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Überprüfung der Wirksamkeit von Einzel-Coaching bezogen auf den Verlust von Körpergewicht bei Übergewichtigen und deren Selbstwirksamkeitserwartung

Masterarbeit 2016 126 Seiten

Medizin - Gesundheitswesen, Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG

2 ZIELSETZUNG

3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Übergewicht
3.1.1 Definition
3.1.2 Prävalenz
3.1.3 Gesundheitliche Folgen
3.1.4 Wirtschaftliche Folgen
3.1.5 Gewichtsreduktion
3.1.5.1 Das Prinzip der negativen Energiebilanz
3.1.5.2 Wirkfaktoren bei der Gewichtsreduktion
3.1.5.3 psychologische Aspekte der Gewichtsreduktion
3.2 Coaching
3.2.1 Definition
3.2.2 Abgrenzung von anderen Konzepten
3.2.3 Anlässe und Einsatzgebiete
3.2.4 Ablauf desCoachings
3.2.5 Wirksamkeit
3.3 Selbstwirksamkeitserwartung
3.3.1 Definition
3.3.2 Ursprung
3.3.3 Einflussmöglichkeiten
3.3.4 Erfassungsmöglichkeiten
3.3.5 Wirksamkeit des Coachings in Bezug auf die Selbstwirksamkeitserwartung

4 METHODIK
4.1 Forschungsfragen und Hypothesen
4.2 Coaching Konzept
4.2.1 Anforderungen
4.2.2 Erfolgsfaktoren
4.2.3 Konzept
4.2.4 Coaching Begleiter
4.3 Untersuchungsobjekte
4.4 Untersuchungsdurchführung
4.5 Erhebungsinstrumente
4.5.1 Tanita MC-780MA (BIA-Messung)
4.5.2 Fragebogen zur Selbstwirksamkeit zur sportlichen Aktivität
4.5.3 Anamnesebogen
4.5.4 Evaluationsbogen
4.6 Datenauswertung
4.6.1 DeskriptiveStatistik
4.6.2 Inferenzstatistik

5 ERGEBNISSE
5.1 Ergebnisse der deskriptiven Auswertung
5.1.1 Ergebnisse der Anamnesebögen
5.1.2 Ergebnisse der Coaching Evaluation
5.1.3 Ergebnisse der SSA Fragebögen
5.1.3.1 Ergebnisse der Experimentalgruppe
5.1.3.2 Ergebnisse der Kontrollgruppe
5.1.4 Ergebnisse der BIA Messungen
5.1.4.1 Ergebnisse der Experimentalgruppe
5.1.4.2 Ergebnisse der Kontrollgruppe
5.2 Hypothesenprüfung
5.2.1 Überprüfung der 1. Hypothese
5.2.2 Überprüfung der 2. Hypothese

6 DISKUSSION
6.1 Interpretation der Ergebnisse der Coaching Evaluation
6.2 Interpretation der Ergebnisse der SSA Fragebögen
6.3 Interpretation der Ergebnisse der BIA-Messungen
6.4 Bezug auf den gegenwärtigen Kenntnisstand
6.5 Methodendiskussion
6.6 Schlussfolgerung und Ausblick

7 ZUSAMMENFASSUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ABBILDUNGS-, TABELLEN-, ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
9.1 Tabellenverzeichnis
9.2 Abbildungsverzeichnis
9.3 Abkürzungsverzeichnis

ANHANG
Anhang 1: Coaching Begleiter
Anhang 2: Anamnesebogen
Anhang3: SSAFragebogen
Anhang 4: Evaluation des Coachings
Anhang 5: Verhaltensempfehlungen zur BIA-Messung
Anhang 6: Einverständniserklärung BIA-Messung
Anhang7: Exemplarische BIA-Messung Ergebnisdarstellung
Anhang 8: Funktionsweise der Tanita Analysewaage

1 Einleitung und Problemstellung

„Rund 46 % der Frauen und 60 % der Männer sind übergewichtig oder adipös.“ (Robert Koch-Institut, 2012). Übergewicht stellt einen medizinisch relevanten Risikofaktor dar, der „bereits den Charakter einer Epidemie aufweist und scheinbar unaufhaltsam zu einem zentralen Gesundheits- und Kostenproblem hoch entwickelter Industriegesellschaften geworden ist“ (Knoll, 2010, S. II). So begünstigt Übergewicht die Entstehung von Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ2, Herz-Kreislauf­Erkrankungen sowie Gelenk- und Rückenbeschwerden, oder chronifiziert diese langfristig. Es ist zu prognostizieren, dass bei ungebremster Entwicklung die Prävalenz von Übergewicht weiter zunehmen wird und die ohnehin schon hohen Folgekosten in Zukunft noch extremer ausfallen werden und somit ein Handeln nicht nur gesundheitlich, sondern auch ökonomisch als rentabel einzustufen ist.

Da Übergewicht durch verschiedene Faktoren wie genetische Disposition, Erziehung, soziale Schicht, Ernährung und Alltagsgewohnheiten einen sehr individuellen Entstehungscharakter aufweist, ist auch jeder Abnehmvorgang sehr individuell. „In der aktuellen psychologischen Forschung ist es jedoch üblich, ausschließlich Gruppenprogramme zur Erreichung von Gesundheitszielen, z. B. abnehmen, rauchfrei werden, anzubieten und zu evaluieren. Einzelberatungen zur langfristigen Förderung des Gesundheitsverhaltens werden bisher nicht angeboten.“ (Fuchshuber, 2009, S. 111)

„Coaching als intensive aber auch sehr persönliche und flexible Maßnahme scheint für diese Herausforderungen geradezu optimal geeignet zu sein“ (Böning & Fritschle- Böning, 2008, S. 312). So wird Coaching einer immer breiteren Öffentlichkeit bekannt, nicht zuletzt durch die nahezu explodierenden Veröffentlichungszahlen zum Thema (Böning & Fritschle-Böning, 2008, S. 315 f.).

„Coaching als einzelfallbezogene Intervention zur Förderung der sportlichen Aktivität ermöglicht eine maßgeschneiderte Förderung der sportlichen Aktivität unter Berücksichtung der Entwicklung selbstregulatorischer Kompetenzen und der Lebenswelt einer Person.“ (Fuchshuber, 2009, S. 111)

Dabei ist der Nutzen von Coaching schwer quantifizierbar, da jeder Coachingprozess ein Unikat ist. Meist werden daher nur der Zielerreichungsgrad, allgemeine Einschätzungen des Coachingerfolgs sowie die Zufriedenheit des Klienten als Kriterium herangezogen (Greif, 2008). Zur besseren Vergleichbarkeit und zur besseren Einschätzung der Wirksamkeit in verschiedenen Einsatzgebieten ist es angezeigt, die Veränderung einer bestimmten Zielvariablen, wie eben die Reduktion von Körpergewicht in kg, durch eine Einzel-Coachingmaßnahme zu messen.

Daraus resultiert die Fragestellung, inwieweit Coaching dazu beitragen kann, übergewichtige Personen, die gewillt sind abzunehmen, dementsprechend zu motivieren, dass sich dies in einer messbaren Gewichtsreduktion niederschlägt.

