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Videobasierte Kennzeichenerfassung im Anwendungsfeld der Verkehrsentwicklungsplanung

Automatic Number Plate Recognition

Bachelorarbeit 2016 38 Seiten

Verkehrswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

a. Bemerkung:

I. Kurzfassung

II. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verkehr und dessen Untersuchung im Rahmen von Verkehrsentwicklungsplanungen
2.1 Der Verkehrsplanungsprozess und Verkehrsnachfragemodelle zur Abbildung von Verkehrserzeugung, Verkehrsverteilung und Verkehrsumlegung
2.2 Kordonerhebung als Instrument zur Erfassung von Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehr
2.3 Zählung als zusätzliches Erhebungsinstrument
2.4 Intention einer Kennzeichenerfassung
2.5 Verkehrsarten
2.6 Videobasierte Kennzeichenerfassung
2.7 Erfassungsverfahren und Erhebungszeiten
2.8 Reisezeitbestimmung

3. Technologie zur automatischen Kennzeichenerfassung
3.1 Hardware
3.2 Software

4. Datenschutz
4.1 Datenschutz national
4.2 Datenschutz in Baden-Württemberg
4.3 Sicherstellen der Einhaltung des Datenschutzes im Zuge von Kennzeichenerfassungen

5. Anwendungsbereiche
5.1 Allgemeine Anwendungen von ANPR Systemen
5.2 Einsatz und Möglichkeiten der ANPR-Systeme in der Verkehrsentwicklungsplanung

6. Fazit und Ausblick
6.1 Abgrenzung zu anderen Erhebungsmethoden
6.2 Nutzen der automatischen Kennzeichenerfassung
6.2.1 Bisheriger Nutzen
6.2.2 Möglicher Nutzen
6.3 Nachteile der Kennzeichenerfassung
6.3.1 Gefahren
6.3.2 Kosten
6.3.3 Grenzen der Technik
6.4 Persönliche Meinung

III. Quellenverzeichnis
a. Literaturverzeichnis
b. Abbildungsverzeichnis

IV. Selbständigkeitserklärung

a. Bemerkung:

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dieser Fassung der Bachelorarbeit um eine gekürzte Form handelt und lediglich der theoretische Arbeitsteil beinhaltet ist. Der praktische Teil der Arbeit behandelte eine Projektanwendung für gevas humberg & partner Ingenieurgesellschaft für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, Karlsruhe. Dieser Arbeitsteil ist mit einem Sperrvermerk versehen und darf daher nur firmenintern für gevas humberg & partner Ingenieurgesellschaft für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik verwendet werden.

I. Kurzfassung

Verkehrsentwicklungsplanungen gestalten die Infrastruktur und Mobilität von Morgen, sowohl im Individual, als auch im Öffentlichen Verkehr. Besonders im nachgefragten und bisher oftmals überlasteten motorisierten Individualverkehr (MIV) sind zukunftsfähige Planungen wichtig. Es geht nicht nur um die Planung und den Bau von Verkehrsanlagen, sondern auch um die intelligente Regulierung und Steuerung des Verkehrs, um die enormen Verkehrsmengen bestmöglich in ein nachhaltiges Energie- und Verkehrskonzept zu integrieren.

Grundlage einer jeden Planung ist die Feststellung des Ist-Zustandes. Im Rahmen von Verkehrsentwicklungsplanungen bedeutet dies, das aktuelle Verkehrsgeschehen zu erfassen und zu analysieren. Hierzu wird der Verkehr gezählt und beobachtet sowie Verkehrsteilnehmer oder Haushalte befragt.

