN, 2007, S. 40).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Tab. 2.4 Wasserbedarf unterschiedlicher Lebensmittel (GD = globaler Durchschnitt) (Eigene Darstellung nach SCHLATZER, 2011) [in l/kg Lebensmittel]

Die Schätzungen des Wasserverbrauchs zur Herstellung von 1 kg Rindfleisch liegen zum Beispiel zwischen 12.560 und 70.000 l Wasser. Hingegen werden zur Produk- tion von 1 kg Weizen nur 900 bis 2.000 l Wasser benötigt.

Der durchschnittliche Wasserfußab- druck4 eines Deutschen beträgt 5.288 l Abb. 2.8 Täglicher Wasserverbrauch eines deutschen Bürgers (eigene Darstellung nach SONNENBERG et al., 2009, S. 4) [in l/Kopf/Tag] Wasser pro Tag (Abb. 2.8). Davon ent- fallen 3.904 l auf die Produktion landwirtschaftlicher Güter, 1.205 l sind in Industriepro- dukten enthalten und lediglich 178 l werden im Haushalt verbraucht. Der Anteil des Was- serverbrauchs zur Produktion tierischer Produkte liegt bei 21 % bzw. 1123 l. Insgesamt ist der Wasserverbrauch in den vergangenen Jahren in Deutschland gesunken, befindet sich aber trotzdem auf einem sehr hohen Niveau (vgl. SONNENBERG et al., 2009, S. 4). Im Gegen- satz dazu steigt der Wasserverbrauch mit dem Anstieg der Weltbevölkerung und der ra- santen ökonomischen Entwicklung auf globaler Ebene stark an (vgl. UNESCO, 2009, S. 97).

Internationale Auswirkungen: Flächenverbrauch und Biodiversitätsverlust

Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung und der zunehmenden Urbanisierung nimmt neben der verfügbaren Wassermenge auch die verfügbare Ackerfläche pro Kopf ab (vgl. VON KOERBER et al., 2008, S. 13). Der zunehmende Konkurrenzdruck anderer Flächennutzer wie Forstwirtschaft, Industrie, Tourismus und Naturschutz verknappen die potentiellen Agrarflächen zusätzlich (vgl. AIKING et al., 2006, S. 171-189). Insgesamt werden 38 % (5 Mrd. ha) der terrestrischen Erdoberfläche landwirtschaftlich genutzt. 69 % (3,4 Mrd. ha) dieser Fläche werden als Weideland bewirtschaftet und nur 28 % (1,4 Mrd. ha) als Ackerfläche, die zu einem Drittel zur Produktion von Tierfutter dient. Die verbleibenden drei Prozent entfallen auf Dauerkulturen (vgl. VON KOERBER et Al., 2008, S. 6).

Alles in allem verbraucht die Viehhaltung 80 % der nutzbaren Ackerflächen (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 272), obwohl die daraus gewonnenen tierischen Produkte nur einen Anteil von knapp 17 % (im Jahr 2003) der menschlichen Ernährung ausmachen (VON KOERBER et al., 2008, S. 6). Getreide wird, im Vergleich dazu, auf nur 20 % der landwirtschaftlichen Fläche angebaut und bildet zur Hälfte die Ernährungsgrundlage des Menschen. (vgl. VON KOERBER et al., 2008, S. 6).

Der hohe Flächenanspruch der Tierhaltung und Futtermittelproduktion bewirkt dabei einen hohen Verlust an Nahrungskalorien. Laut UNEP werden insgesamt von den auf der Ackerfläche produzierten 4.600 kcal nur 2.000 kcal für die Ernährung eines Menschen verwendet (vgl. HAERLIN & BLUSSE, 2009, S. 23). Diese Diskrepanz kommt durch die Um- wandlung pflanzlicher Nahrungsmittel in tierische zustande. Zur Erzeugung von 1 kg Rind- fleisch wird im Durchschnitt eine Menge von 7 kg Getreide verfüttert. Bei Schweinen be- trägt die Konversionsrate pro Kilogramm erzeugtem Lebendgewicht 4 kg und bei Geflügel-

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Tab. 2.5 Flächenbedarf von Lebensmitteln pro verzehrfähiger Energie des Produkts (basierend auf den Erträgen in den USA, Fallstudie Bundesstaat New York ) (vgl. PETERS et al., 2007, S. 149)

fleisch 2 kg (vgl. LEITZMANN/KELLER, 2011, S. 335). Andere Autoren gehen sogar von 13 kg Getreide und zusätzlich 30 kg Grünfutter bzw. Heu für 1 kg Fleisch aus (vgl. PIMENTEL/PIMENTEL 2003, S. 660). So verbleiben nur etwa 5-18 % der Nah- rungsenergie für die menschliche Ernährung erhalten. Die restliche Energie benötigt der tieri- sche Organismus zur Aufrechterhaltung seiner eigenen Lebensvorgänge (vgl. LEITZMANN/KELLER, 2011, S. 335). Aufgrund des hohen Ressourcen- einsatzes bei der Produktion tierischer Produkte wird demzufolge auch mehr Land benötigt (Tab. 2.5).

