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Korrektive Sequenzen in der TV-Serie "The King of Queens"

Seminararbeit 2016 32 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theorieteil

3. Analyseteil – Untersuchungsdesign und Methode –
3.1 Transkriptanalyse (A)
3.2 Transkriptanalyse (B)
3.3 Transkriptanalyse (C)

4. Vergleich der Korrektiven im Gesamtüberblick und Bilanz

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Missverständliche Kommunikation und daraus resultierende Streitgespräche sind keine Seltenheit in der Fernsehserie The King of Queens. Besonders bei den Figuren Arthur und Doug gehört eine solche Gesprächssituation zum Alltag und ist dementsprechend ein Kennzeichen dieser Serie. Allerdings versuchen beide Figuren in manchen Situationen auch, das Gespräch wieder in eine geregelte Bahn zu lenken. Dieses Phänomen in der mündlichen Gesprächsanalyse ist auch unter dem Ausdruck des Korrektivs bekannt.

Aber inwiefern findet man in dem Serienbeispiel The King of Queens Formen des Korrektivs und wie können diese konkret aussehen? Welche Rolle spielen sie generell in Gesprächen? Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der korrektiven Sequenzen der beiden Protagonisten in der Fernsehserie The King of Queen exemplarisch herauszuarbeiten. Dafür werden Sequenzen aus verschiedenen Staffeln herausgesucht und in einem Basistranskript dargestellt. Die Anknüpfung an den Forschungskontext geschieht durch die Textsorte ‚Serie‘. Hierbei wird das Modell der konzeptionellen Mündlichkeit begangen und dadurch in den Zusammenhang mit der Forschung zum facework nach Werner Holly gebracht.

Zum Verständnis werden zentrale Begriffe in einem einführenden Theorieteil definiert und visualisiert erklärt. Die Serie ‚ The King of Queens ‘ bietet dort mit zahlreichen fiktiven Gesprächen die Möglichkeit, korrektive Sequenzen zu untersuchen und zu analysieren. Die nachfolgenden Kapitel stellen dann die Analyse der ausgewählten Sequenzen dar und werden unter den Gesichtspunkten der Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausführlich betrachtet. Abschließend wird eine Bilanz gezogen, die nochmals einen Überblick der Arbeit verschafft und besondere Auffälligkeiten beinhaltet.

2. Theorieteil

In diesem Teil der Hausarbeit soll es um die theoretischen Grundlagen gehen, die für diese Arbeit verwendet wurde. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, bezieht sich das Thema dieser Arbeit auf korrektive Sequenzen in der TV Serie „The King of Queens“. Die Einbettung des Themas in die Forschung soll nun durch die Definition der Fachterminologie geschehen.

Um den größeren Bereich einer linguistischen Gesprächsanalyse nachzuvollziehen, beginne ich mit der Definition von face und facework. In zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen wird der Begriff des facework oft mit Imagearbeit übersetzt. Erving Goffman entwickelte das Konzept in den 50er Jahren. Es zählt „[…] als das meistdiskutierte [Konzept] auf dem gesamten Feld des Beziehungsmanagements.“[1] Bei face („Image“) handelt es sich um die Repräsentation eines „sozialen Wertes“, das nicht auf situationsübergreifende Eigenschaften bezogen ist. Das Image muss in jeder Gesprächssituation wieder neu aufgebaut bzw. gestützt werden. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Aufrechterhaltung des Images grundlegend für jede Interaktion ist.[2] Goffman nimmt weiterhin eine Differenzierung des Terminus face vo r. So beziehe man sich auf den positiv sozialen Wert, den man durch Verhaltensstrategien erwerbe. Die anderen Interaktanten gehen davon aus, dass man sie in einer bestimmten Interaktion verfolge.[3] Goffman gibt dazu ein passendes Beispiel an: „Jemand kann z.B. einen guten Eindruck von seinem Beruf oder seiner religiösen Einstellung vermitteln, indem er sich selbst gut darzustellen weiß.“[4] Jeder Interaktankt ist daran interessiert, sein Image zu bewahren und das möglichst im positiven Sinne. Die Handlungen, die der Aufrechterhaltung und der Herstellung von face dienen, nennt man „rituell“. Images sind nicht nur für Selbstbilder von Individuen wichtig, sondern sie sind Bestandteile einer rituellen Ordnung. Hiermit ist nicht der Selbstzweck gemeint. Die rituelle Ordnung ist eine Bedingung für das Funktionieren von Interaktion.[5] Die Imagearbeit, auch facework bezeichnet, ist also ein kontinuierlicher Prozess, der sich auf beide Interaktanten bezieht. Beide Interaktanten sind somit bemüht, ständig facework zu leisten, „[…] d.h., sie betreiben wechselseitig ‚Imagepflege‘ und achten darauf, daß die ‚Imagebalance‘ nicht gestört wird.“[6] Dabei soll nun nicht der Eindruck entstehen, es ginge um die Präsentation tiefempfundener Gefühle oder spontaner Empfindungen. Eine Harmonisierung der sozialen Identität steht bei einer absoluten Oberflächlichkeit ritueller Muster im Vordergrund.[7] Die Legitimierung dieser ‚Heuchelei‘ ist damit zu erklären, „[…] daß in einer gefährdeten Situation einander widersprechende protektive und defensive Anforderungen eine Balance verlangen, die mit totaler Aufrichtigkeit nicht immer vereinbar ist.“[8]

