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Friedrich Fröbels pädagogische Idee des Spiels

von I. Seel (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 14 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund der Zeit Fröbels

3. Biographie Friedrich Fröbels

4. Fröbels Weltbild und seine Spielpädagogik
4.1 Die Spielgaben
4.1.1 Die erste Gabe. Der Ball
4.1.2 Die zweite Gabe. Kugel, Würfel und Walze
4.1.3 Die dritte Gabe. Der geteilte Würfel
4.1.4 Die weiteren Gaben und Beschäftigungsmaterial
4.2 Die Mutter- und Koseliedern

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Pädagoge Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782- 1852) ist bekannt als der Begründer einer geordneten Kleinkinderziehung. Die Bezeichnung der von ihm geschaffenen Einrichtung, Kindergarten, ist aus dem Deutschen, in manch andere Sprache übergegangen. Friedrich Fröbels Gedankenwelt hatte einen weitreichenden Einfluss auf die spätere Entwicklung der Pädagogik. Die vorher eher vernachlässigten Kinder im Vorschulalter, erfuhren nun eine Pflege und Betreuung durch Kindergärtnerinnen in gesonderten Anstalten. Er schulte die Kindergärtnerinnen nach seiner eigenen pädagogischen Auffassung und machte auf die Bedürfnisse seiner Zöglinge aufmerksam. Fröbel bezog sich in seiner Arbeit stets an die Natur und versuchte den Kindern auch praktische Arbeiten im Garten nahe zu bringen. Er verfasste nicht nur viele wichtige Schriften und Zeitschriften, in welchen er Anweisungen zur Erziehung des Kindes gibt, sondern er ist der Begründer der Spielpädagogik. Er entwickelte im Laufe seines Lebens bedeutende Spielgaben. Sie beabsichtigten die Förderung frühkindlicher Fähigkeiten und die sinnvolle Beschäftigung.

Jeder Mensch hat in seiner Kindheit mit Spielzeugen gespielt. Jedes Kind wächst spielerisch auf. Diese Tatsache besitzt einen großen Stellenwert innerhalb der Pädagogik. Da der Umfang einer solchen Arbeit natürlich nicht nahezu ausreichend wäre, um alle einzelnen Aspekte in Fröbels Spieltheorie zu beleuchten, möchte ich mich auf einige Spielgaben, die das Zentrum seiner Spielpädagogik bilden, beschränken. Meine Hausarbeit werde ich mit geschichtlichem Hintergrund der Zeit Fröbels und seiner Biographie beginnen. Daraufhin wird Fröbels Weltanschauung und seine Spielpädagogik näher betrachtet. Anschließend werde ich mich mit dem Zweck und die Funktionsweisen der unterschiedlichen Materialien befassen, da es mir für das Verständnis seiner Spielgabenkonzeption wichtig ist.

2. Geschichtlicher Hintergrund der Zeit Fröbels

Fröbel lebte in einer Zeit, die in Europa gekennzeichnet war durch das Streben des Bürgertums nach politischer Macht, insbesondere der Schaffung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates. Fröbel wurde in der Zeit zwischen der französischen bürgerlichen Revolution und der bürgerlich-demokratischen Revolution in Deutschland Zeuge von bedeutenden historischen Prozessen und humanistische Bestrebungen, die die bürgerliche Bewegung dieser Zeit kennzeichnen. Es war die Zeit des sogenannten Klassenkampfes, des Aufstandes gegen die „hohen Herren“ und das erste Aufblühen demokratischer Ideen und Strukturen. Es war auch die Zeit der deutschen Klassiker wie Goethe, Schiller, Herder, Hölderlin und Wieland. Von Kant über Fichte bis Hegel wurden neue philosophische Erkenntnisse zu Impulsen für die weitere Entwicklung. Auf dem Gebiet der Pädagogik entstand im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts der Philanthropismus, Bestrebung den Menschen auf ein gemeinnütziges, patriotisches und glückliches Leben vorzubereiten. An vielen Anstalten wurde allseitige Erziehung und Bildung als notwendig erkannt und realisiert. Pestalozzi verbreitete seine Gedanken, dass beim Menschen die Entwicklung von Körper, Seele und Geist nicht abgeschnitten einzeln, sondern in fortlaufendem Kreislauf der Entwicklung der Ganzheit Mensch verläuft. Fröbel wurde später zu einem Anhänger, aber auch zu einem intensiven Kritiker Pestalozzischer Pädagogik (vgl. Brodbeck, o. J., o. S.).