Der hohe Flächenverbrauch der Landwirtschaft ist zudem Haupttreiber für den Biodiversitätsverlust. Der Begriff Biodiversität steht hierbei für die Vielfalt von Arten, die genetische Variabilität innerhalb dieser Arten und für die Vielfalt von Ökosystemen. Sie bildet die Grundlage des Lebens, die Stabilität von Ökosystemen und die Anpassungsfä- higkeit von Organismen an sich ändernde Umweltbedingungen (vgl. WISSEN.DE). Die Ände- rung der Landnutzung, die primär durch die Ausweitung der Agrarflächen, durch Entwal- dung, durch Zerstörung von Auwäldern und Entwässerung von Feuchtgebieten hervorge- rufen wird, ist als Hauptursache des Artenschwunds auszumachen (vgl. MEA, 2005, S. 97). Die damit einhergehende Zerstörung, Fragmentierung und Degeneration der Lebensräu- me beeinflusst 85 % der Vogel-, Amphibien- und Säugetierarten (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 187). Die Verbindung von Entwaldung und Viehhaltung wird dabei besonders in Lateinamerika deutlich. Zwei Drittel der neu entstehenden Agrarflächen werden als Weideflächen für Nutztiere verwendet (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 188). Mittlerweile sind ein Fünftel des Amazonasregenwaldes, eines der artenreichsten Ökosysteme überhaupt, zerstört - und davon 70 % zur Gewinnung von Rinderweiden.

Auch in Europa und Deutschland ist, aufgrund der Überdüngung von Weiden, ein Rück- gang der Artenvielfalt zu erkennen. Artenreiche Wiesen wandeln sich innerhalb kürzester Zeit in Heu liefernde Fettwiesen um, auf der nur noch wenige Pflanzenarten wachsen.

Neben vielen weiteren terrestrischen Ökosystemen sind zudem auch viele aquatische Lebensräume vom Wirken der Tierproduktion betroffen.

Weltweit herrscht zu bestimmten Jahreszeiten auf einer Fläche von 250.000 km² Küsten- gewässer schwerer Sauerstoffmangel. Vom großflächig überdüngten Einzugsgebiet des Mississippi, in dem sich der Großteil der US-amerikanischen Futtermittelproduktion und die industrielle Tierhaltung befinden, gelangen vor allem Stickstoff und Phosphor über den Fluss bis in den Golf von Mexiko. An der Mündung des Mississippi sind rund 20.000 km² Küstengewässer so stark von der Nährstoffbelastung und dem daraus resul- tierenden niedrigen Sauerstoffgehalt betroffen, dass Garnelen und Küstenfischarten nicht überleben können. Ähnliche Zustände sind durch die Schweine- und Hühnermastanlagen in den Küstengebieten Chinas, Vietnams und Thailands zu beobachten. Weitere betroffe- ne Gebiete existieren an der Wolgamündung, im Kaspischen Meer, im Schwarzen Meer, in der Ostsee, im Meeresbereich zwischen England und Irland und in der Adria (vgl. MAENNEL, 2013, S. 24).

Die Zersplitterung von Lebensräumen durch großflächig angelegte landwirtschaftliche Flächen ist ein weiterer Grund für den Biodiversitätsverlust. Einheimische Populationen werden räumlich voneinander getrennt und isoliert, es kommt zu Inzucht und letztlich zum Verlust der genetischen Vielfalt innerhalb einer Art (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 189). Zudem verschärft die drohende Desertifikation innerhalb der Grasländer zusätzlich den Verlust an Biodiversität. Die hohe Besatzstärke der Nutztiere führt zur Überweidung der Flächen und zu einer Erhöhung der offenen Stellen durch Tritt. Infolgedessen geht beson- ders in ariden bis semiariden Gebieten fruchtbarer Boden durch Erosion verloren. Die Ökosysteme verändern sich so stark, dass viele Arten ihren Lebensraum verlieren. Oft führt dieser Prozess zur Desertifikation (vgl. STEINFELD et al., 2006, S.191f).

Nicht zu vernachlässigen ist überdies der Verlust der heimischen Artenvielfalt durch inva- sive Arten. Seit dem die Menschheit weltweit Handel betreibt und seit dem auch biologi- sches Material über weite Distanzen in kurzer Zeit transportiert werden kann, kommt es entweder bewusst oder zufällig zur Verbreitung von nichtheimischen Arten in allen Regi- onen der Erde. Natürliche biogeographische Barrieren wie die Ozeane werden überwun- den. Als Resultat besteht die Gefahr der Veränderung von Ökosystemen, in denen sich in Millionen von Jahren ein ökologisches Gleichgewicht eingestellt hat (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 196). Neu eingeführte Arten, die in die Wildnis geraten, konkurrieren mit einhei- mischen Tierarten oder sorgen zum Verlust anderer Arten durch Fräß. Laut IUCN/SSC trägt die Tierhaltung ihren Teil durch verwilderte Rinder, Ziegen, Schafe, Schweine und Kaninchen bei. In die USA wurden beispielsweise nahezu alle ökonomisch interessanten Arten aus Europa eingeführt (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 196f). Mit ihnen werden zudem Neophyten um die gesamte Erde verteilt (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 197). Im Zeitraum von 1970 bis 2010 sind 52 % aller wildlebenden Tiere verschwunden. Haupt- faktoren ist der Verlust des Lebensraumen, die Jagd und der Klimawandel (vgl. WWF, 2014, S. 7). Im globalen Maßstab werden dabei 30 % des vom Menschen verursachten Biodiversitätsverlustes durch die Tierhaltung ausgelöst (vgl. WESTHOEK, 2011, S. 14). Letzt- lich wird jedoch der Klimawandel bis Ende des Jahrhunderts der dominierende Faktor im globalen Biodiversitätsverlust sein (vgl. MEA, 2005, S. 17). Er beeinflusst die Biodiversität durch die Verschiebung der Klimazonen, dem Auftreten von extremen Wettererscheinun- gen und durch eine verstärkte Klimavariabilität (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 195). Als Fol- ge besteht für 15-37 % aller Arten die Gefahr des Aussterbens (vgl. THOMAS ET AL., 2004, S. 145).