Neben der reinen Zählung des Verkehrs, werden zunehmend auch die Verkehrsverflechtungen erhoben. Das bedeutet Quelle, Ziel und Ursache einer Fahrt zu erfassen. Bisher wurden Verkehrsverflechtungen durch Befragungen der Verkehrsteilnehmer, durch eine manuelle Kennzeichenerfassung oder durch die Bezettelungsmethode bestimmt. Alle drei Methoden haben jedoch teils erhebliche Nachteile. Als recht neue Methode gilt die automatische Kennzeichenerfassung mittels sogenannter Automatic number plate recognition Systeme (ANPR), ein als durchaus vielversprechend geltendes Verfahren.

In dieser Bachelorarbeit werden die Technik und das Potential sowie Vor- und Nachteile dieser Erhebungsmethode untersucht. Weiterhin wird ein genauer Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen einer automatischen Datenerfassung und -verarbeitung geworfen.

Zudem werden verschiedene ANPR-Systeme mit unterschiedlichen Kameras und unterschiedlichen Softwares sowie die Investition in diese Technik betrachtet und die Kennzeichenerfassungsmethode im Rahmen eines Projektes getestet. Hierbei wird speziell auf die Herausforderungen und Spezifika dieser Erhebungsmethode eingegangen und ein rechnerischer Vergleich mit Fehleridentifikationsrate und einer statistischen Fehlerberechnung zur manuellen Erfassungsmethode angeführt.

Abschließend wird ein Ausblick für die Zukunft gegeben und mögliche Fortschritte der Technik und deren Einsatz aufgezeigt.

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Verkehrserhebungen dienen der Erfassung verschiedenster Verkehrsdaten. Diese bilden das Fundament unserer Verkehrsplanungen. Verkehrserhebungen können quantitative sowie qualitative Daten ermitteln. Dies bedeutet, dass neben der Zählung des Verkehrs auch die Bestimmung von Ursachen und Beziehungen des Verkehrs an Bedeutung zunimmt.

Die Untersuchung von Ursachen und Beziehungen wurde bisher vernachlässigt und ist mit den bekannten Erhebungsmethoden teilweise nicht möglich. Zur Erhebung von Verkehrsverflechtungen bedarf es neuer Methoden und Techniken.

Im Rahmen dieser Bachelorthesis soll die Technik der automatischen Kennzeichenerfassung durch Kamerasysteme zur Datenerhebung von Verkehrsverflechtungen näher untersucht werden. Sie stellt eine Alternative zur bisher bekannten manuellen Kennzeichenerfassung und zur typischen Befragung der Verkehrsteilnehmer dar und ist ein recht neues Werkzeug in der Verkehrsplanung. Betrachtet wird der Nutzen dieser Systeme und die Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen Erhebungsmethoden. Darüber hinaus wird die Anwendung solcher Systeme im Verkehrsplanungsprozess dargestellt.

Folgend wird die automatische Kennzeichenerhebung als Planungsinstrument einer Teilortsumgehung im Verkehrsplanungsprozess beschrieben.

Abschließend werden die Auswirkungen von Kennzeichenerfassungen auf den Verkehrsplanungsprozess und die gesamte zukünftige Mobilität konstruiert.

2. Verkehr und dessen Untersuchung im Rahmen von Verkehrsentwicklungsplanungen

2.1 Der Verkehrsplanungsprozess und Verkehrsnachfragemodelle zur Abbildung von Verkehrserzeugung, Verkehrsverteilung und Verkehrsumlegung

Verkehr entsteht durch Ortsveränderungen, da die Aktivitätsorte der Bevölkerung räumlich voneinander getrennt sind (zum Beispiel Arbeitsplatz, Wohnort, Freizeitaktivität). Dies hat erheblichen Einfluss auf das Verkehrsgeschehen, welches maßgeblich durch diese räumliche Verteilung definiert wird.

Über achtzig Prozent dieser Ortsveränderungen finden durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) statt, also beispielweise mit einem PKW. Trotz der langsamen Umverteilung im Modal Split, durch Sharing-Prinzipien, verbessertes ÖPNV-Angebot oder neue Verkehrsmittel wie z.B. das E-Bike, werden die Verkehrsleistungen im MIV auch langfristig nicht zwangsläufig abnehmen. Um diese Verkehrsleistungen stemmen zu können und die Angebotsqualität im MIV zu verbessern, ist eine präzise Planung der Verkehrsinfrastruktur notwendig.