3. Biographie Friedrich Fröbels

Friedrich Wilhelm August Fröbel wurde am 21. April 1782 in Oberweißbach im Thüringer Wald als sechstes Kind des Pfarrers Johann Jakob Fröbel geboren. Die Mutter starb bereits in seinem ersten Lebensjahr an den Folgen der schweren Geburt. 1785 schloss der Vater eine zweite Ehe. Von der Stiefmutter fühlte sich der Junge zurückgestoßen. Nach entbehrungsreicher Kindheit, dem Besuch der Elementarschule, einer Ausbildung zum Förster und einem abgebrochenen Studienversuch der Naturwissenschaften in Jena, arbeitet Fröbel als Feldmesser im Bamberg und später als Privatsekretär in Mecklenburg. Ab 1805 beschäftigte er sich intensiv mit pädagogischen Fragen und wanderte im Herbst 1805 nach Schweiz. Zur Finanzierung seines erneuten Studiums wird Fröbel nun Privatlehrer und verwirklichte sein Konzept eines pädagogischen Landlebens (vgl. Giel, 1991, S. 251-252).

Durch den Militärdienst und Naturwissenschaftlicher Studium wurde Fröbels Wirken als Erzieher unterbrochen. Erst im Jahr 1816 wendete sich Fröbel erneut der Arbeit als Pädagoge zu und gründete die „Allgemeine Erziehungsanstalt“ in Thüringen (vgl. Stumpf, 2007, S. 73-74). Dort entwickelte Friedrich Fröbel Erziehungsmodelle für Vorschulkinder im Alter von drei bis sieben Jahren.1818 heiratete Fröbel Henriette Hoffmeister, die Ehe blieb kinderlos. In den darauf folgenden Jahren erschienen allgemeine und schulpädagogische Schriften. Fröbel übergab 1830 die Leitung an Johannes Barop, zog nach Frankfurt und dann 1831 in die Schweiz um (vgl. Heiland, 1995, S. 66). In seiner Zeit in der Schweiz schrieb Fröbel weniger Veröffentlichungen als vielmehr Briefe. Über 200 Briefe sind aus dieser Zeit (ca. 5 Jahre) bekannt. Er leitet verschiedener Erziehungsanstalten und durchführt Lehrerfortbildungskursen (vgl. Heiland, 1995, S. 90).

1837 übersiedelte Fröbel nach Blankenburg, dort beginnt er mit der Herstellung von Spielmaterial „Spielgaben“. 1839 stirbt seine Frau. Im Juni 1840 erfolgt die Gründung des „Allgemeinen Deutschen Kindergartens“. Zwei Jahren später bittet Fröbel die ersten Kurse zur Ausbildung von Kindergärtner/innen. Aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten wurde im Jahr 1844 sein Kindergarten geschlossen. Danach begann Fröbel vermehrt zu reisen um seine Idee von den Kindergärten publik zu machen. Er rief zur Gründung von „Vereinen erziehender Männer und Väter für Erziehung der Kinder und des Menschen“ auf. Die bürgerliche Revolution 1848 begrüßte Fröbel, da er sich hiervon eine größere Anerkennung seiner Idee von den Kindergärten versprach. Fröbel gab weiterhin Bildungskurse für Kindergärtnerinnen. Er zog nach Bad Marienberg um und im Juni 1851 heiratete er Luise Levin. Am 23.8.1851 wurden die Fröbelschen Kindergärten wegen Atheismusverdacht in Preußen verboten. Ein Verbot, dass erst nach dem Tod Fröbels, 1860 wieder aufgehoben wurde. Fröbel wehrte sich, hatte aber keinen Erfolg. Der Pädagoge starb am 21.6.1852 in Mariental (vgl. Heiland, 1995, S. 117- 120).

4. Fröbels Weltbild und seine Spielpädagogik

Fröbels Biographie verdeutlicht, dass ihn im Laufe seines Lebens naturwissenschaftliche, religiöse wie auch philosophische Themen beschäftigen. Im Menschen sieht er eine Einheit, die Vereinigung der drei Hauptkräfte des Körpers, der Seele und des Geistes. Die Bestimmung des Menschen ist nach Fröbel die Ausbildung der drei Kräfte zu einem Ganzen. Er bezeichnet dies als „Lebenseinigung“ (vgl. Frey, Gehrlein & Wosnitza, 2006, S. 49).