Globale Auswirkung: Klimawandel

Laut des Berichtes des Weltklimarates IPCC (2013/14) beruht der Klimawandel eindeutig auf den Einflüssen des Menschen. Im Zeitraum von 1880 bis 2012 stieg die globale Mittel- temperatur in Bodennähe um 0,85 °C und wird bei unveränderter Emissionsrate bis Mitte dieses Jahrhunderts auf 2 °C steigen (VGL. BMUB, 2013, S. 1f). In den letzten 65 Millionen Jahren erhöhte sich zu keiner Zeit die globale Durchschnittstemperatur so schnell wie heute (vgl. SCIENCEDAILY.COM). Die Haupursache für die globale klimatische Veränderung ist die Freisetzung von Treibhausgasen, insbesondere Kohlendioxid (CO2) (vgl. BMUB, 2013, S. 1f) und das für das Klima 20 bis 30-mal schädlichere Gas Methan (CH4) (vgl. CO2ONLINE.DE). Die Tierhaltung ist dabei innerhalb ihres gesamten Produktionszyklus direkt und indirekt für die Freisetzung riesiger Mengen Treibhausgase verantwortlich. Beginnend bei der Schaffung von neuen Acker- und Weideland werden durch Entwaldung indirekt Emissionen erzeugt. Riesige Mengen des im Boden und in den Pflanzen gespei- cherten Kohlenstoffs gelangen in die Atmosphäre. Bei der Produktion und während des Ausbringens von chemischen Düngern und Pestiziden auf Weiden und Agrarflächen wer- den weitere Treibhausgase freigesetzt. Überdies entstehen klimaschädliche Gase mit der

Nutzung fossiler Brennstoffe, durch Bau und Erhalt von Infrastruktur, der Schlachtung, der Verarbeitung und dem Transport der Tiere (vgl. FAO, 2009a, S. 63f). In direkter Weise trägt die Viehhaltung durch den Ausstoß von Methan zur Klimaerwärmung bei. In den Mägen von Wiederkäuern werden durch mikrobielle Gärung Zellulose und Faser der Nahrungspflanzen so umgewandelt, dass sie für die Tiere nutzbar sind. Als Nebenprodukt entsteht das von den Tieren auszuatmende Methan, welches auch wie das gleichermaßen klimaschädliche Lachgas (N2O) durch die Darmgärung in die Atmosphäre entweicht. Auch bei der Lagerung, bei dem unter anaeroben Bedingungen zusätzlich Methan entsteht und dem Ausbringen von Mist entströmt Lachgas.

Der durch die Viehhaltung begünstigte Klimawandel hat dabei wiederum weitreichende Konsequenzen für die Tierhaltung selbst. Infolge steigender Temperaturen und zurückgehender Niederschlägen, fallen die Ernten geringer aus, so dass weniger Futtermittel produziert werden können (vgl. ROWLINSON, 2008, S. 27).

Alles in allem trägt die Viehhaltung mit einem Anteil von etwa 18 % zum Klimawandel bei (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 112) und liegt damit hinter der Energieproduktion (21 %) auf Platz zwei (vgl. FIALA 2009, S. 75). Die Emissionen, die durch Rodung für neue Weideflächen entstehen, sind nicht eingerechnet (vgl. STEINFELD et al., 2006, S. 112). Andere Berechnungen kommen auf einen Anteil von 51 %. Hierbei wurden unter anderem die Atmung der Tiere und die durch Entwaldung entgangene Photosyntheseleistung berücksichtigt (vgl. GOODLAND/ANHANG, 2009, S. 10 - 13).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2.9 Treibhausgas-Emissionen von Lebensmitteln in Deutschland (eigene mit ihrer jeweiligen Klima- Darstellung nach VON KOERBER et al., 2007) [in CO2-Äquivalente in kg/kg Produkt]

Um besser zu veranschauli- chen wie stark tierische Lebensmittel im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmit- teln zur Klimaerwärmung beitragen, sind in der ne- benstehenden Darstellung einige Grundnahrungsmittel wirkung in Deutschland dargestellt (Abb. 2.9). Die Angaben über die CO2-Äquivalente5 verschiedener Lebensmittel sollen hierbei als Richtwerte verstanden werden. Die Zahlen können je nach Bewirtschaf- tungsform, Ressourceneinsatz und weiterer Umweltwirkungen schwanken (vgl. LEITZ- MANN/KELLER, 2011, S. 340). Im Allgemeinen kann ausgesagt werden, dass bei der Produk- tion tierischer Lebensmittel deutlich mehr schädliche Klimagase freigesetzt werden als es bei pflanzlichen Konsumgütern der Fall ist. Beispielsweise werden bei der Herstellung von 1 kg Rindfleisch 13,3 kg Kohlenstoffdioxid ausgestoßen - hingegen emittiert die Produk- tion von 1 kg Kartoffeln mit 0,2 kg 66 mal weniger Klimagase. Am höchsten ist mit 23,8 kg der CO2-Äquivalentswert von Butter und mit 0,15 kg werden am Wenigsten Treibhausga- se bei der Produktion von 1 kg Gemüse freigesetzt (vgl. LEITZMANN/KELLER, 2011, S. 340). Zu den Gesamtemissionen der Landwirtschaft trägt die Tierhaltung mit einem Anteil von etwa 80 % bei (vgl. STEINFELD ET AL., 2006, S. 112). Von den für die Ernährung der deut- schen Bevölkerung entstehenden direkten Treibhausgasemissionen entfallen etwa 70 % auf die Produktion von tierischen Produkten, auf jene von pflanzlichen Produkten dage- gen nur 30 % (vgl. NOLEPPA, 2012, S. 4)

Die Tierhaltung ist dabei nicht nur in ökologischer Hinsicht bedenklich - auch die Haltungsbedingungen selbst werfen ethische Fragen zur Behandlung von Tieren auf.