Aufgabe der Verkehrsplanung ist es, das künftige Verkehrsaufkommen zu prognostizieren, also die Summe der Wege zwischen einzelnen Verkehrszellen aufzuzeigen. Die Basis einer solchen Prognose ist eine Analyse des Ist-Zustandes. Dadurch kann man unter Zuhilfenahme von Hochrechnungsmodellen künftiges Verkehrsaufkommen darstellen.

Der Prozess der Verkehrsplanung ist unterteilbar in

- Vororientierung,
- Problemanalyse,
- Maßnahmenuntersuchung,
- Abwägung und Entscheidung sowie
- Umsetzung und Wirkungskontrolle

(Vgl. Uwe Köhler Einführung in die Verkehrsplanung, Fraunhofer IRB Verlag, 2014, Stuttgart, S. 17, 21)

Der Fokus dieser Bachelorthesis liegt auf dem Instrument der Verkehrserhebung, welches im zweiten Teilprozess der Verkehrsplanung, das heißt der Problemanalyse, Anwendung findet. Das Ziel der Problemanalyse ist die Untersuchung des Ist-Zustandes. Um diesen zu untersuchen und darzustellen sind Verkehrserhebungen nötig.

2.2 Kordonerhebung als Instrument zur Erfassung von Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehr

Die Erhebungsarten unterscheiden sich in Abhängigkeit des Erhebungszweckes.

So können sie unterschieden werden in Zählungen (zur Erfassung von Verkehrsmengen), Beobachtungen (zur Erfassung von Verhaltensweisen und Mustern) und Befragungen (zur Erfassung von Verkehrsverflechtungen und Verkehrszwecken).

Die reine Zählung von Fahrzeugen kann an Straßenquerschnitten, Knotenpunkten oder in ganzen Netzen oder Kordons stattfinden. Insbesondere im Falle von Kordonzählungen kann eine zusätzliche Erfassung von Verkehrsverflechtungen zur Bestimmung von Ziel-, Quell- und Durchgangsverkehr wichtig sein.

Die Bestimmung von Verkehrsverflechtungen erfolgt im Regelfall durch Befragungen. Einen neuen Ansatzpunkt stellt hier die Kennzeichenerfassung dar, bei der anhand des Kennzeichens Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehr bestimmt werden kann.

Der Untersuchungsraum (Kordon) besteht aus dem Planraum (zum Beispiel einem Quartier oder einer Gemeinde) und dem darum befindlichen Einflussbereich. Je nach Dimension des Kordons besteht dieser wiederum aus einer oder mehreren Verkehrszellen (theoretische Raumeinheit mit fest definierten Grenzen, z.B. entlang einer Straße, Quartiersgrenze, etc.).

Sämtliche Verkehrsbewegungen und Verkehrsverflechtungen können in komplexen Modellen und Algorithmen dargestellt werden. Verkehrsströme einer Verkehrszelle lassen sich anhand der erfassten Daten berechnen und im Computermodell darstellen. Um ausreichend exakte Daten für die Modellierungen zu gewinnen, muss auch in der Datenerhebung, nicht bloß in der Datenverarbeitung, ein technologiebasierter Fortschritt erzielt werden. Je höher die Qualität der erfassten Daten ist, desto präziser und realistischer werden die Prognosen und Modellierungen.

2.3 Zählung als zusätzliches Erhebungsinstrument

Oftmals wird zusätzlich zur reinen Erfassung von Kennzeichen eine Zählung des Verkehrsaufkommens inklusive Zuteilung zu den Fahrzeugklassen durchgeführt. Zum einen werden Daten über die Verkehrsmenge zum Fehlerausgleich bei Kennzeichenerhebungen benötigt, zum anderen ist oftmals die Kenntnis über die Zusammensetzung des Verkehrs wichtig.