2 Zielsetzung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu überprüfen, inwieweit Einzel-Coaching, durchgeführt mit übergewichtigen Personen, die eigenmotiviert sind abzunehmen, das Körpergewicht beeinflusst, indem die Selbstwirksamkeitserwartung der Klienten verändert wird.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden zwei Gruppen mit jeweils zehn Probanden randomisiert gebildet, wovon eine Gruppe an den Einzel-Coachings teilnimmt. Um die Wirkung zu beurteilen, erhalten beide Gruppen zu Beginn und Ende der Untersuchung, neben der Ermittlung des Körpergewichts, den von Fuchs und Schwarzer entwickelten Fragebogen zur Erfassung der Selbstwirksamkeit zur sportlichen Aktivtät (SSA).

Abschließend soll anhand der gewonnenen Daten und Erkenntnisse eine Empfehlung zur Angemessenheit und Effektivität des Coachings bei dem Anliegen der Gewichtsreduktion ausgesprochen werden.

3.Gegenwärtiger Kenntnisstand

3.1 Übergewicht

3.1.1 Definition

Die Definition von Übergewicht basiert auf Körpermaßen, die auf Körpergewicht und Körpergröße gründen. Sie sind einfach zu erfassen und erlauben daher eine rasche Klassifizierung. Grundlage der anthropometischen Klassifikation des Körpergewichts ist nach internationaler Übereinkunft der Body Mass Index (BMI) oder Körpermassenindex. Er errechnet sich als Quotient aus Körpergewicht in kg und der quadrierten Körpergröße in Metern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die von der WHO im Jahr 2000 vorgeschlagene Klassifikation der Adipositas auf der Grundlage des BMI wird heute weltweit verwendet. Der normale Gewichtsbereich ist dabei definiert als BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m2. Ab einem BMI von 25 kg/m2 wird von Übergewicht gesprochen. Ein BMI von 30 kg/m2 kennzeichnet die Schwelle zur Adipositas, welche weiter in drei Schweregrade unterteilt wird (Wirth & Hauner, 2013, S. 2).

Tab. 1: Klassifizierung des Körpergewichts anhand des BMI (Wirth & Hauner, 2013, S. 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kritisch anzumerken ist allerdings, dass der BMI nur bedingt aussagekräftig ist, da er nicht zwischen Körperfett und fettfreier Körpermasse differenzieren kann. Personen mit erhöhtem Körpergewicht aufgrund einer größeren Muskelmasse, wie zum Beispiel Kraftsportler, haben ebenfalls einen höheren BMI, was möglicherweise zu falschen Schlussfolgerungen verleitet (Wirth & Hauner, 2013, S. 2).

3.1.2 Prävalenz

Die Nationale Verzehrsstudie II (NVS II) wurde vom Max-Rubner-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und und Verbraucherschutz im Zeitraum von November 2005 bis Dezember 2006 durchgeführt. Dabei wurden nicht nur anthropometrische Messungen vorgenommen, sondern auch Erhebungen zu gesundheits- und lebensstilbezogenen Parametern wie Ernährung, Essverhalten und zur Soziodemographie. Befragt und untersucht wurden etwa 20.000 Personen im Alter von 14-80 Jahren beiderlei Geschlechts. Dabei kristallisierte sich heraus, dass die Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas mit zunehmendem Alter ansteigen (Wirth & Hauner, 2013, S. 26). Insgesamt waren 58,2 % der Studienteilnehmer übergewichtig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Prozentuale Verteilung des Körpergewichts der Studienteilnehmer der NVS II (Deutsche Adipositas Gesellschaft, 2012)

„Die Entwicklung der Adipositasprävalenz zeigt in den letzten 20 Jahren bei Männern eine Zunahme um relative 39 %, bei Frauen um 44 %. Eine weitere Zunahme fand sich in den letzten Jahren vor allem bei Jugendlichen undjungen Erwachsenen, während die Zahlen bei älteren Erwachsenen eher stabil sind“ (Deutsche Adipositas Gesellschaft, 2012).

Auch die Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“ zeigen ein ähnliches Bild auf. Kernaussagen sind dabei unter anderem, dass 46 % der Frauen und 60 % der Männer übergewichtig oder adipös sind, wobei bei beiden Geschlechtern im höheren Alter deutlich mehr Fälle auftreten. „Während der Anteil der Übergewichtigen in den letzten Jahren auf hohem Niveau stabil geblieben ist, hat sich die Adipositas­Prävalenz im Vergleich zu früheren Messungen erhöht“ (Robert Koch-Institut, 2014, S. 2). Auch weltweit zeichnete sich 2010 kein unbedingt besseres Bild ab, insbesondere nicht in den Industrienationen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Übergewicht und Adipositas weltweit im Jahr 2010 (Mensink et al., 2012, S. 5)

Übergewicht stellt einen medizinisch relevanten Risikofaktor dar, der „bereits den Charakter einer Epidemie aufweist und scheinbar unaufhaltsam zu einem zentralen Gesundheits- und Kostenproblem hoch entwickelter Industriegesellschaften geworden ist“ (Knoll, 2010, S. II). Den Folgen des Übergewichts widmet sich der nächste Punkt.

3.1.3 Gesundheitliche Folgen

Übergewicht und Adipositas werden häufig nicht als eigenständige Krankheit wahrgenommen, doch ihre Bedeutung für Folgeerkrankungen liegt auf der Hand. Durch die Entstehung dieser wird die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigt, wodurch sich Übergewicht auch auf unser gesellschaftliches Sytsem auswirkt. „Neben Schädigungen, die bereits in jüngeren Jahren einsetzen können, wie erhöhte Belastung von Gelenken und Stützapparat, Fußveränderungen und X-Beine, sind vor allem Risiken langfristiger Erkrankungen durch Adipositas deutlich erhöht“ (Bülow, 2012, S. 18). Hierzu zählen vorwiegend Krankheiten, die das kardiovaskuläre System betreffen, wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit sowie Herzinsuffizienz. Ein ebenfalls stark erhöhtes Krankheitsrisiko durch einen hohen Körperfettanteil besteht íur Diabetes mellitus Typ 2, welcher durch Insulinresistenz und eine gestörte Sekretion gekennzeichnet ist. Von den in Deutschland an Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankten sind etwa 80 % adipös (Bülow, 2012, S. 18 f.).