2.5.2 Tierethischer Aspekt

Die Fleischindustrie versucht den Eindruck zu vermitteln, dass ihr Fleisch von glücklichen Tieren stammt, die auf einem Bauernhofidyll inmitten grüner Wiesen heranwachsen. Die Realität sieht anders aus: Die Tiere werden meist auf engstem Raum gehalten und sind häufig Krankheiten, extremen Temperaturbedingungen, drangvoller Enge, brutalen Be- handlungen und Psychosen ausgesetzt (vgl. JOY, 2010, S. 41). Angesichts dieser erschre- ckenden Wirklichkeit stellt sich die Frage, inwieweit die Tierhaltung als vom Menschen geschaffenes künstliches Konstrukt moralisch gerechtfertigt werden kann. Nach Salim (vgl. JOY, 2010, S. 136) wäre das Töten von Tieren moralisch nur dann vertretbar, wenn es darum ginge das eigene Überleben zu sichern. Obwohl dies nicht der Fall ist und genü- gend andere Nahrung für alle Menschen vorhanden ist, wird die die Intensivtierhaltung weiterhin praktiziert. Es fehlen soziokulturelle Reformansätze um das Töten von Tieren für Nahrungszwecke darzulegen (vgl. SALIM, 2010, S. 136). Im Folgenden soll auf die Zucht, Haltungs- und Schlachtbedingungen der am häufigsten zur Fleischproduktion genutzten Tierarten Schwein, Rind und Huhn eingegangen werden.

Schweine besitzen wie Rinder und Schafe eine natürliche Lebensdauer von über 20 Jahren - in der modernen Tierzucht sind es hingegen weniger als sechs Monate - und das unter meist katastrophalen Haltungsbedingungen (vgl. SALIM, 2010, S. 137). Die Bedürfnisse des Hausschweins unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von denen des Wildschweins (vgl. RICHTER, 2006, S. 115). Schweine legen in natürlicher Umgebung täglich bis zu 50 km zurück, sind sehr kontaktfreudig, intelligent und in der Lage bis zu 30 verschiedene Artge- nossen voneinander zu unterscheiden (vgl. JOY, 2010, S. 45). Dieses Verhalten wird in der Intensivtierhaltung nicht berücksichtigt, so dass das Leben eines Schweines schon als Fer- kel mit emotionalem Stress aufgrund der Trennung von der Mutter nach vier Wochen beginnt. In der ersten Lebenswoche erfolgt dabei bereits das Kupieren6 des Schwanzes, das Abschleifen der Eckzähne (vgl. RICHTER, 2006, S. 140) und die Kastration ohne Betäu- bung (vgl. WIEGAND, 2013a, S. 9).

Die Sauen sind während dieser Zeit in „Ferkelschutzkörben“7 untergebracht, in denen sie keinen Bewegungsspielraum haben und in ihren eigenen Ausscheidungen liegen müssen (vgl. RICHTER, 2006, S. 138).

Nach der Trennung von der Mutter bewirkt die frühe Umstellung der Nahrung auf ener- giereiches Futter anstelle von Muttermilch die Überforderung des noch unvollständig entwickelten Darms der Ferkel. Viele der Tiere erfahren starke Durchfälle, die im schlimmsten Falle tödlich enden (vgl. WIEGAND, 2013a, S. 6). Die Schweine, die diese Pro- zedur überleben, steht später im Stall laut Tierschutz- und Nutztierhaltungsverordnung nur 0,75 m² an Fläche zu8 (vgl. WIEGAND, 2013a, 2013a, S. 3). Die Tiere haben dabei nicht einmal genug Platz um sich seitlich hinzulegen (vgl. RICHTER, 2006, S. 116).

Schweine sind auch sehr reinliche Tiere und unterscheiden zwischen Liege-, Fress-, Aktivi- täts- und Kotplatz. In der Intensivtierhaltung wird auch diesen Bedürfnissen nicht nachge- kommen, so dass die Tiere oft an Krankheiten leiden (vgl. WIEGAND, 2013a, S. 3). Weiter- hin sind Schweine sehr neugierige, intelligente Tiere und bewiesen in Versuchen einen hohen Bewusstseinsgrad und komplexe intellektuelle Fähigkeiten (vgl. BROOM/MOYNIHAN, 2009, S. 1037f). Sie brauchen daher Beschäftigung - frisches Stroh oder Heu wäre am geeignetsten um den Erkundungstrieb und das Wühl- und Kaubedürfnis zu befriedigen (vgl. JAEGER, 2013, S. 3-11). In der Massentierhaltung sind stattdessen Spaltenböden üb- lich, durch welche die Schweine ihre Exkremente durchtreten müssen (vgl. WIEGAND, 2013a, S. 4). Die Spalten führen oft zu Klauenverletzungen, die sehr schmerzhaft sind und zum Tode führen können. Die Ausscheidungen der Schweine bewirken außerdem eine hohe Konzentration giftiger Gase, so dass sowohl die Tiere als auch die dort arbeitenden Menschen unter chronischen Atemwegserkrankungen leiden (vgl. JOY, 2011, S. 48).