Verkehrszählungen können mit unabhängigen Videoaufzeichnungen und anschließender Auswertung, der Identifikation vollständiger Kennzeichen mit Abfrage der Kennzeichen zum zugehörigen Fahrzeug (problematisch aus Datenschutzgründen) oder über Bestimmung verschiedener Fahrzeugparameter (Größe, Form) und der entsprechenden Zuordnung zu den Fahrzeugklassen erfolgen.

Die übliche Unterteilung der Fahrzeugklassen erfolgt mindestens in Personenkraftwagen und Lastkraftwagen, üblich ist jedoch die Unterteilung 5+1. Die Unterteilung erfolgt dann in:

- Personenkraftwagen / Lieferwägen bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht ohne Anhänger / Wohnmobile, Kraftfahrräder
- Personenkraftwagen / Lieferwägen bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht mit Anhänger
- Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht ohne Anhänger, Zugmaschinen von Sattelkraftfahrzeugen ohne Auflieger
- Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht mit Anhänger, alle Sattelkraftfahrzeuge
- Fahrzeuge mit mehr als 9 Sitzplätzen zur Personenbeförderung auch mit Anhänger
- Nicht klassifizierbare Kraftfahrzeuge (Fahrzeugart war nicht bestimmbar oder Fahrzeug gehörte keiner der Klassen an)

2.4 Intention einer Kennzeichenerfassung

Hintergründe einer Kordonerhebung können unterschiedlich sein, vorrangig dienen sie jedoch

- der Planung und Dimensionierung von künftigen Straßenverkehrsanlagen und Knotenpunktsausführungen,
- allgemeinen Untersuchungen, die Aufschluss über die Auslastung des Verkehrsnetzes geben und damit verknüpfte Nutzenanalysen,
- einer Maßnahmenauswahl zum Verkehrsmanagement,
- Ermittlung von Lärm- oder Emissionsbelastungen,
- als Grundlage für ein Sicherheitsaudit oder zur Analyse von Unfallvorgängen,
- als Grundlage für Verkehrsmodelle

Trotz der Fragwürdigkeit der Kennzeichenerfassung hinsichtlich des Datenschutzes ist diese ein wichtiges Instrument der Kordonerhebung. Sie ermöglicht Aussagen über Routenwahlen innerhalb des Kordons (Routen-Split, also die Verteilung der zurückgelegten Wege zwischen Quelle und Ziel auf die verschiedenen möglichen Routen zwischen diesen zwei Punkten), die ohne Erfassung der Kennzeichen nicht möglich wäre. Durch Kenntnis dieser Daten kann man den Durchgangsverkehr leiten und beeinflussen. Der Routen-Split ist abhängig von der Angebotsqualität der einzelnen Routen, wobei die Route mit der besten Angebotsqualität (Auslastung der Route und Dimensionierung der Verkehrsanlage) bevorzugt wird. Herrscht im betrachteten Kordon ein hoher Anteil an Durchgangsverkehr, sollte das Ziel sein, diesen künftig außerhalb des Kordons zu halten (zum Beispiel mittels einer Umgehungsstraße).

Die Erfassung der Kennzeichen kann manuell (mittels Zählpersonal), automatisch (mittels Kameraaufzeichnung) oder mittels Bezettelungsmethode erfolgen. Bei der manuellen Erfassung trägt das Zählpersonal die Kennzeichen der gezählten Fahrzeuge in ein dafür vorgesehenes Zählprotokoll ein, wobei eine stundenweise Trennung erfolgt. Bei der automatischen Erfassung fotografieren mobile und für diesen Zweck eigens angebrachte oder stationäre, festangebrachte Kameras die Kennzeichen der vorbeifahrenden Fahrzeuge und lesen diese aus. Die Kameras werden mittels Masthalterung an Straßenbeschilderungen, Befestigungen von Lichtsignalanlagen oder Brückengeländern (insbesondere bei Aufzeichnung von Autobahnen von einer Autobahnbrücke aus) montiert oder mit einem eigenen Stativ aufgestellt. Die Bezettelungsmethode arbeitet mit der Bezettelung von Kraftfahrzeugen oder der Ausgabe von Zählmarken an die Kraftfahrer. Die Fahrzeuge erhalten an den Erhebungsstellen Zettel mit unterschiedlichen Farben, wonach die Stellen unterschieden und zugeordnet werden können.