Unter dem Begriff der Imagearbeit wird nun eine Klassifikation vorgenommen. Man unterscheidet zwischen Bestätigungssequenzen und korrektiven Sequenzen, die mindestens aus zwei Schritten verschiedener Interaktanten bestehen. Als „Runde“ kann eine solche Abfolge mindestens zweier Schritte genannt werden.[9] Die bestätigende Sequenz hat die Aufgabe, „[…] durch Aufrechterhaltung der Imagebalance eine harmonische Beziehung zu konstituieren.“[10] Wird das Gleichgewicht gestört, sind korrektive Schritte nötig, die als Ausgleichshandlungen einschreiten, um die facebalance wiederherzustellen. Wichtig dabei ist, dass einer korrektiven Sequenz immer ein Verhalten des Interaktanten vorausgeht. Der andere Interaktant muss dieses Verhalten dann als „Zwischenfall“ interpretieren. Dieser wird als Verstoß der rituellen Ordnung angesehen und das Image ist nun bedroht.[11] Zwischenfälle sind also als solche interpretierten Handlungen, Unterlassungen oder auch Verhaltensweisen.

Es gibt dabei Möglichkeiten der Unterscheidung. Entweder wird ein Zwischenfall danach unterschieden, ob zu wenig Aufmerksamkeit (z.B. Missachtung) oder zu wenig Distanzlosigkeit (z.B. Aufdringlichkeit) dem Interaktanten gegenüber gebracht wurde oder „[…] ob sie gegen das eigene oder das fremde Image gerichtet sind.“[12] Bei rituellen Handlungsmustern geht es darum, zunächst einmal die Möglichkeit zu erkennen, ob eine Verhaltensweise für ein Image bedrohlich werden könnte. Aufgrund dessen stehen zu Beginn einer ausgleichenden Sequenz explizite oder implizite „schlimme“ Deutungen, die ein virtuelles Vorgehen als einen Zwischenfall kenntlich machen. „Veranlassungen“ werden solche Handlungsmuster genannt, „[…] in denen solche schlimmstmöglichen Deutungen gegeben werden […].“[13] Konkrete Veranlassungen sind beispielsweise Vorwürfe, Vorhaltungen, Beschwerden, Anklagen, etc. Konkret kann Interaktant B zu wenig Achtung vor dem face von Interaktant A zeigt haben, indem B A zu nahe getreten ist, A beleidigt oder bedroht hat oder A nicht in der von A erwarteten Weise bestätigt hat. Möglich ist auch, dass B zu wenig Respekt oder Zurückhaltung gegenüber seinem eigenen face gezeigt hat, indem er angegeben oder „sich gehen gelassen“ hat. Um nun eine Wiederherstellung der rituellen Ordnung und des Gleichgewichts entstehen zu lassen, wird eine Umdeutung vollzogen, die erst durch den korrektiven Schritt geschehen kann. Diese Umdeutung wird dadurch provoziert, „daß man dem bedrohlichen Verhalten eine andere als die schlimmstmögliche Deutung gibt, so daß klar ist, daß kein Image verletzt werden soll.“[14] Es ergibt sich vorerst folgende Struktur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. nach Holly (1979) S. 54

