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Guernica. Die Stadt und das Symbol

Darstellung der Bombardierung in Pablo Picassos Gemälde

Hausarbeit 2016 13 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Der Spanische Bürgerkrieg

3. Guernica

4. Das Bombardement von Guernica

5. Gründe für Guernicas internationale und andauernde Bekanntheit

6. Picassos Guernica

7. Schlußbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

Einleitung

„ Ich sah, wie Greise, Frauen und Kinder wie fliegen getroffen niederstürzten.über eine Stunde lang, ohne eine Minute Unterbrechung, fielen die Bomben zu Tausenden auf die Häuser von Guernica. Systematisch und mit einer Brutalität, die ich mir trotz der bisherigen zehn Kriegsmonate niemals hätte vorstellen können, zielten die Piloten auf jedes einzelne Haus und ließen nicht davon ab, bevor es mit Sicherheit völlig zerstört war. Von dem Lärm der Explosionen und der einstürzenden Häuser macht man sich keinen Begriff. Später sahen wir die Krater, sie hatten einen Durchmesser von 16 Metern und waren acht Meter tief. [ … ] Die zweite Welle warf Brandbomben auf unsere gemarterte Stadt und verwandelte in 35 Minuten den ganzen Ort in einen gewaltigen Feuerofen.[ … ]überall wüteten die Flammen, und dicker schwarzer Rauch stieg auf. Um mich herum beteten die Leute und streckten die Arme gegen den Himmel, um Gnade zu erflehen. “ 1

Diese Aussagen des baskischen Priesters Alberto de Onaidia, der Augenzeuge des schrecklichen Bombardements von Guernica war, geben einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörung und des ehrfahrenen Leids dieser kleinen baskischen Stadt.

In meiner Hausarbeit, welche ich im Rahmen des Proseminars zur Kultur- und Landeswissenschaft Spanisch schreibe, werde ich mich näher mit dem Bombardement Guernicas sowie mit dem Bild Pablo Picassos beschäftigen, welches wie das oben angeführte Zitat den verheerenden Luftangriff in seiner Grausamkeit darstellen soll. Um dieses Ereignis besser einordnen zu können, erachte ich es als sinnvoll, zunächst mit einem globalen Überblick über die Situation im damaligen Spanien zubeginnen, über den Ort Guernica und die Geschehnissen am 26. April 1937. Anschließend sollen die Gründe für den Symbolcharakter dieses spezielen Ereignis beleuchtet werden und das Bild von Picasso näher betrachtet werden.

Dabei beziehe ich mich unteranderem auf die Monographie aus dem Jahr 2005 „Krieg in Spanien 1936-1939“ geschrieben von Walther L. Bernecker, „Guernica and total war“ von Ian Patterson, „Picassos Guernica“ von Max Imdahl sowie auf das Buch „Picasso´s Guernica. History, Transformations, Meanings“ von B. Chipp Herschel, welches in der Schriftenreihe „California studies in the history of art“ 1988 erschien und einen Artikel von Javier Tusell beinhaltet.

Der Spanische Bürgerkrieg

Anders als in anderen europäischen Ländern, die im Laufe des 19. Jh. gesellschaftlische Veränderungs- und Liberalisierungsprozesse durchliefen, war in Spanien kein weitreichender Wandel erkennbar. Vielmehr blieben die traditionellen sozialen Machtverhaltnisse, in denen eine soziopolitische Herrschaftselite dominierte, in der Zeit der Wiedereinführung der Monarchie unter Alfons XII bis hin zur Ausrufung der Zweiten Republik im Jahre 1931 weitestgehend bestehen.2 Walther L. Bernecker nennt in seiner Veröffentlichung: „Krieg in Spanien 1936-1939“ zum einen das ungelöste Agrarproblem, zum anderen das „Verhältnis zwischen der zentralistischen Regierung und den Regionen an der Peripherie des Landes“3 als langfristige Kriegsursachen. Das Agrarproblem bestand darin, dass die ungleiche Verteilung von Land und Boden, welche als wichtigste Einkommensquelle im derzeitigen Spanien zu betrachten ist, die gesammte Bevölkerung hinsichtlich Einkommen und dadurch auch in Sachen Bildung, soziales Ansehen und politische Mitgestaltungsmöglichkeiten entzweite.

Für die zweite Ursache, nennt Bernecker Katalonien und das Baskenland als die zwei Regionen, die am reichsten und weitentwickelsten jedoch politisch gesehen verhähltnissmäßig wenig Stimmrecht besaßen. Hier äußerte sich eine, bis heute bestehende Autonomiebestrebung.4 So kam es nach Ausrufung der Ersten Republik im Jahr 1873, der Wiedereinführung der Monarchie 1874 und einer Zweiparteinsystemregierung und der Diktatur unter General Primo de Rivera zur Ausrufung der Zweiten Republik 1931. Unter der Regierung des Ministerpräsidenten Manuel Azaña wurden Versuche zur Säkularisierung und soziale Reformen vorgenommen, die die massiven Streiks und Revolten sowie deren desweil blutigen Niederschlagungen nicht verhindern konnten. Es kristallisierte sich heraus, dass weder die Rechten noch die Linken in der Lage waren, die Bevölkerung von ihrern Modellen und Reformen auf friedlichem Wege zu überzeugen und diese dann auch noch erfolgreich umzusetzen.5

