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Die befreiende Wirkung des Geldes. Theorien von Georg Simmel und Karl Marx im Vergleich

Hausarbeit 2016 19 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. EINFÜHRUNG IN DIE GESCHICHTE DES GELDES

3. GEORG SIMMEL
3.1 DIE BEFREIENDE WIRKUNG DES GELDES BEI SIMMEL
3.2 DIE ENTFREMDENDE WIRKUNG DES GELDES BEI SIMMEL

4. KARL MARX
4.1 DIE UMWANDLUNG VON GELD IN KAPITAL
4.2 FETISCHBEGRIFF BEI MARX
4.3 AUSWIRKUNGEN DES GELDES AUF DIE GESELLSCHAFTLICHEN STRUKTUREN

5. VERGLEICH DER BEIDEN THEORIEN IN BEZUGNAHME AUF DAS MEDIUM GELD
5.1 PARALLELEN DER BEIDEN THEORIEN
5.2 UNTERSCHIEDE DER BEIDEN THEORIEN

6. FAZIT

7. LITERATURVERZEICHNIS

8. INTERNETQUELLEN

1. Einleitung

Der russische Dichter Dostojewski beschrieb das Geld im 19. Jahrhundert als geprägte Freiheit. Im 21. Jahrhundert hat das Geld immer noch erheblichen Einfluss auf das soziale Gefüge der Gesellschaft. Ob und inwiefern das Geld tatsächlich eine befreiende Wirkung hat, soll Gegenstand dieser Arbeit werden.

Mit der Erfindung des Geldes wollten die Menschen zunächst den Tauschhandel erleichtern. Das Geld hat seitdem jedoch graduelle Veränderungsprozesse erfahren und lässt sich nun als ein komplexes Medium betrachten, welches nicht nur eine gewisse Totalität in der Gesellschaft eingenommen hat, sondern mit seinen weitreichenden Funktionsbereichen ein interessantes Analysepotenzial bietet. Mittlerweile kann man davon sprechen, dass monetäre Interessen als interdisziplinärer Motor der heutigen Zeit gesehen werden können, welcher auf verschiedenen Wegen relevant für soziale Interaktionen, sowie gesellschaftliche Verhältnisse im Allgemeinen, wird.

Zunächst soll in der „Einführung in die Geschichte des Geldes“ ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung des Geldes geschaffen werden. Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, welche Wirkung das Geld als ein soziales Medium hat. Um der Beantwortung der Frage näher zu kommen, sollen zwei verschiedene Theorien dargelegt und anschließend verglichen werden. Zum einen die Betrachtungsweise von Georg Simmel, der in seinem Werk „Philosophie des Geldes“, eine ambivalente Wirkung des Geldes aufzeigt und zum anderen Karl Marx, der in seinem Werk „Das Kapital“ analysiert, welche Rolle das Geld, in seinem Verständnis von Gesellschaft spielt. Vorerst soll Simmels Vorstellungen des Geldes als sozial befreiende Wirkung beschrieben werden, um anschließend auf die entfremdende Wirkung des Selbigen einzugehen. Bei der Betrachtung von Marx Werk soll die Umwandlung von Geld in Kapital und folgend die entfremdende Wirkung auf die gesellschaftlichen Strukturen dargelegt werden. Abschließend sollen sowohl Parallelen als auch Unterschiede der beiden Ansätze herausgearbeitet werden, um im Fazit auf die Ergebnisse der Analyse einzugehen.

Sowohl die Analyse als auch die Betrachtung der beiden Theorien, soll sich auf das Medium des Geldes beschränken und stellt somit Teilbereiche der genannten Werke in den Hintergrund, da eine umfassende Behandlung beider Theorien den Rahmen der vorliegenden Arbeit überstrapazieren würde.

2. Einführung in die Geschichte des Geldes

Heutzutage kann man sich ein Leben ohne Geld nur noch schwer vorstellen. Faktisch hat jedoch auch das Geld einen großen historischen Wandel hinter sich, welcher zu der Nutzung und den heutigen Eigenschaften des Mediums geführt hat. Der genaue historische Ursprung des Geldes ist schwer zu datieren, jedoch ist der Handel und damit der Austausch von Gütern existent seit es die Menschheit gibt (vgl. Kellermann 2014, s.3). In vorhistorischer Zeit wurden oft wertvolle, oder auch seltene, Güter gehandelt, welche als „Geld“ fungierten, wie beispielsweise „mit Muscheln, Pfeilspitzen oder Salz“ (Van Suntum 2010: www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/die- geschichte-des-geldes-von-der-muschel-zum-papier-11066486.html [Zugriff 14.08.2016 19:51]). So kann auch das Zitat von Bammé verstanden werden, der die Formel aufstellte: „Geld ist, was als Geld gilt“ (Bammé 2005, s. 10). So galt unteranderem auch Gold, als Edelmetall, als eine konstante Wertanlage die meist in Form von Goldklumpen, oder später in verarbeiteten Münzen gehandelt wurde (vgl. Kellermann 2014, s.4). Der Vorteil in den gehandelten Münzen bestand im einheitlichen Gewicht, welches dazu führte, dass es möglich war die Münzen abzuzählen und so den Wert zu bestimmen, statt die Waren abwiegen zu müssen (vgl. Van Suntum 2010: www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/die-geschichte-des- geldes-von-der-muschel-zum-papier-11066486.html [Zugriff: 20.08.2016 18:40]). Gold war jedoch durch starke Veränderungen des Angebotes und der Nachfrage, von ständigen Preisschwankungen betroffen, was dazu führte, dass es sich als endgültiges Zahlungsmittel nicht durchsetzen konnte (vgl. Kellermann 2014 s.5). So kam es, dass der damalige US-Präsident Nixon erstmalig den stetigen Umtausch von Gold in Dollarnoten gesetzlich festhielt und damit die Institutionalisierung des Geldes ungemein voranbrachte (vgl. ebd.). Auch wenn sich das auf diese Weise immer mehr etablierende Medium des Papiergeldes Wertschwankungen durch Inflation und resultierenden Finanzkrisen ausgesetzt sah, hat es sich bis heute gehalten und befindet sich noch immer im stetigen Wandel. Während in den antiken Agrargesellschaften noch mit „Naturgeld“ gehandelt wurde, dem man einen klaren Gegenwert zusprechen konnte, nahm in der folgenden Militärgesellschaft das „Metallgeld“ als Zahlungsmittel seinen Platz ein (vgl. ebd. s.6). Das sich in der Industriegesellschaft etablierende Papiergeld, wird in der heutigen Zeit zunehmend digitalisiert und zu virtuellem Geld transformiert, mit dem Handel getrieben wird. Diese Tendenzen der immer stärkeren Entmaterialisierung könnte man als immer stärker werdende Abstraktion des Geldes bezeichnen.