In diesem Fall ist ein Zwischenfall geschehen, der den Interaktanten zu einer Veranlassung bringt. Darauf folgt ein korrektiver Schritt. Ein Beispiel soll an dieser Stelle als Verdeutlichung dienen: Interaktant B hat die Küche in einem dreckigen Zustand hinterlassen. Interaktant A deutet dieses vorausgegangene Verhalten als eine Veranlassung dazu, Interaktant B aufzufordern, die Küche zu säubern. Dieser wird nun mit einem korrektiven Schritt dagegen anstehen. Interaktant A kann den korrektiven Schritt akzeptieren oder nicht. Letzteres kann eine neue Veranlassung von Interaktant A provozieren.

Grundsätzlich gilt aber, dass Veranlassungen nur dann nötig sind, wenn der Regelverletzer von sich aus keinen Korrektivschritt eingeht. Ist dies der Fall, kann der Betroffene oder ein anderer Interaktant auf die Verletzung aufmerksam machen.[15] Die genaue Typologie der Korrektiven wird im weiteren Verlauf der Arbeit dargestellt. Bei einer Veranlassung geht es darum, dass der Sprecher behauptet, der Adressat habe etwas getan und dadurch die Handlung des Adressaten als schlecht markiert. Somit wird deutlich, dass hierbei eine Handlung bewertet wird und eine Imageverletzung des Adressaten bevorsteht, „[…] denn die Bewertung der Handlung betrifft auch die Bewertung des Images.“[16]

Die Angelegenheit ist aber damit noch nicht abgeschlossen. Bei leichten Vorwürfen wird oft als erster Schritt nach der „Tat“ bereits ein Korrektiv vollzogen. Man kann demnach erkennen, dass eine Interaktionssequenz aus dem Korrektiv selbst und durch einen weiteren Schritt, der Honorierung, besteht. Weitere Schritte können sich anschließen, die aus der Anerkennung/Dank des Korrigierenden bestehen. Nach Goffman wird die Honorierung auch als ‚Entgegenkommen‘ bezeichnet, weil der Adressat das Korrektiv akzeptiert. Die Bagatellisierung beschreibt eine Handlung des Entgegenkommenden und erklärt das Entgegenkommen der Honorierung. Danach ist der endgültige Abschluss der Angelegenheit erreicht.[17]

Die Visualisierung, die oben bereits Platz gefunden hat, kann wie folgt erweitert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. nach Holly (1979) S. 58

Allerdings muss man davon ausgehen, dass diese Abläufe als Ausnahme gelten, weil sie im Normalfall selten genauso ablaufen. Es gibt zahllose Variationen, „[…] die außer der Weglassung eines Schrittes auch die Zusammenfassung und Umstellung ritueller Schritte ermöglichen.“[18]

Um einen abschließenden Überblick zu geben, muss die Typologie der Korrektive aufgezeigt werden.

Bei den ausgleichenden Sequenzen kann zwischen Zugeben und Bestreiten unterschieden werden. Das Zugeben spaltet sich in folgende Unterkategorien: Beim Schuldbekenntnis gesteht der Beschuldigte ein, den Zwischenfall hervorgerufen zu haben. Er übernimmt somit die volle Verantwortung dafür und akzeptiert die negative Bewertung des Sprechers.[19] Hierbei wird die Wiederherstellung der rituellen Ordnung nicht durch Umdeutung des Zwischenfalls geleistet, sondern durch die Auftrennung des Selbst in zwei Teile: einen schuldigen und einen sich von der Tat distanzierenden Teil. Ein Schuldbekenntnis findet in folgenden Teilschritten statt: Verwirrung, Reue, Vorsatz zur Besserung, Buße und Wiedergutmachung. Schuldbekenntnisse findet man relativ häufig bei alltäglichen rituellen Zwecken, da sie die schnellste Lösung für beiläufige Höflichkeiten bietet.[20]