Nach etwa einem halben Jahr werden die Schweine schließlich zum Schlachthof transpor- tiert. Aus ökonomischen Gründen werden die Tiere so dicht wie möglich im Lkw unterge- bracht. Der teilweise lang andauernde Transport ohne Futter und Wasser sowie das Feh- len des Schutzes vor extremen Temperaturen führt zu einer hohen Sterberate. Der Anteil der gehunfähigen Schweine nach dem Transport liegt Schätzungen zufolge zwischen 0,1 und 0,5 % (vgl. JOY, 2011, S. 48). Vor der Schlachtung müssen die Tiere grundsätzlich be- täubt werden - jedoch liegt die Fehlerquote der Betäubung beträchtlich hoch: Viele Schweine werden zappelnd und sich windend an den Hinterbeinen aufgehängt und an- schließend in brühendes Wasser getaucht, das dem Entfernen der Borsten dient. So errei- chen nach Angaben des BMELV in Deutschland jedes Jahr 500.000 Schweine den Brühtank bei vollem Bewusstsein (vgl. JOY, 2011, S. 50).

Die Haltung von Rindern muss gegenüber Schweinen differenziert betrachtet werden. Hier existieren verschiedene Haltungssysteme, die von extensiver ganzjähriger Freilandhaltung bis hin zur intensiven Stallhaltung auf Vollspaltenböden reichen. Im Folgenden soll auf die 18-monatige Intensivmast im Stall eingegangen werden, in der die Tiere ihr gesamtes Leben verbringen (vgl. WIEGAND, 2013b, S. 2).

Nach der frühen Trennung von der Mutter müssen die Kälber auf Vollspaltenböden, die durch Kot feucht und rutschig sind, ausharren und können nicht ihrem natürlichen Bewe- gungsdrang nachgehen. Oft fehlen zudem bequeme Liegeflächen. Als Folge tritt bei einem Drittel der Kälber Zungenrollen sowie bei 20 bis 30 % das gegenseitige Besaugen aufgrund der mutterlosen Haltung auf (vgl. WIEGAND, 2013b, S. 4). Um Artgenossen nicht zu verlet- zen, ist es laut Tierschutzgesetz § 5 zudem erlaubt, die Kälber bis zur sechsten Lebenswoche ohne Hinzuziehung eines Tierarztes betäubungslos zu enthornen9 (vgl. WIEGAND,2013b, S. 3).

Den späteren 600 kg schweren Mastbullen stehen im Stall jeweils 3 m² Fläche zur Verfügung. Der Platz ist viel zu gering, da Rinder Distanztiere sind und bei der Fortbewegung, dem Fressen und Liegen einen Mindestabstand von 0,5 bis 5 m zueinander einhalten (vgl. WIEGAND, 2013b, S. 2). In der Massentierhaltung stehen nicht genügend Fress- und Ruheplätze für alle Tiere zur Verfügung, so dass rangniedere Tiere immer wieder von diesen Plätzen vertrieben werden (vgl. WELFAREQUALITY.NET).

Die Rinder werden letztendlich im Schlachtbetrieb betäubt, aufgehängt, ausgeblutet, aus- genommen und gehäutet. Die mangelnde Ausbildung vieler Arbeiter und das schnelle Schlachttempo verhindern wie bei den Schweinen eine sorgfältige Betäubung, so dass viele Rinder bei vollem Bewusstsein aufgehängt werden (vgl. JOY, 2011, S. 57). Die Fehlbe- täubungsrate in Deutschland wird zum Teil mit über 9 % angegeben (vgl. WIEGAND, 2013b, S. 1).

Im Gegensatz zur Lebenslänge eines Rindes ist die eines Huhnes mit vier Wochen deutlich kürzer. Unter natürlichen Umständen können Hühner ein Alter von 8-9 Jahren erreichen. In der Tierproduktion werden sie nach nur 0,9 % ihrer gesamten natürlichen Lebensdauer geschlachtet (vgl. SALIM, 2010, S. 137).

Die Hühner werden als Küken in Masthallen mit bis zu 50.000 Tieren gesetzt (vgl. JOY, 2011, S. 60). Laut EU-Richtlinie ist in der Hühnermast eine maximale Besatzdichte von 33 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter festgeschrieben, die aber nicht eingehalten wer- den muss, wenn die Betriebe der zuständigen Behörde einen höheren Besatz mitteilen. So können effektiv bis zu 42 kg Lebendgewicht je Quadratmeter gehalten werden. Jedem ausgewachsenen Huhn von etwa 1,5 kg steht dabei eine Bodenfläche von etwa 19 × 19 cm zur Verfügung (vgl. WIEGAND, 2013c, S.3). Eine Trennung von Aktivität- und Ruhebereich ist dabei nicht möglich. Kranke und verletzte Tiere müssen unter den erhöht angebrachten Futterschalen Schutz suchen. Ein ungestörtes Ruhen ist aussichtslos (vgl. RICHTER, 2006, S. 194).

Des Weiteren sind die Lichtverhältnisse in den Ställen oftmals nicht optimal auf die Hüh- ner angepasst, so dass das vom Menschen nicht wahrnehmbare Flimmern des Lichts von Niederfrequenzlampen bei den Tieren Stress auslöst und zu Federpicken und Kannibalismus führen kann (vgl. RICHTER, 2006, S. 162).

In vielen Betrieben ist außerdem die Wasserversorgung unzureichend. Tropfende Wasserleitungen werden eher abgestellt als repariert um die Einstreu trocken zu halten (vgl. WIEGAND, 2013c, S. 4).