Fröbel geht davon aus, dass Erziehung ein gemeinsames Werk von Familie, Kindergarten und Schule ist und verfolgt eine harmonische und ganzheitliche Erziehung. Der Familie schreibt er dabei eine große Bedeutung zu. Durch die Lernfähigkeit und Erziehbarkeit des Kindes sollen Lernprozesse von Geburt an in Gang gebracht werden, wobei die Erzieher und die Eltern individuelle Möglichkeiten zur Entwicklung bieten sollen. Entscheidend für den Entwicklungs- und Bildungsprozess ist die Eigentätigkeit. Fröbel setzt voraus, dass alle Kinder einen ursprünglichen Drang zur Aktivität haben, den angeborenen Tätigkeitstrieb, der durch das Spiel angeregt und gefördert werden kann. Durch Tätigkeit macht der Mensch Innerliches äußerlich. Hier muss die frühste Erziehung ansetzen. Fröbel unterscheidet menschliche Tätigkeit nach drei Arten: Spielen, Lernen und Arbeiten, wobei Spiel seiner Ansicht nach die vorherrschende Tätigkeit im Säuglings- und Kindesalter darstellt (vgl. Frey u.a., 2006, S. 50).

Kinder können im Spiel die Erwachsenentätigkeit nachahmen, somit spielend lernen und ihren Gemeinschaftssinn entwickeln. Während der Spieltätigkeit können Kinder verarbeiten, was sie aus den Informationen ihrer Umgebung erfahren. Fröbel ist der Auffassung dass der Mensch zur sinnvollen Arbeit und zur sinnvollen künstlerischen Aktivität erst hingeführt werden muss, das Spielen hingegen entwickelt er allein (vgl. Berger, 2000, S. 10).

„Spielen, Spiel ist die höchste Stufe der Kindesentwicklung, der Menschenentwicklung dieser Zeit; denn es ist freitätige Darstellung des Inneren, die Darstellung des Inneren aus Notwendigkeit und Bedürfnis des Inneren selbst, was auch das Wort Spiel selbst sagt“ (Fröbel zit. n. Heiland 1998, S. 14). Fröbels Verständnis der Zusammenhänge in der Welt spiegelt sich in seinen Überlegungen zum Spiel und zur Erziehung wieder, wie vorheriges Zitat verdeutlicht. Es geht ihm um die Vermittlung von „Innen“ und „Außen“, von „Geist“ und „Natur“. Er nennt dies das „sphärische Gesetz“, welches zugleich die Grundlage seiner Pädagogik bildet und sich in allen Texten wiederfinden lässt (vgl. Heiland, 2000, S. 54). Es beschreibt sowohl die Vielfältigkeit im Ganzen als auch die Einheit, die alles Einzelne verbindet. Das Spiel ist für Fröbel die dem Menschen in seiner frühsten Entwicklungsphase naturgemäße und urtümliche Form, sein Inneres darzustellen (vgl. Heiland, 1989, S. 163).

Das Spiel der Kinder ist für ihn nicht nur Spielerei. Für Fröbel ist es Förderung der gesunden Entwicklung, wie folgendes Zitat verdeutlicht: „Ein Kind, welches tüchtig, selbsttätig still, ausdauernd, ausdauernd bis zur körperlichen Ermüdung spielt, wird gewiss ein tüchtiger, stiller, ausdauernder, Fremd- und Eigenwohl mit Aufopferung befördernder Mensch“ (Fröbel, zit. n. Frey u.a., 2006, S. 118).

Als Spielpflege bezeichnet Fröbel die Spielbegleitung durch Erwachsene. Sie bieten dem spielendem Kind Anregung, machen Vorschläge zur Weiterentwicklung der Spiele und begleiten sie durch Gesang und Sprache. Fröbel findet es demnach notwendig, dass das Spiel neben Phasen des freien Spielens, angeleitet werden muss. Der Schwerpunkt soll dabei auf der Förderung der eigenen Vorstellungen, Selbsttätigkeit und Selbstbestimmung der Kinder liegen (vgl. Heimlich, 2001, S. 108). Das kindliche Spiel ist für Kinder nicht nur ein Spiegel ihrer selbst, sondern auch ein Spiegel für die Erwachsenen, der ihnen das Innerste ihrer Kinder zeigt (vgl. Heiland, 1998, S. 50).

Fröbels Kindergartenpädagogik gliedert sich in drei Bereiche: die Spiel- und Beschäftigungsmittel, die Bewegungsspiele und die Gartenarbeit. Eigens für die Förderung der Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter, entwickelt er die Spielgaben, mit entsprechenden Anleitungen zum erziehenden Umgang (vgl. Frey u.a., 2006, S. 69).

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Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668387331
ISBN (Buch)
9783668387348
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352252
Institution / Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Soest
Note
2,2
Schlagworte
friedrich fröbels idee spiels

Autor

  • I. Seel (Autor)

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