Tab. 2: Häufig mit Adipositas und Übergewicht assoziierte Krankheiten (modifiziert nach Wirth & Hauner, 2013, S. 31 f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie die oben abgebildete Tabelle erkennen lässt, sind die mit Übergewicht einhergehenden Krankheiten vielfältiger Art und betreffen nahezu jedes System des Körpers. Die weniger verheerenden aber dennoch schwächenden Folgen des Übergewichts beinhalten Schwierigkeiten mit der Atmung, chronische muskuloskelettale Probleme, Hauterkrankungen und Unfruchtbarkeit. Die weitaus mehr Lebensqualität mindernden chronischen Krankheiten, die mit Übergewicht assoziiert werden, lassen sich in vier Bereiche untergliedern: Kardiovaskuläre Probleme, Zustände der Insulinresistenz, spezielle Krebsarten und akute Galle. Letztlich führen die Folgeerkrankungen teilweise auch zu einem verfrühten Tod. Wirth & Hauner (2013, S. 34 f.) analysierten einige Studien zum Mortalitätsrisiko von Übergewichtigen und kommen zu dem Schluss, dass das Sterblichkeitsrisiko bei Übergewichtigen um 5- 20 % erhöht ist und das bei Adipösen um gar 50 - 300 %, wobei jüngere Adipöse mehr Lebensjahre verlieren als ältere Adipöse. Der von der WHO im Jahr 2000 herausgegebene Report zum Thema Übergewicht listet die Risikoklassifikation für die mit Übergewicht assoziierten Kankheiten:

Tab. 3: Risikoklassifikation für mit Adipositas assoziierte Krankheiten (Wirth & Hauner, 2013, S. 32)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ersichtlich wird, dass Übergewicht, insbesondere Adipositas, das Risiko an bestimmten Krankheiten zu erkranken, teilweise um mehr als das dreifache erhöht, im Vergleich zu Normalgewichtigen. Betont wird aber auch, dass die Evaluation der gesundheitlichen Konsequenzen von Übergewicht einige Schwierigkeiten birgt. So ist zum Beispiel der gesamte Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten schwer zu erfassen, so geht Rauchen meist mit einem reduzierten BMI einher, was zur Folge hat, dass die Inzidenz von Lungenkrebs verursacht durch das Rauchen, scheinbar mit zunehmendem Körpergewicht abnimmt. Des Weiteren spielt die Dauer und das Design von epidemiologischen Studien eine Rolle. Langzeitstudien eignen sich so besser um die Fülle an gesundheitlichen Folgen des Übergewichts zu identifizieren, während Studien mit kürzerer Dauer nützlich sein können, um die unmittelbaren Auswirkungen des Übergewichts aufzudecken. Auch das Alter der Studienteilnehmer scheint einen großen Effekt zu haben. Wird beispielsweise die Inzidenz der koronaren Herzkrankheit unter Männern untersucht, so ist Übergewicht ein weitaus wichtigerer Risikofaktor in jüngeren als in älteren Jahren (WHO, 2000, S. 42).

Trotz der genannten Schwierigkeiten der Evaluation, lässt sich festhalten, dass Übergewicht einen massiven Effekt auf die Gesundheit des Individuums hat und neben den gesundheitlichen Folgen auch extreme Kosten verursacht.

3.1.4 Wirtschaftliche Folgen

Das quantitative Ausmaß der sogenannten Adipositas Epidemie ist nicht nur aus gesundheitlicher, sondern auch aus ökonomischer Perspektive besorgniserregend. „Schon allein aufgrund der hohen Prävalenz muss sowohl in Deutschland als auch weltlweit von einer erheblichen Belastung der Gesundheitsbudgets aufgrund Übergewicht und Adipositas ausgegangen werden“ (Wirth & Hauner, 2013,S.41).

Verschiedene Krankheitsstudien zur gleichen Erkrankung kommen häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen. Mehrere Gründe sind dafür verantwortlich, wie etwa Unterschiede in Bezug auf das Land und den Untersuchungszeitraum, insbesondere aber hängt es vom methodischen Zugang ab. Dabei spielt die Wahl der Perspektive eine entscheidende Rolle, da sie bestimmt, welche Kostenkomponenten bei der Analyse berücksichtigt werden. Am weitesten verbreitet ist die Wahl der gesellschaftlichen Perspektive, da sie alle Kosten berücksichtigt, also direkte und indirekte Kosten. Die indirekten Kosten versuchen den durch Krankheit oder vorzeitigen Tod ausgelösten Produktionsausfall monetär zu quantifizieren. Alternativ findet man häufig die Perspektive der gesetzlichen Krankenkasse, bei der im Wesentlichen die direkten medizinischen Kosten betrachtet werden, welche bei Inanspruchnahme einer ambulanten oder stationären Behandlung abgerechnet werden.

Wirth & Hauner (2013, S. 42) summieren die direkten Kosten der Adipositas nach einer Übersicht von über 30 internationalen Studien mit etwa 0,7 - 2,8 % der gesamten Gesundheitsausgaben in den untersuchten Ländern. Auch die von der WHO (2000, S. 83) gelisteten Studien zu den Kosten der Adipositas kommen zu dem Ergebnis, dass mindestens 2 % der nationalen Gesundheitsausgaben dafür aufgewendet werden.

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Abb. 3: Ökonomische Kosten der Adipositas (WHO, 2000, S. 83)

Konnopka et al. (2011) analysierten die Kosten des Übergewichts und der Adipositas in Deutschland für das Jahr 2002. Es stellte sich heraus, dass sie in diesem Jahre 2,1 % der Gesundheitsausgaben betrugen und mit 4,85 Milliarden Euro an direkten und 5 Milliarden Euro an indirekten Kosten zu Buche schlugen. Hauptsächlicher Kostentreiber der direkten Kosten war Diabetes, während es bei den indirekten Kosten Arbeitsausfall und erhöhte Mortalität war.

Nach Berechnungen gingen im Jahr 2008 bereits 3,27 % der Gesundheitsausgaben auf das Konto von Übergewicht und Adipositas. Ursachen hierfür sind die Zunahme der Adipositas in der Bevölkerung aber auch genauere Berechnungsdaten für das Jahr 2008. Allein die direkten Kosten beliefen sich somit auf 8,6 Milliarden Euro (Universitätsmedizin Leipzig, 2015).

In Deutschland wurden für die KORA-Studienregion die direkten Kosten ambulanter Arztkontakte, Arzneimittel und Krankenhausaufenthalte unter spezieller Betrachtung der BMI-Klassifikation erhoben. Laut Studie belaufen sich die Ausgaben für Normalgewichtige im Schnitt auf 847,60 Euro im Jahr. Bei einem BMI von 30-34,9 (Adipositas Grad I) erhöhen sie sich bereits um 232,54 Euro. Ab einem BMI von 35 steigen die Kosten im Vergleich zur Gruppe der Normalgewichtigen um über 200 % auf 2.572,19 Euro (Lengerke et al., 2006, S. 110 ff.).

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Abb. 4: direkte Krankheitskosten nach Gewichtsklassen (Expertengruppe metabolische Chirurgie, o. J.)

Ersichtlich wird, dass Übergewicht und insbesondere Adipositas und deren Ausprägungsgrade die Ausgaben im Gesundheitssystem in schwindelerregende Höhen treibt, was letztlich die Frage aufwirft, wie eine Gewichtsreduktion bewerkstelligt werden kann.

3.1.5 Gewichtsreduktion

Auf einer Vielzahl von Zeitschriften prangt einem das verheißungsvolle Versprechen entgegen, so und so viele Kilogramm in dieser undjener Zeit abzunehmen, so dass man ins Grübeln kommt, welche der Unmengen an Diäten und Versprechungen denn nun am meisten bringt und auf welchem Grundprinzip diese fußen.

3.1.5.1 Das Prinzip der negativen Energiebilanz

„Das Prinzip der Energiebilanz bildete die Grundlage für alle Diätvariationen, die von Wissenschaftlern, Ärzten und und Laien in der Folgezeit bis heute propagiert wurden“ (Reich & Cierpka, 2010, S. 5). Eine pauschale Verknappung der Kalorien ist die Basis jeder Reduktionsdiät.