Das Hauptaugenmerk in der Hühnermast liegt auf dem schnellen Muskelwachstum. Besonders eine große Hühnerbrust und große Schenkel werden den Tieren angezüchtet (vgl. WIEGAND, 2013c, S. 2). Als Folge, auch bedingt durch die starke Gewichtszunahme, treten häufig Stoffwechselstörungen, Herzprobleme und eine verminderte Immunabwehr auf (vgl. WIEGAND, 2013c, S. 5). Das Skelett der Tiere ist nicht auf eine so rasante Gewichtszunahme ausgelegt, so dass die Hühner ihrem natürlichen Bewegungs- und Sozialbedürfnis nicht nachgehen können und stattdessen den größten Teil des Tages apathisch umher sitzen (vgl. RICHTER, 2006, S. 152/157).

Die verminderte Bewegung bewirkt überdies zusammen mit der feuchten Einstreu häufig schmerzhafte Hautwunden an den Sprunggelenken, den Füßen oder der Brust. Diese Wunden können bis in die Muskeln einwandern und zum Absterben von Gewebe, zu Geschwüren und Entzündungen führen (vgl. PETERMANN, 2008, S. 32). Die Feuchtigkeit der Einstreu verursacht außerdem die vermehrte Freisetzung von Ammoniak aus dem Hühnerkot, die sowohl eine ätzende Wirkung besitzt als auch zu Atemwegserkrankungen führen kann (vgl. RICHTER, 2006, S. 184f.).

Wenn die Tiere schlachtreif sind, gehen Fängerkolonnen durch den Stall. Die Arbeiter tra- gen dabei zwei bis fünf Tiere pro Hand an einem Bein hängend. Bei schlechter Beaufsich- tigung der Arbeiter kommt es oft zu einem groben Umgang mit den Tieren (vgl. RICHTER, 2006, S. 192). Im Geflügelschlachthof angekommen, werden die Tiere auf Fließbänder gekippt und von Arbeitern kopfüber an ein Laufband gehängt, das die Hühner zur Betäu- bung in ein Elektrobad führt. Bei vielen Tieren misslingt die maschinelle Tötung und sie erreichen lebendig das kochende Wasserbad, das dem Herauslösen der Federn dient. In den USA dagegen werden Vögel sogar bei vollem Bewusstsein maschinell oder per Hand geschlachtet (vgl. JOY, 2011, S. 61).

2.5.3 Sozialer Aspekt der Tierhaltung

Neben den Tieren leiden aber auch viele Menschen unter der Tierhaltung. In der Intensiv- tiermast herrschen miserablen Arbeitsbedingungen, durch billig produziertes Fleisch wer- den Kleinbauern existenziell bedroht und das Verfüttern von Getreide verschärft den Hunger in der Welt.

Etwa 842 Millionen Menschen bekommen laut FAO regelmäßig nicht genug zu essen10, obwohl die Landwirtschaft im Jahre 2013 sowohl in absoluten Zahlen als auch pro Kopf die größte Ernte aller Zeiten einfuhr (Vgl. HAERLIN, 2013, S. 4). Das Problem liegt dement- sprechend nicht in der Produktion ausreichender Lebensmittel sondern in der Verteilung bzw. auch an der fehlenden Kaufkraft der Armen. Der Tierhaltungssektor trägt infolge der wachsenden Nachfrage von Futtermitteln zum Anstieg des Preises von Grundnahrungs- mitteln bei (vgl. FAO, 2009a, S. 39). Weltweit werden von der jährlichen Getreideproduk- tion an Weizen, Roggen, Hafer und Mais über 40 % bzw. 800 Millionen Tonnen sowie 250 Millionen Tonnen Ölschrote vor allem aus Sojabohnen als Futtermittel verwendet (vgl. MAENNEL, 2013, S. 39). Das daraus hergestellte Kraftfutter geht der direkten Lebens- mittelproduktion verloren. Zudem ist die Umwandlungsrate

Umwandlung pflanzlicher in tierische Kalorien ineffizient (Tab. 2.6) (vgl. HAERLIN, 2013, S. 12). Nach einer Berechnung des UN- Umweltpro- gramms könnten die Kalorien, die bei dieser Umwandlung verloren gehen theoretisch 3,5 Milliarden Menschen zusätzlich ernähren (vgl. HAERLIN, 2013, S. 12).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Tab. 2.6 Umwandlungsrate pflanzlicher Kalorien in tierische (eigene Darstellung nach HAERLIN, 2013, S. 12)

Gemäß der Aussagen der FAO wird die Fleischproduktion bis 2050 eine weitere Steige- rung von heute 300 Mio. Tonnen auf 455 Mio. Tonnen pro Jahr verzeichnen und somit im Zuge der steigenden Nachfrage nach Futtermitteln die Lage der Armen weiter verschärfen (vgl. HAERLIN, 2013, S. 12). Die Situation der Menschen, die an Mangel- bzw. Unterernäh- rung leiden, sieht dabei wie folgt aus: Sie sind zu schwach um zu arbeiten oder zu lernen, die mangelnde Nährstoffversorgung bewirkt außerdem bleibende Schäden sowie eine höhere Anfälligkeit für Infektionskrankheiten und Parasiten (vgl. HAERLIN, 2013, S. 6). 70 % dieser Menschen leben auf dem Land und sind als Kleind, 11 Fischer, Landarbeiter und Landlose von der lokalen Landnutzung abhängig. Die Ver- fügbarkeit von Boden, Wasser, Produktionsmitteln sowie eine soziale Mindestabsiche- rung sind jedoch ausschlaggebend für eine ausreichend gesunde Ernährung (vgl. HAERLIN, 2013, S. 6).