2.5 Verkehrsarten

Durch eine Kennzeichenerfassung können die verschiedenen Verkehrsarten in einem Planungsraum bestimmt werden.

- Durchgangsverkehr: durchquert den Raum nur, da sowohl die Quelle, als auch das Ziel außerhalb des Raumes liegen
- Gebrochener Durchgangsverkehr: Durchgangsverkehr, der seine Fahrt im Kordon unterbricht (z.B. für Einkäufe oder Besuche)
- Quellverkehr: stammt aus dem Raum, da seine Quelle innerhalb, das Ziel jedoch außerhalb des Raumes liegt
- Zielverkehr: endet in dem Raum, da sein Ziel innerhalb, die Quelle jedoch außerhalb des Raumes liegt
- Binnenverkehr: kann nicht bestimmt werden, da sowohl Quelle, als auch Ziel innerhalb des Raumes liegen und er so nicht an den Querschnitten an der Raumgrenze erfasst wird.
- Einstrahlender Verkehr: fährt in den Raum ein (Summe aus Zielverkehr und Durchgangsverkehr)
- Ausstrahlender Verkehr: fährt aus dem Raum aus (Summe aus Quellverkehr und Durchgangsverkehr)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verkehrsarten und Untersuchungsraum

Quelle: Eigene Darstellung nach Empfehlungen für Verkehrserhebungen, FGSV (2012), S. 12

Der Durchgangsverkehr fährt lediglich durch den Kordon hindurch, er ist somit der einzige Verkehr, der sich nicht im betrachteten Gebiet aufhalten muss. Er sollte, wenn möglich, vom Quell- und Zielverkehr sowie der Aufenthaltsfunktion im Kordon getrennt werden. Diese Trennung kann beispielweise mithilfe einer Umgehungsstraße um den Kordon erfolgen, auf der der Durchgangsverkehr um den Kordon herumgeführt wird. Durch die Trennung vom Durchgangsverkehr wird der Kordon von der Verkehrsbelastung entlastet, womit sich die Verkehrsqualität innerhalb des Kordons erhöht.

Durch Erfassung von Quell- und Zielverkehr können Quelle-Ziel-Matrizen berechnet werden, die sämtliche Verkehrsbeziehungen eines Planungsraums zwischen der Quell- und der Zielverkehrszelle darstellen.

Die Summe Zj und die Summe Qi bilden somit alle Fahrten des Planungsraums Fij ab.

Abbildung 2: Quelle-Ziel-Matrix

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Martin Randelhoff, Datenbasierte Verkehrsplanung: Vom Papier-Erhebungsbogen zu Big Data (2015), S. 3

2.6 Videobasierte Kennzeichenerfassung

Die videobasierte Kennzeichenerfassung erfolgt durch Automatic Number Plate Recognition Systeme (ANPR), wobei das Fahrzeugkennzeichen fotografiert und das aufgenommene Bild direkt automatisch ausgelesen wird. Dies geschieht durch eine Optical Character Recognition, also eine optische Zeichenerkennung zum Auslesen des Kennzeichens.