„Als Energiebilanz bezeichnet man die Differenz zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch“ (Rahmen, 2015, S. 5). Nimmt man mehr Energie auf, als man verbraucht, nimmt man zwangsläufig zu (positive Energiebilanz). Nimmt man weniger Energie auf, als man verbaucht, nimmt man injedem Falle ab (negative Energiebilanz). Um es bildlich auszudrücken, kann man ein Bankkonto heranziehen. Das Guthaben wird nur dann weniger, wenn mehr Geld ausgegeben wird (Kalorien verbrannt werden), als Geld verdient wird (Kalorien aufgenommen werden). Folglich gibt es zwei bzw. drei Möglichkeiten das Guthaben zu senken:

1. Man gibt noch mehr aus und hält den Verdienst konstant
2. Man reduziert den Verdienst bei gleichbleibenden Ausgaben
3. Man gibt noch mehr aus und reduziert zusätzlich den Vedienst

Übertragen auf die Energeibilanz bedeutet das:

1. Man steigert den Kalorienverbrauch durch erhöhte körperliche Aktivität, hält seine Kalorienaufnahmejedoch konstant
2. Man senkt die Kalorienaufnahme bei gleichbleibendem Kalorienverbrauch
3. Man steigert den Kalorienverbrauch durch erhöhte körperliche Aktivität und senkt zusätzlich die Kalorienaufnahme

Kritisch anzumerken ist, dass bei einer veränderten Kalorienbilanz nicht jeder Organismus gleich reagiert. So ließ Bouchard (1990, S. 1477 ff.), ein rennomierter Zwillingsforscher aus Quebec, 12 eineiige Zwillinge im Alter von 18 bis 26 über den Zeitraum von 100 Tagen, täglich, sonntags ausgenommen, 1000 kcal mehr verzehren, als sie gewohnt waren. Da ein Kilogramm Fettgewebe einen Brennwert von 7000 kcal hat und die Probanden über die 100 Tage ein Plus von 86000 kcal angehäuft hatten, wäre eine Gewichtszunahme von 12,3 kg zu erwarten gewesen. Tatsächlich resultierte eine Spannbreite von 4,3 bis 13,3 kg. Die erbidentischen Zwillinge nahmen jedoch relativ ähnlich zu, so dass daraus gefolgert werden kann, dass genetische Disposition Adipositas begünstigt. Es bleibt folglich festzuhalten, dass weitere Cofaktoren das Abnehmen beeinflussen, weshalb eine Reduktion oder Erhöhung der Kalorienzufuhr sich beijeder Person unterschiedlich stark auswirkt.

3.1.5.2 Wirkfaktoren bei der Gewichtsreduktion

In der Praxis führten die unterschiedlichsten Diäten zu immer gleichen Erfahrungen:

- Zunächst kommt es zu einer initialen Gewichtsreduktion
- Zumeist stagniert nach einiger Zeit die Gewichtsabnahme
- Der Patient bricht daraufhin die Diät ab
- Anschließend steigt das Gewicht wieder an (Jojo Effekt)

„Zu diesem sehr einheitlichen Misserfolgsschema steht die bunte Variationsvielfalt der unterschiedlichsten Diäten in grobem Kontrast“ (Reich & Cierpka, 2010, S. 5). Eine Gruppe von Diäten beschränkt die Lebensmittelauswahl und begründet damit einen besonders guten Effekt für die Gewichtsabnahme, zum Beispiel Eier-, Nudel-, Steak­oder Apfeldiät. Eine andere Gruppe favorisiert mit der Atkins-Diät einen einzigen Nährstoff und empfiehlt, ausschließlich Fett, aber keine Kohlenhydrate zu essen, oder umgekehrt nur Kohlenhydrate, aber kein Fett wie bei der Brotdiät. Auch proteinbetonte Diäten wie die Mayo-Diät wurden vorgeschlagen. Andere Diäten, wie zum Beispiel die Ahornsirup-Zitronensaft-Diät, stellen noch krassere Formen der Fehlernährung dar, oder sie beanspruchen für sich Wirkprinzipien, die wissenschaftlich nicht fundiert sind. Zuletzt wurden verstärkt auch Formuladiäten angeboten, die nach den Vorgaben von § 14a der Diätverordnung, eine bestimmte Nährstoffkombination mit etwa 700-800 kcal in Form von Drinks oder Suppen enthalten. Von ernährungswissenschaftlicher Seite wurden stets die kalorienreduzierte Mischkost mit 1000-1200 kcal pro Tag empfohlen (Reich & Cierpka, 2010,S.5 f.).

„Das psychologische Wirkprinzip dieser Diäten beweist in sich selbst seine Funktion. Eine Verknappung der Nahrungszufuhr, gleich in welcher Form, führt kurzfristig immer zu einer Gewichtsabnahme und beweist damit, dass diese Diät funktioniert“ (Reich & Cierpka, 2010, S. 6). Auf der Waage hingegen, kann nicht festgestellt werden, ob Fett oder Protein abgebaut wurde. Der initiale Gewichstverlust geht jedoch größtenteils auf Protein- und Wasserverluste zurück, was daran erkennbar ist, dass in der ersten Diätwoche Gewichtsverluste von mehreren Kilogramm verzeichnet werden, die durch den Abbau von Fett energetisch überhaupt nicht möglich wären. Nach Beendigung oder bei Abbruch der Diät kommt es daher rasant zu einer Gewichtszunahme, da die Proteinbestände als regulierte Körperkompartimente restituiert werden. Man spricht hier vom sogenannten Jojo Effekt, was im Bewusstsein der Diäthaltenden aber nicht gegen die Wirksamkeit dieser spricht, sondern den eigenen Misserfolg belegt, nicht länger durchgehalten zu haben (Reich & Cierpka, 2010, S. 6).

Aufgrund der oben beschriebenen Problematik von Diätkonzepten, soll nun eine Auswahl wissenschaftlich abgesicherter Empfehlungen zum Thema Gewichtsreduktion vorgestellt werden. Zusammengefasst wurden diese Empfehlungen vom juvalis Apotheke aktuell (2016) Magazin.