Das Entschuldigen ist ein weiterer Subtyp der Korrektive. Hierbei bestreitet man die volle Verantwortung, „[…] indem man sich auf Sachverhalte oder Personen beruft, bei denen man den eigentlichen Grund für den Fehler vermutet.“[21] Beispiele dafür sind u.a. unglückliche Umstände, das Berufen auf mangelnde Informationen, unkontrollierbare Verhaltensweisen oder die „Sündenbocktaktik“, wo sich auf eine andere Person berufen wird. Außerdem gibt man zu und akzeptiert sogleich damit, die negative Bewertung durch einen der Interaktanten.[22]

Bei der Rechtfertigung sieht das genau andersherum aus. Die Verantwortung für den Zwischenfall wird direkt eingestanden, aber die negative Bewertung abgelehnt. Hierbei gibt es vier verschiedene Möglichkeiten: Die Leugnung des Schadens, die Leugnung der Unschuld des Opfers, die Leugnung der Berechtigung des Vorwurfs und die Leugnung böser Absichten. Als ein Normalangriff kann die Zurückweisung einer negativen Handlung ebenfalls beschrieben werden.[23]

Das Bestreiten wird folgendermaßen erklärt. Die Person, die für den Zwischenfall verantwortlich ist, bestreitet, dass es überhaupt einen Zwischenfall gegeben hat. Also das Bestreiten der Handlung selbst.[24] Möglich ist auch, dass der Interaktant bestreitet, dass er die Tat begangen hat, weil es eine andere Person war oder „[…] weil überhaupt nichts Derartiges getan wurde.“[25] Die Frage der Bewertung und Verantwortung ist beim Bestreiten nicht relevant.[26]

Im Folgenden soll nun eine Übersicht erstellt werden, die die Komplexität der Beziehungskommunikation hierarchisiert darstellt. Dazu wird verkürzt von der höchsten bis zur niedrigsten Stufe ausgegangen:

Eigene verkürzte Darstellung nach: Brinker/Heinemann/Sager (2001). S. 1386ff.

Diese Darstellung bezieht sich hauptsächlich auf die korrektiven Sequenzen. Die Bestätigungssequenzen und deren Unterpunkte wie die vier Grundtypen Sympathie- bzw. Interessenbekundung, höfliche Angebote, Ratifizierungen und die Zugänglichkeitsbekundungen sollen hier vernachlässigt werden.[27]

3. Analyseteil – Untersuchungsdesign und Methode –

Das Untersuchungsdesign dieser Hausarbeit ist die Serie „The King of Queens“. Daraus werden passende Sequenzen herausgesucht und sie in einem GAT-2-Basistrankript mit Elementen eines Feintranskripts dargestellt. Die Lautstärke wird hier als Aspekt eines Feintranskripts mitaufgenommen. Dies ist wichtig, weil mögliche Veranlassungen durch ein ‚Lauterwerden‘ oder Schreien initiiert werden. Die Interaktanten sind Arthur und Douglas und stehen als Schwiegervater bzw. Schwiegersohn in Beziehung zueinander. Der Altersunterschied der beiden Interaktanten zeichnet die Einstellungen des Einzelnen aus. Da sich die Fragestellung auf die Gemeinsamkeiten und Unterscheide von Korrektiven bezieht, ist es sinnvoll, einen Untersuchungsgegenstand zu wählen, der noch nicht intensiv darin untersucht wurde. Daher eignet sich eine TV Serie wie The King of Queens für eine solche Analyse. Die Serie ist fiktional und geplant, wodurch ein guter Anschlusspunkt an die Forschung geschaffen werden kann.

Bei den beiden Hauptfiguren handelt es sich um Douglas und Arthur. Douglas, auch Doug genannt, und Arthur stehen oft in einem angespannten Verhältnis zueinander. Sie wohnen mit Dougs Ehefrau Carry zusammen in einem Haus im New Yorker Stadtteil Queens. Doug arbeitet in einem Auslieferungsservice für Pakete. Carry hingegen ist Anwaltsgehilfin. Ihr Vater, Arthur, ist Rentner. Dadurch, dass er oft alleine Zuhause ist, ist sein Alltag von Langweilige geprägt. Zudem hat er häufig verwirrte Ideen, die bei Doug und Carry für Unverständnis sorgen. Es entstehen stetig Reibereien zwischen ihm, seiner Tochter und seinem Schwiegersohn.