Beim Einfahren in den Planraum wird das KFZ-Kennzeichen eines Fahrzeugs erfasst. Wird dieses Kennzeichen an keinem anderen Querschnitt beim Ausfahren aus dem Planraum erfasst, befindet sich das Fahrzeug noch im Planraum. Andersherum wird ein Fahrzeug beim Ausfahren aus dem Planraum an einem Querschnitt erfasst und fährt an keinem anderen Querschnitt wieder ein, so befindet es sich außerhalb des Planraums. Wird ein Fahrzeug beim Einfahren in den Planraum erfasst und fährt an einem Querschnitt wieder aus, so kann man den Durchgangsverkehr erfassen. Bestimmt werden kann die Route anhand von Einfuhrquerschnitt und Ausfuhrquerschnitt, sowie die für die absolvierte Strecke benötigte Zeit.

Moderne ANPR-Systeme liefern eine Genauigkeit von mindestens 95% bei der Erkennung von Kennzeichen.

Kriterien der videobasierten Kennzeichenerfassung sind

- die Kameraaufnahmequalität,
- Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Optical Character Recognition (OCR),
- Witterungs- und Sichtverhältnisse,
- Verkehrsdichte und Anzahl der zu erfassenden Fahrstreifen an einem Querschnitt sowie
- die Installationsstandorte und –bedingungen der Kameras.

2.7 Erfassungsverfahren und Erhebungszeiten

Im Vorfeld der Erhebung ist die Methode zu wählen. Dies sollte unter Abstimmung mit dem Auftraggeber erfolgen. Wird manuelles Personal zu den Erhebungen eingesetzt, ist dieses sorgfältig auszuwählen und zu schulen. Im Falle einer Erhebung mittels Kameras sind die Systeme vorher zu testen.

Erhebungen sollten stets in den Monaten März bis Oktober stattfinden. Besondere Zeiten wie Ferien und Feiertage sind zu berücksichtigen. Die Tage Montag bis Donnerstag ähneln sich vom Verkehrsaufkommen, weshalb diese gleich zu behandeln sind, Freitage und Sonntage sind separat zu erheben.

Im Normalfall wird die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke DTV (Montag bis Sonntag) oder die durchschnittliche werktägliche Verkehrsstärke DTVw5 (Montag bis Freitag) benötigt. Die Zählzeiten sind also so auszuwählen, dass eine Hochrechnung auf die angestrebte Aussage möglich ist.

Abbildung 3: Zählzeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Empfehlungen für Verkehrserhebungen, FGSV (2012) S. 28

2.8 Reisezeitbestimmung

Zusätzlich zu Aussagen über Routenwahlen kann man eine Reisezeitbestimmung des Durchgangsverkehrs durchführen, wenn bei der Erfassung des Kennzeichens zusätzlich ein Zeitstempel erhoben und mit dem zugehörigen Kennzeichen gesichert wird. Eine solche Zeitstempelerfassung ist ausschließlich bei der videobasierten Kennzeichenerfassung möglich, da die Zeitmessungen insbesondere bei kurzen Messstrecken bei manueller Erfassung sonst unzureichend genau sind. Wird ein Kennzeichen an zwei Querschnitten erfasst, kann mithilfe der Zeitstempel eine mittlere Reisezeit für die entsprechende Strecke errechnet werden. So erhält man Informationen über mögliche Aufenthalte im Planungsraum (sog. gebrochener Durchgangsverkehr) oder Stauaufkommen, falls ein Fahrzeug von der sonst üblichen Reisezeit abweicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Prinzip der Kennzeichenerfassung zur Messung von Reisezeiten

Quelle: Empfehlungen für Verkehrserhebungen, FGSV (2012), S. 51

3. Technologie zur automatischen Kennzeichenerfassung

Zur Kennzeichenerfassung werden ANPR-Systeme verwendet, welche aus Hardware und Software bestehen.

3.1 Hardware

Die Hardwarekomponente umfasst eine hochauflösende Kamera, einen kamerainternen Infrarotstrahler und eine geräteeigene 24 Volt Spannungsversorgung. Durch die integrierte OCR Software stellt jede einzelne Kamera ein autark funktionierendes System dar.