1. Proteinreiche Ernährung: Der menschliche Körper benötigt zum Überleben Proteine. Wer abnehmen will, sollte auf eine eiweißreiche Ernährung achten, nicht zuletzt, um Muskelabbau vorzubeugen. Proteinreiche Nahrung sorgt dafür, dass das Sättigungsgefühl länger anhält und der Appetit reduziert wird (Johnston et al., 2002, S. 55 ff.).
2. Aufnahme raffinierter Kohlenhydrate begrenzen: Raffinierte Kohlenhydrate sind Kohlenhydrate ohne wertvolle Nähr- und Ballaststoffe, wie Weißmehlprodukte und Zucker. Sie sind kontraproduktiv, da Blutzuckerschwankungen und Heißhungerattacken mit übermäßigem Appetit gefördert werden (Roberts, 2000, S. 163 ff.).
3. Ballaststoffreiche Lebensmittel integrieren: sie fördern die Verdauung, schützen vor Verstopfungen und fördern die Gewichtsreduktion durch verzögerte Magenentleerung und erhöhte Magenfülle (Kristensen & Jensen, 2011, S. 65 ff.).
4. Obst und Gemüse integrieren: Die ernährungsphysiologischen Vorteile sind eine geringe Energiedichte und ein geringer Fettgehalt bei gleichzeitig hohem Gehalt an Vitaminen, Spurenelementen und Ballaststoffen. Menschen, die mehr Obst und Gemüse essen, bringen eher weniger Gewicht auf die Waage (Ledoux et al., 2011, S. 143 ff.).
5. Flüssige Kalorien und zuckerhaltige Getränke vermeiden: Täglicher Konsum zuckerhaltiger Getränke erhöht das Risiko für Fettleibigkeit bei Kindern um bis zu 60 % (Ludwig et al., 2001, S. 505 ff.). Stattdessen sollte Wasser konsumiert werden, da es keine Kalorien enthält.
6. Bewegung und Krafttraining: Diäten gehen häufig mit einem Verlust an Muskelmasse einher, weshalb Krafttraining ergänzend durchgeführt werden sollte, um Muskelmasse zu erhalten oder aufzubauen, was den Kalorienverbrauch auch in Ruhe erhöht (Marks et al., 1995, S. 1243 ff.).

3.1.5.3 psychologische Aspekte der Gewichtsreduktion

„Unter psychologischen, psychodynamischen und psychometrischen Gesichtspunkten unterscheiden sich Adipöse nicht signifikant von Normalgewichtigen“ (Wechsler, 2003, S. 259). Bei Adipositas hat sich der Einsatz der Verhaltenstherapie bewährt, welche zum Ziel hat, die Motivation fur eine Gewichtsreduktion zu verstärken, das Ernährungsverhalten langfristig zu verändern, die körperliche Aktivität zu steigern, sowie psychosoziale Probleme und Misserfolge zu bewältigen. Die Verhaltenstherapie sollte sich methodisch an den Prinzipien der Lernpsychologie orientieren, wobei eine Misserfolgsprophylaxe wesentlich ist. Diese kann nur durch ein verhaltenstherapeutisches Programm erfolgreich sein. Anspruchsniveau und Zielvereinbarung dürfen nicht zu hoch angesetzt sein, da der Klient durch einen zu großen Verhaltensaufwand sehr schnell überfordert wird. Rigide Verhaltensvorschriften sind dabei weniger zielführend, als vom Klienten reflektiertes und selbst neu formuliertes Verhalten (Wechsler, 2003, S. 259).

Verhaltensänderungen sind über die kognitive, emotionale und psychomotorische Ebene zu bewirken. Einfach ausgedrückt heißt das, Kopf, Herz und Hand anzustreben. Maßnahmen, die diese verschiedenen Lerndimensionen, über die die Teilnehmer zu erreichen sind, verknüpfen, kommen dem Ziel der Verhaltensänderung am nächsten. Aktives Mitmachen und praktisches Üben mit Fallbeispielen sind Mittel der Wahl. Beispiele hierfür sind Lehrküchenveranstaltungen, Einkäufe und das Schätzen und Wiegen von Lebensmitteln, um ein Mengenverständnis zu entwickeln. „Wichtig ist, die Gewohnheiten und Alltagssituationen der Patienten in diese Lernprozesse einzubeziehen, um die Motivation zum Weitermachen zu stärken und aufrechtzuerhalten“ (Wechsler, 2003, S.271).

Des Weiteren sprechen eine Reihe von psychosozialen Gründen für die Teilnahme an Bewegungsprogrammen. Das gesellschaftliche Schönheitsideal definiert den jungen, schlanken und sportlichen Menschen als schön, gesellschaftlich anerkannt und erfolgreich. Übergewichtige entsprechen nicht dieser Norm, was dazu führen kann, dass der positive Bezug zum eigenen Körper verloren gehen kann. Frustration, Schamgefühle und der Verlust von Selbstwert können die Folge sein. Durch Sport werden Adipöse nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch mit ihrer Körperfülle konfrontiert, wodurch negative Einstellungen gegenüber dem eigenen Körper verstärkt werden können. Daher erfordert die Ansprache der Themen Sport und Bewegung besonders viel Einfühlungsvermögen. Der Erfolg eines jeden Bewegungsprogrammes wird von der Häufigkeit der Durchführung abhängen. Die Regelmäßigkeit der Durchführung ist wiederum abhängig davon, ob der Teilnehmer Freude an der Aktivität gewinnt, also von dessen Motivation. Es sind ausschließlich von außen bestimmte Motive, die den Teilnehmer dazu veranlassen können, trotz möglicher negativer Erfahrungen (Muskelkater, Anstrengung) nicht aufzugeben. Beispiele hierfür sind eine bessere Figur oder gesundheitliche Effekte. An diese Phase der Anstrengung schließt sich ein Stadium an, in dem Anstrengung und Überforderung durch Gefühle des körperlichen Wohlbefindens abgelöst werden. Die Motivation kann von äußeren Anreizen hin zu einer intrinsischen Motivation transformiert werden, gekennzeichnet durch ein Gefühl der Freude und Entspannung aufgrund der körperlichen Aktivität selbst. Diese intrinsische Motivation erhöht den Erfolg auf langfristige Durchführung erheblich. „Ein wichtiger Schritt von einer extrinsischen zu einer intrinsischen Motivationslage besteht in der Fokussierung auf die körperliche Aktivtät selbst und in der Bewußtwerdung der Gefühle, die mit dieser Aktivität verbunden sind“ (Wechsler, 2003, S. 285). Wenn die ausgeübte Aktivität genau den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen entspricht, empfinden die Betroffenen häufig ein hohes Maß an Zufriedenheit, Selbstkontrolle und Freude.

Damit Sportprogramme nicht wegen gesundheitlicher Komplikationen, falscher Belastungsintensität, anfänglicher Überforderung oder ausbleibender Erfolge aufgegeben werden, ist es enorm ausschlaggebend, die Ziele maßvoll zu stecken und auch kleine Erfolge zu verstärken. Für die erfolgreiche Durchführung ist es ratsam, auf die zahlreichen gesundheitsförderlichen Konsequenzen hinzuweisen, die auch unabhängig von einer Gewichtsreduktion stattfinden. Nur wenn die Person vom Nutzen überzeugt ist, nimmt sie die körperliche Aktivität in Kauf. Zu Beginn sollten daher Informationen zur Verfügung gestellt werden, die Erkenntnisse über die positiven Konsequenzen vermitteln (Wechsler, 2003, S. 284 f.).