Die Viehhaltung spielt zudem eine zentrale Rolle zur Bestreitung des Lebensunterhalts. Die Anzahl der Menschen, die darauf angewiesen sind, wird auf 987 Millionen geschätzt (vgl. FAO, 2009a, S. 33). Die Armut der ländlichen Bevölkerung ist die Konsequenz der Verdrängung kleinbäuerlicher Familienbetriebe durch die großen, global orientierten Un- ternehmen (vgl. HAERLIN, 2013, S. 12). Erschwerend kommt der Umstand hinzu, dass auf globaler Ebene alle vor- und nachgelagerten Bereiche der Landwirtschaft durch wenige, marktbeherrschende Unternehmen organisiert wird (vgl. HAERLIN, 2013, S. 14). Millionen von Bauern bleibt somit der lokale und nationale Markt verschlossen. Insbesondere billige internationale Fertigprodukte überschwemmen den Markt und werden im Gegensatz zu Produkten der eigenen Region bevorzugt (vgl. HAERLIN, 2013, S. 12).

Ein Beispiel hierfür ist die Zerstörung der lokalen Wirtschaft durch den EU-Import gefro- rener Hähnchenreste nach Westafrika. Weltweit sind die einzelnen Teile des Hähnchens unterschiedlich profitabel. In Europa bevorzugt der Verbraucher Brustfilet - alle anderen Teile des Tieres samt Hühnerbeinen und -flügeln sind für den Verkauf weniger interes- sant. So wurden viele dieser Geflügelteile bis zum Ausbruch des Rinderwahnsinns im Jahr 1996 zu Tiermehl zermahlen und verfüttert. Mit dem Verbot von Tiermehl verlor die Hähnchenmast die Futtermittelindustrie als Abnehmer und wurde durch einen neuen Kundenkreis ersetzt. Exporteure übernehmen seitdem die Hühnerreste nahezu kostenlos und liefern sie tiefgekühlt nach Westafrika. Die dortigen Erzeuger werden aus dem Markt verdrängt, da der Preis für die Hähnchenteile einschließlich Frachtkosten lediglich ein Drittel der lokalen Preise ausmachen (vgl. MAENNEL, 2013, S. 37).

Im gesamten südlichen Afrika wird dabei besonders die wirtschaftliche Souveränität der Frauen beeinträchtigt. Frauen sind in Entwicklungsländern oftmals aufgrund traditioneller Geschlechterrollen in ihrer wirtschaftlichen Selbstständigkeit benachteiligt und nutzen die Hühnerhaltung als primäre Einnahmequelle. Als die billigen Hähnchenüberreste aus Eu- ropa den lokalen Markt überschwemmten, mussten zuerst die Frauen ihre kleinen, kapitalschwachen Betriebe schließen (vgl. MAENNEL, 2013, S. 35f).

Des Weiteren ist die Tierhaltung samt Futtermittelindustrie als Teil der Landwirtschaft ein gefährliches Arbeitsfeld. Mit vielen Millionen Arbeitsunfällen und mindestens 170.000 Toten pro Jahr zählt die Landwirtschaft neben Bergbau und Baugewerbe zu den gefähr- lichsten Berufen. Verantwortlich hierfür sind Unfälle mit Maschinen, Vergiftungen mit Pestiziden oder anderen Agrarchemikalien, physische Überlastung, Lärm, Staub, Allergien und von Tieren übertragene Krankheiten (vgl. HAERLIN, 2013, S. 6). Ferner finden laut einer Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 59 % der weltweiten Kinderarbeit (mindestens 98 Mio. Kinder) in der Landwirtschaft statt (vgl. HAERLIN, 2013, S. 10).

In Deutschland werden die oft aus Osteuropa stammenden Beschäftigten in der Fleisch- industrie oftmals mittels Werkverträgen ausgebeutet (vgl. BRÜMMER, 2014, S. 145). Sie erledigen 80 % der Schlacht- und Zerlegearbeiten, ihre Zahl beträgt nach Schätzungen mindestens 40.000 (vgl. ZEIT ONLINE, 2014). Den Arbeitern wird in der Regel ein Stunden- lohn weit unter dem Niveau von zehn Euro gezahlt. Ein Beispiel hierfür war der Essener Schlachthof D&S, der im Jahr 2004 Aufsehen mit einem Stundenlohn von lediglich 1,70 € erregte (vgl. BRÜMMER, 2014, S. 145). Seit August 2014 gilt in Deutschland erstmals ein Mindestlohn von 7,75 Euro, der bis Dezember 2016 stufenweise auf 8,75 Euro erhöht wird (vgl. BUNDESREGIERUNG.DE, 2015). Jedoch wird dieser Mindestlohn von den Firmen oft umgangen (vgl. WESER KURIER, 2015).

Die Arbeits- und Sozialbedingungen sind zudem oft äußerst menschenunwürdig - die Be- schäftigten werden in ehemaligen Gewerbeobjekten untergebracht und müssen teilweise Mieten in Höhe von 200-400 € je Schlafplatz zahlen. Häufig müssen sich 40-60 Personen einen Wohnraum von 250 m² teilen (vgl. BRÜMMER, 2014, S. 146). Die Arbeiter müssen häufig ihr Arbeitswerkzeug selbst stellen und entgegen der Rechtsprechung ihre Arbeits- bekleidung selber kaufen bzw. die Reinigungskosten zahlen (vgl. BRÜMMER, 2014, S. 146). Die Arbeitszeiten werden überzogen und Pausen oft nicht eingehalten (vgl. ZEIT ONLINE, 2014).