Nach dem Sieg der Volksfront, die der Nationale Front bei den Neuwahlen des spanischen Parlaments am 16. Februar 1936 als zweit größter politischer Block gegenüberstand, kommt es am 17. Juli 1936 in Spanisch Marokko sowie auf den Kanarischen Inseln zu einem Militärputsch. Dieser Aufstand, der von klerikalfaschistischen und monarchistischen Organisationen unterstützt wurde, greift alsbald auf das spanische Festland über, kann jedoch in den wichtigsten Städten und Regionen von republiktreuen Armeeangehörigen, der Guardia Civil und einer spontan gebildeten Arbeitermiliz, niedergeschlagen werden. Gebiete, die den Aufständischen zufielen sind: Marokko, Sevilla, Galicien, Navarra, Mallorca, Teile Andalusiens und Altkastiliens sowie Oviedo und Zaragoza. Es kommt schnell zur Mobilmachung von Zivilisten, in Form von der Volksbewaffnung am 20. Juli und Bildung von Milizverbänden, der internationale antifaschistische Kämpfer beitreten.6

Auch auf Seiten der Putschisten kommt es zu Machtzuwächsen, erstens durch die Eingliederung des Afrikaheeres in die Truppen der Aufständischen, zweitens durch die Bereitstellung von Transportflugzeugen und später der „Legion Condor“ und weiteren Waffenhilfen und Unterstützung der Deutschen und Italiener.7 Der folgende Kriegsverlauf kann in vier Abschnitte unterteilt werden. Bernecker sieht die erste Phase in der Zeit von Juli 1936 bis zum Frühjahr 1937. In diesem Abschnitt verzeichneten die Nationalisten einen großen territorialen Gewinn, der die Verbindung der Nord- und Südarmee ermöglichte. Diese Gebietseroberung, die große Teile Andalusiens und der Etremadura umfasste, ging mit massivem Terror gegen die Zivilbevölkerung einher. Die Absichten Madrid einzunehmen und damit dem Krieg ein schnelles Ende zu bereiten konnten nicht verwirklicht werden. Den Republikanern gelang es mit Hilfe der Internationalen Brigade und der Unterstützung tausender Zivilisten Madrid gegen wiederholte Einnahmeversuche der Nationalisten zu verteidigen. Dies bewirkte den Taktikwechsel des Generalstabs, der unter General

Francisco Franco8, seit 1. Oktober 1936 „Caudillo“9, nun Madrid und damit auch gezielt die Zivilbevölkerung zu bombadieren. Die erfolglosen Kämpfe um Madrid bewog die Nationalisten dazu sich vermehrt dem Norden des Landes zu zuwenden.

In der zweiten Phase, Frühjahr 1937 bis Frühjahr 1938, gelang es den Franquisten den gesammten Norden, mit den wichtigen Wirtschaftszentren, einzunehmen. Auch in diesem Abschnitt kam es zu Bombardements der Zivilbevölkerung, besonders verhehrend war der dreistündige Fliegerangriff der deutschen Legion Condor am 26. April 1937 auf die baskische Stadt Guernica.

Die dritte Phase ist gekennzeichnet durch das Vordringen der franquistischen Truppen, denen es gelang auf Höhe von Vinaroz und Castellon zum Mittelmeer vorzudringen und so das republikanische Gebiet zu entzweien. Und auch nach dem Sieg der Republikanern am Ebro wurde es zunehmend deutlicher, dass das franquistische Heer organisierter agierte und über eine bessere Ausrüstung verfügte. So kam es in der vierten und letzten Phase, die von Dezember 1938 bis März 1939 andauerte, dazu das Katalonien erobert wurde. Barcelona fiel am 26. Januar, der Staatspräsident Manuel Azaña begab sich etwa einen Monat später ins französische Exil. In Madrid mündete die Kriegsmüdigkeit in einem Militärputsch Anfang März unter Oberst Segismundo Casado und Julián Besteiro, die versuchten einen Verständigungsfrieden mit Franco auszuhandeln. Diese Verhandlungen wurden jedoch nicht zu ende geführt, da am 28. März Madrid eingenommen wurde und schließlich am 1. April1939 der Bürgerkrieg von Franco für beendet erklärt wurde.10

Guernica

Guernica, eine kleine katholische Stadt,11 liegt etwa in zehn Kilometer Entfernung vom Meer und ca. 30km östlich von Bilbao in der Provinz Biskaia des Baskenlandes, in bergiger Umgebung und am Fluss Oka. 1937, vor dem Luftangriff, wurde diese Stadt von 5.000 bis 7.000

[...]


1 Imdahl, Max: Picassos Guernica. Frankfurt am Main 1985, S. 17f.

2 Collado Seidel, Carlos: Der Spanische Bürgerkrieg. Geschichte eines europäischen Konflikts. München: C. H. Beck, 2006, S. 15.

3 Bernecker, Walther L.: Krieg in Spanien 1936-1939. Darmstadt: Wissenschafliche Buchgesellschaft, 2005, S. 8f.

4 Bernecker (2005), S. 9.

5 Bernecker (2005), S.15.

6 Rau, Peter: Der Spanienkreig 1936-39. Köln: PapyRossa, 2012, S. 121.

7 Rau (2012), S. 122.

8 Bernecker (2005), S. 30f.

9 Rau (2012), S. 123.

10 Bernecker (2005), S. 34f.

11 Patterson, Ian: Guernica and total war. Cambridge 2007, S.16.

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668386754
ISBN (Buch)
9783668386761
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352234
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Romanisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Guernica Picasso Legion Condor Spanischer Bürgerkrieg

Autor

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Titel: Guernica. Die Stadt und das Symbol