3.2 Coaching

3.2.1 Definition

„Coaching ist ein schillernder Begriff, der heute in vielen Zusammenhängen ganz unterschiedlich benutzt wird“ (Fischer-Epe, 2002, S. 18). Jeder kann sich Coach nennen, oder das, was er anbietet, als Coaching bezeichnen, da es kein geschützter Begriff ist. Da Coaching boomt und der Markt stark wächst, springen vermutlich immer mehr selbsternannte Coachs auf den Trend auf, was zur Folge hat, dass die Begrifflichkeit Coaching zu einer Art populärer Container-Begriff verkommt (Böning & Fritschle-Böning, 2005, S. 30). Diese Entwicklung führt bei allen positiven Konsequenzen zu zwei kritischen Begleiterscheinungen (Wissemann, 2006, S. 11):

1. Coaching ist ein unscharfer Begriff
2. Es gibt keine allgemeinen, verbindlichen Standards, welche die Qualität sichern

Diese Unschärfe führt dazu, dass verschiedenste Beratungs- und Interventionsmaßnahmen als Coaching bezeichnet werden, wie zum Beispiel Eltern­Coaching oder Stil-Coaching. „Teilweise werden bewährte Verfahren, einem Modetrend folgend, plötzlich Coaching genannt, die vor ein paar Jahren einfach noch Beratung oder Training hießen, z. B. Eltern-Coaching anstelle von Erziehungsberatung“ (Wissemann, 2006, S. 11).

Um nun etwas mehr Klarheit über die Bedeutung des Begriffs zu bekommen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Ursprünglich bedeutet Coach „Kutsche“. Das Wort ist in der englischen Sprache seit 1556 nachgewiesen und kommt aus dem Ungarischen. Das Bild einer Kutsche veranschaulicht einen wesentlichen Kern des Coachings, die Kutsche ist ein Hilfsmittel, ein Beförderungsmittel, um sich auf den Weg zu machen und ein Ziel zu erreichen. Erstmalig taucht das Wort Coach als Bezeichnung eines privaten Tutors für Universitätsstudenten im Jahre 1848 auf. Im sportlichen Bereich wird seit 1885 in England und den USA von Coaching gesprochen, weshalb im Laufe der Zeit der breiteren Öffentlichkeit die Bedeutung des Coaching über den Leistungssport vermittelt wurde (Fischer-Epe, 2002, S. 18). Da eine geschichtliche Betrachtung den Umfang der Arbeit sprengen würde, werden nun einige Definitionsansätze des Begriffs Coaching aufgezeigt, um so ein klareres Bild zu zeichnen.

Unter Coaching versteht Fischer-Epe (2002, S. 21) „eine Kombination aus individueller Beratung, persönlichem Feedback und praxisorientiertem Training“. Behandelte Fragestellungen des Coachings sind laut Fischer-Epe berufliche Aufgaben und Rollen, sowie die Persönlichkeit des Klienten betreffende Dinge. Die Beratung leistet Hilfe zur Selbsthilfe, wobei der Coach den Klienten als Partner in einem Dialog unter Experten begleitet. Der Klient ist dabei Experte in seinem Arbeitsfeld und der Coach Experte für Gesprächs- und Beratungsmethoden. Er hilft bei der Suche nach stimmigen Zielen und angemessenen Lösungswegen, wobei er Zuversicht und die persönliche Entwicklung des Klienten fördert. Der Klient bedient sich dieses Hilfsmittels, der Kutsche, um auf den Weg zu kommen und ein Ziel zu erreichen, entscheidet aber selbst über die Richtung bzw. das Reiseziel. Der Coach als Kutscher, kennt die Wege, kann Entfernung und Reiseziel einschätzen, sorgt für die Qualität des Vorankommens und für angemessene Pausen (Fischer-Epe, 2002, S. 21 ff.).

Rauen (2001, S. 64) definiert Coaching zusammenfassend als „personenzentrierter Beratungs- und Betreuungsprozess, der berufliche und private Inhalte umfassen kann, und zeitlich begrenzt ist“. Ziel ist die Herstellung und/oder Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeiten des Klienten. Grundlagen sind gegenseitige Akzeptanz, Freiwilligkeit, psychologische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie praktische Erfahrungen des Coachs und zuletzt ein ausgearbeitetes Konzept zur Erläuterung des Vorgehens (Greif, 2008, S. 54).

Offermanns (2004, S. 65) schlägt nach kritischer Diskussion verschiedener Begriffe folgende Definition vor: „Coaching ist eine freiwillige, zeitlich begrenzte, methodengeleitete individuelle Beratung, die den oder die Beratene(n) darin unterstützt, berufliche Ziele zu erreichen. Ausgenommen ist die Behandlung psychischer Störungen“. Diese Definition ist anhand wissenschaftlicher Kriterien für Definitionen betrachtet, sehr exakt. Hervorzuheben ist der Ausschluss der behandlung psychischer Störungen (Greif, 2008, S. 54).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den Definitionen einige Gemeinsamkeiten zugrunde liegen, die da wären: Coaching als individuelle Beratung, die Hilfe zur Selbsthilfe leistet, wobei der Klient Eigen- und Zielverantwortung übernimmt und der Coach personenzentriert die Veränderung, Selbstentwicklung und Selbstreflexion des Klienten ergebnisorientiert fördert.

Abschließend definiert Greif (2008, S. 59) nach sorgfältiger Extrahierung der Kernpunkte der Begrifflichkeit Coaching folgendermaßen: „Coaching ist eine intensive und systematische Förderung ergebnisorientierter Problem- und Selbstreflexionen sowie Beratung von Personen oder Gruppen zur Verbesserung der Erreichung selbstkongruenter Ziele oder zur bewussten Selbstveränderung und Selbstentwicklung. Ausgenommen ist die Beratung und Psychotherapie psychischer Störungen.“

3.2.2 Abgrenzung von anderen Konzepten

Wie oben erwähnt, wird der Begriff Coaching teilweise als Container-Begriff gebraucht, um so fragwürdigen Leistungen einen populär klingenden Namen zu verleihen. Daher soll unter diesem Punkt nun eine klare Abgrenzung zu anderen verwandten Formen psychosozialer Interventionen stattfinden. Gewiss gibt es auch einige Gemeinsamkeiten und Überschneidungen, doch ebenso klare Unterscheidungsmerkmale, die nachfolgend tabellarisch gegenüber gestellt werden. Die Abgrenzung findet zu den Themen Training, Mentoring, Supervision und Psychotherapie statt. Dabei erheben die einzelnen Vergleiche keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern dienen der Hervorhebung der Hauptunterschiede.

Tab. 4: Unterschiede zwischen Coaching und Training (modifiziert nach Lippmann, 2006, S. 29)

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Tab. 5: Unterschiede zw ischen Coaching und Mentoring (modifiziert nach Lippmann, 2006, ร. 31)

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Tab. 6: Unterschiede zwischen Coaching und Supervision (modifiziert nach Lippmann, 2006, S. 32)

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Tab. 7: Unterschiede zwischen Coaching und Psychotherapie (modifziertnach Lippmann, 2006, S. 34)

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Nachdem nun der Coaching Begriff zu anderen abgegrenzt wurde und zuvor durch Definitionen charaktersiert wurde, sollen nun die Anlässe und Einsatzgebiete des Coachings dargelegt werden.