Neben den ökologischen, ethischen und sozialen Bedenken, die sich aus der Tierhaltung
ergeben, resultieren natürlich auch nicht zu vernachlässigende Risiken für die menschliche Gesundheit, die mit einem hohen Fleischverzehr einhergehen.

2.6 Fleischkonsum und Gesundheit

Zum Thema Fleisch und Gesundheit kursieren unter Ernährungsexperten teilweise sehr unterschiedliche Ansichten. Fleisch wird einerseits als wichtiger Bestandteil der Ernährung aufgrund lebenswichtiger Mikro- und Makronährstoffe hervorgehoben und andererseits für die Entstehung zahlreicher Zivilisationskrankheiten verantwortlich gemacht. Die nachstehende Abhandlung gibt dazu eine Übersicht.

2.6.1 Potential für die Ernährung

Aus ernährungstechnischer Sicht liegen die Vorteile von Fleisch und Fleischprodukten primär in der hohen Verfügbarkeit an hochwertigen Proteinen. Das Aminosäuremuster der Muskeleiweiße im Fleisch ist dem des Menschen sehr ähnlich und besitzt daher eine hohe biologische Wertigkeit12 (vgl. WALTER, 2006, S. 29). In Fleisch sind wertvolle Minera- lien wie Eisen, Zink, Kupfer und ein hoher Anteil an bioverfügbarem13 Selen enthalten. Dabei liegt besonders das Spurenelement Eisen als gut verwertbare Komplexverbindung (Häm-Eisen) vor, das vom Menschen mit einer Absorptionsquote von 20-30% aufgenom- men werden kann. Hingegen wird das im Getreide und Gemüse befindliche Eisen auf- grund der fehlenden Komplexverbindungen nur zu einem Anteil von 10-15 % aufgenom- men. Oft erschweren auch in Pflanzen vorkommende, absorptionshemmende Inhaltsstof- fe (Phytinsäure, Tannine) die Aufnahme von Eisen (vgl. WALTER, 2006, S. 29).

Vorteilhaft ist auch die Verfügbarkeit der Vitamine B1, B2, B6, Niacin und Vitamin B12. Letzteres kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor (vgl. WALTER, 2006, S. 30). Ein Verzicht kann irreversible neurologische Schäden nach sich ziehen. Besonders Veganer, die komplett auf tierische Lebensmittel in ihrer Ernährung verzichten, sind an dieser Stelle gefährdet.

[...]


1 Bei den angegebenen Gewichtsangaben handelt es sich um das Schlachtgewicht, welches gesetzlich festge- legt als das Warmgewicht des geschlachteten und ausgeweideten Tieres definiert wird. (AGRILEXIKON.DE)

2 Die 80 % setzen sich aus 21,7 Mrd. Hühnern (91 %) und 2,2 Mrd. sonstigem Geflügel (9 %) zusammen. 6

3 Der Pro-Kopf-Verzehr gibt die tatsächlich verspeiste Fleischmenge an. Im Gegensatz dazu stellt der Pro- Kopf-Verbrauch das Bruttogewicht der verbrauchten Fleischmenge inklusive Abfälle dar (vgl. MAENNEL, 2013, S. 18).

4 Summe des Wasserverbrauchs aller im In- und Ausland erzeugten und konsumierten landwirtschaftlichen und industriell hergestellten Produkte sowie die Summe der Wassermenge, die im Haushalt verbraucht wird (vgl. SONNENBERG et al., 2009, S. 4)

17

5 Die Klimawirkung gasförmiger Emissionen wird in CO2-Äquivalenten angegeben. 1 kg Methan entsprechen dabei 23 kg CO2 und 1 kg N2O 310 kg CO2 (Leitzmann, 2011, S.337).

6 Der Schwanz wird abgeschnitten um Verletzungen durch andere Schweine vorzubeugen (Wiegand, 2013,

S. 7)

7 Fixiereinrichtung, die das Erdrücken der Ferkel beim Hinlegen der Sau verhindern soll (agroscope.ch In: Wiegand, 2013, S. 7)

8 bei Mastschweinen über 110 kg

9 Das Enthornen erfolgt durch das Abbrennen der Hornansätze. 26

10 Chronischer Hunger ist der Zustand einer Person, die dauerhaft eine Energiezufuhr die niedriger als 2100 kcal am Tag (WFP.ORG)

11 Subsistenzwirtschaft ist die Produktion von Gütern oder der Anbau von landwirtschaftlichen Produkten für den Eigenbedarf (BPB.DE)

12 Methode zur Abschätzung der Qualität von Proteinen in Lebensmitteln. Sie gilt als Maß der Umwandlung eines aufgenommenen Nahrungsproteins in körpereigenes Protein. Je höher die biologische Wertigkeit eines Nahrungsmittels ist, desto weniger Protein muss dem Körper zugeführt werden um eine ausgeglichene Protein- und Stickstoffbilanz zu erreichen (vgl. ERNAEHRUNG.DE)

13 Messgröße der Pharmakologie, die die Höhe der Resorptionsrate eines Wirkstoffes angibt (vgl. flexikon.de)

Details

Seiten
163
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668428195
ISBN (Buch)
9783668428201
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353172
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Geographie und Geologie
Note
1,0
Schlagworte
bedeutung fleisch akzeptanz lupinenprodukten raum vergleich befragung

Autor

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Titel: Die Bedeutung von Fleisch und die Akzeptanz von Lupinenprodukten im urbanen und ländlichen Raum