Die drei transkribierten Sequenzen beinhalten Gesprächssituationen, die nur die beiden Protagonisten Doug und Arthur darstellen. Am Ende der drei analysierten Transkripte soll eine Zusammenfassung aller Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei dargestellt werden. Zum Ende jedes Einzelnen werden diese im eigenen Transkript betrachtet.

3.1 Transkriptanalyse (A)

Zu Beginn soll das GAT-2-Basistranskript (A) im Fokus stehen. Eine Pizzabestellung ist in dieser Sequenz Auslöser für eine Störung der facebalance zwischen Doug und Arthur. Der Zwischenfall stellt sich indirekt dar und ist im ersten Moment noch unproblematisch. Doug möchte eine Pizza in der Pizzeria „Sell“ bestellen, weil Carry erst spät nach Hause kommt. Arthur ist grundsätzlich mit einer Pizzabestellung einverstanden, kritisiert aber, in Form einer Verlassung (06-07(A)), Dougs Entscheidung bei „Sell“ zu ordern.[28] Es kann hier als Veranlassung gesehen werden, da Doug indirekt durch das Vorschlagen der Pizzeria „Sell“ bei Arthur eine negativ behaftete Assoziation auslöst. Offensichtlich wird dies durch Arthurs laute Beleidigung (06(A)). Diese Veranlassung wird nicht nur durch seine verbal ausgedrückten Worte deutlich, sondern auch durch seinen gereizten und lärmenden Tonfall. Der Zwischenfall ergibt sich also aus der Pizzeria, in der Doug die Pizza bestellen will. Arthurs Verhalten kann auf verschiedene Weise interpretiert werden. Möglich ist beispielsweise, dass er schlechte Erfahrungen mit der Pizzeria gemacht hat und sie deshalb ablehnt. In 07-08(A) akzeptiert Doug den Vorwurf. Einerseits verbal, andererseits nonverbal, indem er die Telefongabel runterdrückt. Eine konkrete Zuordnung zur Typologie der Korrektive ist möglich, da er die negative Bewertung von Arthur akzeptiert, aber die Übernahme der Verantwortung für den Zwischenfall zurückweist. Es lässt sich der Entschuldigung zuordnen, da er sich auf einen Mangel an Vorwissen und Absicht berufen kann. Doug wusste vorher nicht, dass Arthur mit Dougs gewählter Pizzeria nicht einverstanden ist. Grundsätzlich versucht Doug die facebalance dadurch herzustellen, dass er auch eine andere Pizzeria akzeptieren würde. Im Folgenden unterbreitet Arthur den Vorschlag, bei einer anderen Pizzeria zu bestellen (09(A)).

Der Zwischenfall verändert sich auch in dieser Runde nicht, da es weiterhin um die Auswahl der Pizzeria geht. Arthur verspricht sich, merkt dies aber nicht. Doug korrigiert ihn daraufhin (09-11(A)). Er nimmt den Vorschlag an, indem er nach der Nummer der Pizzeria fragt (15(A)). Hier verdeutlicht sich ein indirektes Schuldbekenntnis, da er die Verantwortung für den Zwischenfall übernimmt und auch die negative Bewertung von Arthur akzeptiert, indem er beginnt, die Nummer zu wählen und die negative Bewertung nicht von sich weist. Er insistiert also auf sein letztes Korrektiv. Nennenswert ist aber, dass Douglas verbal nichts äußert, was für ein Schuldbekenntnis sprechen würde, sondern nur nonverbale Handlungen vollzieht (16(A)).