3.2.3 Anlässe und Einsatzgebiete

Konkret finden sich zwei wesentliche Anlässe zu denen Personen Coaching in Betracht ziehen und in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich einerseits um eine Krise und andererseits um das Streben nach Wachstum oder Verbesserung (Schmolmüller, 2012, S. 38). Krise meint eine schwierige Lage oder Situation und stellt einen häufigen Anlass für das Coaching dar. Beide Anlässe lassen sich weiter in beruflicher und privater Natur unterteilen. Daraus folgt, dass die Einsatzgebiete des Coachings sehr vielfältig sind und verschiedenste Bereiche des Lebens berühren. Fischer-Epe (2002, S. 23 f.) unterteilt grob in drei Felder:

- Rollen- und Wertekonflikte im Zusammenhang mit äußeren Veränderungen
- Kritische Situationen und Konflikte in der Zusammenarbeit
- Fragen der persönlichen Entwicklung

Zu diesen drei Feldern nennt Fischer-Epe einige Beispiele, die sich wiederum in private und berufliche unterteilen lassen und des Weiteren als Krise oder Wachstum kategorisieren lassen, wobei Krise als Entscheidung bzw. Wendepunkt verstanden wird (Fischer-Epe, 2002, S. 125).

Tab. 8: Coaching Anlässe (in Anlehnung an Fischer-Epe, 2002, S. 23 ff.)

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Abb. 5: Anlässe und Themenfelder des Coaching (Pieter, 2014, S. 16)

Im Endeffekt können Themen aus nahezu allen Bereichen stammen (Wissemann, 2006, S. 19), meist aus den Kontexten Karriere, Beruf, Sport oder Gesundheit. Maßgeblich dabei ist, dass sich der Coach diesem jeweiligen Themengebiet gewachsen sieht, andernfalls auch mal eine Coaching Anfrage ablehnen muss.

3.2.4 Ablauf des Coachings

Nachfolgend soll nun der Ablauf des Coachings im Allgemeinen beleuchtet werden, wobei das GROW-Modell nach Whitmore näher betrachtet wird und das Modell der Wahl für die Untersuchung darstellt. Grob lässt sich der Coaching Prozess in die drei Phasen Vorphase, Hauptphase und Abschlussphase unterteilen. Für die Hauptphase stehen verschiedene Modelle zur Verfügung, wobei hier nur das GROW-Modell eingehender beleuchtet wird.

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Abb. 6: Schematischer Ablauf eines Coaching Prozesses (Pieter, 2014, S. 124)

Nachdem die Kontaktaufnahme stattgefunden hat, wird in der Regel das Erstgespräch vereinbart, welches den Zweck hat herauszufinden, ob die Voraussetzungen und Grundlagen für ein Coaching von Seiten des Klienten, aber auch von Seiten des Coaches gegeben sind. So bringt jeder Klient verschiedene Vorannahmen und Erwartungen mit, die es zu klären gilt und zu vermitteln, was Coaching leisten kann und was nicht (siehe Definition Coaching). „Der Verlauf des Erstgesprächs hat eine Schlüsselfunktion für den weiteren Coaching-Prozess, weil in den ersten Kontakten die Grundlage aller weiteren Beziehungen gelegt wird“ (Pieter, 2014, S. 133). Die Grundlage ist eine Art Vertrauensbasis, welche durch die gegenseitige Exploration von Coach und Klient entsteht und existenziell für das Gelingen des Coachings ist. Erstgespräche müssen daher vom Coach sorgfältig vorbereitet und durchgeführt werden, wobei sich die Orientierung an einem Leitfaden empfiehlt, der ein strukturiertes und kompetentes Vorgehen gewährleistet. Dies garantiert das Sammeln wichtiger Informationen und nicht zuletzt ein vertrauenserweckendes Vorgehen des Coaches (Pieter, 2014, S. 132 f.).

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Im erfolgreichen Fall entscheiden sich Klient und Coach für die gemeinsame Zusammenarbeit und schließen einen Vertrag. Erst wenn alle formalen und organisatorischen Dinge im gegenseitigen Einverständnis abgeschlossen sind, kann die inhaltliche Arbeit im Coaching beginnen. Innerhalb der Coaching Sitzungen treten Klient und Coach in einen zielorientierten Dialog, wobei es wichtig ist, dass für den Klienten alle Schritte transparent sind und er sich somit klar darüber ist, wo er sich im Prozess befindet und um welche Fragestellung es geht. Dabei empfiehlt es sich, einen roten Faden zu definieren, damit sich das Ziel des Coachings nicht aus den Augen verliert, unwichtige Detailfragen vermieden werden und der Klient Sicherheit gewinnt (Pieter, 2014, S. 136).

Coaching bedeutet, den Klienten zu unterstützen,

- sich über seine Ziele klar zu werden,
- die Ausgangssituation zu klären und zu verstehen, wo das Problem liegt,
- neue Lösungsmöglichkeiten zu finden,
- eine Entscheidung zwischen den verschiedenen Möglichkeiten zu treffen und dafür einen Handlungsplan zu entwickeln

Daraus ergibt sich die Grundstruktur des Coaching Prozesses analog zu den Schritten des Problemlösungsprozesses (König & Volmer, 2009, S. 45).

Tab. 10: Grundstruktur des Coaching Prozesses (König & Volmer, 2009, S. 46)

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John Whitmore, bei dem sich im Grunde die gleiche Gliederung findet, hat dafür eine eingängige Formel entwickelt, die man sich leicht merken kann: das GROW-Modell.

Goal (Orientierungsphase): Klärung des Ziels

Reality (Klärungsphase): Klärung der Situation

Options (Lösungsphase): Sammlung und Bewertung von Lösungsmöglichkeiten

What (Abschlussphase): Festlegung des Handlungsplans

Auch andere Gliederungen des Coaching Prozesses lehnen sich mehr oder weniger an die Struktur des Problemlösungsprozesses an, wobei gelegentlich einzelne Phasen nochmals untergliedert werden. Der Vorteil der GROW Struktur besteht darin, diese auch in anderen Gesprächen anwenden zu können. Beispielsweise in einem Mitarbeitergespräch, das sich ebenfalls empfiehlt in diese Phasen zu strukturieren. Zunächst das Ziel des Gesprächs festlegen, die Ist-Situation zu klären, Lösungen zu sammeln und zum Schluss zu einer Vereinbarung über die folgenden Schritte zu gelangen (König & Volmer, 2009, S. 46 f.).

Whitmore (1994, S. 58) betont jedoch, dass das GROW-Modell dann zielführend ist, wenn beim Klienten Bewusstsein und Verantwortung vorhanden sind und der Coach in der Lage ist, Fragen so zu stellen, dass diese beiden Dinge hervorgerufen und gefördert werden. Des Weiteren muss dieses Modell als dynamischer Prozess verstanden werden, der einem ständigen Kreislauf unterliegt. So kann es sein, dass Ziele erst nach der Realitätsprüfung passend formuliert werden können, oder abgeändert werden müssen. Daher ist es trotz des Rahmens, den dieses Modell schafft, immer wieder Aufgabe des Coachs, individuell zu betrachten und flexibel zu bleiben (Pieter, 2014, S. 137). Nachfolgend sollen nun die vier Phasen des GROW-Modells umrissen werden.