ANPR-Kameras gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Je nach Systemtyp existieren unterschiedliche Kriterien für die Montage. Zu beachten ist insbesondere die vorgegebene Montagehöhe, aber auch der seitliche Aufstellungswinkel zur Fahrbahn sowie der Neigungswinkel.

Zur optimalen Ausleuchtung der Fotos wird infrarotes Licht eingesetzt, das es ermöglicht, bei kurzen Belichtungszeiten hochauflösende Fotos zu schießen und hierbei vom Menschen nicht wahrgenommen werden kann.

Die Kameras können je nach Ausführung und Positionierung Kennzeichen auf mehreren Fahrstreifen gleichzeitig sowie bei Geschwindigkeiten von bis zu etwa 250 km/h erfassen. Die Echtzeitverarbeitung sollte mindestens 25fps betragen.

Die Kameras sind mobile oder semimobile Systeme, die mittels Stativ aufgestellt werden oder an ortsfesten Bauwerken, Beschilderungen oder Lichtmasten sowie Masten von Lichtsignalanlagen befestigt werden können. Zugehörig zur Kamera wird somit ein Stativ oder eine andere Masthalterung benötigt, um die Kameras vor Ort befestigen zu können.

Weiterhin müssen Kameras witterungsbeständig sein und einen geeigneten Einsatztemperaturbereich aufweisen. Im mitteleuropäischen Raum sind Kameras mit einem Einsatztemperaturbereich von -30 bis +50 Grad geeignet. Die Schutzart für Kameras und Gehäuse für Zubehör sollte mindestens IP66[1] nach den International Protection Codes betragen.

Die benötigte Spannungsversorgung von 24 Volt liefert ein externer Akku, da von einer bestehenden Stromversorgung vor Ort nicht ausgegangen werden kann.

Zudem muss jede Kamera an einen Laptop gekoppelt sein, der die Daten automatisch vor Ort verarbeitet. Dieser Laptop muss gesichert und somit für Dritte unzugänglich sein. Hierzu eignet sich ein verschließbarer, witterungsfester Koffer, in dem der Laptop eingeschlossen werden kann.

Die Kameras werden mittels Stativ, Masthalter, Eckhalter oder Deckenhalter befestigt. Besonders praktikabel sind zumeist Masthalter gekoppelt mit einem Ausleger. Dieser kann an Licht- oder Schildmasten befestigt werden. Beachtet werden muss, dass die Kameras in einer geeigneten Höhe angebracht werden, sodass nicht jede Beschilderung für eine Montage in Frage kommt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Aufbau der ANPR-Kamera

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Quelle: Eigenes Foto

Seltener können auch ortsfeste Kameras, wie Radarkontrollen oder Überwachungskameras, zur Kennzeichenerfassung herangezogen werden. Diese besitzen in den meisten Fällen aber keine OCR-Software und müssen daher separat mit solch einer versorgt oder die aufgenommenen Fotos nachträglich verarbeitet werden. Problematisch können bei solch vorhandenen Kameras auch Aufnahmewinkel, Qualität und die technischen Grenzen hinsichtlich maximaler Lesegeschwindigkeit oder Lesebreite sein. Zudem muss geprüft werden, ob sich ortsfeste Kameras an geeigneten Erhebungsstandorten befinden. Durch diese Nachteile ist es in den meisten Fällen notwendig mobile Systeme einzusetzen.

[...]


[1] Schutzart, die Staubdichtheit und Schutz gegen starkes Strahlwasser nach DIN 40050 bietet

Details

Seiten
38
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668386617
ISBN (Buch)
9783668386624
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352209
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
ANPR automatische Kennzeichenerfassung Kennzeichenerfassung Verkehrsplanung automatic number plate recognition

Autor

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Titel: Videobasierte Kennzeichenerfassung im Anwendungsfeld der Verkehrsentwicklungsplanung