Nach dieser kurzen Sequenz entsteht ein neuer Zwischenfall. Bei diesem geht es zwar vorrangig um die Telefonnummer der Pizzeria, aber das Thema verändert sich grundsätzlich nicht. Die Situation dreht sich weiter um die Pizzabestellung. Daher ist es möglich, von einer Erweiterung des Zwischenfalls zu sprechen. Arthur hat die Nummer der Pizzeria im Kopf und will sie Doug mitteilen. Allerdings diktiert Arthur die vielen Zahlen so schnell, dass es Doug nicht möglich ist, gleichzeitig alle Tasten korrekt zu wählen (16(A)). Er gibt direkt auf, was ihn dazu veranlasst, sich über das Tempo und nachfolgend die vielen Ziffern zu beschweren (18(A)). Arthur rechtfertigt sich, indem er den Vorwurf Dougs, wieder lautstark, zurückweist und klar macht, dass die Nummer nur aus der Vorwahl und sieben weiteren Zahlen besteht (19(A)). Er leugnet damit die „böse“ Absicht, die er von Doug unterstellt bekommt: Das sind doch viel zu viele Zahlen (18(A)). Das Korrektiv wird allerdings in 20(A) von Doug weder honoriert noch akzeptiert. Es kommt zu einer erneuten Veranlassung, indem Doug darauf insistiert, dass er die Vorwahl nicht wählt, wenn die Pizzeria im gleichen Bezirk liegt (20(A)). Darauffolgend akzeptiert Arthur Dougs Kritik. In Zeile 22(A) versucht Arthur erneut darauf einzugehen, Doug die Nummer der Pizzeria mitzuteilen. Durch seine Aussage kann interpretiert werden, dass er jetzt versucht, die Nummer korrekt zu kommunizieren. Das heißt, es soll eine Verbesserung stattfinden. Deshalb kann man Arthurs korrektive Aussage einem Schuldbekenntnis zuordnen. Er setzt erneut an und fragt Doug, ob er nun bereit sei (22(A)), womit er ermutigend auf ihn eingeht. Arthur akzeptiert nämlich Dougs Veranlassung zuvor und übernimmt zusätzlich die Verantwortung für den Zwischenfall. Dies geschieht wieder dadurch, dass er Dougs negative Bewertung nicht zurückweist, sondern so hinnimmt. Dieser honoriert Arthurs Frage in 23(A) mit der Antwort, dass er bereit sei.

[...]


[1] Vgl. Brinker, Antos, Heinemann, Sager (2001): Text und Gesprächslinguistik. S. 1386.

[2] Vgl. Brinker, Klaus/ Sager, Sven F. (2006): Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. S. 88.

[3] Vgl. Brinker, Antos, Heinemann, Sager (2001): Text und Gesprächslinguistik. S. 1387.

[4] Goffmann, Erving (1967): Interaktionsrituale. S. 10.

[5] Vgl. Brinker, Antos, Heinemann, Sager (2001): Text und Gesprächslinguistik. S. 1387.

[6] Brinker, Klaus/ Sager, Sven F. (2006): Linguistische Gesprächsanalyse. S. 89.

[7] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 45.

[8] Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 45.

[9] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 47.

[10] Brinker, Klaus/ Sager, Sven F. (2006): Linguistische Gesprächsanalyse. S. 92.

[11] Brinker, Klaus/ Sager, Sven F. (2006): Linguistische Gesprächsanalyse. S. 92.

[12] Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 53.

[13] Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 54.

[14] Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 54.

[15] Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 55.

[16] Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 56.

[17] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 56.

[18] Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 56.

[19] Vgl. Brinker, Antos, Heinemann, Sager (2001): Text und Gesprächslinguistik. S. 1274.

[20] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 68.

[21] Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 62.

[22] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 62f.

[23] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 62ff.

[24] Vgl. Brinker, Antos, Heinemann, Sager (2001): Text und Gesprächslinguistik. S. 1274.

[25] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 67.

[26] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 67.

[27] Vgl. Holly, Werner (1979): Imagearbeit in Gesprächen. S. 48ff.

[28] Im Verlauf der Arbeit steht 01, 02, 03, etc. für die Zeile im Transkript und (A), (B) oder (C) für das jeweilige GAT-2-Basistranskript, im Anhang dieser Arbeit.

Details

Seiten
32
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668396456
ISBN (Buch)
9783668396463
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353058
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Germanistische Sprachwissenschaft
Note
14,0
Schlagworte
The King of Queens Korrektive Korrektive Sequenzen Marburg Transkript Basistrankript Feintranskript

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Titel: Korrektive Sequenzen in der TV-Serie "The King of Queens"