1. Goal - Klärung des Ziels

Wenn ich etwas tun will, performe ich besser, als wenn ich etwas tun muss (Whitmore, 2009, S. 58). Zu Beginn einer Coaching Sitzung sollte das Ziel dieser festgelegt werden. Dieses sollte vom Klienten definiert und gewollt werden. Eine sinnvolle Frage an den Klienten könnten beispielsweise sein, was würden Sie am Ende dieser Sitzung mitnehmen wollen? Innerhalb der ersten Sitzung geht es nun darum, dass der Klient ein Ziel formuliert, welches er mit der Inanspruchnahme des Coachings erreichen möchte und anhand dessen der weitere Verlauf sich orientiert. Dabei ist in End- und Leistungsziele zu unterscheiden. Endziele sind meist langfristig orientiert und deren Erreichung unterliegt selten gänzlich der eigenen Kontrolle. Als Beispiel ist die Marktführerschaft zu nennen, oder der Gewinn einer Goldmedaille. Leistungsziele begleiten den Prozess der Zielerreichung und unterliegen weitgehend der eigenen Kontrolle, so dass diese ein Mittel sind, um den Fortschritt zu messen (Whitmore, 2009, S. 58 f.). Als Beispiel ließe sich hier das Training zur Erreichung des Goldmedaillen Gewinns heranführen, beispielsweise die 100m Distanz pro Woche um 0,1 Sekunde schneller zu sprinten. Damit ein Ziel best möglich umgesetzt und erreicht werden kann, sollte es die Eigenschaften SMART beinhalten:

Specific (spezifisch)

Measurable (messbar)

Attainable (erreichbar)

Realistic (realistisch)

Time phased (terminiert)

Des Weiteren sollten Ziele positiv formuliert werden, also keine Negation von etwas sein (ich will nicht mehr ...). So wird der Fokus weg vom negativen Bild gelenkt (Whitmore, 2009, S. 62 f.).

2. Reality - Klärung der aktuellen Situation

Wenn die Realität klar ist, rücken die Ziele in einen schärferen Fokus. Nachdem nun die Ziele des Klienten geklärt sind, gilt es die momentane Situation zu analysieren. Es geht um die Frage, wo der Klient aktuell steht, oder wie weit er schon auf sein angestrebtes Ziel zu gegangen ist. Es kann unter Umständen sein, dass die Realitätsprüfung ein Anpassen der Ziele erforderlich macht. Dennoch sollte mit der Bestimmung der Ziele begonnen werden, da ein anvisiertes Ziel einer Diskussion Gehalt und Richtung verleiht, selbst wenn diese nur locker formuliert werden können (Whitmore, 2009, S. 67).

Das wichtigste Kriterium zur Exploration der Realität ist die Objektivität, welche zwar nie absolut gegeben sein kann, der Coach aber dennoch immer auf eigene Verzerrungen und die des Klienten achten. „Dies erfordert zum einen ein hohes Maß an Unvoreingenommenheit seites des Coaches, sowie zum anderen die Fähigkeit, angemessene Fragen zu stellen, die den Klienten zu sachlichen Antworten veranlassen“ (Pieter, 2014, S. 140). So empfiehlt sich beispielsweise eher die Frage „Welche Faktoren waren für Ihre Entscheidung ausschlaggebend?“ als „Warum haben Sie dies getan?“. Um die Objektivität zu gewährleisten empfiehlt es sich weiterhin beschreibende statt wertende Terminologien zu verwenden, da eine präzise und beschreibende Ausdrucksweise automatisch weniger Kritik enthält und somit das Coaching produktiver werden lässt. Generalisiert ein Klient eine Situation (alles ist schlecht), so ist es Aufgabe des Coachs dies zu hinterfragen und so das eigene aber auch das Verständnis des Klienten präziser werden zu lassen (Pieter, 2014, S. 140). Der Coach sollte mit W-Fragen arbeiten wie zum Beispiel Was, Wann, Wo, Wer und Wie viel. Wie und Warum sollten hingegen nur spärlich eingesetzt werden, da diese Grübeleien und Defensive begünstigen (Whitmore, 2009, S. 73). Hilfreiche Fragen könnten sein:

Was ist das eigentliche Problem?

In welchen Situationen tritt das Problem auf?

Wie wichtig ist das Problem?

Was soll so bleiben wie es ist?

Wie wird dasproblematische Verhalten erklärt?

Wie sehen andere die Situation?

Was haben Sie bisher schon getan?

Zusammengefasst geht es darum, den Klienten zu unterstützen, sich selbst über die Situation klar zu werden. „Erst, wenn er weiß, was erreicht ist, was nicht erreicht ist, welche Faktoren zur Situation geführt haben und was zu erwartende Konsequenzen sind, hat er eine hinreichende Chance, neue Lösungsmöglichkeiten zu finden“ (König & Volmer, 2009, S. 55).

3. Options - Sammlung und Bewertung von Lösungsmöglichkeiten

Das Ziel der Lösungsungsphase ist nicht das Finden der einen richtigen Antwort, sondern das Kreieren und Auflisten verschiedenster Handlungsalternativen. Daher ist erst einmal die Quantität vorrangiger als die Qualität. Damit der Klient ungehemmt seine Gedanken fließen lassen kann, ist es Aufgabe des Coaches, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Klient sicher und angstfrei äußern kann. Negativ behafteten Vorannahmen wie „es geht nicht“, „es kostet zu viel“, „zu wenig Zeit“, begegnet der Coach mit gezielten „was wäre, wenn... (Sie Zeit, Budget, die Möglichkeit hätten...)?“ Fragen (Whitmore, 2009, S. 79 f.).

Letztlich probiert der Coach den Blick des Klienten weg vom Problem hin zur Lösung zu lenken. Der Coach traut dem Klienten zu, eigenständig Lösungen für sein Anliegen zu explorieren. Dem Klienten wird nicht diktiert, wie er sein soll und was er zu tun hat, sondern er erhält genügend Raum, seine eigenen Ideen zu entwickeln. Eine Voraussetzung für eine umfangreiche Ideensammlung ist, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Bewertungen der einzelnen Vorschläge vorgenommen werden. Erste Fragen für das Generieren solcher Ideen könnten sein (Pieter, 2014, S. 142 f.):

Welche Ideen kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie an mögliche Lösungen für Ihre Situation denken?

Was hat Ihnen in ähnlichen Situationen schon einmal geholfen?

Woran würden Sie erkennen, dass das Problem verschwunden ist?

Was könnte getan werden, um das Problem zu verschlimmern?

In einem zweiten Schritt lassen sich nun die einzelnen Ideen hinsichtlich Qualität bewerten, um so Prioritäten setzen zu können. Hierzu empfiehlt sich eine Gegenüberstellung hinsichtlich verschiedener Kriterien in einer Matrix. Bewährte Kriterien zur Bewertung einer Maßnahme bzw. Idee sind nach Pieter (2014, S. 146) Umsetzbarkeit, Konsequenzen, Wirksamkeit und deren Kosten-Nutzen Verhältnis.

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Details

Seiten
126
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668395480
ISBN (Buch)
9783668395497
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353074
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
0,9
Schlagworte
Coaching übergewicht gewichtsreduktion abnehmen selbstwirksamkeit selbstwirksamkeitserwartung GROW Modell Wirksamkeit

Autor

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Titel: Überprüfung der Wirksamkeit von Einzel-Coaching bezogen auf den Verlust von Körpergewicht bei Übergewichtigen und deren Selbstwirksamkeitserwartung