3. Georg Simmel

Georg Simmel der 1990 sein Werk mit dem Titel „Philosophie des Geldes“ veröffentlichte, behandelt in diesem vorrangig die Auswirkungen der modernen Geldwirtschaft auf die Gesellschaft (vgl. Rosa et al. 2013, s.93). Simmel interessiert sich vorrangig für sogenannte Vergesellschaftungsprozesse, welche sich durch die Art und Weise kennzeichnen, wie Individuen aufeinander und auf die Gesellschaft bezogen, in wechselseitiger Beziehung stehen und sich somit gegenseitig formen und prägen (vgl. ebd. s.95). Er versucht außerdem die von ihm beobachteten Modernisierungsprozess nicht einseitig zu fassen, sondern „[...] die Wechselwirkung zwischen Individuellen, strukturellen, geistigen und materiellen Entwicklungen“ (ebd., s.94) als grundlegende Triebkräfte der Veränderung zu bestimmen. In der „Philosophie des Geldes“ stellt Simmel die entfremdete Wirkung des Geldes dar, beschreibt jedoch zugleich den Markt als eine Institution, welche den Menschen stärkt und die Gesellschaft zusammenhält (vgl. Hürter, Vašek 2014, s. 27). Im Folgenden sollen zwei Perspektiven auf die ambivalente Wirkungen des Geldes bei Simmel dargelegt werden.

3.1 Die befreiende Wirkung des Geldes bei Simmel

Simmel stellt die befreiende Wirkung des Geldes vielschichtig dar. Zunächst beschreibt er die Auflösung der Bindung zwischen Besitz und Persönlichkeit, sowie den Zerfall von gebundenen Interessenkreisen, wie unter anderem Feudalverbänden, durch das Medium Geld (vgl. Simmel 1983, s.72). Die Geldwirtschaft löst somit die Beziehung von Persönlichkeit und dinglicher Beziehung auf. Das Individuum kann folglich freier entscheiden, an wen oder von wem es etwas kauft, oder verkauft (vgl. Deutschmann 2009, s.20). Dieses Faktum führt letztlich zu einer größeren Unabhängigkeit des ökonomischen Handelns der Menschen (vgl. Simmel 1983, s.73). Auch die Auswechselbarkeit von Handelspartnern durch schnelleren und beliebigeren Wechsel, führt zu einer höheren ökonomischen Freiheit des Einzelnen (vgl. ebd.). Somit beschreibt Simmel das Geld als lokal trennend und global verbindend zugleich. Die verbindende Wirkung lässt sich insbesondere darin erkennen, dass Gruppen sich nicht mehr aufgrund von persönlichen Eigenschaften, sondern der gemeinsamen Basis des Geldes, zusammen finden (vgl. ebd.). Die so entstehenden Wirtschaftsgemeinschaften entwickeln starke soziale Bindungen, aufgrund der Notwendigkeit, Geld umzusetzen und Werte aufrechtzuerhalten (vgl. ebd.). Simmel sieht das Geld, an dieser Stelle, als den Inbegriff des Sozialen, da sich die Menschen auf einen gemeinsamen Wert einigen müssen und durch ein äquivalentes Tauschmedium, dass „für einander Produzieren“, die Arbeitsteilung, erst möglich gemacht wird (vgl. ebd.). Auch der Zugriff auf alle Güter des Marktes, sowie solche, die noch entwickelt wurden, können durch das Äquivalenzmedium Geld möglich gemacht werden (Deutschmann 2009, s.20). Die Ausweitung des Marktes geht auch mit einer steigenden Mobilität und erweiterten Erreichbarkeit einher, die das Geld möglich macht, da die Bindung an das Lokale gehemmt wird (vgl. Simmel 1983, s.75). Die so entstehende Mobilität birgt sowohl räumliche Freiheit, als auch ein höheres Maß an möglichen sozialen Beziehungen.

Das Geld kann laut Simmel somit auf viele unterschiedliche Wege eine befreiende und sozial verstärkende Wirkung auf die Gesellschaftsstrukturen haben.

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Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668384118
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352040
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Marx Simmel Geld Vergleich

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